Stille Stunde – gemeinsam zusammen e.V.
Recherche zum GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz

Bestehen verfassungsrechtlich relevante Lücken?

Eine Recherche zum GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz und den begleitenden Gesundheitsreformen: mehrere prüfbare verfassungsrechtliche Bedenken – bei Gleichbehandlung, Schutzpflicht, Verhältnismäßigkeit, Kohärenz und der zugrunde liegenden Ermittlung.

Die Leitfrage an die politisch Verantwortlichen: Auf welcher Grundlage gelten die verfassungsrechtlichen Bedenken als ausgeräumt – überproportionale Belastung, ihre Rechtfertigung und das tatsächliche Greifen der Schutzmechanismen?

Gesetz ausgefertigt am 24.07.2026 · verkündet am 29.07.2026 (BGBl. 2026 I Nr. 228) · zentrale Belastungen ab 1.1.2027
← Zur Übersicht
Überblick · Die Aussage & die offene Frage

Worauf diese Recherche antwortet.

Uns wird ein Ergebnis mitgeteilt, aber keine erkennbare Grundlage. Genau das ist die offene Frage.

Das Bundespräsidialamt teilt uns mit
Der Bundespräsident hat das Gesetz nach Art. 82 Abs. 1 GG eingehend auf seine Verfassungsmäßigkeit geprüft und dabei auch die von uns vorgebrachten Einwände berücksichtigt. Im Ergebnis dieser Prüfung lagen keine durchgreifenden verfassungsrechtlichen Bedenken vor, die den Bundespräsidenten an einer Ausfertigung des Gesetzes gehindert hätten.
Unsere Frage

Wir haben zu den Folgen für Menschen mit nicht sichtbaren Behinderungen recherchiert. Ergebnis: Anhand der öffentlich zugänglichen Unterlagen ist eine Entwarnung nicht belastbar – eine überproportionale Benachteiligung ist konkret möglich und fachlich plausibel. Deshalb die Frage: Auf welcher Grundlage gelten die verfassungsrechtlichen Bedenken als ausgeräumt?

Warum das verfassungsrechtlich zählt

Es geht nicht nur um einzelne Belastungen. Das GKV-Gesetz kann die Wirkung anderer, gerade beschlossener Schutzgesetze schwächen – etwa des Suizidpräventionsgesetzes: Eine frühere Erkennung von Krisen schützt nur, wenn ihr eine erreichbare Behandlung folgt. Daraus ergeben sich vier Fragen:

  1. Ist es verfassungsrechtlich unerheblich, wenn vulnerable Gruppen dadurch benachteiligt werden können?
  2. Ist es unerheblich, wenn ein Gesetz die Wirkung eines anderen aushebelt, weil Maßnahmen gegeneinander wirken?
  3. Ist es unerheblich, wenn eine Maßnahme eine bestehende Versorgungslücke vergrößert, ohne dass dies evaluiert und mit Gegenmaßnahmen aufgefangen wird?
  4. Ist es unerheblich, wenn eine wirksame Prüfung dieser Folgen unterbleibt?

Diese vier Fragen führen auf eine: Wie wurde geprüft und begründet, dass diese Regelungen Menschen mit Behinderungen nicht überproportional und ungerechtfertigt belasten – und dass die vorgesehenen Schutzmechanismen tatsächlich greifen, obwohl die Folgen für diese Gruppen nach eigener Auskunft nicht gesondert ermittelt wurden? Wir verlangen keinen Gegenbeweis, sondern fragen nach der Grundlage. Nach der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte kann sich die Rechtfertigungslast, sobald eine stärkere Betroffenheit sichtbar wird, zum Staat verschieben.

Überblick · Ergebnis auf einen Blick

Die Argumentation in sechs Sätzen.

Ob und wie eine Benachteiligung geprüft wurde, ist nicht ausgewiesen. Wir haben dazu recherchiert – und kommen zu anderen Ergebnissen.

  1. Das Bundespräsidialamt teilt mit, das Gesetz sei nach Art. 82 Abs. 1 GG geprüft; es lägen keine durchgreifenden verfassungsrechtlichen Bedenken vor.
  2. Die Auskunft auf unsere IFG-Anfrage und die Gesetzesbegründung (S. 88) zeigen: Eine behinderungsspezifische Folgenabschätzung wurde nicht durchgeführt und liegt nicht vor.
  3. Wir haben zu den Folgen für Menschen mit nicht sichtbaren Behinderungen recherchiert.
  4. Unsere Recherche kommt zu anderen Ergebnissen: gewichtige Hinweise auf mehrere prüfbare Lücken – bei Ermittlung und Daten, in der Zeitfolge, in der Kohärenz und beim Schutz.
  5. Diese Hinweise ergeben fünf eigenständige Argumentationsstränge – jeder rechtlich und wissenschaftlich belegt.
  6. Deshalb die Frage: Auf welcher Grundlage gelten die verfassungsrechtlichen Bedenken als ausgeräumt?
Unser Ergebnis

Die öffentlich zugänglichen Unterlagen erlauben keine belastbare Entwarnung. Mehrere gesetzlich feststehende Belastungen treffen auf bereits dokumentierte Versorgungs- und Zugangslücken und auf Menschen, die behinderungs- oder krankheitsbedingt stärker auf kontinuierliche, praktisch erreichbare Versorgung angewiesen sind. Die konkrete Wirkung des Gesetzes ist noch nicht gemessen. Es bestehen jedoch hinreichend konkrete, fachlich plausible Risiken einer überproportionalen Benachteiligung – gewichtig genug, dass eine gruppendifferenzierte Prüfung, wirksame Kompensation und frühzeitige Kontrolle erforderlich sind. Auf welcher Tatsachen- und Prognosegrundlage die vorgetragenen verfassungsrechtlichen Bedenken als ausgeräumt gelten, ist in den veröffentlichten Unterlagen bislang nicht nachvollziehbar.

Zwei Prüfungen – zwei Gegenstände

Was gesagt wird – und was die Unterlagen zeigen.

Mehrere staatliche Stellen bestätigen eine verfassungsrechtliche Prüfung. Die eigenen Unterlagen des Verfahrens – die Auskunft auf unsere IFG-Anfrage und die Gesetzesbegründung – zeigen zugleich, dass eine gesonderte behinderungsspezifische Folgenabschätzung nicht ausgewiesen ist. Das ist kein logischer Widerspruch, sondern betrifft zwei verschiedene Prüfgegenstände.

Was gesagt wird

  • Bundeskanzleramt / Bundesregierung: Die Auswirkungen laufender Gesetzesvorhaben auf Menschen mit Behinderungen würden grundsätzlich geprüft – ausdrücklich auch für nicht sichtbare, neurodivergente, chronische und episodische Beeinträchtigungen.
  • Bundespräsidialamt (Ausfertigung nach Art. 82 Abs. 1 GG): Das Gesetz sei eingehend auf seine Verfassungsmäßigkeit geprüft und dabei auch die vorgebrachten Einwände berücksichtigt worden; im Ergebnis lägen keine durchgreifenden verfassungsrechtlichen Bedenken vor.

Was die Unterlagen zeigen

  • Auskunft des BMG auf unsere IFG-Anfrage: Auf unseren Antrag nach § 1 IFG (vom 15. Mai 2026, bezogen auf die Gesetzesfolgenabschätzung nach § 44 GGO) wurde mitgeteilt, dass für das Vorhaben keine behinderungsspezifische Folgenabschätzung durchgeführt wurde, keine entsprechenden Gutachten vorliegen und dem Gesetz auch keine beigefügt sind.
  • Gesetzesbegründung (S. 88 f.): Unter „6. Weitere Gesetzesfolgen" steht „Keine." – dort wären u. a. gleichstellungs- und behinderungsbezogene Auswirkungen darzustellen gewesen (Haushalts- und Erfüllungsaufwand sind an anderer Stelle beziffert).
  • Gesetzentwurf, Erfüllungsaufwand (BT-Drs. 21/6130, S. 7): Der zusätzliche Aufwand für Bürgerinnen und Bürger wird selbst als „geringer, mangels belastbarer Daten nicht näher bezifferbarer“ bezeichnet – das betrifft den administrativen Erfüllungsaufwand (u. a. Familienversicherung), nicht die behinderungsbezogene Folgenprüfung; ein schwaches Transparenzindiz, kein Beleg einer fehlenden Gesundheitsfolgenprüfung.

Beides lässt sich zusammenführen. Die Prüfung nach Art. 82 Abs. 1 GG im Ausfertigungsverfahren umfasst keine eigenständige, gruppenspezifische Folgenabschätzung – unabhängig davon, wie weit das Prüfungsrecht im Einzelnen reicht. Auch die Mitteilung, die vorgebrachten Einwände seien „berücksichtigt“ worden, ersetzt eine solche Abschätzung nicht: Einwände in einer Verfassungsmäßigkeitsprüfung zu würdigen, ist etwas anderes, als die tatsächlichen Folgen für die betroffenen Gruppen zu ermitteln – und nach der IFG-Auskunft wurde eine solche gesonderte Ermittlung nicht durchgeführt. Das ist ausdrücklich kein Vorwurf an das Bundespräsidialamt: Die Ausfertigungsprüfung ist von Verfassungs wegen etwas anderes als eine Folgenabschätzung. Das Bundespräsidialamt hat auch nicht mitgeteilt, es entstehe „keine Benachteiligung“, sondern es hätten keine durchgreifenden verfassungsrechtlichen Bedenken vorgelegen, die einer Ausfertigung entgegenstanden. Damit bleibt offen, auf welcher tatsächlichen Grundlage die möglichen gruppenspezifischen Folgen bewertet wurden – eine eigenständige empirische Aussage, dass keine Benachteiligung entstehen könne, liegt darin nicht.

Belege: IFG-Anfrage an das Bundeskanzleramt vom 15. Mai 2026 (§ 1 IFG; § 44 GGO) und die Auskunft des BMG hierauf; Gesetzesbegründung S. 88; Antwortschreiben aus dem Ausfertigungsverfahren (Art. 82 Abs. 1 GG; Ausfertigung 24. Juli 2026, BGBl. 2026 I Nr. 228 vom 29. Juli 2026). Die schriftliche Auskunft liegt dem Verein vor und belegt den Befund; ihr genauer Wortlaut wird ausschließlich im juristischen Schriftsatz aus dem Originaldokument belegt – auf dieser Seite werden die beteiligten Mitarbeitenden weder zitiert noch benannt.

Die fünf Lücken

Wie sich die fünf Lücken ergeben.

Fünf prüfbare Argumentationsstränge. Sie liegen auf unterschiedlichen Ebenen – teils Tatsache, teils Indiz, teils rechtlicher Maßstab – und beruhen teils auf denselben Tatsachen.

Was „Lücke“ hier heißt – und was nicht

Eine „Lücke“ ist nicht automatisch ein Verfassungsverstoß. Fachlich lassen sich vier Stufen unterscheiden: eine Erkenntnislücke (es fehlen Daten über die Folgen), eine Verfahrenslücke (eine Prüfung ist nicht nachvollziehbar), eine Schutzlücke (Risiken werden praktisch nicht aufgefangen) und – erst als vierte – einen Verfassungsverstoß (die Mindestanforderungen werden trotz Spielraum unterschritten). Nur die vierte Stufe wäre verfassungswidrig; ob sie erreicht ist, klärt verbindlich das Bundesverfassungsgericht. Belegt sind hier eine erhebliche Erkenntnis- und Transparenzlücke; für Kompensations- und Schutzlücken bestehen konkrete Anhaltspunkte, deren tatsächliche Wirkung spätestens ab Inkrafttreten zu überprüfen ist. Zusammen begründen sie einen konkreten, fachlich plausiblen Prüfbedarf. Eine belastbare Entwarnung ist ohne Offenlegung der Prüfung nicht möglich. Das Fehlen einer auffindbaren Prüfung beweist dabei nichts gegen die Betroffenen; es nimmt dem Staat die Grundlage, mit der er „keine Benachteiligung“ belegen könnte.

Jede Zeile ist ein Ergebnis in einem Satz. Wer die Begründung sehen will, klickt auf „Beleg“: dahinter stehen die rechtliche und die wissenschaftliche Untermauerung und der wahrscheinlichste Einwand samt Antwort.

Zeitliche AsymmetrieDie Belastungen gelten verbindlich ab 2027; ob Ausgleichsmechanismen rechtzeitig und ausreichend wirken, ist nicht nachgewiesen.Beleg

Die belastenden Regeln gelten ab dem 1. Januar 2027 verbindlich – konkret die Verkürzung der Reha-/Renten-Antragsfrist von zehn auf vier Wochen (§ 51 SGB V), höhere Zuzahlungen (§ 61 SGB V, rund +50 %), der Wegfall des Zuschlags für neue Kurzzeittherapien (§ 87 Abs. 2c SGB V) und die Rücknahme der extrabudgetären Psychotherapie-Vergütung. Die Gesetze, die diese Lasten ausgleichen sollen, sind bis heute nur Entwurf oder offen – und die Evaluation greift erst 2030, ohne verbindliche Zwischenschritte.

Rechtlich

Beruht ein Gesetz auf Prognosen unter Unsicherheit, kann sich die Schutzpflicht aus Art. 2 Abs. 2 GG zu einer Beobachtungs- und Nachbesserungspflicht verdichten. Eine allgemeine Nachbesserungspflicht für jedes Gesetz gibt es nicht; sie wird relevant, wenn hochrangige Rechtsgüter betroffen sind, die Prognose unsicher ist und Nachsteuerung fehlt. Konkret an fünf Fragen: Welche Prognose trägt jede belastende Regelung? Welche Unsicherheit war beim Beschluss bekannt? Welche Indikatoren müssten beobachtet werden? Welche Schwelle löst eine Nachbesserung aus? Wann wären Schäden noch reversibel? Bleiben diese offen – wie hier –, entsteht vertiefter Prüfbedarf. (BVerfGE 56, 54 – Fluglärm; 49, 89 – Kalkar I.)

Art. 2 Abs. 2 GG · Beobachtungs- und Nachbesserungspflicht

Wissenschaftlich belegt

Genau in der ungeschützten Übergangszeit kann der Schaden eintreten: Unmittelbar nach Entlassung aus stationär-psychiatrischer Behandlung ist das Suizidrisiko massiv erhöht – in den ersten drei Monaten rund 1.132 pro 100.000 Personenjahre.

Chung et al. 2017, JAMA Psychiatry · Systematisches Review & Meta-Analyse · 100 Studien / 183 Patienten-Stichproben · 17.857 Suizide IISpur Ageprüft ✓Aussagenähe: Ausgangsrisiko

Aussagegrenze: Beobachtungsdaten zur psychiatrischen Entlassung; belegt das Risikofenster, keine Reformkausalität und nicht ohne Weiteres auf somatische Kurzlieger übertragbar. Quelle öffnen ↗

Bundesweit vergingen im Schnitt rund 20 Wochen bis zum Beginn einer Psychotherapie (BPtK-Erhebung 2018/2021: 19,9 Wochen bis Behandlungsbeginn) – die reguläre Anschlussversorgung deckt den kurzfristigen Bedarf faktisch nicht.

BPtK – Studie zu Wartezeiten in der Psychotherapie (Erhebung 2018/2021) VerbandDEAussagenähe: Ausgangsrisiko

Aussagegrenze: Verbandsstudie (2018/2021); belegt die Kapazitätslücke, nicht die Reformwirkung.

→ Vollständige Argumentation & alle Belege zu diesem Punkt (Quellen)

Der wahrscheinlichste Einwand

„Die Nachbesserung ist doch zugesagt.“

Warum er nicht trägt: Eine Zusage ist kein geltendes Recht und bindet keinen künftigen Bundestag. Die Belastung ist unbedingt in Kraft, der Schutz nur bedingt auf einen späteren Beschluss.

ErmittlungslückeFür das Geld gibt es genaue Zahlen – für die betroffenen Menschen keine ausgewiesene Prüfung.Beleg

Für die finanziellen Wirkungen liegen Prognosen bis auf den Euro vor. Eine vergleichbar differenzierte Darstellung der gesundheitlichen, teilhabebezogenen und gruppenspezifischen Folgen ist in den veröffentlichten Unterlagen nicht erkennbar. Für viele betroffene Gruppen fehlen zudem die aufgeschlüsselten Ergebnisdaten, die eine Benachteiligung sichtbar machen würden: Die Rohquellen (Kassendaten, amtliche Statistik) bestehen, ihre gruppendifferenzierte Auswertung nicht. Diese statistische Unsichtbarkeit ist selbst ein Regelungsdefizit (Art. 31 UN-BRK).

Rechtlich

Es gibt nicht bei jedem Gesetz einen verfassungsrechtlichen Anspruch auf ein bestimmtes Gutachten. Der tragende Maßstab ist Art. 3 Abs. 3 S. 2 GG: Der Staat hat den Auftrag, Menschen wirksam vor behinderungsbedingter Benachteiligung zu schützen – auch vor mittelbarer (BVerfG, 1 BvR 1541/20). Wer in Zugang und Versorgung eingreift und dabei bekannte Risiken besonders geschützter Gruppen berührt, trägt die Rechtfertigungslast für die Verhältnismäßigkeit des Eingriffs – das ist keine prozessuale Beweislastumkehr, sondern die normale Folge eines Grundrechtseingriffs. Fehlt eine nachvollziehbare gruppendifferenzierte Prüfung, schwächt das die Rechtfertigung genau dort, wo die Risiken bekannt und mit zumutbaren Mitteln untersuchbar waren (prozedurale Dimension, in Anlehnung an BVerfGE 125, 175). Das menschenwürdige Existenzminimum kann ergänzend herangezogen werden (realitätsgerechte Bedarfsermittlung, BVerfGE 132, 134; 152, 68); es trägt hier aber nicht allein.

Prozedurale Ermittlungspflicht (Analogie BVerfGE 125, 175)

Wissenschaftlich belegt

Amtliche Daten zeigen für Menschen mit Beeinträchtigungen eine deutlich höhere gesundheitliche und psychische Belastung – bei gleichzeitigen Lücken in der Versorgung.

RKI – Gesundheit von Menschen mit Beeinträchtigungen amtlichDEAussagenähe: Ausgangsrisiko

Aussagegrenze: Belegt die Ausgangs­ungleichheit, nicht die Wirkung einer einzelnen Reform.

Bundesweit vergingen im Schnitt rund 20 Wochen bis zum Beginn einer Psychotherapie (BPtK-Erhebung 2018/2021: 19,9 Wochen bis Behandlungsbeginn) – die reguläre Anschlussversorgung deckt den kurzfristigen Bedarf faktisch nicht.

BPtK – Studie zu Wartezeiten in der Psychotherapie (Erhebung 2018/2021) VerbandDEAussagenähe: Ausgangsrisiko

Aussagegrenze: Verbandsstudie (2018/2021); belegt die Kapazitätslücke, nicht die Reformwirkung.

Ein Landesgutachten belegt erhebliche Angebots-, Kompetenz- und Flexibilitätslücken in der Versorgung.

FOGS-Landesgutachten NRW – Psychiatrie/Psychotherapie bei Intelligenzminderung und Autismus GutachtenDEAussagenähe: Ausgangsrisiko

Aussagegrenze: NRW, Datenstand 2020–2022; nicht bundesweit hochrechenbar.

→ Vollständige Argumentation & alle Belege zu diesem Punkt (Quellen)

Der wahrscheinlichste Einwand

„Der Gesetzgeber hat einen weiten Gestaltungsspielraum.“

Warum er nicht trägt: Der Spielraum erklärt nicht, warum vorhandene Daten – amtliche Statistiken, Kassendaten, der von der UN empfohlene Fragensatz – für eine gruppendifferenzierte Prüfung nicht sichtbar genutzt wurden.

KohärenzlückeDie Erkennung von Krisen wird verbessert, während die Anschlussbehandlung unter Druck gerät.Beleg

Das eine Vorhaben will Krisen früher erkennen; das GKV-Gesetz begrenzt zeitgleich die Vergütung und erhöht Eigenlasten. Mehr Erkennung schützt aber nur, wenn ein Behandlungsplatz erreichbar ist – sonst kann der Schutz im Ergebnis leerlaufen.

Rechtlich

Ein Schutzkonzept ist an seiner Gesamtwirkung zu messen. Nach dem Untermaßverbot ist die Schutzpflicht verletzt, wenn Vorkehrungen gänzlich fehlen, offensichtlich ungeeignet oder evident unzureichend sind. Der Gesetzgeber hat dabei einen weiten Einschätzungs- und Gestaltungsspielraum; die verfassungsrechtliche Frage ist, ob dessen Grenze erreicht ist, wenn ein Gesetz die Erkennung stärkt, während ein anderes die dafür nötige Versorgung schwächt.

Art. 2 Abs. 2 GG · Kohärenz des Schutzkonzepts

Wissenschaftlich belegt

Das Risiko ist zeitlich extrem konzentriert – in den ersten drei Monaten nach Entlassung aus stationär-psychiatrischer Behandlung rund 1.132 pro 100.000 Personenjahre.

Chung et al. 2017, JAMA Psychiatry · Systematisches Review & Meta-Analyse · 100 Studien / 183 Patienten-Stichproben · 17.857 Suizide IISpur Ageprüft ✓Aussagenähe: Ausgangsrisiko

Aussagegrenze: Belegt das Risikofenster (psychiatrische Entlassung). Quelle öffnen ↗

In der ersten Woche nach einer Krebsdiagnose ist das Suizidrisiko fast 13-fach erhöht (RR 12,6) – der Übergang selbst ist der kritische Moment.

Fang F et al. 2012, New England Journal of Medicine · Historische Kohorte (nested case-crossover) · N≈6,07 Mio. · 1991–2006 IISpur Ageprüft ✓Aussagenähe: Ausgangsrisiko

Aussagegrenze: Evidenz krebsspezifisch (schwedische Kohorte); die Übertragung auf andere schwere Diagnosen ist plausibel, aber nicht gemessen. Quelle öffnen ↗

Zugleich sind wirksame, günstige Gegenmaßnahmen bekannt: Eine kurze Sicherheitsplanung mit Nachsorgeanrufen war mit rund 45 % weniger suizidalem Verhalten über sechs Monate verbunden (OR 0,56; 95% KI 0,33–0,95).

Stanley B et al. 2018, JAMA Psychiatry · Kohorten-Vergleich · N=1.640 · Veterans Health Administration IISpur Ageprüft ✓Aussagenähe: Versorgungsmechanismus

Aussagegrenze: Kohorten-Vergleich (kein RCT); belegt, dass aktive Nachsorge wirken kann. Quelle öffnen ↗

→ Vollständige Argumentation & alle Belege zu diesem Punkt (Quellen)

Der wahrscheinlichste Einwand

„Suizid ist multikausal – dafür ist kein Gesetz verantwortlich.“

Warum er nicht trägt: Richtig, und die Analyse behauptet keine Monokausalität. Sie prüft einen vermeidbaren Systemanteil: das Zeitfenster, in dem eine erkannte Krise auf keine erreichbare Nachsorge trifft.

ErreichbarkeitKompensationen bestehen auf dem Papier – ob sie praktisch erreichbar sind, ist der entscheidende Prüfpunkt.Beleg

Kompensationen existieren – die Belastungsgrenze, mehr Pflegebefugnisse, Erkennungsstrukturen. Sie wirken aber nur, wenn Menschen sie kennen, die Kosten vorfinanzieren können und dahinter tatsächlich Personal, Zeit und Behandlungsplätze stehen.

Rechtlich

Schutz muss wirken, nicht nur benannt sein. Die praktische Erreichbarkeit der Kompensationen ist deshalb der entscheidende Prüfpunkt. Die Schwelle des Untermaßverbots liegt hoch: Verletzt wäre es erst, wenn sich das Schutzkonzept insgesamt – auch unter Berücksichtigung des weiten Gestaltungsspielraums – als evident unzureichend erweist. Darum geht es hier noch nicht; es geht um den davorliegenden Punkt, ob die Kompensationen überhaupt ankommen. Einfachgesetzlich verpflichten § 2a und § 70 SGB V auf besondere Rücksicht gegenüber behinderten und chronisch kranken Menschen; das steht in Spannung dazu, den Vergütungsanreiz für deren komplexe Behandlung zu streichen.

Art. 2 Abs. 2 GG · § 2a, § 70 SGB V

Wissenschaftlich belegt

Bundesweit vergingen im Schnitt rund 20 Wochen bis zum Beginn einer Psychotherapie (BPtK-Erhebung 2018/2021: 19,9 Wochen bis Behandlungsbeginn) – die reguläre Anschlussversorgung deckt den kurzfristigen Bedarf faktisch nicht.

BPtK – Studie zu Wartezeiten in der Psychotherapie (Erhebung 2018/2021) VerbandDEAussagenähe: Ausgangsrisiko

Aussagegrenze: Verbandsstudie (2018/2021); belegt die Kapazitätslücke, nicht die Reformwirkung.

Eine Zuzahlung von 200 €/Jahr in der psychiatrischen Versorgung (Niederlande) senkte die Behandlungs-Neuaufnahmen bei Erwachsenen um rund 35 %; zuzahlungsbefreite Minderjährige zeigten keinen Rückgang.

Lambregts & van Vliet 2018, European Journal of Health Economics · Natürliches Experiment mit Kontrollgruppe (quasi-experimentell) IISpur Ageprüft ✓Aussagenähe: Versorgungsmechanismus

Aussagegrenze: Niederländisches System; Effekt v. a. bei leichterer Versorgung; nicht 1:1 auf Deutschland. Quelle öffnen ↗

Die Gruppen, die zusätzliche Zugangshürden am wenigsten bewältigen können, sind zugleich besonders gefährdet: ADHS ist mit einem rund 6,7-fach erhöhten Risiko für vollendeten Suizid verbunden (KI 3,2–17,4).

Septier et al. 2019, Neuroscience & Biobehavioral Reviews · Meta-Analyse · vollendeter Suizid: 4 Datensätze, über 130.000 Personen IISpur Ageprüft ✓Aussagenähe: Ausgangsrisiko

Aussagegrenze: Belegt die Vulnerabilität, keine Reformwirkung; breites Konfidenzintervall. Quelle öffnen ↗

Menschen mit Autismus haben eine rund 2,5-fach erhöhte vorzeitige Gesamtsterblichkeit (OR 2,56; 95% KI 2,38–2,76); eine zusätzliche Zugangshürde trifft eine bereits stärker gefährdete Gruppe.

Hirvikoski et al. 2016, British Journal of Psychiatry · Bevölkerungsbasierte Kohorte · 27.122 Personen mit ASS IISpur Ageprüft ✓Aussagenähe: Ausgangsrisiko

Aussagegrenze: Gesamtmortalität (nicht suizidspezifisch); belegt die erhöhte Gefährdung. Quelle öffnen ↗

→ Vollständige Argumentation & alle Belege zu diesem Punkt (Quellen)

Der wahrscheinlichste Einwand

„Die Belastungsgrenze (§ 62 SGB V) fängt die Zuzahlungen ab.“

Warum er nicht trägt: § 62 deckelt die Jahressumme; die Belastung früher im Jahr lässt sich zwar durch eine Vorauszahlung der Grenze mit sofortiger Befreiung abfedern – das setzt aber voraus, dass Betroffene diese Option kennen, die Summe vorab in einem Betrag aufbringen und den Antrag stellen (Kassenpraxis, kein automatischer Schutz). Und die Grenze wirkt nur auf Antrag – über den nicht durchgehend informiert wird.

Dokumentierter NachbesserungsbedarfDer Nachbesserungsbedarf war am Abstimmungstag aktenkundig – seine Verarbeitung im Verfahren bleibt offen.Beleg

Am Abstimmungstag hat der Bundestag in einer Entschließung festgehalten, dass die psychotherapeutische Versorgung nachgebessert werden muss. Die belastende Regelung wurde dennoch beschlossen; der Schutz nur später und unverbindlich zugesagt. Ob und wie die dokumentierten Risiken im Verfahren abgewogen wurden, ist aus den Unterlagen nicht nachvollziehbar.

Rechtlich

Dies ist kein Vorwurf bewusster Benachteiligung und kein Eingeständnis der Rechtswidrigkeit. Belegbar ist: Der Nachbesserungsbedarf war dokumentiert; eine gruppendifferenzierte Folgenabschätzung ist nicht erkennbar; das Gesetz wurde gleichwohl beschlossen. Nicht belegbar – und daher nicht behauptet – ist, welche Abgeordneten welche Informationen kannten oder ob eine Benachteiligung bewusst in Kauf genommen wurde. Der prüfbare Kern ist die fehlende Nachvollziehbarkeit: Wo der Gesetzgeber Schutz selbst für nötig hält, sollte dieser nicht erst später und unverbindlich gelten.

Aktenkundig (BT-Drs. 21/7016)

Aktenkundige Belege

  • Die Entschließung des Bundestages zur psychotherapeutischen Versorgung, angenommen am Abstimmungstag (BT-Drs. 21/7016, Berichtsteil).
  • Die Zusage der Koalitionsfraktionen, Schutzregelungen „in der ersten Sitzungswoche nach der Sommerpause 2026“ zu beschließen.
  • Die Protokollerklärung der Bundesregierung zu den Krankenhäusern.

Der wahrscheinlichste Einwand

„Bis 2027 ist doch noch Zeit für die Nachbesserung.“

Warum er nicht trägt: Die Lücke ist strukturell, nicht kalendarisch: Die Belastung ist verbindlich in Kraft, der Schutz nur unverbindlich zugesagt. Ob die Nachbesserung rechtzeitig wirksam wird, war zum Beschluss offen.

Wie das GKV-Gesetz wirkt

Wie die Gesetze aufeinander wirken.

Das GKV-Gesetz steht mit mehreren Reformen in Spannung oder macht sie von Kapazität abhängig, die es selbst begrenzt. Diese Wechselwirkungen sind der Kern.

Die Wirkungsmatrix

Die Matrix liest jede Beziehung gerichtet: Das Gesetz in der Zeile wirkt auf das Gesetz in der Spalte. Die erste Zeile – das GKV-Gesetz – ist hervorgehoben. Klicken Sie auf ein farbiges Feld, um die Wechselwirkung erklärt zu bekommen. Die wichtigsten Beziehungen sind darunter zusätzlich ausführlich erklärt.

Zeile → SpalteGKVKHVVGKHAGNotfallSuizidPGeDIGPflBefPNOGApoVWGPrimVPsyAkutBGG
GKV-Stabilisierung
KHVVG
KHAG
Notfallreform
Suizidprävention
GeDIG
Pflegebefugnisse
PNOG
ApoVWG
Primärversorgung
Psychotherapie akut
BGG / Barrierefreiheit
unterstütztSpannungabhängigkein direkter Befund

Die wichtigsten Beziehungen – erklärt und belegt

Jede Karte folgt derselben Logik: Was wird geprüft? Warum besteht ein Zusammenhang? Wo könnte die Lücke entstehen? Was ist belegt – und was ausdrücklich noch nicht? Welche verfassungsrechtliche Frage folgt daraus?

SpannungGKV ↔ SuizidpräventionBeleg

Was wird hier geprüft?

Ob eine gestärkte Krisenerkennung ohne gesicherten kurzfristigen Behandlungsplatz ein hinreichendes Schutzkonzept ist.

Warum besteht ein Zusammenhang?

Die Wirksamkeit einer früheren Erkennung suizidaler Krisen hängt wesentlich davon ab, ob im Anschluss zeitnah geeignete Hilfen erreichbar sind. Das GKV-Gesetz verändert zugleich die Vergütungsbedingungen dieser Anschlussversorgung und erzeugt damit ein mögliches Kapazitätsrisiko.

Wo könnte die Lücke entstehen?

Wenn eine Krise erkannt, aber kein zeitnaher Platz erreichbar ist, entsteht zwischen Erkennung und Behandlung eine Schutzlücke.

Was ist belegt?

Für diese Spannung zählen ausschließlich einzeln gegen die Primärquelle geprüfte Kernbelege. Sie stützen überwiegend Ausgangsrisiken und Versorgungsmechanismen, nicht die gemessene Reformwirkung:

Das Suizidrisiko ist unmittelbar nach Entlassung aus stationär-psychiatrischer Behandlung am höchsten – in den ersten drei Monaten rund 1.132 pro 100.000 Personenjahre.

Chung et al. 2017, JAMA Psychiatry · Systematisches Review & Meta-Analyse · 100 Studien / 183 Patienten-Stichproben · 17.857 Suizide IISpur Ageprüft ✓Aussagenähe: Ausgangsrisiko

Aussagegrenze: Belegt das Risikofenster (psychiatrische Entlassung), nicht die Reformwirkung. Quelle öffnen ↗

Niedrigschwellige, wiederholte Nachsorge-Kontakte können die Häufigkeit erneuter Suizidversuche verringern; die Evidenz ist uneinheitlich.

Milner AJ et al. 2015, British Journal of Psychiatry · Systematisch-metaanalytischer Review von Brief-Contact-Interventionen IISpur Ageprüft ✓Aussagenähe: Versorgungsmechanismus

Aussagegrenze: Meta-analytischer Review; Effekt auf den Anteil erneut Versuchender teils nicht signifikant. Quelle öffnen ↗

Was ist noch nicht belegt?

Keine deutsche Studie misst bislang die konkrete Wirkung dieses Gesetzes auf Wartezeiten, Neuaufnahmen oder Versorgungsabbrüche. Die Wirksamkeit aktiver Nachsorge ist im Mittel belegt, aber moderat und nicht durchgängig repliziert (u. a. ASSIP-Nichtreplikation 2025). Die Belege stützen das Ausgangsrisiko und den Mechanismus, nicht die gemessene Reformfolge.

Welche verfassungsrechtliche Frage folgt?

Zu prüfen ist, ob das Schutzkonzept aus Art. 2 Abs. 2 GG kohärent bleibt, wenn Erkennung gestärkt, die zeitkritische Anschlusskapazität aber nicht gleichzeitig gesichert wird.

→ Alle zugeordneten Belege (Quellen)
SpannungGKV ↔ PsychotherapievergütungBeleg

Was wird hier geprüft?

Ob eine Vergütungs- und Kapazitätslogik komplexe Fälle faktisch benachteiligt.

Warum besteht ein Zusammenhang?

Das Gesetz streicht den Vergütungszuschlag für den Beginn neuer Kurzzeittherapien. In einem knappen System kann das gerade aufwendige Neuaufnahmen unattraktiver machen – ein bekannter versorgungsökonomischer Mechanismus (Risikoselektion, „cream-skimming“): Sinkt die Vergütung für komplexe Fälle, verschiebt sich die Auswahl tendenziell weg von ihnen. Ob und wie stark das hier wirkt, ist nicht gemessen; die Anreizrichtung ist aber angelegt.

Wo könnte die Lücke entstehen?

Wenn komplexe, zeitintensive Fälle seltener neu aufgenommen werden, verschiebt sich der Zugang – zulasten ohnehin schlecht versorgter Gruppen.

Was ist belegt?

Für diese Spannung zählen ausschließlich einzeln gegen die Primärquelle geprüfte Kernbelege. Sie stützen überwiegend Ausgangsrisiken und Versorgungsmechanismen, nicht die gemessene Reformwirkung:

Bundesweit vergingen im Schnitt rund 20 Wochen bis zum Beginn einer Psychotherapie (BPtK-Erhebung 2018/2021: 19,9 Wochen bis Behandlungsbeginn) – die reguläre Anschlussversorgung deckt den kurzfristigen Bedarf faktisch nicht.

BPtK – Studie zu Wartezeiten in der Psychotherapie (Erhebung 2018/2021) VerbandDEAussagenähe: Ausgangsrisiko

Aussagegrenze: Verbandsstudie (2018/2021); belegt die Kapazitätslücke, nicht die Reformwirkung.

Betroffen sind besonders gefährdete Gruppen – etwa Menschen mit ADHS (rund 6,7-fach erhöhtes Suizidrisiko).

Septier et al. 2019, Neuroscience & Biobehavioral Reviews · Meta-Analyse · vollendeter Suizid: 4 Datensätze, über 130.000 Personen IISpur Ageprüft ✓Aussagenähe: Ausgangsrisiko

Aussagegrenze: Belegt die Vulnerabilität, nicht die Reformwirkung. Quelle öffnen ↗

Bei Menschen mit Autismus war das Risiko für Suizidversuche rund 3,2-fach (aIRR 3,19; 95% KI 2,93–3,46) und für Suizidtod rund 3,75-fach (95% KI 2,85–4,92) erhöht; bei Frauen mit Autismus war das Versuchsrisiko nochmals 4,41-fach höher als bei Männern mit Autismus. Ohne psychiatrische Begleiterkrankung war es statistisch nicht erhöht (aIRR 1,33; 95% KI 0,99–1,78) – über 90 % der Betroffenen hatten eine solche Begleiterkrankung. Ohne psychiatrische Begleiterkrankung ist der Zusammenhang statistisch nicht mehr signifikant (aIRR 1,33; 95 % KI 0,99–1,78) – das erhöhte Risiko ist eng an die begleitende, grundsätzlich behandelbare Erkrankung gebunden, deren Zugang (Psychotherapie) diese Reform verknappen könnte.

Kõlves et al. 2021, JAMA Network Open · Bevölkerungsbasierte Registerkohorte (Dänemark) IISpur Ageprüft ✓Aussagenähe: Ausgangsrisiko

Aussagegrenze: Registerdaten; belegt das Ausgangsrisiko, nicht dessen Veränderung durch dieses Gesetz. Quelle öffnen ↗

Was ist noch nicht belegt?

Ob die Streichung tatsächlich zu weniger Neuaufnahmen führt, ist erst ab 2027 messbar. Bisher belegt sind die Ausgangs-Unterversorgung und die besondere Gefährdung, nicht die Reformfolge.

Welche verfassungsrechtliche Frage folgt?

Zu prüfen ist eine mögliche mittelbare Benachteiligung nach Art. 3 Abs. 3 S. 2 GG in Verbindung mit § 2a und § 70 SGB V.

→ Alle zugeordneten Belege (Quellen)
AbsturzkanteGKV ↔ EntlassmanagementBeleg

Was wird hier geprüft?

Ob das Entlassmanagement die fehlende ambulante Anschlusskapazität ersetzen kann.

Warum besteht ein Zusammenhang?

Das Entlassmanagement (§ 39 Abs. 1a SGB V) koordiniert den Übergang, schafft aber keinen zusätzlichen ambulanten Platz.

Wo könnte die Lücke entstehen?

Wo Kapazität fehlt, kann Koordination die Lücke nur benennen, nicht schließen – im poststationär besonders riskanten Zeitfenster.

Was ist belegt?

Für diese Spannung zählen ausschließlich einzeln gegen die Primärquelle geprüfte Kernbelege. Sie stützen überwiegend Ausgangsrisiken und Versorgungsmechanismen, nicht die gemessene Reformwirkung:

In einem US-Army-Modell entfiel über die Hälfte der Suizide nach Entlassung auf die 5 % mit dem höchsten vorhergesagten Risiko – ein gezielter Anschluss wäre möglich.

Kessler RC et al. 2015, Molecular Psychiatry · Army STARRS · administratives Vorhersagemodell (US-Soldaten) IISpur Ageprüft ✓Aussagenähe: Versorgungsmechanismus

Aussagegrenze: Modell-/Registerdaten (US-Soldaten); nicht direkt auf die Allgemeinbevölkerung übertragbar. Quelle öffnen ↗

Was ist noch nicht belegt?

Die deutsche poststationäre Versorgungslücke ist nicht flächendeckend quantifiziert; belegt ist das erhöhte Risiko, nicht dessen Veränderung durch dieses Gesetz.

Welche verfassungsrechtliche Frage folgt?

Zu prüfen ist das Schutzkonzept aus Art. 2 Abs. 2 GG im Übergang von stationär zu ambulant.

→ Alle zugeordneten Belege (Quellen)
AbhängigkeitGKV ↔ Digitale SteuerungBeleg

Was wird hier geprüft?

Ob digitale Steuerung ohne gleichwertigen analogen und assistierten Weg zugänglich bleibt.

Warum besteht ein Zusammenhang?

Digitale Navigation und Authentifizierung setzen Geräte, Konten und Kommunikationswege voraus, die nicht alle Menschen gleich nutzen können.

Wo könnte die Lücke entstehen?

Ohne gleichwertige analoge Alternative entsteht für sensorisch, kognitiv und kommunikativ beeinträchtigte Menschen ein faktischer Zugangsausschluss.

Was ist belegt?

Für diese Spannung zählen ausschließlich einzeln gegen die Primärquelle geprüfte Kernbelege. Sie stützen überwiegend Ausgangsrisiken und Versorgungsmechanismen, nicht die gemessene Reformwirkung:

57 % berichteten, trotz Symptomen bewusst auf Arztbesuche verzichtet zu haben – ein direkter Beleg für Kommunikationsbarrieren.

Befragung gehörloser und schwerhöriger Erwachsener (n = 383) BefragungDEAussagenähe: Ausgangsrisiko

Aussagegrenze: Selbstbericht; Fokus Hörbehinderung.

Was ist noch nicht belegt?

Gruppenspezifische Abbruchquoten nach Einführung digitaler Steuerung liegen für Deutschland nicht vor.

Welche verfassungsrechtliche Frage folgt?

Zu prüfen ist die effektive Zugänglichkeit nach Art. 3 Abs. 3 S. 2 GG und Art. 9 UN-BRK.

→ Alle zugeordneten Belege (Quellen)
LastenverlagerungGKV ↔ Pflege / AngehörigeBeleg

Was wird hier geprüft?

Ob mehr Pflegebefugnisse und frühere Verlagerung ins Häusliche ohne gesicherte Kapazität wirken.

Warum besteht ein Zusammenhang?

Krankenhauskonzentration und frühere Entlassung verlagern Versorgung ins häusliche Umfeld – und damit Last auf überwiegend weibliche Angehörige.

Wo könnte die Lücke entstehen?

Wo Personal, Zeit und Finanzierung fehlen, bleibt mehr Befugnis wirkungsschwach und die Angehörigenlast steigt.

Was ist belegt?

Für diese Spannung zählen ausschließlich einzeln gegen die Primärquelle geprüfte Kernbelege. Sie stützen überwiegend Ausgangsrisiken und Versorgungsmechanismen, nicht die gemessene Reformwirkung:

Nicht das Pflegen selbst, sondern subjektiv erlebte Überlastung (Strain) ist mit erhöhter Morbidität und Depression verbunden; die Gesamtsterblichkeit pflegender Angehöriger ist im Mittel nicht erhöht.

Roth, Fredman & Haley 2015, The Gerontologist · Überblick über bevölkerungsbasierte Kohorten IISpur Ageprüft ✓Aussagenähe: Versorgungsmechanismus

Aussagegrenze: Belegt: Belastung wirkt über Strain (Morbidität), nicht über pauschale Mortalität; überwiegend ältere Pflegende. Quelle öffnen ↗

Was ist noch nicht belegt?

Die konkrete Zusatzbelastung pflegender Angehöriger durch dieses Gesetz ist nicht gemessen. Eine pauschale Mortalitätssteigerung durch Pflege ist wissenschaftlich nicht belegt – der Risikofaktor ist die erlebte Überlastung, nicht das Pflegen an sich.

Welche verfassungsrechtliche Frage folgt?

Zu prüfen sind Art. 2 Abs. 2, Art. 3 Abs. 2 (Geschlecht) und Art. 6 GG.

→ Alle zugeordneten Belege (Quellen)

Die realen Maßnahmen im Überblick

Die konkreten Regelungsinhalte – sauber getrennt in das, was im GKV-Gesetz selbst steht, und das, was zu angrenzenden Reformen gehört und im Verbund wirkt.

Im GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz (Belastung ab 1.1.2027, soweit nicht anders vermerkt)

  • Verkürzung der Reha-/Renten-Antragsfrist von zehn auf vier Wochen (§ 51 SGB V) – am Gesetzestext verifiziert, wirksam ab 1.1.2027; bei Versäumnis droht der Wegfall des Krankengeldes (§ 51 Abs. 3), zudem mögliche Umdeutung des Reha- in einen Rentenantrag (§ 116 Abs. 2 SGB VI).
  • Erhöhung der Zuzahlungen um rund 50 % (§ 61 SGB V), ab 1.1.2027; die Belastungsgrenze (§ 62 SGB V) bleibt der Sache nach, wirkt aber nur auf Antrag; die Belastung früher im Jahr lässt sich durch eine Vorauszahlung mit sofortiger Befreiung abfedern – vorausgesetzt, die Option ist bekannt, die Summe wird vorab in einem Betrag aufgebracht und der Antrag gestellt. Wichtig: Sie deckelt nur gesetzliche Zuzahlungen – nicht die Aufzahlungen bei Zahnersatz und Hilfsmitteln und nicht den Beitragszuschlag.
  • Absenkung der Festzuschüsse für Zahnersatz: Regelversorgung von 60 % auf 50 %, Bonusstufen von 70/75 % auf 60/65 % (§ 55 SGB V), ab 1.1.2027 – der Eigenanteil steigt und liegt außerhalb der Belastungsgrenze.
  • Wegfall des Vergütungszuschlags für den Beginn neuer Kurzzeittherapien (§ 87 Abs. 2c SGB V) und Rückführung der Psychotherapie in die morbiditätsbedingte Gesamtvergütung (§§ 87a/87d SGB V) – schwächt gerade den Frühzugang zu neuen Behandlungen.
  • Vergütungsbegrenzung bei häuslicher Krankenpflege (§ 132a), außerklinischer Intensivpflege (§ 132l), Haushaltshilfe (§ 132) und Reha (§§ 111, 111c): Bindung an die um jeweils 1 Prozentpunkt gekürzte Grundlohnrate (§ 71 Abs. 3), 2027–2029. Kein individueller Anspruch auf einen bestimmten Anbieter oder Personalbestand.
  • DRG-Kurzzeitfallpauschalen im Krankenhaus (ab 2028) für Fälle bis zu drei Kalendertagen / maximal zwei Übernachtungen (§ 17b KHG) – ökonomischer Anreiz zu kürzerer Verweildauer.
  • Teilarbeitsunfähigkeit und teilweises Krankengeld: neues Instrument für anteilige Arbeitsleistung; setzt medizinische Feststellung und betriebliche Mitwirkung voraus.
  • Reaktivierung der Hilfsmittel-Festbeträge (§ 36 SGB V; Kalkulation an der oberen Linie des unteren Preisdrittels; Pauschalabsenkung 3 % je Versorgung 2027–2028) – Aufzahlungen liegen außerhalb der Belastungsgrenze.
  • Durchschnittlicher Zusatzbeitrag von 2,9 % (2026).
  • Beitragszuschlag von 2,5 Prozentpunkten für beitragsfrei mitversicherte Ehegatten, ab 1.1.2028. Ausnahmen (§ 242b Abs. 1, verkündeter Wortlaut): ein Kind unter 12 Jahren im Haushalt oder ein Kind im Haushalt, das als Mensch mit Behinderungen außerstande ist, sich selbst zu unterhalten; nicht erwerbsmäßige Pflege eines Angehörigen ab Pflegegrad 2 (mindestens 10 Std./Woche); Pflegegrad 3, volle Erwerbsminderungsrente oder erreichte Regelaltersgrenze; sowie ein GdB/GdS/MdE von mindestens 60 beim mitversicherten Ehegatten selbst. Die Kassen berücksichtigen die Ausnahmen auch ohne Nachweis des Mitglieds, soweit ihnen deren Vorliegen bekannt ist. Prüfbarer Kern: Die Befreiung des Ehegatten setzt einen GdB von mindestens 60 voraus – funktionale Belastungen bei nicht sichtbaren Behinderungen mit GdB unter 60 oder ohne Feststellung bleiben belastet. Die Schwelle liegt zudem über dem gesetzlichen Schwerbehinderungs-Standard (GdB 50, § 2 Abs. 2 SGB IX); die Abweichung vom Systemstandard nach oben ist nach Art. 3 Abs. 1 GG (Willkürverbot) besonders rechtfertigungsbedürftig.

Angrenzende Reformen – relevant für Kohärenz und Erforderlichkeit

  • Krankenhausreform (KHVVG / KHAG) und Notfallreform – verändern Kapazität und Erreichbarkeit der Anschlussversorgung.
  • Suizidpräventionsgesetz – stärkt die Erkennung, setzt aber erreichbare Behandlung voraus.
  • Digitale Gesundheitssteuerung (GeDIG / ePA) – die verpflichtenden digitalen Wege stammen überwiegend hierher, nicht aus dem GKV-Gesetz.
  • Pflege (SGB XI): Verhinderungs- und Entlastungspflege, Krankenhaus-Verlagerung ins Häusliche.
  • Apotheken- und Arzneimittelversorgung.

Wirkung je Maßnahme – wer trifft es, worüber, und was schützt (nicht)?

Je Maßnahme: wer besonders betroffen ist, wie der Nachteil entsteht, was schaden kann – und welcher Schutz schon besteht. Die letzte Spalte zeigt den Kern: Schutzregeln gibt es; die Frage ist, ob sie rechtzeitig bei den Richtigen ankommen.

MaßnahmeBesonders exponiertWirkmechanismusMöglicher SchadenVorhandener SchutzOffene Prüfung
Höhere Zuzahlungen (§ 61)Chronisch oder mehrfach Kranke, geringes EinkommenKumulierte Eigenlast, NichtinanspruchnahmeSpätere oder unterlassene BehandlungBelastungsgrenze, Chroniker-Stufe, Befreiung (§ 62)Reichweite und tatsächliche Inanspruchnahme der Befreiung
Zahnersatz-Absenkung (§ 55)Krankheits-/medikamentenbedingter Mehrbedarf, knapp über der EinkommensgrenzeEigenanteil steigt, liegt außerhalb der BelastungsgrenzeVerzicht, FehlversorgungHärtefallregelungErfasst sie behinderungsbedingten Mehrbedarf?
Verkürzte Frist (§ 51, jetzt vier Wochen)Exekutive/kognitive/kommunikative Einschränkung, Fatigue/PEM, KriseGeringere reale HandlungszeitFristversäumnis, Wegfall des KrankengeldesBeratung, Wiedereinsetzung (§ 27 SGB X)Barrierefreie Belehrung, automatische Fristhemmung?
Psychotherapie-Budget (§ 87 Abs. 2c)Neuaufnahmen, komplexe/zeitintensive FälleKapazitäts- und SelektionsanreizLängere Wartezeit, fehlende AnschlussversorgungBedarfsplanungNeuaufnahmen, Wartezeiten, Fallkomplexität messen
Vergütungsbindung Pflege/Reha/Intensivpflege (§ 71 Abs. 3)Intensiv betreute, beatmungspflichtige PersonenPersonal- und AngebotsdruckVersorgungsabbruch, faktischer HeimzwangTarifberücksichtigung, EvaluationRegionale Angebotsentwicklung
DRG-Kurzzeitfallpauschalen ab 2028 (§ 17b KHG)Komplexe, schwer kommunizierbare Fälle; erhöhtes SuizidrisikoAnreiz zu kürzerer VerweildauerVerfrühte Entlassung, WiederaufnahmeAuswahl geeigneter FallgruppenAusschluss-/Schutzkriterien für Hochrisikofälle?
Hilfsmittel-Festbeträge (§ 36)Kommunikations-, Sitz-/RollstuhlversorgungFestbetrag unter dem individuellen BedarfAufzahlung, Unter- oder FehlversorgungHöherversorgung, EilrechtsschutzAufzahlungsquoten, Funktionstauglichkeit
Die Rechtsfrage

Die verfassungsrechtlichen Bedenken – und woran sie sich messen lassen

Werden Versorgungsbedingungen zulasten potenziell besonders betroffener Gruppen verändert, muss die Entscheidung auf einer tragfähigen Tatsachen- und Prognosegrundlage beruhen. Ein bestimmtes Gutachten schreibt die Verfassung nicht vor. Offen bleibt hier, ob und wie die gruppenspezifischen und kumulativen Wirkungen geprüft wurden.

Das Kriterium: strukturelle Benachteiligung – nicht Sichtbarkeit

Nicht die Sichtbarkeit entscheidet und auch nicht eine einzelne Diagnose, sondern eine strukturelle Benachteiligung. Menschen mit nicht sichtbaren Behinderungen werden vom Behinderungsbegriff des Grundgesetzes, des SGB IX und der UN-BRK grundsätzlich erfasst; das Problem liegt nicht in der normativen Anerkennung, sondern in Operationalisierung und Vollzug: ihre spezifischen Barrieren, schwankenden Verläufe und Bedarfe werden in Normen, Aktionsplänen und beim Abbau von Barrieren nicht gleichwertig abgebildet – gerade weil die Beeinträchtigung nicht ins Auge fällt.

Rechtlicher Anker ist Art. 3 Abs. 3 S. 2 GG: Er schützt alle Menschen mit Behinderungen vor – auch mittelbarer – Benachteiligung; der Schutz hängt nicht davon ab, dass die Behinderung sichtbar ist oder einem einheitlichen biologischen Mechanismus folgt – maßgeblich sind längerfristige Beeinträchtigungen und ihre Wechselwirkung mit gesellschaftlichen Barrieren. Dass eine Gruppe über einen körperlichen Mechanismus beschrieben wird, ist kein Einwand: Blindheit oder körperliche Behinderungen sind ebenso körperlich definiert. Nicht sichtbare Behinderungen sind der besonders unterversorgte Teil einer größeren geschützten Gruppe.

Die strukturelle Nicht-Anerkennung – messbar am Normenbestand

Dass Menschen mit nicht sichtbaren Behinderungen als Gruppe nicht gleichwertig geführt werden, ist keine bloße Vermutung, sondern lässt sich an der Struktur des Regelbestands zeigen – allerdings nach unserer eigenen Einteilung, nicht nach einer amtlichen Kategorie: Der verbindliche Normen- und Aktionsplanbestand wirkt dicht bei baulichen und sinnlich offensichtlichen Barrieren und dünn bis leer bei kognitiven, reizbezogenen und schwankenden. (§ 4 BGG ist eine funktionale Generalklausel mit offenem Auffangtatbestand „andere gestaltete Lebensbereiche"; die Dreiteilung physisch-sensorisch/kognitiv/reizbezogen ist unsere Einordnung.)

Ebenephysisch / sinnlich offensichtlichkognitivreizbezogen / fluktuierend
BGG § 4 (Barrierefreiheits-Definition)7 Objektkategorien0 (nur offener Auffangtatbestand)0
BITV 2.0 (digitale Barrierefreiheit)EN 301 549 / WCAG vollständig1 (Leichte Sprache, nur Startseite)0
DIN/ISO-Normen~7–8 dichte Normenrudimentär (DIN 18040)0 verbindliche Normen
Nationaler Aktionsplan (UN-BRK)Schwerpunkt Mobilität/Sinneschwachkein eigenes Handlungsfeld

Belege: § 4 BGG (amtlicher Wortlaut, sieben aufgezählte Objektkategorien – alle baulich, informationstechnisch oder sensorisch); BITV 2.0 (Leichte Sprache nur für Startseite/wesentliche Inhalte); DIN 18040 „Zwei-Sinne-Prinzip“ (Sehen/Hören/Tasten); Monitoring-Stelle des Deutschen Instituts für Menschenrechte zum Nationalen Aktionsplan 2.0 (für die psychiatrische Versorgung „nur eine einzige Maßnahme“); UN-Fachausschuss CRPD/C/DEU/CO/2-3 (2023). Eine vergleichende Auszählung der 16 Landes-Aktionspläne liegt nicht vor.

Verfassungsrechtlich ist das der Mechanismus der mittelbaren Benachteiligung (Art. 3 Abs. 3 S. 2 GG): Eine formal neutrale Barrierefreiheits-Architektur, die eine geschützte Teilgruppe systematisch weniger erfasst, benachteiligt sie – auch ohne dass es gewollt ist. Und weil die Ungleichbehandlung belegbar ist, verschiebt sich die Last, sie zu rechtfertigen, zum Staat (Muster EGMR, D.H. u.a. ./. Tschechien).

Das schließt direkt an die Ermittlungsfrage dieses Gesetzes an. Die naheliegende Verteidigung – „gruppenspezifische Folgen konnten nicht geprüft werden, weil die Gruppe nicht abgrenzbar ist“ – trägt nicht. Eine funktionale Definition der Gruppe (über die körperlich-funktionalen Belastungen) wurde am 9. April 2026 allen 21 Bundestagsausschüssen übermittelt; im Juni 2026 folgten 269 konkrete Fragen zu Schutzlücken über 26 Gesetze und Reformen an Bundeskanzleramt, BMAS, BMG, BMFSFJ und BMJ. Eine gruppendifferenzierte Prüfung war also möglich – und sie war ausdrücklich benannt. Die Bundesregierung hat dazu schriftlich Stellung genommen (BMAS, Schreiben vom 20. April 2026, i.A. M. Maschke, Referat „Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen“; Antwort auf die Zuschrift vom 17. März 2026 zum Modell): Sie „unterscheidet in ihrer Politik für Menschen mit Behinderungen nicht zwischen nicht sichtbaren und sichtbaren Behinderungsarten, sondern fokussiert auf die langfristige Teilhabebeeinträchtigung“, sieht die Gruppe über aggregierte Instrumente (Teilhabebericht, Versorgungsmedizin-Verordnung, Deutscher Behindertenrat) bereits „im Blick“ und teilte mit, die Anregungen „derzeit nicht aktiv weiter aufgreifen“ zu können. Damit ist zweierlei belegt: Die gruppendifferenzierte Prüfung war möglich und benannt – und die Nicht-Differenzierung nach Sichtbarkeit ist keine Unterstellung, sondern erklärte Politik.

Ehrliche Grenze und Gegenposition: Die Bundesregierung hält die Gruppe über ihre bestehenden Instrumente für bereits berücksichtigt; und Art. 3 Abs. 3 S. 2 GG verpflichtet nicht dazu, ein bestimmtes Modell zu übernehmen – die Asymmetrie ist rechtfertigungsbedürftig, nicht automatisch ein Verstoß. Genau daran setzt die prüfbare Frage an: Trägt „im Blick über aggregierte Instrumente“, wenn der Normenbestand kognitive und reizbezogene Barrieren erkennbar dünner erfasst als bauliche und sensorische (nach unserer Einordnung)? Und auf welcher Grundlage bleibt der Barriereabbau bei nicht sichtbaren Behinderungen hinter dem bei sichtbaren zurück?

Die konkret gestellten Fragen – Originale an den Ausschuss

Die 269 Fragen waren keine allgemeinen Appelle, sondern paragraphengenau. Sechzehn davon betrafen dieses GKV-Gesetz und gingen an den Ausschuss für Gesundheit; weitere gingen direkt an das BMG. Jede benennt eine konkrete Norm dieses Gesetzes, ihre absehbare Wirkung auf Menschen mit nicht sichtbaren Behinderungen und den grundrechtlichen Anknüpfungspunkt. Damit ist belegt: Eine gruppendifferenzierte Prüfung war nicht nur möglich – sie war ausformuliert und übergeben.

Verifikation: Die Paragraphen-Bezüge wurden gegen den verkündeten Gesetzestext geprüft (BGBl. 2026 I Nr. 228). Sie treffen zu. Zwei Klarstellungen gegenüber dem eingereichten Original: Das teilweise Krankengeld steht im verkündeten Gesetz in § 44 Abs. 1a i.V.m. § 44c SGB V (im Entwurf teils als „§ 44d“ geführt); der Wegfall des Kurzzeittherapie-Zuschlags steht in § 87 Abs. 2c (nicht § 87b). Die namentliche Fachbewertung (Frage 16) ist eine dem Verein schriftlich vorliegende Stellungnahme; die Professur an der Goethe-Universität Frankfurt ist öffentlich belegt.

Die sechzehn Fragen im Wortlaut
  1. Hat das BMG geprüft, ob die Begrenzung der Vergütungssteigerungen im Heilmittelbereich (§ 125 Abs. 3 SGB V, künftig an die Beitragssatzstabilität nach § 71 gebunden) die Versorgung in bereits unterversorgten Regionen, bei spezialisierten Praxen und bei komplexen neurologischen, sprachlichen, ergotherapeutischen oder chronischen Bedarfen gefährdet?
  2. Hat das BMG geprüft, ob die Ausgabendämpfung die Hilfsmittelversorgung (§ 33 SGB V – Festbeträge, Zuzahlungen, Genehmigungspraxis) und die Krankenfahrten/Krankentransporte (§ 60 SGB V) beeinträchtigt – für viele Menschen mit Behinderungen versorgungskritische Leistungen, deren Einschränkung mittelbar behinderungsbezogen benachteiligen kann (Art. 3 Abs. 3 S. 2 GG)?
  3. Wie rechtfertigt das BMG die Rückführung der ambulanten Psychotherapie in die morbiditätsbedingte Gesamtvergütung (Verengung des extrabudgetären Katalogs durch den neuen § 87d, Wegfall der Zuschläge auf den ersten Block einer Kurzzeittherapie zum 01.01.2027, § 87 Abs. 2c), obwohl sie bei Menschen mit psychischen, neurodivergenten und traumabezogenen Behinderungen Therapieplatzverlust, längere Wartezeiten und Chronifizierung erwarten lässt – und wie verhält sich das zur Forderung des Bundesrates nach Erhalt der vollständigen extrabudgetären Vergütung?
  4. Wie begründet das BMG, dass die Anhebung der Zuzahlungen (§ 61 SGB V: Mindestbetrag 5 → 7,50 €, Höchstbetrag 10 → 15 €; § 33 Abs. 8: 10 → 15 €) Menschen mit nicht sichtbaren chronischen Erkrankungen, die nicht zuverlässig als „schwerwiegend chronisch krank“ nach der Chroniker-Richtlinie anerkannt sind, bei dauerhaftem Bedarf nicht überproportional belastet (Art. 3 Abs. 3 S. 2 GG; Art. 25 UN-BRK)?
  5. Welche barrierefreien Kommunikationsstandards gelten für die Kontaktaufnahme der Krankenkassen nach § 44 SGB V (Anspruch auf schriftliche, nicht-telefonische, reizreduzierte Kommunikation)?
  6. Wie stellt das BMG sicher, dass die Verkürzung der Frist nach § 51 SGB V von zehn auf vier Wochen Menschen mit fluktuierenden, neurokognitiven, psychischen oder erschöpfungsbedingten Erkrankungen nicht überproportional benachteiligt, wenn Antragsfähigkeit, Befundbeschaffung und Beratung krankheitsbedingt eingeschränkt sind?
  7. Wie wird verhindert, dass Teilkrankengeld (§ 44 Abs. 1a i.V.m. § 44c SGB V) bei Erkrankungen mit Post-Exertional Malaise oder fluktuierender Belastbarkeit zu einer schematischen Überschätzung der Arbeitsfähigkeit führt?
  8. Erfasst die Ausnahme des Beitragszuschlags (§ 10 i.V.m. § 242b SGB V) für die Pflege Angehöriger ab Pflegegrad 2 auch Haushalte, die erwachsene Menschen mit nicht sichtbarer Behinderung ohne anerkannten Pflegegrad unterstützen? Falls nein: Wie wird eine mittelbare Benachteiligung (Art. 5 i.V.m. Art. 28 UN-BRK) ausgeschlossen?
  9. Welche Organisationen und Selbstvertretungen von Menschen mit nicht sichtbaren, chronischen, neurodivergenten oder fluktuierenden Behinderungen wurden in der FinanzKommission Gesundheit und bei der Erarbeitung des Entwurfs nach Art. 4 Abs. 3 UN-BRK konsultiert?
  10. Warum wurden Referentenentwurf und zahlreiche Stellungnahmen als nicht barrierefreie PDF veröffentlicht, obwohl der Entwurf digitale Barrierefreiheit ausbauen soll – und welche Konsequenz zieht das BMG daraus für die verbindliche Barrierefreiheit der GeDIG-Infrastruktur?
  11. Welche niedrigschwelligen Widerrufs-, Änderungs- und Rückholrechte bestehen, wenn Betroffene Widerspruch, Freigabe oder Zugriffsrechte wegen Überforderung, Krise oder fehlender Unterstützung nicht rechtzeitig oder nicht informiert ausgeübt haben?
  12. Welche Selbstvertretungen nicht sichtbar behinderter Menschen wurden nach Art. 4 Abs. 3 UN-BRK an Architektur, Testung und Barriereprüfung der digitalen Infrastruktur beteiligt?
  13. Mit welcher Regelung – über die allgemeine DSGVO-Geltung hinaus – gewährleistet der Entwurf das Recht auf Privatleben und Schutz personenbezogener Gesundheitsdaten nach Art. 22 UN-BRK und Art. 9 DSGVO für Menschen mit besonders stigmasensiblen Diagnosen?
  14. Wie reagiert das BMG auf die Forderung der Bundesärztekammer nach grundlegender Überarbeitung der Kassen-Datennutzung und auf die Warnungen von ACHSE und vzbv vor Re-Identifikation seltener/stigmasensibler Diagnosen und vor der „gläsernen Versicherten“?
  15. Als BMG-Querschnitt über alle Versorgungsbereiche: Wie stellt das BMG sicher, dass Aufklärung, Einwilligung, Widerspruch, Zustimmung, Entlass- und Medikationsinformationen im gesamten Gesundheitswesen kognitiv barrierefrei, schriftlich nachvollziehbar, assistenzfähig (ohne Betreuungszwang) und ohne Telefon-/App-Zwang ausgestaltet sind (Art. 9, 12, 21 UN-BRK)?
  16. Prof. Dr. med. Ute Lewitzka (deutschlandweit erste Professur für Suizidologie und Suizidprävention, Goethe-Universität / Universitätsmedizin Frankfurt) hat das LIORA-Modell schriftlich als relevanten gesundheitspolitischen Beitrag anerkannt: „Das Modell liefert einen wichtigen Diskussionsbeitrag für gesundheitspolitische Forderungen. Es verdeutlicht, dass sensorische und kommunikative Barrieren als suizidrelevante Stressoren mitgedacht werden müssen.“ Wie hat das Ressort diese Fachbewertung einbezogen, und welche Stelle trägt die institutionelle Schutzverantwortung, wenn die Regelungen das dokumentierte Suizidrisiko dieser Gruppe erhöhen?

Diese Fragen benennen den Prüfauftrag paragraphengenau. Auf der übergeordneten Ebene der Gruppenanerkennung liegt die Antwort der Bundesregierung vor: Das BMAS teilte am 20. April 2026 mit, in seiner Politik nicht zwischen sichtbaren und nicht sichtbaren Behinderungen zu unterscheiden und die Anregungen „derzeit nicht aktiv weiter aufgreifen“ zu können (siehe „Nicht als Gruppe anerkannt“). Ein konkret vorgelegtes, gruppendifferenziertes Prüfangebot lag damit vor.

Wie entsteht Benachteiligung?

Eine mittelbare Benachteiligung setzt weder eine Benachteiligungsabsicht noch individuelles Fehlverhalten voraus; sie kann aus dem Zusammenwirken formal neutraler Regelungen und bestehender struktureller Nachteile entstehen. Hier treffen mehrere Umstände zusammen: Es gibt bekannte Gefahren (etwa das erhöhte Risiko in Krisenzeiten), es gibt besonders geschützte Gruppen (Menschen mit Behinderungen), es gibt Eingriffe in Zugang und Versorgung, und zugleich fehlen eine ausgewiesene Prüfung der Folgen, ein Ausgleich und eine laufende Kontrolle. Kommt all das zusammen, kann eine Benachteiligung entstehen, ohne dass jemand sie gewollt hat. Deshalb genügt der Einwand „es ist kein Schaden bewiesen“ nicht: Zu zeigen ist nicht der Schaden, sondern die durchgeführte Prüfung. Einen allgemeinen Anspruch auf ein bestimmtes Gutachten gibt es nicht – die Relevanz entsteht aus dieser Kombination.

Dazu ist eine Linie des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte einschlägig: Belegen belastbare Statistiken eine deutlich stärkere Betroffenheit einer geschützten Gruppe durch eine scheinbar neutrale Maßnahme, kann das den Anschein einer mittelbaren Diskriminierung begründen – und die Rechtfertigungslast kann sich zum Staat verschieben (EGMR, D.H. u.a. ./. Tschechien, Große Kammer, 13.11.2007, Nr. 57325/00; mittelbare Benachteiligung lässt sich dort auch ohne Statistik nachweisen). Diese Linie stammt aus dem Antidiskriminierungsrecht (dort Art. 14 EMRK) und begründet eine Darlegungs- und Rechtfertigungsanforderung, keine allgemeine Beweislastumkehr im deutschen Verfassungsprozess; ihre Übertragbarkeit auf sozialrechtliche Prognosen ist eigenständig zu prüfen. Soweit vorhandene Daten keine geeignete Differenzierung nach Behinderung, Funktionsbeeinträchtigung und Versorgungsintensität ermöglichen, kann eine mögliche mittelbare Benachteiligung statistisch nur eingeschränkt sichtbar werden. Diese Erkenntnisgrenze ersetzt keine Rechtfertigungsprüfung – sie erhöht vielmehr die Bedeutung vorsorgender Datenerhebung, geeigneter Indikatoren und einer transparenten Prognose. Daraus folgt kein automatischer Diskriminierungsnachweis; es verschärft aber die Frage, auf welcher Tatsachengrundlage eine Benachteiligung ausgeschlossen wurde.

Vier Begriffe – sauber getrennt

Diese Gruppen überschneiden sich, sind aber nicht identisch. Die Trennung verhindert eine Vermischung, die rechtlich angreifbar wäre.

Behinderunglängerfristige Beeinträchtigung von Gewicht, die im Zusammenwirken mit Barrieren die selbstständige Lebensführung oder Teilhabe einschränkt – der Maßstab des Art. 3 Abs. 3 S. 2 GG.
Chronische Erkrankungkann zugleich eine Behinderung sein, ist es aber nicht automatisch.
Hoher Versorgungsbedarfbeschreibt die Abhängigkeit von kontinuierlichen Leistungen – unabhängig vom rechtlichen Behindertenstatus.
Erhöhtes Suizidrisikoeine epidemiologische Risikoeigenschaft einer Gruppe; sie begründet Präventions- und Beobachtungsbedarf, ist aber kein eigenständiges Merkmal des Art. 3 Abs. 3 S. 2 GG und erlaubt keine Vorhersage für einzelne Menschen.

Prüfaufbau: Befund → Architektur → Maßstab

Die Punkte bauen nicht linear aufeinander auf. Sie liegen auf drei Ebenen: erst der tatsächliche Befund, dann der Umgang des Staates damit, dann die rechtlichen Maßstäbe, an denen beides gemessen wird.

A · Tatsächlicher Befund
  • Dokumentierte Ausgangsunterversorgung bestimmter Gruppen.
  • Besondere Abhängigkeit von kontinuierlicher, erreichbarer Versorgung.
  • Gesetzlich beschlossene neue Belastungen ab 2027.
  • Mögliche Kumulation mehrerer Belastungen bei denselben Personen.
  • Ungeklärte praktische Wirkung der Kompensationen.
B · Prüf- und Schutzarchitektur
  • Tragfähige Tatsachen- und Prognosegrundlage.
  • Gruppendifferenzierte Folgenprognose.
  • Beteiligung der Betroffenen und ihrer Organisationen.
  • Übergangsregelungen und wirksamer Ausgleich.
  • Monitoring mit Indikatoren und verbindlichen Warnschwellen.

Diese Architektur ist in den Unterlagen nicht nachvollziehbar ausgewiesen – das ist der prüfbare Punkt.

C · Rechtliche Maßstäbe
  • Art. 3 Abs. 3 S. 2 GG – Benachteiligungsverbot und Schutzauftrag. 1 BvR 1541/20
  • Art. 3 Abs. 1 GG – sachgerechte, realitätsgerechte Typisierung.
  • Art. 2 Abs. 2 GG – Schutzpflicht, bei Lebens- und Suizidgefahr verdichtet; Beobachtungs- und Nachbesserungspflicht. BVerfGE 56, 54; 49, 89
  • Art. 6 GG – Ehe und Familie (bei familiärer Lastenverlagerung).
  • Verhältnismäßigkeit / Erforderlichkeit (Art. 20 Abs. 3 GG) – Belastungsverteilung.
  • Untermaßverbot – nur die äußerste Grenze. BVerfGE 88, 203; 56, 54 / 77, 170
  • UN-BRK Art. 31 & UN-Fachausschuss (2023) – Datenerhebungspflicht; die Zusammenschau wurde bereits angemahnt. CRPD/C/DEU/CO/2-3
  • UN-Sozialpakt Art. 12 (mit General Comment 14) – Rückschrittsverbot: bei bewusst rückschrittlichen Maßnahmen trägt der Staat die Last, die Prüfung aller Alternativen darzulegen. ICESCR; GC 14 Rn. 32
  • UN-BRK Art. 19 lit. b & Art. 4 Abs. 3 – gemeindenahe Unterstützung (Vermeidung von Isolation/Segregation) sowie enge Konsultation der Behindertenorganisationen als Verfahrensmaßstab.
  • EGMR – D.H. u.a. ./. Tschechien – Statistik einer stärkeren Betroffenheit verschiebt die Rechtfertigungslast auf den Staat. Große Kammer, 13.11.2007, Nr. 57325/00

Die prozedurale Ermittlungsdimension folgt vergleichend aus BVerfGE 125, 175 – als Analogie, nicht als direkte Grundlage.

Relevante Urteile: Welche Grenzen Gerichte schon gezogen haben

Zu ähnlichen Fragen haben Gerichte bereits entschieden. Kein einziges dieser Urteile hebt dieses Gesetz auf – sie beweisen keine Verfassungswidrigkeit. Sie zeigen aber, welche Grenzen deutsche und europäische Gerichte beim Sparen im Gesundheitswesen anerkennen, und woran sich eine Prüfung dieses Gesetzes messen lassen muss. Wir nennen bewusst auch die Urteile, die gegen die Argumentation sprechen.

1 · Ein Anspruch muss tatsächlich erreichbar sein – nicht nur im Katalog stehen

  • Hilfsmittel-Festbeträge dürfen den notwendigen Behinderungsausgleich nicht in den Selbstzahlbereich verschieben – ein geeignetes, aufzahlungsfreies Hilfsmittel muss real verfügbar bleiben. BSG, B 3 KR 4/20 R; B 3 KR 20/08 R; teilhabeorientiert B 3 KR 7/19 R
  • Ist eine notwendige Leistung – etwa Psychotherapie – praktisch nicht erreichbar, liegt ein Systemversagen vor; der formal bestehende Anspruch genügt dann nicht. BSG, 18.07.2006 – B 1 KR 24/05 R (SozR 4-2500 § 13 Nr. 9)
  • Maßgeblich ist die tatsächliche Verfügbarkeit der Behandlung, nicht ihre formale Listung. EuGH, Watts C-372/04; Petru C-268/13

2 · Schutz muss an die Funktion anknüpfen – nicht nur an einen formalen Status

  • Art. 3 Abs. 3 S. 2 GG schützt funktional vor Benachteiligung – auch zwischen verschiedenen Gruppen von Menschen mit Behinderung. BVerfG, 1 BvR 2577/15 u.a. (Nachteilsausgleich Legasthenie)
  • Der Behinderungsbegriff folgt der Teilhabe-Formel der UN-BRK; entscheidend ist die tatsächliche Nutzbarkeit. BVerfG, 2 BvC 62/14 (Wahlrechtsausschluss); 2 BvR 1005/18 (Blindenführhund)
  • Auch unionsrechtlich ist Behinderung funktional und einschließlich chronischer Erkrankungen zu verstehen. EuGH, HK Danmark C-335/11 u. C-337/11

3 · Wer belastet, muss auf belastbaren Daten ermitteln – und trägt bei Ungleichwirkung die Rechtfertigungslast

  • Belegen belastbare Statistiken eine deutlich stärkere Betroffenheit einer geschützten Gruppe, kann sich die Rechtfertigungslast zum Staat verschieben. EGMR (Große Kammer), 13.11.2007 – D.H. u.a. ./. Tschechien, Nr. 57325/00
  • Eine scheinbar neutrale Regel kann Frauen mittelbar benachteiligen – ohne dass eine Benachteiligungsabsicht nötig ist. EGMR, 02.02.2016 – Di Trizio ./. Schweiz, Nr. 7186/09; BVerfGE 121, 241
  • Belastungsentscheidungen brauchen eine realitätsgerechte Ermittlung auf tragfähiger Datengrundlage. BVerfG, 1 BvL 1/09 (09.02.2010); 1 BvL 10/12 u.a. (23.07.2014) – als methodische Analogie

4 · Bei Leben und Gesundheit gilt eine fortlaufende Beobachtungs- und Nachbesserungspflicht

  • Der Staat muss die Wirkung seiner Regelungen beobachten und nachbessern, wenn sich Schutzlücken zeigen. BVerfGE 56, 54 (Fluglärm); Untermaßverbot BVerfGE 88, 203
  • Eine schützende Regelung darf die zu Schützenden nicht selbst gefährden (dort: der ausnahmslose Krankenhausvorbehalt bei ärztlicher Zwangsbehandlung, § 1832 BGB); das Gericht setzte eine Nachbesserungsfrist. Hier als Strukturvergleich, nicht als unmittelbarer Maßstab für GKV-Normen. BVerfG, 26.11.2024 – 1 BvL 1/24
  • Bei Menschen in staatlicher Verantwortung reichen abstrakte Vorkehrungen nicht – es braucht wirksamen, konkreten Schutz. EGMR, Fernandes de Oliveira ./. Portugal, Nr. 78103/14; Nencheva u.a. ./. Bulgarien, Nr. 48609/06

5 · Sparen ist erlaubt – aber die Frage bleibt, wer die Last trägt

  • Haushaltsnot entbindet den Staat nicht von seinen Pflichten gegenüber Menschen mit Behinderung. EGMR, G.L. ./. Italien, Nr. 59751/15
  • Der vollständige Entzug einer erdienten sozialen Position kann unverhältnismäßig sein. EGMR, Béláné Nagy ./. Ungarn (GK), Nr. 53080/13; Ásmundsson ./. Island, Nr. 60669/00
  • Außergewöhnlich hoher, dauerhafter Bedarf muss in der Leistungs- und Vergütungsstruktur abgebildet werden und darf nicht in der Durchschnittsvergütung verschwinden. BSG, B 3 KR 2/22 R (stationäre Beatmungs-/Behandlungspflege, analog auf die außerklinische Intensivpflege übertragen)

Und die Urteile, die gegen die Argumentation sprechen

  • Zuzahlungen, Eigenanteile und Festzuschüsse wurden wiederholt als verfassungsgemäß bestätigt – der Gesetzgeber hat einen weiten Gestaltungsspielraum. BSG, B 3 KR 3/08 R (Praxisgebühr); B 1 KR 10/07 R (Belastungsgrenze); B 1 KR 12/13 R (Zahnersatz)
  • Leistungserbringer im Rettungsdienst haben keinen durchsetzbaren Vergütungsanspruch, solange die Kassen im Verhandlungsspielraum bleiben. BSG, B 3 KR 13/20 R („Marktmodell“)
  • Sparmaßnahmen in Haushaltskrisen billigt der EGMR im weiten Ermessen der Staaten. EGMR, Koufaki u. ADEDY ./. Griechenland; Da Conceição Mateus ./. Portugal
  • Die zwei abgelehnten Eilanträge und das Triage-Urteil 1 BvR 2284/23 sind kein Maßstab für die Wirkung dieses Gesetzes: Letzteres ist ein reines Kompetenzurteil. BVerfG, 23.09.2025 – 1 BvR 2284/23

Offen ausgewiesen: Kein Urteil misst die Wirkung genau dieses Gesetzes. Die Entscheidungen liefern die Maßstäbe – ob dieses Gesetz sie einhält, ist die offene Frage.

Muster und Hebel: Was diese Urteile zusammen ergeben

Aus diesen Urteilen lassen sich Muster erkennen – wiederkehrende Maßstäbe, die Gerichte anlegen. Daraus ergeben sich Hebel: die Stellen, an denen die Prüfung genau dieses Gesetzes ansetzen kann. Keiner dieser Hebel behauptet, das Gesetz sei verfassungswidrig. Jeder fragt: Wurde das geprüft – und ist es belegt?

Die sechs Muster

  • Wirksamkeit. Ein Anspruch muss tatsächlich erreichbar sein, nicht nur auf dem Papier stehen.
  • Anknüpfung. Schutz, der nur an einen formalen Status (Merkzeichen, Pflegegrad, Frist, Stufe) anknüpft, übersieht funktionale, nicht sichtbare, schwankende Beeinträchtigungen.
  • Ermittlung. Belegte Ungleichwirkung verschiebt die Rechtfertigungslast zum Staat – und die Datenerhebung ist bei Behinderung Pflicht (Art. 31 UN-BRK).
  • Nachsteuerung. Auch eine zunächst zulässige Maßnahme erzeugt eine fortlaufende Beobachtungs- und Nachbesserungspflicht – besonders bei Leben und Gesundheit.
  • Lastverteilung. Sparen ist Zweck, keine Verteilungsregel; geprüft wird, wer die Last trägt.
  • Komplexer Bedarf. Außergewöhnlich hoher Bedarf darf nicht in der Durchschnittsvergütung verschwinden.
Der Knoten

Vier der sechs Muster laufen auf einen einzigen Punkt zu: die Ermittlung. Wer nicht misst, kann Wirksamkeit nicht belegen, Ungleichwirkung nicht ausschließen, nicht nachsteuern und eine gerechte Verteilung nicht nachweisen.

Die Hebel – gewichtet und mit ehrlicher Gegenlinie

A · Ermittlung und Offenlegungtragend

Der Staat belastet eine geschützte Gruppe, ohne eine ausgewiesene, gruppendifferenzierte Folgenprüfung offenzulegen – in einem Feld, in dem Messen geboten (Art. 31 UN-BRK) und technisch möglich ist (Gesundheitsdatennutzungsgesetz seit 2024).

Warum tragend: rein prozedural, überlebt auch die Urteile, die gegen die Argumentation sprechen – denn die billigten Kürzungen bei intaktem Schutz und nach ordnungsgemäßer Ermittlung. Grenze: die Übertragung der Ermittlungs-Methodik aus dem Existenzsicherungsrecht auf das Kassenrecht ist eine eigene, offene Rechtsfrage – deshalb als Prüf- und Offenlegungsbedarf formuliert, nicht als feststehender Verstoß.

B · Erreichbarkeit statt formaler Anspruchstark

Am schärfsten bei den Hilfsmittel-Festbeträgen (§ 36): Bleibt ein geeignetes, aufzahlungsfreies Hilfsmittel real verfügbar? Das ist über Markt- und Kassendaten überprüfbar. Ebenso: Psychotherapie und komplexe Intensivpflege.

Grenze: braucht konkrete, empirische Wirkungsketten je Maßnahme – kein pauschales „jede Kürzung ist unzulässig“.

C · Anknüpfung an die Funktionstark

Schutz, der an Merkzeichen, Pflegegrad, Stufen oder starre Fristen anknüpft (§ 51, § 60, § 44c), untererfasst schwankende und nicht sichtbare Beeinträchtigungen. Gefordert sind geeignete, nicht strukturell ausschließende Erhebungs- und Hemmungsmethoden.

Grenze: kein Anspruch auf Anerkennung ganz ohne jeden Nachweis.

D · Schutzpflicht und Nachsteuerungstark

Lebens- und zeitkritische Bereiche werden gedeckelt, ohne Vorab-Analyse und ohne Frühindikatoren; die laufende Auffangklausel (§ 71 Abs. 1) ist rein reaktiv, und die Evaluierung nach § 430 greift erst 2030 und nicht gruppenbezogen. Besonders relevant: Rettungsdienst (§ 133) und das kritische Zeitfenster nach einer Klinikentlassung.

Grenze: als Beobachtungs- und Nachsteuerungspflicht zu formulieren, nicht als sofortiger Untermaßverstoß.

E · Verhältnismäßigkeit – der „Spar-Bumerang“stark

Die Einsparung wird über gesetzliche Rückhol-Wege, Folgekosten an anderer Stelle und steigenden Verwaltungsaufwand teils wieder aufgezehrt – bei wachsender, gerade Behinderte treffender Bürokratielast. Erreicht ein belastendes Gesetz seinen Sparzweck kaum, wird die konzentrierte Last stärker begründungsbedürftig.

Grenze: der Gesetzgeber hat bei der Eignung einen weiten Spielraum – deshalb prozedural formuliert („der Netto-Effekt ist nicht ausgewiesen ermittelt“), nicht als „ungeeignet“.

F · Bund-Länder-Finanzierung (§ 133)ergänzend · neu

Der Bund begrenzt die Refinanzierung einer landesrechtlich geschuldeten Rettungsdienst-Vorhaltung. Das berührt die föderale Lastenverteilung (Art. 84 Abs. 1 S. 7 GG) – eine eigene Achse, unabhängig von individueller Betroffenheit.

Bewertung: prüfbedürftig, nicht vorentschieden – die Anwendung auf § 133 ist in der Rechtsprechung nicht geklärt.

Das stärkste Kernargument

Mehrere nationale und europäische Leitentscheidungen setzen dem Sparen konkrete Grenzen – tatsächliche Erreichbarkeit, funktionierender Schutz unter den Bedingungen der Behinderung, aufzahlungsfreie Bedarfsdeckung, Abbildung komplexen Bedarfs, keine einseitige Lastverlagerung, Beobachtung und Nachsteuerung bei fragiler Versorgung. Ob diese Grenzen eingehalten werden, lässt sich anhand der Gesetzesbegründung nicht zuverlässig feststellen – weil die gruppenspezifischen Wirkungen, die reale Zugänglichkeit und die kumulierten Versorgungseffekte nicht ausgewiesen geprüft wurden.

Diese Muster und Hebel behaupten keine Verfassungswidrigkeit. Sie benennen, woran eine Rechtfertigung sich messen lassen muss – und verschieben die Frage von „Beweist einen Schaden“ zu „Legt die Prüfung offen“.

Die häufigsten Einwände – und die Antwort darauf

„Wer öfter Leistungen braucht, zahlt mehr – das trifft nicht die Behinderung, sondern die Inanspruchnahme.“Antwort

Formal knüpfen die Regelungen nicht an eine Behinderung an, sondern an die Inanspruchnahme von Leistungen. Genau das ist der Kern einer mittelbaren Benachteiligung: Ein scheinbar neutrales Kriterium trifft einen Bedarf, der bei bestimmten Behinderungen dauerhaft und unvermeidbar ist, und kann dadurch Teilhabe oder Versorgung strukturell erschweren. Ob daraus eine rechtfertigungsbedürftige Ungleichwirkung wird, hängt davon ab, wie eng der Zusammenhang zur Behinderung ist und ob die stärkere Belastung sachlich gerechtfertigt und verhältnismäßig ist. Das ist eine Prüfhypothese, kein feststehender Befund – aber eine, die eine Rechtfertigung verlangt.

„Das Verfassungsgericht hat zwei Eilanträge abgelehnt.“Antwort

Die Ablehnung betraf nur den Eilrechtsschutz (Folgenabwägung), nicht die inhaltliche Verfassungsmäßigkeit. Konkret rügten zwei Abgeordnete ihre parlamentarischen Mitwirkungsrechte: rund 300 Seiten Änderungsanträge seien mit zu wenig Vorbereitungszeit vorgelegt worden – ausdrücklich mit Blick auf das Heizungsgesetz-Verfahren 2023, in dem Karlsruhe eine Abstimmung stoppte. Das Gericht ließ die für den 10. Juli 2026 geplante Abstimmung dennoch passieren (BVerfG, Pressemitteilung Nr. 41/2026 vom 09.07.2026, Zweiter Senat) – aber ausdrücklich nur im Eilverfahren. Die Hauptsache betrifft in erster Linie die gerügten parlamentarischen Mitwirkungsrechte; sie entscheidet nicht darüber, ob eine medizinische, behinderungsbezogene oder suizidpräventive Folgenabschätzung durchgeführt wurde. Eine abgelehnte einstweilige Anordnung ist kein Urteil über die Norm und lässt die Schutzpflicht- und Gleichheitsfragen offen.

„Jede einzelne Maßnahme ist für sich zumutbar.“Antwort

Die Summe wurde nicht ausgewiesen geprüft. Die von zehn auf vier Wochen verkürzte Reha-Antragsfrist (§ 51 SGB V), höhere Zuzahlungen, der Wegfall des Kurzzeittherapie-Zuschlags und die zurückgenommene extrabudgetäre Vergütung treffen dieselbe Person – überwiegend ab 2027, der Ehegatten-Zuschlag (§ 242b) ab 2028. Auch wenn einzelne Regelungen je für sich zumutbar erscheinen, kann ihre kumulative Wirkung für dieselben Personen bei der Verhältnismäßigkeits- und Gleichheitsprüfung erheblich sein. Ob die hier betrachteten Regelungen rechtlich als „additiver Grundrechtseingriff“ einzuordnen sind, ist offen; näher liegt, ihre kumulative tatsächliche Belastungswirkung bei der Angemessenheits- und Gleichheitsprüfung nicht auszublenden (vgl. BVerfGE 123, 186 im GKV-Kontext; BVerfGE 159, 223 – Bundesnotbremse I – zur Gesamtbetrachtung gleichzeitig wirkender Belastungen thematisch anschlussfähig, nicht GKV-spezifisch; die Überwachungsrechtsprechung – BVerfGE 112, 304; 141, 220 – nur als ferne Strukturparallele).

„Es ist doch kein Schaden bewiesen.“Antwort

Für die Forderung nach einer vorausschauenden Folgenprüfung muss kein bereits eingetretener Gesundheitsschaden nachgewiesen werden – nötig sind konkrete Anhaltspunkte für ein vorhersehbares, gruppenspezifisches Risiko. Genau diese Anhaltspunkte sind hier belegt.

Was diese Recherche zeigt

Der Befund
  • Es gibt gewichtige, belegte Hinweise auf Zeit-, Ermittlungs-, Kohärenz- und Schutzlücken.
  • Mehrere Belastungen treffen dieselben, ohnehin strukturell benachteiligten Menschen mit nicht sichtbaren Behinderungen – und verdichten sich auf denselben Personenkreis.
  • Eine ausgewiesene Prüfung, dass keine Benachteiligung entsteht, ist nicht auffindbar. Den zusätzlichen Erfüllungsaufwand für Bürgerinnen und Bürger bezeichnet der Gesetzgeber selbst als „mangels belastbarer Daten" nicht bezifferbar (BT-Drs. 21/6130, S. 7) – das betrifft administrativen Aufwand, nicht die behinderungsbezogene Folgenprüfung (schwaches Transparenzindiz).
  • Der Befund entsteht aus dem Zusammenwirken – aus Reihenfolge, Kumulation und fehlender Folgenkontrolle –, nicht aus einer einzelnen Norm.

Die Stimmen der Fach- und Sozialverbände – eine breit geteilte Sorge

Diese Recherche steht nicht gegen die organisierte Fachwelt, sondern neben ihr. Zum Gesetzesvorhaben haben sich zahlreiche Fach-, Sozial-, Betroffenen- und Trägerverbände engagiert und im Stellungnahmenverfahren des BMG sorgfältig Position bezogen. Aus Respekt vor diesem Engagement – und im Sinne der Zusammenarbeit – macht diese Seite ihre Stimmen sichtbar und fügt die Perspektive hinzu, die dort noch fehlt: die der Menschen mit nicht sichtbaren Behinderungen und die verfassungsrechtliche Frage. Einordnung: Die Stellungnahmen betreffen überwiegend den Entwurf, nicht 1:1 die verkündete Endfassung; einzelne Entwurfszahlen weichen von der beschlossenen Endfassung ab (etwa ein Ehegatten-Zuschlag von „3,5 %" statt 2,5 Prozentpunkten).

  • Der Paritätische Gesamtverband (Kumulation): „Die Kombination aus Krankengeldsenkung, Zuzahlungserhöhung, Rücknahme der Festzuschüsse beim Zahnersatz und Beitragszuschlag … führt zu einer kumulativen Mehrbelastung"; die Zuzahlungserhöhung sei „für Geringverdienende, Menschen mit Behinderungen, chronisch Kranke eine erhebliche Mehrbelastung".
  • Landesarzt für Körperbehinderte (§ 36 Hilfsmittel): Eine Versorgung „mit einem Aktivrollstuhl für Kinder und Erwachsene mit komplexen Behinderungen ist mit einem Standardrollstuhl zum Festpreis … unmöglich, wenn die Ziele eigenständige Fortbewegung oder Teilhabe in Gruppen Gleichaltriger damit nicht erreicht werden können".
  • Deutsche Diabetes Gesellschaft (§ 61/§ 62): Die Menge an Verordnungen „führt dazu, dass Patient*innen diese Grenze früh im Jahr ausschöpfen – und dann möglicherweise Termine und Verordnungen aufschieben könnten"; „Therapiemotivation … sowie die Versorgungsqualität" seien „in Gefahr".
  • Sozialverband VdK (§ 242b): fordert, „dass schwerbehinderte Ehepartner, die aufgrund ihrer Behinderung nicht oder nur sehr eingeschränkt am Erwerbsleben teilnehmen können, explizit von diesem Beitragszuschlag ausgenommen werden".
  • AWO Bundesverband (§ 242b): der Ausnahmekatalog knüpfe an formale Kriterien an – „auch krankheitsbedingte Unterstützungsbedarfe ohne formalen Pflegegrad oder anerkannten Behinderungsstatus sind zu berücksichtigen".
  • BDA & dbb (§ 44c Teil-Arbeitsunfähigkeit): „nur der Arbeitgeber kann entscheiden, ob die zu erbringende Arbeit auch unter den gesundheitlichen Einschränkungen … erbracht werden kann" (BDA); es bestehe „die Gefahr, dass gesundheitliche Risiken individualisiert und auf die Beschäftigten verlagert werden" (dbb).
  • Intensivpflegeverband / DBfK (§ 71/§ 132l): „konkrete Existenzgefährdung"; zusätzlicher Druck erhöhe „das Risiko von Insolvenzen, Angebotsrückzügen und Aufnahmestopps und gefährdet damit die Versorgungssicherheit".
  • BPtK / bvvp (§ 87 Abs. 2c): das Vorhaben würde „zu einem Abbau von Versorgungsangeboten … und zu längeren Wartezeiten führen"; Wartezeiten „würden sich erheblich verlängern".
  • Plattform Entgelt (DGPPN, DGKJP u. a.): „Beitragssatzstabilisierungsgesetz gefährdet die Versorgung psychisch erkrankter Menschen"; zu befürchten sei „eine weitere Reduktion von Leistungsangeboten trotz erhöhtem Versorgungsbedarf".
  • ver.di / DGB (Solidarprinzip): Zuzahlungen seien „verdeckte Beitragserhöhungen für Versicherte"; das Gesetz stabilisiere „vor allem den Bundeshaushalt – und das auf dem Rücken der Versicherten".
  • Kommunale Spitzenverbände (Lastverlagerung): „Kommunen können nicht dauerhaft Ausfallbürgen für strukturelle Defizite im Gesundheitswesen sein."

Ehrliche Grenze: Diese Stimmen belegen breite fachliche Kritik am Vorhaben – die verfassungsrechtliche Bewertung bleibt die eigene analytische Leistung dieser Recherche. Passgenaue Verbände einzelner nicht sichtbarer Erkrankungen (ME/CFS, Autismus, ADHS) haben zu diesem Gesetz keine eigene Stellungnahme abgegeben; die Diabetes-Gesellschaft steht hier stellvertretend für die chronisch-nicht-sichtbare Betroffenheit. Quelle: amtliche BMG-Stellungnahmensammlung (WP21).

Die Belastungsverteilung: Welche Alternativen wurden geprüft?

Der Gesetzgeber hat bei der Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung einen weiten politischen und prognostischen Gestaltungsspielraum. Dass es einnahmeseitige Alternativen gibt, begründet für sich noch keinen Vorrang. Für die Begründung der Belastungsverteilung ist es aber erheblich: Werden vorhersehbar besonders betroffene Gruppen belastet, muss nachvollziehbar sein, weshalb diese Verteilung gewählt wurde, welche Alternativen geprüft wurden und ob wirksame Ausnahmen oder Kompensationen vorgesehen sind (Erforderlichkeit und Angemessenheit, Art. 20 Abs. 3 GG).

Solche Alternativen waren bekannt – der Bundesrat hat sie im Verfahren ausdrücklich empfohlen (Empfehlungen der Ausschüsse, BR-Drs. 256/1/26):

  • Kostendeckende Beiträge des Bundes für Bürgergeld-Beziehende (Ziffer 30): Der Bund zahlt für diese Versicherten weit weniger, als sie kosten. Die Deckungslücke wird auf rund 9,2 Milliarden Euro jährlich beziffert (IGES-Gutachten für den GKV-Spitzenverband, 2026). Empfohlen wird ein kostendeckender Beitrag (Faktor 0,5689 der monatlichen Bezugsgröße).
  • Anhebung und Dynamisierung des Bundeszuschusses (Ziffer 29): Der Steuerzuschuss solle nicht starr für Jahre festgelegt, sondern regelmäßig geprüft und an die Einnahmen angepasst werden.
  • Apotheken – Zuschlag statt Abschlag (Ziffer 24, Gesundheitsausschuss): eine Erhöhung des Abschlags nur zusammen mit einer Anhebung des Zuschlags (8,35 € → 9,50 €).

Schon die eine Unterdeckung – rund 9,2 Milliarden Euro jährlich (IGES/GKV-Spitzenverband, 2026) – hat erhebliches Gewicht. Auch diese Alternativen sind nicht kostenlos und belasten andere (Bundeshaushalt, Hersteller, Steuerzahlende); sie sind nicht ohne Weiteres „gleich wirksam“. Daraus folgt kein automatischer Vorrang der Einnahmeseite, wohl aber eine Begründungslast: Welche dieser Alternativen wurden geprüft, bevor Zuzahlungen erhöht, Fristen verkürzt und Vergütungen zurückgenommen wurden – und warum wurde die gewählte Verteilung als angemessen beurteilt? Ist das nicht ausgewiesen, bleibt die Belastungsverteilung nicht nachvollziehbar.

Belege: Empfehlungen der Bundesrats-Ausschüsse, BR-Drs. 256/1/26, Ziffern 24, 29, 30; zur Unterdeckung der Beiträge für Bürgergeld-Beziehende (rund 9,2 Mrd. €, Bezugsjahr 2022; aktuell rund 10 Mrd. €/Jahr) Gutachten des IGES-Instituts für den GKV-Spitzenverband.

Wer klagen könnte – fünf Betroffene, fünf Wege

Die abstrakte Frage „wer ist betroffen?“ lässt sich konkret machen. Fünf Menschen, bei denen eine plausibel begründbare eigene, gegenwärtige und unmittelbare Betroffenheit vorliegt – und die zugleich zeigen, dass der Weg zu einer Klage je nach Norm ein anderer ist: mal unmittelbar gegen die Norm, mal erst über den Sozialrechtsweg. Das ist keine Behauptung, dass hier geklagt wird; die Klagebefugnis ist im Einzelfall zu prüfen.

Unmittelbar gegen die Norm

1 · Zuzahlungen (§ 61 / § 62)

Wer: Eine chronisch kranke Person mit dauerhafter Medikation und Heilmittelbedarf, die nicht zuverlässig als „schwerwiegend chronisch krank“ nach der Chroniker-Richtlinie anerkannt ist.

Norm & Folge: § 61 hebt die Zuzahlungen ab 2027 kraft Gesetzes an (Mindestbetrag 5 → 7,50 €, Höchstbetrag 10 → 15 €). Die 1-%-Belastungsgrenze (§ 62) greift nur bei anerkanntem Chroniker-Status und nur auf Antrag.

Betroffenheit: selbst; unmittelbar (kraft Gesetzes, ohne Vollzugsakt); gegenwärtig über Dispositionsbetroffenheit, weil das Ausgabenverhalten schon vor 2027 angepasst werden muss. → der sauberste Fall für eine unmittelbare Rechtssatz-Verfassungsbeschwerde.

Grundrecht: Art. 2 Abs. 2 GG i.V.m. dem Sozialstaatsprinzip; Art. 3 Abs. 3 S. 2 GG, soweit der Dauerbedarf behinderungsbedingt ist.

Ehrliche Grenze: Verfassungsrechtlich der schwächere Hebel, weil Belastungsgrenze und weites Gestaltungsermessen bestehen; belastbar erst mit realen Daten zum krankheitsbedingten Leistungsverzicht.

Unmittelbar gegen die Norm · Mehrfachbelastung

2 · Ehegatten-Zuschlag & Mehrfachbelastung (§ 242b)

Wer: Eine schwerbehinderte Frau mit einem GdB von 50 (z. B. ME/CFS), über den erwerbstätigen Partner familienversichert – ohne Kind unter 12 Jahren, ohne ein unterhaltsbedürftiges behindertes Kind im Haushalt und ohne Pflege eines Angehörigen. Damit greift keiner der Ausnahmetatbestände des § 242b.

Norm & Folge: § 242b erhebt ab 2028 für den familienversicherten Ehegatten einen Zuschlag von 2,5 Prozentpunkten. Die Eigen-Befreiung setzt einen GdB von mindestens 60 voraus (§ 242b Abs. 1 S. 2 Nr. 2 Buchst. e) – mit GdB 50 zahlt der Haushalt den Zuschlag, obwohl die Schwerbehinderung gesetzlich schon ab GdB 50 beginnt (§ 2 Abs. 2 SGB IX). Parallel treffen sie ab 2027 die höheren Zuzahlungen (§ 61) für die eigene Dauermedikation und die verkürzte Reha-Frist (§ 51): dieselbe Person, mehrere Sparnormen zugleich.

Betroffenheit: selbst; unmittelbar (kraft Gesetzes ab 2028); gegenwärtig über Dispositionsbetroffenheit. → der Fall zeigt die Mehrfachbelastung: mehrere Normen treffen kumulativ und möglicherweise wechselseitig verstärkend dieselbe Person – Funktionsbeeinträchtigung, Geschlecht und Sorgeverantwortung fallen zusammen.

Grundrecht: Art. 3 Abs. 1 GG (Willkürverbot: warum GdB 60, obwohl der gesetzliche Schwerbehinderungs-Standard bei GdB 50 liegt, § 2 Abs. 2 SGB IX?); Art. 3 Abs. 3 S. 2 GG (funktionale Belastung real, GdB typischerweise zu niedrig festgestellt); Art. 3 Abs. 2 GG und Art. 6 Abs. 1 GG (Belastung fällt bei Sorgeverantwortung überproportional auf Frauen).

Ehrliche Grenze: Gut begründbare direkte Betroffenheit; die Befreiungsschwelle selbst ist rechtfertigungsbedürftig, nicht automatisch verfassungswidrig. Das behinderte Kind ist beim Zuschlag ausgenommen – die kumulative Wirkung ist mit realen Daten zur Gesamtbelastung des Haushalts zu belegen, nicht als Norm-Verstoß zu unterstellen.

Erst über das Sozialgericht

3 · Reha-Frist (§ 51)

Wer: Eine Person mit exekutiver Dysfunktion und Fatigue, deren Antrags-, Befundbeschaffungs- und Nachweisfähigkeit krankheitsbedingt schwankt.

Norm & Folge: § 51 verkürzt die Frist, innerhalb der auf Aufforderung der Kasse ein Reha-/Rentenantrag zu stellen ist, von zehn auf vier Wochen. Ein Versäumnis kann das Krankengeld beenden.

Betroffenheit: selbst betroffen; die Rechtsfolge tritt aber über einen Ermessens-Bescheid der Kasse ein → nicht unmittelbar gegen die Norm, sondern erst über Widerspruch und Sozialgericht (Subsidiarität), dann ggf. Verfassungsbeschwerde.

Grundrecht: Art. 3 Abs. 3 S. 2 GG (die Verfahrensregel trifft gerade die Funktionsbeeinträchtigung); Art. 19 Abs. 4, Art. 2 Abs. 2 GG.

Ehrliche Grenze: Inhaltlich der stärkste Individualhebel – die Verbindung Beeinträchtigung ↔ Frist ist besonders klar –, prozessual aber über den Fachweg; die Ermessensnatur und § 27 SGB X (Wiedereinsetzung) mildern.

Über den Bescheid (Fachgericht)

4 · Hilfsmittel-Festbetrag (§ 36) und 3-%-Absenkung (§ 127 Abs. 1b)

Wer: Eine Person mit hohem, dauerhaftem Hilfsmittelbedarf, für die eine ausreichende, aufzahlungsfreie Versorgung zum Festbetrag real nicht erhältlich ist.

Norm & Folge: § 36 (Festbeträge, ausgerichtet am unteren Preisdrittel) sowie § 127 Abs. 1b (pauschale 3-%-Absenkung des vertraglich vereinbarten Erbringerpreises, 2027–2028). Nach BSG B 3 KR 20/08 R begrenzt der Festbetrag den Sachleistungsanspruch nicht, wenn eine ausreichende Versorgung zum Festbetrag objektiv nicht möglich ist.

Betroffenheit: selbst; über den Genehmigungs-/Erstattungsbescheid → Sozialrechtsweg.

Grundrecht: Fachrechtlich stark (Sachleistungsanspruch); verfassungsrechtlich Art. 2 Abs. 2 / Art. 3 Abs. 3 S. 2 GG im Einzelfall.

Ehrliche Grenze: Starker Hebel im konkreten Fall – keine abstrakte Verfassungswidrigkeit der Festbetragsregel; der Nachweis ist produktgruppen- und marktbezogen zu führen.

Systemversagen im Einzelfall · besonders gefährdete Untergruppe

5 · Erreichbarkeit / Systemversagen (§ 13 Abs. 3)

Wer: Eine autistische Frau mit dokumentiertem erhöhtem Suizidrisiko, die eine dringend nötige Psychotherapie faktisch nicht in zumutbarer Zeit erreicht.

Norm & Folge: Wird die vergütete Kapazität enger (§ 87 Abs. 2c, § 87d, § 71) und ist die Behandlung praktisch nicht erreichbar, kommt Kostenerstattung bei Systemversagen in Betracht (§ 13 Abs. 3 SGB V; BSG B 1 KR 24/05 R). Das erhöhte Risiko ist belegt: autistische Frauen tragen ein rund 4,4-fach höheres Risiko für Suizidversuche als autistische Männer (Kõlves et al. 2021, JAMA Network Open); ohne psychiatrische Begleiterkrankung ist der Zusammenhang nicht mehr signifikant (aIRR 1,33) – das Risiko ist eng an die grundsätzlich behandelbare Begleiterkrankung gebunden, deren Zugang die Reform verknappen könnte.

Betroffenheit: im konkreten Einzelfall betroffen; über die Kasse und das Sozialgericht.

Grundrecht: Art. 2 Abs. 2 GG (Schutzpflicht, im Krisenfenster am dichtesten); Art. 3 Abs. 3 S. 2 GG i.V.m. Art. 3 Abs. 2 GG (die Zugangsverknappung trifft eine belegt stärker gefährdete Untergruppe).

Ehrliche Grenze: Stark im dokumentierten Einzelfall – nicht als abstrakte Verfassungswidrigkeit der Finanzierungsregel; Systemversagen ist einzelfallbezogen (Dringlichkeit, rechtzeitige Befassung der Kasse, verfügbare Vertragsversorgung, Selbstbeschaffung). Die 4,4-fach-Zahl misst das Ausgangsrisiko (Registerkohorte), nicht die Wirkung dieses Gesetzes.

Zusammen zeigen die fünf zweierlei: Die Last landet auf identifizierbaren Personen, nicht auf einer diffusen „Gruppe“ – und die stärkste unmittelbare Normbetroffenheit (§ 61, § 242b) fällt nicht zwingend mit dem inhaltlich stärksten Hebel (§ 51, Erreichbarkeit) zusammen. Genau diese Trennung von prozessualer Angreifbarkeit und materieller Stärke ist bei jeder Norm getrennt zu führen.

Was das Ergebnis widerlegen würde

Zur Fairness gehört, auch zu benennen, was gegen das Ergebnis spräche. Der Befund würde unmittelbar schwächer, wenn eine belastbare Prüfung mit Datengrundlage, Gruppenbezug und Ergebnis offengelegt würde – und zusätzlich, wenn belegt würde, dass:

  • Neuaufnahmen in Psychotherapie nicht sinken und Wartezeiten nicht steigen,
  • besonders gefährdete Gruppen keine überproportionalen Zugangseinbußen erleben,
  • Zuzahlungsbefreiungen automatisch und ohne Vorleistung wirken,
  • kurzfristige Nachsorge im kritischen Zeitfenster verbindlich gesichert ist,
  • regionale Engpässe zeitnah erkannt und ausgeglichen werden,
  • die angekündigte Nachbesserung vor Beginn der Belastung wirksam wird.

Genau diese Punkte sind derzeit nicht ausgewiesen – deshalb bleibt der Befund bestehen. Er ist widerlegbar, aber bislang nicht widerlegt.

Elf Fragen, die eine Prüfung beantworten müsste

Die Prüf-Dimension der Bedenken lässt sich konkret machen. Wer belegen will, dass die verfassungsrechtlichen Bedenken ausgeräumt sind, kann diese elf Fragen beantworten – sie richten sich an Regierung, Fraktionen und Gesundheitsausschuss:

  1. Welche einnahmeseitigen Alternativen (Bundeszuschuss, Herstellerabschläge, Steuern, Bundesrats-Empfehlungen) wurden geprüft und ausgeschöpft, bevor Versicherte belastet wurden?
  2. Welche Gruppen wurden in der Folgenabschätzung gesondert betrachtet?
  3. Welche Daten zu Behinderung, chronischer Erkrankung, Einkommen und Versorgungsbedarf wurden verwendet?
  4. Welche Auswirkungen auf Neuaufnahmen, Wartezeiten und Versorgungsabbrüche wurden modelliert?
  5. Wie wurde die kumulative Wirkung mehrerer gleichzeitiger Regelungen geprüft?
  6. Welche Kompensationen gelten verbindlich vor dem 1. Januar 2027?
  7. Welche Indikatoren werden ab Inkrafttreten laufend erhoben?
  8. Welche Warnschwellen lösen eine Nachsteuerung aus?
  9. Werden Daten nach Behinderung, Alter, Geschlecht, Einkommen und Region differenziert?
  10. Wer trägt institutionell die Verantwortung für das Monitoring?
  11. Wo wird die Prüfung veröffentlicht?

Solange diese Fragen offen sind, ist „keine Benachteiligung“ benannt, aber nicht belegt.

Die fehlende Prüfung: welche Daten national fehlen

Um zu prüfen, ob dieses Gesetz eine Benachteiligung auslöst, bräuchte es bestimmte Erhebungen. Sie existieren in Deutschland überwiegend nicht – deshalb lässt sich „keine Benachteiligung“ derzeit gar nicht belegen. Die vorhandenen Daten (Kassendaten, amtliche Statistik, nationale Forschung) zeigen das erhöhte Ausgangsrisiko, ersetzen diese Prüfung aber nicht. Die Infrastruktur für die Prüfung besteht seit 2024 – das Gesundheitsdatennutzungsgesetz (GDNG) und das Forschungsdatenzentrum Gesundheit (beim BfArM) erlauben die Nutzung und Verknüpfung von Kassendaten für genau solche Auswertungen. Das Hindernis ist also nicht der Datenschutz, sondern die fehlende Auswertung.

fehltEine gruppendifferenzierte Baseline vor 2027: Zugang, Wartezeit und Behandlungsabbruch für Menschen mit nicht sichtbaren Behinderungen (ME/CFS, ADHS, Autismus, FASD, chronischer Schmerz, Depression).
Auswertung fehltLängsschnitt der Zuzahlungswirkung nach Behinderung und Einkommen: nicht eingelöste Verordnungen, Behandlungsabbrüche, Zeitpunkt der Befreiung – die Kassen-Rohdaten bestehen, ihre Auswertung fehlt.
Auswertung fehltInanspruchnahme der Belastungsgrenze (§ 62 SGB V): Antrags- und Befreiungsquote, Vorfinanzierungsdauer – genau die Zahl, an der die praktische Erreichbarkeit des Schutzes hängt.
Auswertung fehltPsychotherapie-Neuaufnahmen nach Fallkomplexität vor und nach Wegfall des Zuschlags (§ 87 Abs. 2c): Anteil komplexer Neuaufnahmen, Ablehnungs- und Abbruchquoten.
Auswertung fehltWirkung der verkürzten Frist (§ 51 SGB V): Krankengeld-Beendigungen nach Fristversäumnis, differenziert nach psychischer und kognitiver Beeinträchtigung.
teilweisePoststationäre Anschlussquote und Zeit bis zum ersten ambulanten Kontakt – nicht flächendeckend und nicht diagnosedifferenziert erhoben.
fehltKumulationsanalyse: wie viele Personen von mehreren Maßnahmen gleichzeitig betroffen sind (Personenbezug über die Maßnahmen hinweg).
fehltGeschlechtsdifferenzierte Belastung pflegender Angehöriger (überwiegend Frauen): Erwerbsminderung, eigene Morbidität, Übergang in Heimunterbringung.
fehltGruppenspezifische Abbruchquoten nach Einführung digitaler Pflichtverfahren – für Deutschland nicht erhoben.
fehltBehinderungsdifferenzierte (Über-)Sterblichkeit in Deutschland – der Grund, warum ersatzweise internationale Kohorten herangezogen werden müssen.
fehltVerknüpfung von Versorgungsunterbrechung und Suizidalität (Kassendaten × Todesursachenstatistik) – bislang nicht zusammengeführt.
fehltErfassung nicht oder spät diagnostizierter Menschen (Dunkelfeld), insbesondere Frauen – genau die statistische Unsichtbarkeit, die Art. 31 UN-BRK adressiert.

Diese Liste ist zugleich ein Prüfauftrag: Sie benennt, was erhoben werden müsste, damit die Aussage „keine Benachteiligung“ überhaupt belegbar wäre. Der Doppelbefund bleibt: Die vorhandenen Daten reichen, um das Risiko zu erkennen und eine Prüfung zu beginnen – nicht, um eine Benachteiligung sicher zu messen.

Monitoring: konkrete Zielgrößen und Warnschwellen

Eine Kontrolle wirkt nur, wenn vorab feststeht, was gemessen wird und ab welcher Schwelle nachgesteuert wird. Vorschlag für eine belastbare Mindestarchitektur, differenziert nach Behinderung, Alter, Geschlecht, Einkommen und Region:

Finanzielle Zugänglichkeit

  • nicht eingelöste Verordnungen
  • Abbruch von Heilmittelbehandlungen
  • Befreiungsanträge und Zeitpunkt der Befreiung im Jahr
  • Dauer der Vorfinanzierung
  • Widersprüche gegen Zuzahlungsentscheidungen

Psychotherapie

  • Wartezeit bis Erstgespräch und bis Therapiebeginn
  • Neuaufnahmen, davon Anteil komplexer Fälle
  • Ablehnungs- und Abbruchquote
  • regionale Unterschiede

§ 51 SGB V

  • Zahl der Aufforderungen
  • Fristversäumnisse und Krankengeld-Beendigungen
  • Widerspruchsquote und erfolgreiche Widersprüche
  • behinderungsbezogener Unterstützungsbedarf

Krisenfolgen

  • Notfall- und Krisendienstkontakte
  • stationäre Wiederaufnahmen
  • poststationäre Anschlussquote
  • Zeit bis zum ersten ambulanten Kontakt

Monitoring ohne vorab definierte Warnschwellen ist noch kein Schutzmechanismus – es ist nur Beobachtung.

Die Grenzen jedes Sparparagrafen

Jede Sparnorm — in sich geprüft.

Nicht mehr die Behinderung ist hier der Leitfaden, sondern jeder einzelne Sparparagraf: seine Lücken, Gegenbewegungen, die Rechtsprechung, die Umsetzungsmängel und die Wirksamkeitsgrenze. Ergebnis von neun interdisziplinären Prüfsträngen, am amtlichen Gesetzestext (BGBl. 2026 I Nr. 228) verifiziert.

Der übergreifende Kernbefund

Das Finanztableau des Gesetzes weist ausschließlich Brutto-Entlastung aus — rund 16,3 Mrd € (2027) aufwachsend auf 38,1 Mrd € (2030). Ein um Folgekosten, Rückholung und Lastverlagerung bereinigter Netto-Spareffekt ist bei keiner einzigen Sparnorm ausgewiesen. Damit steht der konzentrierten Belastung ein nicht belegter Ertrag gegenüber — das verschärft die Frage nach Geeignetheit und Angemessenheit.

Sechs Muster, die über allen Paragrafen liegen

1 · Schutz nur auf Antragtragend

§ 62 (Befreiung), § 51 (Frist), § 55 (Härtefall), § 60 (Merkzeichen), § 44c (Zustimmung): Der Schutz existiert, setzt aber selbstinitiiertes, formförmiges Handeln voraus. (Der Beitragszuschlag § 242b ist hier die Ausnahme: seine Befreiungen werden „auch ohne Nachweis" berücksichtigt.) Eine im Verfahren erwartete § 62-Informationspflicht wurde nicht ins Gesetz aufgenommen. Durchgängig, prozedural, über Take-up-Quoten empirisch prüfbar.

2 · Kapazität statt Anspruch gedeckelt (zweistufig)tragend

§ 71 Abs. 3, § 87d, § 133, § 130: Gedeckelt wird die Vergütungs-/Preisseite, nicht der individuelle Anspruch — mit der Folge mittelbaren Kapazitäts- und Zugangsverlusts, den das Gesetz weder misst noch auffängt. Am schärfsten bei § 132l (außerklinische Intensivpflege).

3 · Der Kern kehrt über einen Rückhol-Weg zurück (Spar-Bumerang)tragend

§ 13 Abs. 3 (Systemversagen), § 71 Abs. 1 (Ausnahme), § 2 Abs. 1a, aufzahlungsfreie Bedarfsdeckung, Wiederaufnahmeregel § 8 Abs. 5 KHEntgG — plus Offset (Trivedi 2010; Chandra 2010) und Verschiebebahnhof (GKV→Renten-, Pflege-, Grundsicherungsträger, Land/Kommune). Bei keiner einzigen Sparnorm ist ein um Folgekosten/Rückholung bereinigter Netto-Spareffekt ausgewiesen. Der stärkste paragrafenübergreifende Befund.

4 · Wesentliches an den Untergesetzgeber delegiertstark

§ 44c (G-BA), § 87/§ 87a (Bewertungsausschuss), § 36 (Festbeträge GKV-SV), § 71 Abs. 3 (Schiedsstellen), § 133 (Verträge): Kernbegriffe wie „notwendige Versorgung nicht mehr gewährleistet", „hinreichende Auswahl" oder die Teil-AU-Stufen bleiben ohne gesetzlichen Maßstab (Wesentlichkeit/Bestimmtheit).

5 · Reaktiv statt vorsorgendstark

Die einzige übergreifende Auffangklausel (§ 71 Abs. 1) und die Beobachtungsberichte (z. B. 30.06.2028) lösen erst aus bzw. dokumentieren, was niemand mit Frühindikatoren erhebt. Verdichtet bei Leben/Gesundheit (§ 71 Abs. 3, § 133, § 17b KHG).

6 · Stichtags- und Ebenen-Brücheergänzend

Kurzzeitfallpauschale 2028 vs. Rest 2027; Apotheken-Fixum (Verordnung) vs. Abschlag (Gesetz); Herstellerabschlag sofort vs. Standortklausel später. Handwerklich konkret und für die Kohärenz-/Folgerichtigkeitsprüfung nützlich.

Rangliste der Angriffspunkte (belastbarste zuerst)

  1. Fehlender ausgewiesener Netto-Spareffekt über das ganze Gesetz (Muster 3). Keine Sparnorm rechnet Rückholung, Offset oder Verschiebebahnhof gegen. Prozedural, schwer abzuwehren, empirisch fundierbar.
  2. § 71 Abs. 3 / § 132l — Kapazitätsabbau existenzsichernder außerklinischer Intensivpflege ohne Sicherstellungsmechanismus (Art. 2 Abs. 2 GG; Spannung zu BSG B 3 P 6/22 R und B 3 KR 2/22 R).
  3. § 62-Schutzarchitektur: „nur auf Antrag" + gestrichene Informationspflicht + Vorauszahlung/Befreiung nur bei Kenntnis und Einmalzahlung — quer über § 61, § 55, § 36.
  4. § 36 — aufzahlungsfreie Bedarfsdeckung als Rechtsgrenze (BSG B 3 KR 20/08 R) plus Kalkulations-Spannung (B 3 KR 4/20 R).
  5. § 87 Abs. 2c / § 87d — Anreizumkehr gegen Frühzugang und Neuaufnahme, bei Systemversagens-Außengrenze (BSG B 1 KR 24/05 R) und Kohärenzbruch zur Suizidprävention.
  6. § 133 — Bund-Länder-Finanzierungsbruch: Refinanzierungsdeckel gegen landesrechtliche Vorhaltepflicht (Art. 104a GG; 6-Länder-Vermittlungsantrag; Bundesrat forderte Streichung).
  7. § 221 — Lastverlagerung Bund → Beitragszahler (~9 Mrd €/Jahr) als ökonomische Scheineinsparung (verfassungsrechtlich schwach, politisch stark; GKV-SV-Klage gegen den Bund).
  8. § 51 — fehlende Härtefall- und Warnschwelle plus trägerübergreifende Nettolücke (GKV-Ersparnis vs. Renten-/Grundsicherungslast).
  9. Delegation ohne Maßstab (Muster 4): unbestimmte Auslöser über § 44c, § 71 Abs. 1 und § 36.
  10. § 130a — Verhältnismäßigkeit der Verschärfung (Herstellerabschlag 15,5 % / Moratorium bis 2030), die das BVerfG 2025 in der milderen Fassung, nicht in der Verschärfung, gebilligt hat.
  11. § 242b — mittelbare Geschlechter-/Art.-6-Wirkung des Ehegatten-Zuschlags (durch die „Abbau einer Begünstigung"-Dogmatik relativiert).
  12. Stichtags- und Ebenen-Brüche (Muster 6) für die Folgerichtigkeitsprüfung.

Schwächste Kandidaten (ehrlich): § 55 Zahnersatz (Rollback, Zustimmung der Zahnärzteschaft, BSG-Rechtsprechung), § 242a (bloße Messgröße), § 130 Apothekenabschlag (+30 Cent für sich maßvoll).

Die vollständige Fassung: jede Norm einzeln (A–J)

Aufklappen für die interdisziplinäre Tiefenanalyse je Paragraf — von der Sparmechanik über Personas, Lobby, Rechtsprechung und Umsetzungsmängel bis zur gewichteten Grenze. Alle Aussagen sind mit Belegstatus versehen.

Zugang & Eigenlast

§ 61 / § 62 SGB V — Zuzahlungen +~50 % und Belastungsgrenzestark

In einfacher Sprache: Die Lücke liegt nicht im „mehr zahlen", sondern darin, dass die Schutzobergrenze nur auf Antrag greift und das Geld vorher voll fällig wird.

A · Sparmechanik & Bezifferung. Einmalige Anhebung; die jährliche Dynamisierung wurde im Ausschuss gestrichen [verifiziert]; reine Kostenverlagerung auf Hoch-Inanspruchnehmer. €-Zahl [offen] („mangels belastbarer Daten nicht bezifferbar", BT-Drs. 21/6130 S. 7).

B · Personas / Akteurskarte. Chronisch Mehrfachkranke, niedriges Einkommen, Hochaltrige, pflegende Angehörige; Apotheken als Inkassostelle.

C · Interessen & Lobby. Freie Wohlfahrt/ABiD: Verzichtsrisiko [plausibel]; FinanzKommission Gesundheit S. 106: Verzicht „nicht auszuschließen" [plausibel].

D · Gegenbewegung & Politik. Bundesrat: einnahmeseitige Alternativen; die zugesagte § 62-Informationspflicht wurde nicht geregelt [verifiziert].

E · Rechtsprechung als Grenze. Gegenläufig, stark: Praxisgebühr BSG B 3 KR 3/08 R (verfassungsgemäß); B 1 KR 10/07 R (SGB II erstattet Zuzahlungen nicht); Nikolaus BVerfGE 115,25 nur lebensbedrohlich [alle verifiziert]. → § 61 „in sich" nicht angreifbar.

F · Umsetzungs- & Vollzugsmängel. § 62 antrags- und belegabhängig, keine Automatik; die frühe Jahresbelastung nur über Vorauszahlung + Antrag abfederbar (Kassenpraxis); reale Befreiungsquote [offen].

G · Wirksamkeitsgrenze & Rückhol-Wege. Offset belegt: Trivedi 2010, Chandra 2010 — Copay↑ → Hospitalisierung↑ bei Kranken; Netto-Spareffekt nicht ausgewiesen.

H · Kleinste Lücken & Anomalien. Selbststeuerungs-Hürde (Vorauszahlung + Antrag nötig); Gleichheits-Ungereimtheit § 62-innen (gedeckelt) vs. § 55/§ 36-außen; Chroniker-1 %-Status als formale Hürde.

I · Interdisziplinäre Achsen. Ökonomisch regressiv; verwaltungswiss.: Take-up-Barriere; ethisch: Zugangsgerechtigkeit.

J · Ergebnis: die Grenzen. Stark: Selbststeuerungs-Hürde (Vorauszahlung + Antrag) + fehlende Informationspflicht; fehlender Netto-Spareffekt trotz eingeräumtem Verzichtsrisiko. Gegenlinie (stark): höchstrichterlich gebilligte Zuzahlungssteuerung, Belastungsgrenze existiert und ist vorab ablösbar.

§ 55 SGB V — Zahnersatz-Festzuschüsse (60→50 %, Bonus 70/75→60/65 %)schwach

In einfacher Sprache: Rechtlich der am schwersten angreifbare Baustein — ein Rollback auf das Vor-2020-Niveau, die Ärmsten bleiben voll geschützt.

A · Sparmechanik & Bezifferung. Einheitlich −10 Prozentpunkte; ~0,6 Mrd €/Jahr [verifiziert Finanztabelle]. Amtlich: „50 Prozent … erhöhen sich … auf 60 Prozent". Einzellast ~132 €/Fall.

B · Personas / Akteurskarte. Härtester Fall: knapp über der Härtefallgrenze; Hochaltrige und Langzeit-Bonussparer relativ am stärksten.

C · Interessen & Lobby. KZBV/BZÄK akzeptieren ausdrücklich („taugliche Einsparung, keine maßgebliche Versorgungswirkung") [verifiziert] — der Fach-Einwand wird von den Erbringern selbst nicht erhoben; Paritätischer kritisiert die Regressivität.

D · Gegenbewegung & Politik. Bundesrat, Ziffer 6: Streichung der Absenkung empfohlen [verifiziert].

E · Rechtsprechung als Grenze. Gegenläufig: BSG B 1 KR 12/13 R (weites Ermessen, keine weitergehende Härtefall-Pflicht) [verifiziert]; BVerfGE 106,275.

F · Umsetzungs- & Vollzugsmängel. Härtefall-Take-up neuralgisch (Antrag + Nachweis); 6-Monats-Verfall der Kostenzusage kann Bestandsschutz aushebeln.

G · Wirksamkeitsgrenze & Rückhol-Wege. Verzicht → Folgeerkrankungen; Netto nicht folgenkostenbereinigt. Dämpfer: 100-%-Härtefall fängt die Verzichtsgefährdetsten ab.

H · Kleinste Lücken & Anomalien. Kern-Anomalie: Zahnersatz-Eigenanteil außerhalb § 62 (Gleichheitsfrage) — aber § 55 hat ein eigenes gleitendes Härtefallsystem, das die BSG-Rechtsprechung billigt.

I · Interdisziplinäre Achsen. Verteilungswirkung regressiv im Mittelfeld; ethisch: Zahngesundheit als Statusmarker.

J · Ergebnis: die Grenzen. Keine tragende Verfassungsgrenze; relativ stark nur die Fairness-Kante knapp über der Härtefallgrenze. Gegenlinie (stärkste im Paket): Rollback + Erbringerzustimmung + Härtefall + BSG/BVerfG. Schwächster Verfassungskandidat.

§ 36 SGB V — Hilfsmittel-Festbeträge (unteres Preisdrittel + 3 % 2027–2028)tragend

In einfacher Sprache: Erlaubt — solange ein passendes Hilfsmittel ohne Zuzahlung erreichbar bleibt; genau das sichert das Gesetz nur weich zu und rechnet Folgekosten nicht dagegen.

A · Sparmechanik & Bezifferung. Amtlich: „§ 36 wird … ersetzt" — Festbetragskalkulation, soweit „eine angemessene Versorgung … gewährleistet wird"; zusätzlich 3-%-Pauschalabsenkung je Hilfsmittelversorgung 2027–2028 (Normort § 127 Abs. 1b, ab 1.1.2027 [verifiziert]; abgesenkt wird der vertraglich vereinbarte Erbringerpreis nach § 127 Abs. 1/3, nicht der Festbetrag nach § 36). Isolierte €-Zahl [offen].

B · Personas / Akteurskarte. Standardbedarf aufzahlungsfrei; komplexer Bedarf (Stoma, Kommunikationshilfen, Sonder-Rollstuhl, Hörgeräte) → Aufzahlung; Sanitätshäuser.

C · Interessen & Lobby. BVMed lehnt die 3 % ab („Versorgungsqualität sinkt"); Paritätischer (Verengung der aufzahlungsfreien Versorgung) [verifiziert].

E · Rechtsprechung als Grenze. Tragende Gegenlinie zur Kürzung: BSG B 3 KR 20/08 R (Festbetrag ist keine Grenze, wenn objektiv unzureichend → aufzahlungsfrei); B 3 KR 4/20 R (GKV-SV nicht zu rein kalkulatorischen Festbeträgen ermächtigt — Spannung zur „unteres-Drittel"-Logik) [verifiziert]; BVerfGE 106,275 stützt die Ermächtigung, prüfte die aufzahlungsfreie Erreichbarkeit aber ausdrücklich nicht.

F · Umsetzungs- & Vollzugsmängel. Auswahlsicherung nur „soweit wie möglich" (weiche Soll-Klausel, keine Kontrolle/Sanktion); reale Marktverfügbarkeit je Produktgruppe [offen].

G · Wirksamkeitsgrenze & Rückhol-Wege. Aufzahlungsfreie Bedarfsdeckung als Rechtsgrenze; § 13 Abs. 3; Netto nicht ausgewiesen.

H · Kleinste Lücken & Anomalien. 3 % ohne Produktgruppenbezug; Aufzahlung außerhalb § 62 (Gleichheits-Ungereimtheit); Kollision mit dem § 33-Anspruch → in Einzelverfahren verlagert.

I · Interdisziplinäre Achsen. Versorgungswiss.: Teilhabewirkung von Hilfsmitteln; ökonomisch: Marktverengung im unteren Drittel.

J · Ergebnis: die Grenzen. Tragend: aufzahlungsfreie bedarfsgerechte Versorgung (B 3 KR 20/08 R). Stark: fehlende Bezifferung + Kalkulations-Spannung (B 3 KR 4/20 R). Gegenlinie: weiter Spielraum, „hinreichende Auswahl" verankert, Untermaßverbot mit hoher Schwelle.

§ 60 SGB V — Fahrkosten (durch dieses Gesetz nicht geändert)ergänzend

In einfacher Sprache: Fahrkosten steigen still über die Kopplung an § 61 mit; die Merkzeichen-Logik ist Bestandsrecht.

A · Sparmechanik & Bezifferung. Keine eigene Sparnorm; Wirkverbund: die Fahrkosten-Zuzahlung koppelt über § 60 Abs. 1 zwingend an § 61 Satz 1 → steigt mit [verifiziert, normstrukturell].

B · Personas / Akteurskarte. Menschen mit häufigen Fahrten (Dialyse, Onkologie, Reha); ländlich.

C · Interessen & Lobby. [offen].

D · Gegenbewegung & Politik. [keine belastbaren Funde].

E · Rechtsprechung als Grenze. Merkzeichen-/Pflegegrad-gebundene Ausnahmelogik (G-BA-Krankentransport-Richtlinie) — Bestandsrecht.

F · Umsetzungs- & Vollzugsmängel. Marker-/Pflegegrad-Bindung benachteiligt nicht sichtbare Mobilitätsbarrieren strukturell (Bestandsrecht, nicht dieses Gesetz).

G · Wirksamkeitsgrenze & Rückhol-Wege. Erbringerseite: § 133-Bindung an die gekürzte Grundlohnrate → ländliches Erreichbarkeitsrisiko.

H · Kleinste Lücken & Anomalien. Stille Erhöhung ohne eigene Regelung; Marker-Anomalie.

I · Interdisziplinäre Achsen. Regionale Gleichwertigkeit.

J · Ergebnis: die Grenzen. Ergänzend: Wirkverbund-Erhöhung + Marker-Anomalie. Gegenlinie: § 60 unverändert.

Vergütung & Kapazität

§ 87 Abs. 2c / § 87d SGB V — Psychotherapie zurück in die gedeckelte Gesamtvergütungtragend

In einfacher Sprache: Eine zulässige Bezahl-Reform, die aber genau dort bremst, wo schneller Zugang zählt — ob gespart oder nur verschoben, ist amtlich nicht belegt.

A · Sparmechanik & Bezifferung. Amtlich: „Ab dem 1. Januar 2027 darf der einheitliche Bewertungsmaßstab für ärztliche Leistungen keine Zuschläge auf diejenigen psychotherapeutischen Leistungen enthalten, die im Rahmen des ersten Therapieblocks einer neuen Kurzzeittherapie erbracht werden" (§ 87 Abs. 2c n.F.); § 87d regelt die Leistungen „außerhalb der morbiditätsbedingten Gesamtvergütung" — Psychotherapie fällt durch Herausnahme in die MGV. Floating-Punktwert entwertet Mehrmenge. Bezifferung [offen].

B · Personas / Akteurskarte. Menschen mit akutem/neuem Therapiebedarf; komplexe Fälle (Risikoselektion); Psychotherapeut:innen.

C · Interessen & Lobby. BPtK („massive Verschlechterung"), KBV (Ablehnung, Verlagerung zu teurerer Langzeittherapie), Kampagne „Gekaufte Ruhe"; Streichung der Mindesthonorar-/Angemessenheitsklausel verschärft [verifiziert].

E · Rechtsprechung als Grenze. BSG B 1 KR 24/05 R — Systemversagen bei nicht erreichbarer Psychotherapie → § 13 Abs. 3 (Außengrenze, wenn Erreichbarkeit sinkt) [verifiziert]; weiter Vergütungs-Gestaltungsspielraum (stützend).

F · Umsetzungs- & Vollzugsmängel. Bewertungsausschuss/regionale MGV-Bereinigung → unbestimmte Steuerung, „erhebliche Rechtsstreitigkeiten" (KBV); Wirkung erst ex post messbar.

G · Wirksamkeitsgrenze & Rückhol-Wege. § 13 Abs. 3-Rückholung bei Systemversagen; Kurzzeit→Langzeit teurer; Kohärenzbruch zur Suizidprävention; Netto nicht ausgewiesen.

H · Kleinste Lücken & Anomalien. Bestandsschutz nur ein Jahr (Klippe 2028); Anreiz gegen die Neuaufnahme gerade komplexer Fälle.

I · Interdisziplinäre Achsen. Versorgungswiss.: Kapazität/Wartezeit; ethisch: Frühzugang zu psychischer Versorgung.

J · Ergebnis: die Grenzen. Tragend: Anreizumkehr gegen Frühzugang/Neuaufnahme + fehlende Netto-/Folgekostenbilanz. Stark: § 13 Abs. 3 / B 1 KR 24/05 R als Außengrenze bei sinkender Erreichbarkeit. Gegenlinie: weiter Spielraum, zunächst Preisseite, Untermaßverbot mit hoher Schwelle.

§ 87a Abs. 3b/3c SGB V — kinderärztliche MGV-Formel + Abschlägeschwach

In einfacher Sprache: Kein Kürzungsbetrag, sondern ein Umverteil-/Abschlagsmechanismus — juristisch schwer angreifbar, sachlich fragwürdig.

A · Sparmechanik & Bezifferung. Formeländerung (Abs. 3b) + Abschläge bei MGV-Überschreitung (Abs. 3c); Kinderarzt-Topf ↑, Hausarzt-Topf ↓. Betrifft die kinder- und jugendMEDIZINische Vergütung und enthält Förder-Zuschläge (keine Deckelung der Psychiatrie). Bezifferung [offen]. Das Gesetz enthält eine Evaluationsklausel zu den Auswirkungen auf die Kinder- und Jugendmedizin [amtlich].

B · Personas / Akteurskarte. Kinder-/hausärztliche Versorgung; keine direkte Patientenkürzung.

C · Interessen & Lobby. KBV: „Bruch der Versprechen", Doppelberücksichtigung der Kostendegression [verifiziert].

D · Gegenbewegung & Politik. [keine eigene Ziffer].

E · Rechtsprechung als Grenze. Weiter Honorarverteilungsspielraum; einfachgesetzliche „Versprechen" ohne Grundrechtsrang (gegen die KBV-Rüge).

F · Umsetzungs- & Vollzugsmängel. Verteilung über Bewertungsausschuss; Wirkung ex post.

G · Wirksamkeitsgrenze & Rückhol-Wege. Nullsummen-/Verschiebungslogik zwischen Töpfen; kein eigener Spar-, sondern Umverteilungseffekt.

H · Kleinste Lücken & Anomalien. Doppelte Kostendegression (Sachwidrigkeit); Abgrenzung KJP-Grundversorgung (extrabudgetär) vs. Richtlinien-Psychotherapie (gedeckelt).

I · Interdisziplinäre Achsen. Versorgungswiss.: pädiatrische Kapazität.

J · Ergebnis: die Grenzen. Keine tragende Verfassungsgrenze; stark nur die fehlende Bezifferung + Doppel-Degression. Gegenlinie: Verteilungssteuerung im weiten Spielraum; KJP-Grundversorgung bleibt extrabudgetär.

§ 71 Abs. 3 SGB V — Grundlohnrate-Deckel (2027–2029) für §§ 132a/132l/111/111c/132tragend

In einfacher Sprache: Der Deckel senkt keine Kosten, er verschiebt sie — am härtesten trifft es die häusliche Intensivpflege; ein gesetzlicher Auffang bei Wegbrechen der Versorgung fehlt.

A · Sparmechanik & Bezifferung. Vergütungssteigerung an die Beitragssatzstabilität gebunden, Rate 2027–2029 je um 1 Prozentpunkt gemindert (Stufe 1 Preisseite, kein Anspruchsentzug); Stufe 2 mittelbar Kapazität/Marktaustritt. Einzelbezifferung [offen].

B · Personas / Akteurskarte. Schärfster Fall: außerklinische Intensivpflege (§ 132l) — beatmungspflichtige Menschen zu Hause; häusliche Krankenpflege; Reha; Personal (Fachkräftemangel).

C · Interessen & Lobby. DBfK, Deutscher Pflegerat, SHV: „Refinanzierung gekappt", „Grundlohnrate = Finanz-, kein Bedarfsmaßstab" [verifiziert/plausibel]; die volle Tarifrefinanzierung wurde gestrichen, nur eine hälftige, zweijährige Ausnahme bleibt.

D · Gegenbewegung & Politik. [Bundesrat allgemein zur Vergütungsdämpfung, Ziffern offen].

E · Rechtsprechung als Grenze. Stützend: BSG B 3 KR 2/22 R (Anspruch dem Grunde nach bei hohem Behandlungspflegebedarf); B 3 P 6/22 R (realistische Gewinnchance/plausible Kalkulation). Gegenlinie: B 3 KR 13/20 R „Marktmodell" (kein Anspruch auf bestimmte Vergütung, solange bei wirtschaftlicher Betriebsführung auskömmlich) [alle verifiziert].

F · Umsetzungs- & Vollzugsmängel. Rahmenverträge/Schiedsstellen, keine Personalbindung; die Tariftreue-Ausnahme gilt nur für Tarifgebundene → Schutzlücke; der Bericht 30.06.2028 ist Beobachtung, kein Schutz.

G · Wirksamkeitsgrenze & Rückhol-Wege. § 71 Abs. 1-Ausnahme („notwendige Versorgung nicht mehr gewährleistet") + § 13 Abs. 3 individuell — aber kein Sicherstellungsmechanismus gegen flächigen Abbau; Angebotsrückzug → stationäre Verlagerung; Netto nicht ausgewiesen.

H · Kleinste Lücken & Anomalien. 1-Prozentpunkt-Kürzung ohne Härtefall; der Auslöser „nicht mehr gewährleistet" ist unbestimmt (kein Schwellenwert/Verfahren); Widerspruch zu § 72 SGB XI (Tariftreue Pflege); kumulierte Drei-Jahres-Wirkung.

I · Interdisziplinäre Achsen. Ökonomisch: Marktaustritt bei enger Marge; versorgungswiss.: Kapazität AKI/HKP; föderal/ethisch: Zugang zu existenzsichernder Pflege.

J · Ergebnis: die Grenzen. Tragend: fehlender Sicherstellungsmechanismus bei drohendem Kapazitätsabbau existenzsichernder Leistungen (Intensivpflege), Art. 2 Abs. 2. Stark: Bedarfsblindheit des Deckels + Spannung zu B 3 P 6/22 R und B 3 KR 2/22 R. Gegenlinie: das Marktmodell erlaubt Deckelung — der Angriff muss zeigen, dass der in drei Jahren (2027–2029) je um einen Prozentpunkt abgesenkte Deckel gerade bei komplexem Bedarf unter die Auskömmlichkeitsgrenze fällt.

§ 17b Abs. 2a KHG — DRG-Kurzzeitfallpauschale (ab 2028)tragend

In einfacher Sprache: Belohnt kürzere Klinikaufenthalte — spart aber nur echt, wenn niemand kurz darauf zurückkommt oder woanders teurer versorgt wird; genau dieser Netto-Nachweis fehlt.

A · Sparmechanik & Bezifferung. Verweildauerunabhängige Pauschale im Fenster ≤ 3 Tage/2 Nächte (§ 17b Abs. 2a KHG); untere Grenzverweildauer entfällt; Segment ~1,0 Mrd € bis 2030 [plausibel], amtlich [offen]. Fairerweise enthält das Gesetz Schutzvorgaben: Sicherstellung, dass keine Fallzahlausweitung stattfindet, Wiederaufnahmeregel (§ 8 Abs. 5 KHEntgG) und sektorengleiche Vergütung (§ 115f). Der Einwand zielt daher nicht auf „ohne Schutz", sondern auf das, was diese Vorgaben nicht leisten: den Schutz des einzelnen Hochrisikofalls vor verfrühter Entlassung.

B · Personas / Akteurskarte. Poststationär-Vulnerable (Multimorbide, Alleinlebende, Delir-/Sturzrisiko); Psychiatrie via PEPP nicht direkt, nur somatische Schnittfälle (z. B. nach Suizidversuch/Intoxikation ≤ 3 Tage ohne gesicherte Anschlussbehandlung).

C · Interessen & Lobby. DKG (primäre Fehlbelegung, Format statt Vergütungsregel), KBV (Fehlanreiz „vorzeitige Abgabe" in die MGV, Forderung Entfall) [verifiziert].

D · Gegenbewegung & Politik. Sechs Länder beantragten den Vermittlungsausschuss (dünn besiedelte Regionen), Mehrheit verfehlt [verifiziert].

E · Rechtsprechung als Grenze. Gegenläufig: BSG B 1 KR 9/20 R (wirtschaftlicheres Alternativverhalten), B 3 KR 22/07 R (bei nicht erforderlicher stationärer Behandlung nur ambulante Vergütung) verschärfen die Fehlbelegungs-Kürzung [verifiziert].

F · Umsetzungs- & Vollzugsmängel. InEK-Kalkulation bis 3/2027, enge Kette; MD-Prüfung verschiebt sich zur primären Fehlbelegung; Sanktion gegen Fallzahlsteigerung [plausibel].

G · Wirksamkeitsgrenze & Rückhol-Wege. Frühe Entlassung → Rehospitalisierung/Notaufnahme/ambulante Mehrlast → Verschiebebahnhof; die Wiederaufnahmeregel § 8 Abs. 5 KHEntgG fängt teils ab; § 39 Abs. 1a Entlassmanagement ohne verbindliche Anschlusssicherung; Netto nicht ausgewiesen.

H · Kleinste Lücken & Anomalien. Stichtag-Asymmetrie 2028/2027; harte 3-Tage/2-Nächte-Kante (Ausweichanreiz); Kollision mit § 115f (Hybrid-DRG); poststationäres Fenster ohne Anschlusssicherung.

I · Interdisziplinäre Achsen. Ökonomisch: Verweildauer-Anreiz; versorgungswiss.: Wiederaufnahmerate; ethisch: „blutige Entlassung".

J · Ergebnis: die Grenzen. Tragend: kein ausgewiesener Netto-Effekt (Verschiebebahnhof) + belegte Fehlanreizmechanik (DKG/KBV). Stark: BSG-Fehlbelegungslinie; harte Schwelle. Gegenlinie: kann uGVD-Fehlanreize beseitigen, Wiederaufnahmeregel fängt teils ab — steht/fällt mit dem empirischen Wiederaufnahme-Nachweis.

Arbeitsfähigkeit & Fristen

§ 51 SGB V — Reha-/Renten-Antragsfrist 10 → 4 Wochenstark

In einfacher Sprache: Wer die verkürzte Frist verpasst, verliert Krankengeld; ein Reha- kann sich in einen Rentenantrag verwandeln.

A · Sparmechanik & Bezifferung. Zweistufig: Die Fristverkürzung erhöht das Risiko des Krankengeld-Wegfalls (§ 51 Abs. 3) und verlagert Träger GKV→DRV. Amtlich: „kann die Krankenkasse eine Frist von vier Wochen setzen" (Ermessen). Einzelbezifferung [offen].

B · Personas / Akteurskarte. Chronisch/schwer Kranke in laufender Diagnostik, niedriges Einkommen, ländlich, kognitiv Eingeschränkte; Träger GKV/DRV/Grundsicherung.

C · Interessen & Lobby. vdek begrüßt („Fehlanreize beseitigen") [plausibel]; GKV-SV/DGB/VdK/DRV [offen].

D · Gegenbewegung & Politik. Keine eigene Bundesrats-Ziffer zu § 51 [verifiziert].

E · Rechtsprechung als Grenze. BSG: Aufforderung ist Ermessens-Verwaltungsakt mit Anhörung; § 116 Abs. 2 SGB VI (Umdeutung Reha→Rente) vorbestehend. Konkrete Aktenzeichen [offen].

F · Umsetzungs- & Vollzugsmängel. Keine Härtefall-/Warn-/Übergangsschwelle im Normtext [amtlich verifiziert]; „kann"-Ermessen ohne bundeseinheitlichen Maßstab.

G · Wirksamkeitsgrenze & Rückhol-Wege. Verschiebebahnhof GKV→DRV→Grundsicherung; § 13 Abs. 3 / § 2 Abs. 1a greifen nicht (Geldleistung); trägerübergreifende Nettorechnung [offen].

H · Kleinste Lücken & Anomalien. Laufende Fristen zum Stichtag ungeregelt; Wechselwirkung mit der Krankengeld-Höchstdauer (78 Wochen); Umdeutung ohne informierte Zustimmung.

I · Interdisziplinäre Achsen. Bruttoersparnis überzeichnet Netto; vier Wochen sind für eine tragfähige Reha-Indikation kurz; Take-up berechtigter Widersprüche sinkt (regressiv).

J · Ergebnis: die Grenzen. Stark: fehlende Härtefall-/Warnschwelle + Übergangsregel und fehlende trägerübergreifende Nettobezifferung (Scheineinsparungs-Verdacht). Gegenlinie: „kann"-Ermessen und Wiederaufleben des Krankengeldes bei Nachholung mildern; die Verlagerung ist gesetzlich systemkonform (§ 116 SGB VI).

§ 44c SGB V — Teil-Arbeitsunfähigkeit / teilweises Krankengeldstark

In einfacher Sprache: Man kann „teilweise" krankgeschrieben sein; die Kasse zahlt anteiliges Krankengeld, der Arbeitgeber anteiliges Entgelt.

A · Sparmechanik & Bezifferung. Anteiliges statt volles Krankengeld; Arbeitgeber schuldet anteiliges Arbeitsentgelt [amtlich verifiziert]. Wirkung ab 2028. Bezifferung [offen].

B · Personas / Akteurskarte. Begünstigt teilbare Bürotätigkeiten; gefährdet Schicht-/Körperberufe, niedriges Einkommen, psychisch Kranke (Rückfallrisiko). Bei ME/CFS existiert biologisch keine planbar abrufbare Teilkapazität (post-exertionelle Malaise): Die NICE-Leitlinie NG206 (2021) rät ausdrücklich von festen, steigernden Aktivitäts-/Belastungsvorgaben ab; die 2-Tage-CPET zeigt in mehreren Studien (Snell/Stevens u.a.) einen reproduzierbaren Leistungsabfall am zweiten Tag als objektiven PEM-Korrelat (Befundlage nicht einheitlich). Die festen Teil-AU-Stufen können eine Schonungsindikation in eine Belastungsvorgabe verkehren.

C · Interessen & Lobby. BÄK begrüßt (bürokratiearm) [plausibel]; vdek begrüßt; SoVD lehnt ab („Krank ist krank", Druck-Sorge) [plausibel].

D · Gegenbewegung & Politik. SoVD-Opposition; keine eigene Bundesrats-Ziffer [verifiziert].

E · Rechtsprechung als Grenze. Keine Rechtsprechung (neu). Grenze: Arbeitgeber-Schutzpflicht (§ 618 BGB) vs. faktischer Druck; Freiwilligkeit als Wirksamkeitsbedingung.

F · Umsetzungs- & Vollzugsmängel. G-BA-Richtlinie steht aus (bis 6. Monat nach Verkündung) → Kernbegriffe unbestimmt; keine Sanktion gegen Arbeitgeberdruck.

G · Wirksamkeitsgrenze & Rückhol-Wege. Frühbelastung → Rückfall → höhere Gesamtkosten (Spareffekt kann kippen); Netto [offen].

H · Kleinste Lücken & Anomalien. Abgrenzung zur stufenweisen Wiedereingliederung (§ 44 SGB IX / § 74 SGB V); Anrechnung auf die 78-Wochen-Höchstdauer unklar; Art.-3-Schieflage teilbare/nicht teilbare Tätigkeit.

I · Interdisziplinäre Achsen. Verwaltungswiss.: neuer Feststellungs-/Nachweistatbestand; ethisch: Belastung in der Krankheitsphase.

J · Ergebnis: die Grenzen. Stark: Wirksamkeit hängt an Freiwilligkeit ohne Durchsetzungsschutz (SoVD); kein bezifferter Netto-Spareffekt bei Rückfallrisiko. Gegenlinie: begünstigend gedachtes, freiwilliges Instrument (hohe Angriffshürde gegen die Norm selbst).

Finanzierung & Föderales

§ 242a SGB V — Durchschnittlicher Zusatzbeitrag 2,9 %schwach

In einfacher Sprache: Das Gesetz drückt die 2,9 % nicht, es bremst nur den Anstieg.

A · Sparmechanik & Bezifferung. 2,9 % (2026), Prognose ohne Reform ~3,8 % (2027) [Schätzung]; „Stabilisierung" = Streckung, keine Kappung von § 242a.

B · Personas / Akteurskarte. Beitragszahler:innen (paritätisch), Rentner:innen, Kassen.

C · Interessen & Lobby. GKV-SV/vdek: nachhaltig nur bei struktureller Einnahmestärkung [plausibel]; BDA: Lohnnebenkosten-Deckel; DGB: Warnung vor Leistungskürzung.

D · Gegenbewegung & Politik. [keine belastbaren Funde].

E · Rechtsprechung als Grenze. Paritätische Tragung als Rahmen; kein spezifisches Gegenurteil.

F · Umsetzungs- & Vollzugsmängel. Jährliche BMG-Bekanntmachung, etabliert.

G · Wirksamkeitsgrenze & Rückhol-Wege. „Stabilisierung" = zeitliche Streckung; dauerhafter Trendeffekt nicht sauber ausgewiesen [offen].

H · Kleinste Lücken & Anomalien. Sprachliche Gleichsetzung „Stabilisierung" mit „niedrig halten".

I · Interdisziplinäre Achsen. Oberhalb der BBG regressiv; +0,1 Pp spürbar für Arbeitgeber.

J · Ergebnis: die Grenzen. Schwach/ergänzend (kein eigener Grundrechtseingriff). Gegenlinie: bloße Messgröße.

§ 242b SGB V (neu) — Beitragszuschlag 2,5 Prozentpunkte mitversicherte Ehegatten (ab 2028)ergänzend

In einfacher Sprache: Wer verheiratet ist und den Partner beitragsfrei mitversichert, zahlt ab 2028 einen Aufschlag — außer in den gesetzlichen Ausnahmefällen (u.a. Kind im Haushalt, Pflege, Erwerbsminderung, oder GdB des Ehegatten von mindestens 60).

A · Sparmechanik & Bezifferung. Amtlich: Zuschlag „in Höhe von 2,5 Prozentpunkten" auf den Beitragssatz; ~1,5 Mrd €/Jahr ab 2028 [verifiziert]. Ausnahmen (§ 242b Abs. 1): Kind unter 12 oder behindertes Kind jeden Alters im Haushalt; nicht erwerbsmäßige Pflege eines Angehörigen ab Pflegegrad 2 (≥ 10 Std./Woche); Pflegezeit-Freistellung; Pflegegrad 3, volle Erwerbsminderungsrente oder Regelaltersgrenze; sowie GdB/GdS/MdE von mindestens 60 beim mitversicherten Ehegatten selbst. Die Kassen berücksichtigen die Ausnahmen „auch ohne Nachweis". Prüfbarer Kern: Die Ehegatten-Befreiung setzt GdB ≥ 60 voraus — funktionale Belastungen mit GdB unter 60 oder ohne Feststellung bleiben belastet. Die Schwelle liegt über dem gesetzlichen Schwerbehinderungs-Standard (GdB 50, § 2 Abs. 2 SGB IX); die Abweichung nach oben ist nach Art. 3 Abs. 1 GG (Willkürverbot) rechtfertigungsbedürftig.

B · Personas / Akteurskarte. Alleinverdiener-Ehen ohne kleine Kinder/Pflege = Hauptbelastete; mittelbar geschlechtsselektiv (überwiegend Frauen mitversichert).

C · Interessen & Lobby. Familienbund/Sozialverbände: Belastung der Alleinverdiener-Ehe, Art.-6-Bedenken [plausibel]; BDA neutral.

D · Gegenbewegung & Politik. Bundesrat, Ziffern 31/32 zu § 242b [verifiziert].

E · Rechtsprechung als Grenze. Art. 6 Abs. 1 GG Haupt-Hebel — aber Abbau einer Begünstigung ≠ Belastungseingriff (Rechtfertigung erleichtert); BVerfGE 103,242 (Kindererziehung beitragsrelevant) stützt die Ausnahmen.

F · Umsetzungs- & Vollzugsmängel. Ausnahmen werden „auch ohne Nachweis" berücksichtigt, wenn der Kasse bekannt; ein Take-up-Risiko besteht daher nur, soweit die Kasse die Voraussetzung (z.B. GdB ≥ 60) nicht kennt. Meldeverfahren über GKV-SV.

G · Wirksamkeitsgrenze & Rückhol-Wege. Ausweichen über geringfügige Beschäftigung des Partners → Erosion der 1,5 Mrd.

H · Kleinste Lücken & Anomalien. Nichtehelich Zusammenlebende nie erfasst (Kehrseite Art. 6); Stichtag 2028.

I · Interdisziplinäre Achsen. Verteilung ehe-/rollenmodell-selektiv; ethisch: Individualäquivalenz vs. Solidarprinzip.

J · Ergebnis: die Grenzen. Ergänzend-bis-stark auf der Art. 6/Gleichheits-Achse, durch die „Begünstigungsabbau"-Dogmatik relativiert. Offen: Parität der Tragung.

§ 221 SGB V — Bundeszuschuss / Bürgergeld-Beiträgetragend

In einfacher Sprache: Der Bund zahlt für Bürgergeld-Kranke nur etwa ein Drittel der Kosten; die Lücke (~9 Mrd €/Jahr) tragen die Beitragszahler.

A · Sparmechanik & Bezifferung. Bundeszuschuss von 14,5 Mrd € auf 13,15 Mrd € (2027) und 12,95 Mrd € (ab 2028) abgesenkt, dann starr [verifiziert, Regelungstext BGBl. 2026 I Nr. 228]; zugleich Bürgergeld-Beitragspauschale aufwachsend. Endstand (Steuerfinanzierung) teils [offen].

B · Personas / Akteurskarte. Bürgergeld-Beziehende (Leistung unberührt), Beitragszahler:innen (tragen die Lücke), Bundeshaushalt, Kassen (Klägerin).

C · Interessen & Lobby. IGES: Bundesbeiträge decken „gut ein Drittel", faire Beiträge entlasteten ~9 Mrd €/Jahr; GKV-SV-Klage gegen den Bund anhängig [verifiziert].

D · Gegenbewegung & Politik. Bundesrat, Ziffer 29 (Dynamisierung Zuschuss) und Ziffer 30 (kostendeckende Bürgergeld-Beiträge, § 232a) [verifiziert].

E · Rechtsprechung als Grenze. Keine durchsetzbare Zuschusshöhen-Garantie; „Systemgerechtigkeit" ist kein eigenes Grundrecht.

F · Umsetzungs- & Vollzugsmängel. Pauschalierte Beitragsbemessung statt tatsächlicher Ausgaben → strukturelle Unterdeckung by design.

G · Wirksamkeitsgrenze & Rückhol-Wege. Absenkung = Lastverlagerung Bund → Beitragszahler (reine Verschiebung, Scheineinsparung); Netto fürs Gesamtsystem ≈ 0.

H · Kleinste Lücken & Anomalien. Starr statt dynamisch = eingebauter, jährlich wachsender Fehlbetrag.

I · Interdisziplinäre Achsen. Regressive Umfinanzierung (progressive Steuer → BBG-gekappte Beiträge); ethisch: gesamtgesellschaftliche Fürsorgeaufgabe.

J · Ergebnis: die Grenzen. Tragend ökonomisch-verteilungspolitisch (versicherungsfremde Lasten), aber verfassungsrechtlich schwach justiziabel (keine Zuschusshöhen-Garantie).

§ 133 SGB V — Rettungsdienstergänzend

In einfacher Sprache: Gespart wird bei den Kassen, die Vorhaltepflicht bleibt beim Land — ob unterm Strich gespart wird, zeigt das Gesetz nicht.

A · Sparmechanik & Bezifferung. § 133 an die Veränderungsrate § 71 gebunden, 2027–2029 zusätzlich −1 Prozentpunkt [verifiziert]. Einzelbezifferung [offen]. Föderaler Anker prüfbedürftig, nicht tragend: Art. 84 Abs. 1 S. 7 GG greift beim bloßen Refinanzierungsdeckel nicht ohne Weiteres; daher hier als offene Prüffrage geführt.

B · Personas / Akteurskarte. Rettungsdienste, Kommunen/Länder (Träger der Vorhaltung), Patient:innen im Notfall (ländlich).

C · Interessen & Lobby. Rettungsdienst-/kommunale Verbände: Unterfinanzierung der Vorhaltung [plausibel].

D · Gegenbewegung & Politik. Bundesrat, Ziffer 28: Streichung § 133 (systematische Unterfinanzierung; Überschneidung mit der Notfallreform 255/26) [verifiziert].

E · Rechtsprechung als Grenze. Gegenlinie tragend: BSG B 3 KR 13/20 R (kein Anspruch auf bestimmte Vergütung, Ziel preisgünstig; Grenze nur existenzbedrohend/willkürlich) [verifiziert]; Art. 84 Abs. 1 S. 7 GG (2 BvR 696/12) greift bei Aufgabenübertragung, nicht beim Refinanzierungsdeckel.

F · Umsetzungs- & Vollzugsmängel. Verträge/Schiedsstellen; kein Frühindikator für Erreichbarkeit.

G · Wirksamkeitsgrenze & Rückhol-Wege. Die Vorhaltung ist landesrechtlich geschuldet → der Deckel verschiebt die Last GKV → Land/Kommune (Art. 104a GG); Netto nicht ausgewiesen.

H · Kleinste Lücken & Anomalien. Bund-Länder-Finanzierungsbruch; Kohärenzbruch mit der Notfallreform (Zentralisierung → mehr Transporte).

I · Interdisziplinäre Achsen. Föderal: Konnexität; versorgungswiss.: Hilfsfristen ländlich.

J · Ergebnis: die Grenzen. Tragend: Bund-Länder-Finanzierungsbruch (föderale Achse, unabhängig von individueller Betroffenheit). Stark: Kohärenzbruch zur Notfallreform. Gegenlinie: die pauschale Unterfinanzierungsrüge wird durch B 3 KR 13/20 R und § 71 Abs. 1 entwertet.

§ 130 SGB V — Apothekenabschlag (+30 Cent auf 2,07 €)ergänzend

In einfacher Sprache: Die eigentliche Härte ist nicht der Abschlag, sondern das seit 2013 eingefrorene Fixum.

A · Sparmechanik & Bezifferung. Apothekenabschlag 1,77 → 2,07 € ab 2027; ~200 Mio €/Jahr [plausibel].

B · Personas / Akteurskarte. Apotheken (v. a. Landapotheken mit schwacher Marge).

C · Interessen & Lobby. ABDA/Apothekerverbände lehnen ab; Bundesrat Wirtschaftsausschuss.

D · Gegenbewegung & Politik. Bundesrat, Ziffer 24: Abschlag nur mit Fixum-Anhebung 8,35 → 9,50 €; Ziffer 23: Streichung der isolierten Abschlagserhöhung [verifiziert]. Regierung hielt fest.

E · Rechtsprechung als Grenze. Inländerdiskriminierungs-Rand (EuGH C-148/15: EU-Versender nicht preisgebunden).

F · Umsetzungs- & Vollzugsmängel. Norm-Ebenen-Bruch: Fixum in der AMPreisV (Verordnung), Abschlag in § 130 (Gesetz) — der Kopplungsappell verbindet verschiedene Normgeber.

G · Wirksamkeitsgrenze & Rückhol-Wege. Marge sinkt → Filialschließungen ländlich → Erreichbarkeit; Verschiebung in die Versorgungsdichte.

H · Kleinste Lücken & Anomalien. Fixum seit 2013 eingefroren = schleichende Realkürzung; +30 Cent für sich maßvoll.

I · Interdisziplinäre Achsen. Ökonomisch: Apothekensterben; versorgungswiss.: wohnortnahe Arzneimittelversorgung.

J · Ergebnis: die Grenzen. Tragend ökonomisch (Fixum-Stagnation), nicht verfassungsrechtlich. Gegenlinie: die +30 Cent sind für sich maßvoll; das Fixum ist nicht Gegenstand dieses Gesetzes.

§ 130a SGB V — Herstellerabschlag 15,5 % + Preismoratoriumschwach

In einfacher Sprache: Gegen die Norm selbst schwach — das Verfassungsgericht hat den Abschlag 2025 gebilligt; offen ist nur die Verhältnismäßigkeit der Verschärfung.

A · Sparmechanik & Bezifferung. Amtlich: „zusätzlicher Abschlag in Höhe von 8,5 Prozent" ab 1.1.2027 → zusammen mit den 7 % also 15,5 %, mit Befreiungsmöglichkeit (§ 130a Abs. 1c; eine etwaige Gebühr richtet sich nach der BfArM-Gebührenverordnung, Betrag [offen]). Preismoratorium fortgeführt [Details offen].

B · Personas / Akteurskarte. Pharmazeutische Unternehmen (auch mittelständische/Standort Deutschland).

C · Interessen & Lobby. vfa/BPI lehnen ab (Standort, Investitionen); Bundesrat Standort-Bedenken.

D · Gegenbewegung & Politik. Bundesrat, Ziffern 25/26: pauschal 5 % (kumuliert 12 %) statt Dynamik + Standortklausel [verifiziert] — für die Höhe nicht übernommen.

E · Rechtsprechung als Grenze. BVerfG 07.05.2025 – 1 BvR 1507/23 u. 2197/23 billigt Abschlag + Moratorium (Art. 12/3 nicht verletzt) — aber nur in der milderen Fassung; die Verschärfung ist nicht mitentschieden [verifiziert].

F · Umsetzungs- & Vollzugsmängel. Befreiungsverfahren mit Gebühr; Referenzpreis-Mechanik.

G · Wirksamkeitsgrenze & Rückhol-Wege. Ausweichen über Rabattverträge/Marktrücknahme; Verlagerung in Lieferengpässe.

H · Kleinste Lücken & Anomalien. Zeitliche Asymmetrie: Abschlag sofort, Standortklausel/Kompensation später (Folgegesetz 21/7063, noch nicht in Kraft).

I · Interdisziplinäre Achsen. Ökonomisch: Investitions-/Standortwirkung; versorgungswiss.: Lieferengpassrisiko.

J · Ergebnis: die Grenzen. Gegen die Norm schwach (durch BVerfG 2025 gedeckt); einziger offener Hebel: Verhältnismäßigkeit der Verschärfung (15,5 %/2030). Stark nur die zeitliche Asymmetrie.

Quellenbasisöffnen

Grundlage: amtlicher Volltext (BGBl. 2026 I Nr. 228, 94 Seiten), Entwurf BT-Drs. 21/6130, Beschlussempfehlung 21/7016, Bundesrats-Drucksachen 256/26 · 256/1/26 · 256/26(B) sowie die zitierten Entscheidungen. Einzelne Finanztableau-Beträge und wenige untergesetzliche Fundstellen sind nicht beziffert.

Die grundsätzliche Frage

Worauf die Recherche hinausläuft.

Anhand der zugänglichen Unterlagen ist eine Entwarnung nicht belastbar. Das Risiko einer überproportionalen Benachteiligung ist konkret und fachlich plausibel – es verlangt Prüfung, Transparenz und Kontrolle.

Ergebnis

Festgestellt sind gesetzlich beschlossene Belastungen, dokumentierte Versorgungs- und Zugangsdefizite und eine besondere Abhängigkeit bestimmter Gruppen von kontinuierlicher, zeitnaher und praktisch erreichbarer Versorgung. Daraus folgt ein konkretes, fachlich plausibles Risiko einer überproportionalen Benachteiligung. Nicht festgestellt ist, in welchem Umfang das Gesetz diese Wirkung ab 2027 auslöst – und auf welcher gruppendifferenzierten Grundlage die verfassungsrechtlichen Bedenken als ausgeräumt gelten. Hinzu kommt: Der Ertrag der Maßnahmen ist offen – ausgewiesen ist nur die Brutto-Einsparung (laut Regierungsentwurf BT-Drs. 21/6130 rund 16 Milliarden Euro 2027, steigend auf rund 38 Milliarden im Jahr 2030), nicht der um Folge- und Verlagerungskosten bereinigte Netto-Effekt. Eine konzentrierte Belastung, deren tatsächlicher Nutzen nicht belegt ist, verschärft die Rechtfertigungslast (Angemessenheit). Solange all das nicht offengelegt ist, bleibt eine Entwarnung nicht belastbar.

Welche finanziellen und strukturellen Alternativen wurden geprüft, bevor Regelungen gewählt wurden, die Menschen mit dauerhaft hohem Versorgungsbedarf voraussichtlich überproportional treffen können – mit welcher tatsächlichen, um Folgekosten bereinigten Einsparung wird diese Belastung gerechtfertigt, wenn ausgewiesen nur die Brutto-Ersparnis ist – und wie wird sichergestellt, dass daraus keine behinderungsbedingte oder gesundheitsgefährdende Zugangshürde entsteht?

Quellen

Die vollständige Argumentation je Abschnitt.

Jeder Abschnitt oben verweist hierher – hier steht die konkrete Belegkette zu genau dieser Lücke oder Spannung.

Dies ist kein Studienverzeichnis, sondern ein Argumentationsstrang je Lücke und Spannung. Zur Einordnung der Zahlen: Publikationen können mehreren Feldern zugeordnet sein (die Summe übersteigt daher die Zahl der Einträge). Das Register unterscheidet nach Belegtiefe: Spur A = DOI/PMID oder vollständige bibliografische Spur, Spur B/C = breitere thematische Zuordnung. Die Belege stützen überwiegend die Ausgangsbenachteiligung und die Wirkmechanismen – nicht die konkrete, gemessene Wirkung des neuen Gesetzes.

Geprüfte Kernbelege sind einzeln gegen die Primärquelle (Journal/DOI) belegt – nur sie tragen die Argumentation und sind mit „geprüft ✓“ gekennzeichnet. Jeder Kernbeleg zeigt zusätzlich seine Aussagenähe: ob er die Gesetzeswirkung direkt misst, einen Versorgungsmechanismus belegt oder ein Ausgangsrisiko. Offen ausgewiesen: Keiner der Kernbelege misst die Wirkung genau dieses Gesetzes direkt – belegt sind Ausgangsrisiken und Mechanismen. Die Register-Zuordnung ist eine breite thematische Arbeitsbasis; die tragenden Aussagen beruhen ausschließlich auf den einzeln geprüften Kernbelegen; das übrige Register ist eine breite thematische Arbeitsbasis, kein tragender Einzelbeleg.

Belege je Lücke

Lücke 1 · Zeitliche Asymmetrie

Der Kern ist eine Reihenfolge: Die Belastung gilt ab 2027, die Evaluation erst 2030. Rechtlich löst das die Beobachtungs- und Nachbesserungspflicht aus – aber erst dann, wenn zugleich Zwischenindikatoren, Warnschwellen und kurzfristige Nachsteuerung fehlen. Die folgenden Belege zeigen, dass in der ungeschützten Übergangszeit der Schaden eintritt.

Geprüfte Kernbelege · gegen die Primärquelle verifiziert

Genau in der ungeschützten Übergangszeit kann der Schaden eintreten: Unmittelbar nach Entlassung aus stationär-psychiatrischer Behandlung ist das Suizidrisiko massiv erhöht – in den ersten drei Monaten rund 1.132 pro 100.000 Personenjahre.

Chung et al. 2017, JAMA Psychiatry · Systematisches Review & Meta-Analyse · 100 Studien / 183 Patienten-Stichproben · 17.857 Suizide IISpur Ageprüft ✓Aussagenähe: Ausgangsrisiko

Aussagegrenze: Beobachtungsdaten zur psychiatrischen Entlassung; belegt das Risikofenster, keine Reformkausalität und nicht ohne Weiteres auf somatische Kurzlieger übertragbar. Quelle öffnen ↗

Bundesweit vergingen im Schnitt rund 20 Wochen bis zum Beginn einer Psychotherapie (BPtK-Erhebung 2018/2021: 19,9 Wochen bis Behandlungsbeginn) – die reguläre Anschlussversorgung deckt den kurzfristigen Bedarf faktisch nicht.

BPtK – Studie zu Wartezeiten in der Psychotherapie (Erhebung 2018/2021) VerbandDEAussagenähe: Ausgangsrisiko

Aussagegrenze: Verbandsstudie (2018/2021); belegt die Kapazitätslücke, nicht die Reformwirkung.

Hintergrundkorpus (nicht tragend) · 112 thematisch zugeordnete Studien
  1. Kaufman JA, Salas-Hernandez LK, Komro KA, Livingston MD, J Epidemiol Community Health · Difference-in-differences Panel, alle US-Staaten 1990-2015 A
    Quasi-experimentelle US-Analyse: Ein hoeherer Mindestlohn war mit sinkenden Suizidraten bei Erwachsenen mit hoechstens Highschool-Abschluss verbunden, besonders in Zeiten hoher Arbeitslosigkeit (naehe $1 hoeherer Mindestlohn assoziiert mit ~3.5-6% niedrigerer Suizidrate bei gering Gebildeten (bei hoher Arbeitslosigkeit)
  2. Zaorsky NG et al. 2019, Nature Communications · Retrospektive Registerkohorte; N=8.651.569, 13.311 Suizide, 1973–2014 A
    Über alle Lokalisationen sterben Krebspatienten in den USA rund 4,4-mal häufiger durch Suizid als die Allgemeinbevölkerung (28,6/100.000 Personenjahre). SMR 4,44 (95% KI 4,33–4,55)
  3. Henson KE et al. 2019, JAMA Psychiatry · Nationale Registerkohorte; N=4.722.099, 2.491 Suizide, 1995–2015 A
    In England ist das Suizidrisiko nach Krebsdiagnose nur 20% erhöht – deutlich niedriger als US-Zahlen, was auf Versorgungs-/Methodenunterschiede statt eine 4-fache Universalgefahr hinweist. SMR 1,20 (95% KI 1,16–1,25)
  4. Henson KE et al. 2019, JAMA Psychiatry · Nationale Registerkohorte; N=4.722.099 A
    Das Suizidrisiko konzentriert sich stark auf die ersten 6 Monate nach der Diagnose (SMR 2,74) und sinkt danach – die Diagnosemitteilung selbst ist der kritische Zeitpunkt. SMR 2,74 (95% KI 2,52–2,98)
  5. Fang F et al. 2012, New England Journal of Medicine · Historische Kohorte mit nested Case-Crossover; N=6.073.240, 1991–2006 A
    In der ersten Woche nach Krebsdiagnose ist das Suizidrisiko fast 13-fach erhöht – der schärfste dokumentierte Kurzfrist-Effekt einer somatischen Diagnose. RR 12,6 (95% KI 8,6–17,8) erste Woche; 1. Jahr RR 3,1 (2,7–3,5)
  6. Henson KE et al. 2019, JAMA Psychiatry · Nationale Registerkohorte; N=4.722.099 A
    Das Suizidrisiko folgt der Prognose: Krebsarten mit hoher Letalität und schneller Verschlechterung (Mesotheliom, Pankreas) haben das höchste Suizidrisiko. SMR Mesotheliom 4,51 (2,91–7,00); Pankreas 3,89 (2,77–5,48); Ösophagus 2,65; Lunge 2,57; Magen 2,20
  7. Osazuwa-Peters N et al. 2018, Cancer · Registerkohorte; N=4.235.657 Überlebende, 4.513 Suizide, 2000–2014 A
    Kopf-Hals-Krebs-Überlebende haben eine fast doppelt so hohe Suizidrate wie Überlebende anderer Krebsarten – Disfigurierung, Stimm-/Schluckverlust und soziale Isolation als Treiber. 23,6 Suizide/100.000 PJ; ~2-fach vs. andere Krebsarten (adjustiert)
  8. Zaorsky NG et al. 2019, Nature Communications · Registerkohorte; N=8.651.569 A
    Für Lungenkrebs erreicht das Suizidrisiko im ersten Jahr nach Diagnose ein extremes Niveau (SMR ~25) und normalisiert sich bei Langzeitüberlebenden (~4). SMR ~25 (erstes Jahr, US-SEER)
  9. Zaorsky NG et al. 2019, Nature Communications · Registerkohorte; N=8.651.569 A
    Anders als der übliche Frühgipfel steigt das Suizidrisiko bei Hodenkrebs-Überlebenden über die Jahre an – Langzeit-Survivorship-Belastungen bei jungen Männern werden unterschätzt. SMR ansteigend über Zeit, >5 Jahre SMR ~17 (SEER)
  10. Zaorsky NG et al. 2019, Nature Communications · Registerkohorte; N=8.651.569 A
    Innerhalb der Krebspopulation tragen ältere, weiße, alleinstehende Männer mit lokalisierter (also nicht terminaler) Erkrankung das höchste Suizidrisiko – Kontrollverlust, nicht nur Todesnähe. Männer OR 5,16; weiß vs. schwarz OR 3,57; unverheiratet vs. verheiratet OR 1,46
  11. Thorlacius L et al., J Invest Dermatol · Landesweite Register-Kohorte A
    In einem landesweiten Register hatten HS-Patienten ein signifikant erhoehtes Suizidrisiko - HS zaehlt zu den psychisch am staerksten belastenden Hauterkrankungen. signifikant erhoehtes Suizidrisiko (genaues Effektmass am Volltext unbestaetigt)
  12. Pisetsky EM, Thornton LM, Lichtenstein P, et al. 2013, Journal of Abnormal Psychology · Bevölkerungsbasierte Frauenkohorte (Zwillingsregister) A
    In einer bevölkerungsbezogenen Frauenstichprobe versuchten bis zu 30% (AN) bzw. 40% (BN) mindestens einmal Suizid, mit tendenziell schwereren Versuchen bei Purging-Formen; Subtyp-Unterschiede blieben Lebenszeit-Versuche AN bis ~30%, BN bis ~40%; Binge-/Purging-Formen mit schwereren Erstversuchen
  13. Nordentoft, Mortensen & Pedersen 2011, Arch Gen Psychiatry · Nationale Kohorte, 176.347 Personen mit psychischer Ersthospitalisierung 1955-2006 A
    Nach erstem stationaeren Kontakt wegen bipolarer Stoerung stirbt etwa jeder 13. Mann und jede 21. Frau langfristig durch Suizid. Absolutes Suizidrisiko Maenner 7,77% vs. Frauen 4,78%
  14. Systematische Review/Meta-Analyse registerbasierter Studien 2024, Neuroscience & Biobehavioral Reviews · Meta-Analyse registerbasierter Kohorten A
    Aktuelle registerbasierte Synthese bestaetigt fuer beide affektiven Hauptdiagnosen ein vielfach erhoehtes Suizidverhalten gegenueber der Allgemeinbevoelkerung. Beide mit stark erhoehtem Risiko fuer suizidales Verhalten; bipolar tendenziell hoeheres relatives Risiko
  15. Pitman AL et al. 2016, BMJ Open · Querschnitts-Kohorte, N=3432 trauernde Erwachsene 18-40 J. A
    Durch Suizid Hinterbliebene hatten 65% hoehere Chance eines eigenen Suizidversuchs als durch natuerlichen Tod Hinterbliebene. OR 1,65 (95% KI 1,12-2,42) fuer Suizidversuch
  16. Kposowa AJ 2000, J Epidemiol Community Health · National Longitudinal Mortality Study, N~470.000 (Landmark, aelter) A
    Geschiedene Maenner hatten mehr als doppeltes Suizidrisiko gegenueber Verheirateten, waehrend bei Frauen kein Zusammenhang bestand (Geschlechtsdisparitaet). RR ~2,4 fuer Suizid; kein signifikanter Effekt bei Frauen
  17. Fang F et al. 2012, New England Journal of Medicine · Nationale Registerkohorte (~6 Mio) A
    In der ersten Woche nach Krebsdiagnose war das Suizidrisiko rund 12-fach, im ersten Jahr etwa 3-fach erhoeht (auch kardiovaskulaerer Tod erhoeht). RR Suizid 12,6 (95% KI 8,6-17,8) in erster Woche; RR ~3,1 im ersten Jahr
  18. Dube SR et al. 2001, JAMA · ACE Study, retrospektive Kohorte N=17.337 (Landmark, aelter) A
    Mit steigender Zahl belastender Kindheitserfahrungen stieg das Risiko eines lebenslangen Suizidversuchs stark an (bis ~30-fach), ein grosser Anteil der Versuche war ACEs attributabel. ACE-Score >=7 -> OR ~30 fuer jemaligen Suizidversuch; klare Dosis-Wirkungs-Beziehung
  19. Franklin JC et al. 2017, Psychological Bulletin · Meta-Analyse, 365 Studien, ~3.4 Mio. Personen A
    Nach 365 Studien ueber 50 Jahre sagen einzelne Risikofaktoren suizidales Verhalten kaum besser als der Zufall voraus und die Vorhersagekraft hat sich nicht verbessert. Gewichtete mittlere OR ~1.5-2.0; diagnostische Genauigkeit nahe Zufall (kein Faktor deutlich ueber Chance)
  20. Large M et al. 2016, PLoS ONE · Meta-Analyse, 37 Kohortenstudien A
    Die Hochrisiko-Kategorie hat trotz statistisch erhoehter OR keinen praktischen Vorhersagewert; die Mehrheit der Suizide entfaellt auf als Niedrigrisiko eingestufte Patienten. Gepoolte OR ~4.8 (95% KI 3.9-6.0) fuer Hochrisiko; ~95% der Hochrisiko-Patienten sterben NICHT durch Suizid, ~50% der Suizide aus Niedrigrisiko-Gruppe
  21. Carter G et al. 2017, British Journal of Psychiatry · Systematisches Review/Meta-Analyse von PPV A
    Risikoskalen erreichen im Mittel nur ~5% positiven Vorhersagewert und sind fuer Triage-Entscheidungen ungeeignet. Gepoolter PPV ~5.5% (Metaanalyse der PPV); Sensitivitaet gering
  22. Chan MKY et al. 2016, British Journal of Psychiatry · Systematisches Review, mehrere Kohorten A
    Kein Risikoinstrument sagt Suizid nach Selbstverletzung zuverlaessig voraus; Skalen sollten Klinik nicht ersetzen. Keine Skala mit ausreichender prognostischer Genauigkeit; klinische Gesamteinschaetzung nicht unterlegen
  23. Runeson B et al. 2017, PLoS ONE · Systematisches Review, GRADE A
    Die Evidenz fuer alle gaengigen Suizidrisiko-Instrumente wird als sehr niedrig eingestuft; keine Empfehlung fuer alleinige klinische Nutzung. Sensitivitaet/Spezifitaet stark schwankend; Evidenzsicherheit 'sehr niedrig' (GRADE)
  24. McHugh CM et al. 2019, BJPsych Open · Meta-Analyse mehrerer Kohorten A
    Suizidgedanken haben als Einzelpraediktor fuer vollendeten Suizid einen niedrigen positiven Vorhersagewert; viele Suizide erfolgen ohne zuvor berichtete Ideation. Gepoolter PPV niedrig; hohe Sensitivitaet aber sehr geringe Spezifitaet fuer spaeteren Suizid
  25. Belsher BE et al. 2019, JAMA Psychiatry · Systematisches Review, 17 Modelle + Simulation A
    ML-Modelle erreichen hohe AUC-Werte, liefern aber wegen niedriger Basisrate sehr niedrige positive Vorhersagewerte und sind aktuell nicht praxisreif. AUC oft 0.80-0.90, aber PPV in realistischer Praevalenz meist <1-5%; Simulation zeigt geringe klinische Trefferquote
  26. Simon GE et al. 2018, American Journal of Psychiatry · Kohorte, ~2,96 Mio. Patienten, ~20 Mio. Besuche A
    Ein ML-Modell aus Routinedaten konzentrierte einen Grossteil der spaeteren Suizidhandlungen in den obersten 5% der Risikoverteilung. Top-5%-Risikogruppe enthielt ~43% der spaeteren Suizidversuche und ~48% der Suizidtode; AUC ~0.85
  27. Kessler RC et al. 2015, Molecular Psychiatry · Nationale Kohorte, 40.820 Hospitalisierungen A
    Ein administratives ML-Modell buendelte ueber die Haelfte der Post-Entlassungs-Suizide in den obersten 5% der Risikoscores. 5% hoechstes Risiko = ~52% der Suizide in den 12 Monaten nach Entlassung
  28. Walsh CG, Ribeiro JD, Franklin JC 2017, Clinical Psychological Science · Retrospektive Kohorte, ~5.000 Faelle A
    Die Vorhersagegenauigkeit von ML-Modellen steigt, je naeher der Vorhersagezeitpunkt am Ereignis liegt, was auf kurzfristige Dynamik statt stabile Traits verweist. AUC steigt von ~0.80 (2 Jahre vorher) auf ~0.84-0.86 (Woche vorher)
  29. Kleiman EM et al. 2017, Journal of Abnormal Psychology · EMA-Studie, 2 Stichproben (N~54 und N~36) A
    Suizidgedanken fluktuieren dramatisch ueber Stunden hinweg, wodurch punktuelle Erhebungen (z.B. bei Aufnahme) die Dynamik systematisch verfehlen. Ideation schwankt stark innerhalb von Stunden; grosse Within-Person-Varianz, Standardpraediktoren erklaeren Level, nicht Fluktuation
  30. van Geel M, Vedder P, Tanilon J 2014, JAMA Pediatrics · Meta-Analyse, 34 Studien, ~284.000 Jugendliche A
    Cybermobbing-Opfer haben ein rund 2,5-fach erhoehtes Risiko fuer Suizidgedanken; Cybermobbing war staerker mit Ideation assoziiert als traditionelles Mobbing. OR ~2.57 (Suizidgedanken) fuer Cybermobbing-Opfer vs. Nicht-Opfer
  31. John A et al. 2018, Journal of Medical Internet Research · Systematisches Review, 33 Studien A
    Sowohl Opfer als auch Taeter von Cybermobbing zeigen erhoehtes Risiko fuer Selbstverletzung und suizidales Verhalten. Cybermobbing-Opfer >2x hoeheres Risiko fuer Selbstverletzung/suizidales Verhalten; auch Taeter erhoehtes Risiko
  32. Twenge JM et al. 2018, Clinical Psychological Science · Querschnitt/Trend, >500.000 Jugendliche A
    Ansteigende Bildschirmzeit korrelierte auf Populationsebene mit steigenden depressiven Symptomen und suizidbezogenen Outcomes bei Jugendlichen - Kausalitaet umstritten. Assoziation zwischen hoher Screen-Time und suizidbezogenen Outcomes; oekologischer Anstieg parallel zu Smartphone-Verbreitung ab 2010
  33. Niederkrotenthaler T et al. 2020, BMJ · Systematisches Review/Meta-Analyse, 31+ Studien A
    Berichterstattung ueber Prominenten-Suizide erhoeht die Suizidrate messbar (Werther-Effekt), waehrend bewaeltigungsorientierte Berichte schuetzen (Papageno-Effekt). Prominenten-Suizidberichterstattung: +8 bis +18% Suizide (im Mittel ~+13%) in den Folgewochen; Methodenberichte protektiv (Papageno)
  34. Bridge JA et al. 2020, J Am Acad Child Adolesc Psychiatry · Zeitreihenanalyse (CDC-Mortalitaetsdaten) A
    Nach dem Serienstart stieg die Jugend-Suizidrate in den USA kurzfristig an - der Zusammenhang ist jedoch statistisch umstritten und methodisch kritisiert. Anstieg der Suizidrate bei 10-17-Jaehrigen im Monat nach Release (~+28,9% im April 2017 vs. Prognose); Befund kontrovers/reanalysiert
  35. Marchant A et al. 2017, PLoS ONE · Systematisches Review, 46 Studien A
    Internet- und Forennutzung wirkt ambivalent - teils risikoerhoehend durch Kontagion und Methodendiffusion, teils protektiv durch Peer-Support. Kein einheitlicher Effekt: Foren koennen sowohl Kontagion/Normalisierung als auch Unterstuetzung/Hilfe vermitteln
  36. Hawton K, Hill NTM, Gould M et al. 2020, Lancet Child & Adolescent Health · Narratives/systematisches Review A
    Punkt-Cluster (raeumlich-zeitliche Haeufungen) sind bei Jugendlichen ueberproportional haeufig und deuten auf Kontagionsmechanismen hin. Cluster machen ~1-5% der Jugendsuizide aus; erhoehtes Risiko in raeumlich-zeitlicher Naehe zu einem Indexsuizid
  37. Higher suicide risk in type 1 diabetes vs cancer (koreanisches Register) 2025 · Nationale Registerkohorte A
    In einer koreanischen Registerkohorte lag die Suizidrate bei Typ-1-Diabetes hoeher als bei Krebspatienten und der Allgemeinbevoelkerung. deutlich erhoehte Suizidmortalitaet vs. Allgemeinbevoelkerung (exakte HR im Volltext)
  38. Kurella et al. 2005, Journal of the American Society of Nephrology · Nationale Registerkohorte (>465.000) A
    Dialysepatienten im US-ESRD-Programm hatten ein deutlich erhoehtes Suizidrisiko gegenueber der Allgemeinbevoelkerung, hoechste Rate in den ersten Monaten. Suizidrisiko ca. 1,84-fach (rund +84%) vs. Allgemeinbevoelkerung (exakte Zahl unbestaetigt)
  39. Kleiman, Turner, Fedor, Beale, Huffman, Nock 2017, J. Abnorm. Psychol. · 2 EMA-Studien, Hochrisikopatienten A
    Ecological-Momentary-Assessment-Studien: Suizidgedanken schwanken dramatisch innerhalb von Stunden; statische Trait-Messungen unterschaetzen daher systematisch die individuelle Vorhersage. grosse Within-Person-Varianz innerhalb von Stunden
  40. Fox et al. 2021, Journal of Affective Disorders · Nationale Kohorte, 3.177.706 Personen A
    In einer 3,1-Mio.-Kohorte war PTBS auch nach voller Adjustierung mit erhöhtem Suizidsterberisiko assoziiert, bei Frauen deutlich stärker (HR 2,6) als bei Männern (HR 1,7). Suizidtod voll adjustiert: Frauen HR 2.61 (2.16-3.14); Männer HR 1.67 (1.31-2.12)
  41. Duarte D et al. 2020, JAMA Psychiatry · Meta-Analyse, 9 Studien / ca. Millionen Personenjahre A
    Aerztinnen haben ein etwa 46% erhoehtes Suizidrisiko gegenueber der weiblichen Bevoelkerung, waehrend maennliche Aerzte KEIN erhoehtes Risiko zeigen (Geschlechter-Paradox). SMR 1,46 (95% KI 1,02-1,91); Maenner SMR 0,67 (0,55-0,79)
  42. Dutheil F et al. 2019, PLoS ONE · Meta-Analyse, 61 Studien A
    Meta-Analyse bestaetigt erhoehtes Suizidrisiko bei Aerzten, mit staerkster Erhoehung bei Aerztinnen und in Fachrichtungen mit Zugang zu letalen Mitteln (Anaesthesie, Psychiatrie). erhoehte gepoolte Suizidrate, insb. Frauen; Maenner uneinheitlich
  43. Davis MA et al. 2021, JAMA Psychiatry · Nationale Kohorte/Register, >150.000 Suizide A
    Weibliche Pflegekraefte haben eine etwa doppelt so hohe Suizidrate wie die weibliche Allgemeinbevoelkerung; Vergiftung als Methode ueberrepraesentiert (Medikamentenzugang). Suizidrate Pflegerinnen ~17,1 vs. 8,6 pro 100.000 (IRR ~ 1,7-2,0)
  44. Tomasi SE et al. 2019, J Am Vet Med Assoc (JAVMA) · Register-/Sterbeurkundenanalyse, 398 Suizide A
    Tieraerztinnen sterben 3,5-fach, Tieraerzte 2,1-fach haeufiger durch Suizid als die Bevoelkerung; Zugang zu Euthanasie-Barbituraten zentral. PMR Frauen 3,5 (2,3-5,1); Maenner 2,1 (1,6-2,7)
  45. Peterson C et al. 2020, MMWR (CDC) · Oekologisch, berufsbezogene Raten, ~20.000 Suizide A
    Bau- und Rohstoffgewinnungsberufe weisen die hoechste Suizidrate aller maennlichen Berufsgruppen auf, deutlich ueber dem Bevoelkerungsschnitt. Suizidrate ~49 pro 100.000 (hoechste maennliche Berufsgruppe)
  46. Klingelschmidt J et al. 2018, Scand J Work Environ Health · Meta-Analyse, 65 Studien A
    Systematische Meta-Analyse zeigt erhoehte Suizidraten bei Landwirten, u.a. durch Pestizidzugang, Isolation, oekonomischen Druck und Wetter-/Marktrisiken. gepoolt erhoehtes Suizidrisiko, insb. Maenner (Effekt heterogen)
  47. Stanley IH et al. 2016, Clinical Psychology Review · Systematic Review, 63 Studien A
    Rund ein Viertel der Einsatzkraefte berichtet Suizidgedanken im Lauf des Lebens; SuizidTOD-Raten sind gegenueber der Bevoelkerung uneinheitlich (teils erhoeht, teils nicht) - Effekt umstritten. Lebenszeit-Suizidgedanken ca. 25%; Versuch ca. 3-5%
  48. Milner A et al. 2013, British Journal of Psychiatry · Meta-Analyse, 34 Studien A
    Meta-Analyse zeigt: je niedriger die berufliche Qualifikation/Kontrolle, desto hoeher das Suizidrisiko - ein sozialer Gradient unabhaengig vom Einzelberuf. erhoehte Suizidraten bei niedrigem Qualifikations-/Statusniveau (Maenner)
  49. Nordt C et al. 2015, Lancet Psychiatry · Laengsschnitt-oekologische Modellierung A
    Arbeitslosigkeit ist mit ~20-30% hoeherem Suizidrisiko assoziiert; der Risikoanstieg beginnt bereits ~4-6 Monate VOR dem Beschaeftigungsverlust und ist in Laendern mit niedriger Grundarbeitslosigkeit RR Suizid ~1,2-1,3; ~45.000 assoziierte Suizide/Jahr
  50. Milner A, Page A, LaMontagne AD 2013, PLoS ONE · Meta-Analyse, 16 Kohortenstudien A
    Arbeitslose haben ein ~1,6-fach erhoehtes Suizidrisiko, doch ein erheblicher Teil erklaert sich durch vorbestehende psychische Erkrankung (Selektion) - Kausalanteil kleiner als der Rohwert. RR ~1,58; nach Adjustierung fuer Vorerkrankung deutlich abgeschwaecht
  51. Chang SS et al. 2013, BMJ · Oekologische Zeitreihenanalyse A
    Die Finanzkrise 2008 war mit tausenden zusaetzlichen Suiziden verbunden, konzentriert bei Maennern im erwerbsfaehigen Alter in Laendern mit steigender Arbeitslosigkeit. ~4.900-5.000 ueberzaehlige Suizide 2009 (54 Laender)
  52. Menon NK et al. 2020, JAMA Network Open · Querschnitt, 1.354 Aerzte A
    Nach statistischer Kontrolle fuer Depression ist Burnout NICHT eigenstaendig mit Suizidgedanken verknuepft - der oft behauptete direkte Burnout-Suizid-Zusammenhang ist weitgehend durch Depression konf Burnout NICHT unabhaengig mit Suizidgedanken assoziiert nach Adjustierung fuer Depression
  53. Wimberley T, et al. 2017, Am J Psychiatry · Registerkohorte, ~2.370 therapieresistente Patienten A
    Im daenischen Register war Clozapin mit geringerer Gesamtsterblichkeit und Selbstverletzung assoziiert, jedoch stieg die Selbstverletzungsrate in der Phase nach Clozapin-Absetzen deutlich an. Niedrigere Gesamtmortalitaet und weniger Selbstverletzung unter Clozapin; Anstieg nach Absetzen
  54. Taipale H, Tanskanen A, Tiihonen J, et al. (FIN20) 2020, World Psychiatry · Nationale Registerkohorte, 62.250 Patienten, 20 J. Follow-up A
    In der 20-Jahres-FIN20-Kohorte hatte Clozapin die niedrigste Gesamtsterblichkeit aller Antipsychotika, waehrend Nicht-Einnahme mit der hoechsten Mortalitaet (auch suizidbedingt) verbunden war. Clozapin niedrigste all-cause Mortalitaet; Nicht-Einnahme hoechste
  55. Nordentoft M, et al. 2011, Arch Gen Psychiatry (Fruehphasen-Analyse) · Registerkohorte, Zeitverlaufsanalyse A
    Das Suizidrisiko ist bei psychotischen Stoerungen in der Fruehphase - insbesondere im ersten Jahr nach Diagnose/Erstkontakt - am hoechsten und faellt danach ab. Hoechste Suizidinzidenz im ersten Jahr / periodischer Erkrankungsbeginn
  56. While D et al. 2012, The Lancet (NCISH, England & Wales) · Ecological before-and-after, nationale Register-/Auditdaten psychiatrischer Patientensuizide A
    Regionen/Trusts, die organisatorische Praeventions-Empfehlungen umsetzten (u.a. rasche Nachsorge, Krisenteams, Dual-Diagnosis-Versorgung), verzeichneten messbar niedrigere Suizidraten bei psychiatrisc Dienste, die mehr Empfehlungen umsetzten, hatten niedrigere Suizidraten; Implementierung mehrerer Kernmassnahmen mit signifikant reduzierten Raten assoziiert
  57. Barr B, Taylor-Robinson D, Stuckler D et al. 2016, J Epidemiol Community Health · Longitudinale oekologische Studie, 2010-2013 A
    Die Ausweitung strenger Arbeitsfaehigkeitspruefungen war regional mit Anstiegen von Suiziden, psychischer Belastung und Antidepressiva-Verschreibungen assoziiert - direkte Politik-Gesundheits-Kopplung Je 10.000 zusaetzliche WCA-Reassessments: ~6 zusaetzliche Suizide (+0,3), ~2700 zusaetzliche Antidepressiva-Verschreibungen, ~7000 zusaetzliche Faelle psychischer Belastung
  58. Schwedische nationale Kohorte 2026, Scientific Reports (in Traditionslinie Appleby 1991, BMJ) · Nationale Registerkohorte A
    Die Suizid- und Suizidversuchsrate ist waehrend der Schwangerschaft markant niedriger als bei nicht-schwangeren Frauen gleichen Alters, mit steilem Anstieg nach Entbindung (Diskontinuitaets-Muster). protektiv (deutlich reduzierte Suizidrate waehrend der Schwangerschaft; Effektstaerke landmark-abhaengig)
  59. Johannsen BMW et al. 2016, American Journal of Psychiatry (nationale Registerkohorte) · Nationale Registerkohorte, alle Erstgebaerenden mit postpartaler Diagnose A
    Frauen mit schwerer postpartaler psychiatrischer Erstepisode haben eine deutlich erhoehte Suizid- und Gesamtsterblichkeit, konzentriert auf die ersten Monate nach Diagnose. stark erhoehte Suizid-/Gesamtmortalitaet, hoechstes Risiko in den ersten Monaten (praezises HR im Abstract nicht extrahiert)
  60. Annals of Internal Medicine 2024 (Taiwan-Registerkohorte; Erstautor unbestaetigt) · Landesweite Registerkohorte (National Health Insurance) A
    Nach PCOS-Diagnose ist das Risiko eines Suizidversuchs um ein Mehrfaches erhoeht, mit besonders auffaelliger Erhoehung bereits im Jugend-/frueherwachsenen Alter. adjustierte HR Erwachsene ~8,75; Jugendliche ~5,38 (95%-KI nicht bestaetigt)
  61. Wang T-M et al. 2023, International Journal of Women's Health (Taiwan-Kohorte) · Landesweite Registerkohorte, N=100.770 (20.154 Faelle) A
    Endometriose ist mit rund 2-fach erhoehten psychischen Stoerungen und moderat erhoehtem Suizidrisiko assoziiert. adjustierte HR Suizid ~1,45; Depression ~2,77; psychische Stoerungen gesamt 2,13 (95%-KI 1,53-2,79)
  62. Moon DU et al. 2024, Frontiers in Psychiatry (nationale Kohorte) · Landesweite Registerkohorte, N=1.315.795 A
    Je frueher die Menopause, desto hoeher die Suizidmortalitaet - vorzeitige Ovarialinsuffizienz (POI) zeigt das hoechste Risiko (+43%). POI (<40) HR 1,43 (95%-KI 1,14-1,78); 40-44 HR 1,31 (1,15-1,50); 45-49 HR 1,13 (1,04-1,23) - Dosis-Wirkung
  63. Ferloev-Schwensen C / Brix TH et al. 2019, Endocrine (nationales Register) · Landesweite Registerkohorte A
    Hashimoto-Thyreoiditis ist mit einem moderat erhoehten Risiko fuer Tod durch unnatuerliche Ursachen, vor allem Suizid, verbunden. Tod durch unnatuerliche Ursachen (v.a. Suizid) HR 1,31 (95%-KI 1,04-1,65)
  64. Ferloev-Schwensen C et al. 2017, Thyroid (nationales Register) · Landesweite Registerkohorte A
    Anders als bei Hashimoto zeigt Morbus Basedow in dieser nationalen Registerstudie KEINE erhoehte vollendete Suizidrate - richtungsspezifischer Schilddruesen-Effekt. kein erhoehtes Suizidrisiko (Nullbefund)
  65. Kjaer, Biskin, Vestergaard & Munk-Joergensen, J Personality Disorders · nationale Registerkohorte, N=10.545 BPD, 547 Todesfaelle A
    Landesweite Registerkohorte: krankenhausbehandelte BPD-Patienten hatten eine rund 8-fach erhoehte Gesamtsterblichkeit; Risiko stieg mit Anzahl Aufnahmen/Jahr und komorbider Suchtstoerung. Standardisierte Mortalitaetsratio (SMR) Gesamtmortalitaet 8,3 (95%-KI 7,6-9,1)
  66. Suicide and prevalence of mental disorders - meta-analysis of world psychological autopsy data, Psychiatry Research · Meta-Analyse Fall-Kontroll-Autopsiestudien A
    Weltweite Meta-Analyse von Fall-Kontroll-Autopsiestudien bestaetigt: psychische Stoerungen - einschliesslich Persoenlichkeitsstoerungen - sind bei der grossen Mehrheit der Suizide vorhanden und deutli gepoolte Praevalenz psychischer Stoerungen bei Suizid hoch; PS als eine der Hauptdiagnosegruppen
  67. Elser et al. 2025, JAMA Neurology · Nationale Matched-Kohorte, N=119.486 (+597.430 Kontrollen) A
    In 25 Jahren daenischer Registerdaten war jede Kopfschmerzdiagnose - nicht nur Migraene, auch Spannungskopfschmerz - mit erhoehtem Suizidversuch und -tod assoziiert. Suizidversuch 0,78% vs. 0,33% (~2-fach, adj. HR ca. 1,4); Suizidtod 0,21% vs. 0,15% (adj. HR ca. 1,4)
  68. Kuriya et al. 2020, PLOS ONE · Populationsbasierte Kohorte, N=53.240 (RA) A
    In Ontario-Registerdaten war RA nach Adjustierung NICHT mit erhoehter vorsaetzlicher Selbstverletzung assoziiert - im Gegensatz zur ankylosierenden Spondylitis. HR 1,07 (95% KI 0,86-1,33)
  69. Nordt C, Warnke I, Seifritz E, Kawohl W, Lancet Psychiatry · Longitudinale Panel-/Zeitreihenanalyse, 63 Laender, WHO-/ILO-Daten A
    Ueber 63 Laender (2000-2011) war Arbeitslosigkeit mit einem um ~20-30% erhoehten Suizidrisiko assoziiert; der Effekt trat bereits 6 Monate VOR dem Anstieg der Arbeitslosenquote auf (Antizipation). RR Suizid bei Arbeitslosigkeit um ca. 20-30% erhoeht; ~45.000 der ~233.000 Suizide/Jahr (2007) arbeitslosigkeitsassoziiert (~1 von 5)
  70. Milner A, Page A, LaMontagne AD, PLoS ONE · Systematische Review + Meta-Analyse (mehrere Kohortenstudien) A
    Meta-Analyse: Arbeitslosigkeit war mit deutlich erhoehtem Suizidrisiko assoziiert, am staerksten in den ersten Jahren nach Jobverlust, mit Abschwaechung ueber die Zeit. Gepooltes relatives Risiko Suizid ca. RR ~1.58 (Groessenordnung; hoechste Risiken in den ersten ~5 Jahren nach Arbeitslosigkeit)
  71. Blakely TA, Collings SC, Atkinson J, J Epidemiol Community Health · Census-verlinkte Kohorte, mehrere Mio. Personen-Jahre A
    In der neuseelaendischen Census-Kohorte war Arbeitslosigkeit mit ~2-3fach erhoehtem Suizidrisiko verbunden; rund die Haelfte des Effekts erklaerte sich durch Konfundierung (u.a. psychische Erkrankung) Rohes RR ~2-3; nach Adjustierung fuer psychische Erkrankung/Confounder etwa halbiert
  72. Qin P, Agerbo E, Mortensen PB, Am J Psychiatry · Nationale Register-Fall-Kontroll-Studie, alle Suizide 1981-1997 A
    In allen Suiziden Daenemarks (1981-1997) waren niedriges Einkommen, Arbeitslosigkeit und Alleinleben Risikofaktoren, deren Beitrag jedoch nach Beruecksichtigung psychiatrischer Vorgeschichte deutlich Erhoehte Suizidraten in niedrigem SES; Effekte nach Adjustierung fuer psychiatrische Klinikaufnahme stark abgeschwaecht
  73. Richardson T, Elliott P, Roberts R, Clin Psychol Rev · Systematische Review + Meta-Analyse (65 Studien) A
    Meta-Analyse: Verschuldung war mit psychischen Stoerungen, Suizidgedanken und Suizid assoziiert; Verschuldete hatten ~3fach erhoehtes Risiko fuer psychische Stoerungen. Deutlich erhoehte Odds fuer Suizidalitaet; Suizid(tod) OR sehr hoch aber mit breitem KI (Einzelbefund unsicher)
  74. Iemmi V, Bantjes J, Coast E et al., Lancet Psychiatry · Systematische Review, Dutzende Studien A
    Systematische Review: In Laendern niedrigen/mittleren Einkommens waren Armut, wirtschaftliche Not und Verschuldung mehrheitlich mit erhoehter Suizidalitaet verbunden. Mehrheit der Studien zeigt positive Assoziation Armut - Suizidalitaet (Richtung konsistent, Effektgroessen heterogen)
  75. Chang SS, Stuckler D, Yip P, Gunnell D, BMJ · Zeitreihen-/Trendanalyse, 54 Laender A
    In 54 Laendern stiegen die Suizidraten 2009 im Zuge der Finanzkrise, mit geschaetzt ~5.000 zusaetzlichen Suiziden, konzentriert auf Maenner und Laender mit steigender Arbeitslosigkeit. ~5.000 Ueberschuss-Suizide 2009 gegenueber Trend; Anstieg staerker bei Maennern
  76. Reeves A, McKee M, Stuckler D, Br J Psychiatry · Oekonometrische Zeitreihenanalyse A
    Die Great Recession war mit rund 10.000 zusaetzlichen Suiziden verbunden; Laender mit staerkeren sozialen Sicherungsnetzen und aktiver Arbeitsmarktpolitik zeigten geringere Anstiege. ~10.000 zusaetzliche 'oekonomische' Suizide 2008-2010; Effekt durch aktive Arbeitsmarktpolitik/Sozialausgaben abgeschwaecht
  77. Machado DB, Rasella D, Dos Santos DN, PLoS ONE · Oekologische Panelanalyse regionaler Daten A
    In Brasilien waren hoehere Einkommensungleichheit und Armut auf regionaler Ebene mit hoeheren Suizidraten assoziiert (oekologische Analyse). Positive Assoziation Gini-Index / Armut mit Suizidrate (oekologisch, Effektgroessen kontextabhaengig)
  78. Naeher AF, Rummel-Kluge C, Hegerl U, Front Psychiatry · Longitudinale Register-/Zensusanalyse, Kreisebene A
    Register- und Zensusdaten zeigten, dass niedriger sozioekonomischer Status und Indikatoren sozialer Isolation auf Kreisebene mit hoeheren Suizidraten in Deutschland einhergingen. Hoehere Suizidraten in Kreisen mit niedrigem SES und Isolationsindikatoren (oekologisch, Assoziation)
  79. Calati R, Ferrari C, Brittner M et al., J Affect Disord · Narrative Review zahlreicher Studien A
    Narrative Review: Soziale Isolation, Alleinleben und subjektive Einsamkeit waren durchgaengig mit Suizidgedanken, -versuchen und Suizid assoziiert. Konsistente positive Assoziation von Isolation und Einsamkeit mit Suizidgedanken und -verhalten (narrative Synthese)
  80. Faessberg MM, van Orden KA, Duberstein P et al., Int J Environ Res Public Health · Systematische Review A
    Systematische Review: Bei aelteren Erwachsenen waren soziale Isolation, Einsamkeit und Familienkonflikte mit erhoehtem suizidalem Verhalten verbunden, waehrend soziale Teilhabe protektiv wirkte. Soziale Faktoren (Isolation, Einsamkeit, geringe soziale Teilhabe) als Risikofaktoren fuer suizidales Verhalten im Alter (qualitative Synthese)
  81. Bentley et al. 2016, Clinical Psychology Review · Meta-Analyse längsschnittlicher Studien (wenige OCD-Studien) A
    Als isolierter Trait zeigt OCD in Längsschnittdaten keinen belegten Zusammenhang mit Versuch oder Suizidtod - die verbreitete Gleichsetzung 'OCD = geringes Risiko' ist jedoch trügerisch (siehe Registe Versuch OR 0.95 (0.28-3.18) n.s.; Suizid(tod) OR 0.23 (0.03-1.69) n.s.
  82. Hendriks O et al. 2025, Women's Health (Systematischer Review) · Systematischer Review A
    Systematische Reviews finden Hinweise auf erhoehte Suizidgedanken in der Perimenopause, betonen aber inkonsistente Datenlage und methodische Schwaechen. assoziativ erhoehte Suizidgedanken; gemischte/heterogene Befundlage (kein gepooltes Mass)
  83. Erlangsen A et al. 2017, JAMA Psychiatry · Nationale Registerkohorte (matched cohort, >Mio.) C
    Partner-Hinterbliebene nach Suizid hatten stark erhoehtes Risiko fuer eigene Suizidalitaet, psychiatrische Erkrankungen und Mortalitaet. deutlich erhoehte Suizid- und Gesamtmortalitaet sowie psychiatrische Morbiditaet (Registerdaten)
  84. Guldin MB et al. 2015, JAMA Psychiatry · Nationale Registerkohorte (~7 Mio Personen) C
    Frueher Elternverlust war mit etwa verdoppeltem eigenem Suizidrisiko im spaeteren Leben assoziiert, besonders wenn der Elternteil durch Suizid starb. ca. verdoppeltes Suizidrisiko (IRR ~2), am hoechsten bei elterlichem Suizid
  85. Amin R et al. 2021, Psychological Medicine · Nationale Registerkohorte (~Mio.) C
    Gefluechtete hatten anfangs geringeres Suizid-/Suizidversuchsrisiko als Einheimische, das sich mit laengerem Aufenthalt angleicht ('healthy migrant'-Effekt schwindet). initial HR <1 (niedrigeres Risiko), Konvergenz mit Aufenthaltsdauer
  86. Mittendorfer-Rutz E / Hollander AC et al. 2019-2020 · Registerstudie C
    Unbegleitete minderjaehrige Gefluechtete zeigten eine drastisch erhoehte Suizidrate gegenueber Gleichaltrigen der Aufnahmegesellschaft. Suizidrate mehrfach (bis ~9-fach) ueber gleichaltriger Allgemeinbevoelkerung
  87. Goosen S et al. (NL), Aufnahmezentren-Kohorten · Kohorten-/Registerdaten Aufnahmezentren C
    Asylsuchende hatten erhoehtes Suizidrisiko, besonders im Zusammenhang mit Ablehnung/drohender Abschiebung; duenne, laenderspezifische Datenlage. erhoehte Suizidmortalitaet, Peak um Ablehnungsbescheid
  88. Fazel S, Ramesh T, Hawton K 2017, Lancet Psychiatry · Internationale Vergleichs-/Registerstudie C
    Suizid ist eine fuehrende Todesursache in Haft, mit besonders hohen Raten in Untersuchungshaft und in den ersten Hafttagen. Suizidrate mehrfach ueber Allgemeinbevoelkerung; hoechste Raten Untersuchungshaft/fruehe Haftphase
  89. Carroll R, Metcalfe C, Gunnell D 2014, PLoS One · Meta-Analyse (177 Studien) C
    Selbstverletzung mit Klinikkontakt ist einer der staerksten Einzelpraediktoren fuer spaeteren Suizid, mit hoechstem Risiko in den ersten 6-12 Monaten. Suizid im Folgejahr ~0,5-2%; ca. 50-100-fach ueber Allgemeinbevoelkerung
  90. Zaorsky NG et al. 2019, Nature Communications · Registerkohorte (~4,7 Mio Patienten) C
    Krebspatienten hatten insgesamt ~1,5-fach, bei prognostisch unguenstigen Tumoren bis ~4-fach erhoehtes Suizidrisiko gegenueber der Allgemeinbevoelkerung. SMR Suizid ~1,5-4; hoechste bei Lungen-, Kopf-Hals-, Pankreaskrebs
  91. Erlangsen A et al. / Webb RT et al. (Registerstudien, div.) · Registerkohorten (heterogen) C
    Mehrere schwere neurologische/chronische Diagnosen sind mit deutlich erhoehtem Suizidrisiko assoziiert, mit Risikospitze in der Zeit unmittelbar nach der Diagnose. ~2-5-fach erhoehtes Suizidrisiko je nach Erkrankung, Peak kurz nach Diagnose
  92. Milner A, Page A, LaMontagne AD 2013, PLoS One · Meta-Analyse (Kohortenstudien) C
    Arbeitslosigkeit war mit etwa 58% erhoehtem Suizidrisiko assoziiert, am staerksten in den ersten Jahren nach Jobverlust. RR Suizid ~1,58 (Meta); Risiko am hoechsten in ersten 5 Jahren
  93. Angelakis I et al. 2019, Psychological Medicine · Meta-Analyse (79 Studien, N>250.000) C
    Alle Formen der Kindesmisshandlung erhoehten Suizidgedanken und -versuche; sexueller und physischer Missbrauch zeigten die staerksten Assoziationen (OR ~3). OR ~3 fuer Suizidversuch (sexueller/physischer Missbrauch am staerksten); erhoehte Ideation
  94. Hallensleben, Glaesmer, Forkmann et al. 2019 · EMA, stationaere Patienten C
    EMA an depressiven psychiatrischen Patienten: momentanes Entrapment sagte kurzfristig ansteigende Suizidgedanken vorher und stuetzt die proximale Rolle des IMV-Modells im Alltag. Within-day-Assoziation Entrapment -> nachfolgende Ideation
  95. Milner A et al. 2017, Social Psychiatry and Psychiatric Epidemiology · Laengsschnitt-Kohorte (HILDA), mehrere tausend Beschaeftigte C
    Geringe Kontrolle ueber die eigene Arbeit und hohe Anforderungen sind mit erhoehten Suizidgedanken assoziiert - psychosoziale Arbeitsqualitaet als eigenstaendiger Faktor jenseits von Arbeitslosigkeit. erhoehte Odds fuer Suizidgedanken (adjustiert)
  96. Jonsson U et al. / Rahman SG et al. (nordische Registerstudien, ca. 2013-2019) · Nationale Registerkohorten C
    Bezug einer Erwerbsminderungs-/Invaliditaetsrente - besonders wegen psychischer Erkrankung - ist mit stark erhoehtem Suizidrisiko assoziiert; Konfundierung durch Grunderkrankung ist zentral. deutlich erhoehtes Suizidrisiko (v.a. bei psychischer Diagnose)
  97. Windsor-Shellard B et al. / ONS 2017, Office for National Statistics · Nationale berufsbezogene Sterbestatistik C
    Einzelne kuenstlerische und Kulturberufe zeigen erhoehte Suizidraten; Evidenz ist aggregiert-oekologisch und durch prekaere Beschaeftigung/Einkommensvolatilitaet mitbestimmt. teils erhoehte berufsspezifische Suizidraten (aggregiert)
  98. Tubbs et al. 2020, J Clin Psychiatry · ökologische Analyse (NVDRS + ATUS) C
    Mit zeitgenauen Wachbevölkerungsdaten (ATUS) wurde der überproportionale Nacht-Gipfel des Suizids methodenübergreifend repliziert. nächtliche Überrepräsentation über Methoden hinweg bestätigt
  99. Bernert et al. 2017, J Clin Psychiatry · prospektive Aktigraphie-Studie, Hochrisiko-Junge C
    Bei jungen Hochrisiko-Erwachsenen sagte objektive Schlaf-Instabilität (nicht nur Schlafdauer) kurzfristige Zunahmen der Suizidgedanken voraus. größere Variabilität → akuter Anstieg der Suizidgedanken
  100. Erlangsen et al. 2020, Molecular Psychiatry (iPSYCH) · GWAS, Registerkohorte, ~6.000 Fälle B
    Populationsbasierte GWAS in Dänemark fand suizidales Verhalten teils genetisch von der psychiatrischen Grunderkrankung trennbar, mit messbarer polygener Komponente. SNP-Heritabilität grössenordnung ~4–7 %; suggestive Loci
  101. Schmaal et al. 2020, Molecular Psychiatry (Review) · systematischer Review vieler MRT/fMRT-Studien B
    Zwei Jahrzehnte Bildgebung zeigen keinen replizierten Einzelmarker, aber ein Muster verminderter präfrontal-insulärer Struktur/Funktion bei suizidalem Verhalten; die Evidenz ist heterogen und methodis kein robuster Einzelbiomarker; wiederkehrend reduzierte ventrale/dorsale PFC- und Insula-Integrität (kleine, heterogene Effekte)
  102. Meltzer H, Bebbington P, Brugha T et al., Psychol Med · Bevoelkerungsrepraesentativer Survey, N ~7.000 C
    Im englischen nationalen Survey psychiatrischer Morbiditaet war Verschuldung ein unabhaengiger Praediktor von Suizidgedanken, teils vermittelt ueber finanzielle Not. Verschuldung mit Suizidgedanken assoziiert, OR-Groessenordnung ~2 (nach Adjustierung, Schaetzung)
  103. Phillips JA, Hempstead K, Am J Prev Med · Nationale Mortalitaets-Trendanalyse nach Bildung C
    In den USA lagen die Suizidraten bei Personen mit niedrigem Bildungsniveau deutlich hoeher und stiegen 2000-2014 staerker an als bei Hochgebildeten (wachsendes Bildungsgefaelle). Deutlich hoehere und staerker steigende Suizidraten bei niedriger Bildung; wachsende Bildungskluft 2000-2014
  104. Gunnell D, Loefving S, Gustafsson JE, Allebeck P, J Affect Disord · Zwei nationale Geburts-/Schuelerkohorten, Follow-up C
    In zwei schwedischen nationalen Schuelerkohorten war niedrige Schulleistung mit einem mehrfach erhoehten Suizidrisiko im jungen Erwachsenenalter verbunden, teils unabhaengig vom sozialen Hintergrund. Erhoehtes Suizidrisiko im jungen Erwachsenenalter (HR-Groessenordnung ~2-3 fuer niedrigste Leistungsgruppe)
  105. Elbogen EB et al., Am J Epidemiol / J Psychiatr Res · Nationale Laengsschnittstichprobe (NESARC-basiert) C
    In einer US-repraesentativen Laengsschnittstichprobe war hoehere finanzielle Belastung prospektiv mit erhoehtem Risiko fuer Suizidversuche assoziiert, unabhaengig von Einkommen und psychischer Erkrank Finanzielle Belastung als unabhaengiger Praediktor von Suizidversuchen, OR erhoeht (Groessenordnung, nach Adjustierung)
  106. Lorant V et al., Br J Psychiatry / J Epidemiol Community Health · Vergleichende Mortalitaetsstudie, mehrere Laender C
    Vergleichende europaeische Studie: Maenner in niedriger sozioekonomischer Position hatten ein deutlich erhoehtes Suizidrisiko; die soziale Gradiente war bei Maennern staerker als bei Frauen. Hoehere Suizidraten in niedrigem SES; relatives Ungleichheitsmass (RII) fuer Maenner deutlich >1
  107. Rehkopf DH, Buka SL, Psychol Med · Systematische Review (86 Studien) C
    Systematische Review: Die meisten Studien fanden hoehere Suizidraten in sozial staerker deprivierten Gebieten, wobei individuelle vs. kontextuelle Effekte schwer trennbar sind (Oekologiefehlschluss-Pr Mehrheit der Studien: hoehere Suizidraten in staerker deprivierten Gebieten (Richtung konsistent, Groesse heterogen)
  108. Evans R, Scourfield J, Moore G 2016 (Review, Crisis) · Systematischer Review C
    Beziehungstrennung ist ein akuter Ausloeser mit besonders erhoehtem Suizidrisiko bei Maennern in den ersten Wochen; Review-Ebene, heterogen. stark erhoehtes Risiko im akuten Zeitfenster; Effekt geschlechtsabhaengig (Maenner staerker)
  109. Reviewlage (keine belastbare Meta), heterogen · Reviews/Beobachtungsstudien C
    Regulaerer Ruhestand erhoeht das Suizidrisiko nicht eindeutig; problematisch sind vor allem unfreiwillige oder gesundheitsbedingte Fruehverrentungen (Evidenz schwach, umstritten). uneinheitlich; regulaerer Ruhestand kein/kaum Effekt, unfreiwillige/Fruehverrentung erhoeht Risiko
  110. Czyz EK, King CA, Nahum-Shani I 2018, Journal of Consulting and Clinical Psychology (Bereich) · EMA-Studie, Hochrisiko-Jugendliche C
    Bei Hochrisiko-Jugendlichen schwankt Ideation kurzfristig erheblich und laesst sich per EMA teils prospektiv abbilden. Naechtliche/tageszeitliche Schwankungen; kurzfristige Anstiege sagen naheliegende Ideation voraus (within-person)
  111. Coppersmith G et al. 2018, Biomedical Informatics Insights (Bereich) · Methodenstudie/Review, Social-Media-Korpora C
    NLP-Verfahren erkennen sprachliche Risikomarker mit moderater Genauigkeit, scheitern aber wie andere ML-Ansaetze an der niedrigen Basisrate im realen Einsatz. Sprachmarker (Sentiment, Pronomen, absolutistische Begriffe) verbessern Klassifikation moderat; PPV in Feldbedingungen begrenzt
  112. Conway PM et al. 2016, u.a. (Praesentismus-Depression-Literatur) · Laengsschnittstudien (Depression als Outcome) C
    Praesentismus sagt spaetere depressive Symptome voraus, ein direkter Zusammenhang mit Suizid ist jedoch NICHT belegt - hier besteht Hypothesenstatus, keine belastbare Suizid-Evidenz. kein direkter Suizid-Effektnachweis; Praediktor fuer spaetere Depression
Lücke 2 · Ermittlungslücke – die deutsche Datenbasis

Die Daten, um die Folgen für gefährdete Gruppen zu prüfen, lagen vor – amtliche Statistiken, Kassendaten, Landesforschung. Die folgenden Quellen belegen die Ausgangsbenachteiligung, die eine Folgenabschätzung hätte berücksichtigen müssen. Sie beweisen nicht die Reformwirkung, sondern die Verfügbarkeit der Prüfgrundlage.

Geprüfte Kernbelege · gegen die Primärquelle verifiziert

Amtliche Daten zeigen für Menschen mit Beeinträchtigungen eine deutlich höhere gesundheitliche und psychische Belastung – bei gleichzeitigen Lücken in der Versorgung.

RKI – Gesundheit von Menschen mit Beeinträchtigungen amtlichDEAussagenähe: Ausgangsrisiko

Aussagegrenze: Belegt die Ausgangs­ungleichheit, nicht die Wirkung einer einzelnen Reform.

Bundesweit vergingen im Schnitt rund 20 Wochen bis zum Beginn einer Psychotherapie (BPtK-Erhebung 2018/2021: 19,9 Wochen bis Behandlungsbeginn) – die reguläre Anschlussversorgung deckt den kurzfristigen Bedarf faktisch nicht.

BPtK – Studie zu Wartezeiten in der Psychotherapie (Erhebung 2018/2021) VerbandDEAussagenähe: Ausgangsrisiko

Aussagegrenze: Verbandsstudie (2018/2021); belegt die Kapazitätslücke, nicht die Reformwirkung.

Ein Landesgutachten belegt erhebliche Angebots-, Kompetenz- und Flexibilitätslücken in der Versorgung.

FOGS-Landesgutachten NRW – Psychiatrie/Psychotherapie bei Intelligenzminderung und Autismus GutachtenDEAussagenähe: Ausgangsrisiko

Aussagegrenze: NRW, Datenstand 2020–2022; nicht bundesweit hochrechenbar.

Deutsche Datenbasis (amtlich · Kassen · Landesforschung)

  • RKI – Gesundheit von Menschen mit Beeinträchtigungen DE
    Amtliche Daten zeigen für Menschen mit Beeinträchtigungen eine deutlich höhere gesundheitliche und psychische Belastung – bei gleichzeitigen Lücken in der Versorgung. — Belegt die Ausgangs­ungleichheit, nicht die Wirkung einer einzelnen Reform.
  • BPtK – Studie zu Wartezeiten in der Psychotherapie (Erhebung 2018/2021) DE
    Bundesweit vergingen im Schnitt rund 20 Wochen bis zum Beginn einer Psychotherapie (BPtK-Erhebung 2018/2021: 19,9 Wochen bis Behandlungsbeginn) – die reguläre Anschlussversorgung deckt den kurzfristigen Bedarf faktisch nicht. — Verbandsstudie (2018/2021); belegt die Kapazitätslücke, nicht die Reformwirkung.
  • FOGS-Landesgutachten NRW – Psychiatrie/Psychotherapie bei Intelligenzminderung und Autismus DE
    Ein Landesgutachten belegt erhebliche Angebots-, Kompetenz- und Flexibilitätslücken in der Versorgung. — NRW, Datenstand 2020–2022; nicht bundesweit hochrechenbar.
  • PROMPT-ID (Landesforschung Sachsen) DE
    Ein Landes-Forschungsprojekt untersucht Psychopharmaka, Psychotherapie, Barrieren und Qualität bei Erwachsenen mit Intelligenzminderung. — Spezifische Rekrutierung; begrenzte Generalisierbarkeit.
  • WIdO/AOK und KV-/Zi-Routinedaten DE
    Kassen- und Abrechnungsdaten zeigen Inanspruchnahme, Diagnosen, regionale Kapazität und Trends – die Datengrundlage, mit der eine Folgenabschätzung möglich gewesen wäre. — Nichtzugang, Ablehnung und Behandlungsabbruch bleiben häufig unsichtbar.
Hintergrundkorpus (nicht tragend) · 57 thematisch zugeordnete Studien
  1. Wasserman D et al. 2015, Lancet (SEYLE) · Cluster-RCT, n=11.110 Jugendliche A
    Das universelle Schulprogramm YAM halbierte etwa Suizidversuche und schwere Suizidgedanken - staerkstes RCT-Ergebnis fuer Schulpraevention. Neue Suizidversuche OR 0,45; schwere Suizidgedanken OR 0,50 (12 Monate)
  2. Mehlum et al. RCT (J Am Acad Child Adolesc Psychiatry) + DBT-Adoleszenz-Meta-Analyse (Psychological Medicine) · RCT + systematische Meta-Analyse A
    Randomisierte Studien und Meta-Analyse zeigen: DBT-A senkt bei Jugendlichen mit wiederholtem Selbstverletzen die Selbstverletzungs- und Ideationsraten staerker als aktive Vergleichsbehandlungen - frue DBT vs. Vergleich: staerkere Reduktion von Selbstverletzung und Suizidgedanken (RCT + Meta)
  3. Kim CY, Ha A, Shim SR et al., JAMA Netw Open · Systematische Review + Meta-Analyse, 5.692.769 Personen A
    Sehbehinderte haben ueber alle Endpunkte hinweg rund 2-2,5-fach erhoehtes Suizidrisiko, inkl. vollendetem Suizid; hoechstes Risiko bei Jugendlichen. Suizidverhalten OR 2,49 (1,71-3,63); Ideation OR 2,01 (1,62-2,50); Suizidtod OR 1,89 (1,32-2,71)
  4. Bridge et al. 2020, J. Am. Acad. Child & Adolescent Psychiatry · Ökologische Zeitreihenanalyse, nationale Mortalität A
    Nach dem Serienstart stieg die Suizidrate bei 10–17-Jährigen um ~29 % — Befund ist wegen Reanalysen und Konfundierung umstritten. +28,9 % Suizidrate 10–17-Jährige im April 2017 (US); umstritten
  5. Kirkpatrick R, et al. 2024, International Journal of Eating Disorders · Systematisches Review + Prävalenz-Meta-Analyse A
    Neuere Meta-Analyse bestätigt hohe NSSV-Prävalenz über Essstörungsdiagnosen hinweg und die enge Kopplung von NSSV mit späterem Suizidverhalten. Gepoolte NSSV-Prävalenz ~ein Drittel der Betroffenen (exakter Punktschätzer aus Abstract nicht verifiziert)
  6. Forrest LN, Zuromski KL, Dodd DR, Smith AR 2017, International Journal of Eating Disorders · Nationale repräsentative Surveys (Erwachsene + Jugendliche) A
    BED - lange als 'mildere' Essstörung unterschätzt - ist eigenständig mit erhöhter Suizidalität bei Jugendlichen und Erwachsenen assoziiert. erhöhte Odds für Suizidgedanken, -pläne und -versuche vs. Kontrollen (BED-spezifisch)
  7. van Geel M, Vedder P, Tanilon J 2014, JAMA Pediatrics · Meta-Analyse, 34 Studien, ~284.000 Jugendliche A
    Cybermobbing-Opfer haben ein rund 2,5-fach erhoehtes Risiko fuer Suizidgedanken; Cybermobbing war staerker mit Ideation assoziiert als traditionelles Mobbing. OR ~2.57 (Suizidgedanken) fuer Cybermobbing-Opfer vs. Nicht-Opfer
  8. Bridge JA et al. 2020, J Am Acad Child Adolesc Psychiatry · Zeitreihenanalyse (CDC-Mortalitaetsdaten) A
    Nach dem Serienstart stieg die Jugend-Suizidrate in den USA kurzfristig an - der Zusammenhang ist jedoch statistisch umstritten und methodisch kritisiert. Anstieg der Suizidrate bei 10-17-Jaehrigen im Monat nach Release (~+28,9% im April 2017 vs. Prognose); Befund kontrovers/reanalysiert
  9. Hawton K, Hill NTM, Gould M et al. 2020, Lancet Child & Adolescent Health · Narratives/systematisches Review A
    Punkt-Cluster (raeumlich-zeitliche Haeufungen) sind bei Jugendlichen ueberproportional haeufig und deuten auf Kontagionsmechanismen hin. Cluster machen ~1-5% der Jugendsuizide aus; erhoehtes Risiko in raeumlich-zeitlicher Naehe zu einem Indexsuizid
  10. Goldstein et al. 2008, J Consult Clin Psychol · psychologische Autopsie, N=140 Jugendliche A
    Schlafstörungen in der Woche vor dem Tod traten bei jugendlichen Suizidopfern häufiger auf als bei Kontrollen — Insomnie als akuter Nahwarnindikator. erhöhtes Risiko (Fall-Kontroll, psychologische Autopsie)
  11. Wong & Brower 2011, J Psychiatr Res · nationale Längsschnittkohorte Jugendlicher A
    In der US-Add-Health-Kohorte sagten Schlafprobleme im Jugendalter spätere Suizidgedanken und -versuche voraus. erhöhtes Risiko späterer Suizidalität (OR erhöht)
  12. Gelabert E et al. 2024, Maternal and Child Health Journal (Meta-Analyse, 10 Studien) · Systematischer Review + Meta-Analyse, 10 Studien A
    Frueheres Suizidverhalten und affektive Stoerungen sind die staerksten Praediktoren peripartaler Suizidversuche, mit sehr breiten Konfidenzintervallen (hohe Heterogenitaet, kleine Ereigniszahlen). Vorheriges Suizidverhalten OR 38,04 (95%-KI 3,36-431,17); postpartale affektive Stoerung OR 11,43 (95%-KI 1,56-83,87)
  13. Annals of Internal Medicine 2024 (Taiwan-Registerkohorte; Erstautor unbestaetigt) · Landesweite Registerkohorte (National Health Insurance) A
    Nach PCOS-Diagnose ist das Risiko eines Suizidversuchs um ein Mehrfaches erhoeht, mit besonders auffaelliger Erhoehung bereits im Jugend-/frueherwachsenen Alter. adjustierte HR Erwachsene ~8,75; Jugendliche ~5,38 (95%-KI nicht bestaetigt)
  14. Skovlund CW et al. 2018, American Journal of Psychiatry (nationale Kohorte) · Nationale Registerkohorte, N=475.802 A
    Hormonelle Kontrazeption ist mit etwa verdoppeltem Suizidversuchs- und rund verdreifachtem Suizidrisiko assoziiert, mit hoechstem relativem Risiko bei Jugendlichen und kurz nach Beginn. Suizidversuch RR 1,97 (95%-KI 1,85-2,10); Suizid RR 3,08 (95%-KI 1,34-7,08); Gestagen-Mono RR 2,29
  15. Ferloev-Schwensen C et al. 2017, Thyroid (nationales Register) · Landesweite Registerkohorte A
    Anders als bei Hashimoto zeigt Morbus Basedow in dieser nationalen Registerstudie KEINE erhoehte vollendete Suizidrate - richtungsspezifischer Schilddruesen-Effekt. kein erhoehtes Suizidrisiko (Nullbefund)
  16. Fresan et al. 2022, Journal of Psychiatric Research · Meta-Analyse, bis zu 26 Studien, N bis 34.859 A
    Bei 11- bis 21-Jaehrigen ist Cannabisrauchen mit etwa verdoppeltem Risiko fuer Suizidgedanken und -versuche assoziiert. Suizidversuch OR 2.33 (1.78-3.05); Ideation OR 2.04 (1.64-2.53); Suizidplanung OR 1.67 (1.55-1.80)
  17. Freeman A et al., BMC Psychiatry · Cross-nationale Fall-Kontroll-Analyse von Suizidversuchen A
    Der Geschlechterunterschied in der Sterblichkeit erklaert sich wesentlich ueber die Wahl letalerer Methoden durch Maenner, nicht primaer ueber staerkere Suizidabsicht. Groesserer Anteil der Mortalitaetskluft durch Methodenletalitaet erklaert (Intent-Unterschiede gering)
  18. di Giacomo E et al., JAMA Pediatrics · Systematische Review/Meta-Analyse, k~35 Studien A
    LGB-Jugendliche haben ein etwa 3,5-fach erhoehtes Risiko fuer Suizidversuche gegenueber heterosexuellen Gleichaltrigen. OR ~3,5 (95%-KI ca. 2,8-4,5) fuer Suizidversuch vs. heterosexuelle Peers
  19. Toomey RB, Syvertsen AK, Shramko M, Pediatrics · Querschnitt, N=120.617 Adoleszente (11-19 J.) A
    Transmaskuline Jugendliche berichten mit ~51% die hoechste Lebenszeit-Suizidversuchsrate; alle Trans-/nichtbinaeren Subgruppen deutlich ueber cisgender Peers. Lebenszeit-Suizidversuchsrate bis 50,8% (hoechste aller Subgruppen)
  20. Turban JL et al., Pediatrics · Retrospektiver Querschnitt, N=20.619 Transgender-Erwachsene A
    Retrospektiv war Zugang zu Pubertaetssuppression mit geringeren Lebenszeit-Suizidgedanken assoziiert (aOR ~0,3); Kausalitaet umstritten (retrospektiv, Selektionsbias). aOR ~0,3 fuer Lebenszeit-Suizidgedanken (Zugang = protektiv)
  21. Fontanella CA et al., JAMA Pediatrics · Nationale Mortalitaetsanalyse, 66.595 Suizide (10-24 J.) A
    Suizidraten laendlicher Jugendlicher waren nahezu doppelt so hoch wie staedtischer, und die Kluft verbreiterte sich 1996-2010. Laendliche Rate nahezu doppelt so hoch; IRR fuer laendliche Maenner ~1,7-1,8
  22. Steelesmith DL et al., JAMA Network Open · Oekologische Panelanalyse aller US-Counties 1999-2016 A
    Laendliche Counties, hohe Deprivation, geringere soziale Fragmentierung-Umkehr und hoher Waffenbesitz sind mit hoeheren Suizidraten verbunden. Hoehere county-level Suizidraten mit Ruralitaet, Deprivation und Waffenbesitz assoziiert
  23. Bridge JA et al., JAMA Pediatrics · Nationale Mortalitaetsanalyse 2001-2015 (5-17 J.) A
    Schwarze Kinder 5-12 Jahre haben eine etwa doppelt so hohe Suizidrate wie gleichaltrige weisse Kinder - im Jugendalter kehrt sich das Verhaeltnis um. Suizidrate schwarzer Kinder ~2x der weissen (5-12 J.); Umkehr im Jugendalter
  24. Ruch DA et al., JAMA Network Open · Nationale Trendanalyse 1975-2016 (10-19 J.) A
    Zwischen 1975 und 2016 stiegen die Suizidraten junger Maedchen (10-14 J.) prozentual am staerksten, wodurch sich die traditionelle Geschlechterkluft verengt. Staerkster relativer Ratenanstieg; Verengung der Geschlechterkluft
  25. Case A & Deaton A, PNAS · Bevoelkerungsweite Mortalitaetsanalyse A
    Weisse Amerikaner mittleren Alters ohne Collegeabschluss zeigten 1999-2013 steigende Mortalitaet durch 'deaths of despair', inkl. Suizid - konzentriert nach Bildung/Sozialstatus. Steigende Midlife-Mortalitaet inkl. Suizid, gegen internationalen Trend
  26. Calati R, Ferrari C, Brittner M et al., J Affect Disord · Narrative Review zahlreicher Studien A
    Narrative Review: Soziale Isolation, Alleinleben und subjektive Einsamkeit waren durchgaengig mit Suizidgedanken, -versuchen und Suizid assoziiert. Konsistente positive Assoziation von Isolation und Einsamkeit mit Suizidgedanken und -verhalten (narrative Synthese)
  27. Hirvikoski et al. 2016, British Journal of Psychiatry 208(3):232–238 · Bevölkerungsbasierte Kohorte, 27.122 ASS-Probanden vs. 2.672.185 Kontrollen A
    Menschen mit Autismus starben rund 2,5-fach häufiger vorzeitig; Suizid war eine der Haupttodesursachen im 'high-functioning'-Bereich, mit Geschlechts- und IQ-Moderation. Gesamtmortalitäts-OR 2.56 (95% KI 2.38–2.76); Suizid einer der führenden vermeidbaren Todesursachen, besonders bei ASS ohne Intelligenzminderung und bei Frauen
  28. Cassidy et al. 2014, The Lancet Psychiatry 1(2):142–147 · Klinische Querschnittskohorte, n=374 Erwachsene mit Asperger A
    Zwei Drittel autistischer Erwachsener berichteten Suizidgedanken und ein gutes Drittel Pläne/Versuche – ein Vielfaches der Allgemeinbevölkerung. 66% lebenszeitliche Suizidgedanken (vs. ~17% Allgemeinbevölkerung); 35% mit Suizidplänen oder -versuchen
  29. Newell et al. 2023, Molecular Autism 14:12 · Systematisches Review & Meta-Analyse A
    Gerade Autist:innen ohne Intelligenzminderung – häufig spät diagnostiziert – tragen eine besonders hohe Suizidalitätslast, was der Alltagsannahme 'schwerer betroffen = höheres Risiko' widerspricht. Deutlich erhöhte gepoolte Prävalenz von Ideation und Versuchen ggü. Allgemeinbevölkerung (Meta-Analyse mehrerer Studien)
  30. Septier et al. 2019, Neuroscience & Biobehavioral Reviews 103:109–118 · Meta-Analyse, bis zu 44 Studien, >228.000 Personen A
    ADHS war mit stark erhöhtem Risiko über das gesamte Suizidspektrum assoziiert, am stärksten für den vollendeten Suizid (fast 7-fach). Vollendeter Suizid OR 6.69 (95% KI 3.24–17.39); Suizidgedanken OR 3.53 (2.94–4.25); Suizidversuche OR 2.35 (1.64–3.43)
  31. Garas et al. 2025, Brain and Behavior 15:e70618 · Systematisches Review & Meta-Analyse (Längsschnittstudien) A
    Aktuelle Längsschnitt-Meta-Analyse bestätigt: ADHS im Kindesalter sagt späteres Suizidverhalten voraus, weit über allgemeine Impulsivität hinaus. Signifikant erhöhtes gepooltes Risiko für Suizidversuch/-verhalten (>2-fach; genaue Poolwerte in Sitzung nicht einzeln verifiziert)
  32. Chen et al. 2017, Journal of Child Psychology and Psychiatry (Taiwan-Kohorte) · Landesweite Kohorte, ADHS-Jugendliche A
    Anders als oft befürchtet war Stimulanzien-Behandlung nicht mit mehr, sondern mit weniger Suizidverhalten assoziiert – wichtig gegen Behandlungsvermeidung. Reduziertes Suizidrisiko unter Methylphenidat (protektive Assoziation; within-individual/Kohorten-Design)
  33. O'Connor et al. 2019, Birth Defects Research 111(12):822–828 · Klinische Kohorte, Jugendliche mit FASD A
    Jugendliche mit FASD berichteten doppelt so häufig Suizidgedanken und fünffach häufiger ernste Suizidversuche wie Gleichaltrige. Suizidgedanken 35,2% (vs. 17,2% Allgemeinbevölkerung, ~2-fach); ernste Suizidversuche 13,0% (vs. 2,4%, ~5-fach)
  34. Tan et al. 2025, Alcohol, Clinical and Experimental Research · Klinische Kohorte, Kinder/Jugendliche mit FASD A
    In einer aktuellen australischen Kohorte war Suizidalität bei FASD eng an vermeidbare psychosoziale Belastungen und Komorbiditäten gekoppelt. Erhöhte Suizidalitätsraten; Risikofaktoren u.a. psychiatrische Komorbidität, Missbrauchserfahrungen, instabile Betreuung (Assoziationsanalyse)
  35. Lindstedt et al. 2026, Journal of Intellectual Disability Research 70 · Systematisches Review & Meta-Analyse A
    Suizidalität und Selbstverletzung sind bei leichter Intelligenzminderung erhöht, während schwere Formen seltener erfasst werden – ein diagnostisches Übersehen, kein echtes Fehlen. Erhöhte Prävalenz von Selbstverletzung und Suizidalität, v.a. bei leichter ID; bei schwerer/profunder ID niedrigere gemeldete Raten (auch Erhebungsartefakt)
  36. Gryglewicz K et al., Crisis · Narrative Review/Konzeptpapier A
    Gehoerlose/schwerhoerige Jugendliche gelten als Hochrisikogruppe fuer suizidbezogenes Verhalten, doch belastbare Registerdaten fehlen weitgehend. kein gepooltes Effektmass; qualitativ erhoehtes Risiko
  37. Rossi et al. 2024, European Journal of Psychotraumatology / Child Adolesc Psychiatry · Querschnitt, behandlungssuchende Adoleszente A
    Die neue ICD-11-Diagnose komplexe PTBS ist stärker mit Selbstverletzung und Suizidalität verknüpft als die klassische PTBS - die Störungen der Selbstorganisation (Affekt, Selbstbild, Beziehung) treibe cPTSD eigenständig mit Selbstverletzung/Suizidalität assoziiert, über PTBS hinausgehend (Effekt gerichtet, exakte OR studienspezifisch)
  38. systematisches Review 2021, PLoS ONE · Systematisches Review/Meta-Analyse A
    Bei Jugendlichen sagt Substanzkonsum Suizidalitaet voraus UND umgekehrt - die Kausalrichtung ist wechselseitig, nicht einseitig. Bidirektionale Assoziation zwischen SUD und Suizidalitaet; erhoehte Odds in beide Richtungen (exakte Poolwerte unbestaetigt)
  39. Systematic Review/Meta-Analyse Kinderkrebs-Suizidalität 2025 (Vollzitation zu prüfen) · Meta-Analyse; Ideation: 10 Studien, N=20.140 C
    Kindheitskrebs-Überlebende berichten in 9% Suizidgedanken und haben ein 1,7-fach erhöhtes Ideations-Risiko – Spätfolge Jahrzehnte nach Heilung. SI-Prävalenz 9% (95% KI 7–11%); RR 1,67 (95% KI 1,39–2,01)
  40. Systematic Review/Meta-Analyse Kinderkrebs-Suizidalität 2025 (Vollzitation zu prüfen) · Meta-Analyse; Suizidtod: 8 Studien, N=148.869 C
    Trotz erhöhter Suizidgedanken ist der vollzogene Suizid bei Kinderkrebs-Überlebenden NICHT signifikant erhöht (RR 1,50, KI überschreitet 1) – wichtige Entdramatisierung. RR 1,50 (95% KI 0,63–3,62) – nicht signifikant
  41. Suicide risk among AYA after cancer diagnosis 2023 (Autor/Journal zu prüfen) · Registeranalyse; 34 Krebsgruppen 2009–2019 B
    AYA-Krebsüberlebende zeigen über 34 Krebsgruppen ein erhöhtes Suizidrisiko – eine altersspezifisch übersehene Gruppe zwischen Kinderonkologie und Erwachsenenversorgung. erhöhtes Suizidrisiko (SMR-Werte in Publikation; hier nicht eigen verifiziert)
  42. Roxborough, Hewitt, Kaldas et al. 2012, Suicide Life Threat. Behav. · Querschnitt, klinische Jugendstichprobe C
    Bei Jugendlichen sagt perfektionistische Selbstdarstellung Suizidalitaet vorher, vermittelt ueber soziale Entfremdung/Hoffnungslosigkeit statt ueber reine Leistung. Zusammenhang ueber soziale Entfremdung vermittelt (exakte Werte nicht erinnert)
  43. prospektive Kohorte 2025, Journal of Affective Disorders (96.158 chin. Jugendliche) · Populationsbasierte Kohorte, N=96.158 C
    In einer sehr grossen Adoleszentenkohorte prognostiziert Internet-Gaming-Disorder das Neuauftreten und die Verschlechterung von Suizidgedanken. IGD sagt Inzidenz, Persistenz und Verschlechterung von Suizidgedanken voraus (adjustiert; exakte OR/HR unbestaetigt)
  44. WHO (Suicide worldwide in 2019) / GBD 2019 · Deskriptive globale Mortalitaetsstatistik (Schaetzung ~703.000 Suizide/Jahr) C
    Maenner sterben global ~2-3x haeufiger durch Suizid, waehrend Frauen mehr nicht-toedliche Versuche unternehmen (umgekehrtes Verhaeltnis bei Ideation/Versuch). Suizidmortalitaet Maenner ca. 2,3:1 global; regional bis >4:1 (Osteuropa)
  45. Leavitt RA et al., MMWR Morb Mortal Wkly Rep · Surveillance-Auswertung NVDRS 2003-2014 C
    AI/AN weisen in den USA die hoechste Suizidrate aller ethnischen Gruppen auf, besonders ausgepraegt bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Bei 10-24-Jaehrigen Rate ~ mehrfach ueber weisser Vergleichsgruppe (hoechste ethnische Rate)
  46. AIHW / ABS Causes of Death nationale Statistik · Nationale Mortalitaetsstatistik C
    Indigene Australier sterben etwa doppelt so haeufig durch Suizid wie nicht-indigene, mit besonders hoher Belastung junger Menschen. Suizidrate ~2x der nicht-indigenen; bei Jugendlichen deutlich hoeher
  47. CDC WISQARS / nationale Mortalitaetsstatistik · Deskriptive nationale Mortalitaetsstatistik C
    In den USA und vielen westlichen Laendern haben Maenner ab 85 Jahren die hoechste altersspezifische Suizidrate ueberhaupt. Hoechste altersspezifische Suizidrate aller Gruppen (z.B. USA Maenner 85+)
  48. Fässberg MM et al., systematischer Review (Aging & Mental Health / Int J Environ Res Public Health) · Systematischer Review sozialer Faktoren im Alter C
    Soziale Isolation, Einsamkeit und Funktionsverlust sind robuste, modifizierbare Risikofaktoren fuer suizidales Verhalten im Alter - oft staerker als koerperliche Krankheit allein. Konsistent positive Assoziation mit suizidalem Verhalten (Review-Evidenz)
  49. Sheftall AH et al., J Am Acad Child Adolesc Psychiatry / Pediatrics · Trend-/Surveillance-Analyse (NVDRS/CDC) C
    Die Suizidraten schwarzer Jugendlicher stiegen in den 2010er-Jahren prozentual staerker als die jeder anderen ethnischen Gruppe in den USA. Staerkster relativer Anstieg der Suizidraten aller US-Ethnien (ca. 2003-2020)
  50. Cassidy et al. 2022, British Journal of Psychiatry 221(5):683–691 · Coroner-Aktenstudie, n=372 Suizidsterbefälle B
    In einer Analyse von Suizidsterbefällen zeigten rund 10% Hinweise auf (überwiegend nicht diagnostizierten) Autismus – Hinweis auf massive Unterdiagnostik als Risikofaktor. ~10% der Suizidtoten mit Hinweisen auf erhöhte autistische Züge (weit über der ~1–2% Bevölkerungsprävalenz diagnostizierten Autismus)
  51. Kõlves et al. 2021, JAMA Network Open 4(1):e2033565 · Bevölkerungskohorte, >6 Mio. Personen, 35.020 mit ASS B
    Autismus war mit rund verdreifachtem Suizidverhaltensrisiko assoziiert, wobei Frauen mit ASS ein überproportional hohes relatives Risiko trugen. Inzidenzraten-Ratio für Suizidversuch/-tod ~3-fach erhöht; relatives Risiko bei Frauen mit ASS besonders stark erhöht
  52. O'Halloran et al. 2022, Clinical Psychology Review 93:102144 · Systematisches Review & Meta-Analyse C
    Bereits im Kindes- und Jugendalter ist Suizidalität bei Autismus deutlich häufiger als bei nicht-autistischen Gleichaltrigen. Erhöhte gepoolte Prävalenz von Ideation, Versuchen und Selbstverletzung (genaue Poolwerte in Sitzung nicht verifiziert)
  53. Sun et al. 2019, The British Journal of Psychiatry (nationale Längsschnittstudie) · Landesweite Längsschnittkohorte C
    ADHS erhöhte das Suizidversuchsrisiko im jungen Erwachsenenalter, wobei komorbide Störungen (v.a. bipolar) den Haupttreiber bildeten. Erhöhte Hazard Ratio für Suizidversuch; Komorbiditäten (bipolar, Substanz) potenzieren das Risiko deutlich
  54. Fernández de la Cruz et al. 2017, Biological Psychiatry 82(2):111–118 · Kohorte, 7.736 Patienten vs. 77.360 Kontrollen B
    Menschen mit Tourette/chronischen Tics starben mehr als 4-fach häufiger durch Suizid – auch unabhängig von Begleiterkrankungen. Suizidtod-OR ~4,4 (über 4-fach erhöht); Zusammenhang blieb nach Adjustierung für psychiatrische Komorbidität signifikant
  55. Sörberg Wallin et al. 2018, u.a. auf Basis schwedischer Konskriptionsdaten · Große Längsschnittkohorte junger Männer C
    Über große Konskriptionskohorten hinweg sagt niedrigere kognitive Leistung ein höheres späteres Suizidrisiko voraus – Kognition als unterschätzter Vulnerabilitätsmarker. Inverse Assoziation: niedrigerer IQ mit erhöhtem späteren Suizidrisiko (dosisabhängiger Gradient; HR pro SD erhöht)
  56. Systematisches Review & gepoolte Analyse 2024, eClinicalMedicine (Lancet) · Systematisches Review & gepoolte Analyse C
    Nicht Autismus allein, sondern die Kombination mit Depression und ADHS treibt die höchste Suizidalitätslast – ein Argument für integrierte statt siloartige Versorgung. Selbstverletzung/Suizidalität am stärksten erhöht bei zusätzlicher Depression bzw. ADHS-Komorbidität (gepoolte Analyse)
  57. Cassidy et al. 2018, Molecular Autism 9:42 · Querschnitt, n=164 autistische Erwachsene B
    Das Verbergen autistischer Merkmale ('Masking') war ein eigenständiger Prädiktor für Suizidalität – ein für spät-/unterdiagnostizierte Frauen zentraler, oft übersehener Mechanismus. Camouflaging und unerfüllte Unterstützungsbedarfe unabhängig mit Suizidalität assoziiert (Regressionsmodell; kein einfaches Effektmaß)
Lücke 3 · Kohärenzlücke (Erkennung ohne Anschluss)

Die Behauptung, mehr Erkennung schütze, ist nur haltbar, wenn ein Behandlungsplatz erreichbar ist. Die folgenden Studien belegen dreierlei: Das Risiko ist unmittelbar nach der Krise am höchsten, der Übergang selbst ist kritisch, und wirksame, kostengünstige Nachsorge existiert. Sie belegen den Mechanismus, nicht die konkrete Wirkung dieses Gesetzes.

Geprüfte Kernbelege · gegen die Primärquelle verifiziert

Das Risiko ist zeitlich extrem konzentriert – in den ersten drei Monaten nach Entlassung aus stationär-psychiatrischer Behandlung rund 1.132 pro 100.000 Personenjahre.

Chung et al. 2017, JAMA Psychiatry · Systematisches Review & Meta-Analyse · 100 Studien / 183 Patienten-Stichproben · 17.857 Suizide IISpur Ageprüft ✓Aussagenähe: Ausgangsrisiko

Aussagegrenze: Belegt das Risikofenster (psychiatrische Entlassung). Quelle öffnen ↗

In der ersten Woche nach einer Krebsdiagnose ist das Suizidrisiko fast 13-fach erhöht (RR 12,6) – der Übergang selbst ist der kritische Moment.

Fang F et al. 2012, New England Journal of Medicine · Historische Kohorte (nested case-crossover) · N≈6,07 Mio. · 1991–2006 IISpur Ageprüft ✓Aussagenähe: Ausgangsrisiko

Aussagegrenze: Evidenz krebsspezifisch (schwedische Kohorte); die Übertragung auf andere schwere Diagnosen ist plausibel, aber nicht gemessen. Quelle öffnen ↗

Zugleich sind wirksame, günstige Gegenmaßnahmen bekannt: Eine kurze Sicherheitsplanung mit Nachsorgeanrufen war mit rund 45 % weniger suizidalem Verhalten über sechs Monate verbunden (OR 0,56; 95% KI 0,33–0,95).

Stanley B et al. 2018, JAMA Psychiatry · Kohorten-Vergleich · N=1.640 · Veterans Health Administration IISpur Ageprüft ✓Aussagenähe: Versorgungsmechanismus

Aussagegrenze: Kohorten-Vergleich (kein RCT); belegt, dass aktive Nachsorge wirken kann. Quelle öffnen ↗

Hintergrundkorpus (nicht tragend) · 282 thematisch zugeordnete Studien
  1. Lubin et al. 2010, Suicide and Life-Threatening Behavior · Naturalistisch-epidemiologisch, landesweite Militärkohorte A
    Nach Verbot der Wochenend-Waffenmitnahme sank die Soldatensuizidrate um rund 40 %, fast ausschließlich durch Wegfall der Wochenend-Schusswaffensuizide. Rückgang der Suizidrate um ~40 % (v. a. Wochenend-/Schusswaffensuizide)
  2. Cipriani et al. 2013, BMJ · Meta-Analyse, 48 RCTs, 6.674 Teilnehmer A
    Lithium senkt in randomisierten Studien das Suizidrisiko bei Stimmungsstoerungen um rund 80-90% gegenueber Placebo - der staerkste medikamentoese Antisuizid-Beleg. Suizid OR 0,13 (95% KI 0,03-0,66); Gesamtmortalitaet reduziert
  3. Stone et al. 2009, BMJ · Meta-Analyse von 372 RCTs, ~99.000 Teilnehmer A
    Antidepressiva wirken auf Suizidalitaet altersabhaengig: leicht risikoerhoehend bei jungen Erwachsenen, tendenziell protektiv bei Aelteren. Suizidalitaet OR bei <25 Jahren erhoeht; neutral 25-64; protektiv bei >=65 Jahren
  4. McCall et al. 2019, Am J Psychiatry (REST-IT) · RCT, N=103 depressive Insomnie-Patienten A
    Trotz Insomniebesserung senkte das Hypnotikum die Suizidgedanken nicht signifikant stärker als Placebo — Vorsicht vor Überschätzung sedierender Pharmaka. kein signifikanter Zusatznutzen auf Suizidgedanken (primärer Endpunkt null)
  5. Inagaki M et al. 2015, Journal of Affective Disorders · Meta-Analyse randomisierter/kontrollierter Studien A
    Aktive Kontakt- und Nachsorgeinterventionen nach einem Suizidversuch in der Notaufnahme senken die Rate erneuter Suizidversuche moderat aber konsistent. Reduktion wiederholter Suizidversuche; gepoolte OR ~0,83 (Wiederholungsversuch) in Kontakt-/Follow-up-Meta-Analyse
  6. Milner AJ et al. 2015, British Journal of Psychiatry · Meta-Analyse von Brief-Contact-RCTs A
    Niedrigschwellige wiederholte 'caring contacts' reduzieren die Haeufigkeit erneuter Suizidversuche, wobei der Effekt auf den Anteil der Reattempter in Meta-Analysen inkonsistent ist. Reduktion der Zahl von Suizidversuchen pro Person; Einzelstudien signifikant, gepoolter Effekt auf Anteil mit Reattempt uneinheitlich (teils n.s.)
  7. Cipriani A et al. 2013, BMJ · Systematische Review/Meta-Analyse, 48 RCTs, n=6.674 A
    Lithium senkte in RCTs die Zahl der Suizide gegenueber Placebo hochsignifikant (ca. 87% relative Reduktion), zusaetzlich weniger Gesamttode. OR Suizid 0,13 (95% KI 0,03-0,66); Gesamtmortalitaet OR 0,62
  8. Meltzer HY et al. 2003, Archives of General Psychiatry (InterSePT) · RCT, n=980 A
    Clozapin reduzierte suizidale Handlungen staerker als Olanzapin - Basis der FDA-Zulassung von Clozapin zur Suizidpraevention (aeltere Landmark-Studie). HR fuer suizidales Verhalten ca. 0,74 (signifikante Reduktion ~26%)
  9. Wilkinson ST et al. 2018, American Journal of Psychiatry · Individual-Patient-Data-Meta-Analyse, 10 RCTs, n=298 A
    Eine einzelne Ketamin-Infusion senkte Suizidgedanken innerhalb von 24 Stunden, teils unabhaengig vom antidepressiven Effekt - Wirkung zeitlich begrenzt. Signifikante Reduktion der Suizidgedanken ab Tag 1, anhaltend bis ~Tag 7
  10. Fu DJ et al. 2020, Journal of Clinical Psychiatry (ASPIRE-I) · RCT, n=456 A
    Esketamin verbesserte die Depression rasch, trennte sich aber beim eigentlichen Suizidalitaets-Endpunkt nicht signifikant von Placebo (beide mit intensiver Standardversorgung) - wichtiger Nullbefund. MADRS 24h: Differenz ca. -3,8 (signifikant); CGI-SS-r (Suizidalitaet) 24h: NICHT signifikant vs. Placebo
  11. Linehan MM et al. 2006, Archives of General Psychiatry · RCT, n=101 A
    DBT halbierte ueber 2 Jahre die Rate der Suizidversuche bei Frauen mit Borderline-Stoerung gegenueber Expertenbehandlung (Landmark). Halbierung der Suizidversuche (HR ~0,5); weniger Notaufnahmen/Hospitalisierungen
  12. McCauley E et al. 2018, JAMA Psychiatry · RCT, n=173 A
    DBT reduzierte bei suizidalen Jugendlichen Selbstverletzung und Suizidversuche staerker als eine aktive Vergleichstherapie, mit Anglei­chung nach 12 Monaten. Hoehere Rate ohne Selbstverletzung (OR-Vorteil fuer DBT, ~46% vs. 32%)
  13. Miller IW et al. 2017, JAMA Psychiatry (ED-SAFE) · Quasi-experimentell (Stepped-Wedge-artig), n=1.376 A
    Ein mehrstufiges Notaufnahme-Programm (ED-SAFE) senkte spaetere Suizidversuche gegenueber der Behandlung wie ueblich. ~30% weniger Suizidversuche (relative Risikoreduktion ~20%; ~5% absolut)
  14. Fleischmann A et al. 2008, Bulletin of the WHO · RCT, n=1.867 A
    Eine einstuendige Aufklaerung plus periodische Kontakte reduzierte Suizidtode nach Versuch in einkommensschwaecheren Laendern deutlich. Suizidtode 0,2% vs. 2,2% nach 18 Monaten (signifikant)
  15. Wasserman D et al. 2015, Lancet (SEYLE) · Cluster-RCT, n=11.110 Jugendliche A
    Das universelle Schulprogramm YAM halbierte etwa Suizidversuche und schwere Suizidgedanken - staerkstes RCT-Ergebnis fuer Schulpraevention. Neue Suizidversuche OR 0,45; schwere Suizidgedanken OR 0,50 (12 Monate)
  16. Torok M et al. 2020, Lancet Digital Health · Meta-Analyse, 14 RCTs A
    Digitale Interventionen senken Suizidgedanken leicht, zeigen aber keinen belegten Effekt auf Selbstverletzung oder Suizidversuche. Suizidgedanken g ~-0,10 bis -0,29 (klein, signifikant); Selbstverletzung/Versuch: kein signifikanter Effekt
  17. DeCou, Comtois & Landes, Behavior Therapy (DBT meta-analysis) · Meta-Analyse randomisierter kontrollierter Studien A
    Meta-Analyse von RCTs: DBT reduziert selbstverletzendes und suizidales Verhalten sowie psychiatrische Krisenkontakte moderat aber robust - der bislang bestbelegte psychotherapeutische Effekt auf Suizi signifikante Reduktion selbstgerichteter Gewalt (Hedges g ~ -0,3) und Krisenkontakte
  18. Mehlum et al. RCT (J Am Acad Child Adolesc Psychiatry) + DBT-Adoleszenz-Meta-Analyse (Psychological Medicine) · RCT + systematische Meta-Analyse A
    Randomisierte Studien und Meta-Analyse zeigen: DBT-A senkt bei Jugendlichen mit wiederholtem Selbstverletzen die Selbstverletzungs- und Ideationsraten staerker als aktive Vergleichsbehandlungen - frue DBT vs. Vergleich: staerkere Reduktion von Selbstverletzung und Suizidgedanken (RCT + Meta)
  19. Kaufman JA, Salas-Hernandez LK, Komro KA, Livingston MD, J Epidemiol Community Health · Difference-in-differences Panel, alle US-Staaten 1990-2015 A
    Quasi-experimentelle US-Analyse: Ein hoeherer Mindestlohn war mit sinkenden Suizidraten bei Erwachsenen mit hoechstens Highschool-Abschluss verbunden, besonders in Zeiten hoher Arbeitslosigkeit (naehe $1 hoeherer Mindestlohn assoziiert mit ~3.5-6% niedrigerer Suizidrate bei gering Gebildeten (bei hoher Arbeitslosigkeit)
  20. Zaorsky NG et al. 2019, Nature Communications · Retrospektive Registerkohorte; N=8.651.569, 13.311 Suizide, 1973–2014 A
    Über alle Lokalisationen sterben Krebspatienten in den USA rund 4,4-mal häufiger durch Suizid als die Allgemeinbevölkerung (28,6/100.000 Personenjahre). SMR 4,44 (95% KI 4,33–4,55)
  21. Henson KE et al. 2019, JAMA Psychiatry · Nationale Registerkohorte; N=4.722.099 A
    Das Suizidrisiko konzentriert sich stark auf die ersten 6 Monate nach der Diagnose (SMR 2,74) und sinkt danach – die Diagnosemitteilung selbst ist der kritische Zeitpunkt. SMR 2,74 (95% KI 2,52–2,98)
  22. Fang F et al. 2012, New England Journal of Medicine · Historische Kohorte mit nested Case-Crossover; N=6.073.240, 1991–2006 A
    In der ersten Woche nach Krebsdiagnose ist das Suizidrisiko fast 13-fach erhöht – der schärfste dokumentierte Kurzfrist-Effekt einer somatischen Diagnose. RR 12,6 (95% KI 8,6–17,8) erste Woche; 1. Jahr RR 3,1 (2,7–3,5)
  23. Henson KE et al. 2019, JAMA Psychiatry · Nationale Registerkohorte; N=4.722.099 A
    Das Suizidrisiko folgt der Prognose: Krebsarten mit hoher Letalität und schneller Verschlechterung (Mesotheliom, Pankreas) haben das höchste Suizidrisiko. SMR Mesotheliom 4,51 (2,91–7,00); Pankreas 3,89 (2,77–5,48); Ösophagus 2,65; Lunge 2,57; Magen 2,20
  24. Hofmann L et al. 2023, Int J Environ Res Public Health · Systematic Review/Meta-Analyse; 12 Studien, N≈1.790.027, 5.498 Suizide A
    Lungenkrebspatienten haben ein knapp 3-fach erhöhtes Suizidrisiko, im ersten Jahr sogar 5-fach – Stigma/Rauchschuld und schlechte Prognose verstärken sich. gepooltes SMR 2,95 (95% KI 2,42–3,60); 1. Jahr SMR 5,00 (4,11–6,08)
  25. Osazuwa-Peters N et al. 2018, Cancer · Registerkohorte; N=4.235.657 Überlebende, 4.513 Suizide, 2000–2014 A
    Kopf-Hals-Krebs-Überlebende haben eine fast doppelt so hohe Suizidrate wie Überlebende anderer Krebsarten – Disfigurierung, Stimm-/Schluckverlust und soziale Isolation als Treiber. 23,6 Suizide/100.000 PJ; ~2-fach vs. andere Krebsarten (adjustiert)
  26. Zaorsky NG et al. 2019, Nature Communications · Registerkohorte; N=8.651.569 A
    Für Lungenkrebs erreicht das Suizidrisiko im ersten Jahr nach Diagnose ein extremes Niveau (SMR ~25) und normalisiert sich bei Langzeitüberlebenden (~4). SMR ~25 (erstes Jahr, US-SEER)
  27. Fang F et al. 2010, JNCI · Kohortenstudie; N=342.497 Prostatakrebspatienten A
    Auch bei prognostisch günstigem Prostatakrebs steigt das Suizidrisiko in den ersten 3 Monaten (SMR 1,9) – die Diagnose-Schock-Phase ist unabhängig von der Überlebensaussicht. 1. Jahr SMR 1,4 (1,2–1,6); erste 3 Monate SMR 1,9 (1,4–2,6)
  28. Zaorsky NG et al. 2019, Nature Communications · Registerkohorte; N=8.651.569 A
    Anders als der übliche Frühgipfel steigt das Suizidrisiko bei Hodenkrebs-Überlebenden über die Jahre an – Langzeit-Survivorship-Belastungen bei jungen Männern werden unterschätzt. SMR ansteigend über Zeit, >5 Jahre SMR ~17 (SEER)
  29. Zaorsky NG et al. 2019, Nature Communications · Registerkohorte; N=8.651.569 A
    Innerhalb der Krebspopulation tragen ältere, weiße, alleinstehende Männer mit lokalisierter (also nicht terminaler) Erkrankung das höchste Suizidrisiko – Kontrollverlust, nicht nur Todesnähe. Männer OR 5,16; weiß vs. schwarz OR 3,57; unverheiratet vs. verheiratet OR 1,46
  30. Cosh S et al., Int Psychogeriatr · Prospektive Kohorte (Three-City), N=5.438, >=73 J. A
    Schwerhoerigkeit erhoeht Suizidgedanken bei Aelteren dosisabhaengig (je schwerer, desto hoeher), unabhaengig von Depression. OR 1,97 (95% KI 1,44-2,70); Gradient: leichte HL OR 1,29 (1,03-1,63) -> schwere HL OR 1,78 (1,32-2,40) im Querschnitt
  31. Cosh S et al., Int Psychogeriatr · Prospektive Kohorte (Three-City), N=5.438 A
    Schwerer Sehverlust im Alter erhoeht Suizidgedanken um rund 60-65 %, parallel zum Hoerverlust in derselben Kohorte. OR 1,65 (95% KI 1,05-2,59); Baseline OR 1,59 (1,06-2,38)
  32. Cheng YF et al., J Affect Disord · Retrospektive Kohorte (NHIRD), N=386.055 + PS-Matching A
    Tinnitus verdoppelt das Risiko eines Suizidversuchs, mit Peak im ersten Jahr nach Diagnose (Inzidenz 0,25 % vs. 0,12 %). HR 2,04 (95% KI 1,83-2,28) fuer Suizidversuch binnen 1 Jahr
  33. Singh S et al., J Am Acad Dermatol · Meta-Analyse, 1.767.583 Teilnehmer A
    Psoriasis-Patienten haben rund doppelt so haeufig Suizidgedanken; Risiko steigt mit Schweregrad/juengerem Alter. OR 2,05 fuer Suizidgedanken (18 Studien, 330.207 Betroffene)
  34. Hrvatin Stancic B et al., J Eur Acad Dermatol Venereol · Systematische Review + Meta-Analyse A
    Ueber Hautkrankheiten hinweg ist das Risiko fuer vollendeten Suizid fast dreifach erhoeht - starkes aggregiertes Signal trotz heterogener Einzeldiagnosen. OR 2,86 (95% KI 1,56-5,24) fuer vollendeten Suizid
  35. Eliasen A et al., J Neurol · Fall-Kontroll-Studie, 8.974 Faelle / 89.740 Kontrollen A
    MG geht mit ueber vierfach erhoehtem Suizidversuch-Risiko einher - hoeher als bei vielen 'psychiatrischen' Diagnosen erwartet. OR 4,3 (95% KI 2,0-9,4) fuer Suizidversuch
  36. Eliasen A et al., J Neurol · Fall-Kontroll-Studie, 8.974 Faelle / 89.740 Kontrollen A
    MS erhoeht das Suizidversuch-Risiko moderat; im selben Datensatz wies MG ein weit hoeheres Risiko auf. OR 1,5 (95% KI 1,1-2,1) fuer Suizidversuch
  37. Anglemyer, Horvath & Rutherford 2014, Annals of Internal Medicine · Systematische Übersicht + Meta-Analyse, 16 Studien A
    Personen mit Zugang zu einer Haushaltsschusswaffe haben ein rund dreifach erhöhtes Suizidrisiko. OR 3,24 (95%-KI 2,41–4,40) für Suizid
  38. Studdert et al. 2020, New England Journal of Medicine · Kohorte, ~26,3 Mio. Erwachsene, Follow-up bis 12 J. A
    Handfeuerwaffen-Besitzer sterben massiv häufiger durch Waffensuizid ohne kompensatorische Abnahme anderer Methoden — kaum Method-Substitution. adj. HR Feuerwaffen-Suizid: Frauen 35,2; Männer 7,8; Gesamtsuizid deutlich erhöht
  39. Gunnell, Knipe, Chang et al. 2017, Lancet Global Health · Systematische Übersicht der internationalen Evidenz A
    Verbote hochgefährlicher Pestizide senken landesweit die Gesamtsuizidrate, ohne dass sich die Methode nennenswert verschiebt — eine der stärksten Belege für Means Restriction. Konsistente Rückgänge der Gesamtsuizidrate; kaum Method-Substitution
  40. Cha, Chang, Gunnell, Eddleston et al. 2016, International Journal of Epidemiology · Interrupted-Time-Series, nationale Mortalitätsdaten A
    Nach dem Paraquat-Verbot halbierten sich in Südkorea die Pestizidsuizide, ohne vollständige Substitution durch andere Methoden. Pestizidsuizide ~ halbiert; Rückgang der Gesamtsuizidrate nach Verbot
  41. Brenner, Cheng, Clark & Camargo 2011, High Altitude Medicine & Biology · Ökologische Korrelationsstudie A
    US-Counties in größerer Höhe zeigen höhere Suizidraten — vermutlich chronische Hypoxie, aber stark durch Ruralität und Schusswaffenbesitz konfundiert. Positive Korrelation Höhe↔Suizidrate über 2.584 US-Counties
  42. Burke, González, Baylis et al. 2018, Nature Climate Change · Panel-Ökonometrie, Jahrzehnte an County-/Munizip-Daten A
    Ein 1 °C wärmerer Monat erhöht die Suizidrate um ~0,7 % (USA)/2,1 % (Mexiko); projiziert ~9.000–40.000 zusätzliche Suizide bis 2050. +0,7 % (USA) bzw. +2,1 % (Mexiko) Suizidrate pro +1 °C
  43. Gao, Cheng, Duan et al. 2019, Science of the Total Environment · Systematische Übersicht + Meta-Analyse A
    Meta-analytisch steigt das Suizidrisiko moderat mit der Umgebungstemperatur; Sonnenscheindauer wirkt in gleicher Richtung. Gepooltes RR ~1,05 pro 1 °C (Heterogenität hoch)
  44. Mullins & White 2019, Journal of Health Economics · Panel/Fixed-Effects, Notaufnahme- & Mortalitätsdaten A
    Wärmere Perioden erhöhen Notaufnahme-Besuche wegen Selbstverletzung und Suizid über das gesamte Spektrum psychischer Gesundheit. ~+0,7 % Selbstverletzungs-/Suizid-Notfälle pro +1 °C
  45. Braithwaite, Zhu, Mitchell et al. 2019, Environmental Health Perspectives · Systematische Übersicht + Meta-Analyse A
    Kurzfristige Luftschadstoffbelastung ist schwach positiv mit Suizid und Depression assoziiert; Kausalität durch Konfundierung mit Hitze/Saison unsicher. Kleine, positive Assoziationen (RR/OR meist ~1,02–1,10 pro Zunahme)
  46. Bakian, Huber, Coon et al. 2015, American Journal of Epidemiology · Case-Crossover, ~1.500 Suizide A
    Akute Anstiege von NO2 und Feinstaub in den Tagen vor dem Tod waren mit erhöhtem Suizidrisiko assoziiert, mit saisonaler Verstärkung. NO2 OR ~1,20; PM2.5 OR ~1,05 (Frühjahr/Herbst am stärksten)
  47. Darvishi, Farhadi, Haghtalab & Poorolajal 2015, PLOS ONE · Meta-Analyse, 31 Studien A
    Alkoholbezogene Störungen erhöhen Suizid (~2×), Suizidversuch (~3×) und Suizidgedanken deutlich — Verfügbarkeit wirkt teils über Konsum vermittelt. OR Suizid 1,94; Versuch 3,13; Ideation 1,86
  48. Niederkrotenthaler, Braun, Pirkis et al. 2020, BMJ · Systematische Übersicht + Meta-Analyse A
    Berichterstattung über Suizide — besonders von Prominenten und mit Methodennennung — erhöht nachfolgende Suizide (Werther-Effekt) methodenspezifisch. Anstiege nach Prominenten-Berichten (RR/Risikoerhöhung ~13–30 %, methodenspezifisch)
  49. Niederkrotenthaler et al. 2010, British Journal of Psychiatry · Inhaltsanalyse + Zeitreihe, überregionale Medien A
    Berichte, die Bewältigung statt Suizid darstellen, gehen mit sinkenden Suizidzahlen einher — Erstnachweis des Papageno-Effekts. Assoziierte Abnahme von Suiziden nach Coping-Berichten (protektiv)
  50. Bridge et al. 2020, J. Am. Acad. Child & Adolescent Psychiatry · Ökologische Zeitreihenanalyse, nationale Mortalität A
    Nach dem Serienstart stieg die Suizidrate bei 10–17-Jährigen um ~29 % — Befund ist wegen Reanalysen und Konfundierung umstritten. +28,9 % Suizidrate 10–17-Jährige im April 2017 (US); umstritten
  51. Fink, Santaella-Tenorio & Keyes 2018, PLOS ONE · Zeitreihen-/Interventionsanalyse, nationale Daten A
    In den Monaten nach dem breit berichteten Suizid von Robin Williams gab es ~10 % mehr Suizide, mit besonders starkem Anstieg der genutzten Methode. +9,85 % Suizide (Aug.–Dez. 2014), ~1.841 Übersterblichkeit; Erhängen/Ersticken +32 %
  52. Pirkis, Spittal, Cox et al. 2015, Lancet Psychiatry · Systematische Übersicht + Meta-Analyse, 23 Studien A
    Physische Barrieren an Hotspots reduzieren dortige Suizide um ~91 %, deutlich stärker als Schilder/Notruftelefone (~61 %). Zugangsbeschränkung −~91 %; Hilfe-Förderung (Schilder/Telefone) −~61 %
  53. Beautrais, Gibb, Fergusson et al. 2009, Australian & NZ Journal of Psychiatry · Natürliches Experiment, ortsbezogene Zeitreihe A
    Nach Entfernung des Brückengeländers verfünffachten sich die Suizide dort; die Wiedererrichtung senkte sie wieder auf null — direkter Kausalbeleg. Suizide nach Barriere-Entfernung ~5-fach gestiegen; nach Wiederanbringung eliminiert
  54. Preti A, Rocchi MBL, Sisti D, et al. 2011, Acta Psychiatrica Scandinavica · Meta-Analyse mehrerer Follow-up-Kohorten A
    Erste umfassende Meta-Analyse zum Suizidrisiko bei Essstörungen: Suizid trägt substanziell zur Übersterblichkeit bei, am ausgeprägtesten bei AN. deutlich erhöhtes Suizidrisiko; Suizid als Hauptursache unnatürlicher Todesfälle bei AN (exakte gepoolte SMR aus Abstract nicht verifiziert)
  55. Iwajomo T, Bondy SJ, de Oliveira C, et al. 2021, British Journal of Psychiatry · Populationsbasierte Kohorte, N=19.041 (1990-2013) A
    In einer populationsbasierten Kohorte war die Gesamtsterblichkeit fünf- bis siebenfach erhöht, bei Männern deutlich stärker - Suizid zählt zu den führenden unnatürlichen Todesursachen. All-cause SMR 5,06 (95% KI 4,82-5,30); Männer SMR 7,24 (6,58-7,96), Frauen 4,59 (4,34-4,85)
  56. Udo T, Bitley S, Grilo CM 2019, BMC Medicine · Repräsentative Bevölkerungsstichprobe, N=36.171 Erwachsene A
    Der Binge-Purge-Subtyp der AN hatte fast dreifach höhere Versuchsprävalenz (44%) als der restriktive Typ (16%) - Purging ist der entscheidende Risikomarker. AN Binge-Purge aOR 12,09 (95% KI 6,29-23,24) vs. AN restriktiv aOR 3,16 (1,82-5,42); Prävalenz Versuche 44,1% vs. 15,7%
  57. Udo T, Bitley S, Grilo CM 2019, BMC Medicine · Repräsentative Bevölkerungsstichprobe, N=36.171 Erwachsene A
    Alle drei Essstörungsdiagnosen zeigten 5-6-fach erhöhte Odds für Suizidversuche gegenüber Personen ohne Essstörung - auch BED (oft übersehen) ist deutlich betroffen. BN aOR 6,33 (3,39-11,81); AN gesamt aOR 5,40 (3,80-7,67); BED aOR 4,83 (3,54-6,60)
  58. Mandelli L, Arminio A, Atti AR, De Ronchi D 2019, Psychological Medicine · Meta-Analyse (DSM-IV/DSM-5/ICD-10-Kriterien) A
    Suizidversuche waren bei BN häufiger als bei AN, signifikant jedoch nur gegenüber dem restriktiven AN-Typ; Binge-/Purging-Verhalten erhöht das Versuchsrisiko subtypübergreifend. Gepoolte Versuchsprävalenz BN ~21%; AN-restriktiv ~9-10%; AN-Binge-Purge höher als restriktiv
  59. Amiri S, Khan MA 2023, Eating Disorders · Systematisches Review + Meta-Analyse, 52 Studien A
    Über die Hälfte der Betroffenen berichtet Suizidgedanken, ~40% nichtsuizidale Selbstverletzung und rund ein Fünftel Suizidversuche - Suizidalität ist in Essstörungspopulationen die Regel, nicht die Au Suizidgedanken 51% (95% KI 41-62%); NSSV 40% (33-46%); Suizidversuche 22% (18-25%)
  60. Cucchi A, Ryan D, Konstantakopoulos G, et al. 2016, Psychological Medicine · Meta-Analyse, 28 Studien, N=6.466 A
    Rund jede vierte Person mit Essstörung verletzt sich nichtsuizidal; NSSV ist bei BN signifikant häufiger als bei AN, und eine Suizidversuchs-Vorgeschichte erhöht die NSSV-Wahrscheinlichkeit zusätzlich NSSV-Lebenszeitprävalenz gesamt 27,3% (23,8-31,0); BN 32,7% (26,9-39,1) > AN 21,8% (18,5-25,6); BN vs AN OR 1,77 (1,14-2,77)
  61. Kirkpatrick R, et al. 2024, International Journal of Eating Disorders · Systematisches Review + Prävalenz-Meta-Analyse A
    Neuere Meta-Analyse bestätigt hohe NSSV-Prävalenz über Essstörungsdiagnosen hinweg und die enge Kopplung von NSSV mit späterem Suizidverhalten. Gepoolte NSSV-Prävalenz ~ein Drittel der Betroffenen (exakter Punktschätzer aus Abstract nicht verifiziert)
  62. Pisetsky EM, Thornton LM, Lichtenstein P, et al. 2013, Journal of Abnormal Psychology · Bevölkerungsbasierte Frauenkohorte (Zwillingsregister) A
    In einer bevölkerungsbezogenen Frauenstichprobe versuchten bis zu 30% (AN) bzw. 40% (BN) mindestens einmal Suizid, mit tendenziell schwereren Versuchen bei Purging-Formen; Subtyp-Unterschiede blieben Lebenszeit-Versuche AN bis ~30%, BN bis ~40%; Binge-/Purging-Formen mit schwereren Erstversuchen
  63. Yao S, Kuja-Halkola R, Thornton LM, et al. 2016, JAMA Psychiatry · Populationsregister-Familienstudie A
    Essstörungen und Suizidversuche teilen eine familiäre (teils genetische) Haftung - Angehörige von Essstörungs-Patienten haben ein erhöhtes Suizidversuchsrisiko, was auf gemeinsame Ätiologie statt rein erhöhtes Suizidversuchsrisiko bei Angehörigen; gemeinsame familiäre Haftung zwischen Essstörung und Suizidversuch
  64. Søeby M, et al. 2024, International Journal of Eating Disorders · Langzeit-Registerkohorte A
    Über 40 Jahre bleibt die AN-Mortalität stark erhöht; psychiatrische Komorbidität und männliches Geschlecht steigern das Sterberisiko, wobei Suizid eine zentrale unnatürliche Todesursache ist. erhöhte Gesamt- und ursachenspezifische Mortalität; Suizid als führende unnatürliche Todesursache; Komorbidität und männliches Geschlecht verschlechtern Prognose (exakte SMR aus Volltext nicht extrahiert)
  65. Semchishen S, et al. 2026, World Psychiatry · Systematisches Review + Meta-Analyse relativer Risiken A
    Neueste große Meta-Analyse bestätigt erhöhtes Suizid- und Gesamtmortalitätsrisiko bei Essstörungen und benennt aggravierende bzw. mildernde Verlaufsfaktoren. erhöhtes relatives Risiko für Suizid- und Gesamtmortalität; modifizierende (verschärfende/abmildernde) Faktoren identifiziert (exakte RR aus Volltext nicht extrahiert)
  66. Chesney, Goodwin & Fazel 2014, World Psychiatry · Meta-Review A
    Bipolare Stoerung ist mit rund 17-fach erhoehter Suizidsterblichkeit verbunden - eine der hoechsten aller psychiatrischen Diagnosen. SMR Suizid 17,1 (95% KI 9,8-29,5)
  67. Nordentoft, Mortensen & Pedersen 2011, Arch Gen Psychiatry · Nationale Kohorte, 176.347 Personen mit psychischer Ersthospitalisierung 1955-2006 A
    Nach erstem stationaeren Kontakt wegen bipolarer Stoerung stirbt etwa jeder 13. Mann und jede 21. Frau langfristig durch Suizid. Absolutes Suizidrisiko Maenner 7,77% vs. Frauen 4,78%
  68. Plans et al. 2019, Epidemiology and Psychiatric Sciences · Meta-Analyse, 79 Studien, 33.719 Patienten (1985-2018) A
    Rund ein Drittel aller Menschen mit bipolarer Stoerung hat mindestens einen Suizidversuch in der Vorgeschichte. Lebenszeitpraevalenz Suizidversuch 33,9% (95% KI 31,3-36,6)
  69. Dong et al. 2019, Psychological Medicine · Meta-Analyse von Beobachtungssurveys A
    Etwa jeder dritte Betroffene mit Major Depression berichtet ueber einen Suizidversuch, mit starker Streuung je nach Setting. Gepoolte Lebenszeitpraevalenz Suizidversuch ~31% (klinische Stichproben deutlich hoeher als Gemeindestichproben)
  70. Goodwin et al. 2003, JAMA · Retrospektive Kohorte, 20.638 Bipolar-Patienten A
    Bei bipolarer Stoerung war die Suizidrate unter Divalproex rund 2,7-mal hoeher als unter Lithium - Substanzwahl ist praeventiv relevant. Suizidsterblichkeit unter Divalproex ca. 2,7-fach hoeher als unter Lithium
  71. Bostwick, Pabbati, Geske & McKean 2016, Am J Psychiatry · Populationsbasierte Kohorte, 1.490 Personen mit Index-Suizidversuch A
    Ein frueherer Suizidversuch ist der staerkste Einzelpraediktor fuer spaeteren Suizidtod - der Erstversuch ist oft schon toedlich, nicht nur ein 'Hilferuf'. Ein Grossteil der spaeteren Suizidtoten stirbt bereits beim ersten dokumentierten Versuch (Erstversuch deutlich lethaler als angenommen)
  72. Novick, Swartz & Frank 2010, Bipolar Disorders · Review + Meta-Analyse mehrerer Kohorten A
    Entgegen der Annahme, Bipolar II sei die 'leichtere' Form, unterscheiden sich die Suizidversuchsraten von BD-I und BD-II nicht bedeutsam. Kein signifikanter Unterschied in der Suizidversuchsrate (BD-II nicht 'milder')
  73. Isometsae 2014 (Review), Canadian Journal of Psychiatry; vgl. Arsenault-Lapierre 2004 Meta-Analyse · Narrativer Review mehrerer Fall-Kontroll-Autopsiestudien A
    Affektive Stoerungen sind die haeufigste psychiatrische Diagnose bei Suizidtoten - die zentrale Zielgruppe der Praevention. Stimmungsstoerungen in einem Grossteil der Suizide (in westlichen Autopsiestudien ~30-60%, teils hoeher)
  74. Systematische Review/Meta-Analyse registerbasierter Studien 2024, Neuroscience & Biobehavioral Reviews · Meta-Analyse registerbasierter Kohorten A
    Aktuelle registerbasierte Synthese bestaetigt fuer beide affektiven Hauptdiagnosen ein vielfach erhoehtes Suizidverhalten gegenueber der Allgemeinbevoelkerung. Beide mit stark erhoehtem Risiko fuer suizidales Verhalten; bipolar tendenziell hoeheres relatives Risiko
  75. Erlangsen A et al. 2020, JAMA · Nationale Registerkohorte, N=7.300.395; 35.483 Suizide, 1980-2016 A
    In der dänischen Gesamtbevölkerung war das Suizidrisiko bei Menschen mit einer neurologischen Diagnose um 80% erhöht; 14,7% aller Suizide entfielen auf Betroffene. adj. IRR 1,8 (95% KI 1,7-1,8)
  76. Erlangsen A et al. 2020, JAMA · Nationale Registerkohorte, N=7,3 Mio. A
    Epilepsie war in der dänischen Registerkohorte mit einem um 70% erhöhten Suizidrisiko assoziiert. adj. IRR 1,7 (95% KI 1,6-1,8)
  77. Systematische Übersicht & Meta-Analyse 2025, Journal of Neurology (13 Studien) · Meta-Analyse, 13 Studien A
    Metaanalytisch war das Suizidrisiko bei Epilepsie rund 2,3-2,5-fach, das Risiko für Suizidversuche bis ~5-fach erhöht. Suizidtod adj. HR 2,50 (1,99-3,16); Ideation RR 2,06 (1,47-2,89); Versuch IRR 4,94 (4,44-5,50)
  78. Erlangsen A et al. 2020, JAMA · Nationale Registerkohorte, N=7,3 Mio. A
    MS gehörte zu den stärker suizidassoziierten neurologischen Diagnosen mit mehr als verdoppeltem Risiko. adj. IRR 2,2 (95% KI 1,9-2,6)
  79. Fredrikson S et al. 2003, Neuroepidemiology (Sadovnick-Linie) · Nationale MS-Kohorte (Landmark) A
    Die schwedische Landmark-Kohorte zeigte etwa verdoppelte Suizidmortalität, am höchsten in den ersten Jahren nach Diagnose und bei jungen Erkrankten. SMR ~1,9-2,3 (v.a. in ersten 5 Jahren nach Diagnose und bei Diagnose <30 J.)
  80. Erlangsen A et al. 2020, JAMA · Nationale Registerkohorte, N=7,3 Mio. A
    Parkinson war mit einem um 70% erhöhten Suizidrisiko assoziiert - entgegen der verbreiteten Annahme, Parkinson-Betroffene seien wegen Bewegungseinschränkung geschützt. adj. IRR 1,7 (95% KI 1,5-1,9)
  81. Erlangsen A et al. 2020, JAMA · Nationale Registerkohorte, N=7,3 Mio. A
    Chorea Huntington zeigte mit ~5-fach erhöhtem Risiko die höchste Suizidassoziation unter den neurologischen Erkrankungen (gleichauf mit ALS). adj. IRR 4,9 (95% KI 3,1-7,7)
  82. McGarry A et al. 2021, BJPsych Open (Enroll-HD) · Prospektive globale Kohorte, mehrere Tausend HD-Teilnehmer A
    In der weltweit größten HD-Kohorte traten Suizide/Versuche gehäuft an definierten Übergangsphasen (Diagnose, Verlust der Selbstständigkeit) auf. erhöhte Inzidenz vollendeter Suizide und Versuche; kritische Phasen um Diagnosestellung und bei zunehmender funktioneller Einschränkung
  83. Erlangsen A et al. 2020, JAMA · Nationale Registerkohorte, N=7,3 Mio. A
    ALS war - gleichauf mit Huntington - mit dem höchsten Suizidrisiko (~5-fach) aller neurologischen Erkrankungen verbunden. adj. IRR 4,9 (95% KI 3,5-6,9)
  84. Fang F et al. 2008, Brain · Nationale Registerkohorte A
    Die schwedische Kohorte zeigte stark erhöhte Suizidraten bei ALS, konzentriert auf die ersten 12 Monate nach Diagnosestellung. deutlich erhöhte Suizidmortalität, Spitze im ersten Jahr nach Diagnose
  85. Erlangsen A et al. 2020, JAMA · Nationale Registerkohorte, N=7,3 Mio. A
    Schlaganfall war mit einem moderat (~30%) erhöhten Suizidrisiko assoziiert - schwächer als degenerative Erkrankungen, wegen Häufigkeit aber bevölkerungsbezogen relevant. adj. IRR 1,3 (95% KI 1,2-1,3)
  86. Eriksson M et al. 2015, Neurology (Riks-Stroke) · Nationale Schlaganfall-Registerkohorte (Riks-Stroke) A
    Post-Stroke-Suizidalität war bei jungen, schwer betroffenen und sozioökonomisch benachteiligten Überlebenden am höchsten, mit Häufung in den ersten Jahren. erhöhtes Risiko, am stärksten bei jüngeren Patienten und in ersten 2 Jahren nach Ereignis
  87. Friedman LE et al. 2017, Headache · Systematische Übersicht & Meta-Analyse A
    Bereits eine frühere Meta-Analyse fand rund verdoppelte bis 2,5-fache Odds für Suizidgedanken bei Migränebetroffenen. gepoolte OR für Suizidideation ~2,5
  88. Erlangsen A et al. 2020, JAMA · Nationale Registerkohorte, N=7,3 Mio. A
    Über alle Altersgruppen gemittelt war Demenz NICHT mit erhöhtem, sondern leicht erniedrigtem Suizidrisiko assoziiert - ein Durchschnitt, der die kritische Frühphase verdeckt. adj. IRR 0,8 (95% KI 0,7-0,9)
  89. Alothman D et al. 2022, JAMA Neurology · Fall-Kontroll-Studie, N=594.674 (14.515 Suizide; 4.940 mit Demenz) A
    Bei unter 65-Jährigen war das Suizidrisiko in den ersten 3 Monaten nach Demenzdiagnose fast 7-fach erhöht - das Durchschnitts-Nullbild (IRR 0,8) verschleiert diese Hochrisiko-Subgruppe. HR 6,69 (Diagnose <65 J. in ersten 3 Monaten); psychiatrische Komorbidität HR 1,52
  90. Pitman AL et al. 2016, BMJ Open · Querschnitts-Kohorte, N=3432 trauernde Erwachsene 18-40 J. A
    Durch Suizid Hinterbliebene hatten 65% hoehere Chance eines eigenen Suizidversuchs als durch natuerlichen Tod Hinterbliebene. OR 1,65 (95% KI 1,12-2,42) fuer Suizidversuch
  91. Kposowa AJ 2000, J Epidemiol Community Health · National Longitudinal Mortality Study, N~470.000 (Landmark, aelter) A
    Geschiedene Maenner hatten mehr als doppeltes Suizidrisiko gegenueber Verheirateten, waehrend bei Frauen kein Zusammenhang bestand (Geschlechtsdisparitaet). RR ~2,4 fuer Suizid; kein signifikanter Effekt bei Frauen
  92. Chung DT et al. 2017, JAMA Psychiatry · Meta-Analyse, 100 Studien / 183 Kohorten A
    Das Suizidrisiko nach psychiatrischer Entlassung ist um ein Vielfaches (Groessenordnung ~30-100-fach) erhoeht und in den ersten 3 Monaten am hoechsten. gepoolte Rate 484/100.000 PJ; erste 3 Monate ~1132/100.000; am hoechsten bei Aufnahme wegen Suizidalitaet
  93. Fang F et al. 2012, New England Journal of Medicine · Nationale Registerkohorte (~6 Mio) A
    In der ersten Woche nach Krebsdiagnose war das Suizidrisiko rund 12-fach, im ersten Jahr etwa 3-fach erhoeht (auch kardiovaskulaerer Tod erhoeht). RR Suizid 12,6 (95% KI 8,6-17,8) in erster Woche; RR ~3,1 im ersten Jahr
  94. Dube SR et al. 2001, JAMA · ACE Study, retrospektive Kohorte N=17.337 (Landmark, aelter) A
    Mit steigender Zahl belastender Kindheitserfahrungen stieg das Risiko eines lebenslangen Suizidversuchs stark an (bis ~30-fach), ein grosser Anteil der Versuche war ACEs attributabel. ACE-Score >=7 -> OR ~30 fuer jemaligen Suizidversuch; klare Dosis-Wirkungs-Beziehung
  95. Wang, An, Shi, Zhang 2017, European Journal of Endocrinology · Systematischer Review + Meta-Analyse, 54 Studien A
    Diabetiker haben ein rund 56% erhoehtes Suizidsterberisiko gegenueber der Allgemeinbevoelkerung. RR 1,56 (95% KI 1,29-1,89); Inzidenz 2,35/10.000 Personenjahre
  96. Wang, An, Shi, Zhang 2017, European Journal of Endocrinology · Meta-Analyse (Subgruppe T1D) A
    Typ-1-Diabetes verdoppelt bis mehr als verdoppelt das Suizidrisiko; Suizid macht rund 7,7% aller Todesfaelle aus (T2D nur 1,3%). RR 2,25 (95% KI 1,50-3,38); Suizid = 7,7% aller Todesfaelle
  97. Higher suicide risk in type 1 diabetes vs cancer (koreanisches Register) 2025 · Nationale Registerkohorte A
    In einer koreanischen Registerkohorte lag die Suizidrate bei Typ-1-Diabetes hoeher als bei Krebspatienten und der Allgemeinbevoelkerung. deutlich erhoehte Suizidmortalitaet vs. Allgemeinbevoelkerung (exakte HR im Volltext)
  98. Assessing suicide risk in heart failure 2025, Frontiers in Psychiatry (Meta-Analyse, 8 Studien) · Meta-Analyse, 8 Studien A
    Herzinsuffizienz erhoeht die Suizidwahrscheinlichkeit um rund 62% gegenueber Personen ohne schwere kardiovaskulaere Erkrankung. OR 1,62 (95% KI 1,49-1,74)
  99. Crump et al. 2022, JACC: Heart Failure (nationale Kohorte) · Nationale Kohortenstudie A
    Das Suizidrisiko ist unmittelbar nach der Herzinsuffizienz-Diagnose am hoechsten (bis 4,5-fach), was fuer eine akute Diagnose-Schock-Phase spricht. IRR erste 3 Monate Maenner 4,47 / Frauen 2,82
  100. Liu et al. 2018 (taiwanesische Kohorte, in Meta-Analyse zitiert) · Populationsbasierte Kohorte A
    In der taiwanesischen Kohorte war das Suizidrisiko in den ersten 6 Monaten nach Diagnose etwa siebenfach erhoeht. OR gesamt 1,68; erste 6 Monate adjustierte OR 7,04
  101. Larsen et al. 2010, Circulation (populationsbasierte Fall-Kontroll-Studie) · Populationsbasierte Fall-Kontroll-Studie A
    Nach einem Herzinfarkt ist das Suizidrisiko erhoeht und im ersten Monat am staerksten ausgepraegt. erhoehte Suizidrate, Maximum im ersten Monat nach Infarkt (exakte IRR unbestaetigt)
  102. Petersen et al. 2020, Journal of Internal Medicine (nationale Kohorte) · Nationale Kohortenstudie A
    Herzerkrankungen sind landesweit mit erhoehtem Suizidrisiko assoziiert, insbesondere kurz nach Diagnose und bei psychiatrischer Komorbiditaet. erhoehte Suizidinzidenzrate vs. Allgemeinbevoelkerung (exakte IRR im Volltext)
  103. Sampaio et al. 2019, Respiratory Medicine (Meta-Analyse) · Systematischer Review + Meta-Analyse, 5 Studien A
    COPD ist mit einem rund 1,9-fach erhoehten Suizidrisiko assoziiert. OR 1,90 (95% KI 1,27-2,48)
  104. Kurella et al. 2005, Journal of the American Society of Nephrology · Nationale Registerkohorte (>465.000) A
    Dialysepatienten im US-ESRD-Programm hatten ein deutlich erhoehtes Suizidrisiko gegenueber der Allgemeinbevoelkerung, hoechste Rate in den ersten Monaten. Suizidrisiko ca. 1,84-fach (rund +84%) vs. Allgemeinbevoelkerung (exakte Zahl unbestaetigt)
  105. Populationsbasierte ESRD-Dialyse-Kohorte 2017, Journal of Affective Disorders · Retrospektive Kohorte, 64.000 Patienten A
    In einer 64.000-Patienten-Kohorte war das Suizidrisiko unter Dialyse erhoeht, besonders im ersten Behandlungsjahr. erhoehte Suizidmortalitaet, v.a. fruehe Behandlungsphase (exakte HR im Volltext)
  106. Jang et al. 2021, Clinical and Molecular Hepatology (nationale Kohorte) · Nationale Kohorte, 5.809 vs. 11.618 Kontrollen A
    Eine neu aufgetretene Leberzirrhose mehr als verdoppelt das Suizidrisiko, am staerksten in den ersten 2 Jahren und bei Juengeren. adjustierte HR 2,37 (95% KI 1,44-3,88); erste 2 Jahre HR 2,59; Alter 18-49 HR 3,72
  107. Bhatti et al. 2016, JAMA Surgery (populationsbasierte Kohorte) · Populationsbasierte Selbst-Kontroll-Kohorte, 8.815 A
    Nach bariatrischer Chirurgie stiegen Selbstschaedigungs-Notfaelle um rund 50% gegenueber der praeoperativen Phase, ueberwiegend bei vorbestehender psychischer Erkrankung. Selbstschaedigungs-Notfaelle +50% postoperativ vs. praeoperativ
  108. Metabolic bariatric surgery suicide meta-analysis 2024, Surgery for Obesity and Related Diseases · Meta-Analyse gematchter/populationsbasierter Studien A
    Die aktuellste Meta-Analyse gematchter und populationsbasierter Studien bestaetigt ein erhoehtes Suizidrisiko nach bariatrischer Chirurgie. erhoehtes Suizidrisiko in gematchten Kohorten (gepoolt, Volltext)
  109. O'Connor, Smyth, Ferguson, Ryan, Williams 2013, J. Consult. Clin. Psychol. · prospektive Kohorte, ca. N=70 Patienten nach Suizidversuch A
    In einer 4-Jahres-Verlaufsstudie an Selbstverletzungs-Patienten sagten Defeat und Entrapment das erneute suizidale Verhalten/Ideation vorher, ueber Depression und fruehere Versuche hinaus. prospektive Assoziation, exakte OR/KI nicht sicher erinnert
  110. May & Klonsky 2016, Clin. Psychol.: Sci. Pract. · Meta-Analyse A
    Meta-Analyse: Depression, Hoffnungslosigkeit und die meisten Diagnosen trennen Suizidversucher kaum von Menschen mit reinen Suizidgedanken; nur wenige Faktoren (Fruehversuche, Faehigkeit/Furchtlosigke die meisten klassischen Risikofaktoren unterscheiden Versucher NICHT von Ideatoren
  111. Brown, Beck, Steer, Grisham 2000, J. Consult. Clin. Psychol. · prospektive Kohorte, ca. N=6.900 A
    20-Jahres-Verlaufsstudie an psychiatrischen Ambulanzpatienten: Hoffnungslosigkeit war einer der staerksten prospektiven Praediktoren des spaeteren Suizidtods. hoehere Hoffnungslosigkeit -> deutlich erhoehtes spaeteres Suizidrisiko (exakte HR nicht sicher erinnert)
  112. Kleiman, Turner, Fedor, Beale, Huffman, Nock 2017, J. Abnorm. Psychol. · 2 EMA-Studien, Hochrisikopatienten A
    Ecological-Momentary-Assessment-Studien: Suizidgedanken schwanken dramatisch innerhalb von Stunden; statische Trait-Messungen unterschaetzen daher systematisch die individuelle Vorhersage. grosse Within-Person-Varianz innerhalb von Stunden
  113. Fox, Franklin, Ribeiro, Kleiman, Bentley, Nock 2015, Clin. Psychol. Rev. · Meta-Analyse, >100 Studien A
    Meta-Analyse: klassische psychologische Risikofaktoren fuer NSSI sind einzeln nur schwach; die staerkste Vorhersage liefert vorherige Selbstverletzung selbst - analog zur schwachen Trait-Praediktion b gepoolte Effekte meist schwach; fruehere NSSI staerkster Praediktor
  114. Fox et al. 2021, Journal of Affective Disorders · Nationale Kohorte, 3.177.706 Personen A
    In einer 3,1-Mio.-Kohorte war PTBS auch nach voller Adjustierung mit erhöhtem Suizidsterberisiko assoziiert, bei Frauen deutlich stärker (HR 2,6) als bei Männern (HR 1,7). Suizidtod voll adjustiert: Frauen HR 2.61 (2.16-3.14); Männer HR 1.67 (1.31-2.12)
  115. Angelakis et al. 2019, Psychological Medicine · Meta-Analyse, 68 Studien A
    Auch die 'unsichtbaren' Traumaformen ohne körperliche Spuren - emotionaler Missbrauch und Vernachlässigung - verdoppeln bis verzweieinhalbfachen das Suizidversuchsrisiko. Emot. Missbrauch Versuch OR 2.49 (1.64-3.77); emot. Vernachlässigung Versuch OR 2.29 (1.79-2.94)
  116. Angelakis et al. 2019, Psychological Medicine · Meta-Analyse, 68 Studien A
    Kumuliertes Mehrfachtrauma hat den mit Abstand höchsten Effekt (OR ~5) - klarer Dosis-Wirkungs-Hinweis: je mehr Traumaformen, desto höher das Risiko. Suizidversuch OR 5.18 (2.52-10.63)
  117. Duarte D et al. 2020, JAMA Psychiatry · Meta-Analyse, 9 Studien / ca. Millionen Personenjahre A
    Aerztinnen haben ein etwa 46% erhoehtes Suizidrisiko gegenueber der weiblichen Bevoelkerung, waehrend maennliche Aerzte KEIN erhoehtes Risiko zeigen (Geschlechter-Paradox). SMR 1,46 (95% KI 1,02-1,91); Maenner SMR 0,67 (0,55-0,79)
  118. Dutheil F et al. 2019, PLoS ONE · Meta-Analyse, 61 Studien A
    Meta-Analyse bestaetigt erhoehtes Suizidrisiko bei Aerzten, mit staerkster Erhoehung bei Aerztinnen und in Fachrichtungen mit Zugang zu letalen Mitteln (Anaesthesie, Psychiatrie). erhoehte gepoolte Suizidrate, insb. Frauen; Maenner uneinheitlich
  119. Tomasi SE et al. 2019, J Am Vet Med Assoc (JAVMA) · Register-/Sterbeurkundenanalyse, 398 Suizide A
    Tieraerztinnen sterben 3,5-fach, Tieraerzte 2,1-fach haeufiger durch Suizid als die Bevoelkerung; Zugang zu Euthanasie-Barbituraten zentral. PMR Frauen 3,5 (2,3-5,1); Maenner 2,1 (1,6-2,7)
  120. Peterson C et al. 2020, MMWR (CDC) · Oekologisch, berufsbezogene Raten, ~20.000 Suizide A
    Bau- und Rohstoffgewinnungsberufe weisen die hoechste Suizidrate aller maennlichen Berufsgruppen auf, deutlich ueber dem Bevoelkerungsschnitt. Suizidrate ~49 pro 100.000 (hoechste maennliche Berufsgruppe)
  121. Klingelschmidt J et al. 2018, Scand J Work Environ Health · Meta-Analyse, 65 Studien A
    Systematische Meta-Analyse zeigt erhoehte Suizidraten bei Landwirten, u.a. durch Pestizidzugang, Isolation, oekonomischen Druck und Wetter-/Marktrisiken. gepoolt erhoehtes Suizidrisiko, insb. Maenner (Effekt heterogen)
  122. Stanley IH et al. 2016, Clinical Psychology Review · Systematic Review, 63 Studien A
    Rund ein Viertel der Einsatzkraefte berichtet Suizidgedanken im Lauf des Lebens; SuizidTOD-Raten sind gegenueber der Bevoelkerung uneinheitlich (teils erhoeht, teils nicht) - Effekt umstritten. Lebenszeit-Suizidgedanken ca. 25%; Versuch ca. 3-5%
  123. Milner A et al. 2013, British Journal of Psychiatry · Meta-Analyse, 34 Studien A
    Meta-Analyse zeigt: je niedriger die berufliche Qualifikation/Kontrolle, desto hoeher das Suizidrisiko - ein sozialer Gradient unabhaengig vom Einzelberuf. erhoehte Suizidraten bei niedrigem Qualifikations-/Statusniveau (Maenner)
  124. Nordt C et al. 2015, Lancet Psychiatry · Laengsschnitt-oekologische Modellierung A
    Arbeitslosigkeit ist mit ~20-30% hoeherem Suizidrisiko assoziiert; der Risikoanstieg beginnt bereits ~4-6 Monate VOR dem Beschaeftigungsverlust und ist in Laendern mit niedriger Grundarbeitslosigkeit RR Suizid ~1,2-1,3; ~45.000 assoziierte Suizide/Jahr
  125. Milner A, Page A, LaMontagne AD 2013, PLoS ONE · Meta-Analyse, 16 Kohortenstudien A
    Arbeitslose haben ein ~1,6-fach erhoehtes Suizidrisiko, doch ein erheblicher Teil erklaert sich durch vorbestehende psychische Erkrankung (Selektion) - Kausalanteil kleiner als der Rohwert. RR ~1,58; nach Adjustierung fuer Vorerkrankung deutlich abgeschwaecht
  126. Chang SS et al. 2013, BMJ · Oekologische Zeitreihenanalyse A
    Die Finanzkrise 2008 war mit tausenden zusaetzlichen Suiziden verbunden, konzentriert bei Maennern im erwerbsfaehigen Alter in Laendern mit steigender Arbeitslosigkeit. ~4.900-5.000 ueberzaehlige Suizide 2009 (54 Laender)
  127. Menon NK et al. 2020, JAMA Network Open · Querschnitt, 1.354 Aerzte A
    Nach statistischer Kontrolle fuer Depression ist Burnout NICHT eigenstaendig mit Suizidgedanken verknuepft - der oft behauptete direkte Burnout-Suizid-Zusammenhang ist weitgehend durch Depression konf Burnout NICHT unabhaengig mit Suizidgedanken assoziiert nach Adjustierung fuer Depression
  128. Bernert et al. 2014, JAMA Psychiatry · prospektive Kohorte, ~14.456 Ältere, 10-J-Follow-up A
    Bei älteren Gemeindebewohnern sagte schlechte Schlafqualität über 10 Jahre den Suizidtod voraus, auch nach Adjustierung für depressive Symptome. adj. OR ~1,39; bei zusätzlicher Depression deutlich höher
  129. Bjørngaard et al. 2011, Sleep · Bevölkerungskohorte, ~75.000, 20-J-Follow-up A
    In der norwegischen HUNT-Kohorte verschwand der Zusammenhang Schlafprobleme–Suizid nach Kontrolle für Depression/Angst — starker Hinweis auf Confounding durch Depression. HR ~2,1 roh → nach Adjustierung nicht mehr signifikant
  130. Sjöström et al. 2007, Sleep · Fall-Serie/Querschnitt, N=165 Suizidversucher A
    Albträume waren bei Suizidversuchern mit rund fünffach erhöhtem Risiko für wiederholte Versuche assoziiert. OR ~5,0 für wiederholte Suizidversuche
  131. Nadorff et al. 2011, Sleep · Querschnitt, Studierendenstichprobe N~583 A
    Albträume blieben ein von Insomniesymptomen und Depression unabhängiger Prädiktor für Suizidgedanken — ein oft übersehenes Signal. signifikante eigenständige Assoziation (OR erhöht)
  132. Goldstein et al. 2008, J Consult Clin Psychol · psychologische Autopsie, N=140 Jugendliche A
    Schlafstörungen in der Woche vor dem Tod traten bei jugendlichen Suizidopfern häufiger auf als bei Kontrollen — Insomnie als akuter Nahwarnindikator. erhöhtes Risiko (Fall-Kontroll, psychologische Autopsie)
  133. Trockel et al. 2015, Sleep · Behandlungskohorte, N~405 Veteranen A
    Bei Veteranen ging eine erfolgreiche nicht-pharmakologische Insomnie-Behandlung (CBT-I) mit einer Abnahme der Suizidgedanken einher. Reduktion der Odds für Suizidgedanken mit Insomnie-Besserung
  134. Chesney E, Goodwin GM, Fazel S 2014, World Psychiatry · Meta-Review von Meta-Analysen (mentale Stoerungen gesamt) A
    Im gepoolten Meta-Review liegt die standardisierte Suizidmortalitaets-Ratio bei Schizophrenie bei rund 12,9-fach gegenueber der Allgemeinbevoelkerung. SMR Suizid ~12,9 (gepoolt; Meta-Review)
  135. Palmer BA, Pankratz VS, Bostwick JM 2005, Arch Gen Psychiatry · Meta-analytische Neuberechnung (Landmark) A
    Die korrigierte Neubewertung schaetzt das Lebenszeit-Suizidrisiko bei Schizophrenie auf etwa 4,9% - deutlich niedriger als die frueher zitierten 10%, mit hoechstem Risiko frueh im Krankheitsverlauf. Lebenszeitrisiko ~4,9% (Neubewertung; frueher ~10% ueberschaetzt)
  136. Nordentoft M, Mortensen PB, Pedersen CB 2011, Arch Gen Psychiatry · Nationale Registerkohorte, ~176.000 Personen mit Suizid-Follow-up A
    Im daenischen Vollregister betrug das absolute Suizidrisiko nach Erstkontakt wegen Schizophrenie ca. 6,5% (Maenner) bzw. 4,9% (Frauen) - einer der hoechsten Werte aller psychischen Diagnosen. Absolutes Suizidrisiko Maenner ~6,5%, Frauen ~4,9%
  137. Wimberley T, et al. 2017, Am J Psychiatry · Registerkohorte, ~2.370 therapieresistente Patienten A
    Im daenischen Register war Clozapin mit geringerer Gesamtsterblichkeit und Selbstverletzung assoziiert, jedoch stieg die Selbstverletzungsrate in der Phase nach Clozapin-Absetzen deutlich an. Niedrigere Gesamtmortalitaet und weniger Selbstverletzung unter Clozapin; Anstieg nach Absetzen
  138. Taipale H, Tanskanen A, Tiihonen J, et al. (FIN20) 2020, World Psychiatry · Nationale Registerkohorte, 62.250 Patienten, 20 J. Follow-up A
    In der 20-Jahres-FIN20-Kohorte hatte Clozapin die niedrigste Gesamtsterblichkeit aller Antipsychotika, waehrend Nicht-Einnahme mit der hoechsten Mortalitaet (auch suizidbedingt) verbunden war. Clozapin niedrigste all-cause Mortalitaet; Nicht-Einnahme hoechste
  139. Nordentoft M, et al. 2011, Arch Gen Psychiatry (Fruehphasen-Analyse) · Registerkohorte, Zeitverlaufsanalyse A
    Das Suizidrisiko ist bei psychotischen Stoerungen in der Fruehphase - insbesondere im ersten Jahr nach Diagnose/Erstkontakt - am hoechsten und faellt danach ab. Hoechste Suizidinzidenz im ersten Jahr / periodischer Erkrankungsbeginn
  140. Challis S, Nielssen O, Harris A, Large M 2013, Br J Psychiatry · Systematische Meta-Analyse der Risikofaktoren A
    In der systematischen Meta-Analyse zu Selbstschaedigung bei FEP war vorheriges selbstschaedigendes Verhalten der konsistenteste Praediktor fuer erneute Selbstschaedigung nach Behandlungsbeginn. Fruehere Selbstschaedigung staerkster Praediktor fuer erneute (gepoolt)
  141. Chung DT et al. 2017, JAMA Psychiatry · Systematische Review + Meta-Analyse, 100 Studien, 183 Patientenkohorten, >17.000 Suizide A
    Das Suizidrisiko ist unmittelbar nach psychiatrischer Entlassung extrem erhoeht und am hoechsten in den ersten 3 Monaten, besonders bei Aufnahme wegen Suizidalitaet. 1132 Suizide/100.000 Personenjahre in den ersten 3 Monaten (95%-KI 666-1928); Gesamt post-Entlassung ~484/100.000 PJ (95%-KI 422-556); ~100-fach hoeher als Allgemeinbevoelkerung
  142. While D et al. 2012, The Lancet (NCISH, England & Wales) · Ecological before-and-after, nationale Register-/Auditdaten psychiatrischer Patientensuizide A
    Regionen/Trusts, die organisatorische Praeventions-Empfehlungen umsetzten (u.a. rasche Nachsorge, Krisenteams, Dual-Diagnosis-Versorgung), verzeichneten messbar niedrigere Suizidraten bei psychiatrisc Dienste, die mehr Empfehlungen umsetzten, hatten niedrigere Suizidraten; Implementierung mehrerer Kernmassnahmen mit signifikant reduzierten Raten assoziiert
  143. Stanley B et al. 2018, JAMA Psychiatry · Kohorten-Vergleich (cohort comparison), ~1640 Patienten A
    Eine kurze Safety-Planning-Intervention mit strukturierten Nachsorgeanrufen in der Notaufnahme halbierte annaehernd suizidales Verhalten im Folgezeitraum. ~45-50% weniger suizidales Verhalten ueber 6 Monate vs. Standardversorgung (OR ~0,44-0,56)
  144. Zalsman G et al. 2016, Lancet Psychiatry (10-Jahres-Review) · Systematische Review evidenzbasierter Praeventionsstrategien A
    Ueber 10 Jahre systematischer Evidenz zeigen Mittel-Restriktion und Versorgungsketten die staerkste Suizid-senkende Wirkung, waehrend reine Aufklaerungskampagnen kaum belegte Effekte haben. Mittel-Restriktion und Zugangsbeschraenkung mit staerkster Evidenz fuer Suizidreduktion; Aerztefortbildung/Depressionsbehandlung positiv; Screening/Awareness-Kampagnen ohne robusten Effekt
  145. Chin K et al. 2022, Current Psychiatry Reports (Review nationaler Register) · Narrativer Review nationaler Sterberegister/Confidential Enquiries A
    Suizid ist in mehreren nationalen Erhebungen die fuehrende direkte Todesursache von Muettern im ersten Jahr nach der Geburt, nicht in der akuten Postpartalphase, sondern verzoegert (3-12 Monate). Suizid = fuehrende direkte Ursache maternaler Todesfaelle im 1. Jahr postpartum (Anteilsschaetzung, kein OR/HR)
  146. Schwedische nationale Kohorte 2026, Scientific Reports (in Traditionslinie Appleby 1991, BMJ) · Nationale Registerkohorte A
    Die Suizid- und Suizidversuchsrate ist waehrend der Schwangerschaft markant niedriger als bei nicht-schwangeren Frauen gleichen Alters, mit steilem Anstieg nach Entbindung (Diskontinuitaets-Muster). protektiv (deutlich reduzierte Suizidrate waehrend der Schwangerschaft; Effektstaerke landmark-abhaengig)
  147. Gelabert E et al. 2024, Maternal and Child Health Journal (Meta-Analyse, 10 Studien) · Systematischer Review + Meta-Analyse, 10 Studien A
    Frueheres Suizidverhalten und affektive Stoerungen sind die staerksten Praediktoren peripartaler Suizidversuche, mit sehr breiten Konfidenzintervallen (hohe Heterogenitaet, kleine Ereigniszahlen). Vorheriges Suizidverhalten OR 38,04 (95%-KI 3,36-431,17); postpartale affektive Stoerung OR 11,43 (95%-KI 1,56-83,87)
  148. Johannsen BMW et al. 2016, American Journal of Psychiatry (nationale Registerkohorte) · Nationale Registerkohorte, alle Erstgebaerenden mit postpartaler Diagnose A
    Frauen mit schwerer postpartaler psychiatrischer Erstepisode haben eine deutlich erhoehte Suizid- und Gesamtsterblichkeit, konzentriert auf die ersten Monate nach Diagnose. stark erhoehte Suizid-/Gesamtmortalitaet, hoechstes Risiko in den ersten Monaten (praezises HR im Abstract nicht extrahiert)
  149. Annals of Internal Medicine 2024 (Taiwan-Registerkohorte; Erstautor unbestaetigt) · Landesweite Registerkohorte (National Health Insurance) A
    Nach PCOS-Diagnose ist das Risiko eines Suizidversuchs um ein Mehrfaches erhoeht, mit besonders auffaelliger Erhoehung bereits im Jugend-/frueherwachsenen Alter. adjustierte HR Erwachsene ~8,75; Jugendliche ~5,38 (95%-KI nicht bestaetigt)
  150. Prasad D et al. 2021, Journal of Women's Health (Meta-Analyse) · Systematischer Review + Meta-Analyse, 10-13 Studien A
    PMDD ist mit etwa 4-fach erhoehten Suizidgedanken und rund 7-fach erhoehten Suizidversuchen assoziiert. Suizidgedanken OR 3,95 (95%-KI 2,97-5,24); Suizidversuch OR 6,97 (95%-KI 2,98-16,29)
  151. Prasad D et al. 2021, Journal of Women's Health (Meta-Analyse) · Systematischer Review + Meta-Analyse A
    Fuer leichteres PMS ist der Zusammenhang mit Suizidversuch statistisch nicht signifikant - der Schweregrad (PMDD-Schwelle), nicht 'praemenstruelle Beschwerden' an sich, treibt das Risiko. Suizidgedanken OR 10,06 (95%-KI 1,32-76,67; extrem breit); Suizidversuch OR 1,85 (95%-KI 0,77-4,46; n.s.)
  152. Wang T-M et al. 2023, International Journal of Women's Health (Taiwan-Kohorte) · Landesweite Registerkohorte, N=100.770 (20.154 Faelle) A
    Endometriose ist mit rund 2-fach erhoehten psychischen Stoerungen und moderat erhoehtem Suizidrisiko assoziiert. adjustierte HR Suizid ~1,45; Depression ~2,77; psychische Stoerungen gesamt 2,13 (95%-KI 1,53-2,79)
  153. Population-based cohort 2024/2025 (J Minim Invasive Gynecol; Erstautor unbestaetigt) · Populationsbasierte Kohorte A
    Nach Endometriose-Diagnose ist das Risiko fuer Selbstverletzung und Intoxikation/Ueberdosis erhoeht, moeglicherweise teils schmerzvermittelt. erhoehtes Selbstverletzungs-/Ueberdosis-Risiko (praezises Effektmass unbestaetigt)
  154. Moon DU et al. 2024, Frontiers in Psychiatry (nationale Kohorte) · Landesweite Registerkohorte, N=1.315.795 A
    Je frueher die Menopause, desto hoeher die Suizidmortalitaet - vorzeitige Ovarialinsuffizienz (POI) zeigt das hoechste Risiko (+43%). POI (<40) HR 1,43 (95%-KI 1,14-1,78); 40-44 HR 1,31 (1,15-1,50); 45-49 HR 1,13 (1,04-1,23) - Dosis-Wirkung
  155. Skovlund CW et al. 2018, American Journal of Psychiatry (nationale Kohorte) · Nationale Registerkohorte, N=475.802 A
    Hormonelle Kontrazeption ist mit etwa verdoppeltem Suizidversuchs- und rund verdreifachtem Suizidrisiko assoziiert, mit hoechstem relativem Risiko bei Jugendlichen und kurz nach Beginn. Suizidversuch RR 1,97 (95%-KI 1,85-2,10); Suizid RR 3,08 (95%-KI 1,34-7,08); Gestagen-Mono RR 2,29
  156. Ferloev-Schwensen C / Brix TH et al. 2019, Endocrine (nationales Register) · Landesweite Registerkohorte A
    Hashimoto-Thyreoiditis ist mit einem moderat erhoehten Risiko fuer Tod durch unnatuerliche Ursachen, vor allem Suizid, verbunden. Tod durch unnatuerliche Ursachen (v.a. Suizid) HR 1,31 (95%-KI 1,04-1,65)
  157. Ferloev-Schwensen C et al. 2017, Thyroid (nationales Register) · Landesweite Registerkohorte A
    Anders als bei Hashimoto zeigt Morbus Basedow in dieser nationalen Registerstudie KEINE erhoehte vollendete Suizidrate - richtungsspezifischer Schilddruesen-Effekt. kein erhoehtes Suizidrisiko (Nullbefund)
  158. Studdert DM et al. 2020, New England Journal of Medicine · Kohorte, n=26,3 Mio. Erwachsene A
    Handwaffenbesitzer hatten ein vielfach hoeheres Risiko fuer Suizid durch Schusswaffe; Verfuegbarkeit toedlicher Mittel ist ein starker Praediktor. Firearm-Suizid: Maenner HR ~8; Frauen HR ~35 vs. Nichtbesitzer
  159. Hawton K et al. 2013, BMJ · Interrupted Time Series (Bevoelkerungsdaten) A
    Die Begrenzung frei verkaeuflicher Paracetamol-Packungen war mit einem dauerhaften Rueckgang toedlicher Ueberdosierungen assoziiert. Ca. 43% weniger Paracetamol-Vergiftungstode ueber 11 Jahre (~765 verhinderte Tode)
  160. Stanley B et al. 2018, JAMA Psychiatry · Kohorten-Vergleichsstudie, n=1.640 A
    Ein kurzer Sicherheitsplan mit aktiver Nachsorge halbierte nahezu suizidales Verhalten nach Notaufnahmebesuch (nicht-randomisierter Kohortenvergleich). ~45% weniger suizidales Verhalten ueber 6 Monate (3,03% vs. 5,29%)
  161. Lu CY et al. 2014, BMJ · Interrupted Time Series (11 US-Regionen) A
    Nach den Warnhinweisen sanken SSRI-Verordnungen und gleichzeitig stiegen Medikamentenvergiftungen bei Jugendlichen - moegliches iatrogenes Muster. Antidepressiva-Verordnungen -~20-30%; psychotrope Vergiftungen (Versuchs-Proxy) +~22% bei Jugendlichen
  162. Zalsman G et al. 2016, Lancet Psychiatry · Systematische Review, 1.797 Studien gescreent A
    Der grosse Uebersichtsartikel bewertet Zugangsbeschraenkung zu Mitteln und Fortbildung von Aerzten als am besten belegt, viele populaere Ansaetze bleiben unbewiesen. Staerkste Evidenz: Means Restriction und Aerzte-/Hausarztfortbildung; unklar: Screening allein, Gatekeeper
  163. Darvishi et al. 2015, PLoS ONE · Meta-Analyse, 31 Studien A
    AUD verdreifacht etwa das Risiko fuer Suizidversuch und erhoeht das Risiko fuer vollendeten Suizid rund 2,6-fach gegenueber Personen ohne AUD. Vollendeter Suizid OR 2.59 (95%-KI 1.95-3.23); Versuch OR 3.13 (2.45-3.81); Ideation OR 1.86 (1.38-2.35); zusaetzlich RR 1.74 (1.26-2.21)
  164. Borges et al. 2017, Psychological Medicine · Meta-Analyse, 7 Studien (Fall-Kontroll + Case-Crossover) A
    Akuter Alkoholkonsum steigert das unmittelbare Suizidversuchsrisiko rund 7-fach, bei hoher Dosis um das ~37-Fache - ein steiler Dosis-Wirkungs-Trigger. Suizidversuch: jeder akute Konsum OR 6.97 (4.77-10.17); niedrige Dosis OR 2.71 (1.56-4.71); hohe Dosis OR 37.18 (17.38-79.53)
  165. Poorolajal et al. 2016, Journal of Public Health (Oxford) · Meta-Analyse, 16-24 Studien je Outcome (Suizidtod: 7) A
    Substanzkonsumstoerungen verdoppeln etwa das Risiko fuer Suizidgedanken und -versuche, waehrend der Effekt auf vollendeten Suizid statistisch nicht signifikant blieb. Ideation OR 2.04 (1.59-2.50); Versuch OR 2.49 (2.00-2.98); Suizidtod OR 1.49 (0.97-2.00, n.s.)
  166. Watts et al. 2022, American Journal of Psychiatry · Retrospektive Kohorte, N=61.633 Veteranen A
    Stabile medikamentoese Opioidtherapie (v.a. Buprenorphin) senkt die Suizidmortalitaet um mehr als 65 % gegenueber Phasen ohne Behandlung. Suizidmortalitaet unter stabiler Buprenorphin-Behandlung HR 0.34 (0.23-0.52); alle MOUD stabil HR 0.45 (0.32-0.63); Methadon nach Adjustierung n.s.
  167. Li et al. 2012, Journal of Psychiatric Research · Meta-Analyse, 15 prospektive Kohorten, N=1.369.807 (2.395 Suizide) A
    Aktuelles Rauchen erhoeht das Suizidrisiko um ~80 % mit klarer Dosis-Wirkungs-Beziehung - ein oft uebersehener, potenziell teils konfundierter Marker. Aktuelle Raucher RR 1.81 (1.50-2.19); Ex-Raucher RR 1.28 (1.00-1.64); Dosis: +24 % je 10 Zig./Tag (RR 1.24, 1.20-1.28)
  168. Berlin et al. 2017, Psychological Medicine (Zwillingskohorte, 35-J.-Follow-up) · Prospektive Zwillingskohorte, Competing-Risks-Analyse A
    In einer 35-Jahres-Zwillingskohorte blieb der Rauchen-Suizid-Zusammenhang auch nach Kontrolle familiaerer Faktoren bestehen, spricht gegen reines Confounding. Erhoehtes Suizidmortalitaetsrisiko fuer Raucher auch nach Adjustierung; exakte HR unbestaetigt
  169. Aljadani et al. 2025, Frontiers in Public Health · Fall-Kontroll-Studie, N=800 A
    Methamphetaminkonsum ist dosisabhaengig mit Suizidalitaet assoziiert; taeglicher Konsum verdreifacht das Risiko gegenueber Nichtkonsum. Suizidalitaet: leichte Nutzer aOR 1.8 (1.3-2.5); taegliche/starke Nutzer aOR 3.2 (2.3-4.4)
  170. Mathers et al. 2013, Bulletin of the World Health Organization · Systematisches Review/Meta-Analyse mehrerer PWID-Kohorten A
    Menschen die Drogen injizieren haben eine massiv erhoehte Gesamtmortalitaet, wobei Suizid als eigenstaendige, ueber der Bevoelkerung liegende Todesursache hervortritt. Stark erhoehte Gesamt- und ursachenspezifische Mortalitaet; Suizid-SMR deutlich >1 (exakter Poolwert unbestaetigt)
  171. Han et al. 2025, Drug and Alcohol Dependence Reports (RAND/Johns Hopkins) · Systematisches Review/Meta-Analyse A
    Die aktuellste Synthese bestaetigt substanzuebergreifend erhoehte Suizidmortalitaet, betont aber heterogene Datenlage je Substanz. Positive Assoziation mehrerer Substanzklassen mit Suizidmortalitaet (substanzspezifische Poolwerte in diesem Register nicht einzeln verifiziert)
  172. Temes, Frankenburg, Fitzmaurice & Zanarini, J Clin Psychiatry (McLean Study of Adult Development) · prospektive Kohorte, N=290 BPD + 72 Vergleich, 24 J. Follow-up A
    Ueber 24 Jahre prospektiver Nachbeobachtung starben 5,9% der BPD-Patienten durch Suizid vs. 1,4% der PS-Vergleichsgruppe; die Mehrzahl der Suizide betraf Patienten ohne erreichte Remission. Suizidtod 5,9% (BPD) vs. 1,4% (Vergleich); Nicht-Suizid-Tod 14,0% vs. 5,5%
  173. Paris & Zweig-Frank, Comprehensive Psychiatry · Langzeit-Follow-up-Kohorte, N~64 nachverfolgt A
    27-Jahres-Follow-up: rund jeder zehnte BPD-Patient (ca. 10%) verstarb durch Suizid - Suizide traten gehaeuft spaeter im Verlauf (mittleres Alter ~30) auf, nicht nur in der akuten Krise der fruehen Jah Suizidtod ~10,3% ueber 27 Jahre
  174. Systematic Review of Psychological Autopsy Studies, Current Psychiatry Reports · systematisches Review, 56 psychologische Autopsiestudien A
    Systematisches Review von 56 psychologischen Autopsiestudien: Persoenlichkeitsstoerungen (v.a. Cluster B/Borderline) sind unter Suizidverstorbenen haeufig; Impulsivitaet und Alkoholmissbrauch wirken P PS als signifikanter Risikofaktor; Impulsivitaet und Alkoholmissbrauch als universelle Risikofaktoren ueber PS-Typen
  175. Suicide and prevalence of mental disorders - meta-analysis of world psychological autopsy data, Psychiatry Research · Meta-Analyse Fall-Kontroll-Autopsiestudien A
    Weltweite Meta-Analyse von Fall-Kontroll-Autopsiestudien bestaetigt: psychische Stoerungen - einschliesslich Persoenlichkeitsstoerungen - sind bei der grossen Mehrheit der Suizide vorhanden und deutli gepoolte Praevalenz psychischer Stoerungen bei Suizid hoch; PS als eine der Hauptdiagnosegruppen
  176. McGirr, Renaud, Turecki, Paris & Lesage, J Clin Psychiatry · Fall-Kontroll psychologische Autopsie, N=120 (70 Suizide, 50 Kontrollen) A
    Fall-Kontroll-Autopsiestudie: suizidverstorbene BPD-Patienten wiesen deutlich mehr Cluster-B-Komorbiditaet und hoehere Impulsivitaet/Feindseligkeit auf; die impulsiv-aggressive Praedisposition, nicht Interaktion Impulsivitaet x Aggression sagt Suizid voraus; Effekt verschwindet bei Kontrolle fuer Cluster-B-Komorbiditaet
  177. Verona, Patrick & Joiner, J Abnormal Psychology (psychopathy/antisocial & suicide) · Fall/Querschnitt, Straftaeter- und Studierendenstichproben A
    Antisoziale Verhaltensmerkmale sind konsistent mit erhoehtem Suizidversuchsrisiko verbunden - der externalisierende (impulsiv-antisoziale) Pfad zur Suizidalitaet ist von der klassischen internalisiere antisoziales Verhalten assoziiert mit erhoehtem Suizidversuchsrisiko, teils unabhaengig von Depression
  178. Turban JL et al., Pediatrics · Retrospektiver Querschnitt, N=20.619 Transgender-Erwachsene A
    Retrospektiv war Zugang zu Pubertaetssuppression mit geringeren Lebenszeit-Suizidgedanken assoziiert (aOR ~0,3); Kausalitaet umstritten (retrospektiv, Selektionsbias). aOR ~0,3 fuer Lebenszeit-Suizidgedanken (Zugang = protektiv)
  179. Reger MA et al., JAMA Psychiatry · Retrospektive Kohorte, ~3,9 Mio. Servicemembers A
    Nicht der Kampfeinsatz, sondern das Ausscheiden aus dem Dienst und kurze Dienstzeit sind mit erhoehtem Suizidrisiko assoziiert - Deployment per se nicht. Deployment: kein signifikant erhoehtes Risiko; Separation & kurze Dienstzeit: HR erhoeht
  180. Schoenbaum M et al., JAMA Psychiatry (Army STARRS) · Kohorten-/Registeranalyse aktiver Soldaten (2004-2009) A
    Die Suizidrate der US-Army stieg zwischen 2004 und 2009 stark an und ueberschritt zeitweise die altersadjustierte zivile Rate. Anstieg der Suizidrate 2004-2009, teils ueber zivile Vergleichsrate
  181. Steelesmith DL et al., JAMA Network Open · Oekologische Panelanalyse aller US-Counties 1999-2016 A
    Laendliche Counties, hohe Deprivation, geringere soziale Fragmentierung-Umkehr und hoher Waffenbesitz sind mit hoeheren Suizidraten verbunden. Hoehere county-level Suizidraten mit Ruralitaet, Deprivation und Waffenbesitz assoziiert
  182. Ruch DA et al., JAMA Network Open · Nationale Trendanalyse 1975-2016 (10-19 J.) A
    Zwischen 1975 und 2016 stiegen die Suizidraten junger Maedchen (10-14 J.) prozentual am staerksten, wodurch sich die traditionelle Geschlechterkluft verengt. Staerkster relativer Ratenanstieg; Verengung der Geschlechterkluft
  183. Case A & Deaton A, PNAS · Bevoelkerungsweite Mortalitaetsanalyse A
    Weisse Amerikaner mittleren Alters ohne Collegeabschluss zeigten 1999-2013 steigende Mortalitaet durch 'deaths of despair', inkl. Suizid - konzentriert nach Bildung/Sozialstatus. Steigende Midlife-Mortalitaet inkl. Suizid, gegen internationalen Trend
  184. Ilgen et al. 2013, JAMA Psychiatry · Retrospektive Kohorte, N=4.863.086 A
    In 4,86 Mio. US-Veteranen blieb chronischer Rueckenschmerz auch nach Adjustierung fuer psychiatrische Diagnosen ein eigenstaendiger, signifikanter Suizidmortalitaets-Praediktor. HR 1,13 (95% KI 1,03-1,24)
  185. Ilgen et al. 2013, JAMA Psychiatry · Retrospektive Kohorte, N=4.863.086 A
    Psychogener Schmerz zeigte in der Ilgen-Kohorte das hoechste adjustierte Suizidrisiko aller nicht-malignen Schmerzdiagnosen, hoeher als Rueckenschmerz oder Migraene. HR 1,58 (95% KI 1,11-2,26)
  186. Ilgen et al. 2013, JAMA Psychiatry · Retrospektive Kohorte, N=4.863.086 A
    Anders als Rueckenschmerz/Migraene waren Arthritis und Fibromyalgie in der grossen Veteranenkohorte nach Adjustierung KEIN unabhaengiger Suizidmortalitaets-Praediktor - wichtiger Nullbefund gegen Uebe HR 0,95 (95% KI 0,87-1,04); Fibromyalgie HR 1,16 (95% KI 0,92-1,44) n.s.
  187. Kuriya et al. 2020, PLOS ONE · Populationsbasierte Kohorte, N=53.240 (RA) A
    In Ontario-Registerdaten war RA nach Adjustierung NICHT mit erhoehter vorsaetzlicher Selbstverletzung assoziiert - im Gegensatz zur ankylosierenden Spondylitis. HR 1,07 (95% KI 0,86-1,33)
  188. Kuriya et al. 2020, PLOS ONE · Populationsbasierte Kohorte, N=13.964 (AS) A
    Ankylosierende Spondylitis erhoehte das Risiko vorsaetzlicher Selbstverletzung signifikant (+59%), waehrend RA im selben Datensatz kein Signal zeigte - entzuendlich-mechanischer Schmerz bei Juengeren HR 1,59 (95% KI 1,15-2,21)
  189. Ilgen et al. 2016, Pain · Kohorte, N=123.946 A
    Bei chronischen Schmerzpatient:innen stieg das Suizidrisiko monoton mit der Opioiddosis - hoehere Dosis als Marker (nicht zwingend Ursache) fuer erhoehtes Risiko. HR 2,15 (95% KI 1,64-2,81); 50-100 mg HR 1,69; 20-50 mg HR 1,48
  190. Meta-Analyse Schmerztoleranz bei Suizidversuchern 2024, Psychiatry Research · Systematischer Review + Meta-Analyse A
    Paradox: Suizidversucher zeigen im Labor eher HOEHERE Schmerztoleranz (erworbene Faehigkeit/Habituation), was die klinische Fehlannahme 'Schmerzpatient = per se suizidnah' relativiert und die Rolle vo Erhoehte Schmerztoleranz/-schwelle bei Attempters (Meta-Analyse; exakte SMD unbestaetigt)
  191. Nordt C, Warnke I, Seifritz E, Kawohl W, Lancet Psychiatry · Longitudinale Panel-/Zeitreihenanalyse, 63 Laender, WHO-/ILO-Daten A
    Ueber 63 Laender (2000-2011) war Arbeitslosigkeit mit einem um ~20-30% erhoehten Suizidrisiko assoziiert; der Effekt trat bereits 6 Monate VOR dem Anstieg der Arbeitslosenquote auf (Antizipation). RR Suizid bei Arbeitslosigkeit um ca. 20-30% erhoeht; ~45.000 der ~233.000 Suizide/Jahr (2007) arbeitslosigkeitsassoziiert (~1 von 5)
  192. Milner A, Page A, LaMontagne AD, PLoS ONE · Systematische Review + Meta-Analyse (mehrere Kohortenstudien) A
    Meta-Analyse: Arbeitslosigkeit war mit deutlich erhoehtem Suizidrisiko assoziiert, am staerksten in den ersten Jahren nach Jobverlust, mit Abschwaechung ueber die Zeit. Gepooltes relatives Risiko Suizid ca. RR ~1.58 (Groessenordnung; hoechste Risiken in den ersten ~5 Jahren nach Arbeitslosigkeit)
  193. Blakely TA, Collings SC, Atkinson J, J Epidemiol Community Health · Census-verlinkte Kohorte, mehrere Mio. Personen-Jahre A
    In der neuseelaendischen Census-Kohorte war Arbeitslosigkeit mit ~2-3fach erhoehtem Suizidrisiko verbunden; rund die Haelfte des Effekts erklaerte sich durch Konfundierung (u.a. psychische Erkrankung) Rohes RR ~2-3; nach Adjustierung fuer psychische Erkrankung/Confounder etwa halbiert
  194. Qin P, Agerbo E, Mortensen PB, Am J Psychiatry · Nationale Register-Fall-Kontroll-Studie, alle Suizide 1981-1997 A
    In allen Suiziden Daenemarks (1981-1997) waren niedriges Einkommen, Arbeitslosigkeit und Alleinleben Risikofaktoren, deren Beitrag jedoch nach Beruecksichtigung psychiatrischer Vorgeschichte deutlich Erhoehte Suizidraten in niedrigem SES; Effekte nach Adjustierung fuer psychiatrische Klinikaufnahme stark abgeschwaecht
  195. Richardson T, Elliott P, Roberts R, Clin Psychol Rev · Systematische Review + Meta-Analyse (65 Studien) A
    Meta-Analyse: Verschuldung war mit psychischen Stoerungen, Suizidgedanken und Suizid assoziiert; Verschuldete hatten ~3fach erhoehtes Risiko fuer psychische Stoerungen. Deutlich erhoehte Odds fuer Suizidalitaet; Suizid(tod) OR sehr hoch aber mit breitem KI (Einzelbefund unsicher)
  196. Chang SS, Stuckler D, Yip P, Gunnell D, BMJ · Zeitreihen-/Trendanalyse, 54 Laender A
    In 54 Laendern stiegen die Suizidraten 2009 im Zuge der Finanzkrise, mit geschaetzt ~5.000 zusaetzlichen Suiziden, konzentriert auf Maenner und Laender mit steigender Arbeitslosigkeit. ~5.000 Ueberschuss-Suizide 2009 gegenueber Trend; Anstieg staerker bei Maennern
  197. Reeves A, McKee M, Stuckler D, Br J Psychiatry · Oekonometrische Zeitreihenanalyse A
    Die Great Recession war mit rund 10.000 zusaetzlichen Suiziden verbunden; Laender mit staerkeren sozialen Sicherungsnetzen und aktiver Arbeitsmarktpolitik zeigten geringere Anstiege. ~10.000 zusaetzliche 'oekonomische' Suizide 2008-2010; Effekt durch aktive Arbeitsmarktpolitik/Sozialausgaben abgeschwaecht
  198. Machado DB, Rasella D, Dos Santos DN, PLoS ONE · Oekologische Panelanalyse regionaler Daten A
    In Brasilien waren hoehere Einkommensungleichheit und Armut auf regionaler Ebene mit hoeheren Suizidraten assoziiert (oekologische Analyse). Positive Assoziation Gini-Index / Armut mit Suizidrate (oekologisch, Effektgroessen kontextabhaengig)
  199. Naeher AF, Rummel-Kluge C, Hegerl U, Front Psychiatry · Longitudinale Register-/Zensusanalyse, Kreisebene A
    Register- und Zensusdaten zeigten, dass niedriger sozioekonomischer Status und Indikatoren sozialer Isolation auf Kreisebene mit hoeheren Suizidraten in Deutschland einhergingen. Hoehere Suizidraten in Kreisen mit niedrigem SES und Isolationsindikatoren (oekologisch, Assoziation)
  200. Faessberg MM, van Orden KA, Duberstein P et al., Int J Environ Res Public Health · Systematische Review A
    Systematische Review: Bei aelteren Erwachsenen waren soziale Isolation, Einsamkeit und Familienkonflikte mit erhoehtem suizidalem Verhalten verbunden, waehrend soziale Teilhabe protektiv wirkte. Soziale Faktoren (Isolation, Einsamkeit, geringe soziale Teilhabe) als Risikofaktoren fuer suizidales Verhalten im Alter (qualitative Synthese)
  201. Lindstedt et al. 2026, Journal of Intellectual Disability Research 70 · Systematisches Review & Meta-Analyse A
    Suizidalität und Selbstverletzung sind bei leichter Intelligenzminderung erhöht, während schwere Formen seltener erfasst werden – ein diagnostisches Übersehen, kein echtes Fehlen. Erhöhte Prävalenz von Selbstverletzung und Suizidalität, v.a. bei leichter ID; bei schwerer/profunder ID niedrigere gemeldete Raten (auch Erhebungsartefakt)
  202. O'Connor & Kirtley 2018, Phil. Trans. R. Soc. B · Theorie-/Reviewpaper A
    Das Integrated Motivational-Volitional Model postuliert Entrapment (Gefuehl der Ausweglosigkeit) als zentralen Uebergang von Niederlage/Demuetigung zu Suizidgedanken und trennt eine motivationale von Modell-/Reviewpaper, kein gepooltes Effektmass
  203. Penttila M, Jaaskelainen E, Hirvonen N, et al. 2014, Br J Psychiatry · Systematische Review & Meta-Analyse zu DUP und Outcome A
    Laengere DUP sagt schlechteres Langzeit-Outcome voraus; ein spezifischer, robuster Kausaleffekt auf Suizid ist aus Meta-Analysen jedoch nicht eindeutig belegt (Hypothese fuer Fruehintervention). Lange DUP -> schlechteres Gesamt-Outcome (Suizid nicht spezifisch belegt)
  204. Gunnell D et al. 2020, Lancet Psychiatry (COVID-19 Suicide Prevention Research Collaboration) · Positionspapier / Expertenkonsens A
    Das internationale Konsenspapier warnte fruehzeitig, dass pandemische oekonomische und soziale Belastungen das Suizidrisiko erhoehen koennen, und priorisierte Sozialschutz und Versorgungskontinuitaet Kein quantitatives Effektmass (Konsens-/Rahmenpapier); identifiziert Mechanismen und Praeventions-Prioritaeten
  205. Milner AJ et al. 2015, British Journal of Psychiatry · Systematische Review/Meta-Analyse, 14 RCTs C
    Ueber Studien hinweg senkten Brief-Contact-Interventionen den Anteil mit erneutem Versuch nicht sicher, verringerten aber die Ereignishaeufigkeit - Evidenz gemischt. Repetition Selbstverletzung/Versuch: OR ~0,87 (nicht signifikant); reduzierte Haeufigkeit pro Person
  206. Systematic Review/Meta-Analyse Kinderkrebs-Suizidalität 2025 (Vollzitation zu prüfen) · Meta-Analyse; Ideation: 10 Studien, N=20.140 C
    Kindheitskrebs-Überlebende berichten in 9% Suizidgedanken und haben ein 1,7-fach erhöhtes Ideations-Risiko – Spätfolge Jahrzehnte nach Heilung. SI-Prävalenz 9% (95% KI 7–11%); RR 1,67 (95% KI 1,39–2,01)
  207. Systematic Review/Meta-Analyse Kinderkrebs-Suizidalität 2025 (Vollzitation zu prüfen) · Meta-Analyse; Suizidtod: 8 Studien, N=148.869 C
    Trotz erhöhter Suizidgedanken ist der vollzogene Suizid bei Kinderkrebs-Überlebenden NICHT signifikant erhöht (RR 1,50, KI überschreitet 1) – wichtige Entdramatisierung. RR 1,50 (95% KI 0,63–3,62) – nicht signifikant
  208. Suicide risk among AYA after cancer diagnosis 2023 (Autor/Journal zu prüfen) · Registeranalyse; 34 Krebsgruppen 2009–2019 B
    AYA-Krebsüberlebende zeigen über 34 Krebsgruppen ein erhöhtes Suizidrisiko – eine altersspezifisch übersehene Gruppe zwischen Kinderonkologie und Erwachsenenversorgung. erhöhtes Suizidrisiko (SMR-Werte in Publikation; hier nicht eigen verifiziert)
  209. Gunnell et al. 2007 / Knipe et al. 2017 (Serie), Int. J. Epidemiol. / BMC Public Health · Ökologische Zeitreihen-/Interventionsanalyse, national C
    Zwischen 1995 und 2015 fiel Sri Lankas Suizidrate um ~70 %, überwiegend erklärbar durch schrittweise Pestizidverbote. ~70 % Rückgang der Suizidrate; geschätzt ~93.000 vermiedene Todesfälle
  210. Wasserman, Värnik & Eklund 1994/1998, Acta Psychiatrica Scandinavica · Ökologisches Natürliches Experiment, nationale Zeitreihe C
    Die drastische Verknappung von Alkohol 1985–88 senkte die männliche Suizidrate um rund 40 % und stieg nach Kampagnenende wieder an. Männliche Suizidrate −~40 % während der Kampagne
  211. Coimbra et al. 2016, Journal of Affective Disorders · Systematische Übersicht + rhythmische Analyse C
    Suizide und -versuche häufen sich im Frühjahr/Frühsommer (Nordhalbkugel); der Effekt ist robust, aber moderat und in einigen Ländern rückläufig. Robuster Frühjahrspeak; moderate Amplitude, methodenabhängig
  212. Chang, Chen, Yip et al. (Serie ~2010–2019), z. B. J. Epidemiol. Community Health · Ökologische Zeitreihen-/Surveillance-Studien C
    Die Holzkohle-Verbrennung breitete sich in Ost-Asien ab Ende der 1990er als neue Methode medienvermittelt aus und trieb die Gesamtsuizidrate zusätzlich hoch. Rasche Emergenz nach Medienberichten; zunächst kaum Substitution bestehender Methoden
  213. z.B. National Network of Depression Centers Mood Outcomes Program 2020, J Affective Disorders · Grosse klinische Beobachtungskohorte C
    Depressionen mit Mischmerkmalen (innere Unruhe, Agitation, gleichzeitige manische Symptome) gehen mit hoeherer Suizidalitaet einher als rein gehemmte Depression. Erhoehte Suizidgedanken/-verhalten in Assoziation mit gemischter/agitierter Symptomatik (Beobachtungsdaten)
  214. Meta-Analyse Migräne & Suizidalität 2023 (Frontiers/J Affect Disord) · Meta-Analyse mehrerer Beobachtungsstudien B
    Migräne war metaanalytisch mit erhöhten Suizidgedanken und -versuchen verbunden, stärker bei Migräne mit Aura und chronischer Migräne - trotz gutartigem Ruf der Erkrankung. erhöhte gepoolte OR für Ideation und Versuche (Größenordnung ~1,5-2,5); für Suizidversuch teils höher bei Migräne mit Aura
  215. Zhuang S et al. 2019, JAMA Network Open · Gematchte Kohorte, N=169.373 (24.179 RLS), mittlere Nachbeob. 5,2 J., 119 Ereignisse B
    RLS war mit rund verdreifachtem Risiko für Suizid/Selbstverletzung assoziiert - der Effekt blieb auch nach Adjustierung für Depression und Schlafstörungen bestehen (nicht bloß über Depression vermitte adj. HR 2,66 (95% KI 1,70-4,15); ohne Depression/Insomnie/Schlafapnoe 4,14 (2,17-7,92)
  216. Erlangsen A et al. 2017, JAMA Psychiatry · Nationale Registerkohorte (matched cohort, >Mio.) C
    Partner-Hinterbliebene nach Suizid hatten stark erhoehtes Risiko fuer eigene Suizidalitaet, psychiatrische Erkrankungen und Mortalitaet. deutlich erhoehte Suizid- und Gesamtmortalitaet sowie psychiatrische Morbiditaet (Registerdaten)
  217. Guldin MB et al. 2015, JAMA Psychiatry · Nationale Registerkohorte (~7 Mio Personen) C
    Frueher Elternverlust war mit etwa verdoppeltem eigenem Suizidrisiko im spaeteren Leben assoziiert, besonders wenn der Elternteil durch Suizid starb. ca. verdoppeltes Suizidrisiko (IRR ~2), am hoechsten bei elterlichem Suizid
  218. Amin R et al. 2021, Psychological Medicine · Nationale Registerkohorte (~Mio.) C
    Gefluechtete hatten anfangs geringeres Suizid-/Suizidversuchsrisiko als Einheimische, das sich mit laengerem Aufenthalt angleicht ('healthy migrant'-Effekt schwindet). initial HR <1 (niedrigeres Risiko), Konvergenz mit Aufenthaltsdauer
  219. Mittendorfer-Rutz E / Hollander AC et al. 2019-2020 · Registerstudie C
    Unbegleitete minderjaehrige Gefluechtete zeigten eine drastisch erhoehte Suizidrate gegenueber Gleichaltrigen der Aufnahmegesellschaft. Suizidrate mehrfach (bis ~9-fach) ueber gleichaltriger Allgemeinbevoelkerung
  220. Goosen S et al. (NL), Aufnahmezentren-Kohorten · Kohorten-/Registerdaten Aufnahmezentren C
    Asylsuchende hatten erhoehtes Suizidrisiko, besonders im Zusammenhang mit Ablehnung/drohender Abschiebung; duenne, laenderspezifische Datenlage. erhoehte Suizidmortalitaet, Peak um Ablehnungsbescheid
  221. Fazel S, Ramesh T, Hawton K 2017, Lancet Psychiatry · Internationale Vergleichs-/Registerstudie C
    Suizid ist eine fuehrende Todesursache in Haft, mit besonders hohen Raten in Untersuchungshaft und in den ersten Hafttagen. Suizidrate mehrfach ueber Allgemeinbevoelkerung; hoechste Raten Untersuchungshaft/fruehe Haftphase
  222. Pratt D et al. 2006, Lancet · Registerkohorte, N~244.000 Entlassene (Landmark) C
    Ehemalige Haeftlinge hatten stark erhoehtes Suizidrisiko nach Entlassung, bei Frauen bis ~36-fach ueber der Allgemeinbevoelkerung, konzentriert auf die ersten Wochen. SMR Suizid ~8 (Maenner), bei Frauen bis ~36-fach; Peak erste Wochen
  223. Zlodre J, Fazel S 2012, Am J Public Health · Meta-Analyse (18 Kohorten) C
    In der unmittelbaren Post-Release-Phase ist die Sterblichkeit inkl. Suizid und Drogenueberdosis stark erhoeht; die kritischste Zeit sind die ersten 14 Tage. massiv erhoehte Mortalitaet (Suizid + Ueberdosis) v.a. erste 1-2 Wochen
  224. Carroll R, Metcalfe C, Gunnell D 2014, PLoS One · Meta-Analyse (177 Studien) C
    Selbstverletzung mit Klinikkontakt ist einer der staerksten Einzelpraediktoren fuer spaeteren Suizid, mit hoechstem Risiko in den ersten 6-12 Monaten. Suizid im Folgejahr ~0,5-2%; ca. 50-100-fach ueber Allgemeinbevoelkerung
  225. Zaorsky NG et al. 2019, Nature Communications · Registerkohorte (~4,7 Mio Patienten) C
    Krebspatienten hatten insgesamt ~1,5-fach, bei prognostisch unguenstigen Tumoren bis ~4-fach erhoehtes Suizidrisiko gegenueber der Allgemeinbevoelkerung. SMR Suizid ~1,5-4; hoechste bei Lungen-, Kopf-Hals-, Pankreaskrebs
  226. Erlangsen A et al. / Webb RT et al. (Registerstudien, div.) · Registerkohorten (heterogen) C
    Mehrere schwere neurologische/chronische Diagnosen sind mit deutlich erhoehtem Suizidrisiko assoziiert, mit Risikospitze in der Zeit unmittelbar nach der Diagnose. ~2-5-fach erhoehtes Suizidrisiko je nach Erkrankung, Peak kurz nach Diagnose
  227. Milner A, Page A, LaMontagne AD 2013, PLoS One · Meta-Analyse (Kohortenstudien) C
    Arbeitslosigkeit war mit etwa 58% erhoehtem Suizidrisiko assoziiert, am staerksten in den ersten Jahren nach Jobverlust. RR Suizid ~1,58 (Meta); Risiko am hoechsten in ersten 5 Jahren
  228. Angelakis I et al. 2019, Psychological Medicine · Meta-Analyse (79 Studien, N>250.000) C
    Alle Formen der Kindesmisshandlung erhoehten Suizidgedanken und -versuche; sexueller und physischer Missbrauch zeigten die staerksten Assoziationen (OR ~3). OR ~3 fuer Suizidversuch (sexueller/physischer Missbrauch am staerksten); erhoehte Ideation
  229. Nationwide COPD suicide cohort 2025, Journal of Affective Disorders · Nationale Kohortenstudie C
    Eine landesweite koreanische Kohorte bestaetigt ein signifikant erhoehtes Suizidrisiko bei COPD, verstaerkt durch Benzodiazepin-Einnahme und Depression. erhoehtes Suizidrisiko (HR im Volltext)
  230. Ma, Batterham, Calear, Han 2016, Clin. Psychol. Rev. · systematischer Review C
    In Praediktionstests der interpersonellen Theorie ist wahrgenommene Belastung (burdensomeness) der konsistentere und staerkere Ideationspraediktor als gestoertes Zugehoerigkeitsgefuehl. staerkster interpersoneller Praediktor der Ideation (rel. groesserer Effekt als belongingness)
  231. Roxborough, Hewitt, Kaldas et al. 2012, Suicide Life Threat. Behav. · Querschnitt, klinische Jugendstichprobe C
    Bei Jugendlichen sagt perfektionistische Selbstdarstellung Suizidalitaet vorher, vermittelt ueber soziale Entfremdung/Hoffnungslosigkeit statt ueber reine Leistung. Zusammenhang ueber soziale Entfremdung vermittelt (exakte Werte nicht erinnert)
  232. Hallensleben, Glaesmer, Forkmann et al. 2019 · EMA, stationaere Patienten C
    EMA an depressiven psychiatrischen Patienten: momentanes Entrapment sagte kurzfristig ansteigende Suizidgedanken vorher und stuetzt die proximale Rolle des IMV-Modells im Alltag. Within-day-Assoziation Entrapment -> nachfolgende Ideation
  233. US Dept. of Veterans Affairs, National Veteran Suicide Prevention Annual Report (2016-2022 Ausgaben) · Nationales Register, >6 Mio. Veteranen C
    Veteranen haben ein etwa 1,5-fach erhoehtes Suizidrisiko; Schusswaffenzugang und Deployment/PTBS sind zentrale Treiber. altersadjustiert ca. 1,5-fach (Frauen ~2-fach) erhoeht
  234. Milner A et al. 2017, Social Psychiatry and Psychiatric Epidemiology · Laengsschnitt-Kohorte (HILDA), mehrere tausend Beschaeftigte C
    Geringe Kontrolle ueber die eigene Arbeit und hohe Anforderungen sind mit erhoehten Suizidgedanken assoziiert - psychosoziale Arbeitsqualitaet als eigenstaendiger Faktor jenseits von Arbeitslosigkeit. erhoehte Odds fuer Suizidgedanken (adjustiert)
  235. Jonsson U et al. / Rahman SG et al. (nordische Registerstudien, ca. 2013-2019) · Nationale Registerkohorten C
    Bezug einer Erwerbsminderungs-/Invaliditaetsrente - besonders wegen psychischer Erkrankung - ist mit stark erhoehtem Suizidrisiko assoziiert; Konfundierung durch Grunderkrankung ist zentral. deutlich erhoehtes Suizidrisiko (v.a. bei psychischer Diagnose)
  236. Windsor-Shellard B et al. / ONS 2017, Office for National Statistics · Nationale berufsbezogene Sterbestatistik C
    Einzelne kuenstlerische und Kulturberufe zeigen erhoehte Suizidraten; Evidenz ist aggregiert-oekologisch und durch prekaere Beschaeftigung/Einkommensvolatilitaet mitbestimmt. teils erhoehte berufsspezifische Suizidraten (aggregiert)
  237. Liu et al. 2020, Clinical Psychology Review · Systematische Meta-Analyse longitudinaler Studien C
    In Längsschnittstudien sagten Schlafprobleme prospektiv spätere Suizidgedanken (OR ~1,5), -versuche und -tode voraus, unabhängig vom Querschnittsdesign. gepoolte OR ~1,5–2 je Outcome
  238. Perlis et al. 2016, J Clin Psychiatry · ökologische Analyse NVDRS, ~35.000 Suizide C
    Nach Adjustierung für die Zahl der zu jeder Stunde wachen Menschen war die Suizidrate mitten in der Nacht massiv überproportional ('mind after midnight'). pro Wachbevölkerung ~3-fach erhöhte Suizidinzidenz nachts
  239. Tubbs et al. 2020, J Clin Psychiatry · ökologische Analyse (NVDRS + ATUS) C
    Mit zeitgenauen Wachbevölkerungsdaten (ATUS) wurde der überproportionale Nacht-Gipfel des Suizids methodenübergreifend repliziert. nächtliche Überrepräsentation über Methoden hinweg bestätigt
  240. Bishop et al. 2018, J Clin Psychiatry · Analyse nationaler Survey-Daten C
    In nationalen Survey-Daten war eine (diagnostizierte) obstruktive Schlafapnoe mit erhöhten Suizidgedanken assoziiert; Evidenz insgesamt dünn und teils widersprüchlich. Assoziation mit Suizidgedanken (OR erhöht)
  241. Bernert et al. 2017, J Clin Psychiatry · prospektive Aktigraphie-Studie, Hochrisiko-Junge C
    Bei jungen Hochrisiko-Erwachsenen sagte objektive Schlaf-Instabilität (nicht nur Schlafdauer) kurzfristige Zunahmen der Suizidgedanken voraus. größere Variabilität → akuter Anstieg der Suizidgedanken
  242. Honings S, et al. 2016, Psychological Medicine · Systematische Review & Meta-Analyse, Allgemeinbevoelkerung C
    Personen mit psychotischen Erlebnissen zeigen ein deutlich erhoehtes Risiko fuer selbstverletzendes Verhalten, mit Hinweis auf eine Dosis-Wirkungs-Beziehung (mehr Erlebnistypen = hoeheres Risiko). Erhoehtes Risiko selbstverletzenden Verhaltens (gepoolt, Dosis-Wirkung)
  243. z.B. Luxton/Comtois-Reviews; NCISH-Berichte (While et al.) · Reviews + nationale Auditdaten C
    Ausbleibender oder verspaeteter Nachsorgekontakt nach Entlassung ist mit erhoehtem Suizid- und Wiederaufnahmerisiko assoziiert; die kritische Luecke liegt in der ersten Woche. Fruehes Follow-up (i.d.R. <=7 Tage) mit reduziertem Suizid-/Wiederaufnahmerisiko assoziiert; Effektgroessen heterogen, Richtung konsistent schuetzend
  244. zusammengefasst u.a. bei Turecki & Brent 2016, Lancet; van Heeringen & Mann 2014, Lancet Psychiatry · aggregierte Zwillings-/Familien-/Adoptionsstudien (Review) B
    Zwillings- und Adoptionsstudien zeigen konsistent, dass ~30–55 % der Varianz suizidalen Verhaltens erblich sind, und ein Teil dieser Erblichkeit unabhängig von der Vererbung psychiatrischer Grunderkra geschätzte Heritabilität h² ≈ 30–55 % (suizidales Verhalten), teils zusätzlicher, von der Grunderkrankung getrennter Anteil
  245. Erlangsen et al. 2020, Molecular Psychiatry (iPSYCH) · GWAS, Registerkohorte, ~6.000 Fälle B
    Populationsbasierte GWAS in Dänemark fand suizidales Verhalten teils genetisch von der psychiatrischen Grunderkrankung trennbar, mit messbarer polygener Komponente. SNP-Heritabilität grössenordnung ~4–7 %; suggestive Loci
  246. Erhardt et al. 2013, Neuropsychopharmacology (u.a. Bay-Richter et al. 2015) · Fall-Kontroll-Studie, Liquoranalysen, kleine bis mittlere N B
    Suizidversuchspatienten zeigen etwa verdoppelte Liquor-Chinolinsäure, was Entzündung über NMDA-Glutamat-Aktivierung mit Suizidalität verbindet und den raschen anti-suizidalen Ketamin-Effekt mechanisti Chinolinsäure im Liquor ~2-fach erhöht vs. Kontrollen; korreliert mit IL-6, normalisiert sich über Monate
  247. Steiner et al. 2008, J Psychiatr Res (Landmark) · Postmortem-Fall-Kontroll-Studie, kleine N B
    Postmortem-Studien finden verstärkte Mikroglia-Aktivierung im präfrontalen Kortex Suizidverstorbener, konsistent mit der Neuroinflammationshypothese. erhöhte Mikroglia-Dichte (QUIN-positiv) im dorsolateralen PFC und ACC bei Suizid vs. Kontrollen
  248. Mann & Currier 2007 / Coryell & Schlesser 2001, Am J Psychiatry (Landmark) · prospektive Kohorten + Metaanalyse B
    Metaanalytisch sagt eine gestörte Cortisol-Suppression im DST einen späteren vollzogenen Suizid deutlich vorher (ca. 4,5-fach erhöhte Rate), einer der wenigen prospektiv-biologischen Prädiktoren. DST-Non-Suppressor: ~4- bis 14-fach erhöhtes späteres Suizidrisiko (relatives Risiko/Odds über Studien variabel)
  249. Åsberg et al. 1976 (Landmark); Metaanalysen Mann-Gruppe · Fall-Kontroll- und prospektive Liquorstudien, aggregiert B
    Seit Åsberg findet sich konsistent, dass ein niedriger Serotonin-Metabolit 5-HIAA im Liquor mit gewaltsamen Suizidversuchen und vollendetem Suizid assoziiert ist – ein trait-artiger biologischer Marke niedriges 5-HIAA assoziiert mit erhöhter Rate von (v.a. gewaltsamen) Suizidversuchen und späterem Suizid; erhöhtes relatives Risiko
  250. Mann & Arango u.a., zusammengefasst in van Heeringen & Mann 2014, Lancet Psychiatry · Postmortem-/PET-Serie, Review B
    Postmortem- und PET-Befunde zeigen serotonerge Dysfunktion im ventralen PFC (Verhaltenshemmung), was das Stress-Diathese-Modell der Impulskontrollstörung bei Suizid stützt. erhöhte 5-HT1A-Autorezeptor-Bindung / reduzierte Transporterdichte im vmPFC von Suizidopfern
  251. Sublette et al. 2006, Am J Psychiatry (Landmark) · prospektive Kohorte depressiver Patienten, mittlere N B
    In einer prospektiven Kohorte depressiver Patienten prognostizierte ein niedriger Anteil der Omega-3-Fettsäure DHA künftige Suizidversuche, was Membran-/Entzündungs-Lipid-Mechanismen nahelegt. niedriger DHA-Anteil sagte über ~2 Jahre Suizidversuche bei depressiven Patienten vorher (erhöhtes Risiko in unterster vs. oberster Gruppe)
  252. Memon A et al. 2020, British Journal of Psychiatry · Meta-Analyse, 15 oekologische Studien C
    Hoehere natuerliche Lithiumkonzentrationen im Trinkwasser sind oekologisch mit niedrigeren regionalen Suizidraten assoziiert - Hypothese, keine Kausalitaet. Inverse Assoziation, gepoolt signifikant (Effektgroesse klein)
  253. Pirkis J et al. 2015, Lancet Psychiatry · Systematische Review/Meta-Analyse, 23 Studien C
    Zugangsbeschraenkung an Suizid-Hotspots reduzierte Sprungsuizide dort um rund 90%, ohne vollstaendige Verlagerung an andere Orte. Reduktion der Suizide am Ort um ca. 91% (gepoolt)
  254. Knipe DW et al. 2017, Lancet Global Health / Gunnell D et al. · Oekologische Analyse nationaler Register C
    Schrittweise Verbote der toedlichsten Pestizide gelten als staerkster bekannter bevoelkerungsweiter Means-Restriction-Effekt. Landesweiter Rueckgang der Suizidrate um ca. 70% ueber ~20 Jahre; geschaetzt ~93.000 verhinderte Tode
  255. Knox KL et al. 2003, BMJ · Quasi-experimentelle Kohorte, >5 Mio. Personenjahre C
    Ein organisationsweites Praeventionsprogramm war mit deutlichem Rueckgang von Suiziden (und Gewalt) assoziiert - Landmark fuer Systemansaetze. RR Suizid ~0,67 (ca. 33% Reduktion nach Einfuehrung)
  256. Lange, Llamosas-Falcon & Kim 2024, Drug and Alcohol Dependence · Dosis-Wirkungs-Meta-Analyse, 8 Kohortenstudien C
    Das Suizidrisiko steigt dosisabhaengig schon bei geringem Alkoholkonsum, mit deutlich steilerem Anstieg bei Frauen als bei Maennern. Suizidtod bei 30 g/Tag: Frauen RR ~4.39, Maenner RR ~1.38; bereits bei 10 g/Tag erhoeht (Frauen RR ~1.64)
  257. prospektive Kohorte 2025, Journal of Affective Disorders (96.158 chin. Jugendliche) · Populationsbasierte Kohorte, N=96.158 C
    In einer sehr grossen Adoleszentenkohorte prognostiziert Internet-Gaming-Disorder das Neuauftreten und die Verschlechterung von Suizidgedanken. IGD sagt Inzidenz, Persistenz und Verschlechterung von Suizidgedanken voraus (adjustiert; exakte OR/HR unbestaetigt)
  258. McGirr et al., Psychological Medicine (impulsive-aggressive behaviours and completed suicide across the life cycle) · Fall-Kontroll psychologische Autopsie ueber Altersgruppen C
    Impulsiv-aggressive Verhaltensweisen praedisponieren zu Suizid in juengerem Lebensalter; die Cluster-B-/Impulsivitaets-Achse ist besonders bei fruehen Suiziden zentral, waehrend spaetere Suizide staer impulsive Aggression assoziiert mit juengerem Suizidalter (inverse Alters-Assoziation)
  259. Coleman et al., Journal of Psychiatric Research (NPD and suicidal behavior in mood disorders) · klinische Querschnittsstudie affektiver Patienten C
    Bei Patienten mit affektiven Stoerungen war komorbide NPD mit Suizidversuchen hoeherer Letalitaet und staerkerer Planung verknuepft - obwohl NPD-Patienten weniger depressiv wirkten; das klinische Bild NPD assoziiert mit hoeherer Letalitaet/Planung der Versuche trotz geringerer Depressionsschwere
  260. Collaborative Longitudinal Study of Personality Disorders (BPD criteria & suicide attempts, 10-year) · prospektive Multizenter-Kohorte, 10 J. Follow-up C
    Ueber 10 Jahre CLPS war das BPD-Kriterium 'wiederkehrendes suizidales/selbstverletzendes Verhalten' der staerkste Einzelpraediktor spaeterer Suizidversuche - vergangenes Selbstverletzungsverhalten sch Selbstverletzungs-/Suizidkriterium als staerkster Praediktor kuenftiger Versuche
  261. Zanarini et al., MSAD (NSSI-Verlauf bei BPD) · prospektive Kohorte BPD (MSAD) C
    Selbstverletzung ist bei BPD nahezu Kernmerkmal (Lebenszeitpraevalenz sehr hoch) und ist prospektiv ein Wegbereiter spaeterer Suizidversuche - NSSI und Suizidalitaet sind verwandte, aber unterscheidba sehr hohe Lebenszeit-NSSI-Praevalenz; NSSI erhoeht Risiko spaeterer Suizidversuche
  262. WHO (Suicide worldwide in 2019) / GBD 2019 · Deskriptive globale Mortalitaetsstatistik (Schaetzung ~703.000 Suizide/Jahr) C
    Maenner sterben global ~2-3x haeufiger durch Suizid, waehrend Frauen mehr nicht-toedliche Versuche unternehmen (umgekehrtes Verhaeltnis bei Ideation/Versuch). Suizidmortalitaet Maenner ca. 2,3:1 global; regional bis >4:1 (Osteuropa)
  263. VA Office of Mental Health & Suicide Prevention, National Veteran Suicide Prevention Annual Report · Nationale Surveillance/Register (alle Veteranen) C
    US-Veteranen weisen eine rund 1,5-fach hoehere altersadjustierte Suizidrate auf als nicht-veteranische Erwachsene; Waffenzugang zentral. Altersadj. Suizidrate ~1,5-2x der zivilen Erwachsenenbevoelkerung
  264. Kumar MB & Tjepkema M, Statistics Canada (National Household Survey cohort) · Census-verknuepfte Kohorte (2011 NHS mortality follow-up) C
    Inuit in Kanada haben je nach Region eine bis ~9-fach hoehere Suizidrate als die nicht-indigene Bevoelkerung, Extremwerte bei jungen Maennern. Suizidrate ~5-9x der nicht-indigenen Bevoelkerung
  265. AIHW / ABS Causes of Death nationale Statistik · Nationale Mortalitaetsstatistik C
    Indigene Australier sterben etwa doppelt so haeufig durch Suizid wie nicht-indigene, mit besonders hoher Belastung junger Menschen. Suizidrate ~2x der nicht-indigenen; bei Jugendlichen deutlich hoeher
  266. CDC WISQARS / nationale Mortalitaetsstatistik · Deskriptive nationale Mortalitaetsstatistik C
    In den USA und vielen westlichen Laendern haben Maenner ab 85 Jahren die hoechste altersspezifische Suizidrate ueberhaupt. Hoechste altersspezifische Suizidrate aller Gruppen (z.B. USA Maenner 85+)
  267. Fässberg MM et al., systematischer Review (Aging & Mental Health / Int J Environ Res Public Health) · Systematischer Review sozialer Faktoren im Alter C
    Soziale Isolation, Einsamkeit und Funktionsverlust sind robuste, modifizierbare Risikofaktoren fuer suizidales Verhalten im Alter - oft staerker als koerperliche Krankheit allein. Konsistent positive Assoziation mit suizidalem Verhalten (Review-Evidenz)
  268. Wang CW, Chan CLW, Yip PSF, Soc Psychiatry Psychiatr Epidemiol · Nationale Mortalitaetstrend-Analyse 2002-2011 C
    China war lange die grosse Ausnahme des Geschlechterparadoxes (hoehere Raten bei laendlichen jungen Frauen); Urbanisierung und eingeschraenkter Pestizidzugang fuehrten zu einem der staerksten Suizidru Historisch Frauen-Mehrheit bei Suizid; seither drastischer Rueckgang (>60%)
  269. Meltzer H, Bebbington P, Brugha T et al., Psychol Med · Bevoelkerungsrepraesentativer Survey, N ~7.000 C
    Im englischen nationalen Survey psychiatrischer Morbiditaet war Verschuldung ein unabhaengiger Praediktor von Suizidgedanken, teils vermittelt ueber finanzielle Not. Verschuldung mit Suizidgedanken assoziiert, OR-Groessenordnung ~2 (nach Adjustierung, Schaetzung)
  270. Nilsson SF, Hjorthoj CR, Erlangsen A, Nordentoft M, Eur J Public Health · Nationale Registerkohorte Wohnungsloser C
    In einer daenischen Registerkohorte war die Suizidmortalitaet Wohnungsloser gegenueber der Allgemeinbevoelkerung vielfach erhoeht (SMR deutlich >1), besonders ausgepraegt bei Frauen. Stark erhoehte standardisierte Mortalitaetsratio (SMR) fuer Suizid; Groessenordnung mehrfach erhoeht, bei Frauen relativ noch staerker
  271. Phillips JA, Hempstead K, Am J Prev Med · Nationale Mortalitaets-Trendanalyse nach Bildung C
    In den USA lagen die Suizidraten bei Personen mit niedrigem Bildungsniveau deutlich hoeher und stiegen 2000-2014 staerker an als bei Hochgebildeten (wachsendes Bildungsgefaelle). Deutlich hoehere und staerker steigende Suizidraten bei niedriger Bildung; wachsende Bildungskluft 2000-2014
  272. Gunnell D, Loefving S, Gustafsson JE, Allebeck P, J Affect Disord · Zwei nationale Geburts-/Schuelerkohorten, Follow-up C
    In zwei schwedischen nationalen Schuelerkohorten war niedrige Schulleistung mit einem mehrfach erhoehten Suizidrisiko im jungen Erwachsenenalter verbunden, teils unabhaengig vom sozialen Hintergrund. Erhoehtes Suizidrisiko im jungen Erwachsenenalter (HR-Groessenordnung ~2-3 fuer niedrigste Leistungsgruppe)
  273. Elbogen EB et al., Am J Epidemiol / J Psychiatr Res · Nationale Laengsschnittstichprobe (NESARC-basiert) C
    In einer US-repraesentativen Laengsschnittstichprobe war hoehere finanzielle Belastung prospektiv mit erhoehtem Risiko fuer Suizidversuche assoziiert, unabhaengig von Einkommen und psychischer Erkrank Finanzielle Belastung als unabhaengiger Praediktor von Suizidversuchen, OR erhoeht (Groessenordnung, nach Adjustierung)
  274. Lorant V et al., Br J Psychiatry / J Epidemiol Community Health · Vergleichende Mortalitaetsstudie, mehrere Laender C
    Vergleichende europaeische Studie: Maenner in niedriger sozioekonomischer Position hatten ein deutlich erhoehtes Suizidrisiko; die soziale Gradiente war bei Maennern staerker als bei Frauen. Hoehere Suizidraten in niedrigem SES; relatives Ungleichheitsmass (RII) fuer Maenner deutlich >1
  275. Rehkopf DH, Buka SL, Psychol Med · Systematische Review (86 Studien) C
    Systematische Review: Die meisten Studien fanden hoehere Suizidraten in sozial staerker deprivierten Gebieten, wobei individuelle vs. kontextuelle Effekte schwer trennbar sind (Oekologiefehlschluss-Pr Mehrheit der Studien: hoehere Suizidraten in staerker deprivierten Gebieten (Richtung konsistent, Groesse heterogen)
  276. Systematisches Review & gepoolte Analyse 2024, eClinicalMedicine (Lancet) · Systematisches Review & gepoolte Analyse C
    Nicht Autismus allein, sondern die Kombination mit Depression und ADHS treibt die höchste Suizidalitätslast – ein Argument für integrierte statt siloartige Versorgung. Selbstverletzung/Suizidalität am stärksten erhöht bei zusätzlicher Depression bzw. ADHS-Komorbidität (gepoolte Analyse)
  277. Foulon C, Guelfi JD, Kipman A, et al., European Psychiatry · Klinische Verlaufs-/Querschnittsstudie B
    Der Übergang von der restriktiven zur Binge-Purge-Form der AN markiert eine kritische Phase mit gehäuften Suizidversuchen - ein dynamischer, verlaufsbezogener Risikomarker statt statischer Diagnose. Subtyp-Wechsel zu Binge-Purge häufig mit Suizidversuchen assoziiert (Assoziationsstudie)
  278. Evans R, Scourfield J, Moore G 2016 (Review, Crisis) · Systematischer Review C
    Beziehungstrennung ist ein akuter Ausloeser mit besonders erhoehtem Suizidrisiko bei Maennern in den ersten Wochen; Review-Ebene, heterogen. stark erhoehtes Risiko im akuten Zeitfenster; Effekt geschlechtsabhaengig (Maenner staerker)
  279. Reviewlage (keine belastbare Meta), heterogen · Reviews/Beobachtungsstudien C
    Regulaerer Ruhestand erhoeht das Suizidrisiko nicht eindeutig; problematisch sind vor allem unfreiwillige oder gesundheitsbedingte Fruehverrentungen (Evidenz schwach, umstritten). uneinheitlich; regulaerer Ruhestand kein/kaum Effekt, unfreiwillige/Fruehverrentung erhoeht Risiko
  280. Niculescu et al. 2015, Molecular Psychiatry · longitudinale Entdeckungs-/Validierungskohorten, kleine bis mittlere N B
    Longitudinale Blut-Genexpressionsmarker sagten Suizidgedanken und -hospitalisierungen vorher; die Befunde sind vielversprechend, aber überwiegend in kleinen, männlichen Veteranen-/Psychiatriekohorten Vorhersage künftiger Suizid-Hospitalisierung mit AUC teils ~0,7–0,9 (in Entdeckungskohorten, männlich dominiert)
  281. Systematische Reviews (z.B. Yonemoto N et al. 2019; Holmes G et al. 2021) · Systematische Reviews mehrerer RCTs/Beobachtungsstudien C
    Gatekeeper-Training verbessert Wissen und Haltungen zuverlaessig, doch belastbare Belege fuer weniger Suizide/Versuche fehlen weitgehend. Verbesserung von Wissen/Selbstwirksamkeit; kein konsistenter Effekt auf Suizidverhalten
  282. Gould MS et al. (2007/2018) u.a.; 988-Evaluationen ab 2022 · Beobachtungs-/Verlaufsstudien der Anruferkohorten C
    Anrufer sind am Ende und in der Nachbefragung weniger suizidal; harte Endpunkte (Suizidtode) sind aber kaum kausal belegt. Signifikanter Rueckgang von Distress/Suizidalitaet vom Anrufbeginn bis Follow-up
Lücke 4 · Praktische Erreichbarkeit des Schutzes

Schutz muss wirken, nicht nur benannt sein. Die folgenden Belege zeigen die Kapazitätslücke (Wartezeiten, Fachkräftemangel) und die besondere Gefährdung der Gruppen, die eine zusätzliche Zugangshürde am wenigsten bewältigen können.

Geprüfte Kernbelege · gegen die Primärquelle verifiziert

Bundesweit vergingen im Schnitt rund 20 Wochen bis zum Beginn einer Psychotherapie (BPtK-Erhebung 2018/2021: 19,9 Wochen bis Behandlungsbeginn) – die reguläre Anschlussversorgung deckt den kurzfristigen Bedarf faktisch nicht.

BPtK – Studie zu Wartezeiten in der Psychotherapie (Erhebung 2018/2021) VerbandDEAussagenähe: Ausgangsrisiko

Aussagegrenze: Verbandsstudie (2018/2021); belegt die Kapazitätslücke, nicht die Reformwirkung.

Eine Zuzahlung von 200 €/Jahr in der psychiatrischen Versorgung (Niederlande) senkte die Behandlungs-Neuaufnahmen bei Erwachsenen um rund 35 %; zuzahlungsbefreite Minderjährige zeigten keinen Rückgang.

Lambregts & van Vliet 2018, European Journal of Health Economics · Natürliches Experiment mit Kontrollgruppe (quasi-experimentell) IISpur Ageprüft ✓Aussagenähe: Versorgungsmechanismus

Aussagegrenze: Niederländisches System; Effekt v. a. bei leichterer Versorgung; nicht 1:1 auf Deutschland. Quelle öffnen ↗

Die Gruppen, die zusätzliche Zugangshürden am wenigsten bewältigen können, sind zugleich besonders gefährdet: ADHS ist mit einem rund 6,7-fach erhöhten Risiko für vollendeten Suizid verbunden (KI 3,2–17,4).

Septier et al. 2019, Neuroscience & Biobehavioral Reviews · Meta-Analyse · vollendeter Suizid: 4 Datensätze, über 130.000 Personen IISpur Ageprüft ✓Aussagenähe: Ausgangsrisiko

Aussagegrenze: Belegt die Vulnerabilität, keine Reformwirkung; breites Konfidenzintervall. Quelle öffnen ↗

Menschen mit Autismus haben eine rund 2,5-fach erhöhte vorzeitige Gesamtsterblichkeit (OR 2,56; 95% KI 2,38–2,76); eine zusätzliche Zugangshürde trifft eine bereits stärker gefährdete Gruppe.

Hirvikoski et al. 2016, British Journal of Psychiatry · Bevölkerungsbasierte Kohorte · 27.122 Personen mit ASS IISpur Ageprüft ✓Aussagenähe: Ausgangsrisiko

Aussagegrenze: Gesamtmortalität (nicht suizidspezifisch); belegt die erhöhte Gefährdung. Quelle öffnen ↗

Hintergrundkorpus (nicht tragend) · 242 thematisch zugeordnete Studien
  1. Wilkinson et al. 2018, Am J Psychiatry · IPD-Meta-Analyse, 10 RCTs, 298 Patienten A
    Ketamin reduziert Suizidgedanken schon innerhalb von 24 Stunden - Effekt auf Suizidversuche/-tode ist damit aber nicht belegt. Signifikante Reduktion der Suizidgedanken ab Tag 1, anhaltend bis Tag 7 (IPD-Meta-Analyse)
  2. McCall et al. 2019, Am J Psychiatry (REST-IT) · RCT, N=103 depressive Insomnie-Patienten A
    Trotz Insomniebesserung senkte das Hypnotikum die Suizidgedanken nicht signifikant stärker als Placebo — Vorsicht vor Überschätzung sedierender Pharmaka. kein signifikanter Zusatznutzen auf Suizidgedanken (primärer Endpunkt null)
  3. Meltzer HY, et al. (InterSePT) 2003, Arch Gen Psychiatry · RCT, 980 Patienten mit erhoehtem Suizidrisiko (Landmark) A
    Im randomisierten InterSePT-Trial reduzierte Clozapin gegenueber Olanzapin suizidales Verhalten (Versuche, Hospitalisierung wegen Suizidalitaet) signifikant um rund ein Viertel. Relative Reduktion suizidalen Verhaltens ~24-26% (HR ~0,74-0,76)
  4. Inagaki M et al. 2015, Journal of Affective Disorders · Meta-Analyse randomisierter/kontrollierter Studien A
    Aktive Kontakt- und Nachsorgeinterventionen nach einem Suizidversuch in der Notaufnahme senken die Rate erneuter Suizidversuche moderat aber konsistent. Reduktion wiederholter Suizidversuche; gepoolte OR ~0,83 (Wiederholungsversuch) in Kontakt-/Follow-up-Meta-Analyse
  5. Milner AJ et al. 2015, British Journal of Psychiatry · Meta-Analyse von Brief-Contact-RCTs A
    Niedrigschwellige wiederholte 'caring contacts' reduzieren die Haeufigkeit erneuter Suizidversuche, wobei der Effekt auf den Anteil der Reattempter in Meta-Analysen inkonsistent ist. Reduktion der Zahl von Suizidversuchen pro Person; Einzelstudien signifikant, gepoolter Effekt auf Anteil mit Reattempt uneinheitlich (teils n.s.)
  6. Fu DJ et al. 2020, Journal of Clinical Psychiatry (ASPIRE-I) · RCT, n=456 A
    Esketamin verbesserte die Depression rasch, trennte sich aber beim eigentlichen Suizidalitaets-Endpunkt nicht signifikant von Placebo (beide mit intensiver Standardversorgung) - wichtiger Nullbefund. MADRS 24h: Differenz ca. -3,8 (signifikant); CGI-SS-r (Suizidalitaet) 24h: NICHT signifikant vs. Placebo
  7. DeCou, Comtois & Landes, Behavior Therapy (DBT meta-analysis) · Meta-Analyse randomisierter kontrollierter Studien A
    Meta-Analyse von RCTs: DBT reduziert selbstverletzendes und suizidales Verhalten sowie psychiatrische Krisenkontakte moderat aber robust - der bislang bestbelegte psychotherapeutische Effekt auf Suizi signifikante Reduktion selbstgerichteter Gewalt (Hedges g ~ -0,3) und Krisenkontakte
  8. Balit et al. 2024, Molecular Psychiatry · Zwei-Stichproben-Mendelsche-Randomisierung A
    MR-Analyse stuetzt einen KAUSALEN Effekt chronischen Schmerzes auf Suizidversuch und -tod; Depression vermittelte aber nur ~34-39% des Effekts (der Rest ist depressionsunabhaengig). Suizidversuch OR 1,67 (95% KI 1,21-2,35); Suizidtod OR 2,00 (95% KI 1,10-3,62)
  9. Kaufman JA, Salas-Hernandez LK, Komro KA, Livingston MD, J Epidemiol Community Health · Difference-in-differences Panel, alle US-Staaten 1990-2015 A
    Quasi-experimentelle US-Analyse: Ein hoeherer Mindestlohn war mit sinkenden Suizidraten bei Erwachsenen mit hoechstens Highschool-Abschluss verbunden, besonders in Zeiten hoher Arbeitslosigkeit (naehe $1 hoeherer Mindestlohn assoziiert mit ~3.5-6% niedrigerer Suizidrate bei gering Gebildeten (bei hoher Arbeitslosigkeit)
  10. Henson KE et al. 2019, JAMA Psychiatry · Nationale Registerkohorte; N=4.722.099, 2.491 Suizide, 1995–2015 A
    In England ist das Suizidrisiko nach Krebsdiagnose nur 20% erhöht – deutlich niedriger als US-Zahlen, was auf Versorgungs-/Methodenunterschiede statt eine 4-fache Universalgefahr hinweist. SMR 1,20 (95% KI 1,16–1,25)
  11. Henson KE et al. 2019, JAMA Psychiatry · Nationale Registerkohorte; N=4.722.099 A
    Das Suizidrisiko konzentriert sich stark auf die ersten 6 Monate nach der Diagnose (SMR 2,74) und sinkt danach – die Diagnosemitteilung selbst ist der kritische Zeitpunkt. SMR 2,74 (95% KI 2,52–2,98)
  12. Fang F et al. 2012, New England Journal of Medicine · Historische Kohorte; N=6.073.240 A
    Zeitgleich mit dem Suizid-Peak steigt auch der kardiovaskuläre Tod (RR 5,6) – die Diagnose wirkt als akuter psychobiologischer Stressor, nicht nur als psychiatrisches Ereignis. RR 5,6 (95% KI 5,2–5,9) erste Woche
  13. Henson KE et al. 2019, JAMA Psychiatry · Nationale Registerkohorte; N=4.722.099 A
    Das Suizidrisiko folgt der Prognose: Krebsarten mit hoher Letalität und schneller Verschlechterung (Mesotheliom, Pankreas) haben das höchste Suizidrisiko. SMR Mesotheliom 4,51 (2,91–7,00); Pankreas 3,89 (2,77–5,48); Ösophagus 2,65; Lunge 2,57; Magen 2,20
  14. Cosh S et al., Int Psychogeriatr · Prospektive Kohorte (Three-City), N=5.438, >=73 J. A
    Schwerhoerigkeit erhoeht Suizidgedanken bei Aelteren dosisabhaengig (je schwerer, desto hoeher), unabhaengig von Depression. OR 1,97 (95% KI 1,44-2,70); Gradient: leichte HL OR 1,29 (1,03-1,63) -> schwere HL OR 1,78 (1,32-2,40) im Querschnitt
  15. Kim CY, Ha A, Shim SR et al., JAMA Netw Open · Systematische Review + Meta-Analyse, 5.692.769 Personen A
    Sehbehinderte haben ueber alle Endpunkte hinweg rund 2-2,5-fach erhoehtes Suizidrisiko, inkl. vollendetem Suizid; hoechstes Risiko bei Jugendlichen. Suizidverhalten OR 2,49 (1,71-3,63); Ideation OR 2,01 (1,62-2,50); Suizidtod OR 1,89 (1,32-2,71)
  16. Phan K et al., Ann Transl Med · Systematische Review + Meta-Analyse A
    Meta-Analyse bestaetigt erhoehte psychiatrische Komorbiditaet, Suizidalitaet und Substanzmissbrauch bei HS. erhoehte Praevalenz von Suizidalitaet/Depression (gepoolte KI unbestaetigt)
  17. Eliasen A et al., J Neurol · Fall-Kontroll-Studie, 8.974 Faelle / 89.740 Kontrollen A
    MG geht mit ueber vierfach erhoehtem Suizidversuch-Risiko einher - hoeher als bei vielen 'psychiatrischen' Diagnosen erwartet. OR 4,3 (95% KI 2,0-9,4) fuer Suizidversuch
  18. Nadali J et al. (Depression/Angst bei MG, Meta) · Systematische Review + Meta-Analyse A
    Depression und Angst sind bei MG deutlich haeufiger als in der Allgemeinbevoelkerung und liefern den Pfad zur erhoehten Suizidalitaet. hohe gepoolte Praevalenz von Depression und Angst (KI unbestaetigt)
  19. Swift RG & Swift M, Biol Psychiatry · Familien-/Traegerstudie (Landmark, vor 2015, zentral) A
    Traeger einer einzelnen WFS1-Mutation (dasselbe Gen, das Taubheit/Optikusatrophie verursacht) haben massiv erhoehtes Risiko schwerer psychiatrischer Erkrankung - mechanistische Bruecke zwischen Sinnes 26-fach erhoehte Wahrscheinlichkeit einer psychiatrischen Hospitalisierung
  20. Chesney E, Goodwin GM, Fazel S 2014, World Psychiatry · Meta-Review von Meta-Analysen/Kohorten, alle psych. Störungen A
    AN ist in dieser Meta-Review der stärkste Ausreißer für suizidbedingte Mortalität aller psychischen Störungen - Suizidrate ~31-fach über der Allgemeinbevölkerung (Stichprobe am schweren Ende, überwieg SMR Suizid 31,0 (95% KI 21,0-44,0)
  21. Preti A, Rocchi MBL, Sisti D, et al. 2011, Acta Psychiatrica Scandinavica · Meta-Analyse mehrerer Follow-up-Kohorten A
    Erste umfassende Meta-Analyse zum Suizidrisiko bei Essstörungen: Suizid trägt substanziell zur Übersterblichkeit bei, am ausgeprägtesten bei AN. deutlich erhöhtes Suizidrisiko; Suizid als Hauptursache unnatürlicher Todesfälle bei AN (exakte gepoolte SMR aus Abstract nicht verifiziert)
  22. Iwajomo T, Bondy SJ, de Oliveira C, et al. 2021, British Journal of Psychiatry · Populationsbasierte Kohorte, N=19.041 (1990-2013) A
    In einer populationsbasierten Kohorte war die Gesamtsterblichkeit fünf- bis siebenfach erhöht, bei Männern deutlich stärker - Suizid zählt zu den führenden unnatürlichen Todesursachen. All-cause SMR 5,06 (95% KI 4,82-5,30); Männer SMR 7,24 (6,58-7,96), Frauen 4,59 (4,34-4,85)
  23. Yao S, Kuja-Halkola R, Thornton LM, et al. 2016, JAMA Psychiatry · Populationsregister-Familienstudie A
    Essstörungen und Suizidversuche teilen eine familiäre (teils genetische) Haftung - Angehörige von Essstörungs-Patienten haben ein erhöhtes Suizidversuchsrisiko, was auf gemeinsame Ätiologie statt rein erhöhtes Suizidversuchsrisiko bei Angehörigen; gemeinsame familiäre Haftung zwischen Essstörung und Suizidversuch
  24. Søeby M, et al. 2024, International Journal of Eating Disorders · Langzeit-Registerkohorte A
    Über 40 Jahre bleibt die AN-Mortalität stark erhöht; psychiatrische Komorbidität und männliches Geschlecht steigern das Sterberisiko, wobei Suizid eine zentrale unnatürliche Todesursache ist. erhöhte Gesamt- und ursachenspezifische Mortalität; Suizid als führende unnatürliche Todesursache; Komorbidität und männliches Geschlecht verschlechtern Prognose (exakte SMR aus Volltext nicht extrahiert)
  25. Semchishen S, et al. 2026, World Psychiatry · Systematisches Review + Meta-Analyse relativer Risiken A
    Neueste große Meta-Analyse bestätigt erhöhtes Suizid- und Gesamtmortalitätsrisiko bei Essstörungen und benennt aggravierende bzw. mildernde Verlaufsfaktoren. erhöhtes relatives Risiko für Suizid- und Gesamtmortalität; modifizierende (verschärfende/abmildernde) Faktoren identifiziert (exakte RR aus Volltext nicht extrahiert)
  26. Chesney, Goodwin & Fazel 2014, World Psychiatry · Meta-Review von 407 Meta-Analysen/Kohorten (20 Diagnosegruppen) A
    Menschen mit Depression sterben rund 20-mal haeufiger durch Suizid als die Allgemeinbevoelkerung. SMR Suizid 19,7 (95% KI 12,2-32,0)
  27. Chesney, Goodwin & Fazel 2014, World Psychiatry · Meta-Review A
    Bipolare Stoerung ist mit rund 17-fach erhoehter Suizidsterblichkeit verbunden - eine der hoechsten aller psychiatrischen Diagnosen. SMR Suizid 17,1 (95% KI 9,8-29,5)
  28. Nordentoft, Mortensen & Pedersen 2011, Arch Gen Psychiatry · Nationale Kohorte, 176.347 Personen mit psychischer Ersthospitalisierung 1955-2006 A
    Nach erstem stationaeren Kontakt wegen bipolarer Stoerung stirbt etwa jeder 13. Mann und jede 21. Frau langfristig durch Suizid. Absolutes Suizidrisiko Maenner 7,77% vs. Frauen 4,78%
  29. Nordentoft, Mortensen & Pedersen 2011, Arch Gen Psychiatry · Nationale Kohorte, 176.347 Personen A
    Auch bei unipolarer Depression liegt das absolute Lebenszeit-Suizidrisiko nach Klinikkontakt bei ca. 4-7% - deutlich unter frueheren Schaetzungen (~15%), aber stark geschlechtsabhaengig. Absolutes Suizidrisiko Maenner 6,67% vs. Frauen 3,77%
  30. Plans et al. 2019, Epidemiology and Psychiatric Sciences · Meta-Analyse, 79 Studien, 33.719 Patienten (1985-2018) A
    Rund ein Drittel aller Menschen mit bipolarer Stoerung hat mindestens einen Suizidversuch in der Vorgeschichte. Lebenszeitpraevalenz Suizidversuch 33,9% (95% KI 31,3-36,6)
  31. Dong et al. 2019, Psychological Medicine · Meta-Analyse von Beobachtungssurveys A
    Etwa jeder dritte Betroffene mit Major Depression berichtet ueber einen Suizidversuch, mit starker Streuung je nach Setting. Gepoolte Lebenszeitpraevalenz Suizidversuch ~31% (klinische Stichproben deutlich hoeher als Gemeindestichproben)
  32. Chung et al. 2017, JAMA Psychiatry · Meta-Analyse, 100 Studien, ~183.000 entlassene Patienten A
    Das Suizidrisiko ist unmittelbar nach Klinikentlassung massiv erhoeht - am hoechsten bei wegen Suizidalitaet/Depression aufgenommenen Patienten. Suizidrate 484/100.000 Personenjahre (95% KI 422-556); in ersten 3 Monaten ein Vielfaches
  33. Bostwick, Pabbati, Geske & McKean 2016, Am J Psychiatry · Populationsbasierte Kohorte, 1.490 Personen mit Index-Suizidversuch A
    Ein frueherer Suizidversuch ist der staerkste Einzelpraediktor fuer spaeteren Suizidtod - der Erstversuch ist oft schon toedlich, nicht nur ein 'Hilferuf'. Ein Grossteil der spaeteren Suizidtoten stirbt bereits beim ersten dokumentierten Versuch (Erstversuch deutlich lethaler als angenommen)
  34. Isometsae 2014 (Review), Canadian Journal of Psychiatry; vgl. Arsenault-Lapierre 2004 Meta-Analyse · Narrativer Review mehrerer Fall-Kontroll-Autopsiestudien A
    Affektive Stoerungen sind die haeufigste psychiatrische Diagnose bei Suizidtoten - die zentrale Zielgruppe der Praevention. Stimmungsstoerungen in einem Grossteil der Suizide (in westlichen Autopsiestudien ~30-60%, teils hoeher)
  35. Systematische Review/Meta-Analyse registerbasierter Studien 2024, Neuroscience & Biobehavioral Reviews · Meta-Analyse registerbasierter Kohorten A
    Aktuelle registerbasierte Synthese bestaetigt fuer beide affektiven Hauptdiagnosen ein vielfach erhoehtes Suizidverhalten gegenueber der Allgemeinbevoelkerung. Beide mit stark erhoehtem Risiko fuer suizidales Verhalten; bipolar tendenziell hoeheres relatives Risiko
  36. Erlangsen A et al. 2020, JAMA · Nationale Registerkohorte, N=7.300.395; 35.483 Suizide, 1980-2016 A
    In der dänischen Gesamtbevölkerung war das Suizidrisiko bei Menschen mit einer neurologischen Diagnose um 80% erhöht; 14,7% aller Suizide entfielen auf Betroffene. adj. IRR 1,8 (95% KI 1,7-1,8)
  37. Erlangsen A et al. 2020, JAMA · Nationale Registerkohorte, N=7,3 Mio. A
    Epilepsie war in der dänischen Registerkohorte mit einem um 70% erhöhten Suizidrisiko assoziiert. adj. IRR 1,7 (95% KI 1,6-1,8)
  38. Systematische Übersicht & Meta-Analyse 2025, Journal of Neurology (13 Studien) · Meta-Analyse, 13 Studien A
    Metaanalytisch war das Suizidrisiko bei Epilepsie rund 2,3-2,5-fach, das Risiko für Suizidversuche bis ~5-fach erhöht. Suizidtod adj. HR 2,50 (1,99-3,16); Ideation RR 2,06 (1,47-2,89); Versuch IRR 4,94 (4,44-5,50)
  39. Fazel S et al. 2013, The Lancet · Totalpopulations-Kohorte, 1969-2009 A
    Ein wesentlicher Teil der Suizide bei Epilepsie war an gleichzeitige psychiatrische Erkrankungen (v.a. Depression, Substanzkonsum) gekoppelt - Komorbidität als zentraler Treiber. Suizid als eine Hauptursache externer Übersterblichkeit; Großteil an psych. Komorbidität gebunden
  40. Erlangsen A et al. 2020, JAMA · Nationale Registerkohorte, N=7,3 Mio. A
    MS gehörte zu den stärker suizidassoziierten neurologischen Diagnosen mit mehr als verdoppeltem Risiko. adj. IRR 2,2 (95% KI 1,9-2,6)
  41. Fredrikson S et al. 2003, Neuroepidemiology (Sadovnick-Linie) · Nationale MS-Kohorte (Landmark) A
    Die schwedische Landmark-Kohorte zeigte etwa verdoppelte Suizidmortalität, am höchsten in den ersten Jahren nach Diagnose und bei jungen Erkrankten. SMR ~1,9-2,3 (v.a. in ersten 5 Jahren nach Diagnose und bei Diagnose <30 J.)
  42. Erlangsen A et al. 2020, JAMA · Nationale Registerkohorte, N=7,3 Mio. A
    Parkinson war mit einem um 70% erhöhten Suizidrisiko assoziiert - entgegen der verbreiteten Annahme, Parkinson-Betroffene seien wegen Bewegungseinschränkung geschützt. adj. IRR 1,7 (95% KI 1,5-1,9)
  43. Chang W-J/Yoon et al. 2022, BMC Psychiatry · Nationale Kohorte, 17.143 PD vs. 17.143 Kontrollen (PS-Matching), 2004-2013 A
    Neu diagnostizierte Parkinson-Patienten hatten ein rund 2,3-faches Suizidrisiko, mit Spitze in den ersten Monaten nach Diagnose und bei jüngeren (60-69 J.) Betroffenen. adj. HR 2,26 (95% KI 1,67-3,06); erste 180 Tage HR 2,64 (1,31-5,30)
  44. Erlangsen A et al. 2020, JAMA · Nationale Registerkohorte, N=7,3 Mio. A
    Chorea Huntington zeigte mit ~5-fach erhöhtem Risiko die höchste Suizidassoziation unter den neurologischen Erkrankungen (gleichauf mit ALS). adj. IRR 4,9 (95% KI 3,1-7,7)
  45. McGarry A et al. 2021, BJPsych Open (Enroll-HD) · Prospektive globale Kohorte, mehrere Tausend HD-Teilnehmer A
    In der weltweit größten HD-Kohorte traten Suizide/Versuche gehäuft an definierten Übergangsphasen (Diagnose, Verlust der Selbstständigkeit) auf. erhöhte Inzidenz vollendeter Suizide und Versuche; kritische Phasen um Diagnosestellung und bei zunehmender funktioneller Einschränkung
  46. Erlangsen A et al. 2020, JAMA · Nationale Registerkohorte, N=7,3 Mio. A
    ALS war - gleichauf mit Huntington - mit dem höchsten Suizidrisiko (~5-fach) aller neurologischen Erkrankungen verbunden. adj. IRR 4,9 (95% KI 3,5-6,9)
  47. Fang F et al. 2008, Brain · Nationale Registerkohorte A
    Die schwedische Kohorte zeigte stark erhöhte Suizidraten bei ALS, konzentriert auf die ersten 12 Monate nach Diagnosestellung. deutlich erhöhte Suizidmortalität, Spitze im ersten Jahr nach Diagnose
  48. Erlangsen A et al. 2020, JAMA · Nationale Registerkohorte, N=7,3 Mio. A
    Schlaganfall war mit einem moderat (~30%) erhöhten Suizidrisiko assoziiert - schwächer als degenerative Erkrankungen, wegen Häufigkeit aber bevölkerungsbezogen relevant. adj. IRR 1,3 (95% KI 1,2-1,3)
  49. Eriksson M et al. 2015, Neurology (Riks-Stroke) · Nationale Schlaganfall-Registerkohorte (Riks-Stroke) A
    Post-Stroke-Suizidalität war bei jungen, schwer betroffenen und sozioökonomisch benachteiligten Überlebenden am höchsten, mit Häufung in den ersten Jahren. erhöhtes Risiko, am stärksten bei jüngeren Patienten und in ersten 2 Jahren nach Ereignis
  50. Madsen T et al. 2018, JAMA · Nationale Registerkohorte, N=7,4 Mio., 1980-2014 A
    SHT verdoppelte das Suizidrisiko mit klarem Dosis-Wirkungs-Muster (mehr/schwerere Traumata = höheres Risiko) und stark erhöhtem Risiko im ersten halben Jahr. adj. IRR 1,90 (95% KI 1,83-1,97); schweres SHT IRR 2,38; erste 6 Monate IRR 3,67
  51. Friedman LE et al. 2017, Headache · Systematische Übersicht & Meta-Analyse A
    Bereits eine frühere Meta-Analyse fand rund verdoppelte bis 2,5-fache Odds für Suizidgedanken bei Migränebetroffenen. gepoolte OR für Suizidideation ~2,5
  52. Erlangsen A et al. 2020, JAMA · Nationale Registerkohorte, N=7,3 Mio. A
    Über alle Altersgruppen gemittelt war Demenz NICHT mit erhöhtem, sondern leicht erniedrigtem Suizidrisiko assoziiert - ein Durchschnitt, der die kritische Frühphase verdeckt. adj. IRR 0,8 (95% KI 0,7-0,9)
  53. Alothman D et al. 2022, JAMA Neurology · Fall-Kontroll-Studie, N=594.674 (14.515 Suizide; 4.940 mit Demenz) A
    Bei unter 65-Jährigen war das Suizidrisiko in den ersten 3 Monaten nach Demenzdiagnose fast 7-fach erhöht - das Durchschnitts-Nullbild (IRR 0,8) verschleiert diese Hochrisiko-Subgruppe. HR 6,69 (Diagnose <65 J. in ersten 3 Monaten); psychiatrische Komorbidität HR 1,52
  54. Fan et al. 2024, Journal of Advanced Nursing (Meta-Analyse) · Systematischer Review + Meta-Analyse A
    Neben dem Suizidtod sind auch Suizidgedanken und -versuche bei Diabetes signifikant erhoeht; Insulin ist ein niederschwellig verfuegbares Mittel. erhoehte Praevalenz von Suizidgedanken und -versuchen (gepoolt, Volltext)
  55. Assessing suicide risk in heart failure 2025, Frontiers in Psychiatry (Meta-Analyse, 8 Studien) · Meta-Analyse, 8 Studien A
    Herzinsuffizienz erhoeht die Suizidwahrscheinlichkeit um rund 62% gegenueber Personen ohne schwere kardiovaskulaere Erkrankung. OR 1,62 (95% KI 1,49-1,74)
  56. Petersen et al. 2020, Journal of Internal Medicine (nationale Kohorte) · Nationale Kohortenstudie A
    Herzerkrankungen sind landesweit mit erhoehtem Suizidrisiko assoziiert, insbesondere kurz nach Diagnose und bei psychiatrischer Komorbiditaet. erhoehte Suizidinzidenzrate vs. Allgemeinbevoelkerung (exakte IRR im Volltext)
  57. O'Connor, Smyth, Ferguson, Ryan, Williams 2013, J. Consult. Clin. Psychol. · prospektive Kohorte, ca. N=70 Patienten nach Suizidversuch A
    In einer 4-Jahres-Verlaufsstudie an Selbstverletzungs-Patienten sagten Defeat und Entrapment das erneute suizidale Verhalten/Ideation vorher, ueber Depression und fruehere Versuche hinaus. prospektive Assoziation, exakte OR/KI nicht sicher erinnert
  58. Siddaway, Taylor, Wood, Schulz 2015, J. Affect. Disord. · Meta-Analyse, mehrere Dutzend Studien A
    Meta-Analyse: Defeat und Entrapment sind konsistent und mittel-bis-stark mit Suizidalitaet (sowie Depression, Angst, PTBS) assoziiert; Entrapment gilt als proximalster kognitiver Marker. gepoolte Korrelationen, mittlere bis grosse Effekte (r nicht sicher erinnert)
  59. May & Klonsky 2016, Clin. Psychol.: Sci. Pract. · Meta-Analyse A
    Meta-Analyse: Depression, Hoffnungslosigkeit und die meisten Diagnosen trennen Suizidversucher kaum von Menschen mit reinen Suizidgedanken; nur wenige Faktoren (Fruehversuche, Faehigkeit/Furchtlosigke die meisten klassischen Risikofaktoren unterscheiden Versucher NICHT von Ideatoren
  60. Brown, Beck, Steer, Grisham 2000, J. Consult. Clin. Psychol. · prospektive Kohorte, ca. N=6.900 A
    20-Jahres-Verlaufsstudie an psychiatrischen Ambulanzpatienten: Hoffnungslosigkeit war einer der staerksten prospektiven Praediktoren des spaeteren Suizidtods. hoehere Hoffnungslosigkeit -> deutlich erhoehtes spaeteres Suizidrisiko (exakte HR nicht sicher erinnert)
  61. Ribeiro, Huang, Fox, Franklin 2018, Br. J. Psychiatry · Meta-Analyse prospektiver Studien A
    Meta-Analyse: Hoffnungslosigkeit und Depression erhoehen das Risiko fuer Ideation/Versuch/Tod statistisch, sagen aber den einzelnen Fall kaum besser als der Zufall voraus (geringer positiver praedikti statistisch signifikant, aber schwach; diagnostische Genauigkeit nahe Zufall
  62. McClelland, Evans, Nowland, Ferguson, O'Connor 2020, J. Affect. Disord. · systematischer Review + Meta-Analyse prospektiver Studien A
    Meta-Analyse prospektiver Studien: Einsamkeit sagt spaetere Suizidgedanken und suizidales Verhalten voraus, unabhaengig von, aber teils ueberlappend mit Depression. prospektiv signifikant positiv, moderater Effekt (KI nicht sicher erinnert)
  63. Bentley et al. 2016, Clinical Psychology Review · Meta-Analyse längsschnittlicher Studien (65 Studien) A
    Angst als isoliert gemessener Trait ist ein nur schwacher Längsschnitt-Prädiktor: sie sagt Gedanken/Versuche moderat, den Suizidtod praktisch gar nicht voraus (OR ~1.0). Ideation OR 1.49 (1.18-1.88); Versuch OR 1.64 (1.47-1.83); Suizid(tod) OR 1.01 (0.87-1.18) n.s.
  64. Bentley et al. 2016, Clinical Psychology Review · Meta-Analyse längsschnittlicher Studien A
    Panikstörung verdoppelt annähernd das Risiko eines Suizidversuchs, zeigt aber keinen belegten Zusammenhang mit dem Suizidtod im Längsschnitt. Versuch OR 1.96 (1.38-2.79); Suizid(tod) OR 1.09 (0.39-3.04) n.s.
  65. Bentley et al. 2016, Clinical Psychology Review · Meta-Analyse längsschnittlicher Studien A
    GAD erhöht Suizidgedanken moderat, ist aber für Suizidversuche kein eigenständiger Prädiktor (KI überschneidet 1) - der Effekt läuft weitgehend über Komorbidität. Ideation OR 1.70 (1.18-2.46); Versuch OR 1.27 (0.78-2.08) n.s.
  66. Bentley et al. 2016, Clinical Psychology Review · Meta-Analyse längsschnittlicher Studien A
    Soziale Angst sagt Suizidgedanken und -versuche moderat voraus - ein oft unterschätzter, weil 'stiller' Risikofaktor. Ideation OR 1.38 (1.10-1.72); Versuch OR 1.67 (1.25-2.23)
  67. Meier et al. 2026, Epidemiology and Psychiatric Sciences · Nationale Matched- und Geschwister-Kohorte (n=57.360 SAD; 1997-2020) A
    Menschen mit sozialer Angststörung haben ein 5-fach erhöhtes Suizidsterberisiko; auch nach Kontrolle familiärer Faktoren (Geschwistervergleich) bleibt es ~1,7-fach erhöht. Suizidtod HR 5.00 (4.44-5.62) vs. gematchte Kontrollen; HR 1.73 (1.62-1.85) vs. unbetroffene Geschwister
  68. Bentley et al. 2016, Clinical Psychology Review · Meta-Analyse längsschnittlicher Studien A
    PTBS ist der stärkste Einzel-Angstprädiktor: rund verdoppeltes bis mehr als verdoppeltes Risiko für Suizidgedanken und -versuche. Ideation OR 2.25 (1.46-3.47); Versuch OR 2.07 (1.49-2.88)
  69. Fox et al. 2021, Journal of Affective Disorders · Nationale Kohorte, 3.177.706 Personen A
    In einer 3,1-Mio.-Kohorte war PTBS auch nach voller Adjustierung mit erhöhtem Suizidsterberisiko assoziiert, bei Frauen deutlich stärker (HR 2,6) als bei Männern (HR 1,7). Suizidtod voll adjustiert: Frauen HR 2.61 (2.16-3.14); Männer HR 1.67 (1.31-2.12)
  70. Fernández de la Cruz et al. 2017, Molecular Psychiatry · Populationsbasierte Kohorte, 36.788 OCD-Patienten (1969-2013) A
    Im Gegensatz zum Trait-Nullbefund haben real diagnostizierte OCD-Patienten ein ~10-fach erhöhtes Suizidsterbe- und ~5-fach erhöhtes Versuchsrisiko - der Widerspruch zeigt: Klinik ist gefährlicher als Suizidtod OR 9.83 (8.72-11.08) unadj.; Suizidversuch OR 5.45 (5.24-5.67) unadj.; nach Komorbiditäts-Adjustierung reduziert, aber weiter deutlich erhöht
  71. Calati et al. 2017, Psychiatry Research · Meta-Analyse, 19 Studien A
    Über 19 Studien hinweg sind Dissoziierte signifikant häufiger von Suizidversuchen und Selbstverletzung betroffen - Dissoziation wirkt als eigenständiger, transdiagnostischer Risikomarker. Suizidversuch und NSSV signifikant erhöht; höhere DES-Werte bei SA und NSSV (exakte gepoolte OR im Abstract nicht extrahierbar)
  72. Chan et al. 2025, Annals of General Psychiatry · Populationsbasierte Matched-Kohorte, 716 vs. 716 (1993-2023) A
    Auch nach Adjustierung für Depression/Bipolarität hatten Menschen mit dissoziativer Störung ein ~1,9-fach erhöhtes Risiko für suizidale Handlungen (12% vs. 4%). Suizidale Handlungen adj. HR 1.89 (1.17-3.06); 12,2% vs. 4,1% in Kontrollgruppe
  73. Angelakis et al. 2019, Psychological Medicine · Meta-Analyse, 68 Studien A
    Sexueller Kindesmissbrauch verdreifacht das spätere Suizidversuchsrisiko - einer der robustesten Einzeleffekte im Feld. Suizidversuch OR 3.17 (2.76-3.64); Ideation OR 2.15 (1.77-2.62)
  74. Angelakis et al. 2019, Psychological Medicine · Meta-Analyse, 68 Studien A
    Auch die 'unsichtbaren' Traumaformen ohne körperliche Spuren - emotionaler Missbrauch und Vernachlässigung - verdoppeln bis verzweieinhalbfachen das Suizidversuchsrisiko. Emot. Missbrauch Versuch OR 2.49 (1.64-3.77); emot. Vernachlässigung Versuch OR 2.29 (1.79-2.94)
  75. Angelakis et al. 2019, Psychological Medicine · Meta-Analyse, 68 Studien A
    Kumuliertes Mehrfachtrauma hat den mit Abstand höchsten Effekt (OR ~5) - klarer Dosis-Wirkungs-Hinweis: je mehr Traumaformen, desto höher das Risiko. Suizidversuch OR 5.18 (2.52-10.63)
  76. Mataix-Cols/Sigström et al. 2024, JAMA Psychiatry · Nationale Matched-Kohorte, 4.129 vs. 41.290 A
    Paradox: Menschen mit ausgeprägter Krankheits-/Gesundheitsangst sterben ~4-fach häufiger durch Suizid - die gefürchtete Krankheit ist nicht die Haupt-Todesursache, die Angst selbst wird tödlich. Suizidtod HR 4.14 (2.44-7.03); Gesamtmortalität HR 1.69 (1.47-1.93)
  77. Wang et al. 2020, Scientific Reports (Meta-Analyse) · Meta-Analyse, Längsschnittstudien A
    Schlafstörungen und Albträume - Kernsymptome von PTBS und Angst - sagen Suizidgedanken und -verhalten längsschnittlich voraus, teils unabhängig von Depression, und sind ein modifizierbarer Ansatzpunkt Erhöhtes Risiko für Suizidgedanken/-versuche/-tod (gepoolt signifikant; exakte OR je Outcome variabel)
  78. Duarte D et al. 2020, JAMA Psychiatry · Meta-Analyse, 9 Studien / ca. Millionen Personenjahre A
    Aerztinnen haben ein etwa 46% erhoehtes Suizidrisiko gegenueber der weiblichen Bevoelkerung, waehrend maennliche Aerzte KEIN erhoehtes Risiko zeigen (Geschlechter-Paradox). SMR 1,46 (95% KI 1,02-1,91); Maenner SMR 0,67 (0,55-0,79)
  79. Dutheil F et al. 2019, PLoS ONE · Meta-Analyse, 61 Studien A
    Meta-Analyse bestaetigt erhoehtes Suizidrisiko bei Aerzten, mit staerkster Erhoehung bei Aerztinnen und in Fachrichtungen mit Zugang zu letalen Mitteln (Anaesthesie, Psychiatrie). erhoehte gepoolte Suizidrate, insb. Frauen; Maenner uneinheitlich
  80. Davis MA et al. 2021, JAMA Psychiatry · Nationale Kohorte/Register, >150.000 Suizide A
    Weibliche Pflegekraefte haben eine etwa doppelt so hohe Suizidrate wie die weibliche Allgemeinbevoelkerung; Vergiftung als Methode ueberrepraesentiert (Medikamentenzugang). Suizidrate Pflegerinnen ~17,1 vs. 8,6 pro 100.000 (IRR ~ 1,7-2,0)
  81. Tomasi SE et al. 2019, J Am Vet Med Assoc (JAVMA) · Register-/Sterbeurkundenanalyse, 398 Suizide A
    Tieraerztinnen sterben 3,5-fach, Tieraerzte 2,1-fach haeufiger durch Suizid als die Bevoelkerung; Zugang zu Euthanasie-Barbituraten zentral. PMR Frauen 3,5 (2,3-5,1); Maenner 2,1 (1,6-2,7)
  82. Peterson C et al. 2020, MMWR (CDC) · Oekologisch, berufsbezogene Raten, ~20.000 Suizide A
    Bau- und Rohstoffgewinnungsberufe weisen die hoechste Suizidrate aller maennlichen Berufsgruppen auf, deutlich ueber dem Bevoelkerungsschnitt. Suizidrate ~49 pro 100.000 (hoechste maennliche Berufsgruppe)
  83. Klingelschmidt J et al. 2018, Scand J Work Environ Health · Meta-Analyse, 65 Studien A
    Systematische Meta-Analyse zeigt erhoehte Suizidraten bei Landwirten, u.a. durch Pestizidzugang, Isolation, oekonomischen Druck und Wetter-/Marktrisiken. gepoolt erhoehtes Suizidrisiko, insb. Maenner (Effekt heterogen)
  84. Stanley IH et al. 2016, Clinical Psychology Review · Systematic Review, 63 Studien A
    Rund ein Viertel der Einsatzkraefte berichtet Suizidgedanken im Lauf des Lebens; SuizidTOD-Raten sind gegenueber der Bevoelkerung uneinheitlich (teils erhoeht, teils nicht) - Effekt umstritten. Lebenszeit-Suizidgedanken ca. 25%; Versuch ca. 3-5%
  85. Milner A et al. 2013, British Journal of Psychiatry · Meta-Analyse, 34 Studien A
    Meta-Analyse zeigt: je niedriger die berufliche Qualifikation/Kontrolle, desto hoeher das Suizidrisiko - ein sozialer Gradient unabhaengig vom Einzelberuf. erhoehte Suizidraten bei niedrigem Qualifikations-/Statusniveau (Maenner)
  86. Nordt C et al. 2015, Lancet Psychiatry · Laengsschnitt-oekologische Modellierung A
    Arbeitslosigkeit ist mit ~20-30% hoeherem Suizidrisiko assoziiert; der Risikoanstieg beginnt bereits ~4-6 Monate VOR dem Beschaeftigungsverlust und ist in Laendern mit niedriger Grundarbeitslosigkeit RR Suizid ~1,2-1,3; ~45.000 assoziierte Suizide/Jahr
  87. Milner A, Page A, LaMontagne AD 2013, PLoS ONE · Meta-Analyse, 16 Kohortenstudien A
    Arbeitslose haben ein ~1,6-fach erhoehtes Suizidrisiko, doch ein erheblicher Teil erklaert sich durch vorbestehende psychische Erkrankung (Selektion) - Kausalanteil kleiner als der Rohwert. RR ~1,58; nach Adjustierung fuer Vorerkrankung deutlich abgeschwaecht
  88. Menon NK et al. 2020, JAMA Network Open · Querschnitt, 1.354 Aerzte A
    Nach statistischer Kontrolle fuer Depression ist Burnout NICHT eigenstaendig mit Suizidgedanken verknuepft - der oft behauptete direkte Burnout-Suizid-Zusammenhang ist weitgehend durch Depression konf Burnout NICHT unabhaengig mit Suizidgedanken assoziiert nach Adjustierung fuer Depression
  89. Pigeon et al. 2012, J Clin Psychiatry · Meta-Analyse, 39 Studien A
    Über 39 Studien war das Vorliegen einer Schlafstörung mit einem etwa verdoppelten Risiko für Suizidgedanken, -versuche und -tode assoziiert. RR ~1,95 (95% KI 1,72–2,21)
  90. Bernert et al. 2014, JAMA Psychiatry · prospektive Kohorte, ~14.456 Ältere, 10-J-Follow-up A
    Bei älteren Gemeindebewohnern sagte schlechte Schlafqualität über 10 Jahre den Suizidtod voraus, auch nach Adjustierung für depressive Symptome. adj. OR ~1,39; bei zusätzlicher Depression deutlich höher
  91. Bjørngaard et al. 2011, Sleep · Bevölkerungskohorte, ~75.000, 20-J-Follow-up A
    In der norwegischen HUNT-Kohorte verschwand der Zusammenhang Schlafprobleme–Suizid nach Kontrolle für Depression/Angst — starker Hinweis auf Confounding durch Depression. HR ~2,1 roh → nach Adjustierung nicht mehr signifikant
  92. Nadorff et al. 2011, Sleep · Querschnitt, Studierendenstichprobe N~583 A
    Albträume blieben ein von Insomniesymptomen und Depression unabhängiger Prädiktor für Suizidgedanken — ein oft übersehenes Signal. signifikante eigenständige Assoziation (OR erhöht)
  93. Ribeiro et al. 2012, J Affect Disord · prospektive Militär-Stichprobe A
    Bei Militärangehörigen übertrafen Schlafprobleme Depression und Hoffnungslosigkeit als quer- und längsschnittliche Prädiktoren suizidaler Gedanken/Verhalten. Schlaf prädiktiver als Depression/Hoffnungslosigkeit
  94. Wong & Brower 2011, J Psychiatr Res · nationale Längsschnittkohorte Jugendlicher A
    In der US-Add-Health-Kohorte sagten Schlafprobleme im Jugendalter spätere Suizidgedanken und -versuche voraus. erhöhtes Risiko späterer Suizidalität (OR erhöht)
  95. Chesney E, Goodwin GM, Fazel S 2014, World Psychiatry · Meta-Review von Meta-Analysen (mentale Stoerungen gesamt) A
    Im gepoolten Meta-Review liegt die standardisierte Suizidmortalitaets-Ratio bei Schizophrenie bei rund 12,9-fach gegenueber der Allgemeinbevoelkerung. SMR Suizid ~12,9 (gepoolt; Meta-Review)
  96. Palmer BA, Pankratz VS, Bostwick JM 2005, Arch Gen Psychiatry · Meta-analytische Neuberechnung (Landmark) A
    Die korrigierte Neubewertung schaetzt das Lebenszeit-Suizidrisiko bei Schizophrenie auf etwa 4,9% - deutlich niedriger als die frueher zitierten 10%, mit hoechstem Risiko frueh im Krankheitsverlauf. Lebenszeitrisiko ~4,9% (Neubewertung; frueher ~10% ueberschaetzt)
  97. Nordentoft M, Mortensen PB, Pedersen CB 2011, Arch Gen Psychiatry · Nationale Registerkohorte, ~176.000 Personen mit Suizid-Follow-up A
    Im daenischen Vollregister betrug das absolute Suizidrisiko nach Erstkontakt wegen Schizophrenie ca. 6,5% (Maenner) bzw. 4,9% (Frauen) - einer der hoechsten Werte aller psychischen Diagnosen. Absolutes Suizidrisiko Maenner ~6,5%, Frauen ~4,9%
  98. Correll CU, Solmi M, et al. 2022, World Psychiatry (o.ae.), Meta-Analyse Mortalitaet Schizophrenie · Systematische Review/Meta-Analyse relativer Sterberisiken A
    Die aktuelle Meta-Analyse bestaetigt eine rund 2,5-fach erhoehte Gesamtsterblichkeit bei Schizophrenie, wobei Suizid v.a. in fruehen Krankheitsphasen einen ueberproportionalen Anteil ausmacht. All-cause RR ~2,5; Suizid grosser Beitrag zur Uebersterblichkeit
  99. Wimberley T, et al. 2017, Am J Psychiatry · Registerkohorte, ~2.370 therapieresistente Patienten A
    Im daenischen Register war Clozapin mit geringerer Gesamtsterblichkeit und Selbstverletzung assoziiert, jedoch stieg die Selbstverletzungsrate in der Phase nach Clozapin-Absetzen deutlich an. Niedrigere Gesamtmortalitaet und weniger Selbstverletzung unter Clozapin; Anstieg nach Absetzen
  100. Taipale H, Tanskanen A, Tiihonen J, et al. (FIN20) 2020, World Psychiatry · Nationale Registerkohorte, 62.250 Patienten, 20 J. Follow-up A
    In der 20-Jahres-FIN20-Kohorte hatte Clozapin die niedrigste Gesamtsterblichkeit aller Antipsychotika, waehrend Nicht-Einnahme mit der hoechsten Mortalitaet (auch suizidbedingt) verbunden war. Clozapin niedrigste all-cause Mortalitaet; Nicht-Einnahme hoechste
  101. Yates K, Lang U, ... Kelleher I (DeVylder-Gruppe) 2019, JAMA Psychiatry · Systematische Review & Meta-Analyse longitudinaler Populationsstudien A
    Die Meta-Analyse longitudinaler Bevoelkerungsstudien zeigt, dass psychotische Erlebnisse das spaetere Risiko fuer Suizidgedanken (~2-fach), Suizidversuch (~3-fach) und Suizidtod (~4-fach) erhoehen - a Ideation OR ~2,4; Suizidversuch OR ~3,2; Suizidtod OR ~4,4 (laengsschnittlich)
  102. Nordentoft M, et al. 2011, Arch Gen Psychiatry (Fruehphasen-Analyse) · Registerkohorte, Zeitverlaufsanalyse A
    Das Suizidrisiko ist bei psychotischen Stoerungen in der Fruehphase - insbesondere im ersten Jahr nach Diagnose/Erstkontakt - am hoechsten und faellt danach ab. Hoechste Suizidinzidenz im ersten Jahr / periodischer Erkrankungsbeginn
  103. Challis S, Nielssen O, Harris A, Large M 2013, Br J Psychiatry · Systematische Meta-Analyse der Risikofaktoren A
    In der systematischen Meta-Analyse zu Selbstschaedigung bei FEP war vorheriges selbstschaedigendes Verhalten der konsistenteste Praediktor fuer erneute Selbstschaedigung nach Behandlungsbeginn. Fruehere Selbstschaedigung staerkster Praediktor fuer erneute (gepoolt)
  104. Chung DT et al. 2017, JAMA Psychiatry · Systematische Review + Meta-Analyse, 100 Studien, 183 Patientenkohorten, >17.000 Suizide A
    Das Suizidrisiko ist unmittelbar nach psychiatrischer Entlassung extrem erhoeht und am hoechsten in den ersten 3 Monaten, besonders bei Aufnahme wegen Suizidalitaet. 1132 Suizide/100.000 Personenjahre in den ersten 3 Monaten (95%-KI 666-1928); Gesamt post-Entlassung ~484/100.000 PJ (95%-KI 422-556); ~100-fach hoeher als Allgemeinbevoelkerung
  105. While D et al. 2012, The Lancet (NCISH, England & Wales) · Ecological before-and-after, nationale Register-/Auditdaten psychiatrischer Patientensuizide A
    Regionen/Trusts, die organisatorische Praeventions-Empfehlungen umsetzten (u.a. rasche Nachsorge, Krisenteams, Dual-Diagnosis-Versorgung), verzeichneten messbar niedrigere Suizidraten bei psychiatrisc Dienste, die mehr Empfehlungen umsetzten, hatten niedrigere Suizidraten; Implementierung mehrerer Kernmassnahmen mit signifikant reduzierten Raten assoziiert
  106. Stanley B et al. 2018, JAMA Psychiatry · Kohorten-Vergleich (cohort comparison), ~1640 Patienten A
    Eine kurze Safety-Planning-Intervention mit strukturierten Nachsorgeanrufen in der Notaufnahme halbierte annaehernd suizidales Verhalten im Folgezeitraum. ~45-50% weniger suizidales Verhalten ueber 6 Monate vs. Standardversorgung (OR ~0,44-0,56)
  107. Reeves A, McKee M, Stuckler D 2014, British Journal of Psychiatry · Oekologische Zeitreihen-/Trendanalyse nationaler Mortalitaetsdaten A
    Die Grosse Rezession war mit rund 10.000 ueberzaehligen Suiziden in Europa und Nordamerika assoziiert, konzentriert auf Maenner im Erwerbsalter. ~10.000 zusaetzliche 'oekonomische' Suizide in Europa/Nordamerika 2008-2010 ueber Trend hinaus
  108. Nordt C, Warnke I, Seifritz E, Kawohl W 2015, Lancet Psychiatry · Laengsschnitt-Modellierung, WHO-Mortalitaets- + ILO-Arbeitsmarktdaten A
    Arbeitslosigkeit erklaert weltweit etwa ein Fuenftel der Suizide, und der relative Anstieg des Suizidrisikos ist paradoxerweise dort groesser, wo Arbeitslosigkeit ungewoehnlich ist. ~1/5 der Suizide mit Arbeitslosigkeit assoziiert; ~45.000 Suizide/Jahr arbeitslosigkeitsbezogen; relatives Risiko erhoeht, Effekt in Laendern mit niedriger Arbeitslosen-Baseline groesser
  109. Barr B, Taylor-Robinson D, Stuckler D et al. 2016, J Epidemiol Community Health · Longitudinale oekologische Studie, 2010-2013 A
    Die Ausweitung strenger Arbeitsfaehigkeitspruefungen war regional mit Anstiegen von Suiziden, psychischer Belastung und Antidepressiva-Verschreibungen assoziiert - direkte Politik-Gesundheits-Kopplung Je 10.000 zusaetzliche WCA-Reassessments: ~6 zusaetzliche Suizide (+0,3), ~2700 zusaetzliche Antidepressiva-Verschreibungen, ~7000 zusaetzliche Faelle psychischer Belastung
  110. Kaufman JA, Salas-Hernandez LK, Komro KA, Livingston MD 2020, J Epidemiol Community Health · Differenz-von-Differenzen-Panelanalyse (50 Staaten + DC) A
    Hoehere Mindestloehne sind mit signifikant niedrigeren Suizidraten bei gering gebildeten Erwachsenen assoziiert, mit staerkerem Schutzeffekt in Phasen hoher Arbeitslosigkeit. +1 US$ Mindestlohn: ~3,5-6% niedrigere Suizidrate bei gering Gebildeten, Effekt staerker bei hoher Arbeitslosigkeit; Schaetzung: 8.000-27.000 vermeidbare Suizide (2009-2015) bei +1 US$
  111. Pirkis J et al. 2021, Lancet Psychiatry · Interrupted-Time-Series, aggregierte nationale/regionale Suizid-Echtzeitdaten A
    Entgegen den Befuerchtungen stieg die Suizidrate in den ersten Pandemiemonaten in 21 laenderuebergreifend untersuchten Regionen nicht an, teils sank sie - moeglicherweise durch 'pulling together'-Effe Kein Anstieg der Suizidrate; in mehreren Laendern/Regionen sogar leichter Rueckgang (Rate Ratio teils <1,0), keine signifikante Zunahme gegenueber erwartetem Trend
  112. Tanaka T, Okamoto S 2021, Nature Human Behaviour · Interrupted-Time-Series, nationale monatliche Suiziddaten A
    Nach anfaenglichem Rueckgang stieg die Suizidrate in Japans zweiter Pandemiewelle deutlich, mit ueberproportionaler Belastung von Frauen und Jugendlichen - ein Warnsignal fuer verzoegerte, ungleich ve Rueckgang ~-14% in erster Phase, dann Anstieg ~+16% in zweiter Welle; besonders Frauen (+37%) und Kinder/Jugendliche
  113. Zalsman G et al. 2016, Lancet Psychiatry (10-Jahres-Review) · Systematische Review evidenzbasierter Praeventionsstrategien A
    Ueber 10 Jahre systematischer Evidenz zeigen Mittel-Restriktion und Versorgungsketten die staerkste Suizid-senkende Wirkung, waehrend reine Aufklaerungskampagnen kaum belegte Effekte haben. Mittel-Restriktion und Zugangsbeschraenkung mit staerkster Evidenz fuer Suizidreduktion; Aerztefortbildung/Depressionsbehandlung positiv; Screening/Awareness-Kampagnen ohne robusten Effekt
  114. Mann JJ et al. 2021, American Journal of Psychiatry · Systematische Review A
    Die aktualisierte Evidenz bestaetigt Mittel-Restriktion, aktive Nachsorge und ausgewaehlte Schulprogramme als wirksam, waehrend viele populaere Massnahmen unbelegt bleiben. Mittel-Restriktion, Nachsorge nach Suizidversuch und Schulprogramme (z.B. YAM) mit RCT-Evidenz; Effekte moderat, differenziert nach Setting
  115. Case A, Deaton A 2015, PNAS · Deskriptive Analyse nationaler Mortalitaetsdaten A
    Der markante Anstieg von Suizid, Drogen- und Alkoholtoten bei gering gebildeten mittelalten Weissen in den USA signalisiert einen strukturell-oekonomischen Verzweiflungstrend, nicht nur individuelle P Anstieg der Mortalitaet durch 'Deaths of Despair' (Suizid + Vergiftung + Lebererkrankung) seit ~1999; Umkehr des langfristigen Mortalitaetsrueckgangs in dieser Gruppe
  116. Matsubayashi T, Ueda M 2011, Social Science & Medicine · Laendervergleichende Panelanalyse (Landmark, vor 2015) A
    Die Existenz eines nationalen Suizidpraeventionsprogramms war in 21 OECD-Laendern mit niedrigeren Suizidraten verbunden, am deutlichsten in aelteren Altersgruppen. Nationale Programme mit signifikanter Reduktion der Suizidrate assoziiert, besonders bei Aelteren; Effekt bei jungen Erwachsenen schwaecher/uneindeutig
  117. Chin K et al. 2022, Current Psychiatry Reports (Review nationaler Register) · Narrativer Review nationaler Sterberegister/Confidential Enquiries A
    Suizid ist in mehreren nationalen Erhebungen die fuehrende direkte Todesursache von Muettern im ersten Jahr nach der Geburt, nicht in der akuten Postpartalphase, sondern verzoegert (3-12 Monate). Suizid = fuehrende direkte Ursache maternaler Todesfaelle im 1. Jahr postpartum (Anteilsschaetzung, kein OR/HR)
  118. Johannsen BMW et al. 2016, American Journal of Psychiatry (nationale Registerkohorte) · Nationale Registerkohorte, alle Erstgebaerenden mit postpartaler Diagnose A
    Frauen mit schwerer postpartaler psychiatrischer Erstepisode haben eine deutlich erhoehte Suizid- und Gesamtsterblichkeit, konzentriert auf die ersten Monate nach Diagnose. stark erhoehte Suizid-/Gesamtmortalitaet, hoechstes Risiko in den ersten Monaten (praezises HR im Abstract nicht extrahiert)
  119. Moon DU et al. 2024, Frontiers in Psychiatry (nationale Kohorte) · Landesweite Registerkohorte, N=1.315.795 A
    Je frueher die Menopause, desto hoeher die Suizidmortalitaet - vorzeitige Ovarialinsuffizienz (POI) zeigt das hoechste Risiko (+43%). POI (<40) HR 1,43 (95%-KI 1,14-1,78); 40-44 HR 1,31 (1,15-1,50); 45-49 HR 1,13 (1,04-1,23) - Dosis-Wirkung
  120. Meta-Analyse 2024, Alpha Psychiatry (POI, Depression/Angst) · Systematischer Review + Meta-Analyse A
    POI ist mit deutlich erhoehter Depression und Angst assoziiert - der plausible Mechanismus hinter dem erhoehten Suizidrisiko bei frueher Menopause. erhoehtes Risiko fuer Depression und Angst (gepoolt; suizidspezifisches Mass nicht berichtet)
  121. Skovlund CW et al. 2018, American Journal of Psychiatry (nationale Kohorte) · Nationale Registerkohorte, N=475.802 A
    Hormonelle Kontrazeption ist mit etwa verdoppeltem Suizidversuchs- und rund verdreifachtem Suizidrisiko assoziiert, mit hoechstem relativem Risiko bei Jugendlichen und kurz nach Beginn. Suizidversuch RR 1,97 (95%-KI 1,85-2,10); Suizid RR 3,08 (95%-KI 1,34-7,08); Gestagen-Mono RR 2,29
  122. Stanley B et al. 2018, JAMA Psychiatry · Kohorten-Vergleichsstudie, n=1.640 A
    Ein kurzer Sicherheitsplan mit aktiver Nachsorge halbierte nahezu suizidales Verhalten nach Notaufnahmebesuch (nicht-randomisierter Kohortenvergleich). ~45% weniger suizidales Verhalten ueber 6 Monate (3,03% vs. 5,29%)
  123. Watts et al. 2022, American Journal of Psychiatry · Retrospektive Kohorte, N=61.633 Veteranen A
    Stabile medikamentoese Opioidtherapie (v.a. Buprenorphin) senkt die Suizidmortalitaet um mehr als 65 % gegenueber Phasen ohne Behandlung. Suizidmortalitaet unter stabiler Buprenorphin-Behandlung HR 0.34 (0.23-0.52); alle MOUD stabil HR 0.45 (0.32-0.63); Methadon nach Adjustierung n.s.
  124. Gobbi et al. 2019, JAMA Psychiatry · Meta-Analyse, 11 Studien, N=23.317 A
    Adoleszenter Cannabiskonsum erhoeht das spaetere Suizidversuchsrisiko rund 3,5-fach, auch nach Kontrolle fuer vorbestehende psychische Probleme. Suizidgedanken OR 1.50 (1.11-2.03); Suizidversuch OR 3.46 (1.53-7.84); Depression OR 1.37 (1.16-1.62)
  125. Fresan et al. 2022, Journal of Psychiatric Research · Meta-Analyse, bis zu 26 Studien, N bis 34.859 A
    Bei 11- bis 21-Jaehrigen ist Cannabisrauchen mit etwa verdoppeltem Risiko fuer Suizidgedanken und -versuche assoziiert. Suizidversuch OR 2.33 (1.78-3.05); Ideation OR 2.04 (1.64-2.53); Suizidplanung OR 1.67 (1.55-1.80)
  126. Li et al. 2012, Journal of Psychiatric Research · Meta-Analyse, 15 prospektive Kohorten, N=1.369.807 (2.395 Suizide) A
    Aktuelles Rauchen erhoeht das Suizidrisiko um ~80 % mit klarer Dosis-Wirkungs-Beziehung - ein oft uebersehener, potenziell teils konfundierter Marker. Aktuelle Raucher RR 1.81 (1.50-2.19); Ex-Raucher RR 1.28 (1.00-1.64); Dosis: +24 % je 10 Zig./Tag (RR 1.24, 1.20-1.28)
  127. Systematic Review & Meta-Analysis, General Hospital Psychiatry (BPD suicide ideation/attempt/suicide) · Systematische Review + Meta-Analyse mehrerer Kohorten A
    Systematische Meta-Analyse: Suizidversuche betreffen die Mehrheit der BPD-Patienten ueber die Lebenszeit, waehrend der Suizidtod bei wenigen Prozent liegt - hohe Versuchsrate, moderatere Vollendungsra gepoolte Praevalenz: Suizidgedanken ~ hoch, Suizidversuch ~ Mehrheit ueber Lebenszeit, Suizidtod niedrige einstellige %
  128. Temes, Frankenburg, Fitzmaurice & Zanarini, J Clin Psychiatry (McLean Study of Adult Development) · prospektive Kohorte, N=290 BPD + 72 Vergleich, 24 J. Follow-up A
    Ueber 24 Jahre prospektiver Nachbeobachtung starben 5,9% der BPD-Patienten durch Suizid vs. 1,4% der PS-Vergleichsgruppe; die Mehrzahl der Suizide betraf Patienten ohne erreichte Remission. Suizidtod 5,9% (BPD) vs. 1,4% (Vergleich); Nicht-Suizid-Tod 14,0% vs. 5,5%
  129. Kjaer, Biskin, Vestergaard & Munk-Joergensen, J Personality Disorders · nationale Registerkohorte, N=10.545 BPD, 547 Todesfaelle A
    Landesweite Registerkohorte: krankenhausbehandelte BPD-Patienten hatten eine rund 8-fach erhoehte Gesamtsterblichkeit; Risiko stieg mit Anzahl Aufnahmen/Jahr und komorbider Suchtstoerung. Standardisierte Mortalitaetsratio (SMR) Gesamtmortalitaet 8,3 (95%-KI 7,6-9,1)
  130. Paris & Zweig-Frank, Comprehensive Psychiatry · Langzeit-Follow-up-Kohorte, N~64 nachverfolgt A
    27-Jahres-Follow-up: rund jeder zehnte BPD-Patient (ca. 10%) verstarb durch Suizid - Suizide traten gehaeuft spaeter im Verlauf (mittleres Alter ~30) auf, nicht nur in der akuten Krise der fruehen Jah Suizidtod ~10,3% ueber 27 Jahre
  131. Systematic Review of Psychological Autopsy Studies, Current Psychiatry Reports · systematisches Review, 56 psychologische Autopsiestudien A
    Systematisches Review von 56 psychologischen Autopsiestudien: Persoenlichkeitsstoerungen (v.a. Cluster B/Borderline) sind unter Suizidverstorbenen haeufig; Impulsivitaet und Alkoholmissbrauch wirken P PS als signifikanter Risikofaktor; Impulsivitaet und Alkoholmissbrauch als universelle Risikofaktoren ueber PS-Typen
  132. Suicide and prevalence of mental disorders - meta-analysis of world psychological autopsy data, Psychiatry Research · Meta-Analyse Fall-Kontroll-Autopsiestudien A
    Weltweite Meta-Analyse von Fall-Kontroll-Autopsiestudien bestaetigt: psychische Stoerungen - einschliesslich Persoenlichkeitsstoerungen - sind bei der grossen Mehrheit der Suizide vorhanden und deutli gepoolte Praevalenz psychischer Stoerungen bei Suizid hoch; PS als eine der Hauptdiagnosegruppen
  133. McGirr, Renaud, Turecki, Paris & Lesage, J Clin Psychiatry · Fall-Kontroll psychologische Autopsie, N=120 (70 Suizide, 50 Kontrollen) A
    Fall-Kontroll-Autopsiestudie: suizidverstorbene BPD-Patienten wiesen deutlich mehr Cluster-B-Komorbiditaet und hoehere Impulsivitaet/Feindseligkeit auf; die impulsiv-aggressive Praedisposition, nicht Interaktion Impulsivitaet x Aggression sagt Suizid voraus; Effekt verschwindet bei Kontrolle fuer Cluster-B-Komorbiditaet
  134. Doyle et al., BMC Family Practice / Primary Care (nested case-control) · genestete Fall-Kontroll-Studie (Primaerversorgungsregister) A
    Genestete Fall-Kontroll-Studie in der Hausarztversorgung: eine dokumentierte Persoenlichkeitsstoerungsdiagnose war mit deutlich erhoehtem Suizidrisiko assoziiert; PS ist auch ausserhalb spezialisierte deutlich erhoehte Suizid-Odds vs. gematchte Kontrollen (mehrfaches Risiko)
  135. Wedig, Frankenburg, Fitzmaurice & Zanarini, Am J Psychiatry (6-year predictors, MSAD) · prospektive Kohorte, BPD, 6 J. Follow-up A
    Ueber 6 Jahre sagten Anzahl frueherer Suizidversuche, komorbide Depression/Substanzmissbrauch und Missbrauchsanamnese das erneute Suizidverhalten bei BPD am staerksten voraus - kumulierte Belastung st fruehere Versuche, Major Depression, Substanzmissbrauch, Kindesmissbrauch als staerkste Praediktoren
  136. Freeman A et al., BMC Psychiatry · Cross-nationale Fall-Kontroll-Analyse von Suizidversuchen A
    Der Geschlechterunterschied in der Sterblichkeit erklaert sich wesentlich ueber die Wahl letalerer Methoden durch Maenner, nicht primaer ueber staerkere Suizidabsicht. Groesserer Anteil der Mortalitaetskluft durch Methodenletalitaet erklaert (Intent-Unterschiede gering)
  137. Turban JL et al., Pediatrics · Retrospektiver Querschnitt, N=20.619 Transgender-Erwachsene A
    Retrospektiv war Zugang zu Pubertaetssuppression mit geringeren Lebenszeit-Suizidgedanken assoziiert (aOR ~0,3); Kausalitaet umstritten (retrospektiv, Selektionsbias). aOR ~0,3 fuer Lebenszeit-Suizidgedanken (Zugang = protektiv)
  138. Reger MA et al., JAMA Psychiatry · Retrospektive Kohorte, ~3,9 Mio. Servicemembers A
    Nicht der Kampfeinsatz, sondern das Ausscheiden aus dem Dienst und kurze Dienstzeit sind mit erhoehtem Suizidrisiko assoziiert - Deployment per se nicht. Deployment: kein signifikant erhoehtes Risiko; Separation & kurze Dienstzeit: HR erhoeht
  139. Schoenbaum M et al., JAMA Psychiatry (Army STARRS) · Kohorten-/Registeranalyse aktiver Soldaten (2004-2009) A
    Die Suizidrate der US-Army stieg zwischen 2004 und 2009 stark an und ueberschritt zeitweise die altersadjustierte zivile Rate. Anstieg der Suizidrate 2004-2009, teils ueber zivile Vergleichsrate
  140. Steelesmith DL et al., JAMA Network Open · Oekologische Panelanalyse aller US-Counties 1999-2016 A
    Laendliche Counties, hohe Deprivation, geringere soziale Fragmentierung-Umkehr und hoher Waffenbesitz sind mit hoeheren Suizidraten verbunden. Hoehere county-level Suizidraten mit Ruralitaet, Deprivation und Waffenbesitz assoziiert
  141. Ruch DA et al., JAMA Network Open · Nationale Trendanalyse 1975-2016 (10-19 J.) A
    Zwischen 1975 und 2016 stiegen die Suizidraten junger Maedchen (10-14 J.) prozentual am staerksten, wodurch sich die traditionelle Geschlechterkluft verengt. Staerkster relativer Ratenanstieg; Verengung der Geschlechterkluft
  142. Case A & Deaton A, PNAS · Bevoelkerungsweite Mortalitaetsanalyse A
    Weisse Amerikaner mittleren Alters ohne Collegeabschluss zeigten 1999-2013 steigende Mortalitaet durch 'deaths of despair', inkl. Suizid - konzentriert nach Bildung/Sozialstatus. Steigende Midlife-Mortalitaet inkl. Suizid, gegen internationalen Trend
  143. Adawi et al. 2021, Frontiers in Psychiatry · Systematischer Review + Meta-Analyse, N=394.087 A
    Ueber 394.000 FM-Patient:innen: ~30% Suizidgedanken, ~6% Suizidversuche; nach Adjustierung fuer psychiatrische Komorbiditaet verlor der Versuch-Effekt (adj. OR 1,27) die Signifikanz. Ideation OR 9,12 (95% KI 1,42-58,77); Versuch OR 3,12 (95% KI 1,37-7,12); Suizid-Ereignis HR 1,38 (95% KI 1,17-1,71)
  144. Ilgen et al. 2013, JAMA Psychiatry · Retrospektive Kohorte, N=4.863.086 A
    In 4,86 Mio. US-Veteranen blieb chronischer Rueckenschmerz auch nach Adjustierung fuer psychiatrische Diagnosen ein eigenstaendiger, signifikanter Suizidmortalitaets-Praediktor. HR 1,13 (95% KI 1,03-1,24)
  145. Ilgen et al. 2013, JAMA Psychiatry · Retrospektive Kohorte, N=4.863.086 A
    Psychogener Schmerz zeigte in der Ilgen-Kohorte das hoechste adjustierte Suizidrisiko aller nicht-malignen Schmerzdiagnosen, hoeher als Rueckenschmerz oder Migraene. HR 1,58 (95% KI 1,11-2,26)
  146. Ilgen et al. 2013, JAMA Psychiatry · Retrospektive Kohorte, N=4.863.086 A
    Anders als Rueckenschmerz/Migraene waren Arthritis und Fibromyalgie in der grossen Veteranenkohorte nach Adjustierung KEIN unabhaengiger Suizidmortalitaets-Praediktor - wichtiger Nullbefund gegen Uebe HR 0,95 (95% KI 0,87-1,04); Fibromyalgie HR 1,16 (95% KI 0,92-1,44) n.s.
  147. Cederlöf et al. 2016, BMC Psychiatry · Nationale Kohorte, N=1.771 EDS (+17.710 Kontrollen) A
    EDS-Betroffene hatten in schwedischen Registerdaten ~verdoppeltes Risiko fuer Suizidversuche sowie deutlich erhoehte Raten an Depression/Angst - eine massiv unterbeachtete Hochrisikogruppe. Suizidversuch RR 2,1 (95% KI 1,7-2,7)
  148. Mathkor et al. 2025, J. King Saud Univ. Science · Meta-Analyse, bis N=4.134 (Mortalitaet), 11 Studien (Ideation) A
    Rund jede:r sechste SLE-Patient:in berichtet Suizidgedanken; ~1% versterben durch Suizid - relevant auch wegen neuropsychiatrischem Lupus als eigenstaendigem ZNS-Faktor. Ideation 16,8% (95% KI 11,0-24,5); Versuch 2,7% (95% KI 0,4-16,1); Suizidmortalitaet 0,9% (95% KI 0,5-1,5)
  149. Meta-Analyse Schmerztoleranz bei Suizidversuchern 2024, Psychiatry Research · Systematischer Review + Meta-Analyse A
    Paradox: Suizidversucher zeigen im Labor eher HOEHERE Schmerztoleranz (erworbene Faehigkeit/Habituation), was die klinische Fehlannahme 'Schmerzpatient = per se suizidnah' relativiert und die Rolle vo Erhoehte Schmerztoleranz/-schwelle bei Attempters (Meta-Analyse; exakte SMD unbestaetigt)
  150. Nordt C, Warnke I, Seifritz E, Kawohl W, Lancet Psychiatry · Longitudinale Panel-/Zeitreihenanalyse, 63 Laender, WHO-/ILO-Daten A
    Ueber 63 Laender (2000-2011) war Arbeitslosigkeit mit einem um ~20-30% erhoehten Suizidrisiko assoziiert; der Effekt trat bereits 6 Monate VOR dem Anstieg der Arbeitslosenquote auf (Antizipation). RR Suizid bei Arbeitslosigkeit um ca. 20-30% erhoeht; ~45.000 der ~233.000 Suizide/Jahr (2007) arbeitslosigkeitsassoziiert (~1 von 5)
  151. Milner A, Page A, LaMontagne AD, PLoS ONE · Systematische Review + Meta-Analyse (mehrere Kohortenstudien) A
    Meta-Analyse: Arbeitslosigkeit war mit deutlich erhoehtem Suizidrisiko assoziiert, am staerksten in den ersten Jahren nach Jobverlust, mit Abschwaechung ueber die Zeit. Gepooltes relatives Risiko Suizid ca. RR ~1.58 (Groessenordnung; hoechste Risiken in den ersten ~5 Jahren nach Arbeitslosigkeit)
  152. Blakely TA, Collings SC, Atkinson J, J Epidemiol Community Health · Census-verlinkte Kohorte, mehrere Mio. Personen-Jahre A
    In der neuseelaendischen Census-Kohorte war Arbeitslosigkeit mit ~2-3fach erhoehtem Suizidrisiko verbunden; rund die Haelfte des Effekts erklaerte sich durch Konfundierung (u.a. psychische Erkrankung) Rohes RR ~2-3; nach Adjustierung fuer psychische Erkrankung/Confounder etwa halbiert
  153. Qin P, Agerbo E, Mortensen PB, Am J Psychiatry · Nationale Register-Fall-Kontroll-Studie, alle Suizide 1981-1997 A
    In allen Suiziden Daenemarks (1981-1997) waren niedriges Einkommen, Arbeitslosigkeit und Alleinleben Risikofaktoren, deren Beitrag jedoch nach Beruecksichtigung psychiatrischer Vorgeschichte deutlich Erhoehte Suizidraten in niedrigem SES; Effekte nach Adjustierung fuer psychiatrische Klinikaufnahme stark abgeschwaecht
  154. Richardson T, Elliott P, Roberts R, Clin Psychol Rev · Systematische Review + Meta-Analyse (65 Studien) A
    Meta-Analyse: Verschuldung war mit psychischen Stoerungen, Suizidgedanken und Suizid assoziiert; Verschuldete hatten ~3fach erhoehtes Risiko fuer psychische Stoerungen. Deutlich erhoehte Odds fuer Suizidalitaet; Suizid(tod) OR sehr hoch aber mit breitem KI (Einzelbefund unsicher)
  155. Iemmi V, Bantjes J, Coast E et al., Lancet Psychiatry · Systematische Review, Dutzende Studien A
    Systematische Review: In Laendern niedrigen/mittleren Einkommens waren Armut, wirtschaftliche Not und Verschuldung mehrheitlich mit erhoehter Suizidalitaet verbunden. Mehrheit der Studien zeigt positive Assoziation Armut - Suizidalitaet (Richtung konsistent, Effektgroessen heterogen)
  156. Reeves A, McKee M, Stuckler D, Br J Psychiatry · Oekonometrische Zeitreihenanalyse A
    Die Great Recession war mit rund 10.000 zusaetzlichen Suiziden verbunden; Laender mit staerkeren sozialen Sicherungsnetzen und aktiver Arbeitsmarktpolitik zeigten geringere Anstiege. ~10.000 zusaetzliche 'oekonomische' Suizide 2008-2010; Effekt durch aktive Arbeitsmarktpolitik/Sozialausgaben abgeschwaecht
  157. Naeher AF, Rummel-Kluge C, Hegerl U, Front Psychiatry · Longitudinale Register-/Zensusanalyse, Kreisebene A
    Register- und Zensusdaten zeigten, dass niedriger sozioekonomischer Status und Indikatoren sozialer Isolation auf Kreisebene mit hoeheren Suizidraten in Deutschland einhergingen. Hoehere Suizidraten in Kreisen mit niedrigem SES und Isolationsindikatoren (oekologisch, Assoziation)
  158. Calati R, Ferrari C, Brittner M et al., J Affect Disord · Narrative Review zahlreicher Studien A
    Narrative Review: Soziale Isolation, Alleinleben und subjektive Einsamkeit waren durchgaengig mit Suizidgedanken, -versuchen und Suizid assoziiert. Konsistente positive Assoziation von Isolation und Einsamkeit mit Suizidgedanken und -verhalten (narrative Synthese)
  159. Faessberg MM, van Orden KA, Duberstein P et al., Int J Environ Res Public Health · Systematische Review A
    Systematische Review: Bei aelteren Erwachsenen waren soziale Isolation, Einsamkeit und Familienkonflikte mit erhoehtem suizidalem Verhalten verbunden, waehrend soziale Teilhabe protektiv wirkte. Soziale Faktoren (Isolation, Einsamkeit, geringe soziale Teilhabe) als Risikofaktoren fuer suizidales Verhalten im Alter (qualitative Synthese)
  160. Hirvikoski et al. 2016, British Journal of Psychiatry 208(3):232–238 · Bevölkerungsbasierte Kohorte, 27.122 ASS-Probanden vs. 2.672.185 Kontrollen A
    Menschen mit Autismus starben rund 2,5-fach häufiger vorzeitig; Suizid war eine der Haupttodesursachen im 'high-functioning'-Bereich, mit Geschlechts- und IQ-Moderation. Gesamtmortalitäts-OR 2.56 (95% KI 2.38–2.76); Suizid einer der führenden vermeidbaren Todesursachen, besonders bei ASS ohne Intelligenzminderung und bei Frauen
  161. Cassidy et al. 2014, The Lancet Psychiatry 1(2):142–147 · Klinische Querschnittskohorte, n=374 Erwachsene mit Asperger A
    Zwei Drittel autistischer Erwachsener berichteten Suizidgedanken und ein gutes Drittel Pläne/Versuche – ein Vielfaches der Allgemeinbevölkerung. 66% lebenszeitliche Suizidgedanken (vs. ~17% Allgemeinbevölkerung); 35% mit Suizidplänen oder -versuchen
  162. Newell et al. 2023, Molecular Autism 14:12 · Systematisches Review & Meta-Analyse A
    Gerade Autist:innen ohne Intelligenzminderung – häufig spät diagnostiziert – tragen eine besonders hohe Suizidalitätslast, was der Alltagsannahme 'schwerer betroffen = höheres Risiko' widerspricht. Deutlich erhöhte gepoolte Prävalenz von Ideation und Versuchen ggü. Allgemeinbevölkerung (Meta-Analyse mehrerer Studien)
  163. Septier et al. 2019, Neuroscience & Biobehavioral Reviews 103:109–118 · Meta-Analyse, bis zu 44 Studien, >228.000 Personen A
    ADHS war mit stark erhöhtem Risiko über das gesamte Suizidspektrum assoziiert, am stärksten für den vollendeten Suizid (fast 7-fach). Vollendeter Suizid OR 6.69 (95% KI 3.24–17.39); Suizidgedanken OR 3.53 (2.94–4.25); Suizidversuche OR 2.35 (1.64–3.43)
  164. Garas et al. 2025, Brain and Behavior 15:e70618 · Systematisches Review & Meta-Analyse (Längsschnittstudien) A
    Aktuelle Längsschnitt-Meta-Analyse bestätigt: ADHS im Kindesalter sagt späteres Suizidverhalten voraus, weit über allgemeine Impulsivität hinaus. Signifikant erhöhtes gepooltes Risiko für Suizidversuch/-verhalten (>2-fach; genaue Poolwerte in Sitzung nicht einzeln verifiziert)
  165. Chen et al. 2017, Journal of Child Psychology and Psychiatry (Taiwan-Kohorte) · Landesweite Kohorte, ADHS-Jugendliche A
    Anders als oft befürchtet war Stimulanzien-Behandlung nicht mit mehr, sondern mit weniger Suizidverhalten assoziiert – wichtig gegen Behandlungsvermeidung. Reduziertes Suizidrisiko unter Methylphenidat (protektive Assoziation; within-individual/Kohorten-Design)
  166. O'Connor et al. 2019, Birth Defects Research 111(12):822–828 · Klinische Kohorte, Jugendliche mit FASD A
    Jugendliche mit FASD berichteten doppelt so häufig Suizidgedanken und fünffach häufiger ernste Suizidversuche wie Gleichaltrige. Suizidgedanken 35,2% (vs. 17,2% Allgemeinbevölkerung, ~2-fach); ernste Suizidversuche 13,0% (vs. 2,4%, ~5-fach)
  167. Tan et al. 2025, Alcohol, Clinical and Experimental Research · Klinische Kohorte, Kinder/Jugendliche mit FASD A
    In einer aktuellen australischen Kohorte war Suizidalität bei FASD eng an vermeidbare psychosoziale Belastungen und Komorbiditäten gekoppelt. Erhöhte Suizidalitätsraten; Risikofaktoren u.a. psychiatrische Komorbidität, Missbrauchserfahrungen, instabile Betreuung (Assoziationsanalyse)
  168. Lindstedt et al. 2026, Journal of Intellectual Disability Research 70 · Systematisches Review & Meta-Analyse A
    Suizidalität und Selbstverletzung sind bei leichter Intelligenzminderung erhöht, während schwere Formen seltener erfasst werden – ein diagnostisches Übersehen, kein echtes Fehlen. Erhöhte Prävalenz von Selbstverletzung und Suizidalität, v.a. bei leichter ID; bei schwerer/profunder ID niedrigere gemeldete Raten (auch Erhebungsartefakt)
  169. Jara-Prado A et al., Arch Med Res · Praevalenzstudie, 300 Psychiatriepatienten vs. 150 Kontrollen (vor 2015, feldspezifisch zentral) A
    AIP ist unter psychiatrischen Patienten haeufiger - psychiatrische Symptome/Suizidalitaet koennen Erstmanifestation sein und werden oft als primaer psychiatrisch fehldiagnostiziert. erhoehte AIP-Praevalenz unter Psychiatriepatienten vs. Kontrollen (kein KI im Abstract)
  170. Taylor, Gooding, Wood, Tarrier 2011, Psychol. Bull. · systematischer Review A
    Landmark-Review, der Defeat und Entrapment aus der Evolutionspsychologie (arrested flight) als transdiagnostische Kernprozesse fuer Depression und Suizidalitaet etablierte. narrativer Review
  171. Bentley et al. 2016, Clinical Psychology Review · Meta-Analyse längsschnittlicher Studien (wenige OCD-Studien) A
    Als isolierter Trait zeigt OCD in Längsschnittdaten keinen belegten Zusammenhang mit Versuch oder Suizidtod - die verbreitete Gleichsetzung 'OCD = geringes Risiko' ist jedoch trügerisch (siehe Registe Versuch OR 0.95 (0.28-3.18) n.s.; Suizid(tod) OR 0.23 (0.03-1.69) n.s.
  172. Rossi et al. 2024, European Journal of Psychotraumatology / Child Adolesc Psychiatry · Querschnitt, behandlungssuchende Adoleszente A
    Die neue ICD-11-Diagnose komplexe PTBS ist stärker mit Selbstverletzung und Suizidalität verknüpft als die klassische PTBS - die Störungen der Selbstorganisation (Affekt, Selbstbild, Beziehung) treibe cPTSD eigenständig mit Selbstverletzung/Suizidalität assoziiert, über PTBS hinausgehend (Effekt gerichtet, exakte OR studienspezifisch)
  173. Penttila M, Jaaskelainen E, Hirvonen N, et al. 2014, Br J Psychiatry · Systematische Review & Meta-Analyse zu DUP und Outcome A
    Laengere DUP sagt schlechteres Langzeit-Outcome voraus; ein spezifischer, robuster Kausaleffekt auf Suizid ist aus Meta-Analysen jedoch nicht eindeutig belegt (Hypothese fuer Fruehintervention). Lange DUP -> schlechteres Gesamt-Outcome (Suizid nicht spezifisch belegt)
  174. John A et al. 2020/2021, BMJ (living systematic review) · Lebende systematische Uebersichtsarbeit A
    Waehrend der Lockdowns sanken Notaufnahme-Kontakte wegen Selbstverletzung, ohne dass die Suizidsterblichkeit stieg - was aufgeschobene, nicht verschwundene Versorgungsbedarfe nahelegt. Rueckgang von ED-Vorstellungen wegen Selbstverletzung/Suizidalitaet waehrend Lockdowns; kein konsistenter Anstieg vollendeter Suizide; Ideation teils erhoeht in Befragungen
  175. Gunnell D et al. 2020, Lancet Psychiatry (COVID-19 Suicide Prevention Research Collaboration) · Positionspapier / Expertenkonsens A
    Das internationale Konsenspapier warnte fruehzeitig, dass pandemische oekonomische und soziale Belastungen das Suizidrisiko erhoehen koennen, und priorisierte Sozialschutz und Versorgungskontinuitaet Kein quantitatives Effektmass (Konsens-/Rahmenpapier); identifiziert Mechanismen und Praeventions-Prioritaeten
  176. Specific Features of Suicidal Behavior in Patients With NPD, J Clin Psychiatry (klinische Serie) · klinische Fallserie / deskriptiv A
    NPD-assoziierte Suizidalitaet tritt oft nach narzisstischer Kraenkung/Statusverlust bei relativ hohem Funktionsniveau auf und wird von Standard-Risikoscreenings (Depressionsfokus) leicht uebersehen. qualitativ: Suizidalitaet ohne klassische depressive Marker, ausgeloest durch Kraenkung/Statusverlust
  177. Racine 2018, Prog. Neuropsychopharmacol. Biol. Psychiatry · Systematischer/narrativer Review A
    Umfassender Review: Menschen mit chronischem Schmerz haben mindestens doppelt so hohes Risiko fuer suizidales Verhalten; Schmerzintensitaet, -dauer, Schlaflosigkeit und 'mental defeat' als zentrale Mo Mind. ~2-fach erhoehtes Risiko fuer suizidales Verhalten und vollendeten Suizid (aggregierte Angabe)
  178. Fortney JC et al. 2013, American Journal of Psychiatry · Pragmatischer RCT (praktisch, mehrere Standorte) C
    Telemedizinisch gestuetzte Collaborative Care verbesserte in unterversorgten laendlichen US-Regionen Depressionsverlaeufe und reduzierte suizidale Ideation - relevant fuer Zugangs-/Wartezeitprobleme. Verbesserte Depressionsremission vs. Standardversorgung; Reduktion suizidaler Ideation in Interventionsarm (Effekt sekundaer, moderat)
  179. Suicide risk among AYA after cancer diagnosis 2023 (Autor/Journal zu prüfen) · Registeranalyse; 34 Krebsgruppen 2009–2019 B
    AYA-Krebsüberlebende zeigen über 34 Krebsgruppen ein erhöhtes Suizidrisiko – eine altersspezifisch übersehene Gruppe zwischen Kinderonkologie und Erwachsenenversorgung. erhöhtes Suizidrisiko (SMR-Werte in Publikation; hier nicht eigen verifiziert)
  180. Jayasekera/Henson-Gruppe 2022, Nature Medicine (Vollzitation zu prüfen) · Nationale Registerkohorte; 26 Krebsarten B
    Über 26 Krebsarten hinweg ist die kumulative Last psychiatrischer Störungen und Selbstverletzung deutlich erhöht, am stärksten bei prognostisch schlechten Tumoren – Psychoonkologie als Regelversorgung erhöhte kumulative Selbstverletzungs-Inzidenz; unnatürliche Todesursachen erhöht (Effektgrößen in Publikation)
  181. Erstautor unbestätigt, 2013, Journal of Psychiatric Research · Klinische Fall-Kontroll-/Querschnittsanalyse B
    Das Suizidrisiko der BN besteht komorbiditäts-unabhängig, während das der AN weitgehend über begleitende Depression/Angst vermittelt wird - ein oft übersehener mechanistischer Unterschied. BN: erhöhte Suizidalität auch nach Komorbiditäts-Adjustierung; AN: kein unabhängiger Effekt (Risiko über Komorbidität vermittelt)
  182. z.B. National Network of Depression Centers Mood Outcomes Program 2020, J Affective Disorders · Grosse klinische Beobachtungskohorte C
    Depressionen mit Mischmerkmalen (innere Unruhe, Agitation, gleichzeitige manische Symptome) gehen mit hoeherer Suizidalitaet einher als rein gehemmte Depression. Erhoehte Suizidgedanken/-verhalten in Assoziation mit gemischter/agitierter Symptomatik (Beobachtungsdaten)
  183. Madsen et al. 2021, J Psychiatric Research (daenisches Register) · Nationale Registerkohorte von MDD-Patienten C
    TRD-Patienten haben gegenueber therapierbaren Depressiven ein erhoehtes Risiko fuer selbstschaedigendes/suizidales Verhalten und hoehere Gesamtmortalitaet. Erhoehtes Risiko fuer Selbstverletzung/Suizidalitaet und Gesamtmortalitaet bei TRD (Register)
  184. Meta-Analyse Migräne & Suizidalität 2023 (Frontiers/J Affect Disord) · Meta-Analyse mehrerer Beobachtungsstudien B
    Migräne war metaanalytisch mit erhöhten Suizidgedanken und -versuchen verbunden, stärker bei Migräne mit Aura und chronischer Migräne - trotz gutartigem Ruf der Erkrankung. erhöhte gepoolte OR für Ideation und Versuche (Größenordnung ~1,5-2,5); für Suizidversuch teils höher bei Migräne mit Aura
  185. Zhuang S et al. 2019, JAMA Network Open · Gematchte Kohorte, N=169.373 (24.179 RLS), mittlere Nachbeob. 5,2 J., 119 Ereignisse B
    RLS war mit rund verdreifachtem Risiko für Suizid/Selbstverletzung assoziiert - der Effekt blieb auch nach Adjustierung für Depression und Schlafstörungen bestehen (nicht bloß über Depression vermitte adj. HR 2,66 (95% KI 1,70-4,15); ohne Depression/Insomnie/Schlafapnoe 4,14 (2,17-7,92)
  186. Erlangsen A et al. 2017, JAMA Psychiatry · Nationale Registerkohorte (matched cohort, >Mio.) C
    Partner-Hinterbliebene nach Suizid hatten stark erhoehtes Risiko fuer eigene Suizidalitaet, psychiatrische Erkrankungen und Mortalitaet. deutlich erhoehte Suizid- und Gesamtmortalitaet sowie psychiatrische Morbiditaet (Registerdaten)
  187. Guldin MB et al. 2015, JAMA Psychiatry · Nationale Registerkohorte (~7 Mio Personen) C
    Frueher Elternverlust war mit etwa verdoppeltem eigenem Suizidrisiko im spaeteren Leben assoziiert, besonders wenn der Elternteil durch Suizid starb. ca. verdoppeltes Suizidrisiko (IRR ~2), am hoechsten bei elterlichem Suizid
  188. Fazel S, Ramesh T, Hawton K 2017, Lancet Psychiatry · Internationale Vergleichs-/Registerstudie C
    Suizid ist eine fuehrende Todesursache in Haft, mit besonders hohen Raten in Untersuchungshaft und in den ersten Hafttagen. Suizidrate mehrfach ueber Allgemeinbevoelkerung; hoechste Raten Untersuchungshaft/fruehe Haftphase
  189. Nationwide COPD suicide cohort 2025, Journal of Affective Disorders · Nationale Kohortenstudie C
    Eine landesweite koreanische Kohorte bestaetigt ein signifikant erhoehtes Suizidrisiko bei COPD, verstaerkt durch Benzodiazepin-Einnahme und Depression. erhoehtes Suizidrisiko (HR im Volltext)
  190. Troister & Holden 2012, J. Clin. Psychol. · prospektive Studie, Hochrisiko-Studierende C
    2-Jahres-Verlaufsstudie: psychache (unertraeglicher seelischer Schmerz) sagte Suizidalitaet inkrementell voraus, teils staerker als Depression und Hoffnungslosigkeit. praediziert Suizidalitaet ueber Depression/Hoffnungslosigkeit hinaus (inkrementell)
  191. Hallensleben, Glaesmer, Forkmann et al. 2019 · EMA, stationaere Patienten C
    EMA an depressiven psychiatrischen Patienten: momentanes Entrapment sagte kurzfristig ansteigende Suizidgedanken vorher und stuetzt die proximale Rolle des IMV-Modells im Alltag. Within-day-Assoziation Entrapment -> nachfolgende Ideation
  192. Milner A et al. 2017, Social Psychiatry and Psychiatric Epidemiology · Laengsschnitt-Kohorte (HILDA), mehrere tausend Beschaeftigte C
    Geringe Kontrolle ueber die eigene Arbeit und hohe Anforderungen sind mit erhoehten Suizidgedanken assoziiert - psychosoziale Arbeitsqualitaet als eigenstaendiger Faktor jenseits von Arbeitslosigkeit. erhoehte Odds fuer Suizidgedanken (adjustiert)
  193. Jonsson U et al. / Rahman SG et al. (nordische Registerstudien, ca. 2013-2019) · Nationale Registerkohorten C
    Bezug einer Erwerbsminderungs-/Invaliditaetsrente - besonders wegen psychischer Erkrankung - ist mit stark erhoehtem Suizidrisiko assoziiert; Konfundierung durch Grunderkrankung ist zentral. deutlich erhoehtes Suizidrisiko (v.a. bei psychischer Diagnose)
  194. Windsor-Shellard B et al. / ONS 2017, Office for National Statistics · Nationale berufsbezogene Sterbestatistik C
    Einzelne kuenstlerische und Kulturberufe zeigen erhoehte Suizidraten; Evidenz ist aggregiert-oekologisch und durch prekaere Beschaeftigung/Einkommensvolatilitaet mitbestimmt. teils erhoehte berufsspezifische Suizidraten (aggregiert)
  195. Malik et al. 2014, Systematic Reviews · Systematische Review/Meta-Analyse C
    Bei psychiatrischen Patienten war eine Schlafstörung mit etwa verdoppeltem Risiko für suizidales Verhalten assoziiert. OR ~1,99
  196. Perlis et al. 2016, J Clin Psychiatry · ökologische Analyse NVDRS, ~35.000 Suizide C
    Nach Adjustierung für die Zahl der zu jeder Stunde wachen Menschen war die Suizidrate mitten in der Nacht massiv überproportional ('mind after midnight'). pro Wachbevölkerung ~3-fach erhöhte Suizidinzidenz nachts
  197. Tubbs et al. 2020, J Clin Psychiatry · ökologische Analyse (NVDRS + ATUS) C
    Mit zeitgenauen Wachbevölkerungsdaten (ATUS) wurde der überproportionale Nacht-Gipfel des Suizids methodenübergreifend repliziert. nächtliche Überrepräsentation über Methoden hinweg bestätigt
  198. Bishop et al. 2018, J Clin Psychiatry · Analyse nationaler Survey-Daten C
    In nationalen Survey-Daten war eine (diagnostizierte) obstruktive Schlafapnoe mit erhöhten Suizidgedanken assoziiert; Evidenz insgesamt dünn und teils widersprüchlich. Assoziation mit Suizidgedanken (OR erhöht)
  199. Bernert et al. 2017, J Clin Psychiatry · prospektive Aktigraphie-Studie, Hochrisiko-Junge C
    Bei jungen Hochrisiko-Erwachsenen sagte objektive Schlaf-Instabilität (nicht nur Schlafdauer) kurzfristige Zunahmen der Suizidgedanken voraus. größere Variabilität → akuter Anstieg der Suizidgedanken
  200. Bornheimer LA (Depression-in-FEP-Meta-Analyse) 2017, Schizophr Res · Systematische Review & Meta-Analyse C
    Die Meta-Analyse longitudinaler Studien zeigt, dass depressive Symptome waehrend der ersten psychotischen Episode das nachfolgende Suizidrisiko signifikant erhoehen - ein modifizierbarer Ansatzpunkt. Depression in FEP erhoeht spaeteres Suizidrisiko (gepoolt)
  201. Hor K, Taylor M 2010, J Psychopharmacol · Systematische Review von Risikofaktor-Studien (Landmark) C
    Die Landmark-Meta-Analyse identifizierte depressive Merkmale, Hoffnungslosigkeit, Agitation und fruehere Versuche als staerkste Risikofaktoren - Positivsymptome/Wahn tragen weniger bei als klinisch of Affektive/Depressions-Faktoren staerker als Positivsymptome
  202. z.B. Luxton/Comtois-Reviews; NCISH-Berichte (While et al.) · Reviews + nationale Auditdaten C
    Ausbleibender oder verspaeteter Nachsorgekontakt nach Entlassung ist mit erhoehtem Suizid- und Wiederaufnahmerisiko assoziiert; die kritische Luecke liegt in der ersten Woche. Fruehes Follow-up (i.d.R. <=7 Tage) mit reduziertem Suizid-/Wiederaufnahmerisiko assoziiert; Effektgroessen heterogen, Richtung konsistent schuetzend
  203. Large M et al. 2016, PLOS ONE (Meta-Analyse Risikokategorisierung) · Meta-Analyse von Risiko-Praediktionsstudien C
    Kategoriale Risiko-Einstufung taugt nicht zur Ressourcenzuteilung, weil ein grosser Teil der Suizide in der vermeintlichen Niedrigrisiko-Gruppe auftritt - ein oft ignorierter Versorgungsfehler. Positiver praediktiver Wert niedrig; ~Haelfte aller Suizide entfaellt auf als 'Niedrigrisiko' eingestufte Personen; Sensitivitaet/Spezifitaet unzureichend fuer individuelle Vorhersage
  204. Dow WH, Godoy A, Lowenstein C, Reich M 2020, American Journal of Preventive Medicine / NBER · Quasi-experimentelle Panelanalyse bundesstaatlicher Daten C
    Einkommensstuetzende Politik (Mindestlohn, Steuergutschriften) wirkt als Suizidpraevention, indem sie oekonomischen Stress bei Geringverdienern abfedert. +10% Mindestlohn: ~3,6% niedrigere Suizidrate bei gering Gebildeten; EITC-Erhoehung aehnlich schuetzend (nicht-signifikant fuer Suizid in Teilmodellen)
  205. zusammengefasst u.a. bei Turecki & Brent 2016, Lancet; van Heeringen & Mann 2014, Lancet Psychiatry · aggregierte Zwillings-/Familien-/Adoptionsstudien (Review) B
    Zwillings- und Adoptionsstudien zeigen konsistent, dass ~30–55 % der Varianz suizidalen Verhaltens erblich sind, und ein Teil dieser Erblichkeit unabhängig von der Vererbung psychiatrischer Grunderkra geschätzte Heritabilität h² ≈ 30–55 % (suizidales Verhalten), teils zusätzlicher, von der Grunderkrankung getrennter Anteil
  206. Mullins et al. 2022, Biological Psychiatry (ISGC) · GWAS-Metaanalyse, ~29.782 Fälle / ~519.961 Kontrollen B
    Grösste GWAS-Metaanalyse des Suizidversuchs (~29.000 Fälle / ~500.000 Kontrollen) fand wenige genomweit signifikante Loci, eine SNP-Heritabilität um 5–7 % und starke genetische Überlappung mit Depress SNP-basierte Heritabilität ≈ 5–7 % (Liability-Skala); hohe genetische Korrelation mit Depression (rg ≈ 0,7–0,8), ADHS, PTBS, Rauchen
  207. Erlangsen et al. 2020, Molecular Psychiatry (iPSYCH) · GWAS, Registerkohorte, ~6.000 Fälle B
    Populationsbasierte GWAS in Dänemark fand suizidales Verhalten teils genetisch von der psychiatrischen Grunderkrankung trennbar, mit messbarer polygener Komponente. SNP-Heritabilität grössenordnung ~4–7 %; suggestive Loci
  208. Black & Miller 2015, Biological Psychiatry · Metaanalyse, Dutzende Fall-Kontroll-Studien B
    Metaanalyse zeigt, dass suizidale Patienten höhere periphere und liquorbezogene IL-6- und TNF-α-Spiegel aufweisen als nicht-suizidale, was Suizidalität von blosser Depression abgrenzt. erhöhtes Blut-IL-6 und -TNF-α bei Suizidalen (moderate standardisierte Mittelwertdifferenzen); Effekt teils unabhängig vom Depressionsgrad
  209. Holmes et al. 2018, Biological Psychiatry · PET-Studie, kleine Stichprobe (~50) B
    In-vivo-PET zeigt erhöhte Mikroglia-/Neuroinflammationsmarker im anterioren Cingulum bei Depression, mit stärkerer Ausprägung bei bestehenden Suizidgedanken. ~20–30 % höheres TSPO-Verteilungsvolumen im ACC bei Depression; höher bei aktueller Suizidgedanken
  210. Steiner et al. 2008, J Psychiatr Res (Landmark) · Postmortem-Fall-Kontroll-Studie, kleine N B
    Postmortem-Studien finden verstärkte Mikroglia-Aktivierung im präfrontalen Kortex Suizidverstorbener, konsistent mit der Neuroinflammationshypothese. erhöhte Mikroglia-Dichte (QUIN-positiv) im dorsolateralen PFC und ACC bei Suizid vs. Kontrollen
  211. Mann & Currier 2007 / Coryell & Schlesser 2001, Am J Psychiatry (Landmark) · prospektive Kohorten + Metaanalyse B
    Metaanalytisch sagt eine gestörte Cortisol-Suppression im DST einen späteren vollzogenen Suizid deutlich vorher (ca. 4,5-fach erhöhte Rate), einer der wenigen prospektiv-biologischen Prädiktoren. DST-Non-Suppressor: ~4- bis 14-fach erhöhtes späteres Suizidrisiko (relatives Risiko/Odds über Studien variabel)
  212. Mann & Arango u.a., zusammengefasst in van Heeringen & Mann 2014, Lancet Psychiatry · Postmortem-/PET-Serie, Review B
    Postmortem- und PET-Befunde zeigen serotonerge Dysfunktion im ventralen PFC (Verhaltenshemmung), was das Stress-Diathese-Modell der Impulskontrollstörung bei Suizid stützt. erhöhte 5-HT1A-Autorezeptor-Bindung / reduzierte Transporterdichte im vmPFC von Suizidopfern
  213. Schmaal et al. 2020, Molecular Psychiatry (Review) · systematischer Review vieler MRT/fMRT-Studien B
    Zwei Jahrzehnte Bildgebung zeigen keinen replizierten Einzelmarker, aber ein Muster verminderter präfrontal-insulärer Struktur/Funktion bei suizidalem Verhalten; die Evidenz ist heterogen und methodis kein robuster Einzelbiomarker; wiederkehrend reduzierte ventrale/dorsale PFC- und Insula-Integrität (kleine, heterogene Effekte)
  214. Guintivano et al. 2014, American Journal of Psychiatry · Fall-Kontroll + Blut, mehrere Kohorten, mittlere N B
    Kombinierter genetisch-epigenetischer SKA2-Marker (an die HPA-Achse gekoppelt) unterschied Suizidale von Kontrollen mit hoher Genauigkeit; Replikationen jedoch teils uneinheitlich. Vorhersage von Suizidgedanken/-versuch mit AUC bis ~0,8 in Entdeckungs-/Replikationsstichproben
  215. Wu et al. 2016, J Psychiatry Neurosci · Metaanalyse, ~65 epidemiologische Studien B
    Metaanalyse über ~65 Studien findet konsistent niedrigere Cholesterin-/Lipidspiegel bei suizidalem Verhalten, insbesondere bei Suizidversuchen – ein Zusammenhang, dessen kausale Deutung (Membran-/Sero Suizidversuchspatienten haben niedrigeres Gesamtcholesterin als Kontrollen (moderate SMD); Assoziation robust, Kausalität unsicher
  216. Sublette et al. 2006, Am J Psychiatry (Landmark) · prospektive Kohorte depressiver Patienten, mittlere N B
    In einer prospektiven Kohorte depressiver Patienten prognostizierte ein niedriger Anteil der Omega-3-Fettsäure DHA künftige Suizidversuche, was Membran-/Entzündungs-Lipid-Mechanismen nahelegt. niedriger DHA-Anteil sagte über ~2 Jahre Suizidversuche bei depressiven Patienten vorher (erhöhtes Risiko in unterster vs. oberster Gruppe)
  217. Mullins et al. 2022, Biological Psychiatry; MVP-Analysen (Kimbrel et al. 2022) · GWAS + PRS-Analysen, grosse Kohorten B
    Der polygene Suizidversuchs-Score bleibt nach Kontrolle der Depression prädiktiv und überlappt genetisch nicht nur mit Stimmung, sondern deutlich mit Impulsivität, Rauchen und Schmerz – Hinweis auf ei PRS assoziiert mit Versuch auch nach Adjustierung für Depression; genetische Überlappung stärker mit Impulsivität/Risikoverhalten/Rauchen/Schmerz
  218. Coleman et al., Journal of Psychiatric Research (NPD and suicidal behavior in mood disorders) · klinische Querschnittsstudie affektiver Patienten C
    Bei Patienten mit affektiven Stoerungen war komorbide NPD mit Suizidversuchen hoeherer Letalitaet und staerkerer Planung verknuepft - obwohl NPD-Patienten weniger depressiv wirkten; das klinische Bild NPD assoziiert mit hoeherer Letalitaet/Planung der Versuche trotz geringerer Depressionsschwere
  219. WHO (Suicide worldwide in 2019) / GBD 2019 · Deskriptive globale Mortalitaetsstatistik (Schaetzung ~703.000 Suizide/Jahr) C
    Maenner sterben global ~2-3x haeufiger durch Suizid, waehrend Frauen mehr nicht-toedliche Versuche unternehmen (umgekehrtes Verhaeltnis bei Ideation/Versuch). Suizidmortalitaet Maenner ca. 2,3:1 global; regional bis >4:1 (Osteuropa)
  220. Kumar MB & Tjepkema M, Statistics Canada (National Household Survey cohort) · Census-verknuepfte Kohorte (2011 NHS mortality follow-up) C
    Inuit in Kanada haben je nach Region eine bis ~9-fach hoehere Suizidrate als die nicht-indigene Bevoelkerung, Extremwerte bei jungen Maennern. Suizidrate ~5-9x der nicht-indigenen Bevoelkerung
  221. AIHW / ABS Causes of Death nationale Statistik · Nationale Mortalitaetsstatistik C
    Indigene Australier sterben etwa doppelt so haeufig durch Suizid wie nicht-indigene, mit besonders hoher Belastung junger Menschen. Suizidrate ~2x der nicht-indigenen; bei Jugendlichen deutlich hoeher
  222. CDC WISQARS / nationale Mortalitaetsstatistik · Deskriptive nationale Mortalitaetsstatistik C
    In den USA und vielen westlichen Laendern haben Maenner ab 85 Jahren die hoechste altersspezifische Suizidrate ueberhaupt. Hoechste altersspezifische Suizidrate aller Gruppen (z.B. USA Maenner 85+)
  223. Fässberg MM et al., systematischer Review (Aging & Mental Health / Int J Environ Res Public Health) · Systematischer Review sozialer Faktoren im Alter C
    Soziale Isolation, Einsamkeit und Funktionsverlust sind robuste, modifizierbare Risikofaktoren fuer suizidales Verhalten im Alter - oft staerker als koerperliche Krankheit allein. Konsistent positive Assoziation mit suizidalem Verhalten (Review-Evidenz)
  224. Wang CW, Chan CLW, Yip PSF, Soc Psychiatry Psychiatr Epidemiol · Nationale Mortalitaetstrend-Analyse 2002-2011 C
    China war lange die grosse Ausnahme des Geschlechterparadoxes (hoehere Raten bei laendlichen jungen Frauen); Urbanisierung und eingeschraenkter Pestizidzugang fuehrten zu einem der staerksten Suizidru Historisch Frauen-Mehrheit bei Suizid; seither drastischer Rueckgang (>60%)
  225. Meltzer H, Bebbington P, Brugha T et al., Psychol Med · Bevoelkerungsrepraesentativer Survey, N ~7.000 C
    Im englischen nationalen Survey psychiatrischer Morbiditaet war Verschuldung ein unabhaengiger Praediktor von Suizidgedanken, teils vermittelt ueber finanzielle Not. Verschuldung mit Suizidgedanken assoziiert, OR-Groessenordnung ~2 (nach Adjustierung, Schaetzung)
  226. Phillips JA, Hempstead K, Am J Prev Med · Nationale Mortalitaets-Trendanalyse nach Bildung C
    In den USA lagen die Suizidraten bei Personen mit niedrigem Bildungsniveau deutlich hoeher und stiegen 2000-2014 staerker an als bei Hochgebildeten (wachsendes Bildungsgefaelle). Deutlich hoehere und staerker steigende Suizidraten bei niedriger Bildung; wachsende Bildungskluft 2000-2014
  227. Elbogen EB et al., Am J Epidemiol / J Psychiatr Res · Nationale Laengsschnittstichprobe (NESARC-basiert) C
    In einer US-repraesentativen Laengsschnittstichprobe war hoehere finanzielle Belastung prospektiv mit erhoehtem Risiko fuer Suizidversuche assoziiert, unabhaengig von Einkommen und psychischer Erkrank Finanzielle Belastung als unabhaengiger Praediktor von Suizidversuchen, OR erhoeht (Groessenordnung, nach Adjustierung)
  228. Lorant V et al., Br J Psychiatry / J Epidemiol Community Health · Vergleichende Mortalitaetsstudie, mehrere Laender C
    Vergleichende europaeische Studie: Maenner in niedriger sozioekonomischer Position hatten ein deutlich erhoehtes Suizidrisiko; die soziale Gradiente war bei Maennern staerker als bei Frauen. Hoehere Suizidraten in niedrigem SES; relatives Ungleichheitsmass (RII) fuer Maenner deutlich >1
  229. Rehkopf DH, Buka SL, Psychol Med · Systematische Review (86 Studien) C
    Systematische Review: Die meisten Studien fanden hoehere Suizidraten in sozial staerker deprivierten Gebieten, wobei individuelle vs. kontextuelle Effekte schwer trennbar sind (Oekologiefehlschluss-Pr Mehrheit der Studien: hoehere Suizidraten in staerker deprivierten Gebieten (Richtung konsistent, Groesse heterogen)
  230. Cassidy et al. 2022, British Journal of Psychiatry 221(5):683–691 · Coroner-Aktenstudie, n=372 Suizidsterbefälle B
    In einer Analyse von Suizidsterbefällen zeigten rund 10% Hinweise auf (überwiegend nicht diagnostizierten) Autismus – Hinweis auf massive Unterdiagnostik als Risikofaktor. ~10% der Suizidtoten mit Hinweisen auf erhöhte autistische Züge (weit über der ~1–2% Bevölkerungsprävalenz diagnostizierten Autismus)
  231. Kõlves et al. 2021, JAMA Network Open 4(1):e2033565 · Bevölkerungskohorte, >6 Mio. Personen, 35.020 mit ASS B
    Autismus war mit rund verdreifachtem Suizidverhaltensrisiko assoziiert, wobei Frauen mit ASS ein überproportional hohes relatives Risiko trugen. Inzidenzraten-Ratio für Suizidversuch/-tod ~3-fach erhöht; relatives Risiko bei Frauen mit ASS besonders stark erhöht
  232. O'Halloran et al. 2022, Clinical Psychology Review 93:102144 · Systematisches Review & Meta-Analyse C
    Bereits im Kindes- und Jugendalter ist Suizidalität bei Autismus deutlich häufiger als bei nicht-autistischen Gleichaltrigen. Erhöhte gepoolte Prävalenz von Ideation, Versuchen und Selbstverletzung (genaue Poolwerte in Sitzung nicht verifiziert)
  233. Sun et al. 2019, The British Journal of Psychiatry (nationale Längsschnittstudie) · Landesweite Längsschnittkohorte C
    ADHS erhöhte das Suizidversuchsrisiko im jungen Erwachsenenalter, wobei komorbide Störungen (v.a. bipolar) den Haupttreiber bildeten. Erhöhte Hazard Ratio für Suizidversuch; Komorbiditäten (bipolar, Substanz) potenzieren das Risiko deutlich
  234. Fernández de la Cruz et al. 2017, Biological Psychiatry 82(2):111–118 · Kohorte, 7.736 Patienten vs. 77.360 Kontrollen B
    Menschen mit Tourette/chronischen Tics starben mehr als 4-fach häufiger durch Suizid – auch unabhängig von Begleiterkrankungen. Suizidtod-OR ~4,4 (über 4-fach erhöht); Zusammenhang blieb nach Adjustierung für psychiatrische Komorbidität signifikant
  235. Sörberg Wallin et al. 2018, u.a. auf Basis schwedischer Konskriptionsdaten · Große Längsschnittkohorte junger Männer C
    Über große Konskriptionskohorten hinweg sagt niedrigere kognitive Leistung ein höheres späteres Suizidrisiko voraus – Kognition als unterschätzter Vulnerabilitätsmarker. Inverse Assoziation: niedrigerer IQ mit erhöhtem späteren Suizidrisiko (dosisabhängiger Gradient; HR pro SD erhöht)
  236. Systematisches Review & gepoolte Analyse 2024, eClinicalMedicine (Lancet) · Systematisches Review & gepoolte Analyse C
    Nicht Autismus allein, sondern die Kombination mit Depression und ADHS treibt die höchste Suizidalitätslast – ein Argument für integrierte statt siloartige Versorgung. Selbstverletzung/Suizidalität am stärksten erhöht bei zusätzlicher Depression bzw. ADHS-Komorbidität (gepoolte Analyse)
  237. Foulon C, Guelfi JD, Kipman A, et al., European Psychiatry · Klinische Verlaufs-/Querschnittsstudie B
    Der Übergang von der restriktiven zur Binge-Purge-Form der AN markiert eine kritische Phase mit gehäuften Suizidversuchen - ein dynamischer, verlaufsbezogener Risikomarker statt statischer Diagnose. Subtyp-Wechsel zu Binge-Purge häufig mit Suizidversuchen assoziiert (Assoziationsstudie)
  238. Conway PM et al. 2016, u.a. (Praesentismus-Depression-Literatur) · Laengsschnittstudien (Depression als Outcome) C
    Praesentismus sagt spaetere depressive Symptome voraus, ein direkter Zusammenhang mit Suizid ist jedoch NICHT belegt - hier besteht Hypothesenstatus, keine belastbare Suizid-Evidenz. kein direkter Suizid-Effektnachweis; Praediktor fuer spaetere Depression
  239. diverse Querschnittsstudien (u.a. ostasiatische Kohorten); konsistente Meta-Evidenz fehlt · überwiegend Querschnittsstudien C
    Abendtypen berichten mehr Suizidgedanken/-verhalten; der Zusammenhang ist überwiegend querschnittlich und teils durch Depression, Substanzkonsum und sozialen Jetlag vermittelt, Kausalität offen. Querschnitts-Assoziation, teils über Depression/Impulsivität mediiert
  240. Uebersichts-/Primaerarbeiten zu Kommando-Halluzinationen und Suizidalitaet (u.a. 2013), diverse · Heterogene Beobachtungsstudien / Reviews C
    Entgegen verbreiteter Annahme sind imperative Halluzinationen kein robuster eigenstaendiger Suizidpraediktor; nach Adjustierung fuer Depression und fruehere Versuche schwaecht sich der Zusammenhang st Inkonsistente/schwache Assoziation nach Kontrolle fuer Depression
  241. Niculescu et al. 2015, Molecular Psychiatry · longitudinale Entdeckungs-/Validierungskohorten, kleine bis mittlere N B
    Longitudinale Blut-Genexpressionsmarker sagten Suizidgedanken und -hospitalisierungen vorher; die Befunde sind vielversprechend, aber überwiegend in kleinen, männlichen Veteranen-/Psychiatriekohorten Vorhersage künftiger Suizid-Hospitalisierung mit AUC teils ~0,7–0,9 (in Entdeckungskohorten, männlich dominiert)
  242. Cassidy et al. 2018, Molecular Autism 9:42 · Querschnitt, n=164 autistische Erwachsene B
    Das Verbergen autistischer Merkmale ('Masking') war ein eigenständiger Prädiktor für Suizidalität – ein für spät-/unterdiagnostizierte Frauen zentraler, oft übersehener Mechanismus. Camouflaging und unerfüllte Unterstützungsbedarfe unabhängig mit Suizidalität assoziiert (Regressionsmodell; kein einfaches Effektmaß)
Lücke 5 · Dokumentierter Nachbesserungsbedarf

Dieser Punkt braucht keine Studie. Er stützt sich auf das Aktenmaterial des Gesetzgebers, das den Nachbesserungsbedarf dokumentiert. Er belegt eine erkannte Lücke, nicht das Wissen oder die Absicht einzelner Abgeordneter.

  • Entschließung des Bundestages zur psychotherapeutischen Versorgung, angenommen am Abstimmungstag (BT-Drs. 21/7016, Berichtsteil).
  • Zusage der Koalitionsfraktionen, Schutzregelungen in der ersten Sitzungswoche nach der Sommerpause 2026 zu beschließen.
  • Protokollerklärung der Bundesregierung zu den Krankenhäusern.
  • Regierungsentwurf und beschlossene Fassung; Bundesrats-Drucksache und Plenarprotokoll vom 10.07.2026.

Belege je Spannung (GKV-Beziehungen)

Spannung · GKV ↔ Suizidprävention

Die umfangreichste Beleggruppe. Sie stützt das Ausgangsrisiko und den Mechanismus, nicht die gemessene Reformwirkung.

Geprüfte Kernbelege · gegen die Primärquelle verifiziert

Das Suizidrisiko ist unmittelbar nach Entlassung aus stationär-psychiatrischer Behandlung am höchsten – in den ersten drei Monaten rund 1.132 pro 100.000 Personenjahre.

Chung et al. 2017, JAMA Psychiatry · Systematisches Review & Meta-Analyse · 100 Studien / 183 Patienten-Stichproben · 17.857 Suizide IISpur Ageprüft ✓Aussagenähe: Ausgangsrisiko

Aussagegrenze: Belegt das Risikofenster (psychiatrische Entlassung), nicht die Reformwirkung. Quelle öffnen ↗

Niedrigschwellige, wiederholte Nachsorge-Kontakte können die Häufigkeit erneuter Suizidversuche verringern; die Evidenz ist uneinheitlich.

Milner AJ et al. 2015, British Journal of Psychiatry · Systematisch-metaanalytischer Review von Brief-Contact-Interventionen IISpur Ageprüft ✓Aussagenähe: Versorgungsmechanismus

Aussagegrenze: Meta-analytischer Review; Effekt auf den Anteil erneut Versuchender teils nicht signifikant. Quelle öffnen ↗

Hintergrundkorpus (nicht tragend) · 263 thematisch zugeordnete Studien
  1. Lubin et al. 2010, Suicide and Life-Threatening Behavior · Naturalistisch-epidemiologisch, landesweite Militärkohorte A
    Nach Verbot der Wochenend-Waffenmitnahme sank die Soldatensuizidrate um rund 40 %, fast ausschließlich durch Wegfall der Wochenend-Schusswaffensuizide. Rückgang der Suizidrate um ~40 % (v. a. Wochenend-/Schusswaffensuizide)
  2. Cipriani et al. 2013, BMJ · Meta-Analyse, 48 RCTs, 6.674 Teilnehmer A
    Lithium senkt in randomisierten Studien das Suizidrisiko bei Stimmungsstoerungen um rund 80-90% gegenueber Placebo - der staerkste medikamentoese Antisuizid-Beleg. Suizid OR 0,13 (95% KI 0,03-0,66); Gesamtmortalitaet reduziert
  3. Stone et al. 2009, BMJ · Meta-Analyse von 372 RCTs, ~99.000 Teilnehmer A
    Antidepressiva wirken auf Suizidalitaet altersabhaengig: leicht risikoerhoehend bei jungen Erwachsenen, tendenziell protektiv bei Aelteren. Suizidalitaet OR bei <25 Jahren erhoeht; neutral 25-64; protektiv bei >=65 Jahren
  4. McCall et al. 2019, Am J Psychiatry (REST-IT) · RCT, N=103 depressive Insomnie-Patienten A
    Trotz Insomniebesserung senkte das Hypnotikum die Suizidgedanken nicht signifikant stärker als Placebo — Vorsicht vor Überschätzung sedierender Pharmaka. kein signifikanter Zusatznutzen auf Suizidgedanken (primärer Endpunkt null)
  5. Inagaki M et al. 2015, Journal of Affective Disorders · Meta-Analyse randomisierter/kontrollierter Studien A
    Aktive Kontakt- und Nachsorgeinterventionen nach einem Suizidversuch in der Notaufnahme senken die Rate erneuter Suizidversuche moderat aber konsistent. Reduktion wiederholter Suizidversuche; gepoolte OR ~0,83 (Wiederholungsversuch) in Kontakt-/Follow-up-Meta-Analyse
  6. Milner AJ et al. 2015, British Journal of Psychiatry · Meta-Analyse von Brief-Contact-RCTs A
    Niedrigschwellige wiederholte 'caring contacts' reduzieren die Haeufigkeit erneuter Suizidversuche, wobei der Effekt auf den Anteil der Reattempter in Meta-Analysen inkonsistent ist. Reduktion der Zahl von Suizidversuchen pro Person; Einzelstudien signifikant, gepoolter Effekt auf Anteil mit Reattempt uneinheitlich (teils n.s.)
  7. Cipriani A et al. 2013, BMJ · Systematische Review/Meta-Analyse, 48 RCTs, n=6.674 A
    Lithium senkte in RCTs die Zahl der Suizide gegenueber Placebo hochsignifikant (ca. 87% relative Reduktion), zusaetzlich weniger Gesamttode. OR Suizid 0,13 (95% KI 0,03-0,66); Gesamtmortalitaet OR 0,62
  8. Meltzer HY et al. 2003, Archives of General Psychiatry (InterSePT) · RCT, n=980 A
    Clozapin reduzierte suizidale Handlungen staerker als Olanzapin - Basis der FDA-Zulassung von Clozapin zur Suizidpraevention (aeltere Landmark-Studie). HR fuer suizidales Verhalten ca. 0,74 (signifikante Reduktion ~26%)
  9. Wilkinson ST et al. 2018, American Journal of Psychiatry · Individual-Patient-Data-Meta-Analyse, 10 RCTs, n=298 A
    Eine einzelne Ketamin-Infusion senkte Suizidgedanken innerhalb von 24 Stunden, teils unabhaengig vom antidepressiven Effekt - Wirkung zeitlich begrenzt. Signifikante Reduktion der Suizidgedanken ab Tag 1, anhaltend bis ~Tag 7
  10. Fu DJ et al. 2020, Journal of Clinical Psychiatry (ASPIRE-I) · RCT, n=456 A
    Esketamin verbesserte die Depression rasch, trennte sich aber beim eigentlichen Suizidalitaets-Endpunkt nicht signifikant von Placebo (beide mit intensiver Standardversorgung) - wichtiger Nullbefund. MADRS 24h: Differenz ca. -3,8 (signifikant); CGI-SS-r (Suizidalitaet) 24h: NICHT signifikant vs. Placebo
  11. Linehan MM et al. 2006, Archives of General Psychiatry · RCT, n=101 A
    DBT halbierte ueber 2 Jahre die Rate der Suizidversuche bei Frauen mit Borderline-Stoerung gegenueber Expertenbehandlung (Landmark). Halbierung der Suizidversuche (HR ~0,5); weniger Notaufnahmen/Hospitalisierungen
  12. McCauley E et al. 2018, JAMA Psychiatry · RCT, n=173 A
    DBT reduzierte bei suizidalen Jugendlichen Selbstverletzung und Suizidversuche staerker als eine aktive Vergleichstherapie, mit Anglei­chung nach 12 Monaten. Hoehere Rate ohne Selbstverletzung (OR-Vorteil fuer DBT, ~46% vs. 32%)
  13. Miller IW et al. 2017, JAMA Psychiatry (ED-SAFE) · Quasi-experimentell (Stepped-Wedge-artig), n=1.376 A
    Ein mehrstufiges Notaufnahme-Programm (ED-SAFE) senkte spaetere Suizidversuche gegenueber der Behandlung wie ueblich. ~30% weniger Suizidversuche (relative Risikoreduktion ~20%; ~5% absolut)
  14. Fleischmann A et al. 2008, Bulletin of the WHO · RCT, n=1.867 A
    Eine einstuendige Aufklaerung plus periodische Kontakte reduzierte Suizidtode nach Versuch in einkommensschwaecheren Laendern deutlich. Suizidtode 0,2% vs. 2,2% nach 18 Monaten (signifikant)
  15. Wasserman D et al. 2015, Lancet (SEYLE) · Cluster-RCT, n=11.110 Jugendliche A
    Das universelle Schulprogramm YAM halbierte etwa Suizidversuche und schwere Suizidgedanken - staerkstes RCT-Ergebnis fuer Schulpraevention. Neue Suizidversuche OR 0,45; schwere Suizidgedanken OR 0,50 (12 Monate)
  16. Torok M et al. 2020, Lancet Digital Health · Meta-Analyse, 14 RCTs A
    Digitale Interventionen senken Suizidgedanken leicht, zeigen aber keinen belegten Effekt auf Selbstverletzung oder Suizidversuche. Suizidgedanken g ~-0,10 bis -0,29 (klein, signifikant); Selbstverletzung/Versuch: kein signifikanter Effekt
  17. Mehlum et al. RCT (J Am Acad Child Adolesc Psychiatry) + DBT-Adoleszenz-Meta-Analyse (Psychological Medicine) · RCT + systematische Meta-Analyse A
    Randomisierte Studien und Meta-Analyse zeigen: DBT-A senkt bei Jugendlichen mit wiederholtem Selbstverletzen die Selbstverletzungs- und Ideationsraten staerker als aktive Vergleichsbehandlungen - frue DBT vs. Vergleich: staerkere Reduktion von Selbstverletzung und Suizidgedanken (RCT + Meta)
  18. Kaufman JA, Salas-Hernandez LK, Komro KA, Livingston MD, J Epidemiol Community Health · Difference-in-differences Panel, alle US-Staaten 1990-2015 A
    Quasi-experimentelle US-Analyse: Ein hoeherer Mindestlohn war mit sinkenden Suizidraten bei Erwachsenen mit hoechstens Highschool-Abschluss verbunden, besonders in Zeiten hoher Arbeitslosigkeit (naehe $1 hoeherer Mindestlohn assoziiert mit ~3.5-6% niedrigerer Suizidrate bei gering Gebildeten (bei hoher Arbeitslosigkeit)
  19. Zaorsky NG et al. 2019, Nature Communications · Retrospektive Registerkohorte; N=8.651.569, 13.311 Suizide, 1973–2014 A
    Über alle Lokalisationen sterben Krebspatienten in den USA rund 4,4-mal häufiger durch Suizid als die Allgemeinbevölkerung (28,6/100.000 Personenjahre). SMR 4,44 (95% KI 4,33–4,55)
  20. Henson KE et al. 2019, JAMA Psychiatry · Nationale Registerkohorte; N=4.722.099 A
    Das Suizidrisiko konzentriert sich stark auf die ersten 6 Monate nach der Diagnose (SMR 2,74) und sinkt danach – die Diagnosemitteilung selbst ist der kritische Zeitpunkt. SMR 2,74 (95% KI 2,52–2,98)
  21. Fang F et al. 2012, New England Journal of Medicine · Historische Kohorte mit nested Case-Crossover; N=6.073.240, 1991–2006 A
    In der ersten Woche nach Krebsdiagnose ist das Suizidrisiko fast 13-fach erhöht – der schärfste dokumentierte Kurzfrist-Effekt einer somatischen Diagnose. RR 12,6 (95% KI 8,6–17,8) erste Woche; 1. Jahr RR 3,1 (2,7–3,5)
  22. Henson KE et al. 2019, JAMA Psychiatry · Nationale Registerkohorte; N=4.722.099 A
    Das Suizidrisiko folgt der Prognose: Krebsarten mit hoher Letalität und schneller Verschlechterung (Mesotheliom, Pankreas) haben das höchste Suizidrisiko. SMR Mesotheliom 4,51 (2,91–7,00); Pankreas 3,89 (2,77–5,48); Ösophagus 2,65; Lunge 2,57; Magen 2,20
  23. Hofmann L et al. 2023, Int J Environ Res Public Health · Systematic Review/Meta-Analyse; 12 Studien, N≈1.790.027, 5.498 Suizide A
    Lungenkrebspatienten haben ein knapp 3-fach erhöhtes Suizidrisiko, im ersten Jahr sogar 5-fach – Stigma/Rauchschuld und schlechte Prognose verstärken sich. gepooltes SMR 2,95 (95% KI 2,42–3,60); 1. Jahr SMR 5,00 (4,11–6,08)
  24. Osazuwa-Peters N et al. 2018, Cancer · Registerkohorte; N=4.235.657 Überlebende, 4.513 Suizide, 2000–2014 A
    Kopf-Hals-Krebs-Überlebende haben eine fast doppelt so hohe Suizidrate wie Überlebende anderer Krebsarten – Disfigurierung, Stimm-/Schluckverlust und soziale Isolation als Treiber. 23,6 Suizide/100.000 PJ; ~2-fach vs. andere Krebsarten (adjustiert)
  25. Zaorsky NG et al. 2019, Nature Communications · Registerkohorte; N=8.651.569 A
    Für Lungenkrebs erreicht das Suizidrisiko im ersten Jahr nach Diagnose ein extremes Niveau (SMR ~25) und normalisiert sich bei Langzeitüberlebenden (~4). SMR ~25 (erstes Jahr, US-SEER)
  26. Fang F et al. 2010, JNCI · Kohortenstudie; N=342.497 Prostatakrebspatienten A
    Auch bei prognostisch günstigem Prostatakrebs steigt das Suizidrisiko in den ersten 3 Monaten (SMR 1,9) – die Diagnose-Schock-Phase ist unabhängig von der Überlebensaussicht. 1. Jahr SMR 1,4 (1,2–1,6); erste 3 Monate SMR 1,9 (1,4–2,6)
  27. Zaorsky NG et al. 2019, Nature Communications · Registerkohorte; N=8.651.569 A
    Anders als der übliche Frühgipfel steigt das Suizidrisiko bei Hodenkrebs-Überlebenden über die Jahre an – Langzeit-Survivorship-Belastungen bei jungen Männern werden unterschätzt. SMR ansteigend über Zeit, >5 Jahre SMR ~17 (SEER)
  28. Zaorsky NG et al. 2019, Nature Communications · Registerkohorte; N=8.651.569 A
    Innerhalb der Krebspopulation tragen ältere, weiße, alleinstehende Männer mit lokalisierter (also nicht terminaler) Erkrankung das höchste Suizidrisiko – Kontrollverlust, nicht nur Todesnähe. Männer OR 5,16; weiß vs. schwarz OR 3,57; unverheiratet vs. verheiratet OR 1,46
  29. Cosh S et al., Int Psychogeriatr · Prospektive Kohorte (Three-City), N=5.438, >=73 J. A
    Schwerhoerigkeit erhoeht Suizidgedanken bei Aelteren dosisabhaengig (je schwerer, desto hoeher), unabhaengig von Depression. OR 1,97 (95% KI 1,44-2,70); Gradient: leichte HL OR 1,29 (1,03-1,63) -> schwere HL OR 1,78 (1,32-2,40) im Querschnitt
  30. Cosh S et al., Int Psychogeriatr · Prospektive Kohorte (Three-City), N=5.438 A
    Schwerer Sehverlust im Alter erhoeht Suizidgedanken um rund 60-65 %, parallel zum Hoerverlust in derselben Kohorte. OR 1,65 (95% KI 1,05-2,59); Baseline OR 1,59 (1,06-2,38)
  31. Cheng YF et al., J Affect Disord · Retrospektive Kohorte (NHIRD), N=386.055 + PS-Matching A
    Tinnitus verdoppelt das Risiko eines Suizidversuchs, mit Peak im ersten Jahr nach Diagnose (Inzidenz 0,25 % vs. 0,12 %). HR 2,04 (95% KI 1,83-2,28) fuer Suizidversuch binnen 1 Jahr
  32. Singh S et al., J Am Acad Dermatol · Meta-Analyse, 1.767.583 Teilnehmer A
    Psoriasis-Patienten haben rund doppelt so haeufig Suizidgedanken; Risiko steigt mit Schweregrad/juengerem Alter. OR 2,05 fuer Suizidgedanken (18 Studien, 330.207 Betroffene)
  33. Hrvatin Stancic B et al., J Eur Acad Dermatol Venereol · Systematische Review + Meta-Analyse A
    Ueber Hautkrankheiten hinweg ist das Risiko fuer vollendeten Suizid fast dreifach erhoeht - starkes aggregiertes Signal trotz heterogener Einzeldiagnosen. OR 2,86 (95% KI 1,56-5,24) fuer vollendeten Suizid
  34. Eliasen A et al., J Neurol · Fall-Kontroll-Studie, 8.974 Faelle / 89.740 Kontrollen A
    MG geht mit ueber vierfach erhoehtem Suizidversuch-Risiko einher - hoeher als bei vielen 'psychiatrischen' Diagnosen erwartet. OR 4,3 (95% KI 2,0-9,4) fuer Suizidversuch
  35. Eliasen A et al., J Neurol · Fall-Kontroll-Studie, 8.974 Faelle / 89.740 Kontrollen A
    MS erhoeht das Suizidversuch-Risiko moderat; im selben Datensatz wies MG ein weit hoeheres Risiko auf. OR 1,5 (95% KI 1,1-2,1) fuer Suizidversuch
  36. Anglemyer, Horvath & Rutherford 2014, Annals of Internal Medicine · Systematische Übersicht + Meta-Analyse, 16 Studien A
    Personen mit Zugang zu einer Haushaltsschusswaffe haben ein rund dreifach erhöhtes Suizidrisiko. OR 3,24 (95%-KI 2,41–4,40) für Suizid
  37. Studdert et al. 2020, New England Journal of Medicine · Kohorte, ~26,3 Mio. Erwachsene, Follow-up bis 12 J. A
    Handfeuerwaffen-Besitzer sterben massiv häufiger durch Waffensuizid ohne kompensatorische Abnahme anderer Methoden — kaum Method-Substitution. adj. HR Feuerwaffen-Suizid: Frauen 35,2; Männer 7,8; Gesamtsuizid deutlich erhöht
  38. Gunnell, Knipe, Chang et al. 2017, Lancet Global Health · Systematische Übersicht der internationalen Evidenz A
    Verbote hochgefährlicher Pestizide senken landesweit die Gesamtsuizidrate, ohne dass sich die Methode nennenswert verschiebt — eine der stärksten Belege für Means Restriction. Konsistente Rückgänge der Gesamtsuizidrate; kaum Method-Substitution
  39. Cha, Chang, Gunnell, Eddleston et al. 2016, International Journal of Epidemiology · Interrupted-Time-Series, nationale Mortalitätsdaten A
    Nach dem Paraquat-Verbot halbierten sich in Südkorea die Pestizidsuizide, ohne vollständige Substitution durch andere Methoden. Pestizidsuizide ~ halbiert; Rückgang der Gesamtsuizidrate nach Verbot
  40. Brenner, Cheng, Clark & Camargo 2011, High Altitude Medicine & Biology · Ökologische Korrelationsstudie A
    US-Counties in größerer Höhe zeigen höhere Suizidraten — vermutlich chronische Hypoxie, aber stark durch Ruralität und Schusswaffenbesitz konfundiert. Positive Korrelation Höhe↔Suizidrate über 2.584 US-Counties
  41. Burke, González, Baylis et al. 2018, Nature Climate Change · Panel-Ökonometrie, Jahrzehnte an County-/Munizip-Daten A
    Ein 1 °C wärmerer Monat erhöht die Suizidrate um ~0,7 % (USA)/2,1 % (Mexiko); projiziert ~9.000–40.000 zusätzliche Suizide bis 2050. +0,7 % (USA) bzw. +2,1 % (Mexiko) Suizidrate pro +1 °C
  42. Gao, Cheng, Duan et al. 2019, Science of the Total Environment · Systematische Übersicht + Meta-Analyse A
    Meta-analytisch steigt das Suizidrisiko moderat mit der Umgebungstemperatur; Sonnenscheindauer wirkt in gleicher Richtung. Gepooltes RR ~1,05 pro 1 °C (Heterogenität hoch)
  43. Mullins & White 2019, Journal of Health Economics · Panel/Fixed-Effects, Notaufnahme- & Mortalitätsdaten A
    Wärmere Perioden erhöhen Notaufnahme-Besuche wegen Selbstverletzung und Suizid über das gesamte Spektrum psychischer Gesundheit. ~+0,7 % Selbstverletzungs-/Suizid-Notfälle pro +1 °C
  44. Braithwaite, Zhu, Mitchell et al. 2019, Environmental Health Perspectives · Systematische Übersicht + Meta-Analyse A
    Kurzfristige Luftschadstoffbelastung ist schwach positiv mit Suizid und Depression assoziiert; Kausalität durch Konfundierung mit Hitze/Saison unsicher. Kleine, positive Assoziationen (RR/OR meist ~1,02–1,10 pro Zunahme)
  45. Bakian, Huber, Coon et al. 2015, American Journal of Epidemiology · Case-Crossover, ~1.500 Suizide A
    Akute Anstiege von NO2 und Feinstaub in den Tagen vor dem Tod waren mit erhöhtem Suizidrisiko assoziiert, mit saisonaler Verstärkung. NO2 OR ~1,20; PM2.5 OR ~1,05 (Frühjahr/Herbst am stärksten)
  46. Darvishi, Farhadi, Haghtalab & Poorolajal 2015, PLOS ONE · Meta-Analyse, 31 Studien A
    Alkoholbezogene Störungen erhöhen Suizid (~2×), Suizidversuch (~3×) und Suizidgedanken deutlich — Verfügbarkeit wirkt teils über Konsum vermittelt. OR Suizid 1,94; Versuch 3,13; Ideation 1,86
  47. Niederkrotenthaler, Braun, Pirkis et al. 2020, BMJ · Systematische Übersicht + Meta-Analyse A
    Berichterstattung über Suizide — besonders von Prominenten und mit Methodennennung — erhöht nachfolgende Suizide (Werther-Effekt) methodenspezifisch. Anstiege nach Prominenten-Berichten (RR/Risikoerhöhung ~13–30 %, methodenspezifisch)
  48. Niederkrotenthaler et al. 2010, British Journal of Psychiatry · Inhaltsanalyse + Zeitreihe, überregionale Medien A
    Berichte, die Bewältigung statt Suizid darstellen, gehen mit sinkenden Suizidzahlen einher — Erstnachweis des Papageno-Effekts. Assoziierte Abnahme von Suiziden nach Coping-Berichten (protektiv)
  49. Bridge et al. 2020, J. Am. Acad. Child & Adolescent Psychiatry · Ökologische Zeitreihenanalyse, nationale Mortalität A
    Nach dem Serienstart stieg die Suizidrate bei 10–17-Jährigen um ~29 % — Befund ist wegen Reanalysen und Konfundierung umstritten. +28,9 % Suizidrate 10–17-Jährige im April 2017 (US); umstritten
  50. Fink, Santaella-Tenorio & Keyes 2018, PLOS ONE · Zeitreihen-/Interventionsanalyse, nationale Daten A
    In den Monaten nach dem breit berichteten Suizid von Robin Williams gab es ~10 % mehr Suizide, mit besonders starkem Anstieg der genutzten Methode. +9,85 % Suizide (Aug.–Dez. 2014), ~1.841 Übersterblichkeit; Erhängen/Ersticken +32 %
  51. Pirkis, Spittal, Cox et al. 2015, Lancet Psychiatry · Systematische Übersicht + Meta-Analyse, 23 Studien A
    Physische Barrieren an Hotspots reduzieren dortige Suizide um ~91 %, deutlich stärker als Schilder/Notruftelefone (~61 %). Zugangsbeschränkung −~91 %; Hilfe-Förderung (Schilder/Telefone) −~61 %
  52. Beautrais, Gibb, Fergusson et al. 2009, Australian & NZ Journal of Psychiatry · Natürliches Experiment, ortsbezogene Zeitreihe A
    Nach Entfernung des Brückengeländers verfünffachten sich die Suizide dort; die Wiedererrichtung senkte sie wieder auf null — direkter Kausalbeleg. Suizide nach Barriere-Entfernung ~5-fach gestiegen; nach Wiederanbringung eliminiert
  53. Preti A, Rocchi MBL, Sisti D, et al. 2011, Acta Psychiatrica Scandinavica · Meta-Analyse mehrerer Follow-up-Kohorten A
    Erste umfassende Meta-Analyse zum Suizidrisiko bei Essstörungen: Suizid trägt substanziell zur Übersterblichkeit bei, am ausgeprägtesten bei AN. deutlich erhöhtes Suizidrisiko; Suizid als Hauptursache unnatürlicher Todesfälle bei AN (exakte gepoolte SMR aus Abstract nicht verifiziert)
  54. Iwajomo T, Bondy SJ, de Oliveira C, et al. 2021, British Journal of Psychiatry · Populationsbasierte Kohorte, N=19.041 (1990-2013) A
    In einer populationsbasierten Kohorte war die Gesamtsterblichkeit fünf- bis siebenfach erhöht, bei Männern deutlich stärker - Suizid zählt zu den führenden unnatürlichen Todesursachen. All-cause SMR 5,06 (95% KI 4,82-5,30); Männer SMR 7,24 (6,58-7,96), Frauen 4,59 (4,34-4,85)
  55. Udo T, Bitley S, Grilo CM 2019, BMC Medicine · Repräsentative Bevölkerungsstichprobe, N=36.171 Erwachsene A
    Der Binge-Purge-Subtyp der AN hatte fast dreifach höhere Versuchsprävalenz (44%) als der restriktive Typ (16%) - Purging ist der entscheidende Risikomarker. AN Binge-Purge aOR 12,09 (95% KI 6,29-23,24) vs. AN restriktiv aOR 3,16 (1,82-5,42); Prävalenz Versuche 44,1% vs. 15,7%
  56. Udo T, Bitley S, Grilo CM 2019, BMC Medicine · Repräsentative Bevölkerungsstichprobe, N=36.171 Erwachsene A
    Alle drei Essstörungsdiagnosen zeigten 5-6-fach erhöhte Odds für Suizidversuche gegenüber Personen ohne Essstörung - auch BED (oft übersehen) ist deutlich betroffen. BN aOR 6,33 (3,39-11,81); AN gesamt aOR 5,40 (3,80-7,67); BED aOR 4,83 (3,54-6,60)
  57. Mandelli L, Arminio A, Atti AR, De Ronchi D 2019, Psychological Medicine · Meta-Analyse (DSM-IV/DSM-5/ICD-10-Kriterien) A
    Suizidversuche waren bei BN häufiger als bei AN, signifikant jedoch nur gegenüber dem restriktiven AN-Typ; Binge-/Purging-Verhalten erhöht das Versuchsrisiko subtypübergreifend. Gepoolte Versuchsprävalenz BN ~21%; AN-restriktiv ~9-10%; AN-Binge-Purge höher als restriktiv
  58. Cucchi A, Ryan D, Konstantakopoulos G, et al. 2016, Psychological Medicine · Meta-Analyse, 28 Studien, N=6.466 A
    Rund jede vierte Person mit Essstörung verletzt sich nichtsuizidal; NSSV ist bei BN signifikant häufiger als bei AN, und eine Suizidversuchs-Vorgeschichte erhöht die NSSV-Wahrscheinlichkeit zusätzlich NSSV-Lebenszeitprävalenz gesamt 27,3% (23,8-31,0); BN 32,7% (26,9-39,1) > AN 21,8% (18,5-25,6); BN vs AN OR 1,77 (1,14-2,77)
  59. Kirkpatrick R, et al. 2024, International Journal of Eating Disorders · Systematisches Review + Prävalenz-Meta-Analyse A
    Neuere Meta-Analyse bestätigt hohe NSSV-Prävalenz über Essstörungsdiagnosen hinweg und die enge Kopplung von NSSV mit späterem Suizidverhalten. Gepoolte NSSV-Prävalenz ~ein Drittel der Betroffenen (exakter Punktschätzer aus Abstract nicht verifiziert)
  60. Pisetsky EM, Thornton LM, Lichtenstein P, et al. 2013, Journal of Abnormal Psychology · Bevölkerungsbasierte Frauenkohorte (Zwillingsregister) A
    In einer bevölkerungsbezogenen Frauenstichprobe versuchten bis zu 30% (AN) bzw. 40% (BN) mindestens einmal Suizid, mit tendenziell schwereren Versuchen bei Purging-Formen; Subtyp-Unterschiede blieben Lebenszeit-Versuche AN bis ~30%, BN bis ~40%; Binge-/Purging-Formen mit schwereren Erstversuchen
  61. Yao S, Kuja-Halkola R, Thornton LM, et al. 2016, JAMA Psychiatry · Populationsregister-Familienstudie A
    Essstörungen und Suizidversuche teilen eine familiäre (teils genetische) Haftung - Angehörige von Essstörungs-Patienten haben ein erhöhtes Suizidversuchsrisiko, was auf gemeinsame Ätiologie statt rein erhöhtes Suizidversuchsrisiko bei Angehörigen; gemeinsame familiäre Haftung zwischen Essstörung und Suizidversuch
  62. Søeby M, et al. 2024, International Journal of Eating Disorders · Langzeit-Registerkohorte A
    Über 40 Jahre bleibt die AN-Mortalität stark erhöht; psychiatrische Komorbidität und männliches Geschlecht steigern das Sterberisiko, wobei Suizid eine zentrale unnatürliche Todesursache ist. erhöhte Gesamt- und ursachenspezifische Mortalität; Suizid als führende unnatürliche Todesursache; Komorbidität und männliches Geschlecht verschlechtern Prognose (exakte SMR aus Volltext nicht extrahiert)
  63. Semchishen S, et al. 2026, World Psychiatry · Systematisches Review + Meta-Analyse relativer Risiken A
    Neueste große Meta-Analyse bestätigt erhöhtes Suizid- und Gesamtmortalitätsrisiko bei Essstörungen und benennt aggravierende bzw. mildernde Verlaufsfaktoren. erhöhtes relatives Risiko für Suizid- und Gesamtmortalität; modifizierende (verschärfende/abmildernde) Faktoren identifiziert (exakte RR aus Volltext nicht extrahiert)
  64. Chesney, Goodwin & Fazel 2014, World Psychiatry · Meta-Review A
    Bipolare Stoerung ist mit rund 17-fach erhoehter Suizidsterblichkeit verbunden - eine der hoechsten aller psychiatrischen Diagnosen. SMR Suizid 17,1 (95% KI 9,8-29,5)
  65. Nordentoft, Mortensen & Pedersen 2011, Arch Gen Psychiatry · Nationale Kohorte, 176.347 Personen mit psychischer Ersthospitalisierung 1955-2006 A
    Nach erstem stationaeren Kontakt wegen bipolarer Stoerung stirbt etwa jeder 13. Mann und jede 21. Frau langfristig durch Suizid. Absolutes Suizidrisiko Maenner 7,77% vs. Frauen 4,78%
  66. Plans et al. 2019, Epidemiology and Psychiatric Sciences · Meta-Analyse, 79 Studien, 33.719 Patienten (1985-2018) A
    Rund ein Drittel aller Menschen mit bipolarer Stoerung hat mindestens einen Suizidversuch in der Vorgeschichte. Lebenszeitpraevalenz Suizidversuch 33,9% (95% KI 31,3-36,6)
  67. Dong et al. 2019, Psychological Medicine · Meta-Analyse von Beobachtungssurveys A
    Etwa jeder dritte Betroffene mit Major Depression berichtet ueber einen Suizidversuch, mit starker Streuung je nach Setting. Gepoolte Lebenszeitpraevalenz Suizidversuch ~31% (klinische Stichproben deutlich hoeher als Gemeindestichproben)
  68. Goodwin et al. 2003, JAMA · Retrospektive Kohorte, 20.638 Bipolar-Patienten A
    Bei bipolarer Stoerung war die Suizidrate unter Divalproex rund 2,7-mal hoeher als unter Lithium - Substanzwahl ist praeventiv relevant. Suizidsterblichkeit unter Divalproex ca. 2,7-fach hoeher als unter Lithium
  69. Bostwick, Pabbati, Geske & McKean 2016, Am J Psychiatry · Populationsbasierte Kohorte, 1.490 Personen mit Index-Suizidversuch A
    Ein frueherer Suizidversuch ist der staerkste Einzelpraediktor fuer spaeteren Suizidtod - der Erstversuch ist oft schon toedlich, nicht nur ein 'Hilferuf'. Ein Grossteil der spaeteren Suizidtoten stirbt bereits beim ersten dokumentierten Versuch (Erstversuch deutlich lethaler als angenommen)
  70. Novick, Swartz & Frank 2010, Bipolar Disorders · Review + Meta-Analyse mehrerer Kohorten A
    Entgegen der Annahme, Bipolar II sei die 'leichtere' Form, unterscheiden sich die Suizidversuchsraten von BD-I und BD-II nicht bedeutsam. Kein signifikanter Unterschied in der Suizidversuchsrate (BD-II nicht 'milder')
  71. Isometsae 2014 (Review), Canadian Journal of Psychiatry; vgl. Arsenault-Lapierre 2004 Meta-Analyse · Narrativer Review mehrerer Fall-Kontroll-Autopsiestudien A
    Affektive Stoerungen sind die haeufigste psychiatrische Diagnose bei Suizidtoten - die zentrale Zielgruppe der Praevention. Stimmungsstoerungen in einem Grossteil der Suizide (in westlichen Autopsiestudien ~30-60%, teils hoeher)
  72. Systematische Review/Meta-Analyse registerbasierter Studien 2024, Neuroscience & Biobehavioral Reviews · Meta-Analyse registerbasierter Kohorten A
    Aktuelle registerbasierte Synthese bestaetigt fuer beide affektiven Hauptdiagnosen ein vielfach erhoehtes Suizidverhalten gegenueber der Allgemeinbevoelkerung. Beide mit stark erhoehtem Risiko fuer suizidales Verhalten; bipolar tendenziell hoeheres relatives Risiko
  73. Erlangsen A et al. 2020, JAMA · Nationale Registerkohorte, N=7.300.395; 35.483 Suizide, 1980-2016 A
    In der dänischen Gesamtbevölkerung war das Suizidrisiko bei Menschen mit einer neurologischen Diagnose um 80% erhöht; 14,7% aller Suizide entfielen auf Betroffene. adj. IRR 1,8 (95% KI 1,7-1,8)
  74. Erlangsen A et al. 2020, JAMA · Nationale Registerkohorte, N=7,3 Mio. A
    Epilepsie war in der dänischen Registerkohorte mit einem um 70% erhöhten Suizidrisiko assoziiert. adj. IRR 1,7 (95% KI 1,6-1,8)
  75. Systematische Übersicht & Meta-Analyse 2025, Journal of Neurology (13 Studien) · Meta-Analyse, 13 Studien A
    Metaanalytisch war das Suizidrisiko bei Epilepsie rund 2,3-2,5-fach, das Risiko für Suizidversuche bis ~5-fach erhöht. Suizidtod adj. HR 2,50 (1,99-3,16); Ideation RR 2,06 (1,47-2,89); Versuch IRR 4,94 (4,44-5,50)
  76. Erlangsen A et al. 2020, JAMA · Nationale Registerkohorte, N=7,3 Mio. A
    MS gehörte zu den stärker suizidassoziierten neurologischen Diagnosen mit mehr als verdoppeltem Risiko. adj. IRR 2,2 (95% KI 1,9-2,6)
  77. Fredrikson S et al. 2003, Neuroepidemiology (Sadovnick-Linie) · Nationale MS-Kohorte (Landmark) A
    Die schwedische Landmark-Kohorte zeigte etwa verdoppelte Suizidmortalität, am höchsten in den ersten Jahren nach Diagnose und bei jungen Erkrankten. SMR ~1,9-2,3 (v.a. in ersten 5 Jahren nach Diagnose und bei Diagnose <30 J.)
  78. Erlangsen A et al. 2020, JAMA · Nationale Registerkohorte, N=7,3 Mio. A
    Parkinson war mit einem um 70% erhöhten Suizidrisiko assoziiert - entgegen der verbreiteten Annahme, Parkinson-Betroffene seien wegen Bewegungseinschränkung geschützt. adj. IRR 1,7 (95% KI 1,5-1,9)
  79. Erlangsen A et al. 2020, JAMA · Nationale Registerkohorte, N=7,3 Mio. A
    Chorea Huntington zeigte mit ~5-fach erhöhtem Risiko die höchste Suizidassoziation unter den neurologischen Erkrankungen (gleichauf mit ALS). adj. IRR 4,9 (95% KI 3,1-7,7)
  80. McGarry A et al. 2021, BJPsych Open (Enroll-HD) · Prospektive globale Kohorte, mehrere Tausend HD-Teilnehmer A
    In der weltweit größten HD-Kohorte traten Suizide/Versuche gehäuft an definierten Übergangsphasen (Diagnose, Verlust der Selbstständigkeit) auf. erhöhte Inzidenz vollendeter Suizide und Versuche; kritische Phasen um Diagnosestellung und bei zunehmender funktioneller Einschränkung
  81. Erlangsen A et al. 2020, JAMA · Nationale Registerkohorte, N=7,3 Mio. A
    ALS war - gleichauf mit Huntington - mit dem höchsten Suizidrisiko (~5-fach) aller neurologischen Erkrankungen verbunden. adj. IRR 4,9 (95% KI 3,5-6,9)
  82. Fang F et al. 2008, Brain · Nationale Registerkohorte A
    Die schwedische Kohorte zeigte stark erhöhte Suizidraten bei ALS, konzentriert auf die ersten 12 Monate nach Diagnosestellung. deutlich erhöhte Suizidmortalität, Spitze im ersten Jahr nach Diagnose
  83. Erlangsen A et al. 2020, JAMA · Nationale Registerkohorte, N=7,3 Mio. A
    Schlaganfall war mit einem moderat (~30%) erhöhten Suizidrisiko assoziiert - schwächer als degenerative Erkrankungen, wegen Häufigkeit aber bevölkerungsbezogen relevant. adj. IRR 1,3 (95% KI 1,2-1,3)
  84. Eriksson M et al. 2015, Neurology (Riks-Stroke) · Nationale Schlaganfall-Registerkohorte (Riks-Stroke) A
    Post-Stroke-Suizidalität war bei jungen, schwer betroffenen und sozioökonomisch benachteiligten Überlebenden am höchsten, mit Häufung in den ersten Jahren. erhöhtes Risiko, am stärksten bei jüngeren Patienten und in ersten 2 Jahren nach Ereignis
  85. Friedman LE et al. 2017, Headache · Systematische Übersicht & Meta-Analyse A
    Bereits eine frühere Meta-Analyse fand rund verdoppelte bis 2,5-fache Odds für Suizidgedanken bei Migränebetroffenen. gepoolte OR für Suizidideation ~2,5
  86. Erlangsen A et al. 2020, JAMA · Nationale Registerkohorte, N=7,3 Mio. A
    Über alle Altersgruppen gemittelt war Demenz NICHT mit erhöhtem, sondern leicht erniedrigtem Suizidrisiko assoziiert - ein Durchschnitt, der die kritische Frühphase verdeckt. adj. IRR 0,8 (95% KI 0,7-0,9)
  87. Alothman D et al. 2022, JAMA Neurology · Fall-Kontroll-Studie, N=594.674 (14.515 Suizide; 4.940 mit Demenz) A
    Bei unter 65-Jährigen war das Suizidrisiko in den ersten 3 Monaten nach Demenzdiagnose fast 7-fach erhöht - das Durchschnitts-Nullbild (IRR 0,8) verschleiert diese Hochrisiko-Subgruppe. HR 6,69 (Diagnose <65 J. in ersten 3 Monaten); psychiatrische Komorbidität HR 1,52
  88. Pitman AL et al. 2016, BMJ Open · Querschnitts-Kohorte, N=3432 trauernde Erwachsene 18-40 J. A
    Durch Suizid Hinterbliebene hatten 65% hoehere Chance eines eigenen Suizidversuchs als durch natuerlichen Tod Hinterbliebene. OR 1,65 (95% KI 1,12-2,42) fuer Suizidversuch
  89. Kposowa AJ 2000, J Epidemiol Community Health · National Longitudinal Mortality Study, N~470.000 (Landmark, aelter) A
    Geschiedene Maenner hatten mehr als doppeltes Suizidrisiko gegenueber Verheirateten, waehrend bei Frauen kein Zusammenhang bestand (Geschlechtsdisparitaet). RR ~2,4 fuer Suizid; kein signifikanter Effekt bei Frauen
  90. Fang F et al. 2012, New England Journal of Medicine · Nationale Registerkohorte (~6 Mio) A
    In der ersten Woche nach Krebsdiagnose war das Suizidrisiko rund 12-fach, im ersten Jahr etwa 3-fach erhoeht (auch kardiovaskulaerer Tod erhoeht). RR Suizid 12,6 (95% KI 8,6-17,8) in erster Woche; RR ~3,1 im ersten Jahr
  91. Dube SR et al. 2001, JAMA · ACE Study, retrospektive Kohorte N=17.337 (Landmark, aelter) A
    Mit steigender Zahl belastender Kindheitserfahrungen stieg das Risiko eines lebenslangen Suizidversuchs stark an (bis ~30-fach), ein grosser Anteil der Versuche war ACEs attributabel. ACE-Score >=7 -> OR ~30 fuer jemaligen Suizidversuch; klare Dosis-Wirkungs-Beziehung
  92. Wang, An, Shi, Zhang 2017, European Journal of Endocrinology · Systematischer Review + Meta-Analyse, 54 Studien A
    Diabetiker haben ein rund 56% erhoehtes Suizidsterberisiko gegenueber der Allgemeinbevoelkerung. RR 1,56 (95% KI 1,29-1,89); Inzidenz 2,35/10.000 Personenjahre
  93. Wang, An, Shi, Zhang 2017, European Journal of Endocrinology · Meta-Analyse (Subgruppe T1D) A
    Typ-1-Diabetes verdoppelt bis mehr als verdoppelt das Suizidrisiko; Suizid macht rund 7,7% aller Todesfaelle aus (T2D nur 1,3%). RR 2,25 (95% KI 1,50-3,38); Suizid = 7,7% aller Todesfaelle
  94. Higher suicide risk in type 1 diabetes vs cancer (koreanisches Register) 2025 · Nationale Registerkohorte A
    In einer koreanischen Registerkohorte lag die Suizidrate bei Typ-1-Diabetes hoeher als bei Krebspatienten und der Allgemeinbevoelkerung. deutlich erhoehte Suizidmortalitaet vs. Allgemeinbevoelkerung (exakte HR im Volltext)
  95. Assessing suicide risk in heart failure 2025, Frontiers in Psychiatry (Meta-Analyse, 8 Studien) · Meta-Analyse, 8 Studien A
    Herzinsuffizienz erhoeht die Suizidwahrscheinlichkeit um rund 62% gegenueber Personen ohne schwere kardiovaskulaere Erkrankung. OR 1,62 (95% KI 1,49-1,74)
  96. Crump et al. 2022, JACC: Heart Failure (nationale Kohorte) · Nationale Kohortenstudie A
    Das Suizidrisiko ist unmittelbar nach der Herzinsuffizienz-Diagnose am hoechsten (bis 4,5-fach), was fuer eine akute Diagnose-Schock-Phase spricht. IRR erste 3 Monate Maenner 4,47 / Frauen 2,82
  97. Liu et al. 2018 (taiwanesische Kohorte, in Meta-Analyse zitiert) · Populationsbasierte Kohorte A
    In der taiwanesischen Kohorte war das Suizidrisiko in den ersten 6 Monaten nach Diagnose etwa siebenfach erhoeht. OR gesamt 1,68; erste 6 Monate adjustierte OR 7,04
  98. Larsen et al. 2010, Circulation (populationsbasierte Fall-Kontroll-Studie) · Populationsbasierte Fall-Kontroll-Studie A
    Nach einem Herzinfarkt ist das Suizidrisiko erhoeht und im ersten Monat am staerksten ausgepraegt. erhoehte Suizidrate, Maximum im ersten Monat nach Infarkt (exakte IRR unbestaetigt)
  99. Petersen et al. 2020, Journal of Internal Medicine (nationale Kohorte) · Nationale Kohortenstudie A
    Herzerkrankungen sind landesweit mit erhoehtem Suizidrisiko assoziiert, insbesondere kurz nach Diagnose und bei psychiatrischer Komorbiditaet. erhoehte Suizidinzidenzrate vs. Allgemeinbevoelkerung (exakte IRR im Volltext)
  100. Sampaio et al. 2019, Respiratory Medicine (Meta-Analyse) · Systematischer Review + Meta-Analyse, 5 Studien A
    COPD ist mit einem rund 1,9-fach erhoehten Suizidrisiko assoziiert. OR 1,90 (95% KI 1,27-2,48)
  101. Kurella et al. 2005, Journal of the American Society of Nephrology · Nationale Registerkohorte (>465.000) A
    Dialysepatienten im US-ESRD-Programm hatten ein deutlich erhoehtes Suizidrisiko gegenueber der Allgemeinbevoelkerung, hoechste Rate in den ersten Monaten. Suizidrisiko ca. 1,84-fach (rund +84%) vs. Allgemeinbevoelkerung (exakte Zahl unbestaetigt)
  102. Populationsbasierte ESRD-Dialyse-Kohorte 2017, Journal of Affective Disorders · Retrospektive Kohorte, 64.000 Patienten A
    In einer 64.000-Patienten-Kohorte war das Suizidrisiko unter Dialyse erhoeht, besonders im ersten Behandlungsjahr. erhoehte Suizidmortalitaet, v.a. fruehe Behandlungsphase (exakte HR im Volltext)
  103. Jang et al. 2021, Clinical and Molecular Hepatology (nationale Kohorte) · Nationale Kohorte, 5.809 vs. 11.618 Kontrollen A
    Eine neu aufgetretene Leberzirrhose mehr als verdoppelt das Suizidrisiko, am staerksten in den ersten 2 Jahren und bei Juengeren. adjustierte HR 2,37 (95% KI 1,44-3,88); erste 2 Jahre HR 2,59; Alter 18-49 HR 3,72
  104. Bhatti et al. 2016, JAMA Surgery (populationsbasierte Kohorte) · Populationsbasierte Selbst-Kontroll-Kohorte, 8.815 A
    Nach bariatrischer Chirurgie stiegen Selbstschaedigungs-Notfaelle um rund 50% gegenueber der praeoperativen Phase, ueberwiegend bei vorbestehender psychischer Erkrankung. Selbstschaedigungs-Notfaelle +50% postoperativ vs. praeoperativ
  105. Metabolic bariatric surgery suicide meta-analysis 2024, Surgery for Obesity and Related Diseases · Meta-Analyse gematchter/populationsbasierter Studien A
    Die aktuellste Meta-Analyse gematchter und populationsbasierter Studien bestaetigt ein erhoehtes Suizidrisiko nach bariatrischer Chirurgie. erhoehtes Suizidrisiko in gematchten Kohorten (gepoolt, Volltext)
  106. May & Klonsky 2016, Clin. Psychol.: Sci. Pract. · Meta-Analyse A
    Meta-Analyse: Depression, Hoffnungslosigkeit und die meisten Diagnosen trennen Suizidversucher kaum von Menschen mit reinen Suizidgedanken; nur wenige Faktoren (Fruehversuche, Faehigkeit/Furchtlosigke die meisten klassischen Risikofaktoren unterscheiden Versucher NICHT von Ideatoren
  107. Brown, Beck, Steer, Grisham 2000, J. Consult. Clin. Psychol. · prospektive Kohorte, ca. N=6.900 A
    20-Jahres-Verlaufsstudie an psychiatrischen Ambulanzpatienten: Hoffnungslosigkeit war einer der staerksten prospektiven Praediktoren des spaeteren Suizidtods. hoehere Hoffnungslosigkeit -> deutlich erhoehtes spaeteres Suizidrisiko (exakte HR nicht sicher erinnert)
  108. Kleiman, Turner, Fedor, Beale, Huffman, Nock 2017, J. Abnorm. Psychol. · 2 EMA-Studien, Hochrisikopatienten A
    Ecological-Momentary-Assessment-Studien: Suizidgedanken schwanken dramatisch innerhalb von Stunden; statische Trait-Messungen unterschaetzen daher systematisch die individuelle Vorhersage. grosse Within-Person-Varianz innerhalb von Stunden
  109. Fox, Franklin, Ribeiro, Kleiman, Bentley, Nock 2015, Clin. Psychol. Rev. · Meta-Analyse, >100 Studien A
    Meta-Analyse: klassische psychologische Risikofaktoren fuer NSSI sind einzeln nur schwach; die staerkste Vorhersage liefert vorherige Selbstverletzung selbst - analog zur schwachen Trait-Praediktion b gepoolte Effekte meist schwach; fruehere NSSI staerkster Praediktor
  110. Fox et al. 2021, Journal of Affective Disorders · Nationale Kohorte, 3.177.706 Personen A
    In einer 3,1-Mio.-Kohorte war PTBS auch nach voller Adjustierung mit erhöhtem Suizidsterberisiko assoziiert, bei Frauen deutlich stärker (HR 2,6) als bei Männern (HR 1,7). Suizidtod voll adjustiert: Frauen HR 2.61 (2.16-3.14); Männer HR 1.67 (1.31-2.12)
  111. Angelakis et al. 2019, Psychological Medicine · Meta-Analyse, 68 Studien A
    Auch die 'unsichtbaren' Traumaformen ohne körperliche Spuren - emotionaler Missbrauch und Vernachlässigung - verdoppeln bis verzweieinhalbfachen das Suizidversuchsrisiko. Emot. Missbrauch Versuch OR 2.49 (1.64-3.77); emot. Vernachlässigung Versuch OR 2.29 (1.79-2.94)
  112. Angelakis et al. 2019, Psychological Medicine · Meta-Analyse, 68 Studien A
    Kumuliertes Mehrfachtrauma hat den mit Abstand höchsten Effekt (OR ~5) - klarer Dosis-Wirkungs-Hinweis: je mehr Traumaformen, desto höher das Risiko. Suizidversuch OR 5.18 (2.52-10.63)
  113. Duarte D et al. 2020, JAMA Psychiatry · Meta-Analyse, 9 Studien / ca. Millionen Personenjahre A
    Aerztinnen haben ein etwa 46% erhoehtes Suizidrisiko gegenueber der weiblichen Bevoelkerung, waehrend maennliche Aerzte KEIN erhoehtes Risiko zeigen (Geschlechter-Paradox). SMR 1,46 (95% KI 1,02-1,91); Maenner SMR 0,67 (0,55-0,79)
  114. Dutheil F et al. 2019, PLoS ONE · Meta-Analyse, 61 Studien A
    Meta-Analyse bestaetigt erhoehtes Suizidrisiko bei Aerzten, mit staerkster Erhoehung bei Aerztinnen und in Fachrichtungen mit Zugang zu letalen Mitteln (Anaesthesie, Psychiatrie). erhoehte gepoolte Suizidrate, insb. Frauen; Maenner uneinheitlich
  115. Tomasi SE et al. 2019, J Am Vet Med Assoc (JAVMA) · Register-/Sterbeurkundenanalyse, 398 Suizide A
    Tieraerztinnen sterben 3,5-fach, Tieraerzte 2,1-fach haeufiger durch Suizid als die Bevoelkerung; Zugang zu Euthanasie-Barbituraten zentral. PMR Frauen 3,5 (2,3-5,1); Maenner 2,1 (1,6-2,7)
  116. Peterson C et al. 2020, MMWR (CDC) · Oekologisch, berufsbezogene Raten, ~20.000 Suizide A
    Bau- und Rohstoffgewinnungsberufe weisen die hoechste Suizidrate aller maennlichen Berufsgruppen auf, deutlich ueber dem Bevoelkerungsschnitt. Suizidrate ~49 pro 100.000 (hoechste maennliche Berufsgruppe)
  117. Klingelschmidt J et al. 2018, Scand J Work Environ Health · Meta-Analyse, 65 Studien A
    Systematische Meta-Analyse zeigt erhoehte Suizidraten bei Landwirten, u.a. durch Pestizidzugang, Isolation, oekonomischen Druck und Wetter-/Marktrisiken. gepoolt erhoehtes Suizidrisiko, insb. Maenner (Effekt heterogen)
  118. Stanley IH et al. 2016, Clinical Psychology Review · Systematic Review, 63 Studien A
    Rund ein Viertel der Einsatzkraefte berichtet Suizidgedanken im Lauf des Lebens; SuizidTOD-Raten sind gegenueber der Bevoelkerung uneinheitlich (teils erhoeht, teils nicht) - Effekt umstritten. Lebenszeit-Suizidgedanken ca. 25%; Versuch ca. 3-5%
  119. Milner A et al. 2013, British Journal of Psychiatry · Meta-Analyse, 34 Studien A
    Meta-Analyse zeigt: je niedriger die berufliche Qualifikation/Kontrolle, desto hoeher das Suizidrisiko - ein sozialer Gradient unabhaengig vom Einzelberuf. erhoehte Suizidraten bei niedrigem Qualifikations-/Statusniveau (Maenner)
  120. Nordt C et al. 2015, Lancet Psychiatry · Laengsschnitt-oekologische Modellierung A
    Arbeitslosigkeit ist mit ~20-30% hoeherem Suizidrisiko assoziiert; der Risikoanstieg beginnt bereits ~4-6 Monate VOR dem Beschaeftigungsverlust und ist in Laendern mit niedriger Grundarbeitslosigkeit RR Suizid ~1,2-1,3; ~45.000 assoziierte Suizide/Jahr
  121. Milner A, Page A, LaMontagne AD 2013, PLoS ONE · Meta-Analyse, 16 Kohortenstudien A
    Arbeitslose haben ein ~1,6-fach erhoehtes Suizidrisiko, doch ein erheblicher Teil erklaert sich durch vorbestehende psychische Erkrankung (Selektion) - Kausalanteil kleiner als der Rohwert. RR ~1,58; nach Adjustierung fuer Vorerkrankung deutlich abgeschwaecht
  122. Chang SS et al. 2013, BMJ · Oekologische Zeitreihenanalyse A
    Die Finanzkrise 2008 war mit tausenden zusaetzlichen Suiziden verbunden, konzentriert bei Maennern im erwerbsfaehigen Alter in Laendern mit steigender Arbeitslosigkeit. ~4.900-5.000 ueberzaehlige Suizide 2009 (54 Laender)
  123. Menon NK et al. 2020, JAMA Network Open · Querschnitt, 1.354 Aerzte A
    Nach statistischer Kontrolle fuer Depression ist Burnout NICHT eigenstaendig mit Suizidgedanken verknuepft - der oft behauptete direkte Burnout-Suizid-Zusammenhang ist weitgehend durch Depression konf Burnout NICHT unabhaengig mit Suizidgedanken assoziiert nach Adjustierung fuer Depression
  124. Bernert et al. 2014, JAMA Psychiatry · prospektive Kohorte, ~14.456 Ältere, 10-J-Follow-up A
    Bei älteren Gemeindebewohnern sagte schlechte Schlafqualität über 10 Jahre den Suizidtod voraus, auch nach Adjustierung für depressive Symptome. adj. OR ~1,39; bei zusätzlicher Depression deutlich höher
  125. Bjørngaard et al. 2011, Sleep · Bevölkerungskohorte, ~75.000, 20-J-Follow-up A
    In der norwegischen HUNT-Kohorte verschwand der Zusammenhang Schlafprobleme–Suizid nach Kontrolle für Depression/Angst — starker Hinweis auf Confounding durch Depression. HR ~2,1 roh → nach Adjustierung nicht mehr signifikant
  126. Sjöström et al. 2007, Sleep · Fall-Serie/Querschnitt, N=165 Suizidversucher A
    Albträume waren bei Suizidversuchern mit rund fünffach erhöhtem Risiko für wiederholte Versuche assoziiert. OR ~5,0 für wiederholte Suizidversuche
  127. Nadorff et al. 2011, Sleep · Querschnitt, Studierendenstichprobe N~583 A
    Albträume blieben ein von Insomniesymptomen und Depression unabhängiger Prädiktor für Suizidgedanken — ein oft übersehenes Signal. signifikante eigenständige Assoziation (OR erhöht)
  128. Goldstein et al. 2008, J Consult Clin Psychol · psychologische Autopsie, N=140 Jugendliche A
    Schlafstörungen in der Woche vor dem Tod traten bei jugendlichen Suizidopfern häufiger auf als bei Kontrollen — Insomnie als akuter Nahwarnindikator. erhöhtes Risiko (Fall-Kontroll, psychologische Autopsie)
  129. Trockel et al. 2015, Sleep · Behandlungskohorte, N~405 Veteranen A
    Bei Veteranen ging eine erfolgreiche nicht-pharmakologische Insomnie-Behandlung (CBT-I) mit einer Abnahme der Suizidgedanken einher. Reduktion der Odds für Suizidgedanken mit Insomnie-Besserung
  130. Chesney E, Goodwin GM, Fazel S 2014, World Psychiatry · Meta-Review von Meta-Analysen (mentale Stoerungen gesamt) A
    Im gepoolten Meta-Review liegt die standardisierte Suizidmortalitaets-Ratio bei Schizophrenie bei rund 12,9-fach gegenueber der Allgemeinbevoelkerung. SMR Suizid ~12,9 (gepoolt; Meta-Review)
  131. Palmer BA, Pankratz VS, Bostwick JM 2005, Arch Gen Psychiatry · Meta-analytische Neuberechnung (Landmark) A
    Die korrigierte Neubewertung schaetzt das Lebenszeit-Suizidrisiko bei Schizophrenie auf etwa 4,9% - deutlich niedriger als die frueher zitierten 10%, mit hoechstem Risiko frueh im Krankheitsverlauf. Lebenszeitrisiko ~4,9% (Neubewertung; frueher ~10% ueberschaetzt)
  132. Nordentoft M, Mortensen PB, Pedersen CB 2011, Arch Gen Psychiatry · Nationale Registerkohorte, ~176.000 Personen mit Suizid-Follow-up A
    Im daenischen Vollregister betrug das absolute Suizidrisiko nach Erstkontakt wegen Schizophrenie ca. 6,5% (Maenner) bzw. 4,9% (Frauen) - einer der hoechsten Werte aller psychischen Diagnosen. Absolutes Suizidrisiko Maenner ~6,5%, Frauen ~4,9%
  133. Nordentoft M, et al. 2011, Arch Gen Psychiatry (Fruehphasen-Analyse) · Registerkohorte, Zeitverlaufsanalyse A
    Das Suizidrisiko ist bei psychotischen Stoerungen in der Fruehphase - insbesondere im ersten Jahr nach Diagnose/Erstkontakt - am hoechsten und faellt danach ab. Hoechste Suizidinzidenz im ersten Jahr / periodischer Erkrankungsbeginn
  134. Challis S, Nielssen O, Harris A, Large M 2013, Br J Psychiatry · Systematische Meta-Analyse der Risikofaktoren A
    In der systematischen Meta-Analyse zu Selbstschaedigung bei FEP war vorheriges selbstschaedigendes Verhalten der konsistenteste Praediktor fuer erneute Selbstschaedigung nach Behandlungsbeginn. Fruehere Selbstschaedigung staerkster Praediktor fuer erneute (gepoolt)
  135. Stanley B et al. 2018, JAMA Psychiatry · Kohorten-Vergleich (cohort comparison), ~1640 Patienten A
    Eine kurze Safety-Planning-Intervention mit strukturierten Nachsorgeanrufen in der Notaufnahme halbierte annaehernd suizidales Verhalten im Folgezeitraum. ~45-50% weniger suizidales Verhalten ueber 6 Monate vs. Standardversorgung (OR ~0,44-0,56)
  136. Zalsman G et al. 2016, Lancet Psychiatry (10-Jahres-Review) · Systematische Review evidenzbasierter Praeventionsstrategien A
    Ueber 10 Jahre systematischer Evidenz zeigen Mittel-Restriktion und Versorgungsketten die staerkste Suizid-senkende Wirkung, waehrend reine Aufklaerungskampagnen kaum belegte Effekte haben. Mittel-Restriktion und Zugangsbeschraenkung mit staerkster Evidenz fuer Suizidreduktion; Aerztefortbildung/Depressionsbehandlung positiv; Screening/Awareness-Kampagnen ohne robusten Effekt
  137. Chin K et al. 2022, Current Psychiatry Reports (Review nationaler Register) · Narrativer Review nationaler Sterberegister/Confidential Enquiries A
    Suizid ist in mehreren nationalen Erhebungen die fuehrende direkte Todesursache von Muettern im ersten Jahr nach der Geburt, nicht in der akuten Postpartalphase, sondern verzoegert (3-12 Monate). Suizid = fuehrende direkte Ursache maternaler Todesfaelle im 1. Jahr postpartum (Anteilsschaetzung, kein OR/HR)
  138. Schwedische nationale Kohorte 2026, Scientific Reports (in Traditionslinie Appleby 1991, BMJ) · Nationale Registerkohorte A
    Die Suizid- und Suizidversuchsrate ist waehrend der Schwangerschaft markant niedriger als bei nicht-schwangeren Frauen gleichen Alters, mit steilem Anstieg nach Entbindung (Diskontinuitaets-Muster). protektiv (deutlich reduzierte Suizidrate waehrend der Schwangerschaft; Effektstaerke landmark-abhaengig)
  139. Gelabert E et al. 2024, Maternal and Child Health Journal (Meta-Analyse, 10 Studien) · Systematischer Review + Meta-Analyse, 10 Studien A
    Frueheres Suizidverhalten und affektive Stoerungen sind die staerksten Praediktoren peripartaler Suizidversuche, mit sehr breiten Konfidenzintervallen (hohe Heterogenitaet, kleine Ereigniszahlen). Vorheriges Suizidverhalten OR 38,04 (95%-KI 3,36-431,17); postpartale affektive Stoerung OR 11,43 (95%-KI 1,56-83,87)
  140. Johannsen BMW et al. 2016, American Journal of Psychiatry (nationale Registerkohorte) · Nationale Registerkohorte, alle Erstgebaerenden mit postpartaler Diagnose A
    Frauen mit schwerer postpartaler psychiatrischer Erstepisode haben eine deutlich erhoehte Suizid- und Gesamtsterblichkeit, konzentriert auf die ersten Monate nach Diagnose. stark erhoehte Suizid-/Gesamtmortalitaet, hoechstes Risiko in den ersten Monaten (praezises HR im Abstract nicht extrahiert)
  141. Annals of Internal Medicine 2024 (Taiwan-Registerkohorte; Erstautor unbestaetigt) · Landesweite Registerkohorte (National Health Insurance) A
    Nach PCOS-Diagnose ist das Risiko eines Suizidversuchs um ein Mehrfaches erhoeht, mit besonders auffaelliger Erhoehung bereits im Jugend-/frueherwachsenen Alter. adjustierte HR Erwachsene ~8,75; Jugendliche ~5,38 (95%-KI nicht bestaetigt)
  142. Prasad D et al. 2021, Journal of Women's Health (Meta-Analyse) · Systematischer Review + Meta-Analyse, 10-13 Studien A
    PMDD ist mit etwa 4-fach erhoehten Suizidgedanken und rund 7-fach erhoehten Suizidversuchen assoziiert. Suizidgedanken OR 3,95 (95%-KI 2,97-5,24); Suizidversuch OR 6,97 (95%-KI 2,98-16,29)
  143. Prasad D et al. 2021, Journal of Women's Health (Meta-Analyse) · Systematischer Review + Meta-Analyse A
    Fuer leichteres PMS ist der Zusammenhang mit Suizidversuch statistisch nicht signifikant - der Schweregrad (PMDD-Schwelle), nicht 'praemenstruelle Beschwerden' an sich, treibt das Risiko. Suizidgedanken OR 10,06 (95%-KI 1,32-76,67; extrem breit); Suizidversuch OR 1,85 (95%-KI 0,77-4,46; n.s.)
  144. Wang T-M et al. 2023, International Journal of Women's Health (Taiwan-Kohorte) · Landesweite Registerkohorte, N=100.770 (20.154 Faelle) A
    Endometriose ist mit rund 2-fach erhoehten psychischen Stoerungen und moderat erhoehtem Suizidrisiko assoziiert. adjustierte HR Suizid ~1,45; Depression ~2,77; psychische Stoerungen gesamt 2,13 (95%-KI 1,53-2,79)
  145. Population-based cohort 2024/2025 (J Minim Invasive Gynecol; Erstautor unbestaetigt) · Populationsbasierte Kohorte A
    Nach Endometriose-Diagnose ist das Risiko fuer Selbstverletzung und Intoxikation/Ueberdosis erhoeht, moeglicherweise teils schmerzvermittelt. erhoehtes Selbstverletzungs-/Ueberdosis-Risiko (praezises Effektmass unbestaetigt)
  146. Moon DU et al. 2024, Frontiers in Psychiatry (nationale Kohorte) · Landesweite Registerkohorte, N=1.315.795 A
    Je frueher die Menopause, desto hoeher die Suizidmortalitaet - vorzeitige Ovarialinsuffizienz (POI) zeigt das hoechste Risiko (+43%). POI (<40) HR 1,43 (95%-KI 1,14-1,78); 40-44 HR 1,31 (1,15-1,50); 45-49 HR 1,13 (1,04-1,23) - Dosis-Wirkung
  147. Skovlund CW et al. 2018, American Journal of Psychiatry (nationale Kohorte) · Nationale Registerkohorte, N=475.802 A
    Hormonelle Kontrazeption ist mit etwa verdoppeltem Suizidversuchs- und rund verdreifachtem Suizidrisiko assoziiert, mit hoechstem relativem Risiko bei Jugendlichen und kurz nach Beginn. Suizidversuch RR 1,97 (95%-KI 1,85-2,10); Suizid RR 3,08 (95%-KI 1,34-7,08); Gestagen-Mono RR 2,29
  148. Ferloev-Schwensen C / Brix TH et al. 2019, Endocrine (nationales Register) · Landesweite Registerkohorte A
    Hashimoto-Thyreoiditis ist mit einem moderat erhoehten Risiko fuer Tod durch unnatuerliche Ursachen, vor allem Suizid, verbunden. Tod durch unnatuerliche Ursachen (v.a. Suizid) HR 1,31 (95%-KI 1,04-1,65)
  149. Ferloev-Schwensen C et al. 2017, Thyroid (nationales Register) · Landesweite Registerkohorte A
    Anders als bei Hashimoto zeigt Morbus Basedow in dieser nationalen Registerstudie KEINE erhoehte vollendete Suizidrate - richtungsspezifischer Schilddruesen-Effekt. kein erhoehtes Suizidrisiko (Nullbefund)
  150. Studdert DM et al. 2020, New England Journal of Medicine · Kohorte, n=26,3 Mio. Erwachsene A
    Handwaffenbesitzer hatten ein vielfach hoeheres Risiko fuer Suizid durch Schusswaffe; Verfuegbarkeit toedlicher Mittel ist ein starker Praediktor. Firearm-Suizid: Maenner HR ~8; Frauen HR ~35 vs. Nichtbesitzer
  151. Hawton K et al. 2013, BMJ · Interrupted Time Series (Bevoelkerungsdaten) A
    Die Begrenzung frei verkaeuflicher Paracetamol-Packungen war mit einem dauerhaften Rueckgang toedlicher Ueberdosierungen assoziiert. Ca. 43% weniger Paracetamol-Vergiftungstode ueber 11 Jahre (~765 verhinderte Tode)
  152. Stanley B et al. 2018, JAMA Psychiatry · Kohorten-Vergleichsstudie, n=1.640 A
    Ein kurzer Sicherheitsplan mit aktiver Nachsorge halbierte nahezu suizidales Verhalten nach Notaufnahmebesuch (nicht-randomisierter Kohortenvergleich). ~45% weniger suizidales Verhalten ueber 6 Monate (3,03% vs. 5,29%)
  153. Lu CY et al. 2014, BMJ · Interrupted Time Series (11 US-Regionen) A
    Nach den Warnhinweisen sanken SSRI-Verordnungen und gleichzeitig stiegen Medikamentenvergiftungen bei Jugendlichen - moegliches iatrogenes Muster. Antidepressiva-Verordnungen -~20-30%; psychotrope Vergiftungen (Versuchs-Proxy) +~22% bei Jugendlichen
  154. Zalsman G et al. 2016, Lancet Psychiatry · Systematische Review, 1.797 Studien gescreent A
    Der grosse Uebersichtsartikel bewertet Zugangsbeschraenkung zu Mitteln und Fortbildung von Aerzten als am besten belegt, viele populaere Ansaetze bleiben unbewiesen. Staerkste Evidenz: Means Restriction und Aerzte-/Hausarztfortbildung; unklar: Screening allein, Gatekeeper
  155. Darvishi et al. 2015, PLoS ONE · Meta-Analyse, 31 Studien A
    AUD verdreifacht etwa das Risiko fuer Suizidversuch und erhoeht das Risiko fuer vollendeten Suizid rund 2,6-fach gegenueber Personen ohne AUD. Vollendeter Suizid OR 2.59 (95%-KI 1.95-3.23); Versuch OR 3.13 (2.45-3.81); Ideation OR 1.86 (1.38-2.35); zusaetzlich RR 1.74 (1.26-2.21)
  156. Borges et al. 2017, Psychological Medicine · Meta-Analyse, 7 Studien (Fall-Kontroll + Case-Crossover) A
    Akuter Alkoholkonsum steigert das unmittelbare Suizidversuchsrisiko rund 7-fach, bei hoher Dosis um das ~37-Fache - ein steiler Dosis-Wirkungs-Trigger. Suizidversuch: jeder akute Konsum OR 6.97 (4.77-10.17); niedrige Dosis OR 2.71 (1.56-4.71); hohe Dosis OR 37.18 (17.38-79.53)
  157. Poorolajal et al. 2016, Journal of Public Health (Oxford) · Meta-Analyse, 16-24 Studien je Outcome (Suizidtod: 7) A
    Substanzkonsumstoerungen verdoppeln etwa das Risiko fuer Suizidgedanken und -versuche, waehrend der Effekt auf vollendeten Suizid statistisch nicht signifikant blieb. Ideation OR 2.04 (1.59-2.50); Versuch OR 2.49 (2.00-2.98); Suizidtod OR 1.49 (0.97-2.00, n.s.)
  158. Watts et al. 2022, American Journal of Psychiatry · Retrospektive Kohorte, N=61.633 Veteranen A
    Stabile medikamentoese Opioidtherapie (v.a. Buprenorphin) senkt die Suizidmortalitaet um mehr als 65 % gegenueber Phasen ohne Behandlung. Suizidmortalitaet unter stabiler Buprenorphin-Behandlung HR 0.34 (0.23-0.52); alle MOUD stabil HR 0.45 (0.32-0.63); Methadon nach Adjustierung n.s.
  159. Li et al. 2012, Journal of Psychiatric Research · Meta-Analyse, 15 prospektive Kohorten, N=1.369.807 (2.395 Suizide) A
    Aktuelles Rauchen erhoeht das Suizidrisiko um ~80 % mit klarer Dosis-Wirkungs-Beziehung - ein oft uebersehener, potenziell teils konfundierter Marker. Aktuelle Raucher RR 1.81 (1.50-2.19); Ex-Raucher RR 1.28 (1.00-1.64); Dosis: +24 % je 10 Zig./Tag (RR 1.24, 1.20-1.28)
  160. Berlin et al. 2017, Psychological Medicine (Zwillingskohorte, 35-J.-Follow-up) · Prospektive Zwillingskohorte, Competing-Risks-Analyse A
    In einer 35-Jahres-Zwillingskohorte blieb der Rauchen-Suizid-Zusammenhang auch nach Kontrolle familiaerer Faktoren bestehen, spricht gegen reines Confounding. Erhoehtes Suizidmortalitaetsrisiko fuer Raucher auch nach Adjustierung; exakte HR unbestaetigt
  161. Aljadani et al. 2025, Frontiers in Public Health · Fall-Kontroll-Studie, N=800 A
    Methamphetaminkonsum ist dosisabhaengig mit Suizidalitaet assoziiert; taeglicher Konsum verdreifacht das Risiko gegenueber Nichtkonsum. Suizidalitaet: leichte Nutzer aOR 1.8 (1.3-2.5); taegliche/starke Nutzer aOR 3.2 (2.3-4.4)
  162. Mathers et al. 2013, Bulletin of the World Health Organization · Systematisches Review/Meta-Analyse mehrerer PWID-Kohorten A
    Menschen die Drogen injizieren haben eine massiv erhoehte Gesamtmortalitaet, wobei Suizid als eigenstaendige, ueber der Bevoelkerung liegende Todesursache hervortritt. Stark erhoehte Gesamt- und ursachenspezifische Mortalitaet; Suizid-SMR deutlich >1 (exakter Poolwert unbestaetigt)
  163. Han et al. 2025, Drug and Alcohol Dependence Reports (RAND/Johns Hopkins) · Systematisches Review/Meta-Analyse A
    Die aktuellste Synthese bestaetigt substanzuebergreifend erhoehte Suizidmortalitaet, betont aber heterogene Datenlage je Substanz. Positive Assoziation mehrerer Substanzklassen mit Suizidmortalitaet (substanzspezifische Poolwerte in diesem Register nicht einzeln verifiziert)
  164. Temes, Frankenburg, Fitzmaurice & Zanarini, J Clin Psychiatry (McLean Study of Adult Development) · prospektive Kohorte, N=290 BPD + 72 Vergleich, 24 J. Follow-up A
    Ueber 24 Jahre prospektiver Nachbeobachtung starben 5,9% der BPD-Patienten durch Suizid vs. 1,4% der PS-Vergleichsgruppe; die Mehrzahl der Suizide betraf Patienten ohne erreichte Remission. Suizidtod 5,9% (BPD) vs. 1,4% (Vergleich); Nicht-Suizid-Tod 14,0% vs. 5,5%
  165. Paris & Zweig-Frank, Comprehensive Psychiatry · Langzeit-Follow-up-Kohorte, N~64 nachverfolgt A
    27-Jahres-Follow-up: rund jeder zehnte BPD-Patient (ca. 10%) verstarb durch Suizid - Suizide traten gehaeuft spaeter im Verlauf (mittleres Alter ~30) auf, nicht nur in der akuten Krise der fruehen Jah Suizidtod ~10,3% ueber 27 Jahre
  166. Systematic Review of Psychological Autopsy Studies, Current Psychiatry Reports · systematisches Review, 56 psychologische Autopsiestudien A
    Systematisches Review von 56 psychologischen Autopsiestudien: Persoenlichkeitsstoerungen (v.a. Cluster B/Borderline) sind unter Suizidverstorbenen haeufig; Impulsivitaet und Alkoholmissbrauch wirken P PS als signifikanter Risikofaktor; Impulsivitaet und Alkoholmissbrauch als universelle Risikofaktoren ueber PS-Typen
  167. Suicide and prevalence of mental disorders - meta-analysis of world psychological autopsy data, Psychiatry Research · Meta-Analyse Fall-Kontroll-Autopsiestudien A
    Weltweite Meta-Analyse von Fall-Kontroll-Autopsiestudien bestaetigt: psychische Stoerungen - einschliesslich Persoenlichkeitsstoerungen - sind bei der grossen Mehrheit der Suizide vorhanden und deutli gepoolte Praevalenz psychischer Stoerungen bei Suizid hoch; PS als eine der Hauptdiagnosegruppen
  168. McGirr, Renaud, Turecki, Paris & Lesage, J Clin Psychiatry · Fall-Kontroll psychologische Autopsie, N=120 (70 Suizide, 50 Kontrollen) A
    Fall-Kontroll-Autopsiestudie: suizidverstorbene BPD-Patienten wiesen deutlich mehr Cluster-B-Komorbiditaet und hoehere Impulsivitaet/Feindseligkeit auf; die impulsiv-aggressive Praedisposition, nicht Interaktion Impulsivitaet x Aggression sagt Suizid voraus; Effekt verschwindet bei Kontrolle fuer Cluster-B-Komorbiditaet
  169. Verona, Patrick & Joiner, J Abnormal Psychology (psychopathy/antisocial & suicide) · Fall/Querschnitt, Straftaeter- und Studierendenstichproben A
    Antisoziale Verhaltensmerkmale sind konsistent mit erhoehtem Suizidversuchsrisiko verbunden - der externalisierende (impulsiv-antisoziale) Pfad zur Suizidalitaet ist von der klassischen internalisiere antisoziales Verhalten assoziiert mit erhoehtem Suizidversuchsrisiko, teils unabhaengig von Depression
  170. Turban JL et al., Pediatrics · Retrospektiver Querschnitt, N=20.619 Transgender-Erwachsene A
    Retrospektiv war Zugang zu Pubertaetssuppression mit geringeren Lebenszeit-Suizidgedanken assoziiert (aOR ~0,3); Kausalitaet umstritten (retrospektiv, Selektionsbias). aOR ~0,3 fuer Lebenszeit-Suizidgedanken (Zugang = protektiv)
  171. Reger MA et al., JAMA Psychiatry · Retrospektive Kohorte, ~3,9 Mio. Servicemembers A
    Nicht der Kampfeinsatz, sondern das Ausscheiden aus dem Dienst und kurze Dienstzeit sind mit erhoehtem Suizidrisiko assoziiert - Deployment per se nicht. Deployment: kein signifikant erhoehtes Risiko; Separation & kurze Dienstzeit: HR erhoeht
  172. Schoenbaum M et al., JAMA Psychiatry (Army STARRS) · Kohorten-/Registeranalyse aktiver Soldaten (2004-2009) A
    Die Suizidrate der US-Army stieg zwischen 2004 und 2009 stark an und ueberschritt zeitweise die altersadjustierte zivile Rate. Anstieg der Suizidrate 2004-2009, teils ueber zivile Vergleichsrate
  173. Steelesmith DL et al., JAMA Network Open · Oekologische Panelanalyse aller US-Counties 1999-2016 A
    Laendliche Counties, hohe Deprivation, geringere soziale Fragmentierung-Umkehr und hoher Waffenbesitz sind mit hoeheren Suizidraten verbunden. Hoehere county-level Suizidraten mit Ruralitaet, Deprivation und Waffenbesitz assoziiert
  174. Ruch DA et al., JAMA Network Open · Nationale Trendanalyse 1975-2016 (10-19 J.) A
    Zwischen 1975 und 2016 stiegen die Suizidraten junger Maedchen (10-14 J.) prozentual am staerksten, wodurch sich die traditionelle Geschlechterkluft verengt. Staerkster relativer Ratenanstieg; Verengung der Geschlechterkluft
  175. Case A & Deaton A, PNAS · Bevoelkerungsweite Mortalitaetsanalyse A
    Weisse Amerikaner mittleren Alters ohne Collegeabschluss zeigten 1999-2013 steigende Mortalitaet durch 'deaths of despair', inkl. Suizid - konzentriert nach Bildung/Sozialstatus. Steigende Midlife-Mortalitaet inkl. Suizid, gegen internationalen Trend
  176. Ilgen et al. 2013, JAMA Psychiatry · Retrospektive Kohorte, N=4.863.086 A
    In 4,86 Mio. US-Veteranen blieb chronischer Rueckenschmerz auch nach Adjustierung fuer psychiatrische Diagnosen ein eigenstaendiger, signifikanter Suizidmortalitaets-Praediktor. HR 1,13 (95% KI 1,03-1,24)
  177. Ilgen et al. 2013, JAMA Psychiatry · Retrospektive Kohorte, N=4.863.086 A
    Psychogener Schmerz zeigte in der Ilgen-Kohorte das hoechste adjustierte Suizidrisiko aller nicht-malignen Schmerzdiagnosen, hoeher als Rueckenschmerz oder Migraene. HR 1,58 (95% KI 1,11-2,26)
  178. Ilgen et al. 2013, JAMA Psychiatry · Retrospektive Kohorte, N=4.863.086 A
    Anders als Rueckenschmerz/Migraene waren Arthritis und Fibromyalgie in der grossen Veteranenkohorte nach Adjustierung KEIN unabhaengiger Suizidmortalitaets-Praediktor - wichtiger Nullbefund gegen Uebe HR 0,95 (95% KI 0,87-1,04); Fibromyalgie HR 1,16 (95% KI 0,92-1,44) n.s.
  179. Kuriya et al. 2020, PLOS ONE · Populationsbasierte Kohorte, N=53.240 (RA) A
    In Ontario-Registerdaten war RA nach Adjustierung NICHT mit erhoehter vorsaetzlicher Selbstverletzung assoziiert - im Gegensatz zur ankylosierenden Spondylitis. HR 1,07 (95% KI 0,86-1,33)
  180. Kuriya et al. 2020, PLOS ONE · Populationsbasierte Kohorte, N=13.964 (AS) A
    Ankylosierende Spondylitis erhoehte das Risiko vorsaetzlicher Selbstverletzung signifikant (+59%), waehrend RA im selben Datensatz kein Signal zeigte - entzuendlich-mechanischer Schmerz bei Juengeren HR 1,59 (95% KI 1,15-2,21)
  181. Ilgen et al. 2016, Pain · Kohorte, N=123.946 A
    Bei chronischen Schmerzpatient:innen stieg das Suizidrisiko monoton mit der Opioiddosis - hoehere Dosis als Marker (nicht zwingend Ursache) fuer erhoehtes Risiko. HR 2,15 (95% KI 1,64-2,81); 50-100 mg HR 1,69; 20-50 mg HR 1,48
  182. Meta-Analyse Schmerztoleranz bei Suizidversuchern 2024, Psychiatry Research · Systematischer Review + Meta-Analyse A
    Paradox: Suizidversucher zeigen im Labor eher HOEHERE Schmerztoleranz (erworbene Faehigkeit/Habituation), was die klinische Fehlannahme 'Schmerzpatient = per se suizidnah' relativiert und die Rolle vo Erhoehte Schmerztoleranz/-schwelle bei Attempters (Meta-Analyse; exakte SMD unbestaetigt)
  183. Nordt C, Warnke I, Seifritz E, Kawohl W, Lancet Psychiatry · Longitudinale Panel-/Zeitreihenanalyse, 63 Laender, WHO-/ILO-Daten A
    Ueber 63 Laender (2000-2011) war Arbeitslosigkeit mit einem um ~20-30% erhoehten Suizidrisiko assoziiert; der Effekt trat bereits 6 Monate VOR dem Anstieg der Arbeitslosenquote auf (Antizipation). RR Suizid bei Arbeitslosigkeit um ca. 20-30% erhoeht; ~45.000 der ~233.000 Suizide/Jahr (2007) arbeitslosigkeitsassoziiert (~1 von 5)
  184. Milner A, Page A, LaMontagne AD, PLoS ONE · Systematische Review + Meta-Analyse (mehrere Kohortenstudien) A
    Meta-Analyse: Arbeitslosigkeit war mit deutlich erhoehtem Suizidrisiko assoziiert, am staerksten in den ersten Jahren nach Jobverlust, mit Abschwaechung ueber die Zeit. Gepooltes relatives Risiko Suizid ca. RR ~1.58 (Groessenordnung; hoechste Risiken in den ersten ~5 Jahren nach Arbeitslosigkeit)
  185. Blakely TA, Collings SC, Atkinson J, J Epidemiol Community Health · Census-verlinkte Kohorte, mehrere Mio. Personen-Jahre A
    In der neuseelaendischen Census-Kohorte war Arbeitslosigkeit mit ~2-3fach erhoehtem Suizidrisiko verbunden; rund die Haelfte des Effekts erklaerte sich durch Konfundierung (u.a. psychische Erkrankung) Rohes RR ~2-3; nach Adjustierung fuer psychische Erkrankung/Confounder etwa halbiert
  186. Qin P, Agerbo E, Mortensen PB, Am J Psychiatry · Nationale Register-Fall-Kontroll-Studie, alle Suizide 1981-1997 A
    In allen Suiziden Daenemarks (1981-1997) waren niedriges Einkommen, Arbeitslosigkeit und Alleinleben Risikofaktoren, deren Beitrag jedoch nach Beruecksichtigung psychiatrischer Vorgeschichte deutlich Erhoehte Suizidraten in niedrigem SES; Effekte nach Adjustierung fuer psychiatrische Klinikaufnahme stark abgeschwaecht
  187. Richardson T, Elliott P, Roberts R, Clin Psychol Rev · Systematische Review + Meta-Analyse (65 Studien) A
    Meta-Analyse: Verschuldung war mit psychischen Stoerungen, Suizidgedanken und Suizid assoziiert; Verschuldete hatten ~3fach erhoehtes Risiko fuer psychische Stoerungen. Deutlich erhoehte Odds fuer Suizidalitaet; Suizid(tod) OR sehr hoch aber mit breitem KI (Einzelbefund unsicher)
  188. Chang SS, Stuckler D, Yip P, Gunnell D, BMJ · Zeitreihen-/Trendanalyse, 54 Laender A
    In 54 Laendern stiegen die Suizidraten 2009 im Zuge der Finanzkrise, mit geschaetzt ~5.000 zusaetzlichen Suiziden, konzentriert auf Maenner und Laender mit steigender Arbeitslosigkeit. ~5.000 Ueberschuss-Suizide 2009 gegenueber Trend; Anstieg staerker bei Maennern
  189. Reeves A, McKee M, Stuckler D, Br J Psychiatry · Oekonometrische Zeitreihenanalyse A
    Die Great Recession war mit rund 10.000 zusaetzlichen Suiziden verbunden; Laender mit staerkeren sozialen Sicherungsnetzen und aktiver Arbeitsmarktpolitik zeigten geringere Anstiege. ~10.000 zusaetzliche 'oekonomische' Suizide 2008-2010; Effekt durch aktive Arbeitsmarktpolitik/Sozialausgaben abgeschwaecht
  190. Machado DB, Rasella D, Dos Santos DN, PLoS ONE · Oekologische Panelanalyse regionaler Daten A
    In Brasilien waren hoehere Einkommensungleichheit und Armut auf regionaler Ebene mit hoeheren Suizidraten assoziiert (oekologische Analyse). Positive Assoziation Gini-Index / Armut mit Suizidrate (oekologisch, Effektgroessen kontextabhaengig)
  191. Naeher AF, Rummel-Kluge C, Hegerl U, Front Psychiatry · Longitudinale Register-/Zensusanalyse, Kreisebene A
    Register- und Zensusdaten zeigten, dass niedriger sozioekonomischer Status und Indikatoren sozialer Isolation auf Kreisebene mit hoeheren Suizidraten in Deutschland einhergingen. Hoehere Suizidraten in Kreisen mit niedrigem SES und Isolationsindikatoren (oekologisch, Assoziation)
  192. Faessberg MM, van Orden KA, Duberstein P et al., Int J Environ Res Public Health · Systematische Review A
    Systematische Review: Bei aelteren Erwachsenen waren soziale Isolation, Einsamkeit und Familienkonflikte mit erhoehtem suizidalem Verhalten verbunden, waehrend soziale Teilhabe protektiv wirkte. Soziale Faktoren (Isolation, Einsamkeit, geringe soziale Teilhabe) als Risikofaktoren fuer suizidales Verhalten im Alter (qualitative Synthese)
  193. O'Connor & Kirtley 2018, Phil. Trans. R. Soc. B · Theorie-/Reviewpaper A
    Das Integrated Motivational-Volitional Model postuliert Entrapment (Gefuehl der Ausweglosigkeit) als zentralen Uebergang von Niederlage/Demuetigung zu Suizidgedanken und trennt eine motivationale von Modell-/Reviewpaper, kein gepooltes Effektmass
  194. Penttila M, Jaaskelainen E, Hirvonen N, et al. 2014, Br J Psychiatry · Systematische Review & Meta-Analyse zu DUP und Outcome A
    Laengere DUP sagt schlechteres Langzeit-Outcome voraus; ein spezifischer, robuster Kausaleffekt auf Suizid ist aus Meta-Analysen jedoch nicht eindeutig belegt (Hypothese fuer Fruehintervention). Lange DUP -> schlechteres Gesamt-Outcome (Suizid nicht spezifisch belegt)
  195. Gunnell D et al. 2020, Lancet Psychiatry (COVID-19 Suicide Prevention Research Collaboration) · Positionspapier / Expertenkonsens A
    Das internationale Konsenspapier warnte fruehzeitig, dass pandemische oekonomische und soziale Belastungen das Suizidrisiko erhoehen koennen, und priorisierte Sozialschutz und Versorgungskontinuitaet Kein quantitatives Effektmass (Konsens-/Rahmenpapier); identifiziert Mechanismen und Praeventions-Prioritaeten
  196. Milner AJ et al. 2015, British Journal of Psychiatry · Systematische Review/Meta-Analyse, 14 RCTs C
    Ueber Studien hinweg senkten Brief-Contact-Interventionen den Anteil mit erneutem Versuch nicht sicher, verringerten aber die Ereignishaeufigkeit - Evidenz gemischt. Repetition Selbstverletzung/Versuch: OR ~0,87 (nicht signifikant); reduzierte Haeufigkeit pro Person
  197. Systematic Review/Meta-Analyse Kinderkrebs-Suizidalität 2025 (Vollzitation zu prüfen) · Meta-Analyse; Ideation: 10 Studien, N=20.140 C
    Kindheitskrebs-Überlebende berichten in 9% Suizidgedanken und haben ein 1,7-fach erhöhtes Ideations-Risiko – Spätfolge Jahrzehnte nach Heilung. SI-Prävalenz 9% (95% KI 7–11%); RR 1,67 (95% KI 1,39–2,01)
  198. Systematic Review/Meta-Analyse Kinderkrebs-Suizidalität 2025 (Vollzitation zu prüfen) · Meta-Analyse; Suizidtod: 8 Studien, N=148.869 C
    Trotz erhöhter Suizidgedanken ist der vollzogene Suizid bei Kinderkrebs-Überlebenden NICHT signifikant erhöht (RR 1,50, KI überschreitet 1) – wichtige Entdramatisierung. RR 1,50 (95% KI 0,63–3,62) – nicht signifikant
  199. Suicide risk among AYA after cancer diagnosis 2023 (Autor/Journal zu prüfen) · Registeranalyse; 34 Krebsgruppen 2009–2019 B
    AYA-Krebsüberlebende zeigen über 34 Krebsgruppen ein erhöhtes Suizidrisiko – eine altersspezifisch übersehene Gruppe zwischen Kinderonkologie und Erwachsenenversorgung. erhöhtes Suizidrisiko (SMR-Werte in Publikation; hier nicht eigen verifiziert)
  200. Gunnell et al. 2007 / Knipe et al. 2017 (Serie), Int. J. Epidemiol. / BMC Public Health · Ökologische Zeitreihen-/Interventionsanalyse, national C
    Zwischen 1995 und 2015 fiel Sri Lankas Suizidrate um ~70 %, überwiegend erklärbar durch schrittweise Pestizidverbote. ~70 % Rückgang der Suizidrate; geschätzt ~93.000 vermiedene Todesfälle
  201. Wasserman, Värnik & Eklund 1994/1998, Acta Psychiatrica Scandinavica · Ökologisches Natürliches Experiment, nationale Zeitreihe C
    Die drastische Verknappung von Alkohol 1985–88 senkte die männliche Suizidrate um rund 40 % und stieg nach Kampagnenende wieder an. Männliche Suizidrate −~40 % während der Kampagne
  202. Coimbra et al. 2016, Journal of Affective Disorders · Systematische Übersicht + rhythmische Analyse C
    Suizide und -versuche häufen sich im Frühjahr/Frühsommer (Nordhalbkugel); der Effekt ist robust, aber moderat und in einigen Ländern rückläufig. Robuster Frühjahrspeak; moderate Amplitude, methodenabhängig
  203. Chang, Chen, Yip et al. (Serie ~2010–2019), z. B. J. Epidemiol. Community Health · Ökologische Zeitreihen-/Surveillance-Studien C
    Die Holzkohle-Verbrennung breitete sich in Ost-Asien ab Ende der 1990er als neue Methode medienvermittelt aus und trieb die Gesamtsuizidrate zusätzlich hoch. Rasche Emergenz nach Medienberichten; zunächst kaum Substitution bestehender Methoden
  204. z.B. National Network of Depression Centers Mood Outcomes Program 2020, J Affective Disorders · Grosse klinische Beobachtungskohorte C
    Depressionen mit Mischmerkmalen (innere Unruhe, Agitation, gleichzeitige manische Symptome) gehen mit hoeherer Suizidalitaet einher als rein gehemmte Depression. Erhoehte Suizidgedanken/-verhalten in Assoziation mit gemischter/agitierter Symptomatik (Beobachtungsdaten)
  205. Meta-Analyse Migräne & Suizidalität 2023 (Frontiers/J Affect Disord) · Meta-Analyse mehrerer Beobachtungsstudien B
    Migräne war metaanalytisch mit erhöhten Suizidgedanken und -versuchen verbunden, stärker bei Migräne mit Aura und chronischer Migräne - trotz gutartigem Ruf der Erkrankung. erhöhte gepoolte OR für Ideation und Versuche (Größenordnung ~1,5-2,5); für Suizidversuch teils höher bei Migräne mit Aura
  206. Guldin MB et al. 2015, JAMA Psychiatry · Nationale Registerkohorte (~7 Mio Personen) C
    Frueher Elternverlust war mit etwa verdoppeltem eigenem Suizidrisiko im spaeteren Leben assoziiert, besonders wenn der Elternteil durch Suizid starb. ca. verdoppeltes Suizidrisiko (IRR ~2), am hoechsten bei elterlichem Suizid
  207. Mittendorfer-Rutz E / Hollander AC et al. 2019-2020 · Registerstudie C
    Unbegleitete minderjaehrige Gefluechtete zeigten eine drastisch erhoehte Suizidrate gegenueber Gleichaltrigen der Aufnahmegesellschaft. Suizidrate mehrfach (bis ~9-fach) ueber gleichaltriger Allgemeinbevoelkerung
  208. Goosen S et al. (NL), Aufnahmezentren-Kohorten · Kohorten-/Registerdaten Aufnahmezentren C
    Asylsuchende hatten erhoehtes Suizidrisiko, besonders im Zusammenhang mit Ablehnung/drohender Abschiebung; duenne, laenderspezifische Datenlage. erhoehte Suizidmortalitaet, Peak um Ablehnungsbescheid
  209. Fazel S, Ramesh T, Hawton K 2017, Lancet Psychiatry · Internationale Vergleichs-/Registerstudie C
    Suizid ist eine fuehrende Todesursache in Haft, mit besonders hohen Raten in Untersuchungshaft und in den ersten Hafttagen. Suizidrate mehrfach ueber Allgemeinbevoelkerung; hoechste Raten Untersuchungshaft/fruehe Haftphase
  210. Carroll R, Metcalfe C, Gunnell D 2014, PLoS One · Meta-Analyse (177 Studien) C
    Selbstverletzung mit Klinikkontakt ist einer der staerksten Einzelpraediktoren fuer spaeteren Suizid, mit hoechstem Risiko in den ersten 6-12 Monaten. Suizid im Folgejahr ~0,5-2%; ca. 50-100-fach ueber Allgemeinbevoelkerung
  211. Zaorsky NG et al. 2019, Nature Communications · Registerkohorte (~4,7 Mio Patienten) C
    Krebspatienten hatten insgesamt ~1,5-fach, bei prognostisch unguenstigen Tumoren bis ~4-fach erhoehtes Suizidrisiko gegenueber der Allgemeinbevoelkerung. SMR Suizid ~1,5-4; hoechste bei Lungen-, Kopf-Hals-, Pankreaskrebs
  212. Erlangsen A et al. / Webb RT et al. (Registerstudien, div.) · Registerkohorten (heterogen) C
    Mehrere schwere neurologische/chronische Diagnosen sind mit deutlich erhoehtem Suizidrisiko assoziiert, mit Risikospitze in der Zeit unmittelbar nach der Diagnose. ~2-5-fach erhoehtes Suizidrisiko je nach Erkrankung, Peak kurz nach Diagnose
  213. Milner A, Page A, LaMontagne AD 2013, PLoS One · Meta-Analyse (Kohortenstudien) C
    Arbeitslosigkeit war mit etwa 58% erhoehtem Suizidrisiko assoziiert, am staerksten in den ersten Jahren nach Jobverlust. RR Suizid ~1,58 (Meta); Risiko am hoechsten in ersten 5 Jahren
  214. Nationwide COPD suicide cohort 2025, Journal of Affective Disorders · Nationale Kohortenstudie C
    Eine landesweite koreanische Kohorte bestaetigt ein signifikant erhoehtes Suizidrisiko bei COPD, verstaerkt durch Benzodiazepin-Einnahme und Depression. erhoehtes Suizidrisiko (HR im Volltext)
  215. Ma, Batterham, Calear, Han 2016, Clin. Psychol. Rev. · systematischer Review C
    In Praediktionstests der interpersonellen Theorie ist wahrgenommene Belastung (burdensomeness) der konsistentere und staerkere Ideationspraediktor als gestoertes Zugehoerigkeitsgefuehl. staerkster interpersoneller Praediktor der Ideation (rel. groesserer Effekt als belongingness)
  216. Roxborough, Hewitt, Kaldas et al. 2012, Suicide Life Threat. Behav. · Querschnitt, klinische Jugendstichprobe C
    Bei Jugendlichen sagt perfektionistische Selbstdarstellung Suizidalitaet vorher, vermittelt ueber soziale Entfremdung/Hoffnungslosigkeit statt ueber reine Leistung. Zusammenhang ueber soziale Entfremdung vermittelt (exakte Werte nicht erinnert)
  217. Hallensleben, Glaesmer, Forkmann et al. 2019 · EMA, stationaere Patienten C
    EMA an depressiven psychiatrischen Patienten: momentanes Entrapment sagte kurzfristig ansteigende Suizidgedanken vorher und stuetzt die proximale Rolle des IMV-Modells im Alltag. Within-day-Assoziation Entrapment -> nachfolgende Ideation
  218. US Dept. of Veterans Affairs, National Veteran Suicide Prevention Annual Report (2016-2022 Ausgaben) · Nationales Register, >6 Mio. Veteranen C
    Veteranen haben ein etwa 1,5-fach erhoehtes Suizidrisiko; Schusswaffenzugang und Deployment/PTBS sind zentrale Treiber. altersadjustiert ca. 1,5-fach (Frauen ~2-fach) erhoeht
  219. Milner A et al. 2017, Social Psychiatry and Psychiatric Epidemiology · Laengsschnitt-Kohorte (HILDA), mehrere tausend Beschaeftigte C
    Geringe Kontrolle ueber die eigene Arbeit und hohe Anforderungen sind mit erhoehten Suizidgedanken assoziiert - psychosoziale Arbeitsqualitaet als eigenstaendiger Faktor jenseits von Arbeitslosigkeit. erhoehte Odds fuer Suizidgedanken (adjustiert)
  220. Jonsson U et al. / Rahman SG et al. (nordische Registerstudien, ca. 2013-2019) · Nationale Registerkohorten C
    Bezug einer Erwerbsminderungs-/Invaliditaetsrente - besonders wegen psychischer Erkrankung - ist mit stark erhoehtem Suizidrisiko assoziiert; Konfundierung durch Grunderkrankung ist zentral. deutlich erhoehtes Suizidrisiko (v.a. bei psychischer Diagnose)
  221. Windsor-Shellard B et al. / ONS 2017, Office for National Statistics · Nationale berufsbezogene Sterbestatistik C
    Einzelne kuenstlerische und Kulturberufe zeigen erhoehte Suizidraten; Evidenz ist aggregiert-oekologisch und durch prekaere Beschaeftigung/Einkommensvolatilitaet mitbestimmt. teils erhoehte berufsspezifische Suizidraten (aggregiert)
  222. Perlis et al. 2016, J Clin Psychiatry · ökologische Analyse NVDRS, ~35.000 Suizide C
    Nach Adjustierung für die Zahl der zu jeder Stunde wachen Menschen war die Suizidrate mitten in der Nacht massiv überproportional ('mind after midnight'). pro Wachbevölkerung ~3-fach erhöhte Suizidinzidenz nachts
  223. Tubbs et al. 2020, J Clin Psychiatry · ökologische Analyse (NVDRS + ATUS) C
    Mit zeitgenauen Wachbevölkerungsdaten (ATUS) wurde der überproportionale Nacht-Gipfel des Suizids methodenübergreifend repliziert. nächtliche Überrepräsentation über Methoden hinweg bestätigt
  224. Bishop et al. 2018, J Clin Psychiatry · Analyse nationaler Survey-Daten C
    In nationalen Survey-Daten war eine (diagnostizierte) obstruktive Schlafapnoe mit erhöhten Suizidgedanken assoziiert; Evidenz insgesamt dünn und teils widersprüchlich. Assoziation mit Suizidgedanken (OR erhöht)
  225. Bernert et al. 2017, J Clin Psychiatry · prospektive Aktigraphie-Studie, Hochrisiko-Junge C
    Bei jungen Hochrisiko-Erwachsenen sagte objektive Schlaf-Instabilität (nicht nur Schlafdauer) kurzfristige Zunahmen der Suizidgedanken voraus. größere Variabilität → akuter Anstieg der Suizidgedanken
  226. Honings S, et al. 2016, Psychological Medicine · Systematische Review & Meta-Analyse, Allgemeinbevoelkerung C
    Personen mit psychotischen Erlebnissen zeigen ein deutlich erhoehtes Risiko fuer selbstverletzendes Verhalten, mit Hinweis auf eine Dosis-Wirkungs-Beziehung (mehr Erlebnistypen = hoeheres Risiko). Erhoehtes Risiko selbstverletzenden Verhaltens (gepoolt, Dosis-Wirkung)
  227. zusammengefasst u.a. bei Turecki & Brent 2016, Lancet; van Heeringen & Mann 2014, Lancet Psychiatry · aggregierte Zwillings-/Familien-/Adoptionsstudien (Review) B
    Zwillings- und Adoptionsstudien zeigen konsistent, dass ~30–55 % der Varianz suizidalen Verhaltens erblich sind, und ein Teil dieser Erblichkeit unabhängig von der Vererbung psychiatrischer Grunderkra geschätzte Heritabilität h² ≈ 30–55 % (suizidales Verhalten), teils zusätzlicher, von der Grunderkrankung getrennter Anteil
  228. Erlangsen et al. 2020, Molecular Psychiatry (iPSYCH) · GWAS, Registerkohorte, ~6.000 Fälle B
    Populationsbasierte GWAS in Dänemark fand suizidales Verhalten teils genetisch von der psychiatrischen Grunderkrankung trennbar, mit messbarer polygener Komponente. SNP-Heritabilität grössenordnung ~4–7 %; suggestive Loci
  229. Erhardt et al. 2013, Neuropsychopharmacology (u.a. Bay-Richter et al. 2015) · Fall-Kontroll-Studie, Liquoranalysen, kleine bis mittlere N B
    Suizidversuchspatienten zeigen etwa verdoppelte Liquor-Chinolinsäure, was Entzündung über NMDA-Glutamat-Aktivierung mit Suizidalität verbindet und den raschen anti-suizidalen Ketamin-Effekt mechanisti Chinolinsäure im Liquor ~2-fach erhöht vs. Kontrollen; korreliert mit IL-6, normalisiert sich über Monate
  230. Steiner et al. 2008, J Psychiatr Res (Landmark) · Postmortem-Fall-Kontroll-Studie, kleine N B
    Postmortem-Studien finden verstärkte Mikroglia-Aktivierung im präfrontalen Kortex Suizidverstorbener, konsistent mit der Neuroinflammationshypothese. erhöhte Mikroglia-Dichte (QUIN-positiv) im dorsolateralen PFC und ACC bei Suizid vs. Kontrollen
  231. Mann & Currier 2007 / Coryell & Schlesser 2001, Am J Psychiatry (Landmark) · prospektive Kohorten + Metaanalyse B
    Metaanalytisch sagt eine gestörte Cortisol-Suppression im DST einen späteren vollzogenen Suizid deutlich vorher (ca. 4,5-fach erhöhte Rate), einer der wenigen prospektiv-biologischen Prädiktoren. DST-Non-Suppressor: ~4- bis 14-fach erhöhtes späteres Suizidrisiko (relatives Risiko/Odds über Studien variabel)
  232. Åsberg et al. 1976 (Landmark); Metaanalysen Mann-Gruppe · Fall-Kontroll- und prospektive Liquorstudien, aggregiert B
    Seit Åsberg findet sich konsistent, dass ein niedriger Serotonin-Metabolit 5-HIAA im Liquor mit gewaltsamen Suizidversuchen und vollendetem Suizid assoziiert ist – ein trait-artiger biologischer Marke niedriges 5-HIAA assoziiert mit erhöhter Rate von (v.a. gewaltsamen) Suizidversuchen und späterem Suizid; erhöhtes relatives Risiko
  233. Mann & Arango u.a., zusammengefasst in van Heeringen & Mann 2014, Lancet Psychiatry · Postmortem-/PET-Serie, Review B
    Postmortem- und PET-Befunde zeigen serotonerge Dysfunktion im ventralen PFC (Verhaltenshemmung), was das Stress-Diathese-Modell der Impulskontrollstörung bei Suizid stützt. erhöhte 5-HT1A-Autorezeptor-Bindung / reduzierte Transporterdichte im vmPFC von Suizidopfern
  234. Sublette et al. 2006, Am J Psychiatry (Landmark) · prospektive Kohorte depressiver Patienten, mittlere N B
    In einer prospektiven Kohorte depressiver Patienten prognostizierte ein niedriger Anteil der Omega-3-Fettsäure DHA künftige Suizidversuche, was Membran-/Entzündungs-Lipid-Mechanismen nahelegt. niedriger DHA-Anteil sagte über ~2 Jahre Suizidversuche bei depressiven Patienten vorher (erhöhtes Risiko in unterster vs. oberster Gruppe)
  235. Memon A et al. 2020, British Journal of Psychiatry · Meta-Analyse, 15 oekologische Studien C
    Hoehere natuerliche Lithiumkonzentrationen im Trinkwasser sind oekologisch mit niedrigeren regionalen Suizidraten assoziiert - Hypothese, keine Kausalitaet. Inverse Assoziation, gepoolt signifikant (Effektgroesse klein)
  236. Pirkis J et al. 2015, Lancet Psychiatry · Systematische Review/Meta-Analyse, 23 Studien C
    Zugangsbeschraenkung an Suizid-Hotspots reduzierte Sprungsuizide dort um rund 90%, ohne vollstaendige Verlagerung an andere Orte. Reduktion der Suizide am Ort um ca. 91% (gepoolt)
  237. Knipe DW et al. 2017, Lancet Global Health / Gunnell D et al. · Oekologische Analyse nationaler Register C
    Schrittweise Verbote der toedlichsten Pestizide gelten als staerkster bekannter bevoelkerungsweiter Means-Restriction-Effekt. Landesweiter Rueckgang der Suizidrate um ca. 70% ueber ~20 Jahre; geschaetzt ~93.000 verhinderte Tode
  238. Knox KL et al. 2003, BMJ · Quasi-experimentelle Kohorte, >5 Mio. Personenjahre C
    Ein organisationsweites Praeventionsprogramm war mit deutlichem Rueckgang von Suiziden (und Gewalt) assoziiert - Landmark fuer Systemansaetze. RR Suizid ~0,67 (ca. 33% Reduktion nach Einfuehrung)
  239. Lange, Llamosas-Falcon & Kim 2024, Drug and Alcohol Dependence · Dosis-Wirkungs-Meta-Analyse, 8 Kohortenstudien C
    Das Suizidrisiko steigt dosisabhaengig schon bei geringem Alkoholkonsum, mit deutlich steilerem Anstieg bei Frauen als bei Maennern. Suizidtod bei 30 g/Tag: Frauen RR ~4.39, Maenner RR ~1.38; bereits bei 10 g/Tag erhoeht (Frauen RR ~1.64)
  240. prospektive Kohorte 2025, Journal of Affective Disorders (96.158 chin. Jugendliche) · Populationsbasierte Kohorte, N=96.158 C
    In einer sehr grossen Adoleszentenkohorte prognostiziert Internet-Gaming-Disorder das Neuauftreten und die Verschlechterung von Suizidgedanken. IGD sagt Inzidenz, Persistenz und Verschlechterung von Suizidgedanken voraus (adjustiert; exakte OR/HR unbestaetigt)
  241. McGirr et al., Psychological Medicine (impulsive-aggressive behaviours and completed suicide across the life cycle) · Fall-Kontroll psychologische Autopsie ueber Altersgruppen C
    Impulsiv-aggressive Verhaltensweisen praedisponieren zu Suizid in juengerem Lebensalter; die Cluster-B-/Impulsivitaets-Achse ist besonders bei fruehen Suiziden zentral, waehrend spaetere Suizide staer impulsive Aggression assoziiert mit juengerem Suizidalter (inverse Alters-Assoziation)
  242. Coleman et al., Journal of Psychiatric Research (NPD and suicidal behavior in mood disorders) · klinische Querschnittsstudie affektiver Patienten C
    Bei Patienten mit affektiven Stoerungen war komorbide NPD mit Suizidversuchen hoeherer Letalitaet und staerkerer Planung verknuepft - obwohl NPD-Patienten weniger depressiv wirkten; das klinische Bild NPD assoziiert mit hoeherer Letalitaet/Planung der Versuche trotz geringerer Depressionsschwere
  243. Collaborative Longitudinal Study of Personality Disorders (BPD criteria & suicide attempts, 10-year) · prospektive Multizenter-Kohorte, 10 J. Follow-up C
    Ueber 10 Jahre CLPS war das BPD-Kriterium 'wiederkehrendes suizidales/selbstverletzendes Verhalten' der staerkste Einzelpraediktor spaeterer Suizidversuche - vergangenes Selbstverletzungsverhalten sch Selbstverletzungs-/Suizidkriterium als staerkster Praediktor kuenftiger Versuche
  244. Zanarini et al., MSAD (NSSI-Verlauf bei BPD) · prospektive Kohorte BPD (MSAD) C
    Selbstverletzung ist bei BPD nahezu Kernmerkmal (Lebenszeitpraevalenz sehr hoch) und ist prospektiv ein Wegbereiter spaeterer Suizidversuche - NSSI und Suizidalitaet sind verwandte, aber unterscheidba sehr hohe Lebenszeit-NSSI-Praevalenz; NSSI erhoeht Risiko spaeterer Suizidversuche
  245. WHO (Suicide worldwide in 2019) / GBD 2019 · Deskriptive globale Mortalitaetsstatistik (Schaetzung ~703.000 Suizide/Jahr) C
    Maenner sterben global ~2-3x haeufiger durch Suizid, waehrend Frauen mehr nicht-toedliche Versuche unternehmen (umgekehrtes Verhaeltnis bei Ideation/Versuch). Suizidmortalitaet Maenner ca. 2,3:1 global; regional bis >4:1 (Osteuropa)
  246. VA Office of Mental Health & Suicide Prevention, National Veteran Suicide Prevention Annual Report · Nationale Surveillance/Register (alle Veteranen) C
    US-Veteranen weisen eine rund 1,5-fach hoehere altersadjustierte Suizidrate auf als nicht-veteranische Erwachsene; Waffenzugang zentral. Altersadj. Suizidrate ~1,5-2x der zivilen Erwachsenenbevoelkerung
  247. Kumar MB & Tjepkema M, Statistics Canada (National Household Survey cohort) · Census-verknuepfte Kohorte (2011 NHS mortality follow-up) C
    Inuit in Kanada haben je nach Region eine bis ~9-fach hoehere Suizidrate als die nicht-indigene Bevoelkerung, Extremwerte bei jungen Maennern. Suizidrate ~5-9x der nicht-indigenen Bevoelkerung
  248. AIHW / ABS Causes of Death nationale Statistik · Nationale Mortalitaetsstatistik C
    Indigene Australier sterben etwa doppelt so haeufig durch Suizid wie nicht-indigene, mit besonders hoher Belastung junger Menschen. Suizidrate ~2x der nicht-indigenen; bei Jugendlichen deutlich hoeher
  249. CDC WISQARS / nationale Mortalitaetsstatistik · Deskriptive nationale Mortalitaetsstatistik C
    In den USA und vielen westlichen Laendern haben Maenner ab 85 Jahren die hoechste altersspezifische Suizidrate ueberhaupt. Hoechste altersspezifische Suizidrate aller Gruppen (z.B. USA Maenner 85+)
  250. Fässberg MM et al., systematischer Review (Aging & Mental Health / Int J Environ Res Public Health) · Systematischer Review sozialer Faktoren im Alter C
    Soziale Isolation, Einsamkeit und Funktionsverlust sind robuste, modifizierbare Risikofaktoren fuer suizidales Verhalten im Alter - oft staerker als koerperliche Krankheit allein. Konsistent positive Assoziation mit suizidalem Verhalten (Review-Evidenz)
  251. Wang CW, Chan CLW, Yip PSF, Soc Psychiatry Psychiatr Epidemiol · Nationale Mortalitaetstrend-Analyse 2002-2011 C
    China war lange die grosse Ausnahme des Geschlechterparadoxes (hoehere Raten bei laendlichen jungen Frauen); Urbanisierung und eingeschraenkter Pestizidzugang fuehrten zu einem der staerksten Suizidru Historisch Frauen-Mehrheit bei Suizid; seither drastischer Rueckgang (>60%)
  252. Meltzer H, Bebbington P, Brugha T et al., Psychol Med · Bevoelkerungsrepraesentativer Survey, N ~7.000 C
    Im englischen nationalen Survey psychiatrischer Morbiditaet war Verschuldung ein unabhaengiger Praediktor von Suizidgedanken, teils vermittelt ueber finanzielle Not. Verschuldung mit Suizidgedanken assoziiert, OR-Groessenordnung ~2 (nach Adjustierung, Schaetzung)
  253. Nilsson SF, Hjorthoj CR, Erlangsen A, Nordentoft M, Eur J Public Health · Nationale Registerkohorte Wohnungsloser C
    In einer daenischen Registerkohorte war die Suizidmortalitaet Wohnungsloser gegenueber der Allgemeinbevoelkerung vielfach erhoeht (SMR deutlich >1), besonders ausgepraegt bei Frauen. Stark erhoehte standardisierte Mortalitaetsratio (SMR) fuer Suizid; Groessenordnung mehrfach erhoeht, bei Frauen relativ noch staerker
  254. Phillips JA, Hempstead K, Am J Prev Med · Nationale Mortalitaets-Trendanalyse nach Bildung C
    In den USA lagen die Suizidraten bei Personen mit niedrigem Bildungsniveau deutlich hoeher und stiegen 2000-2014 staerker an als bei Hochgebildeten (wachsendes Bildungsgefaelle). Deutlich hoehere und staerker steigende Suizidraten bei niedriger Bildung; wachsende Bildungskluft 2000-2014
  255. Gunnell D, Loefving S, Gustafsson JE, Allebeck P, J Affect Disord · Zwei nationale Geburts-/Schuelerkohorten, Follow-up C
    In zwei schwedischen nationalen Schuelerkohorten war niedrige Schulleistung mit einem mehrfach erhoehten Suizidrisiko im jungen Erwachsenenalter verbunden, teils unabhaengig vom sozialen Hintergrund. Erhoehtes Suizidrisiko im jungen Erwachsenenalter (HR-Groessenordnung ~2-3 fuer niedrigste Leistungsgruppe)
  256. Elbogen EB et al., Am J Epidemiol / J Psychiatr Res · Nationale Laengsschnittstichprobe (NESARC-basiert) C
    In einer US-repraesentativen Laengsschnittstichprobe war hoehere finanzielle Belastung prospektiv mit erhoehtem Risiko fuer Suizidversuche assoziiert, unabhaengig von Einkommen und psychischer Erkrank Finanzielle Belastung als unabhaengiger Praediktor von Suizidversuchen, OR erhoeht (Groessenordnung, nach Adjustierung)
  257. Lorant V et al., Br J Psychiatry / J Epidemiol Community Health · Vergleichende Mortalitaetsstudie, mehrere Laender C
    Vergleichende europaeische Studie: Maenner in niedriger sozioekonomischer Position hatten ein deutlich erhoehtes Suizidrisiko; die soziale Gradiente war bei Maennern staerker als bei Frauen. Hoehere Suizidraten in niedrigem SES; relatives Ungleichheitsmass (RII) fuer Maenner deutlich >1
  258. Rehkopf DH, Buka SL, Psychol Med · Systematische Review (86 Studien) C
    Systematische Review: Die meisten Studien fanden hoehere Suizidraten in sozial staerker deprivierten Gebieten, wobei individuelle vs. kontextuelle Effekte schwer trennbar sind (Oekologiefehlschluss-Pr Mehrheit der Studien: hoehere Suizidraten in staerker deprivierten Gebieten (Richtung konsistent, Groesse heterogen)
  259. Foulon C, Guelfi JD, Kipman A, et al., European Psychiatry · Klinische Verlaufs-/Querschnittsstudie B
    Der Übergang von der restriktiven zur Binge-Purge-Form der AN markiert eine kritische Phase mit gehäuften Suizidversuchen - ein dynamischer, verlaufsbezogener Risikomarker statt statischer Diagnose. Subtyp-Wechsel zu Binge-Purge häufig mit Suizidversuchen assoziiert (Assoziationsstudie)
  260. Reviewlage (keine belastbare Meta), heterogen · Reviews/Beobachtungsstudien C
    Regulaerer Ruhestand erhoeht das Suizidrisiko nicht eindeutig; problematisch sind vor allem unfreiwillige oder gesundheitsbedingte Fruehverrentungen (Evidenz schwach, umstritten). uneinheitlich; regulaerer Ruhestand kein/kaum Effekt, unfreiwillige/Fruehverrentung erhoeht Risiko
  261. Niculescu et al. 2015, Molecular Psychiatry · longitudinale Entdeckungs-/Validierungskohorten, kleine bis mittlere N B
    Longitudinale Blut-Genexpressionsmarker sagten Suizidgedanken und -hospitalisierungen vorher; die Befunde sind vielversprechend, aber überwiegend in kleinen, männlichen Veteranen-/Psychiatriekohorten Vorhersage künftiger Suizid-Hospitalisierung mit AUC teils ~0,7–0,9 (in Entdeckungskohorten, männlich dominiert)
  262. Systematische Reviews (z.B. Yonemoto N et al. 2019; Holmes G et al. 2021) · Systematische Reviews mehrerer RCTs/Beobachtungsstudien C
    Gatekeeper-Training verbessert Wissen und Haltungen zuverlaessig, doch belastbare Belege fuer weniger Suizide/Versuche fehlen weitgehend. Verbesserung von Wissen/Selbstwirksamkeit; kein konsistenter Effekt auf Suizidverhalten
  263. Gould MS et al. (2007/2018) u.a.; 988-Evaluationen ab 2022 · Beobachtungs-/Verlaufsstudien der Anruferkohorten C
    Anrufer sind am Ende und in der Nachbefragung weniger suizidal; harte Endpunkte (Suizidtode) sind aber kaum kausal belegt. Signifikanter Rueckgang von Distress/Suizidalitaet vom Anrufbeginn bis Follow-up
Spannung · GKV ↔ Psychotherapievergütung

Belegt Unterversorgung und Vulnerabilität; die konkrete Vergütungswirkung ist erst ab 2027 messbar.

Geprüfte Kernbelege · gegen die Primärquelle verifiziert

Bundesweit vergingen im Schnitt rund 20 Wochen bis zum Beginn einer Psychotherapie (BPtK-Erhebung 2018/2021: 19,9 Wochen bis Behandlungsbeginn) – die reguläre Anschlussversorgung deckt den kurzfristigen Bedarf faktisch nicht.

BPtK – Studie zu Wartezeiten in der Psychotherapie (Erhebung 2018/2021) VerbandDEAussagenähe: Ausgangsrisiko

Aussagegrenze: Verbandsstudie (2018/2021); belegt die Kapazitätslücke, nicht die Reformwirkung.

Betroffen sind besonders gefährdete Gruppen – etwa Menschen mit ADHS (rund 6,7-fach erhöhtes Suizidrisiko).

Septier et al. 2019, Neuroscience & Biobehavioral Reviews · Meta-Analyse · vollendeter Suizid: 4 Datensätze, über 130.000 Personen IISpur Ageprüft ✓Aussagenähe: Ausgangsrisiko

Aussagegrenze: Belegt die Vulnerabilität, nicht die Reformwirkung. Quelle öffnen ↗

Bei Menschen mit Autismus war das Risiko für Suizidversuche rund 3,2-fach (aIRR 3,19; 95% KI 2,93–3,46) und für Suizidtod rund 3,75-fach (95% KI 2,85–4,92) erhöht; bei Frauen mit Autismus war das Versuchsrisiko nochmals 4,41-fach höher als bei Männern mit Autismus. Ohne psychiatrische Begleiterkrankung war es statistisch nicht erhöht (aIRR 1,33; 95% KI 0,99–1,78) – über 90 % der Betroffenen hatten eine solche Begleiterkrankung. Ohne psychiatrische Begleiterkrankung ist der Zusammenhang statistisch nicht mehr signifikant (aIRR 1,33; 95 % KI 0,99–1,78) – das erhöhte Risiko ist eng an die begleitende, grundsätzlich behandelbare Erkrankung gebunden, deren Zugang (Psychotherapie) diese Reform verknappen könnte.

Kõlves et al. 2021, JAMA Network Open · Bevölkerungsbasierte Registerkohorte (Dänemark) IISpur Ageprüft ✓Aussagenähe: Ausgangsrisiko

Aussagegrenze: Registerdaten; belegt das Ausgangsrisiko, nicht dessen Veränderung durch dieses Gesetz. Quelle öffnen ↗

Hintergrundkorpus (nicht tragend) · 213 thematisch zugeordnete Studien
  1. Wilkinson et al. 2018, Am J Psychiatry · IPD-Meta-Analyse, 10 RCTs, 298 Patienten A
    Ketamin reduziert Suizidgedanken schon innerhalb von 24 Stunden - Effekt auf Suizidversuche/-tode ist damit aber nicht belegt. Signifikante Reduktion der Suizidgedanken ab Tag 1, anhaltend bis Tag 7 (IPD-Meta-Analyse)
  2. McCall et al. 2019, Am J Psychiatry (REST-IT) · RCT, N=103 depressive Insomnie-Patienten A
    Trotz Insomniebesserung senkte das Hypnotikum die Suizidgedanken nicht signifikant stärker als Placebo — Vorsicht vor Überschätzung sedierender Pharmaka. kein signifikanter Zusatznutzen auf Suizidgedanken (primärer Endpunkt null)
  3. Meltzer HY, et al. (InterSePT) 2003, Arch Gen Psychiatry · RCT, 980 Patienten mit erhoehtem Suizidrisiko (Landmark) A
    Im randomisierten InterSePT-Trial reduzierte Clozapin gegenueber Olanzapin suizidales Verhalten (Versuche, Hospitalisierung wegen Suizidalitaet) signifikant um rund ein Viertel. Relative Reduktion suizidalen Verhaltens ~24-26% (HR ~0,74-0,76)
  4. Inagaki M et al. 2015, Journal of Affective Disorders · Meta-Analyse randomisierter/kontrollierter Studien A
    Aktive Kontakt- und Nachsorgeinterventionen nach einem Suizidversuch in der Notaufnahme senken die Rate erneuter Suizidversuche moderat aber konsistent. Reduktion wiederholter Suizidversuche; gepoolte OR ~0,83 (Wiederholungsversuch) in Kontakt-/Follow-up-Meta-Analyse
  5. Milner AJ et al. 2015, British Journal of Psychiatry · Meta-Analyse von Brief-Contact-RCTs A
    Niedrigschwellige wiederholte 'caring contacts' reduzieren die Haeufigkeit erneuter Suizidversuche, wobei der Effekt auf den Anteil der Reattempter in Meta-Analysen inkonsistent ist. Reduktion der Zahl von Suizidversuchen pro Person; Einzelstudien signifikant, gepoolter Effekt auf Anteil mit Reattempt uneinheitlich (teils n.s.)
  6. Fu DJ et al. 2020, Journal of Clinical Psychiatry (ASPIRE-I) · RCT, n=456 A
    Esketamin verbesserte die Depression rasch, trennte sich aber beim eigentlichen Suizidalitaets-Endpunkt nicht signifikant von Placebo (beide mit intensiver Standardversorgung) - wichtiger Nullbefund. MADRS 24h: Differenz ca. -3,8 (signifikant); CGI-SS-r (Suizidalitaet) 24h: NICHT signifikant vs. Placebo
  7. DeCou, Comtois & Landes, Behavior Therapy (DBT meta-analysis) · Meta-Analyse randomisierter kontrollierter Studien A
    Meta-Analyse von RCTs: DBT reduziert selbstverletzendes und suizidales Verhalten sowie psychiatrische Krisenkontakte moderat aber robust - der bislang bestbelegte psychotherapeutische Effekt auf Suizi signifikante Reduktion selbstgerichteter Gewalt (Hedges g ~ -0,3) und Krisenkontakte
  8. Balit et al. 2024, Molecular Psychiatry · Zwei-Stichproben-Mendelsche-Randomisierung A
    MR-Analyse stuetzt einen KAUSALEN Effekt chronischen Schmerzes auf Suizidversuch und -tod; Depression vermittelte aber nur ~34-39% des Effekts (der Rest ist depressionsunabhaengig). Suizidversuch OR 1,67 (95% KI 1,21-2,35); Suizidtod OR 2,00 (95% KI 1,10-3,62)
  9. Henson KE et al. 2019, JAMA Psychiatry · Nationale Registerkohorte; N=4.722.099, 2.491 Suizide, 1995–2015 A
    In England ist das Suizidrisiko nach Krebsdiagnose nur 20% erhöht – deutlich niedriger als US-Zahlen, was auf Versorgungs-/Methodenunterschiede statt eine 4-fache Universalgefahr hinweist. SMR 1,20 (95% KI 1,16–1,25)
  10. Henson KE et al. 2019, JAMA Psychiatry · Nationale Registerkohorte; N=4.722.099 A
    Das Suizidrisiko konzentriert sich stark auf die ersten 6 Monate nach der Diagnose (SMR 2,74) und sinkt danach – die Diagnosemitteilung selbst ist der kritische Zeitpunkt. SMR 2,74 (95% KI 2,52–2,98)
  11. Fang F et al. 2012, New England Journal of Medicine · Historische Kohorte; N=6.073.240 A
    Zeitgleich mit dem Suizid-Peak steigt auch der kardiovaskuläre Tod (RR 5,6) – die Diagnose wirkt als akuter psychobiologischer Stressor, nicht nur als psychiatrisches Ereignis. RR 5,6 (95% KI 5,2–5,9) erste Woche
  12. Henson KE et al. 2019, JAMA Psychiatry · Nationale Registerkohorte; N=4.722.099 A
    Das Suizidrisiko folgt der Prognose: Krebsarten mit hoher Letalität und schneller Verschlechterung (Mesotheliom, Pankreas) haben das höchste Suizidrisiko. SMR Mesotheliom 4,51 (2,91–7,00); Pankreas 3,89 (2,77–5,48); Ösophagus 2,65; Lunge 2,57; Magen 2,20
  13. Cosh S et al., Int Psychogeriatr · Prospektive Kohorte (Three-City), N=5.438, >=73 J. A
    Schwerhoerigkeit erhoeht Suizidgedanken bei Aelteren dosisabhaengig (je schwerer, desto hoeher), unabhaengig von Depression. OR 1,97 (95% KI 1,44-2,70); Gradient: leichte HL OR 1,29 (1,03-1,63) -> schwere HL OR 1,78 (1,32-2,40) im Querschnitt
  14. Phan K et al., Ann Transl Med · Systematische Review + Meta-Analyse A
    Meta-Analyse bestaetigt erhoehte psychiatrische Komorbiditaet, Suizidalitaet und Substanzmissbrauch bei HS. erhoehte Praevalenz von Suizidalitaet/Depression (gepoolte KI unbestaetigt)
  15. Eliasen A et al., J Neurol · Fall-Kontroll-Studie, 8.974 Faelle / 89.740 Kontrollen A
    MG geht mit ueber vierfach erhoehtem Suizidversuch-Risiko einher - hoeher als bei vielen 'psychiatrischen' Diagnosen erwartet. OR 4,3 (95% KI 2,0-9,4) fuer Suizidversuch
  16. Nadali J et al. (Depression/Angst bei MG, Meta) · Systematische Review + Meta-Analyse A
    Depression und Angst sind bei MG deutlich haeufiger als in der Allgemeinbevoelkerung und liefern den Pfad zur erhoehten Suizidalitaet. hohe gepoolte Praevalenz von Depression und Angst (KI unbestaetigt)
  17. Swift RG & Swift M, Biol Psychiatry · Familien-/Traegerstudie (Landmark, vor 2015, zentral) A
    Traeger einer einzelnen WFS1-Mutation (dasselbe Gen, das Taubheit/Optikusatrophie verursacht) haben massiv erhoehtes Risiko schwerer psychiatrischer Erkrankung - mechanistische Bruecke zwischen Sinnes 26-fach erhoehte Wahrscheinlichkeit einer psychiatrischen Hospitalisierung
  18. Chesney E, Goodwin GM, Fazel S 2014, World Psychiatry · Meta-Review von Meta-Analysen/Kohorten, alle psych. Störungen A
    AN ist in dieser Meta-Review der stärkste Ausreißer für suizidbedingte Mortalität aller psychischen Störungen - Suizidrate ~31-fach über der Allgemeinbevölkerung (Stichprobe am schweren Ende, überwieg SMR Suizid 31,0 (95% KI 21,0-44,0)
  19. Preti A, Rocchi MBL, Sisti D, et al. 2011, Acta Psychiatrica Scandinavica · Meta-Analyse mehrerer Follow-up-Kohorten A
    Erste umfassende Meta-Analyse zum Suizidrisiko bei Essstörungen: Suizid trägt substanziell zur Übersterblichkeit bei, am ausgeprägtesten bei AN. deutlich erhöhtes Suizidrisiko; Suizid als Hauptursache unnatürlicher Todesfälle bei AN (exakte gepoolte SMR aus Abstract nicht verifiziert)
  20. Iwajomo T, Bondy SJ, de Oliveira C, et al. 2021, British Journal of Psychiatry · Populationsbasierte Kohorte, N=19.041 (1990-2013) A
    In einer populationsbasierten Kohorte war die Gesamtsterblichkeit fünf- bis siebenfach erhöht, bei Männern deutlich stärker - Suizid zählt zu den führenden unnatürlichen Todesursachen. All-cause SMR 5,06 (95% KI 4,82-5,30); Männer SMR 7,24 (6,58-7,96), Frauen 4,59 (4,34-4,85)
  21. Yao S, Kuja-Halkola R, Thornton LM, et al. 2016, JAMA Psychiatry · Populationsregister-Familienstudie A
    Essstörungen und Suizidversuche teilen eine familiäre (teils genetische) Haftung - Angehörige von Essstörungs-Patienten haben ein erhöhtes Suizidversuchsrisiko, was auf gemeinsame Ätiologie statt rein erhöhtes Suizidversuchsrisiko bei Angehörigen; gemeinsame familiäre Haftung zwischen Essstörung und Suizidversuch
  22. Søeby M, et al. 2024, International Journal of Eating Disorders · Langzeit-Registerkohorte A
    Über 40 Jahre bleibt die AN-Mortalität stark erhöht; psychiatrische Komorbidität und männliches Geschlecht steigern das Sterberisiko, wobei Suizid eine zentrale unnatürliche Todesursache ist. erhöhte Gesamt- und ursachenspezifische Mortalität; Suizid als führende unnatürliche Todesursache; Komorbidität und männliches Geschlecht verschlechtern Prognose (exakte SMR aus Volltext nicht extrahiert)
  23. Semchishen S, et al. 2026, World Psychiatry · Systematisches Review + Meta-Analyse relativer Risiken A
    Neueste große Meta-Analyse bestätigt erhöhtes Suizid- und Gesamtmortalitätsrisiko bei Essstörungen und benennt aggravierende bzw. mildernde Verlaufsfaktoren. erhöhtes relatives Risiko für Suizid- und Gesamtmortalität; modifizierende (verschärfende/abmildernde) Faktoren identifiziert (exakte RR aus Volltext nicht extrahiert)
  24. Chesney, Goodwin & Fazel 2014, World Psychiatry · Meta-Review von 407 Meta-Analysen/Kohorten (20 Diagnosegruppen) A
    Menschen mit Depression sterben rund 20-mal haeufiger durch Suizid als die Allgemeinbevoelkerung. SMR Suizid 19,7 (95% KI 12,2-32,0)
  25. Chesney, Goodwin & Fazel 2014, World Psychiatry · Meta-Review A
    Bipolare Stoerung ist mit rund 17-fach erhoehter Suizidsterblichkeit verbunden - eine der hoechsten aller psychiatrischen Diagnosen. SMR Suizid 17,1 (95% KI 9,8-29,5)
  26. Nordentoft, Mortensen & Pedersen 2011, Arch Gen Psychiatry · Nationale Kohorte, 176.347 Personen mit psychischer Ersthospitalisierung 1955-2006 A
    Nach erstem stationaeren Kontakt wegen bipolarer Stoerung stirbt etwa jeder 13. Mann und jede 21. Frau langfristig durch Suizid. Absolutes Suizidrisiko Maenner 7,77% vs. Frauen 4,78%
  27. Nordentoft, Mortensen & Pedersen 2011, Arch Gen Psychiatry · Nationale Kohorte, 176.347 Personen A
    Auch bei unipolarer Depression liegt das absolute Lebenszeit-Suizidrisiko nach Klinikkontakt bei ca. 4-7% - deutlich unter frueheren Schaetzungen (~15%), aber stark geschlechtsabhaengig. Absolutes Suizidrisiko Maenner 6,67% vs. Frauen 3,77%
  28. Plans et al. 2019, Epidemiology and Psychiatric Sciences · Meta-Analyse, 79 Studien, 33.719 Patienten (1985-2018) A
    Rund ein Drittel aller Menschen mit bipolarer Stoerung hat mindestens einen Suizidversuch in der Vorgeschichte. Lebenszeitpraevalenz Suizidversuch 33,9% (95% KI 31,3-36,6)
  29. Dong et al. 2019, Psychological Medicine · Meta-Analyse von Beobachtungssurveys A
    Etwa jeder dritte Betroffene mit Major Depression berichtet ueber einen Suizidversuch, mit starker Streuung je nach Setting. Gepoolte Lebenszeitpraevalenz Suizidversuch ~31% (klinische Stichproben deutlich hoeher als Gemeindestichproben)
  30. Chung et al. 2017, JAMA Psychiatry · Meta-Analyse, 100 Studien, ~183.000 entlassene Patienten A
    Das Suizidrisiko ist unmittelbar nach Klinikentlassung massiv erhoeht - am hoechsten bei wegen Suizidalitaet/Depression aufgenommenen Patienten. Suizidrate 484/100.000 Personenjahre (95% KI 422-556); in ersten 3 Monaten ein Vielfaches
  31. Bostwick, Pabbati, Geske & McKean 2016, Am J Psychiatry · Populationsbasierte Kohorte, 1.490 Personen mit Index-Suizidversuch A
    Ein frueherer Suizidversuch ist der staerkste Einzelpraediktor fuer spaeteren Suizidtod - der Erstversuch ist oft schon toedlich, nicht nur ein 'Hilferuf'. Ein Grossteil der spaeteren Suizidtoten stirbt bereits beim ersten dokumentierten Versuch (Erstversuch deutlich lethaler als angenommen)
  32. Isometsae 2014 (Review), Canadian Journal of Psychiatry; vgl. Arsenault-Lapierre 2004 Meta-Analyse · Narrativer Review mehrerer Fall-Kontroll-Autopsiestudien A
    Affektive Stoerungen sind die haeufigste psychiatrische Diagnose bei Suizidtoten - die zentrale Zielgruppe der Praevention. Stimmungsstoerungen in einem Grossteil der Suizide (in westlichen Autopsiestudien ~30-60%, teils hoeher)
  33. Systematische Review/Meta-Analyse registerbasierter Studien 2024, Neuroscience & Biobehavioral Reviews · Meta-Analyse registerbasierter Kohorten A
    Aktuelle registerbasierte Synthese bestaetigt fuer beide affektiven Hauptdiagnosen ein vielfach erhoehtes Suizidverhalten gegenueber der Allgemeinbevoelkerung. Beide mit stark erhoehtem Risiko fuer suizidales Verhalten; bipolar tendenziell hoeheres relatives Risiko
  34. Erlangsen A et al. 2020, JAMA · Nationale Registerkohorte, N=7.300.395; 35.483 Suizide, 1980-2016 A
    In der dänischen Gesamtbevölkerung war das Suizidrisiko bei Menschen mit einer neurologischen Diagnose um 80% erhöht; 14,7% aller Suizide entfielen auf Betroffene. adj. IRR 1,8 (95% KI 1,7-1,8)
  35. Erlangsen A et al. 2020, JAMA · Nationale Registerkohorte, N=7,3 Mio. A
    Epilepsie war in der dänischen Registerkohorte mit einem um 70% erhöhten Suizidrisiko assoziiert. adj. IRR 1,7 (95% KI 1,6-1,8)
  36. Systematische Übersicht & Meta-Analyse 2025, Journal of Neurology (13 Studien) · Meta-Analyse, 13 Studien A
    Metaanalytisch war das Suizidrisiko bei Epilepsie rund 2,3-2,5-fach, das Risiko für Suizidversuche bis ~5-fach erhöht. Suizidtod adj. HR 2,50 (1,99-3,16); Ideation RR 2,06 (1,47-2,89); Versuch IRR 4,94 (4,44-5,50)
  37. Fazel S et al. 2013, The Lancet · Totalpopulations-Kohorte, 1969-2009 A
    Ein wesentlicher Teil der Suizide bei Epilepsie war an gleichzeitige psychiatrische Erkrankungen (v.a. Depression, Substanzkonsum) gekoppelt - Komorbidität als zentraler Treiber. Suizid als eine Hauptursache externer Übersterblichkeit; Großteil an psych. Komorbidität gebunden
  38. Erlangsen A et al. 2020, JAMA · Nationale Registerkohorte, N=7,3 Mio. A
    MS gehörte zu den stärker suizidassoziierten neurologischen Diagnosen mit mehr als verdoppeltem Risiko. adj. IRR 2,2 (95% KI 1,9-2,6)
  39. Fredrikson S et al. 2003, Neuroepidemiology (Sadovnick-Linie) · Nationale MS-Kohorte (Landmark) A
    Die schwedische Landmark-Kohorte zeigte etwa verdoppelte Suizidmortalität, am höchsten in den ersten Jahren nach Diagnose und bei jungen Erkrankten. SMR ~1,9-2,3 (v.a. in ersten 5 Jahren nach Diagnose und bei Diagnose <30 J.)
  40. Erlangsen A et al. 2020, JAMA · Nationale Registerkohorte, N=7,3 Mio. A
    Parkinson war mit einem um 70% erhöhten Suizidrisiko assoziiert - entgegen der verbreiteten Annahme, Parkinson-Betroffene seien wegen Bewegungseinschränkung geschützt. adj. IRR 1,7 (95% KI 1,5-1,9)
  41. Chang W-J/Yoon et al. 2022, BMC Psychiatry · Nationale Kohorte, 17.143 PD vs. 17.143 Kontrollen (PS-Matching), 2004-2013 A
    Neu diagnostizierte Parkinson-Patienten hatten ein rund 2,3-faches Suizidrisiko, mit Spitze in den ersten Monaten nach Diagnose und bei jüngeren (60-69 J.) Betroffenen. adj. HR 2,26 (95% KI 1,67-3,06); erste 180 Tage HR 2,64 (1,31-5,30)
  42. Erlangsen A et al. 2020, JAMA · Nationale Registerkohorte, N=7,3 Mio. A
    Chorea Huntington zeigte mit ~5-fach erhöhtem Risiko die höchste Suizidassoziation unter den neurologischen Erkrankungen (gleichauf mit ALS). adj. IRR 4,9 (95% KI 3,1-7,7)
  43. McGarry A et al. 2021, BJPsych Open (Enroll-HD) · Prospektive globale Kohorte, mehrere Tausend HD-Teilnehmer A
    In der weltweit größten HD-Kohorte traten Suizide/Versuche gehäuft an definierten Übergangsphasen (Diagnose, Verlust der Selbstständigkeit) auf. erhöhte Inzidenz vollendeter Suizide und Versuche; kritische Phasen um Diagnosestellung und bei zunehmender funktioneller Einschränkung
  44. Erlangsen A et al. 2020, JAMA · Nationale Registerkohorte, N=7,3 Mio. A
    ALS war - gleichauf mit Huntington - mit dem höchsten Suizidrisiko (~5-fach) aller neurologischen Erkrankungen verbunden. adj. IRR 4,9 (95% KI 3,5-6,9)
  45. Fang F et al. 2008, Brain · Nationale Registerkohorte A
    Die schwedische Kohorte zeigte stark erhöhte Suizidraten bei ALS, konzentriert auf die ersten 12 Monate nach Diagnosestellung. deutlich erhöhte Suizidmortalität, Spitze im ersten Jahr nach Diagnose
  46. Erlangsen A et al. 2020, JAMA · Nationale Registerkohorte, N=7,3 Mio. A
    Schlaganfall war mit einem moderat (~30%) erhöhten Suizidrisiko assoziiert - schwächer als degenerative Erkrankungen, wegen Häufigkeit aber bevölkerungsbezogen relevant. adj. IRR 1,3 (95% KI 1,2-1,3)
  47. Eriksson M et al. 2015, Neurology (Riks-Stroke) · Nationale Schlaganfall-Registerkohorte (Riks-Stroke) A
    Post-Stroke-Suizidalität war bei jungen, schwer betroffenen und sozioökonomisch benachteiligten Überlebenden am höchsten, mit Häufung in den ersten Jahren. erhöhtes Risiko, am stärksten bei jüngeren Patienten und in ersten 2 Jahren nach Ereignis
  48. Madsen T et al. 2018, JAMA · Nationale Registerkohorte, N=7,4 Mio., 1980-2014 A
    SHT verdoppelte das Suizidrisiko mit klarem Dosis-Wirkungs-Muster (mehr/schwerere Traumata = höheres Risiko) und stark erhöhtem Risiko im ersten halben Jahr. adj. IRR 1,90 (95% KI 1,83-1,97); schweres SHT IRR 2,38; erste 6 Monate IRR 3,67
  49. Friedman LE et al. 2017, Headache · Systematische Übersicht & Meta-Analyse A
    Bereits eine frühere Meta-Analyse fand rund verdoppelte bis 2,5-fache Odds für Suizidgedanken bei Migränebetroffenen. gepoolte OR für Suizidideation ~2,5
  50. Erlangsen A et al. 2020, JAMA · Nationale Registerkohorte, N=7,3 Mio. A
    Über alle Altersgruppen gemittelt war Demenz NICHT mit erhöhtem, sondern leicht erniedrigtem Suizidrisiko assoziiert - ein Durchschnitt, der die kritische Frühphase verdeckt. adj. IRR 0,8 (95% KI 0,7-0,9)
  51. Alothman D et al. 2022, JAMA Neurology · Fall-Kontroll-Studie, N=594.674 (14.515 Suizide; 4.940 mit Demenz) A
    Bei unter 65-Jährigen war das Suizidrisiko in den ersten 3 Monaten nach Demenzdiagnose fast 7-fach erhöht - das Durchschnitts-Nullbild (IRR 0,8) verschleiert diese Hochrisiko-Subgruppe. HR 6,69 (Diagnose <65 J. in ersten 3 Monaten); psychiatrische Komorbidität HR 1,52
  52. Assessing suicide risk in heart failure 2025, Frontiers in Psychiatry (Meta-Analyse, 8 Studien) · Meta-Analyse, 8 Studien A
    Herzinsuffizienz erhoeht die Suizidwahrscheinlichkeit um rund 62% gegenueber Personen ohne schwere kardiovaskulaere Erkrankung. OR 1,62 (95% KI 1,49-1,74)
  53. Petersen et al. 2020, Journal of Internal Medicine (nationale Kohorte) · Nationale Kohortenstudie A
    Herzerkrankungen sind landesweit mit erhoehtem Suizidrisiko assoziiert, insbesondere kurz nach Diagnose und bei psychiatrischer Komorbiditaet. erhoehte Suizidinzidenzrate vs. Allgemeinbevoelkerung (exakte IRR im Volltext)
  54. O'Connor, Smyth, Ferguson, Ryan, Williams 2013, J. Consult. Clin. Psychol. · prospektive Kohorte, ca. N=70 Patienten nach Suizidversuch A
    In einer 4-Jahres-Verlaufsstudie an Selbstverletzungs-Patienten sagten Defeat und Entrapment das erneute suizidale Verhalten/Ideation vorher, ueber Depression und fruehere Versuche hinaus. prospektive Assoziation, exakte OR/KI nicht sicher erinnert
  55. Siddaway, Taylor, Wood, Schulz 2015, J. Affect. Disord. · Meta-Analyse, mehrere Dutzend Studien A
    Meta-Analyse: Defeat und Entrapment sind konsistent und mittel-bis-stark mit Suizidalitaet (sowie Depression, Angst, PTBS) assoziiert; Entrapment gilt als proximalster kognitiver Marker. gepoolte Korrelationen, mittlere bis grosse Effekte (r nicht sicher erinnert)
  56. May & Klonsky 2016, Clin. Psychol.: Sci. Pract. · Meta-Analyse A
    Meta-Analyse: Depression, Hoffnungslosigkeit und die meisten Diagnosen trennen Suizidversucher kaum von Menschen mit reinen Suizidgedanken; nur wenige Faktoren (Fruehversuche, Faehigkeit/Furchtlosigke die meisten klassischen Risikofaktoren unterscheiden Versucher NICHT von Ideatoren
  57. Brown, Beck, Steer, Grisham 2000, J. Consult. Clin. Psychol. · prospektive Kohorte, ca. N=6.900 A
    20-Jahres-Verlaufsstudie an psychiatrischen Ambulanzpatienten: Hoffnungslosigkeit war einer der staerksten prospektiven Praediktoren des spaeteren Suizidtods. hoehere Hoffnungslosigkeit -> deutlich erhoehtes spaeteres Suizidrisiko (exakte HR nicht sicher erinnert)
  58. Ribeiro, Huang, Fox, Franklin 2018, Br. J. Psychiatry · Meta-Analyse prospektiver Studien A
    Meta-Analyse: Hoffnungslosigkeit und Depression erhoehen das Risiko fuer Ideation/Versuch/Tod statistisch, sagen aber den einzelnen Fall kaum besser als der Zufall voraus (geringer positiver praedikti statistisch signifikant, aber schwach; diagnostische Genauigkeit nahe Zufall
  59. McClelland, Evans, Nowland, Ferguson, O'Connor 2020, J. Affect. Disord. · systematischer Review + Meta-Analyse prospektiver Studien A
    Meta-Analyse prospektiver Studien: Einsamkeit sagt spaetere Suizidgedanken und suizidales Verhalten voraus, unabhaengig von, aber teils ueberlappend mit Depression. prospektiv signifikant positiv, moderater Effekt (KI nicht sicher erinnert)
  60. Bentley et al. 2016, Clinical Psychology Review · Meta-Analyse längsschnittlicher Studien (65 Studien) A
    Angst als isoliert gemessener Trait ist ein nur schwacher Längsschnitt-Prädiktor: sie sagt Gedanken/Versuche moderat, den Suizidtod praktisch gar nicht voraus (OR ~1.0). Ideation OR 1.49 (1.18-1.88); Versuch OR 1.64 (1.47-1.83); Suizid(tod) OR 1.01 (0.87-1.18) n.s.
  61. Bentley et al. 2016, Clinical Psychology Review · Meta-Analyse längsschnittlicher Studien A
    Panikstörung verdoppelt annähernd das Risiko eines Suizidversuchs, zeigt aber keinen belegten Zusammenhang mit dem Suizidtod im Längsschnitt. Versuch OR 1.96 (1.38-2.79); Suizid(tod) OR 1.09 (0.39-3.04) n.s.
  62. Bentley et al. 2016, Clinical Psychology Review · Meta-Analyse längsschnittlicher Studien A
    GAD erhöht Suizidgedanken moderat, ist aber für Suizidversuche kein eigenständiger Prädiktor (KI überschneidet 1) - der Effekt läuft weitgehend über Komorbidität. Ideation OR 1.70 (1.18-2.46); Versuch OR 1.27 (0.78-2.08) n.s.
  63. Bentley et al. 2016, Clinical Psychology Review · Meta-Analyse längsschnittlicher Studien A
    Soziale Angst sagt Suizidgedanken und -versuche moderat voraus - ein oft unterschätzter, weil 'stiller' Risikofaktor. Ideation OR 1.38 (1.10-1.72); Versuch OR 1.67 (1.25-2.23)
  64. Meier et al. 2026, Epidemiology and Psychiatric Sciences · Nationale Matched- und Geschwister-Kohorte (n=57.360 SAD; 1997-2020) A
    Menschen mit sozialer Angststörung haben ein 5-fach erhöhtes Suizidsterberisiko; auch nach Kontrolle familiärer Faktoren (Geschwistervergleich) bleibt es ~1,7-fach erhöht. Suizidtod HR 5.00 (4.44-5.62) vs. gematchte Kontrollen; HR 1.73 (1.62-1.85) vs. unbetroffene Geschwister
  65. Bentley et al. 2016, Clinical Psychology Review · Meta-Analyse längsschnittlicher Studien A
    PTBS ist der stärkste Einzel-Angstprädiktor: rund verdoppeltes bis mehr als verdoppeltes Risiko für Suizidgedanken und -versuche. Ideation OR 2.25 (1.46-3.47); Versuch OR 2.07 (1.49-2.88)
  66. Fox et al. 2021, Journal of Affective Disorders · Nationale Kohorte, 3.177.706 Personen A
    In einer 3,1-Mio.-Kohorte war PTBS auch nach voller Adjustierung mit erhöhtem Suizidsterberisiko assoziiert, bei Frauen deutlich stärker (HR 2,6) als bei Männern (HR 1,7). Suizidtod voll adjustiert: Frauen HR 2.61 (2.16-3.14); Männer HR 1.67 (1.31-2.12)
  67. Fernández de la Cruz et al. 2017, Molecular Psychiatry · Populationsbasierte Kohorte, 36.788 OCD-Patienten (1969-2013) A
    Im Gegensatz zum Trait-Nullbefund haben real diagnostizierte OCD-Patienten ein ~10-fach erhöhtes Suizidsterbe- und ~5-fach erhöhtes Versuchsrisiko - der Widerspruch zeigt: Klinik ist gefährlicher als Suizidtod OR 9.83 (8.72-11.08) unadj.; Suizidversuch OR 5.45 (5.24-5.67) unadj.; nach Komorbiditäts-Adjustierung reduziert, aber weiter deutlich erhöht
  68. Calati et al. 2017, Psychiatry Research · Meta-Analyse, 19 Studien A
    Über 19 Studien hinweg sind Dissoziierte signifikant häufiger von Suizidversuchen und Selbstverletzung betroffen - Dissoziation wirkt als eigenständiger, transdiagnostischer Risikomarker. Suizidversuch und NSSV signifikant erhöht; höhere DES-Werte bei SA und NSSV (exakte gepoolte OR im Abstract nicht extrahierbar)
  69. Chan et al. 2025, Annals of General Psychiatry · Populationsbasierte Matched-Kohorte, 716 vs. 716 (1993-2023) A
    Auch nach Adjustierung für Depression/Bipolarität hatten Menschen mit dissoziativer Störung ein ~1,9-fach erhöhtes Risiko für suizidale Handlungen (12% vs. 4%). Suizidale Handlungen adj. HR 1.89 (1.17-3.06); 12,2% vs. 4,1% in Kontrollgruppe
  70. Angelakis et al. 2019, Psychological Medicine · Meta-Analyse, 68 Studien A
    Sexueller Kindesmissbrauch verdreifacht das spätere Suizidversuchsrisiko - einer der robustesten Einzeleffekte im Feld. Suizidversuch OR 3.17 (2.76-3.64); Ideation OR 2.15 (1.77-2.62)
  71. Angelakis et al. 2019, Psychological Medicine · Meta-Analyse, 68 Studien A
    Auch die 'unsichtbaren' Traumaformen ohne körperliche Spuren - emotionaler Missbrauch und Vernachlässigung - verdoppeln bis verzweieinhalbfachen das Suizidversuchsrisiko. Emot. Missbrauch Versuch OR 2.49 (1.64-3.77); emot. Vernachlässigung Versuch OR 2.29 (1.79-2.94)
  72. Angelakis et al. 2019, Psychological Medicine · Meta-Analyse, 68 Studien A
    Kumuliertes Mehrfachtrauma hat den mit Abstand höchsten Effekt (OR ~5) - klarer Dosis-Wirkungs-Hinweis: je mehr Traumaformen, desto höher das Risiko. Suizidversuch OR 5.18 (2.52-10.63)
  73. Mataix-Cols/Sigström et al. 2024, JAMA Psychiatry · Nationale Matched-Kohorte, 4.129 vs. 41.290 A
    Paradox: Menschen mit ausgeprägter Krankheits-/Gesundheitsangst sterben ~4-fach häufiger durch Suizid - die gefürchtete Krankheit ist nicht die Haupt-Todesursache, die Angst selbst wird tödlich. Suizidtod HR 4.14 (2.44-7.03); Gesamtmortalität HR 1.69 (1.47-1.93)
  74. Wang et al. 2020, Scientific Reports (Meta-Analyse) · Meta-Analyse, Längsschnittstudien A
    Schlafstörungen und Albträume - Kernsymptome von PTBS und Angst - sagen Suizidgedanken und -verhalten längsschnittlich voraus, teils unabhängig von Depression, und sind ein modifizierbarer Ansatzpunkt Erhöhtes Risiko für Suizidgedanken/-versuche/-tod (gepoolt signifikant; exakte OR je Outcome variabel)
  75. Duarte D et al. 2020, JAMA Psychiatry · Meta-Analyse, 9 Studien / ca. Millionen Personenjahre A
    Aerztinnen haben ein etwa 46% erhoehtes Suizidrisiko gegenueber der weiblichen Bevoelkerung, waehrend maennliche Aerzte KEIN erhoehtes Risiko zeigen (Geschlechter-Paradox). SMR 1,46 (95% KI 1,02-1,91); Maenner SMR 0,67 (0,55-0,79)
  76. Dutheil F et al. 2019, PLoS ONE · Meta-Analyse, 61 Studien A
    Meta-Analyse bestaetigt erhoehtes Suizidrisiko bei Aerzten, mit staerkster Erhoehung bei Aerztinnen und in Fachrichtungen mit Zugang zu letalen Mitteln (Anaesthesie, Psychiatrie). erhoehte gepoolte Suizidrate, insb. Frauen; Maenner uneinheitlich
  77. Milner A et al. 2013, British Journal of Psychiatry · Meta-Analyse, 34 Studien A
    Meta-Analyse zeigt: je niedriger die berufliche Qualifikation/Kontrolle, desto hoeher das Suizidrisiko - ein sozialer Gradient unabhaengig vom Einzelberuf. erhoehte Suizidraten bei niedrigem Qualifikations-/Statusniveau (Maenner)
  78. Nordt C et al. 2015, Lancet Psychiatry · Laengsschnitt-oekologische Modellierung A
    Arbeitslosigkeit ist mit ~20-30% hoeherem Suizidrisiko assoziiert; der Risikoanstieg beginnt bereits ~4-6 Monate VOR dem Beschaeftigungsverlust und ist in Laendern mit niedriger Grundarbeitslosigkeit RR Suizid ~1,2-1,3; ~45.000 assoziierte Suizide/Jahr
  79. Menon NK et al. 2020, JAMA Network Open · Querschnitt, 1.354 Aerzte A
    Nach statistischer Kontrolle fuer Depression ist Burnout NICHT eigenstaendig mit Suizidgedanken verknuepft - der oft behauptete direkte Burnout-Suizid-Zusammenhang ist weitgehend durch Depression konf Burnout NICHT unabhaengig mit Suizidgedanken assoziiert nach Adjustierung fuer Depression
  80. Pigeon et al. 2012, J Clin Psychiatry · Meta-Analyse, 39 Studien A
    Über 39 Studien war das Vorliegen einer Schlafstörung mit einem etwa verdoppelten Risiko für Suizidgedanken, -versuche und -tode assoziiert. RR ~1,95 (95% KI 1,72–2,21)
  81. Bernert et al. 2014, JAMA Psychiatry · prospektive Kohorte, ~14.456 Ältere, 10-J-Follow-up A
    Bei älteren Gemeindebewohnern sagte schlechte Schlafqualität über 10 Jahre den Suizidtod voraus, auch nach Adjustierung für depressive Symptome. adj. OR ~1,39; bei zusätzlicher Depression deutlich höher
  82. Bjørngaard et al. 2011, Sleep · Bevölkerungskohorte, ~75.000, 20-J-Follow-up A
    In der norwegischen HUNT-Kohorte verschwand der Zusammenhang Schlafprobleme–Suizid nach Kontrolle für Depression/Angst — starker Hinweis auf Confounding durch Depression. HR ~2,1 roh → nach Adjustierung nicht mehr signifikant
  83. Nadorff et al. 2011, Sleep · Querschnitt, Studierendenstichprobe N~583 A
    Albträume blieben ein von Insomniesymptomen und Depression unabhängiger Prädiktor für Suizidgedanken — ein oft übersehenes Signal. signifikante eigenständige Assoziation (OR erhöht)
  84. Ribeiro et al. 2012, J Affect Disord · prospektive Militär-Stichprobe A
    Bei Militärangehörigen übertrafen Schlafprobleme Depression und Hoffnungslosigkeit als quer- und längsschnittliche Prädiktoren suizidaler Gedanken/Verhalten. Schlaf prädiktiver als Depression/Hoffnungslosigkeit
  85. Wong & Brower 2011, J Psychiatr Res · nationale Längsschnittkohorte Jugendlicher A
    In der US-Add-Health-Kohorte sagten Schlafprobleme im Jugendalter spätere Suizidgedanken und -versuche voraus. erhöhtes Risiko späterer Suizidalität (OR erhöht)
  86. Chesney E, Goodwin GM, Fazel S 2014, World Psychiatry · Meta-Review von Meta-Analysen (mentale Stoerungen gesamt) A
    Im gepoolten Meta-Review liegt die standardisierte Suizidmortalitaets-Ratio bei Schizophrenie bei rund 12,9-fach gegenueber der Allgemeinbevoelkerung. SMR Suizid ~12,9 (gepoolt; Meta-Review)
  87. Palmer BA, Pankratz VS, Bostwick JM 2005, Arch Gen Psychiatry · Meta-analytische Neuberechnung (Landmark) A
    Die korrigierte Neubewertung schaetzt das Lebenszeit-Suizidrisiko bei Schizophrenie auf etwa 4,9% - deutlich niedriger als die frueher zitierten 10%, mit hoechstem Risiko frueh im Krankheitsverlauf. Lebenszeitrisiko ~4,9% (Neubewertung; frueher ~10% ueberschaetzt)
  88. Nordentoft M, Mortensen PB, Pedersen CB 2011, Arch Gen Psychiatry · Nationale Registerkohorte, ~176.000 Personen mit Suizid-Follow-up A
    Im daenischen Vollregister betrug das absolute Suizidrisiko nach Erstkontakt wegen Schizophrenie ca. 6,5% (Maenner) bzw. 4,9% (Frauen) - einer der hoechsten Werte aller psychischen Diagnosen. Absolutes Suizidrisiko Maenner ~6,5%, Frauen ~4,9%
  89. Correll CU, Solmi M, et al. 2022, World Psychiatry (o.ae.), Meta-Analyse Mortalitaet Schizophrenie · Systematische Review/Meta-Analyse relativer Sterberisiken A
    Die aktuelle Meta-Analyse bestaetigt eine rund 2,5-fach erhoehte Gesamtsterblichkeit bei Schizophrenie, wobei Suizid v.a. in fruehen Krankheitsphasen einen ueberproportionalen Anteil ausmacht. All-cause RR ~2,5; Suizid grosser Beitrag zur Uebersterblichkeit
  90. Wimberley T, et al. 2017, Am J Psychiatry · Registerkohorte, ~2.370 therapieresistente Patienten A
    Im daenischen Register war Clozapin mit geringerer Gesamtsterblichkeit und Selbstverletzung assoziiert, jedoch stieg die Selbstverletzungsrate in der Phase nach Clozapin-Absetzen deutlich an. Niedrigere Gesamtmortalitaet und weniger Selbstverletzung unter Clozapin; Anstieg nach Absetzen
  91. Taipale H, Tanskanen A, Tiihonen J, et al. (FIN20) 2020, World Psychiatry · Nationale Registerkohorte, 62.250 Patienten, 20 J. Follow-up A
    In der 20-Jahres-FIN20-Kohorte hatte Clozapin die niedrigste Gesamtsterblichkeit aller Antipsychotika, waehrend Nicht-Einnahme mit der hoechsten Mortalitaet (auch suizidbedingt) verbunden war. Clozapin niedrigste all-cause Mortalitaet; Nicht-Einnahme hoechste
  92. Yates K, Lang U, ... Kelleher I (DeVylder-Gruppe) 2019, JAMA Psychiatry · Systematische Review & Meta-Analyse longitudinaler Populationsstudien A
    Die Meta-Analyse longitudinaler Bevoelkerungsstudien zeigt, dass psychotische Erlebnisse das spaetere Risiko fuer Suizidgedanken (~2-fach), Suizidversuch (~3-fach) und Suizidtod (~4-fach) erhoehen - a Ideation OR ~2,4; Suizidversuch OR ~3,2; Suizidtod OR ~4,4 (laengsschnittlich)
  93. Nordentoft M, et al. 2011, Arch Gen Psychiatry (Fruehphasen-Analyse) · Registerkohorte, Zeitverlaufsanalyse A
    Das Suizidrisiko ist bei psychotischen Stoerungen in der Fruehphase - insbesondere im ersten Jahr nach Diagnose/Erstkontakt - am hoechsten und faellt danach ab. Hoechste Suizidinzidenz im ersten Jahr / periodischer Erkrankungsbeginn
  94. Challis S, Nielssen O, Harris A, Large M 2013, Br J Psychiatry · Systematische Meta-Analyse der Risikofaktoren A
    In der systematischen Meta-Analyse zu Selbstschaedigung bei FEP war vorheriges selbstschaedigendes Verhalten der konsistenteste Praediktor fuer erneute Selbstschaedigung nach Behandlungsbeginn. Fruehere Selbstschaedigung staerkster Praediktor fuer erneute (gepoolt)
  95. Chung DT et al. 2017, JAMA Psychiatry · Systematische Review + Meta-Analyse, 100 Studien, 183 Patientenkohorten, >17.000 Suizide A
    Das Suizidrisiko ist unmittelbar nach psychiatrischer Entlassung extrem erhoeht und am hoechsten in den ersten 3 Monaten, besonders bei Aufnahme wegen Suizidalitaet. 1132 Suizide/100.000 Personenjahre in den ersten 3 Monaten (95%-KI 666-1928); Gesamt post-Entlassung ~484/100.000 PJ (95%-KI 422-556); ~100-fach hoeher als Allgemeinbevoelkerung
  96. While D et al. 2012, The Lancet (NCISH, England & Wales) · Ecological before-and-after, nationale Register-/Auditdaten psychiatrischer Patientensuizide A
    Regionen/Trusts, die organisatorische Praeventions-Empfehlungen umsetzten (u.a. rasche Nachsorge, Krisenteams, Dual-Diagnosis-Versorgung), verzeichneten messbar niedrigere Suizidraten bei psychiatrisc Dienste, die mehr Empfehlungen umsetzten, hatten niedrigere Suizidraten; Implementierung mehrerer Kernmassnahmen mit signifikant reduzierten Raten assoziiert
  97. Stanley B et al. 2018, JAMA Psychiatry · Kohorten-Vergleich (cohort comparison), ~1640 Patienten A
    Eine kurze Safety-Planning-Intervention mit strukturierten Nachsorgeanrufen in der Notaufnahme halbierte annaehernd suizidales Verhalten im Folgezeitraum. ~45-50% weniger suizidales Verhalten ueber 6 Monate vs. Standardversorgung (OR ~0,44-0,56)
  98. Reeves A, McKee M, Stuckler D 2014, British Journal of Psychiatry · Oekologische Zeitreihen-/Trendanalyse nationaler Mortalitaetsdaten A
    Die Grosse Rezession war mit rund 10.000 ueberzaehligen Suiziden in Europa und Nordamerika assoziiert, konzentriert auf Maenner im Erwerbsalter. ~10.000 zusaetzliche 'oekonomische' Suizide in Europa/Nordamerika 2008-2010 ueber Trend hinaus
  99. Nordt C, Warnke I, Seifritz E, Kawohl W 2015, Lancet Psychiatry · Laengsschnitt-Modellierung, WHO-Mortalitaets- + ILO-Arbeitsmarktdaten A
    Arbeitslosigkeit erklaert weltweit etwa ein Fuenftel der Suizide, und der relative Anstieg des Suizidrisikos ist paradoxerweise dort groesser, wo Arbeitslosigkeit ungewoehnlich ist. ~1/5 der Suizide mit Arbeitslosigkeit assoziiert; ~45.000 Suizide/Jahr arbeitslosigkeitsbezogen; relatives Risiko erhoeht, Effekt in Laendern mit niedriger Arbeitslosen-Baseline groesser
  100. Barr B, Taylor-Robinson D, Stuckler D et al. 2016, J Epidemiol Community Health · Longitudinale oekologische Studie, 2010-2013 A
    Die Ausweitung strenger Arbeitsfaehigkeitspruefungen war regional mit Anstiegen von Suiziden, psychischer Belastung und Antidepressiva-Verschreibungen assoziiert - direkte Politik-Gesundheits-Kopplung Je 10.000 zusaetzliche WCA-Reassessments: ~6 zusaetzliche Suizide (+0,3), ~2700 zusaetzliche Antidepressiva-Verschreibungen, ~7000 zusaetzliche Faelle psychischer Belastung
  101. Kaufman JA, Salas-Hernandez LK, Komro KA, Livingston MD 2020, J Epidemiol Community Health · Differenz-von-Differenzen-Panelanalyse (50 Staaten + DC) A
    Hoehere Mindestloehne sind mit signifikant niedrigeren Suizidraten bei gering gebildeten Erwachsenen assoziiert, mit staerkerem Schutzeffekt in Phasen hoher Arbeitslosigkeit. +1 US$ Mindestlohn: ~3,5-6% niedrigere Suizidrate bei gering Gebildeten, Effekt staerker bei hoher Arbeitslosigkeit; Schaetzung: 8.000-27.000 vermeidbare Suizide (2009-2015) bei +1 US$
  102. Pirkis J et al. 2021, Lancet Psychiatry · Interrupted-Time-Series, aggregierte nationale/regionale Suizid-Echtzeitdaten A
    Entgegen den Befuerchtungen stieg die Suizidrate in den ersten Pandemiemonaten in 21 laenderuebergreifend untersuchten Regionen nicht an, teils sank sie - moeglicherweise durch 'pulling together'-Effe Kein Anstieg der Suizidrate; in mehreren Laendern/Regionen sogar leichter Rueckgang (Rate Ratio teils <1,0), keine signifikante Zunahme gegenueber erwartetem Trend
  103. Tanaka T, Okamoto S 2021, Nature Human Behaviour · Interrupted-Time-Series, nationale monatliche Suiziddaten A
    Nach anfaenglichem Rueckgang stieg die Suizidrate in Japans zweiter Pandemiewelle deutlich, mit ueberproportionaler Belastung von Frauen und Jugendlichen - ein Warnsignal fuer verzoegerte, ungleich ve Rueckgang ~-14% in erster Phase, dann Anstieg ~+16% in zweiter Welle; besonders Frauen (+37%) und Kinder/Jugendliche
  104. Zalsman G et al. 2016, Lancet Psychiatry (10-Jahres-Review) · Systematische Review evidenzbasierter Praeventionsstrategien A
    Ueber 10 Jahre systematischer Evidenz zeigen Mittel-Restriktion und Versorgungsketten die staerkste Suizid-senkende Wirkung, waehrend reine Aufklaerungskampagnen kaum belegte Effekte haben. Mittel-Restriktion und Zugangsbeschraenkung mit staerkster Evidenz fuer Suizidreduktion; Aerztefortbildung/Depressionsbehandlung positiv; Screening/Awareness-Kampagnen ohne robusten Effekt
  105. Mann JJ et al. 2021, American Journal of Psychiatry · Systematische Review A
    Die aktualisierte Evidenz bestaetigt Mittel-Restriktion, aktive Nachsorge und ausgewaehlte Schulprogramme als wirksam, waehrend viele populaere Massnahmen unbelegt bleiben. Mittel-Restriktion, Nachsorge nach Suizidversuch und Schulprogramme (z.B. YAM) mit RCT-Evidenz; Effekte moderat, differenziert nach Setting
  106. Case A, Deaton A 2015, PNAS · Deskriptive Analyse nationaler Mortalitaetsdaten A
    Der markante Anstieg von Suizid, Drogen- und Alkoholtoten bei gering gebildeten mittelalten Weissen in den USA signalisiert einen strukturell-oekonomischen Verzweiflungstrend, nicht nur individuelle P Anstieg der Mortalitaet durch 'Deaths of Despair' (Suizid + Vergiftung + Lebererkrankung) seit ~1999; Umkehr des langfristigen Mortalitaetsrueckgangs in dieser Gruppe
  107. Matsubayashi T, Ueda M 2011, Social Science & Medicine · Laendervergleichende Panelanalyse (Landmark, vor 2015) A
    Die Existenz eines nationalen Suizidpraeventionsprogramms war in 21 OECD-Laendern mit niedrigeren Suizidraten verbunden, am deutlichsten in aelteren Altersgruppen. Nationale Programme mit signifikanter Reduktion der Suizidrate assoziiert, besonders bei Aelteren; Effekt bei jungen Erwachsenen schwaecher/uneindeutig
  108. Chin K et al. 2022, Current Psychiatry Reports (Review nationaler Register) · Narrativer Review nationaler Sterberegister/Confidential Enquiries A
    Suizid ist in mehreren nationalen Erhebungen die fuehrende direkte Todesursache von Muettern im ersten Jahr nach der Geburt, nicht in der akuten Postpartalphase, sondern verzoegert (3-12 Monate). Suizid = fuehrende direkte Ursache maternaler Todesfaelle im 1. Jahr postpartum (Anteilsschaetzung, kein OR/HR)
  109. Johannsen BMW et al. 2016, American Journal of Psychiatry (nationale Registerkohorte) · Nationale Registerkohorte, alle Erstgebaerenden mit postpartaler Diagnose A
    Frauen mit schwerer postpartaler psychiatrischer Erstepisode haben eine deutlich erhoehte Suizid- und Gesamtsterblichkeit, konzentriert auf die ersten Monate nach Diagnose. stark erhoehte Suizid-/Gesamtmortalitaet, hoechstes Risiko in den ersten Monaten (praezises HR im Abstract nicht extrahiert)
  110. Moon DU et al. 2024, Frontiers in Psychiatry (nationale Kohorte) · Landesweite Registerkohorte, N=1.315.795 A
    Je frueher die Menopause, desto hoeher die Suizidmortalitaet - vorzeitige Ovarialinsuffizienz (POI) zeigt das hoechste Risiko (+43%). POI (<40) HR 1,43 (95%-KI 1,14-1,78); 40-44 HR 1,31 (1,15-1,50); 45-49 HR 1,13 (1,04-1,23) - Dosis-Wirkung
  111. Meta-Analyse 2024, Alpha Psychiatry (POI, Depression/Angst) · Systematischer Review + Meta-Analyse A
    POI ist mit deutlich erhoehter Depression und Angst assoziiert - der plausible Mechanismus hinter dem erhoehten Suizidrisiko bei frueher Menopause. erhoehtes Risiko fuer Depression und Angst (gepoolt; suizidspezifisches Mass nicht berichtet)
  112. Skovlund CW et al. 2018, American Journal of Psychiatry (nationale Kohorte) · Nationale Registerkohorte, N=475.802 A
    Hormonelle Kontrazeption ist mit etwa verdoppeltem Suizidversuchs- und rund verdreifachtem Suizidrisiko assoziiert, mit hoechstem relativem Risiko bei Jugendlichen und kurz nach Beginn. Suizidversuch RR 1,97 (95%-KI 1,85-2,10); Suizid RR 3,08 (95%-KI 1,34-7,08); Gestagen-Mono RR 2,29
  113. Stanley B et al. 2018, JAMA Psychiatry · Kohorten-Vergleichsstudie, n=1.640 A
    Ein kurzer Sicherheitsplan mit aktiver Nachsorge halbierte nahezu suizidales Verhalten nach Notaufnahmebesuch (nicht-randomisierter Kohortenvergleich). ~45% weniger suizidales Verhalten ueber 6 Monate (3,03% vs. 5,29%)
  114. Watts et al. 2022, American Journal of Psychiatry · Retrospektive Kohorte, N=61.633 Veteranen A
    Stabile medikamentoese Opioidtherapie (v.a. Buprenorphin) senkt die Suizidmortalitaet um mehr als 65 % gegenueber Phasen ohne Behandlung. Suizidmortalitaet unter stabiler Buprenorphin-Behandlung HR 0.34 (0.23-0.52); alle MOUD stabil HR 0.45 (0.32-0.63); Methadon nach Adjustierung n.s.
  115. Gobbi et al. 2019, JAMA Psychiatry · Meta-Analyse, 11 Studien, N=23.317 A
    Adoleszenter Cannabiskonsum erhoeht das spaetere Suizidversuchsrisiko rund 3,5-fach, auch nach Kontrolle fuer vorbestehende psychische Probleme. Suizidgedanken OR 1.50 (1.11-2.03); Suizidversuch OR 3.46 (1.53-7.84); Depression OR 1.37 (1.16-1.62)
  116. Fresan et al. 2022, Journal of Psychiatric Research · Meta-Analyse, bis zu 26 Studien, N bis 34.859 A
    Bei 11- bis 21-Jaehrigen ist Cannabisrauchen mit etwa verdoppeltem Risiko fuer Suizidgedanken und -versuche assoziiert. Suizidversuch OR 2.33 (1.78-3.05); Ideation OR 2.04 (1.64-2.53); Suizidplanung OR 1.67 (1.55-1.80)
  117. Li et al. 2012, Journal of Psychiatric Research · Meta-Analyse, 15 prospektive Kohorten, N=1.369.807 (2.395 Suizide) A
    Aktuelles Rauchen erhoeht das Suizidrisiko um ~80 % mit klarer Dosis-Wirkungs-Beziehung - ein oft uebersehener, potenziell teils konfundierter Marker. Aktuelle Raucher RR 1.81 (1.50-2.19); Ex-Raucher RR 1.28 (1.00-1.64); Dosis: +24 % je 10 Zig./Tag (RR 1.24, 1.20-1.28)
  118. Systematic Review & Meta-Analysis, General Hospital Psychiatry (BPD suicide ideation/attempt/suicide) · Systematische Review + Meta-Analyse mehrerer Kohorten A
    Systematische Meta-Analyse: Suizidversuche betreffen die Mehrheit der BPD-Patienten ueber die Lebenszeit, waehrend der Suizidtod bei wenigen Prozent liegt - hohe Versuchsrate, moderatere Vollendungsra gepoolte Praevalenz: Suizidgedanken ~ hoch, Suizidversuch ~ Mehrheit ueber Lebenszeit, Suizidtod niedrige einstellige %
  119. Temes, Frankenburg, Fitzmaurice & Zanarini, J Clin Psychiatry (McLean Study of Adult Development) · prospektive Kohorte, N=290 BPD + 72 Vergleich, 24 J. Follow-up A
    Ueber 24 Jahre prospektiver Nachbeobachtung starben 5,9% der BPD-Patienten durch Suizid vs. 1,4% der PS-Vergleichsgruppe; die Mehrzahl der Suizide betraf Patienten ohne erreichte Remission. Suizidtod 5,9% (BPD) vs. 1,4% (Vergleich); Nicht-Suizid-Tod 14,0% vs. 5,5%
  120. Kjaer, Biskin, Vestergaard & Munk-Joergensen, J Personality Disorders · nationale Registerkohorte, N=10.545 BPD, 547 Todesfaelle A
    Landesweite Registerkohorte: krankenhausbehandelte BPD-Patienten hatten eine rund 8-fach erhoehte Gesamtsterblichkeit; Risiko stieg mit Anzahl Aufnahmen/Jahr und komorbider Suchtstoerung. Standardisierte Mortalitaetsratio (SMR) Gesamtmortalitaet 8,3 (95%-KI 7,6-9,1)
  121. Paris & Zweig-Frank, Comprehensive Psychiatry · Langzeit-Follow-up-Kohorte, N~64 nachverfolgt A
    27-Jahres-Follow-up: rund jeder zehnte BPD-Patient (ca. 10%) verstarb durch Suizid - Suizide traten gehaeuft spaeter im Verlauf (mittleres Alter ~30) auf, nicht nur in der akuten Krise der fruehen Jah Suizidtod ~10,3% ueber 27 Jahre
  122. Systematic Review of Psychological Autopsy Studies, Current Psychiatry Reports · systematisches Review, 56 psychologische Autopsiestudien A
    Systematisches Review von 56 psychologischen Autopsiestudien: Persoenlichkeitsstoerungen (v.a. Cluster B/Borderline) sind unter Suizidverstorbenen haeufig; Impulsivitaet und Alkoholmissbrauch wirken P PS als signifikanter Risikofaktor; Impulsivitaet und Alkoholmissbrauch als universelle Risikofaktoren ueber PS-Typen
  123. Suicide and prevalence of mental disorders - meta-analysis of world psychological autopsy data, Psychiatry Research · Meta-Analyse Fall-Kontroll-Autopsiestudien A
    Weltweite Meta-Analyse von Fall-Kontroll-Autopsiestudien bestaetigt: psychische Stoerungen - einschliesslich Persoenlichkeitsstoerungen - sind bei der grossen Mehrheit der Suizide vorhanden und deutli gepoolte Praevalenz psychischer Stoerungen bei Suizid hoch; PS als eine der Hauptdiagnosegruppen
  124. McGirr, Renaud, Turecki, Paris & Lesage, J Clin Psychiatry · Fall-Kontroll psychologische Autopsie, N=120 (70 Suizide, 50 Kontrollen) A
    Fall-Kontroll-Autopsiestudie: suizidverstorbene BPD-Patienten wiesen deutlich mehr Cluster-B-Komorbiditaet und hoehere Impulsivitaet/Feindseligkeit auf; die impulsiv-aggressive Praedisposition, nicht Interaktion Impulsivitaet x Aggression sagt Suizid voraus; Effekt verschwindet bei Kontrolle fuer Cluster-B-Komorbiditaet
  125. Doyle et al., BMC Family Practice / Primary Care (nested case-control) · genestete Fall-Kontroll-Studie (Primaerversorgungsregister) A
    Genestete Fall-Kontroll-Studie in der Hausarztversorgung: eine dokumentierte Persoenlichkeitsstoerungsdiagnose war mit deutlich erhoehtem Suizidrisiko assoziiert; PS ist auch ausserhalb spezialisierte deutlich erhoehte Suizid-Odds vs. gematchte Kontrollen (mehrfaches Risiko)
  126. Wedig, Frankenburg, Fitzmaurice & Zanarini, Am J Psychiatry (6-year predictors, MSAD) · prospektive Kohorte, BPD, 6 J. Follow-up A
    Ueber 6 Jahre sagten Anzahl frueherer Suizidversuche, komorbide Depression/Substanzmissbrauch und Missbrauchsanamnese das erneute Suizidverhalten bei BPD am staerksten voraus - kumulierte Belastung st fruehere Versuche, Major Depression, Substanzmissbrauch, Kindesmissbrauch als staerkste Praediktoren
  127. Freeman A et al., BMC Psychiatry · Cross-nationale Fall-Kontroll-Analyse von Suizidversuchen A
    Der Geschlechterunterschied in der Sterblichkeit erklaert sich wesentlich ueber die Wahl letalerer Methoden durch Maenner, nicht primaer ueber staerkere Suizidabsicht. Groesserer Anteil der Mortalitaetskluft durch Methodenletalitaet erklaert (Intent-Unterschiede gering)
  128. Reger MA et al., JAMA Psychiatry · Retrospektive Kohorte, ~3,9 Mio. Servicemembers A
    Nicht der Kampfeinsatz, sondern das Ausscheiden aus dem Dienst und kurze Dienstzeit sind mit erhoehtem Suizidrisiko assoziiert - Deployment per se nicht. Deployment: kein signifikant erhoehtes Risiko; Separation & kurze Dienstzeit: HR erhoeht
  129. Schoenbaum M et al., JAMA Psychiatry (Army STARRS) · Kohorten-/Registeranalyse aktiver Soldaten (2004-2009) A
    Die Suizidrate der US-Army stieg zwischen 2004 und 2009 stark an und ueberschritt zeitweise die altersadjustierte zivile Rate. Anstieg der Suizidrate 2004-2009, teils ueber zivile Vergleichsrate
  130. Adawi et al. 2021, Frontiers in Psychiatry · Systematischer Review + Meta-Analyse, N=394.087 A
    Ueber 394.000 FM-Patient:innen: ~30% Suizidgedanken, ~6% Suizidversuche; nach Adjustierung fuer psychiatrische Komorbiditaet verlor der Versuch-Effekt (adj. OR 1,27) die Signifikanz. Ideation OR 9,12 (95% KI 1,42-58,77); Versuch OR 3,12 (95% KI 1,37-7,12); Suizid-Ereignis HR 1,38 (95% KI 1,17-1,71)
  131. Ilgen et al. 2013, JAMA Psychiatry · Retrospektive Kohorte, N=4.863.086 A
    In 4,86 Mio. US-Veteranen blieb chronischer Rueckenschmerz auch nach Adjustierung fuer psychiatrische Diagnosen ein eigenstaendiger, signifikanter Suizidmortalitaets-Praediktor. HR 1,13 (95% KI 1,03-1,24)
  132. Ilgen et al. 2013, JAMA Psychiatry · Retrospektive Kohorte, N=4.863.086 A
    Psychogener Schmerz zeigte in der Ilgen-Kohorte das hoechste adjustierte Suizidrisiko aller nicht-malignen Schmerzdiagnosen, hoeher als Rueckenschmerz oder Migraene. HR 1,58 (95% KI 1,11-2,26)
  133. Ilgen et al. 2013, JAMA Psychiatry · Retrospektive Kohorte, N=4.863.086 A
    Anders als Rueckenschmerz/Migraene waren Arthritis und Fibromyalgie in der grossen Veteranenkohorte nach Adjustierung KEIN unabhaengiger Suizidmortalitaets-Praediktor - wichtiger Nullbefund gegen Uebe HR 0,95 (95% KI 0,87-1,04); Fibromyalgie HR 1,16 (95% KI 0,92-1,44) n.s.
  134. Cederlöf et al. 2016, BMC Psychiatry · Nationale Kohorte, N=1.771 EDS (+17.710 Kontrollen) A
    EDS-Betroffene hatten in schwedischen Registerdaten ~verdoppeltes Risiko fuer Suizidversuche sowie deutlich erhoehte Raten an Depression/Angst - eine massiv unterbeachtete Hochrisikogruppe. Suizidversuch RR 2,1 (95% KI 1,7-2,7)
  135. Mathkor et al. 2025, J. King Saud Univ. Science · Meta-Analyse, bis N=4.134 (Mortalitaet), 11 Studien (Ideation) A
    Rund jede:r sechste SLE-Patient:in berichtet Suizidgedanken; ~1% versterben durch Suizid - relevant auch wegen neuropsychiatrischem Lupus als eigenstaendigem ZNS-Faktor. Ideation 16,8% (95% KI 11,0-24,5); Versuch 2,7% (95% KI 0,4-16,1); Suizidmortalitaet 0,9% (95% KI 0,5-1,5)
  136. Meta-Analyse Schmerztoleranz bei Suizidversuchern 2024, Psychiatry Research · Systematischer Review + Meta-Analyse A
    Paradox: Suizidversucher zeigen im Labor eher HOEHERE Schmerztoleranz (erworbene Faehigkeit/Habituation), was die klinische Fehlannahme 'Schmerzpatient = per se suizidnah' relativiert und die Rolle vo Erhoehte Schmerztoleranz/-schwelle bei Attempters (Meta-Analyse; exakte SMD unbestaetigt)
  137. Nordt C, Warnke I, Seifritz E, Kawohl W, Lancet Psychiatry · Longitudinale Panel-/Zeitreihenanalyse, 63 Laender, WHO-/ILO-Daten A
    Ueber 63 Laender (2000-2011) war Arbeitslosigkeit mit einem um ~20-30% erhoehten Suizidrisiko assoziiert; der Effekt trat bereits 6 Monate VOR dem Anstieg der Arbeitslosenquote auf (Antizipation). RR Suizid bei Arbeitslosigkeit um ca. 20-30% erhoeht; ~45.000 der ~233.000 Suizide/Jahr (2007) arbeitslosigkeitsassoziiert (~1 von 5)
  138. Qin P, Agerbo E, Mortensen PB, Am J Psychiatry · Nationale Register-Fall-Kontroll-Studie, alle Suizide 1981-1997 A
    In allen Suiziden Daenemarks (1981-1997) waren niedriges Einkommen, Arbeitslosigkeit und Alleinleben Risikofaktoren, deren Beitrag jedoch nach Beruecksichtigung psychiatrischer Vorgeschichte deutlich Erhoehte Suizidraten in niedrigem SES; Effekte nach Adjustierung fuer psychiatrische Klinikaufnahme stark abgeschwaecht
  139. Iemmi V, Bantjes J, Coast E et al., Lancet Psychiatry · Systematische Review, Dutzende Studien A
    Systematische Review: In Laendern niedrigen/mittleren Einkommens waren Armut, wirtschaftliche Not und Verschuldung mehrheitlich mit erhoehter Suizidalitaet verbunden. Mehrheit der Studien zeigt positive Assoziation Armut - Suizidalitaet (Richtung konsistent, Effektgroessen heterogen)
  140. Reeves A, McKee M, Stuckler D, Br J Psychiatry · Oekonometrische Zeitreihenanalyse A
    Die Great Recession war mit rund 10.000 zusaetzlichen Suiziden verbunden; Laender mit staerkeren sozialen Sicherungsnetzen und aktiver Arbeitsmarktpolitik zeigten geringere Anstiege. ~10.000 zusaetzliche 'oekonomische' Suizide 2008-2010; Effekt durch aktive Arbeitsmarktpolitik/Sozialausgaben abgeschwaecht
  141. Naeher AF, Rummel-Kluge C, Hegerl U, Front Psychiatry · Longitudinale Register-/Zensusanalyse, Kreisebene A
    Register- und Zensusdaten zeigten, dass niedriger sozioekonomischer Status und Indikatoren sozialer Isolation auf Kreisebene mit hoeheren Suizidraten in Deutschland einhergingen. Hoehere Suizidraten in Kreisen mit niedrigem SES und Isolationsindikatoren (oekologisch, Assoziation)
  142. Hirvikoski et al. 2016, British Journal of Psychiatry 208(3):232–238 · Bevölkerungsbasierte Kohorte, 27.122 ASS-Probanden vs. 2.672.185 Kontrollen A
    Menschen mit Autismus starben rund 2,5-fach häufiger vorzeitig; Suizid war eine der Haupttodesursachen im 'high-functioning'-Bereich, mit Geschlechts- und IQ-Moderation. Gesamtmortalitäts-OR 2.56 (95% KI 2.38–2.76); Suizid einer der führenden vermeidbaren Todesursachen, besonders bei ASS ohne Intelligenzminderung und bei Frauen
  143. Cassidy et al. 2014, The Lancet Psychiatry 1(2):142–147 · Klinische Querschnittskohorte, n=374 Erwachsene mit Asperger A
    Zwei Drittel autistischer Erwachsener berichteten Suizidgedanken und ein gutes Drittel Pläne/Versuche – ein Vielfaches der Allgemeinbevölkerung. 66% lebenszeitliche Suizidgedanken (vs. ~17% Allgemeinbevölkerung); 35% mit Suizidplänen oder -versuchen
  144. Newell et al. 2023, Molecular Autism 14:12 · Systematisches Review & Meta-Analyse A
    Gerade Autist:innen ohne Intelligenzminderung – häufig spät diagnostiziert – tragen eine besonders hohe Suizidalitätslast, was der Alltagsannahme 'schwerer betroffen = höheres Risiko' widerspricht. Deutlich erhöhte gepoolte Prävalenz von Ideation und Versuchen ggü. Allgemeinbevölkerung (Meta-Analyse mehrerer Studien)
  145. Septier et al. 2019, Neuroscience & Biobehavioral Reviews 103:109–118 · Meta-Analyse, bis zu 44 Studien, >228.000 Personen A
    ADHS war mit stark erhöhtem Risiko über das gesamte Suizidspektrum assoziiert, am stärksten für den vollendeten Suizid (fast 7-fach). Vollendeter Suizid OR 6.69 (95% KI 3.24–17.39); Suizidgedanken OR 3.53 (2.94–4.25); Suizidversuche OR 2.35 (1.64–3.43)
  146. Garas et al. 2025, Brain and Behavior 15:e70618 · Systematisches Review & Meta-Analyse (Längsschnittstudien) A
    Aktuelle Längsschnitt-Meta-Analyse bestätigt: ADHS im Kindesalter sagt späteres Suizidverhalten voraus, weit über allgemeine Impulsivität hinaus. Signifikant erhöhtes gepooltes Risiko für Suizidversuch/-verhalten (>2-fach; genaue Poolwerte in Sitzung nicht einzeln verifiziert)
  147. Chen et al. 2017, Journal of Child Psychology and Psychiatry (Taiwan-Kohorte) · Landesweite Kohorte, ADHS-Jugendliche A
    Anders als oft befürchtet war Stimulanzien-Behandlung nicht mit mehr, sondern mit weniger Suizidverhalten assoziiert – wichtig gegen Behandlungsvermeidung. Reduziertes Suizidrisiko unter Methylphenidat (protektive Assoziation; within-individual/Kohorten-Design)
  148. O'Connor et al. 2019, Birth Defects Research 111(12):822–828 · Klinische Kohorte, Jugendliche mit FASD A
    Jugendliche mit FASD berichteten doppelt so häufig Suizidgedanken und fünffach häufiger ernste Suizidversuche wie Gleichaltrige. Suizidgedanken 35,2% (vs. 17,2% Allgemeinbevölkerung, ~2-fach); ernste Suizidversuche 13,0% (vs. 2,4%, ~5-fach)
  149. Tan et al. 2025, Alcohol, Clinical and Experimental Research · Klinische Kohorte, Kinder/Jugendliche mit FASD A
    In einer aktuellen australischen Kohorte war Suizidalität bei FASD eng an vermeidbare psychosoziale Belastungen und Komorbiditäten gekoppelt. Erhöhte Suizidalitätsraten; Risikofaktoren u.a. psychiatrische Komorbidität, Missbrauchserfahrungen, instabile Betreuung (Assoziationsanalyse)
  150. Jara-Prado A et al., Arch Med Res · Praevalenzstudie, 300 Psychiatriepatienten vs. 150 Kontrollen (vor 2015, feldspezifisch zentral) A
    AIP ist unter psychiatrischen Patienten haeufiger - psychiatrische Symptome/Suizidalitaet koennen Erstmanifestation sein und werden oft als primaer psychiatrisch fehldiagnostiziert. erhoehte AIP-Praevalenz unter Psychiatriepatienten vs. Kontrollen (kein KI im Abstract)
  151. Taylor, Gooding, Wood, Tarrier 2011, Psychol. Bull. · systematischer Review A
    Landmark-Review, der Defeat und Entrapment aus der Evolutionspsychologie (arrested flight) als transdiagnostische Kernprozesse fuer Depression und Suizidalitaet etablierte. narrativer Review
  152. Bentley et al. 2016, Clinical Psychology Review · Meta-Analyse längsschnittlicher Studien (wenige OCD-Studien) A
    Als isolierter Trait zeigt OCD in Längsschnittdaten keinen belegten Zusammenhang mit Versuch oder Suizidtod - die verbreitete Gleichsetzung 'OCD = geringes Risiko' ist jedoch trügerisch (siehe Registe Versuch OR 0.95 (0.28-3.18) n.s.; Suizid(tod) OR 0.23 (0.03-1.69) n.s.
  153. Rossi et al. 2024, European Journal of Psychotraumatology / Child Adolesc Psychiatry · Querschnitt, behandlungssuchende Adoleszente A
    Die neue ICD-11-Diagnose komplexe PTBS ist stärker mit Selbstverletzung und Suizidalität verknüpft als die klassische PTBS - die Störungen der Selbstorganisation (Affekt, Selbstbild, Beziehung) treibe cPTSD eigenständig mit Selbstverletzung/Suizidalität assoziiert, über PTBS hinausgehend (Effekt gerichtet, exakte OR studienspezifisch)
  154. Penttila M, Jaaskelainen E, Hirvonen N, et al. 2014, Br J Psychiatry · Systematische Review & Meta-Analyse zu DUP und Outcome A
    Laengere DUP sagt schlechteres Langzeit-Outcome voraus; ein spezifischer, robuster Kausaleffekt auf Suizid ist aus Meta-Analysen jedoch nicht eindeutig belegt (Hypothese fuer Fruehintervention). Lange DUP -> schlechteres Gesamt-Outcome (Suizid nicht spezifisch belegt)
  155. John A et al. 2020/2021, BMJ (living systematic review) · Lebende systematische Uebersichtsarbeit A
    Waehrend der Lockdowns sanken Notaufnahme-Kontakte wegen Selbstverletzung, ohne dass die Suizidsterblichkeit stieg - was aufgeschobene, nicht verschwundene Versorgungsbedarfe nahelegt. Rueckgang von ED-Vorstellungen wegen Selbstverletzung/Suizidalitaet waehrend Lockdowns; kein konsistenter Anstieg vollendeter Suizide; Ideation teils erhoeht in Befragungen
  156. Gunnell D et al. 2020, Lancet Psychiatry (COVID-19 Suicide Prevention Research Collaboration) · Positionspapier / Expertenkonsens A
    Das internationale Konsenspapier warnte fruehzeitig, dass pandemische oekonomische und soziale Belastungen das Suizidrisiko erhoehen koennen, und priorisierte Sozialschutz und Versorgungskontinuitaet Kein quantitatives Effektmass (Konsens-/Rahmenpapier); identifiziert Mechanismen und Praeventions-Prioritaeten
  157. Specific Features of Suicidal Behavior in Patients With NPD, J Clin Psychiatry (klinische Serie) · klinische Fallserie / deskriptiv A
    NPD-assoziierte Suizidalitaet tritt oft nach narzisstischer Kraenkung/Statusverlust bei relativ hohem Funktionsniveau auf und wird von Standard-Risikoscreenings (Depressionsfokus) leicht uebersehen. qualitativ: Suizidalitaet ohne klassische depressive Marker, ausgeloest durch Kraenkung/Statusverlust
  158. Racine 2018, Prog. Neuropsychopharmacol. Biol. Psychiatry · Systematischer/narrativer Review A
    Umfassender Review: Menschen mit chronischem Schmerz haben mindestens doppelt so hohes Risiko fuer suizidales Verhalten; Schmerzintensitaet, -dauer, Schlaflosigkeit und 'mental defeat' als zentrale Mo Mind. ~2-fach erhoehtes Risiko fuer suizidales Verhalten und vollendeten Suizid (aggregierte Angabe)
  159. Fortney JC et al. 2013, American Journal of Psychiatry · Pragmatischer RCT (praktisch, mehrere Standorte) C
    Telemedizinisch gestuetzte Collaborative Care verbesserte in unterversorgten laendlichen US-Regionen Depressionsverlaeufe und reduzierte suizidale Ideation - relevant fuer Zugangs-/Wartezeitprobleme. Verbesserte Depressionsremission vs. Standardversorgung; Reduktion suizidaler Ideation in Interventionsarm (Effekt sekundaer, moderat)
  160. Suicide risk among AYA after cancer diagnosis 2023 (Autor/Journal zu prüfen) · Registeranalyse; 34 Krebsgruppen 2009–2019 B
    AYA-Krebsüberlebende zeigen über 34 Krebsgruppen ein erhöhtes Suizidrisiko – eine altersspezifisch übersehene Gruppe zwischen Kinderonkologie und Erwachsenenversorgung. erhöhtes Suizidrisiko (SMR-Werte in Publikation; hier nicht eigen verifiziert)
  161. Jayasekera/Henson-Gruppe 2022, Nature Medicine (Vollzitation zu prüfen) · Nationale Registerkohorte; 26 Krebsarten B
    Über 26 Krebsarten hinweg ist die kumulative Last psychiatrischer Störungen und Selbstverletzung deutlich erhöht, am stärksten bei prognostisch schlechten Tumoren – Psychoonkologie als Regelversorgung erhöhte kumulative Selbstverletzungs-Inzidenz; unnatürliche Todesursachen erhöht (Effektgrößen in Publikation)
  162. Erstautor unbestätigt, 2013, Journal of Psychiatric Research · Klinische Fall-Kontroll-/Querschnittsanalyse B
    Das Suizidrisiko der BN besteht komorbiditäts-unabhängig, während das der AN weitgehend über begleitende Depression/Angst vermittelt wird - ein oft übersehener mechanistischer Unterschied. BN: erhöhte Suizidalität auch nach Komorbiditäts-Adjustierung; AN: kein unabhängiger Effekt (Risiko über Komorbidität vermittelt)
  163. z.B. National Network of Depression Centers Mood Outcomes Program 2020, J Affective Disorders · Grosse klinische Beobachtungskohorte C
    Depressionen mit Mischmerkmalen (innere Unruhe, Agitation, gleichzeitige manische Symptome) gehen mit hoeherer Suizidalitaet einher als rein gehemmte Depression. Erhoehte Suizidgedanken/-verhalten in Assoziation mit gemischter/agitierter Symptomatik (Beobachtungsdaten)
  164. Madsen et al. 2021, J Psychiatric Research (daenisches Register) · Nationale Registerkohorte von MDD-Patienten C
    TRD-Patienten haben gegenueber therapierbaren Depressiven ein erhoehtes Risiko fuer selbstschaedigendes/suizidales Verhalten und hoehere Gesamtmortalitaet. Erhoehtes Risiko fuer Selbstverletzung/Suizidalitaet und Gesamtmortalitaet bei TRD (Register)
  165. Meta-Analyse Migräne & Suizidalität 2023 (Frontiers/J Affect Disord) · Meta-Analyse mehrerer Beobachtungsstudien B
    Migräne war metaanalytisch mit erhöhten Suizidgedanken und -versuchen verbunden, stärker bei Migräne mit Aura und chronischer Migräne - trotz gutartigem Ruf der Erkrankung. erhöhte gepoolte OR für Ideation und Versuche (Größenordnung ~1,5-2,5); für Suizidversuch teils höher bei Migräne mit Aura
  166. Zhuang S et al. 2019, JAMA Network Open · Gematchte Kohorte, N=169.373 (24.179 RLS), mittlere Nachbeob. 5,2 J., 119 Ereignisse B
    RLS war mit rund verdreifachtem Risiko für Suizid/Selbstverletzung assoziiert - der Effekt blieb auch nach Adjustierung für Depression und Schlafstörungen bestehen (nicht bloß über Depression vermitte adj. HR 2,66 (95% KI 1,70-4,15); ohne Depression/Insomnie/Schlafapnoe 4,14 (2,17-7,92)
  167. Erlangsen A et al. 2017, JAMA Psychiatry · Nationale Registerkohorte (matched cohort, >Mio.) C
    Partner-Hinterbliebene nach Suizid hatten stark erhoehtes Risiko fuer eigene Suizidalitaet, psychiatrische Erkrankungen und Mortalitaet. deutlich erhoehte Suizid- und Gesamtmortalitaet sowie psychiatrische Morbiditaet (Registerdaten)
  168. Guldin MB et al. 2015, JAMA Psychiatry · Nationale Registerkohorte (~7 Mio Personen) C
    Frueher Elternverlust war mit etwa verdoppeltem eigenem Suizidrisiko im spaeteren Leben assoziiert, besonders wenn der Elternteil durch Suizid starb. ca. verdoppeltes Suizidrisiko (IRR ~2), am hoechsten bei elterlichem Suizid
  169. Fazel S, Ramesh T, Hawton K 2017, Lancet Psychiatry · Internationale Vergleichs-/Registerstudie C
    Suizid ist eine fuehrende Todesursache in Haft, mit besonders hohen Raten in Untersuchungshaft und in den ersten Hafttagen. Suizidrate mehrfach ueber Allgemeinbevoelkerung; hoechste Raten Untersuchungshaft/fruehe Haftphase
  170. Nationwide COPD suicide cohort 2025, Journal of Affective Disorders · Nationale Kohortenstudie C
    Eine landesweite koreanische Kohorte bestaetigt ein signifikant erhoehtes Suizidrisiko bei COPD, verstaerkt durch Benzodiazepin-Einnahme und Depression. erhoehtes Suizidrisiko (HR im Volltext)
  171. Troister & Holden 2012, J. Clin. Psychol. · prospektive Studie, Hochrisiko-Studierende C
    2-Jahres-Verlaufsstudie: psychache (unertraeglicher seelischer Schmerz) sagte Suizidalitaet inkrementell voraus, teils staerker als Depression und Hoffnungslosigkeit. praediziert Suizidalitaet ueber Depression/Hoffnungslosigkeit hinaus (inkrementell)
  172. Hallensleben, Glaesmer, Forkmann et al. 2019 · EMA, stationaere Patienten C
    EMA an depressiven psychiatrischen Patienten: momentanes Entrapment sagte kurzfristig ansteigende Suizidgedanken vorher und stuetzt die proximale Rolle des IMV-Modells im Alltag. Within-day-Assoziation Entrapment -> nachfolgende Ideation
  173. Milner A et al. 2017, Social Psychiatry and Psychiatric Epidemiology · Laengsschnitt-Kohorte (HILDA), mehrere tausend Beschaeftigte C
    Geringe Kontrolle ueber die eigene Arbeit und hohe Anforderungen sind mit erhoehten Suizidgedanken assoziiert - psychosoziale Arbeitsqualitaet als eigenstaendiger Faktor jenseits von Arbeitslosigkeit. erhoehte Odds fuer Suizidgedanken (adjustiert)
  174. Malik et al. 2014, Systematic Reviews · Systematische Review/Meta-Analyse C
    Bei psychiatrischen Patienten war eine Schlafstörung mit etwa verdoppeltem Risiko für suizidales Verhalten assoziiert. OR ~1,99
  175. Perlis et al. 2016, J Clin Psychiatry · ökologische Analyse NVDRS, ~35.000 Suizide C
    Nach Adjustierung für die Zahl der zu jeder Stunde wachen Menschen war die Suizidrate mitten in der Nacht massiv überproportional ('mind after midnight'). pro Wachbevölkerung ~3-fach erhöhte Suizidinzidenz nachts
  176. Tubbs et al. 2020, J Clin Psychiatry · ökologische Analyse (NVDRS + ATUS) C
    Mit zeitgenauen Wachbevölkerungsdaten (ATUS) wurde der überproportionale Nacht-Gipfel des Suizids methodenübergreifend repliziert. nächtliche Überrepräsentation über Methoden hinweg bestätigt
  177. Bishop et al. 2018, J Clin Psychiatry · Analyse nationaler Survey-Daten C
    In nationalen Survey-Daten war eine (diagnostizierte) obstruktive Schlafapnoe mit erhöhten Suizidgedanken assoziiert; Evidenz insgesamt dünn und teils widersprüchlich. Assoziation mit Suizidgedanken (OR erhöht)
  178. Bernert et al. 2017, J Clin Psychiatry · prospektive Aktigraphie-Studie, Hochrisiko-Junge C
    Bei jungen Hochrisiko-Erwachsenen sagte objektive Schlaf-Instabilität (nicht nur Schlafdauer) kurzfristige Zunahmen der Suizidgedanken voraus. größere Variabilität → akuter Anstieg der Suizidgedanken
  179. Bornheimer LA (Depression-in-FEP-Meta-Analyse) 2017, Schizophr Res · Systematische Review & Meta-Analyse C
    Die Meta-Analyse longitudinaler Studien zeigt, dass depressive Symptome waehrend der ersten psychotischen Episode das nachfolgende Suizidrisiko signifikant erhoehen - ein modifizierbarer Ansatzpunkt. Depression in FEP erhoeht spaeteres Suizidrisiko (gepoolt)
  180. Hor K, Taylor M 2010, J Psychopharmacol · Systematische Review von Risikofaktor-Studien (Landmark) C
    Die Landmark-Meta-Analyse identifizierte depressive Merkmale, Hoffnungslosigkeit, Agitation und fruehere Versuche als staerkste Risikofaktoren - Positivsymptome/Wahn tragen weniger bei als klinisch of Affektive/Depressions-Faktoren staerker als Positivsymptome
  181. z.B. Luxton/Comtois-Reviews; NCISH-Berichte (While et al.) · Reviews + nationale Auditdaten C
    Ausbleibender oder verspaeteter Nachsorgekontakt nach Entlassung ist mit erhoehtem Suizid- und Wiederaufnahmerisiko assoziiert; die kritische Luecke liegt in der ersten Woche. Fruehes Follow-up (i.d.R. <=7 Tage) mit reduziertem Suizid-/Wiederaufnahmerisiko assoziiert; Effektgroessen heterogen, Richtung konsistent schuetzend
  182. Large M et al. 2016, PLOS ONE (Meta-Analyse Risikokategorisierung) · Meta-Analyse von Risiko-Praediktionsstudien C
    Kategoriale Risiko-Einstufung taugt nicht zur Ressourcenzuteilung, weil ein grosser Teil der Suizide in der vermeintlichen Niedrigrisiko-Gruppe auftritt - ein oft ignorierter Versorgungsfehler. Positiver praediktiver Wert niedrig; ~Haelfte aller Suizide entfaellt auf als 'Niedrigrisiko' eingestufte Personen; Sensitivitaet/Spezifitaet unzureichend fuer individuelle Vorhersage
  183. Dow WH, Godoy A, Lowenstein C, Reich M 2020, American Journal of Preventive Medicine / NBER · Quasi-experimentelle Panelanalyse bundesstaatlicher Daten C
    Einkommensstuetzende Politik (Mindestlohn, Steuergutschriften) wirkt als Suizidpraevention, indem sie oekonomischen Stress bei Geringverdienern abfedert. +10% Mindestlohn: ~3,6% niedrigere Suizidrate bei gering Gebildeten; EITC-Erhoehung aehnlich schuetzend (nicht-signifikant fuer Suizid in Teilmodellen)
  184. zusammengefasst u.a. bei Turecki & Brent 2016, Lancet; van Heeringen & Mann 2014, Lancet Psychiatry · aggregierte Zwillings-/Familien-/Adoptionsstudien (Review) B
    Zwillings- und Adoptionsstudien zeigen konsistent, dass ~30–55 % der Varianz suizidalen Verhaltens erblich sind, und ein Teil dieser Erblichkeit unabhängig von der Vererbung psychiatrischer Grunderkra geschätzte Heritabilität h² ≈ 30–55 % (suizidales Verhalten), teils zusätzlicher, von der Grunderkrankung getrennter Anteil
  185. Mullins et al. 2022, Biological Psychiatry (ISGC) · GWAS-Metaanalyse, ~29.782 Fälle / ~519.961 Kontrollen B
    Grösste GWAS-Metaanalyse des Suizidversuchs (~29.000 Fälle / ~500.000 Kontrollen) fand wenige genomweit signifikante Loci, eine SNP-Heritabilität um 5–7 % und starke genetische Überlappung mit Depress SNP-basierte Heritabilität ≈ 5–7 % (Liability-Skala); hohe genetische Korrelation mit Depression (rg ≈ 0,7–0,8), ADHS, PTBS, Rauchen
  186. Erlangsen et al. 2020, Molecular Psychiatry (iPSYCH) · GWAS, Registerkohorte, ~6.000 Fälle B
    Populationsbasierte GWAS in Dänemark fand suizidales Verhalten teils genetisch von der psychiatrischen Grunderkrankung trennbar, mit messbarer polygener Komponente. SNP-Heritabilität grössenordnung ~4–7 %; suggestive Loci
  187. Black & Miller 2015, Biological Psychiatry · Metaanalyse, Dutzende Fall-Kontroll-Studien B
    Metaanalyse zeigt, dass suizidale Patienten höhere periphere und liquorbezogene IL-6- und TNF-α-Spiegel aufweisen als nicht-suizidale, was Suizidalität von blosser Depression abgrenzt. erhöhtes Blut-IL-6 und -TNF-α bei Suizidalen (moderate standardisierte Mittelwertdifferenzen); Effekt teils unabhängig vom Depressionsgrad
  188. Holmes et al. 2018, Biological Psychiatry · PET-Studie, kleine Stichprobe (~50) B
    In-vivo-PET zeigt erhöhte Mikroglia-/Neuroinflammationsmarker im anterioren Cingulum bei Depression, mit stärkerer Ausprägung bei bestehenden Suizidgedanken. ~20–30 % höheres TSPO-Verteilungsvolumen im ACC bei Depression; höher bei aktueller Suizidgedanken
  189. Steiner et al. 2008, J Psychiatr Res (Landmark) · Postmortem-Fall-Kontroll-Studie, kleine N B
    Postmortem-Studien finden verstärkte Mikroglia-Aktivierung im präfrontalen Kortex Suizidverstorbener, konsistent mit der Neuroinflammationshypothese. erhöhte Mikroglia-Dichte (QUIN-positiv) im dorsolateralen PFC und ACC bei Suizid vs. Kontrollen
  190. Mann & Currier 2007 / Coryell & Schlesser 2001, Am J Psychiatry (Landmark) · prospektive Kohorten + Metaanalyse B
    Metaanalytisch sagt eine gestörte Cortisol-Suppression im DST einen späteren vollzogenen Suizid deutlich vorher (ca. 4,5-fach erhöhte Rate), einer der wenigen prospektiv-biologischen Prädiktoren. DST-Non-Suppressor: ~4- bis 14-fach erhöhtes späteres Suizidrisiko (relatives Risiko/Odds über Studien variabel)
  191. Mann & Arango u.a., zusammengefasst in van Heeringen & Mann 2014, Lancet Psychiatry · Postmortem-/PET-Serie, Review B
    Postmortem- und PET-Befunde zeigen serotonerge Dysfunktion im ventralen PFC (Verhaltenshemmung), was das Stress-Diathese-Modell der Impulskontrollstörung bei Suizid stützt. erhöhte 5-HT1A-Autorezeptor-Bindung / reduzierte Transporterdichte im vmPFC von Suizidopfern
  192. Schmaal et al. 2020, Molecular Psychiatry (Review) · systematischer Review vieler MRT/fMRT-Studien B
    Zwei Jahrzehnte Bildgebung zeigen keinen replizierten Einzelmarker, aber ein Muster verminderter präfrontal-insulärer Struktur/Funktion bei suizidalem Verhalten; die Evidenz ist heterogen und methodis kein robuster Einzelbiomarker; wiederkehrend reduzierte ventrale/dorsale PFC- und Insula-Integrität (kleine, heterogene Effekte)
  193. Guintivano et al. 2014, American Journal of Psychiatry · Fall-Kontroll + Blut, mehrere Kohorten, mittlere N B
    Kombinierter genetisch-epigenetischer SKA2-Marker (an die HPA-Achse gekoppelt) unterschied Suizidale von Kontrollen mit hoher Genauigkeit; Replikationen jedoch teils uneinheitlich. Vorhersage von Suizidgedanken/-versuch mit AUC bis ~0,8 in Entdeckungs-/Replikationsstichproben
  194. Wu et al. 2016, J Psychiatry Neurosci · Metaanalyse, ~65 epidemiologische Studien B
    Metaanalyse über ~65 Studien findet konsistent niedrigere Cholesterin-/Lipidspiegel bei suizidalem Verhalten, insbesondere bei Suizidversuchen – ein Zusammenhang, dessen kausale Deutung (Membran-/Sero Suizidversuchspatienten haben niedrigeres Gesamtcholesterin als Kontrollen (moderate SMD); Assoziation robust, Kausalität unsicher
  195. Sublette et al. 2006, Am J Psychiatry (Landmark) · prospektive Kohorte depressiver Patienten, mittlere N B
    In einer prospektiven Kohorte depressiver Patienten prognostizierte ein niedriger Anteil der Omega-3-Fettsäure DHA künftige Suizidversuche, was Membran-/Entzündungs-Lipid-Mechanismen nahelegt. niedriger DHA-Anteil sagte über ~2 Jahre Suizidversuche bei depressiven Patienten vorher (erhöhtes Risiko in unterster vs. oberster Gruppe)
  196. Mullins et al. 2022, Biological Psychiatry; MVP-Analysen (Kimbrel et al. 2022) · GWAS + PRS-Analysen, grosse Kohorten B
    Der polygene Suizidversuchs-Score bleibt nach Kontrolle der Depression prädiktiv und überlappt genetisch nicht nur mit Stimmung, sondern deutlich mit Impulsivität, Rauchen und Schmerz – Hinweis auf ei PRS assoziiert mit Versuch auch nach Adjustierung für Depression; genetische Überlappung stärker mit Impulsivität/Risikoverhalten/Rauchen/Schmerz
  197. Coleman et al., Journal of Psychiatric Research (NPD and suicidal behavior in mood disorders) · klinische Querschnittsstudie affektiver Patienten C
    Bei Patienten mit affektiven Stoerungen war komorbide NPD mit Suizidversuchen hoeherer Letalitaet und staerkerer Planung verknuepft - obwohl NPD-Patienten weniger depressiv wirkten; das klinische Bild NPD assoziiert mit hoeherer Letalitaet/Planung der Versuche trotz geringerer Depressionsschwere
  198. Wang CW, Chan CLW, Yip PSF, Soc Psychiatry Psychiatr Epidemiol · Nationale Mortalitaetstrend-Analyse 2002-2011 C
    China war lange die grosse Ausnahme des Geschlechterparadoxes (hoehere Raten bei laendlichen jungen Frauen); Urbanisierung und eingeschraenkter Pestizidzugang fuehrten zu einem der staerksten Suizidru Historisch Frauen-Mehrheit bei Suizid; seither drastischer Rueckgang (>60%)
  199. Meltzer H, Bebbington P, Brugha T et al., Psychol Med · Bevoelkerungsrepraesentativer Survey, N ~7.000 C
    Im englischen nationalen Survey psychiatrischer Morbiditaet war Verschuldung ein unabhaengiger Praediktor von Suizidgedanken, teils vermittelt ueber finanzielle Not. Verschuldung mit Suizidgedanken assoziiert, OR-Groessenordnung ~2 (nach Adjustierung, Schaetzung)
  200. Elbogen EB et al., Am J Epidemiol / J Psychiatr Res · Nationale Laengsschnittstichprobe (NESARC-basiert) C
    In einer US-repraesentativen Laengsschnittstichprobe war hoehere finanzielle Belastung prospektiv mit erhoehtem Risiko fuer Suizidversuche assoziiert, unabhaengig von Einkommen und psychischer Erkrank Finanzielle Belastung als unabhaengiger Praediktor von Suizidversuchen, OR erhoeht (Groessenordnung, nach Adjustierung)
  201. Lorant V et al., Br J Psychiatry / J Epidemiol Community Health · Vergleichende Mortalitaetsstudie, mehrere Laender C
    Vergleichende europaeische Studie: Maenner in niedriger sozioekonomischer Position hatten ein deutlich erhoehtes Suizidrisiko; die soziale Gradiente war bei Maennern staerker als bei Frauen. Hoehere Suizidraten in niedrigem SES; relatives Ungleichheitsmass (RII) fuer Maenner deutlich >1
  202. Cassidy et al. 2022, British Journal of Psychiatry 221(5):683–691 · Coroner-Aktenstudie, n=372 Suizidsterbefälle B
    In einer Analyse von Suizidsterbefällen zeigten rund 10% Hinweise auf (überwiegend nicht diagnostizierten) Autismus – Hinweis auf massive Unterdiagnostik als Risikofaktor. ~10% der Suizidtoten mit Hinweisen auf erhöhte autistische Züge (weit über der ~1–2% Bevölkerungsprävalenz diagnostizierten Autismus)
  203. Kõlves et al. 2021, JAMA Network Open 4(1):e2033565 · Bevölkerungskohorte, >6 Mio. Personen, 35.020 mit ASS B
    Autismus war mit rund verdreifachtem Suizidverhaltensrisiko assoziiert, wobei Frauen mit ASS ein überproportional hohes relatives Risiko trugen. Inzidenzraten-Ratio für Suizidversuch/-tod ~3-fach erhöht; relatives Risiko bei Frauen mit ASS besonders stark erhöht
  204. O'Halloran et al. 2022, Clinical Psychology Review 93:102144 · Systematisches Review & Meta-Analyse C
    Bereits im Kindes- und Jugendalter ist Suizidalität bei Autismus deutlich häufiger als bei nicht-autistischen Gleichaltrigen. Erhöhte gepoolte Prävalenz von Ideation, Versuchen und Selbstverletzung (genaue Poolwerte in Sitzung nicht verifiziert)
  205. Sun et al. 2019, The British Journal of Psychiatry (nationale Längsschnittstudie) · Landesweite Längsschnittkohorte C
    ADHS erhöhte das Suizidversuchsrisiko im jungen Erwachsenenalter, wobei komorbide Störungen (v.a. bipolar) den Haupttreiber bildeten. Erhöhte Hazard Ratio für Suizidversuch; Komorbiditäten (bipolar, Substanz) potenzieren das Risiko deutlich
  206. Fernández de la Cruz et al. 2017, Biological Psychiatry 82(2):111–118 · Kohorte, 7.736 Patienten vs. 77.360 Kontrollen B
    Menschen mit Tourette/chronischen Tics starben mehr als 4-fach häufiger durch Suizid – auch unabhängig von Begleiterkrankungen. Suizidtod-OR ~4,4 (über 4-fach erhöht); Zusammenhang blieb nach Adjustierung für psychiatrische Komorbidität signifikant
  207. Systematisches Review & gepoolte Analyse 2024, eClinicalMedicine (Lancet) · Systematisches Review & gepoolte Analyse C
    Nicht Autismus allein, sondern die Kombination mit Depression und ADHS treibt die höchste Suizidalitätslast – ein Argument für integrierte statt siloartige Versorgung. Selbstverletzung/Suizidalität am stärksten erhöht bei zusätzlicher Depression bzw. ADHS-Komorbidität (gepoolte Analyse)
  208. Foulon C, Guelfi JD, Kipman A, et al., European Psychiatry · Klinische Verlaufs-/Querschnittsstudie B
    Der Übergang von der restriktiven zur Binge-Purge-Form der AN markiert eine kritische Phase mit gehäuften Suizidversuchen - ein dynamischer, verlaufsbezogener Risikomarker statt statischer Diagnose. Subtyp-Wechsel zu Binge-Purge häufig mit Suizidversuchen assoziiert (Assoziationsstudie)
  209. Conway PM et al. 2016, u.a. (Praesentismus-Depression-Literatur) · Laengsschnittstudien (Depression als Outcome) C
    Praesentismus sagt spaetere depressive Symptome voraus, ein direkter Zusammenhang mit Suizid ist jedoch NICHT belegt - hier besteht Hypothesenstatus, keine belastbare Suizid-Evidenz. kein direkter Suizid-Effektnachweis; Praediktor fuer spaetere Depression
  210. diverse Querschnittsstudien (u.a. ostasiatische Kohorten); konsistente Meta-Evidenz fehlt · überwiegend Querschnittsstudien C
    Abendtypen berichten mehr Suizidgedanken/-verhalten; der Zusammenhang ist überwiegend querschnittlich und teils durch Depression, Substanzkonsum und sozialen Jetlag vermittelt, Kausalität offen. Querschnitts-Assoziation, teils über Depression/Impulsivität mediiert
  211. Uebersichts-/Primaerarbeiten zu Kommando-Halluzinationen und Suizidalitaet (u.a. 2013), diverse · Heterogene Beobachtungsstudien / Reviews C
    Entgegen verbreiteter Annahme sind imperative Halluzinationen kein robuster eigenstaendiger Suizidpraediktor; nach Adjustierung fuer Depression und fruehere Versuche schwaecht sich der Zusammenhang st Inkonsistente/schwache Assoziation nach Kontrolle fuer Depression
  212. Niculescu et al. 2015, Molecular Psychiatry · longitudinale Entdeckungs-/Validierungskohorten, kleine bis mittlere N B
    Longitudinale Blut-Genexpressionsmarker sagten Suizidgedanken und -hospitalisierungen vorher; die Befunde sind vielversprechend, aber überwiegend in kleinen, männlichen Veteranen-/Psychiatriekohorten Vorhersage künftiger Suizid-Hospitalisierung mit AUC teils ~0,7–0,9 (in Entdeckungskohorten, männlich dominiert)
  213. Cassidy et al. 2018, Molecular Autism 9:42 · Querschnitt, n=164 autistische Erwachsene B
    Das Verbergen autistischer Merkmale ('Masking') war ein eigenständiger Prädiktor für Suizidalität – ein für spät-/unterdiagnostizierte Frauen zentraler, oft übersehener Mechanismus. Camouflaging und unerfüllte Unterstützungsbedarfe unabhängig mit Suizidalität assoziiert (Regressionsmodell; kein einfaches Effektmaß)
Absturzkante · GKV ↔ Entlassmanagement

Koordination ersetzt keine Kapazität. Das poststationäre Risiko ist gut belegt.

Geprüfte Kernbelege · gegen die Primärquelle verifiziert

In einem US-Army-Modell entfiel über die Hälfte der Suizide nach Entlassung auf die 5 % mit dem höchsten vorhergesagten Risiko – ein gezielter Anschluss wäre möglich.

Kessler RC et al. 2015, Molecular Psychiatry · Army STARRS · administratives Vorhersagemodell (US-Soldaten) IISpur Ageprüft ✓Aussagenähe: Versorgungsmechanismus

Aussagegrenze: Modell-/Registerdaten (US-Soldaten); nicht direkt auf die Allgemeinbevölkerung übertragbar. Quelle öffnen ↗

Hintergrundkorpus (nicht tragend) · 31 thematisch zugeordnete Studien
  1. Preti A, Rocchi MBL, Sisti D, et al. 2011, Acta Psychiatrica Scandinavica · Meta-Analyse mehrerer Follow-up-Kohorten A
    Erste umfassende Meta-Analyse zum Suizidrisiko bei Essstörungen: Suizid trägt substanziell zur Übersterblichkeit bei, am ausgeprägtesten bei AN. deutlich erhöhtes Suizidrisiko; Suizid als Hauptursache unnatürlicher Todesfälle bei AN (exakte gepoolte SMR aus Abstract nicht verifiziert)
  2. Søeby M, et al. 2024, International Journal of Eating Disorders · Langzeit-Registerkohorte A
    Über 40 Jahre bleibt die AN-Mortalität stark erhöht; psychiatrische Komorbidität und männliches Geschlecht steigern das Sterberisiko, wobei Suizid eine zentrale unnatürliche Todesursache ist. erhöhte Gesamt- und ursachenspezifische Mortalität; Suizid als führende unnatürliche Todesursache; Komorbidität und männliches Geschlecht verschlechtern Prognose (exakte SMR aus Volltext nicht extrahiert)
  3. Pitman AL et al. 2016, BMJ Open · Querschnitts-Kohorte, N=3432 trauernde Erwachsene 18-40 J. A
    Durch Suizid Hinterbliebene hatten 65% hoehere Chance eines eigenen Suizidversuchs als durch natuerlichen Tod Hinterbliebene. OR 1,65 (95% KI 1,12-2,42) fuer Suizidversuch
  4. Kposowa AJ 2000, J Epidemiol Community Health · National Longitudinal Mortality Study, N~470.000 (Landmark, aelter) A
    Geschiedene Maenner hatten mehr als doppeltes Suizidrisiko gegenueber Verheirateten, waehrend bei Frauen kein Zusammenhang bestand (Geschlechtsdisparitaet). RR ~2,4 fuer Suizid; kein signifikanter Effekt bei Frauen
  5. Chung DT et al. 2017, JAMA Psychiatry · Meta-Analyse, 100 Studien / 183 Kohorten A
    Das Suizidrisiko nach psychiatrischer Entlassung ist um ein Vielfaches (Groessenordnung ~30-100-fach) erhoeht und in den ersten 3 Monaten am hoechsten. gepoolte Rate 484/100.000 PJ; erste 3 Monate ~1132/100.000; am hoechsten bei Aufnahme wegen Suizidalitaet
  6. Dube SR et al. 2001, JAMA · ACE Study, retrospektive Kohorte N=17.337 (Landmark, aelter) A
    Mit steigender Zahl belastender Kindheitserfahrungen stieg das Risiko eines lebenslangen Suizidversuchs stark an (bis ~30-fach), ein grosser Anteil der Versuche war ACEs attributabel. ACE-Score >=7 -> OR ~30 fuer jemaligen Suizidversuch; klare Dosis-Wirkungs-Beziehung
  7. Bernert et al. 2014, JAMA Psychiatry · prospektive Kohorte, ~14.456 Ältere, 10-J-Follow-up A
    Bei älteren Gemeindebewohnern sagte schlechte Schlafqualität über 10 Jahre den Suizidtod voraus, auch nach Adjustierung für depressive Symptome. adj. OR ~1,39; bei zusätzlicher Depression deutlich höher
  8. Bjørngaard et al. 2011, Sleep · Bevölkerungskohorte, ~75.000, 20-J-Follow-up A
    In der norwegischen HUNT-Kohorte verschwand der Zusammenhang Schlafprobleme–Suizid nach Kontrolle für Depression/Angst — starker Hinweis auf Confounding durch Depression. HR ~2,1 roh → nach Adjustierung nicht mehr signifikant
  9. Nordentoft M, Mortensen PB, Pedersen CB 2011, Arch Gen Psychiatry · Nationale Registerkohorte, ~176.000 Personen mit Suizid-Follow-up A
    Im daenischen Vollregister betrug das absolute Suizidrisiko nach Erstkontakt wegen Schizophrenie ca. 6,5% (Maenner) bzw. 4,9% (Frauen) - einer der hoechsten Werte aller psychischen Diagnosen. Absolutes Suizidrisiko Maenner ~6,5%, Frauen ~4,9%
  10. Taipale H, Tanskanen A, Tiihonen J, et al. (FIN20) 2020, World Psychiatry · Nationale Registerkohorte, 62.250 Patienten, 20 J. Follow-up A
    In der 20-Jahres-FIN20-Kohorte hatte Clozapin die niedrigste Gesamtsterblichkeit aller Antipsychotika, waehrend Nicht-Einnahme mit der hoechsten Mortalitaet (auch suizidbedingt) verbunden war. Clozapin niedrigste all-cause Mortalitaet; Nicht-Einnahme hoechste
  11. Chung DT et al. 2017, JAMA Psychiatry · Systematische Review + Meta-Analyse, 100 Studien, 183 Patientenkohorten, >17.000 Suizide A
    Das Suizidrisiko ist unmittelbar nach psychiatrischer Entlassung extrem erhoeht und am hoechsten in den ersten 3 Monaten, besonders bei Aufnahme wegen Suizidalitaet. 1132 Suizide/100.000 Personenjahre in den ersten 3 Monaten (95%-KI 666-1928); Gesamt post-Entlassung ~484/100.000 PJ (95%-KI 422-556); ~100-fach hoeher als Allgemeinbevoelkerung
  12. While D et al. 2012, The Lancet (NCISH, England & Wales) · Ecological before-and-after, nationale Register-/Auditdaten psychiatrischer Patientensuizide A
    Regionen/Trusts, die organisatorische Praeventions-Empfehlungen umsetzten (u.a. rasche Nachsorge, Krisenteams, Dual-Diagnosis-Versorgung), verzeichneten messbar niedrigere Suizidraten bei psychiatrisc Dienste, die mehr Empfehlungen umsetzten, hatten niedrigere Suizidraten; Implementierung mehrerer Kernmassnahmen mit signifikant reduzierten Raten assoziiert
  13. Berlin et al. 2017, Psychological Medicine (Zwillingskohorte, 35-J.-Follow-up) · Prospektive Zwillingskohorte, Competing-Risks-Analyse A
    In einer 35-Jahres-Zwillingskohorte blieb der Rauchen-Suizid-Zusammenhang auch nach Kontrolle familiaerer Faktoren bestehen, spricht gegen reines Confounding. Erhoehtes Suizidmortalitaetsrisiko fuer Raucher auch nach Adjustierung; exakte HR unbestaetigt
  14. Temes, Frankenburg, Fitzmaurice & Zanarini, J Clin Psychiatry (McLean Study of Adult Development) · prospektive Kohorte, N=290 BPD + 72 Vergleich, 24 J. Follow-up A
    Ueber 24 Jahre prospektiver Nachbeobachtung starben 5,9% der BPD-Patienten durch Suizid vs. 1,4% der PS-Vergleichsgruppe; die Mehrzahl der Suizide betraf Patienten ohne erreichte Remission. Suizidtod 5,9% (BPD) vs. 1,4% (Vergleich); Nicht-Suizid-Tod 14,0% vs. 5,5%
  15. Erlangsen A et al. 2017, JAMA Psychiatry · Nationale Registerkohorte (matched cohort, >Mio.) C
    Partner-Hinterbliebene nach Suizid hatten stark erhoehtes Risiko fuer eigene Suizidalitaet, psychiatrische Erkrankungen und Mortalitaet. deutlich erhoehte Suizid- und Gesamtmortalitaet sowie psychiatrische Morbiditaet (Registerdaten)
  16. Amin R et al. 2021, Psychological Medicine · Nationale Registerkohorte (~Mio.) C
    Gefluechtete hatten anfangs geringeres Suizid-/Suizidversuchsrisiko als Einheimische, das sich mit laengerem Aufenthalt angleicht ('healthy migrant'-Effekt schwindet). initial HR <1 (niedrigeres Risiko), Konvergenz mit Aufenthaltsdauer
  17. Mittendorfer-Rutz E / Hollander AC et al. 2019-2020 · Registerstudie C
    Unbegleitete minderjaehrige Gefluechtete zeigten eine drastisch erhoehte Suizidrate gegenueber Gleichaltrigen der Aufnahmegesellschaft. Suizidrate mehrfach (bis ~9-fach) ueber gleichaltriger Allgemeinbevoelkerung
  18. Goosen S et al. (NL), Aufnahmezentren-Kohorten · Kohorten-/Registerdaten Aufnahmezentren C
    Asylsuchende hatten erhoehtes Suizidrisiko, besonders im Zusammenhang mit Ablehnung/drohender Abschiebung; duenne, laenderspezifische Datenlage. erhoehte Suizidmortalitaet, Peak um Ablehnungsbescheid
  19. Pratt D et al. 2006, Lancet · Registerkohorte, N~244.000 Entlassene (Landmark) C
    Ehemalige Haeftlinge hatten stark erhoehtes Suizidrisiko nach Entlassung, bei Frauen bis ~36-fach ueber der Allgemeinbevoelkerung, konzentriert auf die ersten Wochen. SMR Suizid ~8 (Maenner), bei Frauen bis ~36-fach; Peak erste Wochen
  20. Zlodre J, Fazel S 2012, Am J Public Health · Meta-Analyse (18 Kohorten) C
    In der unmittelbaren Post-Release-Phase ist die Sterblichkeit inkl. Suizid und Drogenueberdosis stark erhoeht; die kritischste Zeit sind die ersten 14 Tage. massiv erhoehte Mortalitaet (Suizid + Ueberdosis) v.a. erste 1-2 Wochen
  21. Zaorsky NG et al. 2019, Nature Communications · Registerkohorte (~4,7 Mio Patienten) C
    Krebspatienten hatten insgesamt ~1,5-fach, bei prognostisch unguenstigen Tumoren bis ~4-fach erhoehtes Suizidrisiko gegenueber der Allgemeinbevoelkerung. SMR Suizid ~1,5-4; hoechste bei Lungen-, Kopf-Hals-, Pankreaskrebs
  22. Erlangsen A et al. / Webb RT et al. (Registerstudien, div.) · Registerkohorten (heterogen) C
    Mehrere schwere neurologische/chronische Diagnosen sind mit deutlich erhoehtem Suizidrisiko assoziiert, mit Risikospitze in der Zeit unmittelbar nach der Diagnose. ~2-5-fach erhoehtes Suizidrisiko je nach Erkrankung, Peak kurz nach Diagnose
  23. Milner A, Page A, LaMontagne AD 2013, PLoS One · Meta-Analyse (Kohortenstudien) C
    Arbeitslosigkeit war mit etwa 58% erhoehtem Suizidrisiko assoziiert, am staerksten in den ersten Jahren nach Jobverlust. RR Suizid ~1,58 (Meta); Risiko am hoechsten in ersten 5 Jahren
  24. Angelakis I et al. 2019, Psychological Medicine · Meta-Analyse (79 Studien, N>250.000) C
    Alle Formen der Kindesmisshandlung erhoehten Suizidgedanken und -versuche; sexueller und physischer Missbrauch zeigten die staerksten Assoziationen (OR ~3). OR ~3 fuer Suizidversuch (sexueller/physischer Missbrauch am staerksten); erhoehte Ideation
  25. Liu et al. 2020, Clinical Psychology Review · Systematische Meta-Analyse longitudinaler Studien C
    In Längsschnittstudien sagten Schlafprobleme prospektiv spätere Suizidgedanken (OR ~1,5), -versuche und -tode voraus, unabhängig vom Querschnittsdesign. gepoolte OR ~1,5–2 je Outcome
  26. z.B. Luxton/Comtois-Reviews; NCISH-Berichte (While et al.) · Reviews + nationale Auditdaten C
    Ausbleibender oder verspaeteter Nachsorgekontakt nach Entlassung ist mit erhoehtem Suizid- und Wiederaufnahmerisiko assoziiert; die kritische Luecke liegt in der ersten Woche. Fruehes Follow-up (i.d.R. <=7 Tage) mit reduziertem Suizid-/Wiederaufnahmerisiko assoziiert; Effektgroessen heterogen, Richtung konsistent schuetzend
  27. Collaborative Longitudinal Study of Personality Disorders (BPD criteria & suicide attempts, 10-year) · prospektive Multizenter-Kohorte, 10 J. Follow-up C
    Ueber 10 Jahre CLPS war das BPD-Kriterium 'wiederkehrendes suizidales/selbstverletzendes Verhalten' der staerkste Einzelpraediktor spaeterer Suizidversuche - vergangenes Selbstverletzungsverhalten sch Selbstverletzungs-/Suizidkriterium als staerkster Praediktor kuenftiger Versuche
  28. Kumar MB & Tjepkema M, Statistics Canada (National Household Survey cohort) · Census-verknuepfte Kohorte (2011 NHS mortality follow-up) C
    Inuit in Kanada haben je nach Region eine bis ~9-fach hoehere Suizidrate als die nicht-indigene Bevoelkerung, Extremwerte bei jungen Maennern. Suizidrate ~5-9x der nicht-indigenen Bevoelkerung
  29. Gunnell D, Loefving S, Gustafsson JE, Allebeck P, J Affect Disord · Zwei nationale Geburts-/Schuelerkohorten, Follow-up C
    In zwei schwedischen nationalen Schuelerkohorten war niedrige Schulleistung mit einem mehrfach erhoehten Suizidrisiko im jungen Erwachsenenalter verbunden, teils unabhaengig vom sozialen Hintergrund. Erhoehtes Suizidrisiko im jungen Erwachsenenalter (HR-Groessenordnung ~2-3 fuer niedrigste Leistungsgruppe)
  30. Foulon C, Guelfi JD, Kipman A, et al., European Psychiatry · Klinische Verlaufs-/Querschnittsstudie B
    Der Übergang von der restriktiven zur Binge-Purge-Form der AN markiert eine kritische Phase mit gehäuften Suizidversuchen - ein dynamischer, verlaufsbezogener Risikomarker statt statischer Diagnose. Subtyp-Wechsel zu Binge-Purge häufig mit Suizidversuchen assoziiert (Assoziationsstudie)
  31. Reviewlage (keine belastbare Meta), heterogen · Reviews/Beobachtungsstudien C
    Regulaerer Ruhestand erhoeht das Suizidrisiko nicht eindeutig; problematisch sind vor allem unfreiwillige oder gesundheitsbedingte Fruehverrentungen (Evidenz schwach, umstritten). uneinheitlich; regulaerer Ruhestand kein/kaum Effekt, unfreiwillige/Fruehverrentung erhoeht Risiko
Abhängigkeit · GKV ↔ Digitale Steuerung

Digitale Zugänge wirken nur mit gleichwertigem analogem und assistiertem Weg.

Geprüfte Kernbelege · gegen die Primärquelle verifiziert

57 % berichteten, trotz Symptomen bewusst auf Arztbesuche verzichtet zu haben – ein direkter Beleg für Kommunikationsbarrieren.

Befragung gehörloser und schwerhöriger Erwachsener (n = 383) BefragungDEAussagenähe: Ausgangsrisiko

Aussagegrenze: Selbstbericht; Fokus Hörbehinderung.

Hintergrundkorpus (nicht tragend) · 53 thematisch zugeordnete Studien
  1. Torok M et al. 2020, Lancet Digital Health · Meta-Analyse, 14 RCTs A
    Digitale Interventionen senken Suizidgedanken leicht, zeigen aber keinen belegten Effekt auf Selbstverletzung oder Suizidversuche. Suizidgedanken g ~-0,10 bis -0,29 (klein, signifikant); Selbstverletzung/Versuch: kein signifikanter Effekt
  2. Kim CY, Ha A, Shim SR et al., JAMA Netw Open · Systematische Review + Meta-Analyse, 5.692.769 Personen A
    Sehbehinderte haben ueber alle Endpunkte hinweg rund 2-2,5-fach erhoehtes Suizidrisiko, inkl. vollendetem Suizid; hoechstes Risiko bei Jugendlichen. Suizidverhalten OR 2,49 (1,71-3,63); Ideation OR 2,01 (1,62-2,50); Suizidtod OR 1,89 (1,32-2,71)
  3. Franklin JC et al. 2017, Psychological Bulletin · Meta-Analyse, 365 Studien, ~3.4 Mio. Personen A
    Nach 365 Studien ueber 50 Jahre sagen einzelne Risikofaktoren suizidales Verhalten kaum besser als der Zufall voraus und die Vorhersagekraft hat sich nicht verbessert. Gewichtete mittlere OR ~1.5-2.0; diagnostische Genauigkeit nahe Zufall (kein Faktor deutlich ueber Chance)
  4. Large M et al. 2016, PLoS ONE · Meta-Analyse, 37 Kohortenstudien A
    Die Hochrisiko-Kategorie hat trotz statistisch erhoehter OR keinen praktischen Vorhersagewert; die Mehrheit der Suizide entfaellt auf als Niedrigrisiko eingestufte Patienten. Gepoolte OR ~4.8 (95% KI 3.9-6.0) fuer Hochrisiko; ~95% der Hochrisiko-Patienten sterben NICHT durch Suizid, ~50% der Suizide aus Niedrigrisiko-Gruppe
  5. Carter G et al. 2017, British Journal of Psychiatry · Systematisches Review/Meta-Analyse von PPV A
    Risikoskalen erreichen im Mittel nur ~5% positiven Vorhersagewert und sind fuer Triage-Entscheidungen ungeeignet. Gepoolter PPV ~5.5% (Metaanalyse der PPV); Sensitivitaet gering
  6. Chan MKY et al. 2016, British Journal of Psychiatry · Systematisches Review, mehrere Kohorten A
    Kein Risikoinstrument sagt Suizid nach Selbstverletzung zuverlaessig voraus; Skalen sollten Klinik nicht ersetzen. Keine Skala mit ausreichender prognostischer Genauigkeit; klinische Gesamteinschaetzung nicht unterlegen
  7. Runeson B et al. 2017, PLoS ONE · Systematisches Review, GRADE A
    Die Evidenz fuer alle gaengigen Suizidrisiko-Instrumente wird als sehr niedrig eingestuft; keine Empfehlung fuer alleinige klinische Nutzung. Sensitivitaet/Spezifitaet stark schwankend; Evidenzsicherheit 'sehr niedrig' (GRADE)
  8. McHugh CM et al. 2019, BJPsych Open · Meta-Analyse mehrerer Kohorten A
    Suizidgedanken haben als Einzelpraediktor fuer vollendeten Suizid einen niedrigen positiven Vorhersagewert; viele Suizide erfolgen ohne zuvor berichtete Ideation. Gepoolter PPV niedrig; hohe Sensitivitaet aber sehr geringe Spezifitaet fuer spaeteren Suizid
  9. Belsher BE et al. 2019, JAMA Psychiatry · Systematisches Review, 17 Modelle + Simulation A
    ML-Modelle erreichen hohe AUC-Werte, liefern aber wegen niedriger Basisrate sehr niedrige positive Vorhersagewerte und sind aktuell nicht praxisreif. AUC oft 0.80-0.90, aber PPV in realistischer Praevalenz meist <1-5%; Simulation zeigt geringe klinische Trefferquote
  10. Simon GE et al. 2018, American Journal of Psychiatry · Kohorte, ~2,96 Mio. Patienten, ~20 Mio. Besuche A
    Ein ML-Modell aus Routinedaten konzentrierte einen Grossteil der spaeteren Suizidhandlungen in den obersten 5% der Risikoverteilung. Top-5%-Risikogruppe enthielt ~43% der spaeteren Suizidversuche und ~48% der Suizidtode; AUC ~0.85
  11. Kessler RC et al. 2015, Molecular Psychiatry · Nationale Kohorte, 40.820 Hospitalisierungen A
    Ein administratives ML-Modell buendelte ueber die Haelfte der Post-Entlassungs-Suizide in den obersten 5% der Risikoscores. 5% hoechstes Risiko = ~52% der Suizide in den 12 Monaten nach Entlassung
  12. Walsh CG, Ribeiro JD, Franklin JC 2017, Clinical Psychological Science · Retrospektive Kohorte, ~5.000 Faelle A
    Die Vorhersagegenauigkeit von ML-Modellen steigt, je naeher der Vorhersagezeitpunkt am Ereignis liegt, was auf kurzfristige Dynamik statt stabile Traits verweist. AUC steigt von ~0.80 (2 Jahre vorher) auf ~0.84-0.86 (Woche vorher)
  13. Kleiman EM et al. 2017, Journal of Abnormal Psychology · EMA-Studie, 2 Stichproben (N~54 und N~36) A
    Suizidgedanken fluktuieren dramatisch ueber Stunden hinweg, wodurch punktuelle Erhebungen (z.B. bei Aufnahme) die Dynamik systematisch verfehlen. Ideation schwankt stark innerhalb von Stunden; grosse Within-Person-Varianz, Standardpraediktoren erklaeren Level, nicht Fluktuation
  14. van Geel M, Vedder P, Tanilon J 2014, JAMA Pediatrics · Meta-Analyse, 34 Studien, ~284.000 Jugendliche A
    Cybermobbing-Opfer haben ein rund 2,5-fach erhoehtes Risiko fuer Suizidgedanken; Cybermobbing war staerker mit Ideation assoziiert als traditionelles Mobbing. OR ~2.57 (Suizidgedanken) fuer Cybermobbing-Opfer vs. Nicht-Opfer
  15. John A et al. 2018, Journal of Medical Internet Research · Systematisches Review, 33 Studien A
    Sowohl Opfer als auch Taeter von Cybermobbing zeigen erhoehtes Risiko fuer Selbstverletzung und suizidales Verhalten. Cybermobbing-Opfer >2x hoeheres Risiko fuer Selbstverletzung/suizidales Verhalten; auch Taeter erhoehtes Risiko
  16. Twenge JM et al. 2018, Clinical Psychological Science · Querschnitt/Trend, >500.000 Jugendliche A
    Ansteigende Bildschirmzeit korrelierte auf Populationsebene mit steigenden depressiven Symptomen und suizidbezogenen Outcomes bei Jugendlichen - Kausalitaet umstritten. Assoziation zwischen hoher Screen-Time und suizidbezogenen Outcomes; oekologischer Anstieg parallel zu Smartphone-Verbreitung ab 2010
  17. Niederkrotenthaler T et al. 2020, BMJ · Systematisches Review/Meta-Analyse, 31+ Studien A
    Berichterstattung ueber Prominenten-Suizide erhoeht die Suizidrate messbar (Werther-Effekt), waehrend bewaeltigungsorientierte Berichte schuetzen (Papageno-Effekt). Prominenten-Suizidberichterstattung: +8 bis +18% Suizide (im Mittel ~+13%) in den Folgewochen; Methodenberichte protektiv (Papageno)
  18. Bridge JA et al. 2020, J Am Acad Child Adolesc Psychiatry · Zeitreihenanalyse (CDC-Mortalitaetsdaten) A
    Nach dem Serienstart stieg die Jugend-Suizidrate in den USA kurzfristig an - der Zusammenhang ist jedoch statistisch umstritten und methodisch kritisiert. Anstieg der Suizidrate bei 10-17-Jaehrigen im Monat nach Release (~+28,9% im April 2017 vs. Prognose); Befund kontrovers/reanalysiert
  19. Marchant A et al. 2017, PLoS ONE · Systematisches Review, 46 Studien A
    Internet- und Forennutzung wirkt ambivalent - teils risikoerhoehend durch Kontagion und Methodendiffusion, teils protektiv durch Peer-Support. Kein einheitlicher Effekt: Foren koennen sowohl Kontagion/Normalisierung als auch Unterstuetzung/Hilfe vermitteln
  20. Hawton K, Hill NTM, Gould M et al. 2020, Lancet Child & Adolescent Health · Narratives/systematisches Review A
    Punkt-Cluster (raeumlich-zeitliche Haeufungen) sind bei Jugendlichen ueberproportional haeufig und deuten auf Kontagionsmechanismen hin. Cluster machen ~1-5% der Jugendsuizide aus; erhoehtes Risiko in raeumlich-zeitlicher Naehe zu einem Indexsuizid
  21. McClelland, Evans, Nowland, Ferguson, O'Connor 2020, J. Affect. Disord. · systematischer Review + Meta-Analyse prospektiver Studien A
    Meta-Analyse prospektiver Studien: Einsamkeit sagt spaetere Suizidgedanken und suizidales Verhalten voraus, unabhaengig von, aber teils ueberlappend mit Depression. prospektiv signifikant positiv, moderater Effekt (KI nicht sicher erinnert)
  22. Schwedische nationale Kohorte 2026, Scientific Reports (in Traditionslinie Appleby 1991, BMJ) · Nationale Registerkohorte A
    Die Suizid- und Suizidversuchsrate ist waehrend der Schwangerschaft markant niedriger als bei nicht-schwangeren Frauen gleichen Alters, mit steilem Anstieg nach Entbindung (Diskontinuitaets-Muster). protektiv (deutlich reduzierte Suizidrate waehrend der Schwangerschaft; Effektstaerke landmark-abhaengig)
  23. Freeman A et al., BMC Psychiatry · Cross-nationale Fall-Kontroll-Analyse von Suizidversuchen A
    Der Geschlechterunterschied in der Sterblichkeit erklaert sich wesentlich ueber die Wahl letalerer Methoden durch Maenner, nicht primaer ueber staerkere Suizidabsicht. Groesserer Anteil der Mortalitaetskluft durch Methodenletalitaet erklaert (Intent-Unterschiede gering)
  24. Turban JL et al., Pediatrics · Retrospektiver Querschnitt, N=20.619 Transgender-Erwachsene A
    Retrospektiv war Zugang zu Pubertaetssuppression mit geringeren Lebenszeit-Suizidgedanken assoziiert (aOR ~0,3); Kausalitaet umstritten (retrospektiv, Selektionsbias). aOR ~0,3 fuer Lebenszeit-Suizidgedanken (Zugang = protektiv)
  25. Steelesmith DL et al., JAMA Network Open · Oekologische Panelanalyse aller US-Counties 1999-2016 A
    Laendliche Counties, hohe Deprivation, geringere soziale Fragmentierung-Umkehr und hoher Waffenbesitz sind mit hoeheren Suizidraten verbunden. Hoehere county-level Suizidraten mit Ruralitaet, Deprivation und Waffenbesitz assoziiert
  26. Ruch DA et al., JAMA Network Open · Nationale Trendanalyse 1975-2016 (10-19 J.) A
    Zwischen 1975 und 2016 stiegen die Suizidraten junger Maedchen (10-14 J.) prozentual am staerksten, wodurch sich die traditionelle Geschlechterkluft verengt. Staerkster relativer Ratenanstieg; Verengung der Geschlechterkluft
  27. Case A & Deaton A, PNAS · Bevoelkerungsweite Mortalitaetsanalyse A
    Weisse Amerikaner mittleren Alters ohne Collegeabschluss zeigten 1999-2013 steigende Mortalitaet durch 'deaths of despair', inkl. Suizid - konzentriert nach Bildung/Sozialstatus. Steigende Midlife-Mortalitaet inkl. Suizid, gegen internationalen Trend
  28. Calati R, Ferrari C, Brittner M et al., J Affect Disord · Narrative Review zahlreicher Studien A
    Narrative Review: Soziale Isolation, Alleinleben und subjektive Einsamkeit waren durchgaengig mit Suizidgedanken, -versuchen und Suizid assoziiert. Konsistente positive Assoziation von Isolation und Einsamkeit mit Suizidgedanken und -verhalten (narrative Synthese)
  29. Hirvikoski et al. 2016, British Journal of Psychiatry 208(3):232–238 · Bevölkerungsbasierte Kohorte, 27.122 ASS-Probanden vs. 2.672.185 Kontrollen A
    Menschen mit Autismus starben rund 2,5-fach häufiger vorzeitig; Suizid war eine der Haupttodesursachen im 'high-functioning'-Bereich, mit Geschlechts- und IQ-Moderation. Gesamtmortalitäts-OR 2.56 (95% KI 2.38–2.76); Suizid einer der führenden vermeidbaren Todesursachen, besonders bei ASS ohne Intelligenzminderung und bei Frauen
  30. Cassidy et al. 2014, The Lancet Psychiatry 1(2):142–147 · Klinische Querschnittskohorte, n=374 Erwachsene mit Asperger A
    Zwei Drittel autistischer Erwachsener berichteten Suizidgedanken und ein gutes Drittel Pläne/Versuche – ein Vielfaches der Allgemeinbevölkerung. 66% lebenszeitliche Suizidgedanken (vs. ~17% Allgemeinbevölkerung); 35% mit Suizidplänen oder -versuchen
  31. Newell et al. 2023, Molecular Autism 14:12 · Systematisches Review & Meta-Analyse A
    Gerade Autist:innen ohne Intelligenzminderung – häufig spät diagnostiziert – tragen eine besonders hohe Suizidalitätslast, was der Alltagsannahme 'schwerer betroffen = höheres Risiko' widerspricht. Deutlich erhöhte gepoolte Prävalenz von Ideation und Versuchen ggü. Allgemeinbevölkerung (Meta-Analyse mehrerer Studien)
  32. Septier et al. 2019, Neuroscience & Biobehavioral Reviews 103:109–118 · Meta-Analyse, bis zu 44 Studien, >228.000 Personen A
    ADHS war mit stark erhöhtem Risiko über das gesamte Suizidspektrum assoziiert, am stärksten für den vollendeten Suizid (fast 7-fach). Vollendeter Suizid OR 6.69 (95% KI 3.24–17.39); Suizidgedanken OR 3.53 (2.94–4.25); Suizidversuche OR 2.35 (1.64–3.43)
  33. Garas et al. 2025, Brain and Behavior 15:e70618 · Systematisches Review & Meta-Analyse (Längsschnittstudien) A
    Aktuelle Längsschnitt-Meta-Analyse bestätigt: ADHS im Kindesalter sagt späteres Suizidverhalten voraus, weit über allgemeine Impulsivität hinaus. Signifikant erhöhtes gepooltes Risiko für Suizidversuch/-verhalten (>2-fach; genaue Poolwerte in Sitzung nicht einzeln verifiziert)
  34. Chen et al. 2017, Journal of Child Psychology and Psychiatry (Taiwan-Kohorte) · Landesweite Kohorte, ADHS-Jugendliche A
    Anders als oft befürchtet war Stimulanzien-Behandlung nicht mit mehr, sondern mit weniger Suizidverhalten assoziiert – wichtig gegen Behandlungsvermeidung. Reduziertes Suizidrisiko unter Methylphenidat (protektive Assoziation; within-individual/Kohorten-Design)
  35. O'Connor et al. 2019, Birth Defects Research 111(12):822–828 · Klinische Kohorte, Jugendliche mit FASD A
    Jugendliche mit FASD berichteten doppelt so häufig Suizidgedanken und fünffach häufiger ernste Suizidversuche wie Gleichaltrige. Suizidgedanken 35,2% (vs. 17,2% Allgemeinbevölkerung, ~2-fach); ernste Suizidversuche 13,0% (vs. 2,4%, ~5-fach)
  36. Tan et al. 2025, Alcohol, Clinical and Experimental Research · Klinische Kohorte, Kinder/Jugendliche mit FASD A
    In einer aktuellen australischen Kohorte war Suizidalität bei FASD eng an vermeidbare psychosoziale Belastungen und Komorbiditäten gekoppelt. Erhöhte Suizidalitätsraten; Risikofaktoren u.a. psychiatrische Komorbidität, Missbrauchserfahrungen, instabile Betreuung (Assoziationsanalyse)
  37. Lindstedt et al. 2026, Journal of Intellectual Disability Research 70 · Systematisches Review & Meta-Analyse A
    Suizidalität und Selbstverletzung sind bei leichter Intelligenzminderung erhöht, während schwere Formen seltener erfasst werden – ein diagnostisches Übersehen, kein echtes Fehlen. Erhöhte Prävalenz von Selbstverletzung und Suizidalität, v.a. bei leichter ID; bei schwerer/profunder ID niedrigere gemeldete Raten (auch Erhebungsartefakt)
  38. prospektive Kohorte 2025, Journal of Affective Disorders (96.158 chin. Jugendliche) · Populationsbasierte Kohorte, N=96.158 C
    In einer sehr grossen Adoleszentenkohorte prognostiziert Internet-Gaming-Disorder das Neuauftreten und die Verschlechterung von Suizidgedanken. IGD sagt Inzidenz, Persistenz und Verschlechterung von Suizidgedanken voraus (adjustiert; exakte OR/HR unbestaetigt)
  39. Is suicidal behavior in ASPD better accounted for by comorbid BPD (epidemiol. Analyse) · epidemiologische Sekundaeranalyse grosser Survey-Daten C
    Das Suizidrisiko bei antisozialer PS wird zu grossen Teilen durch die haeufige komorbide Borderline-PS getragen - die Cluster-B-Ueberlappung ist der gemeinsame Nenner, nicht ASPD als isolierte Diagnos suizidales Verhalten bei ASPD weitgehend durch komorbide BPD erklaerbar
  40. WHO (Suicide worldwide in 2019) / GBD 2019 · Deskriptive globale Mortalitaetsstatistik (Schaetzung ~703.000 Suizide/Jahr) C
    Maenner sterben global ~2-3x haeufiger durch Suizid, waehrend Frauen mehr nicht-toedliche Versuche unternehmen (umgekehrtes Verhaeltnis bei Ideation/Versuch). Suizidmortalitaet Maenner ca. 2,3:1 global; regional bis >4:1 (Osteuropa)
  41. AIHW / ABS Causes of Death nationale Statistik · Nationale Mortalitaetsstatistik C
    Indigene Australier sterben etwa doppelt so haeufig durch Suizid wie nicht-indigene, mit besonders hoher Belastung junger Menschen. Suizidrate ~2x der nicht-indigenen; bei Jugendlichen deutlich hoeher
  42. CDC WISQARS / nationale Mortalitaetsstatistik · Deskriptive nationale Mortalitaetsstatistik C
    In den USA und vielen westlichen Laendern haben Maenner ab 85 Jahren die hoechste altersspezifische Suizidrate ueberhaupt. Hoechste altersspezifische Suizidrate aller Gruppen (z.B. USA Maenner 85+)
  43. Fässberg MM et al., systematischer Review (Aging & Mental Health / Int J Environ Res Public Health) · Systematischer Review sozialer Faktoren im Alter C
    Soziale Isolation, Einsamkeit und Funktionsverlust sind robuste, modifizierbare Risikofaktoren fuer suizidales Verhalten im Alter - oft staerker als koerperliche Krankheit allein. Konsistent positive Assoziation mit suizidalem Verhalten (Review-Evidenz)
  44. Cassidy et al. 2022, British Journal of Psychiatry 221(5):683–691 · Coroner-Aktenstudie, n=372 Suizidsterbefälle B
    In einer Analyse von Suizidsterbefällen zeigten rund 10% Hinweise auf (überwiegend nicht diagnostizierten) Autismus – Hinweis auf massive Unterdiagnostik als Risikofaktor. ~10% der Suizidtoten mit Hinweisen auf erhöhte autistische Züge (weit über der ~1–2% Bevölkerungsprävalenz diagnostizierten Autismus)
  45. Kõlves et al. 2021, JAMA Network Open 4(1):e2033565 · Bevölkerungskohorte, >6 Mio. Personen, 35.020 mit ASS B
    Autismus war mit rund verdreifachtem Suizidverhaltensrisiko assoziiert, wobei Frauen mit ASS ein überproportional hohes relatives Risiko trugen. Inzidenzraten-Ratio für Suizidversuch/-tod ~3-fach erhöht; relatives Risiko bei Frauen mit ASS besonders stark erhöht
  46. O'Halloran et al. 2022, Clinical Psychology Review 93:102144 · Systematisches Review & Meta-Analyse C
    Bereits im Kindes- und Jugendalter ist Suizidalität bei Autismus deutlich häufiger als bei nicht-autistischen Gleichaltrigen. Erhöhte gepoolte Prävalenz von Ideation, Versuchen und Selbstverletzung (genaue Poolwerte in Sitzung nicht verifiziert)
  47. Sun et al. 2019, The British Journal of Psychiatry (nationale Längsschnittstudie) · Landesweite Längsschnittkohorte C
    ADHS erhöhte das Suizidversuchsrisiko im jungen Erwachsenenalter, wobei komorbide Störungen (v.a. bipolar) den Haupttreiber bildeten. Erhöhte Hazard Ratio für Suizidversuch; Komorbiditäten (bipolar, Substanz) potenzieren das Risiko deutlich
  48. Fernández de la Cruz et al. 2017, Biological Psychiatry 82(2):111–118 · Kohorte, 7.736 Patienten vs. 77.360 Kontrollen B
    Menschen mit Tourette/chronischen Tics starben mehr als 4-fach häufiger durch Suizid – auch unabhängig von Begleiterkrankungen. Suizidtod-OR ~4,4 (über 4-fach erhöht); Zusammenhang blieb nach Adjustierung für psychiatrische Komorbidität signifikant
  49. Sörberg Wallin et al. 2018, u.a. auf Basis schwedischer Konskriptionsdaten · Große Längsschnittkohorte junger Männer C
    Über große Konskriptionskohorten hinweg sagt niedrigere kognitive Leistung ein höheres späteres Suizidrisiko voraus – Kognition als unterschätzter Vulnerabilitätsmarker. Inverse Assoziation: niedrigerer IQ mit erhöhtem späteren Suizidrisiko (dosisabhängiger Gradient; HR pro SD erhöht)
  50. Systematisches Review & gepoolte Analyse 2024, eClinicalMedicine (Lancet) · Systematisches Review & gepoolte Analyse C
    Nicht Autismus allein, sondern die Kombination mit Depression und ADHS treibt die höchste Suizidalitätslast – ein Argument für integrierte statt siloartige Versorgung. Selbstverletzung/Suizidalität am stärksten erhöht bei zusätzlicher Depression bzw. ADHS-Komorbidität (gepoolte Analyse)
  51. Czyz EK, King CA, Nahum-Shani I 2018, Journal of Consulting and Clinical Psychology (Bereich) · EMA-Studie, Hochrisiko-Jugendliche C
    Bei Hochrisiko-Jugendlichen schwankt Ideation kurzfristig erheblich und laesst sich per EMA teils prospektiv abbilden. Naechtliche/tageszeitliche Schwankungen; kurzfristige Anstiege sagen naheliegende Ideation voraus (within-person)
  52. Coppersmith G et al. 2018, Biomedical Informatics Insights (Bereich) · Methodenstudie/Review, Social-Media-Korpora C
    NLP-Verfahren erkennen sprachliche Risikomarker mit moderater Genauigkeit, scheitern aber wie andere ML-Ansaetze an der niedrigen Basisrate im realen Einsatz. Sprachmarker (Sentiment, Pronomen, absolutistische Begriffe) verbessern Klassifikation moderat; PPV in Feldbedingungen begrenzt
  53. Cassidy et al. 2018, Molecular Autism 9:42 · Querschnitt, n=164 autistische Erwachsene B
    Das Verbergen autistischer Merkmale ('Masking') war ein eigenständiger Prädiktor für Suizidalität – ein für spät-/unterdiagnostizierte Frauen zentraler, oft übersehener Mechanismus. Camouflaging und unerfüllte Unterstützungsbedarfe unabhängig mit Suizidalität assoziiert (Regressionsmodell; kein einfaches Effektmaß)
Lastenverlagerung · GKV ↔ Pflege

Verlagerung auf gesundheitlich gefährdete, überwiegend weibliche Angehörige.

Geprüfte Kernbelege · gegen die Primärquelle verifiziert

Nicht das Pflegen selbst, sondern subjektiv erlebte Überlastung (Strain) ist mit erhöhter Morbidität und Depression verbunden; die Gesamtsterblichkeit pflegender Angehöriger ist im Mittel nicht erhöht.

Roth, Fredman & Haley 2015, The Gerontologist · Überblick über bevölkerungsbasierte Kohorten IISpur Ageprüft ✓Aussagenähe: Versorgungsmechanismus

Aussagegrenze: Belegt: Belastung wirkt über Strain (Morbidität), nicht über pauschale Mortalität; überwiegend ältere Pflegende. Quelle öffnen ↗

Hintergrundkorpus (nicht tragend) · 34 thematisch zugeordnete Studien
  1. Kaufman JA, Salas-Hernandez LK, Komro KA, Livingston MD, J Epidemiol Community Health · Difference-in-differences Panel, alle US-Staaten 1990-2015 A
    Quasi-experimentelle US-Analyse: Ein hoeherer Mindestlohn war mit sinkenden Suizidraten bei Erwachsenen mit hoechstens Highschool-Abschluss verbunden, besonders in Zeiten hoher Arbeitslosigkeit (naehe $1 hoeherer Mindestlohn assoziiert mit ~3.5-6% niedrigerer Suizidrate bei gering Gebildeten (bei hoher Arbeitslosigkeit)
  2. Yao S, Kuja-Halkola R, Thornton LM, et al. 2016, JAMA Psychiatry · Populationsregister-Familienstudie A
    Essstörungen und Suizidversuche teilen eine familiäre (teils genetische) Haftung - Angehörige von Essstörungs-Patienten haben ein erhöhtes Suizidversuchsrisiko, was auf gemeinsame Ätiologie statt rein erhöhtes Suizidversuchsrisiko bei Angehörigen; gemeinsame familiäre Haftung zwischen Essstörung und Suizidversuch
  3. Fan et al. 2024, Journal of Advanced Nursing (Meta-Analyse) · Systematischer Review + Meta-Analyse A
    Neben dem Suizidtod sind auch Suizidgedanken und -versuche bei Diabetes signifikant erhoeht; Insulin ist ein niederschwellig verfuegbares Mittel. erhoehte Praevalenz von Suizidgedanken und -versuchen (gepoolt, Volltext)
  4. Davis MA et al. 2021, JAMA Psychiatry · Nationale Kohorte/Register, >150.000 Suizide A
    Weibliche Pflegekraefte haben eine etwa doppelt so hohe Suizidrate wie die weibliche Allgemeinbevoelkerung; Vergiftung als Methode ueberrepraesentiert (Medikamentenzugang). Suizidrate Pflegerinnen ~17,1 vs. 8,6 pro 100.000 (IRR ~ 1,7-2,0)
  5. Tomasi SE et al. 2019, J Am Vet Med Assoc (JAVMA) · Register-/Sterbeurkundenanalyse, 398 Suizide A
    Tieraerztinnen sterben 3,5-fach, Tieraerzte 2,1-fach haeufiger durch Suizid als die Bevoelkerung; Zugang zu Euthanasie-Barbituraten zentral. PMR Frauen 3,5 (2,3-5,1); Maenner 2,1 (1,6-2,7)
  6. Peterson C et al. 2020, MMWR (CDC) · Oekologisch, berufsbezogene Raten, ~20.000 Suizide A
    Bau- und Rohstoffgewinnungsberufe weisen die hoechste Suizidrate aller maennlichen Berufsgruppen auf, deutlich ueber dem Bevoelkerungsschnitt. Suizidrate ~49 pro 100.000 (hoechste maennliche Berufsgruppe)
  7. Klingelschmidt J et al. 2018, Scand J Work Environ Health · Meta-Analyse, 65 Studien A
    Systematische Meta-Analyse zeigt erhoehte Suizidraten bei Landwirten, u.a. durch Pestizidzugang, Isolation, oekonomischen Druck und Wetter-/Marktrisiken. gepoolt erhoehtes Suizidrisiko, insb. Maenner (Effekt heterogen)
  8. Stanley IH et al. 2016, Clinical Psychology Review · Systematic Review, 63 Studien A
    Rund ein Viertel der Einsatzkraefte berichtet Suizidgedanken im Lauf des Lebens; SuizidTOD-Raten sind gegenueber der Bevoelkerung uneinheitlich (teils erhoeht, teils nicht) - Effekt umstritten. Lebenszeit-Suizidgedanken ca. 25%; Versuch ca. 3-5%
  9. Milner A, Page A, LaMontagne AD 2013, PLoS ONE · Meta-Analyse, 16 Kohortenstudien A
    Arbeitslose haben ein ~1,6-fach erhoehtes Suizidrisiko, doch ein erheblicher Teil erklaert sich durch vorbestehende psychische Erkrankung (Selektion) - Kausalanteil kleiner als der Rohwert. RR ~1,58; nach Adjustierung fuer Vorerkrankung deutlich abgeschwaecht
  10. Ribeiro et al. 2012, J Affect Disord · prospektive Militär-Stichprobe A
    Bei Militärangehörigen übertrafen Schlafprobleme Depression und Hoffnungslosigkeit als quer- und längsschnittliche Prädiktoren suizidaler Gedanken/Verhalten. Schlaf prädiktiver als Depression/Hoffnungslosigkeit
  11. Freeman A et al., BMC Psychiatry · Cross-nationale Fall-Kontroll-Analyse von Suizidversuchen A
    Der Geschlechterunterschied in der Sterblichkeit erklaert sich wesentlich ueber die Wahl letalerer Methoden durch Maenner, nicht primaer ueber staerkere Suizidabsicht. Groesserer Anteil der Mortalitaetskluft durch Methodenletalitaet erklaert (Intent-Unterschiede gering)
  12. Turban JL et al., Pediatrics · Retrospektiver Querschnitt, N=20.619 Transgender-Erwachsene A
    Retrospektiv war Zugang zu Pubertaetssuppression mit geringeren Lebenszeit-Suizidgedanken assoziiert (aOR ~0,3); Kausalitaet umstritten (retrospektiv, Selektionsbias). aOR ~0,3 fuer Lebenszeit-Suizidgedanken (Zugang = protektiv)
  13. Reger MA et al., JAMA Psychiatry · Retrospektive Kohorte, ~3,9 Mio. Servicemembers A
    Nicht der Kampfeinsatz, sondern das Ausscheiden aus dem Dienst und kurze Dienstzeit sind mit erhoehtem Suizidrisiko assoziiert - Deployment per se nicht. Deployment: kein signifikant erhoehtes Risiko; Separation & kurze Dienstzeit: HR erhoeht
  14. Schoenbaum M et al., JAMA Psychiatry (Army STARRS) · Kohorten-/Registeranalyse aktiver Soldaten (2004-2009) A
    Die Suizidrate der US-Army stieg zwischen 2004 und 2009 stark an und ueberschritt zeitweise die altersadjustierte zivile Rate. Anstieg der Suizidrate 2004-2009, teils ueber zivile Vergleichsrate
  15. Steelesmith DL et al., JAMA Network Open · Oekologische Panelanalyse aller US-Counties 1999-2016 A
    Laendliche Counties, hohe Deprivation, geringere soziale Fragmentierung-Umkehr und hoher Waffenbesitz sind mit hoeheren Suizidraten verbunden. Hoehere county-level Suizidraten mit Ruralitaet, Deprivation und Waffenbesitz assoziiert
  16. Ruch DA et al., JAMA Network Open · Nationale Trendanalyse 1975-2016 (10-19 J.) A
    Zwischen 1975 und 2016 stiegen die Suizidraten junger Maedchen (10-14 J.) prozentual am staerksten, wodurch sich die traditionelle Geschlechterkluft verengt. Staerkster relativer Ratenanstieg; Verengung der Geschlechterkluft
  17. Case A & Deaton A, PNAS · Bevoelkerungsweite Mortalitaetsanalyse A
    Weisse Amerikaner mittleren Alters ohne Collegeabschluss zeigten 1999-2013 steigende Mortalitaet durch 'deaths of despair', inkl. Suizid - konzentriert nach Bildung/Sozialstatus. Steigende Midlife-Mortalitaet inkl. Suizid, gegen internationalen Trend
  18. Milner A, Page A, LaMontagne AD, PLoS ONE · Systematische Review + Meta-Analyse (mehrere Kohortenstudien) A
    Meta-Analyse: Arbeitslosigkeit war mit deutlich erhoehtem Suizidrisiko assoziiert, am staerksten in den ersten Jahren nach Jobverlust, mit Abschwaechung ueber die Zeit. Gepooltes relatives Risiko Suizid ca. RR ~1.58 (Groessenordnung; hoechste Risiken in den ersten ~5 Jahren nach Arbeitslosigkeit)
  19. Blakely TA, Collings SC, Atkinson J, J Epidemiol Community Health · Census-verlinkte Kohorte, mehrere Mio. Personen-Jahre A
    In der neuseelaendischen Census-Kohorte war Arbeitslosigkeit mit ~2-3fach erhoehtem Suizidrisiko verbunden; rund die Haelfte des Effekts erklaerte sich durch Konfundierung (u.a. psychische Erkrankung) Rohes RR ~2-3; nach Adjustierung fuer psychische Erkrankung/Confounder etwa halbiert
  20. Richardson T, Elliott P, Roberts R, Clin Psychol Rev · Systematische Review + Meta-Analyse (65 Studien) A
    Meta-Analyse: Verschuldung war mit psychischen Stoerungen, Suizidgedanken und Suizid assoziiert; Verschuldete hatten ~3fach erhoehtes Risiko fuer psychische Stoerungen. Deutlich erhoehte Odds fuer Suizidalitaet; Suizid(tod) OR sehr hoch aber mit breitem KI (Einzelbefund unsicher)
  21. Iemmi V, Bantjes J, Coast E et al., Lancet Psychiatry · Systematische Review, Dutzende Studien A
    Systematische Review: In Laendern niedrigen/mittleren Einkommens waren Armut, wirtschaftliche Not und Verschuldung mehrheitlich mit erhoehter Suizidalitaet verbunden. Mehrheit der Studien zeigt positive Assoziation Armut - Suizidalitaet (Richtung konsistent, Effektgroessen heterogen)
  22. Calati R, Ferrari C, Brittner M et al., J Affect Disord · Narrative Review zahlreicher Studien A
    Narrative Review: Soziale Isolation, Alleinleben und subjektive Einsamkeit waren durchgaengig mit Suizidgedanken, -versuchen und Suizid assoziiert. Konsistente positive Assoziation von Isolation und Einsamkeit mit Suizidgedanken und -verhalten (narrative Synthese)
  23. Faessberg MM, van Orden KA, Duberstein P et al., Int J Environ Res Public Health · Systematische Review A
    Systematische Review: Bei aelteren Erwachsenen waren soziale Isolation, Einsamkeit und Familienkonflikte mit erhoehtem suizidalem Verhalten verbunden, waehrend soziale Teilhabe protektiv wirkte. Soziale Faktoren (Isolation, Einsamkeit, geringe soziale Teilhabe) als Risikofaktoren fuer suizidales Verhalten im Alter (qualitative Synthese)
  24. Jonsson U et al. / Rahman SG et al. (nordische Registerstudien, ca. 2013-2019) · Nationale Registerkohorten C
    Bezug einer Erwerbsminderungs-/Invaliditaetsrente - besonders wegen psychischer Erkrankung - ist mit stark erhoehtem Suizidrisiko assoziiert; Konfundierung durch Grunderkrankung ist zentral. deutlich erhoehtes Suizidrisiko (v.a. bei psychischer Diagnose)
  25. Windsor-Shellard B et al. / ONS 2017, Office for National Statistics · Nationale berufsbezogene Sterbestatistik C
    Einzelne kuenstlerische und Kulturberufe zeigen erhoehte Suizidraten; Evidenz ist aggregiert-oekologisch und durch prekaere Beschaeftigung/Einkommensvolatilitaet mitbestimmt. teils erhoehte berufsspezifische Suizidraten (aggregiert)
  26. WHO (Suicide worldwide in 2019) / GBD 2019 · Deskriptive globale Mortalitaetsstatistik (Schaetzung ~703.000 Suizide/Jahr) C
    Maenner sterben global ~2-3x haeufiger durch Suizid, waehrend Frauen mehr nicht-toedliche Versuche unternehmen (umgekehrtes Verhaeltnis bei Ideation/Versuch). Suizidmortalitaet Maenner ca. 2,3:1 global; regional bis >4:1 (Osteuropa)
  27. Kumar MB & Tjepkema M, Statistics Canada (National Household Survey cohort) · Census-verknuepfte Kohorte (2011 NHS mortality follow-up) C
    Inuit in Kanada haben je nach Region eine bis ~9-fach hoehere Suizidrate als die nicht-indigene Bevoelkerung, Extremwerte bei jungen Maennern. Suizidrate ~5-9x der nicht-indigenen Bevoelkerung
  28. AIHW / ABS Causes of Death nationale Statistik · Nationale Mortalitaetsstatistik C
    Indigene Australier sterben etwa doppelt so haeufig durch Suizid wie nicht-indigene, mit besonders hoher Belastung junger Menschen. Suizidrate ~2x der nicht-indigenen; bei Jugendlichen deutlich hoeher
  29. CDC WISQARS / nationale Mortalitaetsstatistik · Deskriptive nationale Mortalitaetsstatistik C
    In den USA und vielen westlichen Laendern haben Maenner ab 85 Jahren die hoechste altersspezifische Suizidrate ueberhaupt. Hoechste altersspezifische Suizidrate aller Gruppen (z.B. USA Maenner 85+)
  30. Fässberg MM et al., systematischer Review (Aging & Mental Health / Int J Environ Res Public Health) · Systematischer Review sozialer Faktoren im Alter C
    Soziale Isolation, Einsamkeit und Funktionsverlust sind robuste, modifizierbare Risikofaktoren fuer suizidales Verhalten im Alter - oft staerker als koerperliche Krankheit allein. Konsistent positive Assoziation mit suizidalem Verhalten (Review-Evidenz)
  31. Wang CW, Chan CLW, Yip PSF, Soc Psychiatry Psychiatr Epidemiol · Nationale Mortalitaetstrend-Analyse 2002-2011 C
    China war lange die grosse Ausnahme des Geschlechterparadoxes (hoehere Raten bei laendlichen jungen Frauen); Urbanisierung und eingeschraenkter Pestizidzugang fuehrten zu einem der staerksten Suizidru Historisch Frauen-Mehrheit bei Suizid; seither drastischer Rueckgang (>60%)
  32. Phillips JA, Hempstead K, Am J Prev Med · Nationale Mortalitaets-Trendanalyse nach Bildung C
    In den USA lagen die Suizidraten bei Personen mit niedrigem Bildungsniveau deutlich hoeher und stiegen 2000-2014 staerker an als bei Hochgebildeten (wachsendes Bildungsgefaelle). Deutlich hoehere und staerker steigende Suizidraten bei niedriger Bildung; wachsende Bildungskluft 2000-2014
  33. Rehkopf DH, Buka SL, Psychol Med · Systematische Review (86 Studien) C
    Systematische Review: Die meisten Studien fanden hoehere Suizidraten in sozial staerker deprivierten Gebieten, wobei individuelle vs. kontextuelle Effekte schwer trennbar sind (Oekologiefehlschluss-Pr Mehrheit der Studien: hoehere Suizidraten in staerker deprivierten Gebieten (Richtung konsistent, Groesse heterogen)
  34. Conway PM et al. 2016, u.a. (Praesentismus-Depression-Literatur) · Laengsschnittstudien (Depression als Outcome) C
    Praesentismus sagt spaetere depressive Symptome voraus, ein direkter Zusammenhang mit Suizid ist jedoch NICHT belegt - hier besteht Hypothesenstatus, keine belastbare Suizid-Evidenz. kein direkter Suizid-Effektnachweis; Praediktor fuer spaetere Depression

Vollständiges Quellenverzeichnis nach Ebenen

Geordnet nach den drei Ebenen der Argumentation – Spannung, Benachteiligung, Verfassungsrelevantes – sowie der deutschen Datenbasis und den eigenen Lösungsmodellen. Zu jedem Eintrag ist die Aussagegrenze ausgewiesen. Tragend = gegen die Primärquelle bzw. eine amtliche Quelle geprüft; weitere = breitere Fundierung.

Ebene 1 · Spannung — Acht Schnittstellen 24

Tragend (Evidenz „hoch“) · 12

1A · Kommunikationsbarrieren — Menschen mit Behinderungen insgesamt

Kommunikationsbarrieren führen zu Missverständnissen, geringerer Zufriedenheit und teilweise Nichtinanspruchnahme.

Belege: DEAF383; UKE_DUCKERT; FOGS_NRW; DISCRIM2201

Rechtsbezug: Art. 3 Abs. 3 S. 2 GG; Art. 9/25 UN-BRK · Evidenz: hoch

Aussagegrenze: Nicht jede Kommunikationsstörung ist Diskriminierung.

Monitoringfrage: Welche Kontaktwege scheitern nach Behinderung und welche Alternativen werden angeboten?

2B · Reiz- und Belastungsintoleranz — Besonders suizidgefährdete Menschen

Schmerz, Fatigue und fehlende Erholung sind in zahlreichen Studien mit Suizidgedanken oder -verhalten assoziiert.

Belege: Register 30–31, 392–406; RKI_DIS

Rechtsbezug: Art. 2 Abs. 2 S. 1 GG · Evidenz: hoch für Gruppenrisiko

Aussagegrenze: Gruppenrisiko beweist keine Wirkung eines Versorgungsortes oder Gesetzes.

Monitoringfrage: Werden Schmerz/Fatigue, Belastungsabbruch und Krisen gemeinsam dokumentiert?

3A · Exekutivfunktions- und Planungsprobleme — Menschen mit Behinderungen insgesamt

FASD und ADHS sind mit deutlichen exekutiven Einschränkungen verbunden; komplexe Navigation ist auch allgemein häufig schwierig.

Belege: EF_FASD; DIG_HEALTH

Rechtsbezug: Art. 3 Abs. 3 S. 2 GG; angemessene Vorkehrungen · Evidenz: hoch für Funktion / offen für Verfahren

Aussagegrenze: Keine deutsche Studie belegt bislang die konkrete Fristbenachteiligung.

Monitoringfrage: Wie häufig führen Fristen/Mehrstufigkeit nach Funktionsprofil zu Leistungsverlust?

4A · Fluktuierende Funktionsfähigkeit — Menschen mit Behinderungen insgesamt

Episodische Schmerz-, Fatigue-, neurologische und psychische Verläufe sind medizinisch gut belegt.

Belege: RKI_DIS; Register 30–31, 91–110, 392–406

Rechtsbezug: § 2 SGB IX; Art. 3 Abs. 3 S. 2 GG · Evidenz: hoch klinisch

Aussagegrenze: Systematische deutsche Benachteiligung durch Stichtage ist noch nicht quantifiziert.

Monitoringfrage: Werden Verlauf und schlechte Tage in Begutachtung, Termin- und Fristlogik berücksichtigt?

4B · Fluktuierende Funktionsfähigkeit — Besonders suizidgefährdete Menschen

Suizidrisiken konzentrieren sich in bestimmten Zeitfenstern, besonders nach Diagnoseereignissen und Entlassung.

Belege: Register 1–5, 74–83, 262–268

Rechtsbezug: Art. 2 Abs. 2 S. 1 GG · Evidenz: hoch

Aussagegrenze: Zeitfenster unterscheiden sich nach Erkrankung und Setting.

Monitoringfrage: Werden Hochrisikofenster durch Follow-up und kurzfristige Wiedervorstellung abgesichert?

5A · Atypische Symptompräsentation — Menschen mit Behinderungen insgesamt

Autismus und Intelligenzminderung sind mit Diagnose- und Wissensproblemen sowie atypischer Präsentation verbunden.

Belege: FOGS_NRW; PROMPT_ID; UKE_DUCKERT; RKI_WOMEN

Rechtsbezug: Art. 3 Abs. 3 S. 2 GG; Art. 2 Abs. 2 GG · Evidenz: hoch

Aussagegrenze: Nicht jede diagnostische Unsicherheit ist Fehlversorgung.

Monitoringfrage: Wie oft erfolgen Diagnosekorrektur, Abbruch oder rein pharmakologische Behandlung ohne adäquate Diagnostik?

5B · Atypische Symptompräsentation — Besonders suizidgefährdete Menschen

Autismus, FASD und intellektuelle Behinderung tragen erhöhte Gruppenrisiken; standardisierte Krisensignale können unzureichend sein.

Belege: Register 428–444; MAYER_GP25

Rechtsbezug: Art. 2 Abs. 2 S. 1 GG; Art. 3 Abs. 3 S. 2 GG · Evidenz: hoch für Gruppenrisiko / mittel für Erkennung

Aussagegrenze: Erhöhtes Gruppenrisiko ist keine individuelle Vorhersage.

Monitoringfrage: Werden atypische Ausdrucksformen, Kommunikationsprofil und Fremdanamnese dokumentiert?

6A · Fehlzuordnungs- und Komorbiditätsrisiko — Menschen mit Behinderungen insgesamt

Menschen mit Behinderungen haben erhöhte psychische und somatische Belastung; fragmentierte Versorgung und überwiegende Pharmakotherapie sind dokumentiert.

Belege: RKI_DIS; FOGS_NRW; PROMPT_ID

Rechtsbezug: Art. 3 Abs. 3 S. 2 GG; Art. 25 UN-BRK · Evidenz: hoch

Aussagegrenze: Komorbidität allein beweist keine Fehlversorgung.

Monitoringfrage: Koordination, Doppeluntersuchungen, widersprüchliche Therapien und Abbrüche messen.

6B · Fehlzuordnungs- und Komorbiditätsrisiko — Besonders suizidgefährdete Menschen

Depression, Bipolarität, Schmerz, Autismus, ADHS und weitere Komorbiditäten erhöhen das Gruppenrisiko.

Belege: Register 74–79, 392–406, 428–444

Rechtsbezug: Art. 2 Abs. 2 S. 1 GG · Evidenz: hoch

Aussagegrenze: Keine sichere Einzelprognose; Diagnosen wirken nicht additiv nach einfacher Summenlogik.

Monitoringfrage: Werden somatische, psychische und soziale Risiken integriert statt getrennt behandelt?

7B · Übergangsanfälligkeit — Besonders suizidgefährdete Menschen

Unmittelbar nach psychiatrischer Entlassung besteht extrem erhöhtes Risiko; aktive Nachsorge ist wirksam.

Belege: WHO_LIVE; Register 82, 262–268, 328–330

Rechtsbezug: Art. 2 Abs. 2 S. 1 GG · Evidenz: hoch

Aussagegrenze: Internationale Evidenz muss auf deutsche Strukturen übertragen werden.

Monitoringfrage: Follow-up binnen 7/30 Tagen, fester Termin, aktive Kontaktaufnahme, Wiederaufnahme/Suizidversuch.

8A · Hohe Abhängigkeit von Anpassung — Menschen mit Behinderungen insgesamt

Formale Kapazität ist ohne bauliche, kommunikative und organisatorische Nutzbarkeit keine reale Kapazität.

Belege: ACCESS21; DEAF383; UKE_DUCKERT; FOGS_NRW

Rechtsbezug: Art. 3 Abs. 3 S. 2 GG; Art. 5/9/25 UN-BRK · Evidenz: hoch

Aussagegrenze: Anpassungsbedarf ist individuell und darf nicht nur aus Diagnose abgeleitet werden.

Monitoringfrage: Nominelle versus tatsächlich barrierefrei nutzbare Plätze nach Bedarf erfassen.

8B · Hohe Abhängigkeit von Anpassung — Besonders suizidgefährdete Menschen

Passende, erreichbare und kontinuierliche Hilfe ist bei hohem Ausgangsrisiko zentral; allgemeine Verfügbarkeit reicht nicht.

Belege: MAYER_GP25; WHO_LIVE; FOGS_NRW; Register 267–268, 328–330

Rechtsbezug: Art. 2 Abs. 2 S. 1 GG · Evidenz: hoch

Aussagegrenze: Passung ist schwer standardisiert zu messen.

Monitoringfrage: Ablehnung komplexer Fälle, Zeit bis passende Behandlung und Krisenkontakte messen.

Weitere Schnittstellen (12)

1B · Kommunikationsbarrieren — Besonders suizidgefährdete Menschen

Hausärztliche Suizidprävention wird durch Zeit, fehlende Protokolle, Kompetenz und Anschlussangebote erschwert; atypische Kommunikation kann zusätzliche Erkennungshürden erzeugen.

Belege: MAYER_GP25; WHO_LIVE; Register 428–444

Rechtsbezug: Art. 2 Abs. 2 S. 1 GG; ggf. Art. 3 Abs. 3 S. 2 GG · Evidenz: gut

Aussagegrenze: Atypische Krisenkommunikation ist gruppenspezifisch; keine sichere Einzelprognose.

Monitoringfrage: Wie oft scheitert Weiterleitung aufgrund des Kontakt- oder Kommunikationsformats?

1C · Kommunikationsbarrieren — Kinder und Jugendliche

Kinder benötigen alters-, entwicklungs- und behinderungsangemessene Kommunikation; allgemeine psychische Belastung und lange Wege erhöhen die Relevanz.

Belege: RKI_CHILD; KJP_REVIEW25; REDUGIA_BY

Rechtsbezug: Art. 2/6 GG; UN-KRK; Art. 7/25 UN-BRK · Evidenz: gut

Aussagegrenze: Allgemeine Kinderbelastung belegt nicht jede Kommunikationsbarriere.

Monitoringfrage: Gibt es kindgerechte, nonverbale, gebärdensprachliche und unterstützte Krisenwege?

2A · Reiz- und Belastungsintoleranz — Menschen mit Behinderungen insgesamt

Sensorische und umgebungsbezogene Barrieren werden von autistischen und weiteren behinderten Menschen als Zugangshindernis berichtet.

Belege: UKE_DUCKERT; UKE_DAVID; BMG_AP24

Rechtsbezug: Art. 3 Abs. 3 S. 2 GG; Art. 9/25 UN-BRK · Evidenz: gut

Aussagegrenze: Deutsche populationsweite Routinedaten zu sensorischen Abbrüchen fehlen.

Monitoringfrage: Wie viele Kontakte/Behandlungen werden wegen Umgebung, Wartezeit oder Reizlast abgebrochen?

2C · Reiz- und Belastungsintoleranz — Kinder und Jugendliche

Kinder mit hohem Unterstützungsbedarf treffen auf knappe, teils institutionelle Strukturen; Landesprojekte beschreiben Bedarf an angepasster Umgebung und Therapie.

Belege: WIBIG_BY; REDUGIA_BY; RKI_CHILD

Rechtsbezug: Art. 2/6 GG; Art. 3 Abs. 3 S. 2 GG; UN-KRK · Evidenz: mittel-gut

Aussagegrenze: Sehr spezifische Landespopulationen sind nicht auf alle Kinder übertragbar.

Monitoringfrage: Welche Umgebungsanpassungen bestehen und wie hängen sie mit Abbruch/Krise zusammen?

3B · Exekutivfunktions- und Planungsprobleme — Besonders suizidgefährdete Menschen

Akute Krise, Depression, ADHS oder FASD können Planung und Initiierung beeinträchtigen; komplexe Selbstnavigation kann Schutzketten unterbrechen.

Belege: MAYER_GP25; EF_FASD; Register 74–79, 435–440

Rechtsbezug: Art. 2 Abs. 2 S. 1 GG · Evidenz: gut für Funktion/Risiko

Aussagegrenze: Der konkrete Navigationsmechanismus ist nicht direkt quantifiziert.

Monitoringfrage: Wie viele Menschen erreichen nach Krisenkontakt ohne aktive Terminübernahme die Anschlussbehandlung?

3C · Exekutivfunktions- und Planungsprobleme — Kinder und Jugendliche

Behinderte Kinder sind stärker von Eltern und Systemkoordination abhängig; komplexe Zuständigkeiten können Versorgung verzögern.

Belege: DESTATIS_EGH; WIBIG_BY; REDUGIA_BY; KJP_REVIEW25

Rechtsbezug: Art. 2/6 GG; SGB VIII/IX; UN-KRK · Evidenz: gut

Aussagegrenze: Leistungsstatistik belegt nicht Ursache des Abbruchs.

Monitoringfrage: Wie viele Kontakte/Anträge sind bis zur Hilfe nötig und welche Familien brechen ab?

4C · Fluktuierende Funktionsfähigkeit — Kinder und Jugendliche

Psychische Belastungen und Krisen können rasch wechseln; Versorgung braucht Verlauf statt Momentaufnahme.

Belege: RKI_CHILD; DAK_KJR23; Register 317, 372–386

Rechtsbezug: Art. 2/6 GG; UN-KRK · Evidenz: gut

Aussagegrenze: Abrechnungsdiagnosen bilden Schwankungen nur unvollständig ab.

Monitoringfrage: Werden Schul-, Familien- und Versorgungsverläufe gemeinsam berücksichtigt?

5C · Atypische Symptompräsentation — Kinder und Jugendliche

Mädchen und kompensierende Kinder können später erkannt werden; behinderte Kinder zeigen Krisen teils anders.

Belege: RKI_WOMEN; REDUGIA_BY; Register 428–444

Rechtsbezug: Art. 2/6 GG; Art. 3 Abs. 3 S. 2 GG · Evidenz: gut

Aussagegrenze: Pauschale jahrelange Verzögerungen dürfen nur mit diagnosespezifischem Beleg genannt werden.

Monitoringfrage: Alter bei Diagnose, Vorbehandlungen und geschlechtsspezifische Fehldiagnosen erfassen.

6C · Fehlzuordnungs- und Komorbiditätsrisiko — Kinder und Jugendliche

Kinder mit Behinderung, Trauma und psychischer Erkrankung benötigen häufig mehrere Systeme; stationäre Hochbedarfsgruppen zeigen Koordinationslücken.

Belege: WIBIG_BY; REDUGIA_BY; DESTATIS_EGH; RKI_CHILD

Rechtsbezug: Art. 2/3/6 GG; SGB VIII/IX · Evidenz: gut

Aussagegrenze: Spezifische Projektpopulationen begrenzen Generalisierung.

Monitoringfrage: Wie oft scheitert Hilfe an Mehrfachzuständigkeit und fehlender Fallführung?

7A · Übergangsanfälligkeit — Menschen mit Behinderungen insgesamt

FOGS/UKE dokumentieren fehlende Zusammenarbeit; Übergänge zwischen Versorgungsebenen sind bekannte Verluststellen.

Belege: FOGS_NRW; UKE_DUCKERT; PEITZ26

Rechtsbezug: Art. 3 Abs. 3 S. 2 GG; Entlassmanagement; Art. 25 UN-BRK · Evidenz: gut

Aussagegrenze: Keine bundesweite Rate gescheiterter Übergänge nach Behinderung.

Monitoringfrage: Zeit bis Anschluss, Wiederaufnahme und ungeklärte Zuständigkeit messen.

7C · Übergangsanfälligkeit — Kinder und Jugendliche

System- und Alterswechsel können Hilfe unterbrechen; spezialisierte Landesprojekte benennen Übergangsbedarf.

Belege: WIBIG_BY; REDUGIA_BY; KJP_REVIEW25

Rechtsbezug: Art. 2/6 GG; SGB VIII/V/IX; UN-KRK · Evidenz: gut

Aussagegrenze: Bundesweite Transitionsdaten fehlen.

Monitoringfrage: Abbruch beim Alterswechsel, Wartezeit Erwachsene, Schule/Jugendhilfe/Medizin-Übergabe.

8C · Hohe Abhängigkeit von Anpassung — Kinder und Jugendliche

Behinderte Kinder sind von Familienunterstützung, Schule, Assistenz und angepassten Therapieformen abhängig.

Belege: DESTATIS_EGH; WIBIG_BY; REDUGIA_BY; KJP_REVIEW25

Rechtsbezug: Art. 2/3/6 GG; UN-KRK; UN-BRK · Evidenz: gut

Aussagegrenze: Leistungszahlen sind kein Wirkungsindikator.

Monitoringfrage: Familienlotsen, Assistenz, flexible Formate, Schulteilhabe und Abbrüche erfassen.

Ebene 2 · Benachteiligung — gruppenspezifische Belege 93

Kuratierte Auswahl aus dem Arbeitsregister, nach Themen geordnet. Diese Belege stützen die besondere Ausgangsgefährdung der Gruppen, nicht die gemessene Reformwirkung.

Sinne, Haut, seltene Erkrankungen 9
  • Aeltere (>=73 J.) mit schwerer Hoerschaedigung (5-Jahres-Verlauf) — OR 1,97 (95% KI 1,44-2,70); Gradient: leichte HL OR 1,29 (1,03-1,63) -> schwere HL OR 1,78 (1,32-2,40) im Querschnitt. Schwerhoerigkeit erhoeht Suizidgedanken bei Aelteren dosisabhaengig (je schwerer, desto hoeher), unabhaengig von Depression. Cosh S et al., Int Psychogeriatr 2019 · Prospektive Kohorte (Three-City), N=5.438, >=73 J. · PMID 29798742 Quelle ↗
  • Aeltere mit schwerem Sehverlust (5-Jahres-Verlauf) — OR 1,65 (95% KI 1,05-2,59); Baseline OR 1,59 (1,06-2,38). Schwerer Sehverlust im Alter erhoeht Suizidgedanken um rund 60-65 %, parallel zum Hoerverlust in derselben Kohorte. Cosh S et al., Int Psychogeriatr 2019 · Prospektive Kohorte (Three-City), N=5.438 · PMID 29798742 Quelle ↗
  • Sehbehinderung (alle Schweregrade, alle Altersgruppen) — Suizidverhalten OR 2,49 (1,71-3,63); Ideation OR 2,01 (1,62-2,50); Suizidtod OR 1,89 (1,32-2,71). Sehbehinderte haben ueber alle Endpunkte hinweg rund 2-2,5-fach erhoehtes Suizidrisiko, inkl. vollendetem Suizid; hoechstes Risiko bei Jugendlichen. Kim CY, Ha A, Shim SR et al., JAMA Netw Open 2024 · Systematische Review + Meta-Analyse, 5.692.769 Personen · DOI 10.1001/jamanetworkopen.2024.7026 / PMID 38630473 Quelle ↗
  • Gehoerlose/schwerhoerige Jugendliche (DHH youth) — kein gepooltes Effektmass; qualitativ erhoehtes Risiko. Gehoerlose/schwerhoerige Jugendliche gelten als Hochrisikogruppe fuer suizidbezogenes Verhalten, doch belastbare Registerdaten fehlen weitgehend. Gryglewicz K et al., Crisis 2017 · Narrative Review/Konzeptpapier · PMID 28793819 Quelle ↗
  • Kombinierte Seh- und Hoerschaedigung (nat. repraesentativ, England) — Assoziation mit Ideation/Versuch; dualer Verlust staerker als einzelner (genaue KI unbestaetigt). Sensorische Beeintraechtigung ist mit Suizidgedanken und -versuchen assoziiert; kombinierter (dualer) Sinnesverlust wirkt additiv/staerker. Khurana A et al., BMJ Open 2021 · Bevoelkerungsrepraesentative Querschnittsanalyse · PMID 33593780 Quelle ↗
  • Tinnitus-Diagnose (Erwachsene) — HR 2,04 (95% KI 1,83-2,28) fuer Suizidversuch binnen 1 Jahr. Tinnitus verdoppelt das Risiko eines Suizidversuchs, mit Peak im ersten Jahr nach Diagnose (Inzidenz 0,25 % vs. 0,12 %). Cheng YF et al., J Affect Disord 2023 · Retrospektive Kohorte (NHIRD), N=386.055 + PS-Matching · PMID 36372122 Quelle ↗
  • Tinnitus (gepoolt ueber Studien) — RR Ideation ca. 2,1; RR Versuch ca. 1,8 (Detailzahlen/KI nicht am Volltext geprueft). Meta-Analyse bestaetigt erhoehtes Risiko fuer Suizidgedanken und -versuche bei Tinnitus; vollendeter Suizid bleibt datenarm. Uebersichts-Meta (Tinnitus & Suizidalitaet) 2025 · Systematische Review + Meta-Analyse · PMID 40066649 (Zahlen unbestaetigt) Quelle ↗
  • Myasthenia gravis — OR 4,3 (95% KI 2,0-9,4) fuer Suizidversuch. MG geht mit ueber vierfach erhoehtem Suizidversuch-Risiko einher - hoeher als bei vielen 'psychiatrischen' Diagnosen erwartet. Eliasen A et al., J Neurol 2018 · Fall-Kontroll-Studie, 8.974 Faelle / 89.740 Kontrollen · PMID 29564603 Quelle ↗
  • Multiple Sklerose (Vergleichsanker gleiche Studie) — OR 1,5 (95% KI 1,1-2,1) fuer Suizidversuch. MS erhoeht das Suizidversuch-Risiko moderat; im selben Datensatz wies MG ein weit hoeheres Risiko auf. Eliasen A et al., J Neurol 2018 · Fall-Kontroll-Studie, 8.974 Faelle / 89.740 Kontrollen · PMID 29564603 Quelle ↗
Affektive Stoerungen 8
  • Personen mit diagnostizierter unipolarer Depression vs. Allgemeinbevoelkerung — SMR Suizid 19,7 (95% KI 12,2-32,0). Menschen mit Depression sterben rund 20-mal haeufiger durch Suizid als die Allgemeinbevoelkerung. Chesney, Goodwin & Fazel 2014, World Psychiatry 2014 · Meta-Review von 407 Meta-Analysen/Kohorten (20 Diagnosegruppen) · DOI 10.1002/wps.20128; PMC4102288 Quelle ↗
  • Personen mit bipolarer Stoerung vs. Allgemeinbevoelkerung — SMR Suizid 17,1 (95% KI 9,8-29,5). Bipolare Stoerung ist mit rund 17-fach erhoehter Suizidsterblichkeit verbunden - eine der hoechsten aller psychiatrischen Diagnosen. Chesney, Goodwin & Fazel 2014, World Psychiatry 2014 · Meta-Review · DOI 10.1002/wps.20128; PMC4102288 Quelle ↗
  • Erstkontakt-Patienten mit bipolarer Stoerung (Maenner vs. Frauen) — Absolutes Suizidrisiko Maenner 7,77% vs. Frauen 4,78%. Nach erstem stationaeren Kontakt wegen bipolarer Stoerung stirbt etwa jeder 13. Mann und jede 21. Frau langfristig durch Suizid. Nordentoft, Mortensen & Pedersen 2011, Arch Gen Psychiatry 2011 · Nationale Kohorte, 176.347 Personen mit psychischer Ersthospitalisierung 1955-2006 · PMID 21969462 Quelle ↗
  • Erstkontakt-Patienten mit unipolarer/depressiver Stoerung (Maenner vs. Frauen) — Absolutes Suizidrisiko Maenner 6,67% vs. Frauen 3,77%. Auch bei unipolarer Depression liegt das absolute Lebenszeit-Suizidrisiko nach Klinikkontakt bei ca. 4-7% - deutlich unter frueheren Schaetzungen (~15%), aber stark geschlechtsabhaengig. Nordentoft, Mortensen & Pedersen 2011, Arch Gen Psychiatry 2011 · Nationale Kohorte, 176.347 Personen · PMID 21969462 Quelle ↗
  • Patienten mit bipolarer Stoerung (alle Subtypen) — Lebenszeitpraevalenz Suizidversuch 33,9% (95% KI 31,3-36,6). Rund ein Drittel aller Menschen mit bipolarer Stoerung hat mindestens einen Suizidversuch in der Vorgeschichte. Plans et al. 2019, Epidemiology and Psychiatric Sciences 2019 · Meta-Analyse, 79 Studien, 33.719 Patienten (1985-2018) · DOI 10.1017/S2045796019000593; PMC8061290 Quelle ↗
  • Personen mit Major Depression — Gepoolte Lebenszeitpraevalenz Suizidversuch ~31% (klinische Stichproben deutlich hoeher als Gemeindestichproben). Etwa jeder dritte Betroffene mit Major Depression berichtet ueber einen Suizidversuch, mit starker Streuung je nach Setting. Dong et al. 2019, Psychological Medicine 2019 · Meta-Analyse von Beobachtungssurveys · PMID 30178722 (exaktes gepooltes % / KI aus Volltext, hier gerundet - Prozentwert unbestaetigt) Quelle ↗
  • Patienten kurz nach Entlassung aus psychiatrischer Klinik (v.a. affektive/suizidale Aufnahmen) — Suizidrate 484/100.000 Personenjahre (95% KI 422-555); in ersten 3 Monaten ein Vielfaches. Das Suizidrisiko ist unmittelbar nach Klinikentlassung massiv erhoeht - am hoechsten bei wegen Suizidalitaet/Depression aufgenommenen Patienten. Chung et al. 2017, JAMA Psychiatry 2017 · Meta-Analyse, 100 Studien, ~183.000 entlassene Patienten · DOI 10.1001/jamapsychiatry.2017.1044; PMID 28564699 Quelle ↗
  • Personen nach erstem/frueherem Suizidversuch — Ein Grossteil der spaeteren Suizidtoten stirbt bereits beim ersten dokumentierten Versuch (Erstversuch deutlich lethaler als angenommen). Ein frueherer Suizidversuch ist der staerkste Einzelpraediktor fuer spaeteren Suizidtod - der Erstversuch ist oft schon toedlich, nicht nur ein 'Hilferuf'. Bostwick, Pabbati, Geske & McKean 2016, Am J Psychiatry 2016 · Populationsbasierte Kohorte, 1.490 Personen mit Index-Suizidversuch · PMID 27523496; DOI 10.1176/appi.ajp.2016.15070854 Quelle ↗
Neurologische Erkrankungen 12
  • Jede neurologische Erkrankung (Krankenhaus-/Ambulanzkontakt) vs. keine — adj. IRR 1,8 (95% KI 1,7-1,8). In der dänischen Gesamtbevölkerung war das Suizidrisiko bei Menschen mit einer neurologischen Diagnose um 80% erhöht; 14,7% aller Suizide entfielen auf Betroffene. Erlangsen A et al. 2020, JAMA 2020 · Nationale Registerkohorte, N=7.300.395; 35.483 Suizide, 1980-2016 · PMID 32016308 / DOI 10.1001/jama.2019.21834 Quelle ↗
  • Epilepsie-Diagnose vs. keine — adj. IRR 1,7 (95% KI 1,6-1,8). Epilepsie war in der dänischen Registerkohorte mit einem um 70% erhöhten Suizidrisiko assoziiert. Erlangsen A et al. 2020, JAMA 2020 · Nationale Registerkohorte, N=7,3 Mio. · PMID 32016308 / DOI 10.1001/jama.2019.21834 Quelle ↗
  • Menschen mit Epilepsie vs. Kontrollen — Suizidtod adj. HR 2,50 (1,99-3,16); Ideation RR 2,06 (1,47-2,89); Versuch IRR 4,94 (4,44-5,50). Metaanalytisch war das Suizidrisiko bei Epilepsie rund 2,3-2,5-fach, das Risiko für Suizidversuche bis ~5-fach erhöht. Systematische Übersicht & Meta-Analyse 2025, Journal of Neurology (13 Studien) 2025 · Meta-Analyse, 13 Studien · PMID 39998659 Quelle ↗
  • MS-Diagnose vs. keine — adj. IRR 2,2 (95% KI 1,9-2,6). MS gehörte zu den stärker suizidassoziierten neurologischen Diagnosen mit mehr als verdoppeltem Risiko. Erlangsen A et al. 2020, JAMA 2020 · Nationale Registerkohorte, N=7,3 Mio. · PMID 32016308 / DOI 10.1001/jama.2019.21834 Quelle ↗
  • Parkinson-Diagnose vs. keine — adj. IRR 1,7 (95% KI 1,5-1,9). Parkinson war mit einem um 70% erhöhten Suizidrisiko assoziiert - entgegen der verbreiteten Annahme, Parkinson-Betroffene seien wegen Bewegungseinschränkung geschützt. Erlangsen A et al. 2020, JAMA 2020 · Nationale Registerkohorte, N=7,3 Mio. · PMID 32016308 / DOI 10.1001/jama.2019.21834 Quelle ↗
  • Huntington-Diagnose vs. keine — adj. IRR 4,9 (95% KI 3,1-7,7). Chorea Huntington zeigte mit ~5-fach erhöhtem Risiko die höchste Suizidassoziation unter den neurologischen Erkrankungen (gleichauf mit ALS). Erlangsen A et al. 2020, JAMA 2020 · Nationale Registerkohorte, N=7,3 Mio. · PMID 32016308 / DOI 10.1001/jama.2019.21834 Quelle ↗
  • ALS-Diagnose vs. keine — adj. IRR 4,9 (95% KI 3,5-6,9). ALS war - gleichauf mit Huntington - mit dem höchsten Suizidrisiko (~5-fach) aller neurologischen Erkrankungen verbunden. Erlangsen A et al. 2020, JAMA 2020 · Nationale Registerkohorte, N=7,3 Mio. · PMID 32016308 / DOI 10.1001/jama.2019.21834 Quelle ↗
  • Schlaganfall-Diagnose vs. keine — adj. IRR 1,3 (95% KI 1,2-1,3). Schlaganfall war mit einem moderat (~30%) erhöhten Suizidrisiko assoziiert - schwächer als degenerative Erkrankungen, wegen Häufigkeit aber bevölkerungsbezogen relevant. Erlangsen A et al. 2020, JAMA 2020 · Nationale Registerkohorte, N=7,3 Mio. · PMID 32016308 / DOI 10.1001/jama.2019.21834 Quelle ↗
  • Medizinischer Kontakt wegen SHT vs. kein SHT — adj. IRR 1,90 (95% KI 1,83-1,97); schweres SHT IRR 2,38; erste 6 Monate IRR 3,67. SHT verdoppelte das Suizidrisiko mit klarem Dosis-Wirkungs-Muster (mehr/schwerere Traumata = höheres Risiko) und stark erhöhtem Risiko im ersten halben Jahr. Madsen T et al. 2018, JAMA 2018 · Nationale Registerkohorte, N=7,4 Mio., 1980-2014 · PMID 30120477 / DOI 10.1001/jama.2018.10211 Quelle ↗
  • Migräne (v.a. mit Aura, chronisch) vs. keine — erhöhte gepoolte OR für Ideation und Versuche (Größenordnung ~1,5-2,5); für Suizidversuch teils höher bei Migräne mit Aura. Migräne war metaanalytisch mit erhöhten Suizidgedanken und -versuchen verbunden, stärker bei Migräne mit Aura und chronischer Migräne - trotz gutartigem Ruf der Erkrankung. Meta-Analyse Migräne & Suizidalität 2023 (Frontiers/J Affect Disord) 2023 · Meta-Analyse mehrerer Beobachtungsstudien · PMID 37033044 (exakte Punktschätzer unbestätigt) Quelle ↗
  • RLS-Diagnose vs. keine — adj. HR 2,66 (95% KI 1,70-4,15); ohne Depression/Insomnie/Schlafapnoe 4,14 (2,17-7,92). RLS war mit rund verdreifachtem Risiko für Suizid/Selbstverletzung assoziiert - der Effekt blieb auch nach Adjustierung für Depression und Schlafstörungen bestehen (nicht bloß über Depression vermittelt). Zhuang S et al. 2019, JAMA Network Open 2019 · Gematchte Kohorte, N=169.373 (24.179 RLS), mittlere Nachbeob. 5,2 J., 119 Ereignisse · DOI 10.1001/jamanetworkopen.2019.9966 (unbestätigt) Quelle ↗
  • Demenz-Diagnose <65 J., erste 3 Monate nach Diagnose — HR 6,69 (Diagnose <65 J. in ersten 3 Monaten); psychiatrische Komorbidität HR 1,52. Bei unter 65-Jährigen war das Suizidrisiko in den ersten 3 Monaten nach Demenzdiagnose fast 7-fach erhöht - das Durchschnitts-Nullbild (IRR 0,8) verschleiert diese Hochrisiko-Subgruppe. Alothman D et al. 2022, JAMA Neurology 2022 · Fall-Kontroll-Studie, N=594.674 (14.515 Suizide; 4.940 mit Demenz) · DOI 10.1001/jamaneurol.2022.3094 Quelle ↗
Angst, Zwang, Trauma, Dissoziation 3
  • Sexueller Missbrauch in der Kindheit — Suizidversuch OR 3.17 (2.76-3.64); Ideation OR 2.15 (1.77-2.62). Sexueller Kindesmissbrauch verdreifacht das spätere Suizidversuchsrisiko - einer der robustesten Einzeleffekte im Feld. Angelakis et al. 2019, Psychological Medicine 2019 · Meta-Analyse, 68 Studien · DOI 10.1017/S0033291718003823 Quelle ↗
  • Emotionaler Missbrauch bzw. emotionale Vernachlässigung in der Kindheit — Emot. Missbrauch Versuch OR 2.49 (1.64-3.77); emot. Vernachlässigung Versuch OR 2.29 (1.79-2.94). Auch die 'unsichtbaren' Traumaformen ohne körperliche Spuren - emotionaler Missbrauch und Vernachlässigung - verdoppeln bis verzweieinhalbfachen das Suizidversuchsrisiko. Angelakis et al. 2019, Psychological Medicine 2019 · Meta-Analyse, 68 Studien · DOI 10.1017/S0033291718003823 Quelle ↗
  • Komplexer Missbrauch (mehrere Missbrauchsformen kombiniert) — Suizidversuch OR 5.18 (2.52-10.63). Kumuliertes Mehrfachtrauma hat den mit Abstand höchsten Effekt (OR ~5) - klarer Dosis-Wirkungs-Hinweis: je mehr Traumaformen, desto höher das Risiko. Angelakis et al. 2019, Psychological Medicine 2019 · Meta-Analyse, 68 Studien · DOI 10.1017/S0033291718003823 Quelle ↗
Versorgung, Politik, Oekonomie, COVID 10
  • Erste 3 Monate nach Entlassung aus stationaerer Psychiatrie — 1132 Suizide/100.000 Personenjahre in den ersten 3 Monaten (95%-KI 666-1928); Gesamt post-Entlassung ~484/100.000 PJ (95%-KI 422-555); ~100-fach hoeher als Allgemeinbevoelkerung. Das Suizidrisiko ist unmittelbar nach psychiatrischer Entlassung extrem erhoeht und am hoechsten in den ersten 3 Monaten, besonders bei Aufnahme wegen Suizidalitaet. Chung DT et al. 2017, JAMA Psychiatry 2017 · Systematische Review + Meta-Analyse, 100 Studien, 183 Patientenkohorten, >17.000 Suizide · doi:10.1001/jamapsychiatry.2017.1044 / PMID 28564699 Quelle ↗
  • Kein zeitnaher ambulanter Kontakt (Follow-up) nach Entlassung — Fruehes Follow-up (i.d.R. <=7 Tage) mit reduziertem Suizid-/Wiederaufnahmerisiko assoziiert; Effektgroessen heterogen, Richtung konsistent schuetzend. Ausbleibender oder verspaeteter Nachsorgekontakt nach Entlassung ist mit erhoehtem Suizid- und Wiederaufnahmerisiko assoziiert; die kritische Luecke liegt in der ersten Woche. z.B. Luxton/Comtois-Reviews; NCISH-Berichte (While et al.) 2015-2020 · Reviews + nationale Auditdaten · unbestaetigt (Autor/Jahr/Journal je Einzelstudie zu ergaenzen)
  • Umsetzung von Suizidpraeventions-Empfehlungen durch psychiatrische Dienste (u.a. 7-Tage-Follow-up, 24/7-Krisenteams) — Dienste, die mehr Empfehlungen umsetzten, hatten niedrigere Suizidraten; Implementierung mehrerer Kernmassnahmen mit signifikant reduzierten Raten assoziiert. Regionen/Trusts, die organisatorische Praeventions-Empfehlungen umsetzten (u.a. rasche Nachsorge, Krisenteams, Dual-Diagnosis-Versorgung), verzeichneten messbar niedrigere Suizidraten bei psychiatrischen Patienten. While D et al. 2012, The Lancet (NCISH, England & Wales) 2012 · Ecological before-and-after, nationale Register-/Auditdaten psychiatrischer Patientensuizide · doi:10.1016/S0140-6736(11)61712-1 (unbestaetigt) Quelle ↗
  • Aktive Nachverfolgung + Kontaktinterventionen nach ED-Vorstellung wegen Suizidversuch — Reduktion wiederholter Suizidversuche; gepoolte OR ~0,83 (Wiederholungsversuch) in Kontakt-/Follow-up-Meta-Analyse. Aktive Kontakt- und Nachsorgeinterventionen nach einem Suizidversuch in der Notaufnahme senken die Rate erneuter Suizidversuche moderat aber konsistent. Inagaki M et al. 2015, Journal of Affective Disorders 2015 · Meta-Analyse randomisierter/kontrollierter Studien · doi:10.1016/j.jad.2015.01.004 (unbestaetigt) Quelle ↗
  • Briefe, Postkarten, Telefonanrufe ('caring contacts') nach Selbstschaedigung — Reduktion der Zahl von Suizidversuchen pro Person; Einzelstudien signifikant, gepoolter Effekt auf Anteil mit Reattempt uneinheitlich (teils n.s.). Niedrigschwellige wiederholte 'caring contacts' reduzieren die Haeufigkeit erneuter Suizidversuche, wobei der Effekt auf den Anteil der Reattempter in Meta-Analysen inkonsistent ist. Milner AJ et al. 2015, British Journal of Psychiatry 2015 · Meta-Analyse von Brief-Contact-RCTs · doi:10.1192/bjp.bp.114.147819 (unbestaetigt) Quelle ↗
  • Safety Planning Intervention + strukturierte Telefon-Nachsorge in Notaufnahme — ~45-50% weniger suizidales Verhalten ueber 6 Monate vs. Standardversorgung (OR ~0,44-0,56). Eine kurze Safety-Planning-Intervention mit strukturierten Nachsorgeanrufen in der Notaufnahme halbierte annaehernd suizidales Verhalten im Folgezeitraum. Stanley B et al. 2018, JAMA Psychiatry 2018 · Kohorten-Vergleich (cohort comparison), ~1640 Patienten · doi:10.1001/jamapsychiatry.2018.1776 (unbestaetigt) Quelle ↗
  • Kategoriale Suizid-Risikoeinstufung ('Hochrisiko' vs. 'Niedrigrisiko') als Versorgungssteuerung — Positiver praediktiver Wert niedrig; ~Haelfte aller Suizide entfaellt auf als 'Niedrigrisiko' eingestufte Personen; Sensitivitaet/Spezifitaet unzureichend fuer individuelle Vorhersage. Kategoriale Risiko-Einstufung taugt nicht zur Ressourcenzuteilung, weil ein grosser Teil der Suizide in der vermeintlichen Niedrigrisiko-Gruppe auftritt - ein oft ignorierter Versorgungsfehler. Large M et al. 2016, PLOS ONE (Meta-Analyse Risikokategorisierung) 2016 · Meta-Analyse von Risiko-Praediktionsstudien · unbestaetigt (Large M, PLOS ONE 2016; DOI unbestätigt)
  • Work Capability Assessment (Reassessment von Erwerbsunfaehigkeitsleistungen), England — Je 10.000 zusaetzliche WCA-Reassessments: ~6 zusaetzliche Suizide (+0,3), ~2700 zusaetzliche Antidepressiva-Verschreibungen, ~7000 zusaetzliche Faelle psychischer Belastung. Die Ausweitung strenger Arbeitsfaehigkeitspruefungen war regional mit Anstiegen von Suiziden, psychischer Belastung und Antidepressiva-Verschreibungen assoziiert - direkte Politik-Gesundheits-Kopplung. Barr B, Taylor-Robinson D, Stuckler D et al. 2016, J Epidemiol Community Health 2016 · Longitudinale oekologische Studie, 2010-2013 · doi:10.1136/jech-2015-206209 (unbestaetigt) Quelle ↗
  • Evidenzbasierte Praeventionskomponenten (Mittel-Restriktion, Aerztefortbildung, Gatekeeper, Chain-of-care) — Mittel-Restriktion und Zugangsbeschraenkung mit staerkster Evidenz fuer Suizidreduktion; Aerztefortbildung/Depressionsbehandlung positiv; Screening/Awareness-Kampagnen ohne robusten Effekt. Ueber 10 Jahre systematischer Evidenz zeigen Mittel-Restriktion und Versorgungsketten die staerkste Suizid-senkende Wirkung, waehrend reine Aufklaerungskampagnen kaum belegte Effekte haben. Zalsman G et al. 2016, Lancet Psychiatry (10-Jahres-Review) 2016 · Systematische Review evidenzbasierter Praeventionsstrategien · doi:10.1016/S2215-0366(16)30030-X (unbestaetigt) Quelle ↗
  • Aktualisierte Evidenz zu Praeventionsansaetzen (u.a. Mittel-Restriktion, Krisendienste, digitale Ansaetze) — Mittel-Restriktion, Nachsorge nach Suizidversuch und Schulprogramme (z.B. YAM) mit RCT-Evidenz; Effekte moderat, differenziert nach Setting. Die aktualisierte Evidenz bestaetigt Mittel-Restriktion, aktive Nachsorge und ausgewaehlte Schulprogramme als wirksam, waehrend viele populaere Massnahmen unbelegt bleiben. Mann JJ et al. 2021, American Journal of Psychiatry 2021 · Systematische Review · doi:10.1176/appi.ajp.2020.20060864 (unbestaetigt) Quelle ↗
Praevention & Intervention 9
  • Lithium vs. Placebo bei affektiven Stoerungen — OR Suizid 0,13 (95% KI 0,03-0,66); Gesamtmortalitaet OR 0,62. Lithium senkte in RCTs die Zahl der Suizide gegenueber Placebo hochsignifikant (ca. 87% relative Reduktion), zusaetzlich weniger Gesamttode. Cipriani A et al. 2013, BMJ 2013 · Systematische Review/Meta-Analyse, 48 RCTs, n=6.674 · DOI: 10.1136/bmj.f3646 Quelle ↗
  • Dialektisch-Behaviorale Therapie vs. Community Treatment by Experts (BPS, suizidal) — Halbierung der Suizidversuche (HR ~0,5); weniger Notaufnahmen/Hospitalisierungen. DBT halbierte ueber 2 Jahre die Rate der Suizidversuche bei Frauen mit Borderline-Stoerung gegenueber Expertenbehandlung (Landmark). Linehan MM et al. 2006, Archives of General Psychiatry 2006 · RCT, n=101 · DOI: 10.1001/archpsyc.63.7.757 Quelle ↗
  • DBT-A vs. individuelle/gruppen-supportive Therapie (Hochrisiko-Jugendliche) — Hoehere Rate ohne Selbstverletzung (OR-Vorteil fuer DBT, ~46% vs. 32%). DBT reduzierte bei suizidalen Jugendlichen Selbstverletzung und Suizidversuche staerker als eine aktive Vergleichstherapie, mit Anglei­chung nach 12 Monaten. McCauley E et al. 2018, JAMA Psychiatry 2018 · RCT, n=173 · DOI: 10.1001/jamapsychiatry.2018.1109 Quelle ↗
  • Safety Planning + strukturierte telefonische Nachsorge (SPI+) vs. Standardversorgung in der Notaufnahme — ~45% weniger suizidales Verhalten ueber 6 Monate (3,03% vs. 5,29%). Ein kurzer Sicherheitsplan mit aktiver Nachsorge halbierte nahezu suizidales Verhalten nach Notaufnahmebesuch (nicht-randomisierter Kohortenvergleich). Stanley B et al. 2018, JAMA Psychiatry 2018 · Kohorten-Vergleichsstudie, n=1.640 · DOI: 10.1001/jamapsychiatry.2018.1776 Quelle ↗
  • Universelles Suizid-Screening + Sicherheitsintervention + Caring Contacts in Notaufnahme — ~30% weniger Suizidversuche (relative Risikoreduktion ~20%; ~5% absolut). Ein mehrstufiges Notaufnahme-Programm (ED-SAFE) senkte spaetere Suizidversuche gegenueber der Behandlung wie ueblich. Miller IW et al. 2017, JAMA Psychiatry (ED-SAFE) 2017 · Quasi-experimentell (Stepped-Wedge-artig), n=1.376 · DOI: 10.1001/jamapsychiatry.2017.0678 Quelle ↗
  • Kurzintervention + regelmaessige Kontakte nach Suizidversuch vs. Standard (LMIC) — Suizidtode 0,2% vs. 2,2% nach 18 Monaten (signifikant). Eine einstuendige Aufklaerung plus periodische Kontakte reduzierte Suizidtode nach Versuch in einkommensschwaecheren Laendern deutlich. Fleischmann A et al. 2008, Bulletin of the WHO 2008 · RCT, n=1.867 · DOI: 10.2471/BLT.07.046995 Quelle ↗
  • YAM vs. Kontrolle bei Schuelern (SEYLE-Studie) — Neue Suizidversuche OR 0,45; schwere Suizidgedanken OR 0,50 (12 Monate). Das universelle Schulprogramm YAM halbierte etwa Suizidversuche und schwere Suizidgedanken - staerkstes RCT-Ergebnis fuer Schulpraevention. Wasserman D et al. 2015, Lancet (SEYLE) 2015 · Cluster-RCT, n=11.110 Jugendliche · DOI: 10.1016/S0140-6736(14)61213-7 Quelle ↗
  • Digitale (Smartphone/Web) Interventionen vs. Kontrolle — Suizidgedanken g ~-0,10 bis -0,29 (klein, signifikant); Selbstverletzung/Versuch: kein signifikanter Effekt. Digitale Interventionen senken Suizidgedanken leicht, zeigen aber keinen belegten Effekt auf Selbstverletzung oder Suizidversuche. Torok M et al. 2020, Lancet Digital Health 2020 · Meta-Analyse, 14 RCTs · DOI: 10.1016/S2589-7500(19)30139-3 Quelle ↗
  • Vergleich der Praeventionsstrategien (10-Jahres-Update) — Staerkste Evidenz: Means Restriction und Aerzte-/Hausarztfortbildung; unklar: Screening allein, Gatekeeper. Der grosse Uebersichtsartikel bewertet Zugangsbeschraenkung zu Mitteln und Fortbildung von Aerzten als am besten belegt, viele populaere Ansaetze bleiben unbewiesen. Zalsman G et al. 2016, Lancet Psychiatry 2016 · Systematische Review, 1.797 Studien gescreent · DOI: 10.1016/S2215-0366(16)30030-X Quelle ↗
Demografie & Bevoelkerungsgruppen 5
  • Maenner vs. Frauen (global) — Suizidmortalitaet Maenner ca. 2,3:1 global; regional bis >4:1 (Osteuropa). Maenner sterben global ~2-3x haeufiger durch Suizid, waehrend Frauen mehr nicht-toedliche Versuche unternehmen (umgekehrtes Verhaeltnis bei Ideation/Versuch). WHO (Suicide worldwide in 2019) / GBD 2019 2021 · Deskriptive globale Mortalitaetsstatistik (Schaetzung ~703.000 Suizide/Jahr) · WHO 2021 'Suicide worldwide in 2019' (unbestaetigt)
  • Lesbische/schwule/bisexuelle Jugendliche (LGB) — OR ~3,5 (95%-KI ca. 2,8-4,5) fuer Suizidversuch vs. heterosexuelle Peers. LGB-Jugendliche haben ein etwa 3,5-fach erhoehtes Risiko fuer Suizidversuche gegenueber heterosexuellen Gleichaltrigen. di Giacomo E et al., JAMA Pediatrics 2018 · Systematische Review/Meta-Analyse, k~35 Studien · PMID 29528421 / DOI 10.1001/jamapediatrics.2017.4211 (unbestaetigt) Quelle ↗
  • Transmaskuline (female-to-male) Jugendliche — Lebenszeit-Suizidversuchsrate bis 50,8% (hoechste aller Subgruppen). Transmaskuline Jugendliche berichten mit ~51% die hoechste Lebenszeit-Suizidversuchsrate; alle Trans-/nichtbinaeren Subgruppen deutlich ueber cisgender Peers. Toomey RB, Syvertsen AK, Shramko M, Pediatrics 2018 · Querschnitt, N=120.617 Adoleszente (11-19 J.) · PMID 30206149 (unbestaetigt) Quelle ↗
  • Laendliche vs. staedtische Jugendliche (10-24 J.) — Laendliche Rate nahezu doppelt so hoch; IRR fuer laendliche Maenner ~1,7-1,8. Suizidraten laendlicher Jugendlicher waren nahezu doppelt so hoch wie staedtischer, und die Kluft verbreiterte sich 1996-2010. Fontanella CA et al., JAMA Pediatrics 2015 · Nationale Mortalitaetsanalyse, 66.595 Suizide (10-24 J.) · PMID 25751611 (unbestaetigt) Quelle ↗
  • Aeltere Menschen mit Einsamkeit/sozialer Isolation — Konsistent positive Assoziation mit suizidalem Verhalten (Review-Evidenz). Soziale Isolation, Einsamkeit und Funktionsverlust sind robuste, modifizierbare Risikofaktoren fuer suizidales Verhalten im Alter - oft staerker als koerperliche Krankheit allein. Fässberg MM et al., systematischer Review (Aging & Mental Health / Int J Environ Res Public Health) 2016 · Systematischer Review sozialer Faktoren im Alter · Fässberg et al. 2016 (unbestaetigt)
Chronischer Schmerz & Rheumatologie 15
  • Fibromyalgie-Patient:innen vs. Allgemeinbevoelkerung/Kontrollen — Ideation OR 9,12 (95% KI 1,42-58,77); Versuch OR 3,12 (95% KI 1,37-7,12); Suizid-Ereignis HR 1,38 (95% KI 1,17-1,71). Ueber 394.000 FM-Patient:innen: ~30% Suizidgedanken, ~6% Suizidversuche; nach Adjustierung fuer psychiatrische Komorbiditaet verlor der Versuch-Effekt (adj. OR 1,27) die Signifikanz. Adawi et al. 2021, Frontiers in Psychiatry 2021 · Systematischer Review + Meta-Analyse, N=394.087 · PMID 34867495; DOI 10.3389/fpsyt.2021.629417 Quelle ↗
  • Rueckenschmerz-Diagnose vs. keine, adjustiert fuer Psychiatrie — HR 1,13 (95% KI 1,03-1,24). In 4,86 Mio. US-Veteranen blieb chronischer Rueckenschmerz auch nach Adjustierung fuer psychiatrische Diagnosen ein eigenstaendiger, signifikanter Suizidmortalitaets-Praediktor. Ilgen et al. 2013, JAMA Psychiatry 2013 · Retrospektive Kohorte, N=4.863.086 · PMID 23699975; DOI 10.1001/jamapsychiatry.2013.908 Quelle ↗
  • Psychogene Schmerzdiagnose vs. keine, adjustiert — HR 1,58 (95% KI 1,11-2,26). Psychogener Schmerz zeigte in der Ilgen-Kohorte das hoechste adjustierte Suizidrisiko aller nicht-malignen Schmerzdiagnosen, hoeher als Rueckenschmerz oder Migraene. Ilgen et al. 2013, JAMA Psychiatry 2013 · Retrospektive Kohorte, N=4.863.086 · PMID 23699975; DOI 10.1001/jamapsychiatry.2013.908 Quelle ↗
  • Arthritis-Diagnose vs. keine, adjustiert fuer Psychiatrie — HR 0,95 (95% KI 0,87-1,04); Fibromyalgie HR 1,16 (95% KI 0,92-1,44) n.s.. Anders als Rueckenschmerz/Migraene waren Arthritis und Fibromyalgie in der grossen Veteranenkohorte nach Adjustierung KEIN unabhaengiger Suizidmortalitaets-Praediktor - wichtiger Nullbefund gegen Ueberzeichnung. Ilgen et al. 2013, JAMA Psychiatry 2013 · Retrospektive Kohorte, N=4.863.086 · PMID 23699975; DOI 10.1001/jamapsychiatry.2013.908 Quelle ↗
  • Migraene vs. keine Migraene — Ideation+Versuch kombiniert OR 2,49 (95% KI 2,15-2,89); Versuch OR 3,47 (95% KI 2,68-4,49); Ideation OR 2,03 (95% KI 1,92-2,16). Migraene rund verdoppelt bis verdreifacht das Risiko fuer Suizidgedanken und -versuche; der Effekt auf den vollendeten Suizid war datenarm (nur 2 Studien, HR 1,68). Giakas et al. 2023, Frontiers in Neurology 2023 · Systematischer Review + Meta-Analyse · DOI 10.3389/fneur.2023.1160204 Quelle ↗
  • Chronischer Rueckenschmerz/Nackenschmerz vs. keiner — Ideation+Versuch OR 2,00 (95% KI 1,63-2,45); Versuch OR 2,53 (95% KI 2,05-3,12). Rueckenschmerz und Nackenschmerz verdoppeln das Risiko fuer Suizidgedanken/-versuche - vergleichbar mit Migraene, obwohl gesellschaftlich als 'banal' wahrgenommen. Giakas et al. 2023, Frontiers in Neurology 2023 · Systematischer Review + Meta-Analyse · DOI 10.3389/fneur.2023.1160204 Quelle ↗
  • Jede Kopfschmerzdiagnose vs. gematchte Allgemeinbevoelkerung — Suizidversuch 0,78% vs. 0,33% (~2-fach, adj. HR ca. 1,4); Suizidtod 0,21% vs. 0,15% (adj. HR ca. 1,4). In 25 Jahren daenischer Registerdaten war jede Kopfschmerzdiagnose - nicht nur Migraene, auch Spannungskopfschmerz - mit erhoehtem Suizidversuch und -tod assoziiert. Elser et al. 2025, JAMA Neurology 2025 · Nationale Matched-Kohorte, N=119.486 (+597.430 Kontrollen) · DOI 10.1001/jamaneurol.2024.4974 (exakte adj. HR-Werte unbestaetigt) Quelle ↗
  • RA-Diagnose vs. Allgemeinbevoelkerung, adjustiert — HR 1,07 (95% KI 0,86-1,33). In Ontario-Registerdaten war RA nach Adjustierung NICHT mit erhoehter vorsaetzlicher Selbstverletzung assoziiert - im Gegensatz zur ankylosierenden Spondylitis. Kuriya et al. 2020, PLOS ONE 2020 · Populationsbasierte Kohorte, N=53.240 (RA) · DOI 10.1371/journal.pone.0229273 Quelle ↗
  • AS-Diagnose vs. Allgemeinbevoelkerung, adjustiert — HR 1,59 (95% KI 1,15-2,21). Ankylosierende Spondylitis erhoehte das Risiko vorsaetzlicher Selbstverletzung signifikant (+59%), waehrend RA im selben Datensatz kein Signal zeigte - entzuendlich-mechanischer Schmerz bei Juengeren als moeglicher Treiber. Kuriya et al. 2020, PLOS ONE 2020 · Populationsbasierte Kohorte, N=13.964 (AS) · DOI 10.1371/journal.pone.0229273 Quelle ↗
  • EDS-Diagnose vs. gematchte Kontrollen — Suizidversuch RR 2,1 (95% KI 1,7-2,7). EDS-Betroffene hatten in schwedischen Registerdaten ~verdoppeltes Risiko fuer Suizidversuche sowie deutlich erhoehte Raten an Depression/Angst - eine massiv unterbeachtete Hochrisikogruppe. Cederlöf et al. 2016, BMC Psychiatry 2016 · Nationale Kohorte, N=1.771 EDS (+17.710 Kontrollen) · PMID 27377649; DOI 10.1186/s12888-016-0922-6 Quelle ↗
  • SLE-Patient:innen (gepoolte Praevalenz) — Ideation 16,8% (95% KI 11,0-24,5); Versuch 2,7% (95% KI 0,4-16,1); Suizidmortalitaet 0,9% (95% KI 0,5-1,5). Rund jede:r sechste SLE-Patient:in berichtet Suizidgedanken; ~1% versterben durch Suizid - relevant auch wegen neuropsychiatrischem Lupus als eigenstaendigem ZNS-Faktor. Mathkor et al. 2025, J. King Saud Univ. Science 2025 · Meta-Analyse, bis N=4.134 (Mortalitaet), 11 Studien (Ideation) · DOI 10.25259/JKSUS_421_2024 Quelle ↗
  • Genetisch praedizierter multilokulaerer chronischer Schmerz — Suizidversuch OR 1,67 (95% KI 1,21-2,35); Suizidtod OR 2,00 (95% KI 1,10-3,62). MR-Analyse stuetzt einen KAUSALEN Effekt chronischen Schmerzes auf Suizidversuch und -tod; Depression vermittelte aber nur ~34-39% des Effekts (der Rest ist depressionsunabhaengig). Balit et al. 2024, Molecular Psychiatry 2024 · Zwei-Stichproben-Mendelsche-Randomisierung · DOI 10.1038/s41380-024-02465-0 Quelle ↗
  • Chronischer Schmerz, Vergleich zwischen vs. innerhalb Zwillingspaaren — Zwischen Paaren OR 1,51 (95% KI 1,34-1,72); innerhalb monozygot OR 0,89 (95% KI 0,59-1,33) n.s.. Der Schmerz-Suizid-Zusammenhang verschwand innerhalb genetisch identischer Zwillingspaare - starker Hinweis, dass familiaere/genetische Konfundierung einen grossen Teil des Rohzusammenhangs erklaert. Chen et al. 2023, BMC Medicine 2023 · 10-Jahres-Laengsschnitt-Co-Twin-Kontrolle, N=17.148 Zwillinge · DOI 10.1186/s12916-022-02703-8 Quelle ↗
  • Opioid-Tagesdosis (Morphin-Aequivalent), 100+ mg vs. <20 mg — HR 2,15 (95% KI 1,64-2,81); 50-100 mg HR 1,69; 20-50 mg HR 1,48. Bei chronischen Schmerzpatient:innen stieg das Suizidrisiko monoton mit der Opioiddosis - hoehere Dosis als Marker (nicht zwingend Ursache) fuer erhoehtes Risiko. Ilgen et al. 2016, Pain 2016 · Kohorte, N=123.946 · PMID 26761386; DOI 10.1097/j.pain.0000000000000484 Quelle ↗
  • Chronischer Schmerz allgemein vs. Allgemeinbevoelkerung — Mind. ~2-fach erhoehtes Risiko fuer suizidales Verhalten und vollendeten Suizid (aggregierte Angabe). Umfassender Review: Menschen mit chronischem Schmerz haben mindestens doppelt so hohes Risiko fuer suizidales Verhalten; Schmerzintensitaet, -dauer, Schlaflosigkeit und 'mental defeat' als zentrale Modulatoren. Racine 2018, Prog. Neuropsychopharmacol. Biol. Psychiatry 2018 · Systematischer/narrativer Review · PMID 28847525; DOI 10.1016/j.pnpbp.2017.08.020 Quelle ↗
Soziale Determinanten 5
  • Arbeitslose (Individualebene, v.a. erste Jahre nach Jobverlust) — Gepooltes relatives Risiko Suizid ca. RR ~1.58 (Groessenordnung; hoechste Risiken in den ersten ~5 Jahren nach Arbeitslosigkeit). Meta-Analyse: Arbeitslosigkeit war mit deutlich erhoehtem Suizidrisiko assoziiert, am staerksten in den ersten Jahren nach Jobverlust, mit Abschwaechung ueber die Zeit. Milner A, Page A, LaMontagne AD, PLoS ONE 2013 · Systematische Review + Meta-Analyse (mehrere Kohortenstudien) · DOI: 10.1371/journal.pone.0051333 (Effektstaerke/KI unbestaetigt) Quelle ↗
  • Kreise mit niedrigem SES und hoher sozialer Isolation — Hoehere Suizidraten in Kreisen mit niedrigem SES und Isolationsindikatoren (oekologisch, Assoziation). Register- und Zensusdaten zeigten, dass niedriger sozioekonomischer Status und Indikatoren sozialer Isolation auf Kreisebene mit hoeheren Suizidraten in Deutschland einhergingen. Naeher AF, Rummel-Kluge C, Hegerl U, Front Psychiatry 2020 · Longitudinale Register-/Zensusanalyse, Kreisebene · unbestaetigt (mgl. DOI: 10.3389/fpsyt.2019.00898) Quelle ↗
  • Wohnungslose (registerbasiert) — Stark erhoehte standardisierte Mortalitaetsratio (SMR) fuer Suizid; Groessenordnung mehrfach erhoeht, bei Frauen relativ noch staerker. In einer daenischen Registerkohorte war die Suizidmortalitaet Wohnungsloser gegenueber der Allgemeinbevoelkerung vielfach erhoeht (SMR deutlich >1), besonders ausgepraegt bei Frauen. Nilsson SF, Hjorthoj CR, Erlangsen A, Nordentoft M, Eur J Public Health 2014 · Nationale Registerkohorte Wohnungsloser · unbestaetigt
  • Sozial isolierte / einsame / alleinlebende Personen — Konsistente positive Assoziation von Isolation und Einsamkeit mit Suizidgedanken und -verhalten (narrative Synthese). Narrative Review: Soziale Isolation, Alleinleben und subjektive Einsamkeit waren durchgaengig mit Suizidgedanken, -versuchen und Suizid assoziiert. Calati R, Ferrari C, Brittner M et al., J Affect Disord 2019 · Narrative Review zahlreicher Studien · DOI: 10.1016/j.jad.2018.11.022 (unbestaetigt) Quelle ↗
  • Aeltere mit Isolation, Einsamkeit, Familienkonflikt, Verlust — Soziale Faktoren (Isolation, Einsamkeit, geringe soziale Teilhabe) als Risikofaktoren fuer suizidales Verhalten im Alter (qualitative Synthese). Systematische Review: Bei aelteren Erwachsenen waren soziale Isolation, Einsamkeit und Familienkonflikte mit erhoehtem suizidalem Verhalten verbunden, waehrend soziale Teilhabe protektiv wirkte. Faessberg MM, van Orden KA, Duberstein P et al., Int J Environ Res Public Health 2012 · Systematische Review · unbestaetigt (mgl. DOI: 10.3390/ijerph9030722) Quelle ↗
Neurodivergenz & Entwicklung 17
  • Autismus-Spektrum-Störung (ASS), Gesamtkohorte vs. gematchte Allgemeinbevölkerung — Gesamtmortalitäts-OR 2.56 (95% KI 2.38–2.76); Suizid einer der führenden vermeidbaren Todesursachen, besonders bei ASS ohne Intelligenzminderung und bei Frauen. Menschen mit Autismus starben rund 2,5-fach häufiger vorzeitig; Suizid war eine der Haupttodesursachen im 'high-functioning'-Bereich, mit Geschlechts- und IQ-Moderation. Hirvikoski et al. 2016, British Journal of Psychiatry 208(3):232–238 2016 · Bevölkerungsbasierte Kohorte, 27.122 ASS-Probanden vs. 2.672.185 Kontrollen · PMID 26541693 Quelle ↗
  • Erwachsene mit Asperger-Syndrom (Spezialklinik-Kohorte) — 66% lebenszeitliche Suizidgedanken (vs. ~17% Allgemeinbevölkerung); 35% mit Suizidplänen oder -versuchen. Zwei Drittel autistischer Erwachsener berichteten Suizidgedanken und ein gutes Drittel Pläne/Versuche – ein Vielfaches der Allgemeinbevölkerung. Cassidy et al. 2014, The Lancet Psychiatry 1(2):142–147 2014 · Klinische Querschnittskohorte, n=374 Erwachsene mit Asperger · PMID 26360578 Quelle ↗
  • Autistische Erwachsene mit hohem Camouflaging und nicht gedeckten Unterstützungsbedarfen — Camouflaging und unerfüllte Unterstützungsbedarfe unabhängig mit Suizidalität assoziiert (Regressionsmodell; kein einfaches Effektmaß). Das Verbergen autistischer Merkmale ('Masking') war ein eigenständiger Prädiktor für Suizidalität – ein für spät-/unterdiagnostizierte Frauen zentraler, oft übersehener Mechanismus. Cassidy et al. 2018, Molecular Autism 9:42 2018 · Querschnitt, n=164 autistische Erwachsene · unbestätigt (DOI 10.1186/s13229-018-0226-4, in Sitzung nicht verifiziert) Quelle ↗
  • Menschen, die durch Suizid starben, mit erhöhten autistischen Merkmalen / möglichem (meist undiagnostiziertem) Autismus — ~10% der Suizidtoten mit Hinweisen auf erhöhte autistische Züge (weit über der ~1–2% Bevölkerungsprävalenz diagnostizierten Autismus). In einer Analyse von Suizidsterbefällen zeigten rund 10% Hinweise auf (überwiegend nicht diagnostizierten) Autismus – Hinweis auf massive Unterdiagnostik als Risikofaktor. Cassidy et al. 2022, British Journal of Psychiatry 221(5):683–691 2022 · Coroner-Aktenstudie, n=372 Suizidsterbefälle · unbestätigt (DOI 10.1192/bjp.2022.21, in Sitzung nicht verifiziert) Quelle ↗
  • Autistische / möglicherweise autistische Personen OHNE begleitende Intelligenzminderung — Deutlich erhöhte gepoolte Prävalenz von Ideation und Versuchen ggü. Allgemeinbevölkerung (Meta-Analyse mehrerer Studien). Gerade Autist:innen ohne Intelligenzminderung – häufig spät diagnostiziert – tragen eine besonders hohe Suizidalitätslast, was der Alltagsannahme 'schwerer betroffen = höheres Risiko' widerspricht. Newell et al. 2023, Molecular Autism 14:12 2023 · Systematisches Review & Meta-Analyse · PMID 36922899 Quelle ↗
  • ASS-Diagnostizierte vs. Nicht-ASS; Untergruppe Frauen mit ASS — Inzidenzraten-Ratio für Suizidversuch/-tod ~3-fach erhöht; relatives Risiko bei Frauen mit ASS besonders stark erhöht. Autismus war mit rund verdreifachtem Suizidverhaltensrisiko assoziiert, wobei Frauen mit ASS ein überproportional hohes relatives Risiko trugen. Kõlves et al. 2021, JAMA Network Open 4(1):e2033565 2021 · Bevölkerungskohorte, >6 Mio. Personen, 35.020 mit ASS · unbestätigt (DOI 10.1001/jamanetworkopen.2020.33565, in Sitzung nicht verifiziert) Quelle ↗
  • Autistische Kinder und Jugendliche — Erhöhte gepoolte Prävalenz von Ideation, Versuchen und Selbstverletzung (genaue Poolwerte in Sitzung nicht verifiziert). Bereits im Kindes- und Jugendalter ist Suizidalität bei Autismus deutlich häufiger als bei nicht-autistischen Gleichaltrigen. O'Halloran et al. 2022, Clinical Psychology Review 93:102144 2022 · Systematisches Review & Meta-Analyse · unbestätigt (Clin Psychol Rev 2022; DOI in Sitzung nicht verifiziert)
  • Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit ADHS — Vollendeter Suizid OR 6.69 (95% KI 3.24–17.39); Suizidgedanken OR 3.53 (2.94–4.25); Suizidversuche OR 2.35 (1.64–3.43). ADHS war mit stark erhöhtem Risiko über das gesamte Suizidspektrum assoziiert, am stärksten für den vollendeten Suizid (fast 7-fach). Septier et al. 2019, Neuroscience & Biobehavioral Reviews 103:109–118 2019 · Meta-Analyse, bis zu 44 Studien, >228.000 Personen · PMID 31129238 Quelle ↗
  • Kinder und Jugendliche mit ADHS (longitudinal) — Signifikant erhöhtes gepooltes Risiko für Suizidversuch/-verhalten (>2-fach; genaue Poolwerte in Sitzung nicht einzeln verifiziert). Aktuelle Längsschnitt-Meta-Analyse bestätigt: ADHS im Kindesalter sagt späteres Suizidverhalten voraus, weit über allgemeine Impulsivität hinaus. Garas et al. 2025, Brain and Behavior 15:e70618 2025 · Systematisches Review & Meta-Analyse (Längsschnittstudien) · DOI 10.1002/brb3.70618 Quelle ↗
  • ADHS-Jugendliche mit Methylphenidat-Behandlung vs. unbehandelt — Reduziertes Suizidrisiko unter Methylphenidat (protektive Assoziation; within-individual/Kohorten-Design). Anders als oft befürchtet war Stimulanzien-Behandlung nicht mit mehr, sondern mit weniger Suizidverhalten assoziiert – wichtig gegen Behandlungsvermeidung. Chen et al. 2017, Journal of Child Psychology and Psychiatry (Taiwan-Kohorte) 2017 · Landesweite Kohorte, ADHS-Jugendliche · PMID 29121517 Quelle ↗
  • Jugendliche und junge Erwachsene mit ADHS; besonders Komorbidität mit bipolarer Störung/Substanzkonsum — Erhöhte Hazard Ratio für Suizidversuch; Komorbiditäten (bipolar, Substanz) potenzieren das Risiko deutlich. ADHS erhöhte das Suizidversuchsrisiko im jungen Erwachsenenalter, wobei komorbide Störungen (v.a. bipolar) den Haupttreiber bildeten. Sun et al. 2019, The British Journal of Psychiatry (nationale Längsschnittstudie) 2019 · Landesweite Längsschnittkohorte · unbestätigt (BJPsych 2019; DOI in Sitzung nicht verifiziert)
  • Tourette-Syndrom / chronische Tic-Störung vs. Allgemeinbevölkerung — Suizidtod-OR ~4,4 (über 4-fach erhöht); Zusammenhang blieb nach Adjustierung für psychiatrische Komorbidität signifikant. Menschen mit Tourette/chronischen Tics starben mehr als 4-fach häufiger durch Suizid – auch unabhängig von Begleiterkrankungen. Fernández de la Cruz et al. 2017, Biological Psychiatry 82(2):111–118 2017 · Kohorte, 7.736 Patienten vs. 77.360 Kontrollen · unbestätigt (Biol Psychiatry 82(2):111–118; DOI 10.1016/j.biopsych.2016.08.023, in Sitzung nicht voll verifiziert) Quelle ↗
  • Jugendliche mit Fetalem Alkoholspektrum (FASD) — Suizidgedanken 35,2% (vs. 17,2% Allgemeinbevölkerung, ~2-fach); ernste Suizidversuche 13,0% (vs. 2,4%, ~5-fach). Jugendliche mit FASD berichteten doppelt so häufig Suizidgedanken und fünffach häufiger ernste Suizidversuche wie Gleichaltrige. O'Connor et al. 2019, Birth Defects Research 111(12):822–828 2019 · Klinische Kohorte, Jugendliche mit FASD · PMID 30677250 Quelle ↗
  • Kinder und Jugendliche mit FASD — Erhöhte Suizidalitätsraten; Risikofaktoren u.a. psychiatrische Komorbidität, Missbrauchserfahrungen, instabile Betreuung (Assoziationsanalyse). In einer aktuellen australischen Kohorte war Suizidalität bei FASD eng an vermeidbare psychosoziale Belastungen und Komorbiditäten gekoppelt. Tan et al. 2025, Alcohol, Clinical and Experimental Research 2025 · Klinische Kohorte, Kinder/Jugendliche mit FASD · DOI 10.1111/acer.70039 Quelle ↗
  • Menschen mit Intelligenzminderung; Differenzierung nach Schweregrad — Erhöhte Prävalenz von Selbstverletzung und Suizidalität, v.a. bei leichter ID; bei schwerer/profunder ID niedrigere gemeldete Raten (auch Erhebungsartefakt). Suizidalität und Selbstverletzung sind bei leichter Intelligenzminderung erhöht, während schwere Formen seltener erfasst werden – ein diagnostisches Übersehen, kein echtes Fehlen. Lindstedt et al. 2026, Journal of Intellectual Disability Research 70 2026 · Systematisches Review & Meta-Analyse · DOI 10.1111/jir.70052 Quelle ↗
  • Junge Männer mit niedrigerem gemessenem IQ (Wehrpflichtigen-Kohorte) — Inverse Assoziation: niedrigerer IQ mit erhöhtem späteren Suizidrisiko (dosisabhängiger Gradient; HR pro SD erhöht). Über große Konskriptionskohorten hinweg sagt niedrigere kognitive Leistung ein höheres späteres Suizidrisiko voraus – Kognition als unterschätzter Vulnerabilitätsmarker. Sörberg Wallin et al. 2018, u.a. auf Basis schwedischer Konskriptionsdaten 2018 · Große Längsschnittkohorte junger Männer · unbestätigt (Autor/Jahr genau, DOI in Sitzung nicht verifiziert)
  • Autistische Personen mit psychiatrischen Begleiterkrankungen (v.a. Depression, ADHS) — Selbstverletzung/Suizidalität am stärksten erhöht bei zusätzlicher Depression bzw. ADHS-Komorbidität (gepoolte Analyse). Nicht Autismus allein, sondern die Kombination mit Depression und ADHS treibt die höchste Suizidalitätslast – ein Argument für integrierte statt siloartige Versorgung. Systematisches Review & gepoolte Analyse 2024, eClinicalMedicine (Lancet) 2024 · Systematisches Review & gepoolte Analyse · unbestätigt (eClinicalMedicine 2024; DOI in Sitzung nicht verifiziert)
Ebene 3 · Verfassungsrelevantes — Verfassungs-Evidenzmatrix 15

Tragend (Quellenqualität A) · 15

V01 · Fehlende vorausgehende gruppendifferenzierte Folgenabschätzung

Maßstab: Art. 3 Abs. 3 S. 2 GG; Art. 2 Abs. 2 GG; Art. 20 Abs. 1 GG; Art. 31 UN-BRK; Begründungs- und Beobachtungspflichten

Besonders betroffen: Menschen mit Behinderungen; chronisch Kranke; suizidgefährdete Menschen; Kinder; komplexe Mehrfachbedarfe

Belege: GKV_LAW26; RKI_DIS; FOGS_NRW; KJP_REVIEW25; PEITZ26 · WHO_LIVE

Hoch belegt als Verfahrens- und Wissenslücke

Nicht bewiesen: Nicht bewiesen ist allein dadurch ein materieller Verfassungsverstoß oder ein bereits eingetretener Schaden. · Quellenqualität A, Reformnähe A

V02 · Daten- und Erfassungsblindheit gegenüber Nichtzugang und unterdiagnostizierten Gruppen

Maßstab: Art. 31 UN-BRK; Art. 3 Abs. 3 S. 2 GG; sachgerechte Bedarfsplanung

Besonders betroffen: Nicht diagnostizierte und spät diagnostizierte Menschen; Menschen ohne Zugang; nicht sichtbare und komplexe Behinderungen

Belege: PEITZ26; RKI_DIS; FOGS_NRW; WIDO_AUT; GBA_BP

Hoch belegt als Mess- und Planungsproblem

Nicht bewiesen: Nicht bewiesen ist, dass jede Planungsentscheidung tatsächlich zu Unterversorgung führt. · Quellenqualität A, Reformnähe B

V03 · Bereits bestehende gruppenspezifische Unterversorgung in Psychotherapie

Maßstab: Art. 3 Abs. 3 S. 2 GG; Art. 25 UN-BRK; Sicherstellungsauftrag SGB V

Besonders betroffen: Autistische Menschen; Menschen mit Intelligenzminderung; komplexe/chronische Fälle; Kinder/Jugendliche

Belege: FOGS_NRW; UKE_DUCKERT; UKE_DAVID; PTK_HH; PROMPT_ID; KJP_REVIEW25; BPTK_WAIT22 · Register 428–444

Hoch belegt für bestehende Lücke; Reformwirkung offen

Nicht bewiesen: Nicht bewiesen ist, dass die neue Vergütungsregel die Zahl der Plätze tatsächlich reduziert. · Quellenqualität A, Reformnähe B

V04 · Unterbrochene Schutzkette bei suizidalen Krisen und nach Entlassung

Maßstab: Art. 2 Abs. 2 S. 1 GG; staatliche Schutzpflicht; WHO-Standards

Besonders betroffen: Menschen nach Suizidversuch/Klinikentlassung; chronische Depression; Autismus; ADHS; FASD; Schmerz- und Traumagruppen

Belege: MAYER_GP25; WHO_LIVE · Register 74–83, 262–268, 317, 326–333, 428–444

Hoch belegt als Schutz- und Übergangslücke

Nicht bewiesen: Keine Studie beweist, dass ein einzelnes deutsches Spargesetz unmittelbar Suizide verursacht. · Quellenqualität A, Reformnähe B

V05 · Kommunikative Nichtzugänglichkeit medizinischer und psychischer Versorgung

Maßstab: Art. 3 Abs. 3 S. 2 GG; Art. 9 und 25 UN-BRK; Patientenrechte

Besonders betroffen: Gehörlose, schwerhörige, taubblinde, autistische, intellektuell oder sprachlich beeinträchtigte Menschen; Kinder

Belege: DEAF383; UKE_DUCKERT; FOGS_NRW; DISCRIM2201 · Register 17–23

Hoch belegt als reale Zugangsbarriere

Nicht bewiesen: Nicht jeder Kommunikationsfehler erreicht die Schwelle einer verfassungsrechtlichen Benachteiligung. · Quellenqualität A, Reformnähe B

V06 · Physische, sensorische und praktische Unzugänglichkeit trotz formaler Versorgung

Maßstab: Art. 3 Abs. 3 S. 2 GG; Art. 9 und 25 UN-BRK; § 4 BGG

Besonders betroffen: Menschen mit Mobilitäts-, Seh-, Hör- und Mehrfachbehinderungen; Assistenz- und Pflegebedarf

Belege: ACCESS21; WETZEL20; DEAF383; BMG_AP24 · Register 17–23

Gut bis hoch belegt; Datenqualität der Praxismerkmale begrenzt

Nicht bewiesen: Nicht bewiesen ist die genaue Zahl faktisch unzugänglicher Psychotherapieplätze je Behinderungsgruppe. · Quellenqualität A/B, Reformnähe B

V07 · Disproportionale Belastung durch Fristen, Mehrstufigkeit und Eigenorganisation

Maßstab: Art. 3 Abs. 3 S. 2 GG; effektiver Sozialleistungszugang; angemessene Vorkehrungen

Besonders betroffen: Menschen mit FASD, ADHS, intellektueller Behinderung, Depression, Fatigue/Brainfog, akuter Krise

Belege: EF_FASD; DIG_HEALTH · ADMIN_UK; Register 271, 435–440

Funktionale Vulnerabilität gut belegt; konkrete deutsche Verfahrensbenachteiligung noch unzureichend gemessen

Nicht bewiesen: Nicht bewiesen ist, dass eine bestimmte Vierwochenfrist diese Gruppen statistisch häufiger ausschließt. · Quellenqualität A, Reformnähe B

V08 · Fehlzuordnung, Diagnostic Overshadowing und atypische Symptompräsentation

Maßstab: Art. 3 Abs. 3 S. 2 GG; Art. 2 Abs. 2 GG; Behandlungsqualität und Patientensicherheit

Besonders betroffen: Autismus; Intelligenzminderung; Frauen/Mädchen; Trauma; komplexe somatisch-psychische Verläufe

Belege: FOGS_NRW; PROMPT_ID; UKE_DUCKERT; DISCRIM2201; RKI_WOMEN · Register 91–110, 428–444

Gut belegt als reales Versorgungsrisiko

Nicht bewiesen: Nicht jede Fehldiagnose ist diskriminierend; Häufigkeit und kausale Zuordnung sind gruppenabhängig. · Quellenqualität A/B, Reformnähe B

V09 · Nichtberücksichtigung fluktuierender und episodischer Funktionsfähigkeit

Maßstab: § 2 SGB IX; Art. 3 Abs. 3 S. 2 GG; ICF-Wechselwirkungsmodell

Besonders betroffen: ME/CFS, Post-COVID, Migräne, chronische Schmerzen, bipolare/rezidivierende Erkrankungen, episodische neurologische Erkrankungen

Belege: RKI_DIS; PEITZ26 · Register 30–31, 74–83, 91–110, 392–406

Klinische Fluktuation stark belegt; konkrete Vollzugsbenachteiligung nur teilweise belegt

Nicht bewiesen: Nicht bewiesen ist, dass alle Stichtagsentscheidungen fluktuierende Behinderung systematisch unterschätzen. · Quellenqualität A/B, Reformnähe C

V10 · Unzureichender Schutz behinderter und psychisch belasteter Kinder in knapper Versorgung

Maßstab: Art. 2 und 6 GG; Art. 3 Abs. 3 S. 2 GG; UN-KRK; Art. 7, 24, 25 UN-BRK

Besonders betroffen: Kinder/Jugendliche allgemein; behinderte/chronisch kranke Kinder; Kinder mit Krisen-/Suizidrisiko

Belege: KJP_REVIEW25; RKI_CHILD; BARMER_KJP; DAK_KJR23; DAK_KJR25; WIBIG_BY; REDUGIA_BY; DESTATIS_EGH · Register 201–203, 317, 332, 372–386, 428–444

Hoch belegt für allgemeine und einzelne gruppenspezifische Lücken

Nicht bewiesen: Noch unzureichend belegt ist der direkte Wartezeitvergleich behinderter versus nichtbehinderter Kinder. · Quellenqualität A, Reformnähe B

V11 · Kumulative finanzielle und indirekte Belastung bei dauerhaftem Versorgungsbedarf

Maßstab: Art. 3 Abs. 1 und Abs. 3 S. 2 GG; Sozialstaatsprinzip; Art. 25 UN-BRK

Besonders betroffen: Chronisch/mehrfach erkrankte Menschen; Armut; Pflege-/Assistenzbedarf; ländlicher Raum; Familien mit behinderten Kindern

Belege: RKI_DIS; PEITZ26; DAK_KJR25; OECD25 · Register 271, 409, 418–421

Sozialer Mechanismus gut belegt; konkrete kumulative Reformlast noch nicht berechnet

Nicht bewiesen: Nicht bewiesen ist die individuelle oder gruppenspezifische Gesamtmehrbelastung der aktuellen Reform. · Quellenqualität A/B, Reformnähe B

V12 · Digitale und steuernde Zugänge ohne gleichwertige barrierefreie Alternative

Maßstab: Art. 3 Abs. 3 S. 2 GG; Art. 9 und 25 UN-BRK; BITV/BFSG je Anwendungsbereich

Besonders betroffen: Intellektuelle/kognitive Beeinträchtigungen; Seh-/Hörbehinderung; ältere Menschen; Menschen ohne digitale Ressourcen; Krisen

Belege: DIG_HEALTH; DEAF383; PEITZ26; ZI_TREND25; ZI_TSS26 · Internationale Digital-Health-Inclusion-Reviews

Gut begründeter Prüfbedarf; gruppenspezifische deutsche Erfolgs-/Abbruchdaten fehlen

Nicht bewiesen: Nicht bewiesen ist, dass Digitalisierung insgesamt den Zugang verschlechtert; für viele verbessert sie ihn. · Quellenqualität A/B, Reformnähe B

V13 · Regionale Ungleichheit und faktisch unterschiedliche reale Kapazität

Maßstab: Art. 3 Abs. 1 GG; Art. 3 Abs. 3 S. 2 GG; Sicherstellungsauftrag; gleichwertige Lebensverhältnisse als politischer Maßstab

Besonders betroffen: Ländliche Regionen; spezialisierungsabhängige Gruppen; Kinder; Menschen ohne Mobilität/Fahrdienst

Belege: FOGS_NRW; PTK_HH; PROMPT_ID; ZI_TREND25; ACCESS21 · Register 383, 409, 418–421

Gut belegt als regionale Versorgungs- und Zugangsfrage

Nicht bewiesen: Landesdaten dürfen nicht als bundesweite Prävalenz oder Quote ausgegeben werden. · Quellenqualität A/B, Reformnähe B

V14 · Kumulative Wechselwirkungen mehrerer gleichzeitig wirksamer Reformen werden nicht untersucht

Maßstab: Art. 2 Abs. 2 GG; Art. 3 GG; Beobachtungs- und Nachsteuerungspflichten

Besonders betroffen: Menschen mit Mehrfacherkrankung und mehrfacher Vulnerabilität

Belege: GKV_LAW26; RKI_DIS; FOGS_NRW; PEITZ26; KJP_REVIEW25

Evidenzlücke selbst klar; kumulative Schadenswirkung ist Hypothese

Nicht bewiesen: Nicht bewiesen ist eine additive oder multiplikative Gesamtwirkung. · Quellenqualität A für Einzellücken / C für Interaktion, Reformnähe A

V15 · Evaluation ohne garantierte Gruppensensitivität, Unabhängigkeit und rechtzeitige Korrektur

Maßstab: Art. 3 Abs. 3 S. 2 GG; Art. 2 Abs. 2 GG; Art. 4 Abs. 3 und Art. 31 UN-BRK

Besonders betroffen: Alle besonders betroffenen Gruppen; insbesondere Personen, die in Routinedaten unsichtbar bleiben

Belege: GKV_LAW26; PEITZ26; RKI_DIS; KJP_REVIEW25 · WHO_LIVE

Hoch belegt als Ausgestaltungs- und Kontrolllücke

Nicht bewiesen: Nicht bewiesen ist, dass das BMG diese Gruppen tatsächlich nicht freiwillig einbezieht. · Quellenqualität A, Reformnähe A

Weitere Einträge (0)
Deutsche Datenbasis — amtliche Statistiken, Berichte, Forschung 37

Amtliche und institutionelle deutsche Quellen (u. a. RKI, Statistisches Bundesamt, Landesforschung). Sie belegen die Ausgangslage und die verfügbare Prüfgrundlage, nicht die Wirkung einer einzelnen Reform.

Geprüfte Quellen · 36

Robert Koch-Institut — Gesundheit von Menschen mit Beeinträchtigungen und Behinderungen in Deutschland (2022)

Typ: Amtliche Gesundheitsberichterstattung · GEDA 2014/2015-EHIS; n=23.372

Nur 21,5 % bewerten ihre Gesundheit als gut/sehr gut gegenüber 76,0 % ohne Beeinträchtigung; depressive Symptomatik 27,1 % gegenüber 7,5 %.

Verwendbar für: Gesundheitliche Ausgangslage, psychische Mehrbelastung, Datenbedarf

Aussagegrenze: Querschnitt; keine Aussage zur Wirkung eines einzelnen Gesetzes. Quelle ↗

Robert Koch-Institut — Gesundheit von Frauen mit Behinderungen (2020)

Typ: Amtliche Gesundheitsberichterstattung · GEDA und weitere amtliche Quellen

Dokumentiert besondere gesundheitliche Belastungen, höhere Inanspruchnahme und geschlechtsspezifische Ungleichheiten.

Verwendbar für: Intersektion Geschlecht und Behinderung

Aussagegrenze: Keine spezifische Reformfolgenanalyse. Quelle ↗

Robert Koch-Institut / BZgA — Psychische Gesundheit in Deutschland – Kinder und Jugendliche (2025)

Typ: Amtlicher Bericht · Bevölkerungs- und Surveillancedaten

Zeigt erhebliche psychische Belastungen und Versorgungsbedarf bei Kindern und Jugendlichen.

Verwendbar für: Kinder/Jugendliche, psychische Ausgangslage

Aussagegrenze: Psychische Auffälligkeit ist nicht gleich Suizidalität. Quelle ↗

Peitz et al.; RKI/BARMER — Assessing Unmet Need for Mental Healthcare Among Adults in Germany (2026)

Typ: Verknüpfte bundesweite Studie · Bundesweite Befragungsdaten mit Verknüpfung dokumentierter Nutzung

Erfasst selbstberichteten ungedeckten Bedarf und Barrieren zusätzlich zu dokumentierter Inanspruchnahme.

Verwendbar für: Datenblindheit: Nicht-Nutzende fehlen in reinen Abrechnungsdaten

Aussagegrenze: Selbstbericht und dokumentierte Nutzung beantworten unterschiedliche Fragen. Quelle ↗

Statistisches Bundesamt — Statistik der schwerbehinderten Menschen 2025 (2026)

Typ: Amtliche Statistik · Amtlich anerkannte Schwerbehinderung

Gut 7,8 Mio. Menschen mit anerkannter Schwerbehinderung.

Verwendbar für: Größenordnung der geschützten Gruppe

Aussagegrenze: Erfasst nicht alle Menschen mit Behinderungen und keinen konkreten Anpassungsbedarf. Quelle ↗

Statistisches Bundesamt — Empfängerinnen und Empfänger von Eingliederungshilfe 2024 (2025)

Typ: Amtliche Statistik · Leistungsstatistik SGB IX

Rund 324.570 Leistungsbeziehende waren minderjährig.

Verwendbar für: Größenordnung behinderter Kinder in Unterstützungssystemen

Aussagegrenze: Leistungsbezug ist kein vollständiger Bedarfs- oder Versorgungsindikator. Quelle ↗

FOGS im Auftrag des MAGS NRW — Psychiatrische und psychotherapeutische Versorgung von Menschen mit Intelligenzminderung bzw. ASS in NRW (2023)

Typ: Landesgutachten / Versorgungsdaten · Literatur, KV-Daten, Einrichtungen, rund 100 Fachgespräche, Betroffenenperspektiven

Bedarf bei Weitem nicht gedeckt, besonders Psychotherapie; nur 970 Zielgruppenpersonen in psychotherapeutischen Praxen/Spezialangeboten (2020); bei F73 in KVNO-Tabelle keine psychotherapeutische Versorgung dokumentiert.

Verwendbar für: Reale gruppenspezifische Unterversorgung, Vergütung/Flexibilität, Diagnostik

Aussagegrenze: NRW; teils Fall- statt Personendaten; Datenstand überwiegend 2020–2022. Quelle ↗

Duckert et al. — Barriers and needs in mental healthcare of autistic adults in Germany (2023)

Typ: Qualitative deutsche Versorgungsstudie · 15 autistische Erwachsene, 12 Angehörige/Partner, 15 Leistungserbringende

Sechs Themen: fehlendes Wissen, Beteiligung, Anpassung, Angebote, Zugang und Zusammenarbeit.

Verwendbar für: Kommunikation, Anpassung, Zugang, Koordination

Aussagegrenze: Kleine qualitative Stichprobe; keine Prävalenzschätzung. Quelle ↗

David et al. — Healthcare barriers and health-related quality of life in autistic adults (2024)

Typ: Bundesweite Onlinebefragung · 311 autistische Erwachsene ohne Intelligenzminderung

Mehr erlebte Versorgungsbarrieren waren mit geringerer psychischer und körperlicher Lebensqualität assoziiert.

Verwendbar für: Gesundheitsrelevanz realer Barrieren

Aussagegrenze: Querschnitt; keine eindeutige Kausalrichtung; ohne Intelligenzminderung. Quelle ↗

Psychotherapeutenkammer Hamburg — Versorgung von Menschen mit (Verdacht auf) ASS in Hamburg (2026)

Typ: Regionale Kammerbefragung · 561 gültige Antworten; Befragung 2025

Über 86 % bewerten Diagnostik und Psychotherapie als unzureichend; eine mittlere Wartezeit bei den Angeboten von 27,5 Wochen; Wissens- und Abrechnungsprobleme werden genannt.

Verwendbar für: Kapazität, Qualifikation, Vergütung, Wartezeit

Aussagegrenze: Freiwillige Befragung, Rücklauf 21,7 %, mögliche Selbstselektion. Quelle ↗

Universitätsklinikum Dresden / Schützwohl et al. — PROMPT-ID: psychiatrische und psychotherapeutische Versorgung bei Intelligenzminderung (2016)

Typ: DFG-Versorgungsforschung · Epidemiologische Querschnittsstudie

Untersucht psychische Erkrankungen, Psychopharmaka, Nutzung und Barrieren psychotherapeutischer Versorgung.

Verwendbar für: Intelligenzminderung, Behandlungsform, Datenlücken

Aussagegrenze: Vor allem professionell betreute Wohn-/Arbeitsformen; ältere Daten. Quelle ↗

Dittmann et al. — Outpatient psychotherapeutic care for children and adolescents in Germany (2025)

Typ: Scoping Review Deutschland · 41 Publikationen 2018–2023

Kapazitäten unzureichend; mindestens bei der Hälfte Wartezeiten über sechs Monate; standardisierte systematische Evaluation fehlt.

Verwendbar für: Kinderpsychotherapie, Wartezeit, Evaluationslücke

Aussagegrenze: Heterogene Studien und Definitionen; keine spezielle Behindertenvergleichsgruppe. Quelle ↗

BARMER Institut für Gesundheitssystemforschung — Arztreport 2021 – Psychotherapie bei Kindern und Jugendlichen (2021)

Typ: Krankenkassen-Routinedaten · Abrechnungsdaten von über 1,6 Mio. jungen Versicherten; Zeitraum 2009–2019

Für 2019 wurden hochgerechnet etwa 823.000 junge Menschen mit psychotherapeutischen Leistungen beschrieben; deutlicher Anstieg über elf Jahre.

Verwendbar für: Inanspruchnahme und Nachfrageentwicklung

Aussagegrenze: Inanspruchnahme ist nicht Bedarf; Daten vor 2020; Definitionen/Altersgruppen beachten. Quelle ↗

DAK-Gesundheit / Vandage / Universität Bielefeld — Kinder- und Jugendreport 2023 (2023)

Typ: Krankenkassen-Routinedaten · Routinedaten bis zu rund 786.000 versicherter Kinder/Jugendlicher

Dokumentiert Trends psychischer Erkrankungen und Versorgung nach der Pandemie.

Verwendbar für: Kinder/Jugendliche, Diagnosen, stationäre Versorgung

Aussagegrenze: Nur DAK-Versicherte; Abrechnungsdiagnosen; kein direkter Behinderungsvergleich. Quelle ↗

DAK-Gesundheit — Kinder- und Jugendreport 2025 – Angststörungen (2025)

Typ: Krankenkassen-Routinedaten · Abrechnungsdaten 5–17 Jahre

Aktuelle Routinedaten zu Angststörungen, Versorgung und sozialen Unterschieden.

Verwendbar für: Kinder, psychische Erkrankung, soziale Lage

Aussagegrenze: Kein direkter Vergleich behinderter/nichtbehinderter Kinder. Quelle ↗

DAK-Gesundheit — Psychreport 2025 (2025)

Typ: Krankenkassen-Routinedaten · 2,42 Mio. erwerbstätige DAK-Versicherte

Psychische Erkrankungen verursachten 17,4 % der Fehltage; hohe Falldauer und Belastung.

Verwendbar für: Gesundheits- und Erwerbsfolgen psychischer Erkrankungen

Aussagegrenze: Arbeitsunfähigkeitsdaten sind keine Versorgungszugangsdaten. Quelle ↗

Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung — Zi-Trendreport zur vertragsärztlichen Versorgung, Stand Juli 2025 (2025)

Typ: KV-Routinedaten · Bundesweite vertragsärztliche Abrechnungsdaten

Enthält monatliche psychotherapeutische Behandlungsfälle, Einzel-/Gruppentherapie, Notfälle und Videosprechstunden.

Verwendbar für: Ausgangswerte und Monitoringinstrument

Aussagegrenze: Behandlungsfälle messen nicht Wartezeit, Ablehnung oder ungedeckten Bedarf. Quelle ↗

Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung — TSS-Vermittlungsfälle Februar 2026 (2026)

Typ: Vermittlungsdaten / Gegenbefund · Nur über 116117 vermittelte Termine

Für vermittelte Psychotherapietermine wurde eine durchschnittliche Wartezeit von sechs Tagen berichtet.

Verwendbar für: Gegenbefund: schneller Zugang zu einem vermittelten Teilkontakt

Aussagegrenze: Nicht gleichzusetzen mit Beginn einer Richtlinienpsychotherapie; nur aktiv vermittelte Termine. Quelle ↗

Bundespsychotherapeutenkammer — Psychisch Kranke warten 142 Tage auf eine psychotherapeutische Behandlung (2022)

Typ: Berufsständische Abrechnungsanalyse · Auswertung damaliger Abrechnungsdaten

Durchschnittlich 142,4 Tage zwischen Erstgespräch und Behandlungsbeginn.

Verwendbar für: Bestehende Wartezeit

Aussagegrenze: Datenstand/Veröffentlichung 2022; Interessenverband; nicht mit TSS-Teilkontakt verwechseln. Quelle ↗

Mayer et al. — Barriers to suicide prevention in primary care (2025)

Typ: Qualitative deutsche Studie · Qualitative Interviews mit Hausärztinnen und Hausärzten

Zeitmangel, Fortbildungsbedarf, fehlende Protokolle sowie fehlende psychosoziale/psychiatrische Anschlussangebote.

Verwendbar für: Reale Lücken in Erkennung, Navigation und Weitervermittlung

Aussagegrenze: Perspektive von Leistungserbringenden; keine Häufigkeitsschätzung. Quelle ↗

Höcker et al. — Experiences and barriers in acute healthcare among deaf and hard-of-hearing adults (2023)

Typ: Deutsche barrierefreie Befragung · 383 gehörlose/schwerhörige Erwachsene; Befragung in DGS

Kommunikationsprobleme, geringe Zufriedenheit und bewusster Verzicht auf Arztbesuche trotz Symptomen wurden berichtet.

Verwendbar für: Kommunikationsbarriere und tatsächliche Nichtinanspruchnahme

Aussagegrenze: Selbstbericht; spezifisch für akute Versorgung. Quelle ↗

Scholl et al. — Discrimination in healthcare in Germany (2024)

Typ: Repräsentative Bevölkerungsbefragung · 2.201 Personen

26,6 % berichteten Diskriminierung im Gesundheitswesen; gesundheitliche Probleme/Behinderung wurden häufig als Grund genannt.

Verwendbar für: Reale wahrgenommene Benachteiligung

Aussagegrenze: Selbstbericht; Gründe können sich überschneiden; keine einzelne Reform. Quelle ↗

Wetzel & Rathmann — Inanspruchnahme und wahrgenommene Barrieren des Gesundheitswesens bei Menschen mit Behinderung (2020)

Typ: Deutsche Sekundäranalyse · GEDA-Daten

Analysiert Nutzung und wahrgenommene Barrieren nach Behinderung.

Verwendbar für: Allgemeiner Zugang und Barrieren

Aussagegrenze: Selbstbericht; ältere Daten. Quelle ↗

Deutsches Institut für Menschenrechte / Teilhabebericht — Barrierefreiheit ärztlicher Praxen (2023)

Typ: Amtlicher/Monitoring-Bericht · Berichts- und Monitoringergebnisse

Nur rund 21 % der Praxen werden als rollstuhlgerecht ausgewiesen; nur etwa 13 % erfüllen ein weiteres Barrierefreiheitskriterium.

Verwendbar für: Faktisch eingeschränkter Zugang bei körperlichen/sensorischen Behinderungen

Aussagegrenze: Angaben beruhen auf verfügbaren Praxismerkmalen; Qualität/Vollständigkeit der Meldungen begrenzt. Quelle ↗

Bundesministerium für Gesundheit — Aktionsplan für ein diverses, inklusives und barrierefreies Gesundheitswesen (2024)

Typ: Regierungsdokument · Politischer Aktionsplan

Anerkennt fortbestehende Barrieren und Handlungsbedarf im Gesundheitswesen.

Verwendbar für: Staatliche Problemanerkennung

Aussagegrenze: Kein empirischer Wirkungsnachweis und kein Ersatz für verbindliche Standards. Quelle ↗

Deutscher Bundestag — Anhörung zur psychotherapeutischen Versorgung und Vergütung (2026)

Typ: Parlamentarische Anhörung / Prognosen · Stellungnahmen verschiedener Sachverständiger

Fachverbände warnen vor Kapazitäts-/Anreizeffekten; GKV-Seite betont Steuerung statt alleiniger Mehrvergütung.

Verwendbar für: Widerstreitende fachliche Prognosen zur Reform

Aussagegrenze: Keine gemessenen Reformfolgen; Interessenpositionen müssen als solche markiert werden. Quelle ↗

Bundestag / Bundesregierung — GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz und Evaluationsauftrag (2026)

Typ: Gesetz / Regierungsentwurf · Normtext und Gesetzesbegründung

Finanzwirkungen werden beziffert; unter 'Weitere Gesetzesfolgen' steht 'Keine'; Evaluation bis spätestens Ende 2030, ohne ausdrücklich gruppendifferenzierte Pflicht.

Verwendbar für: Fehlende vorausgehende gruppenspezifische Folgenabschätzung; Evaluationsdesign

Aussagegrenze: Rechts-/Verfahrensbefund, kein empirischer Schadensnachweis. Quelle ↗

Gemeinsamer Bundesausschuss — Bedarfsplanungs-Richtlinie (2026)

Typ: Planungsnorm · Rechts-/Planungsrahmen

Soll bundesweit bedarfsgerechten Zugang sichern; basiert wesentlich auf Planungszahlen und dokumentierter Versorgung.

Verwendbar für: Planungslogik und mögliche Datenblindheit

Aussagegrenze: Beweist weder Unter- noch Überversorgung einzelner Gruppen. Quelle ↗

Weltgesundheitsorganisation — LIVE LIFE – Implementation guide for suicide prevention (2021)

Typ: Internationaler Standard · Evidenzbasierter Implementierungsrahmen

Betont koordinierte, zugängliche Hilfen und Nachsorge.

Verwendbar für: Schutzkette Suizidprävention

Aussagegrenze: International; Umsetzung muss an deutsches System angepasst werden. Quelle ↗

OECD / EU — Germany Country Health Profile 2025 (2025)

Typ: Internationales Länderprofil / Gegenbefund · Vergleichsdaten

2024 berichteten 10 % der Erwachsenen ungedeckten Bedarf an psychischer Gesundheitsversorgung.

Verwendbar für: Makroindikator ungedeckter Bedarf

Aussagegrenze: Keine Differenzierung nach Behinderung; internationale Methodik. Quelle ↗

Bayerisches Sozialministerium — WiBIG – Kinder und Jugendliche mit geistiger Behinderung und intensivpädagogischem Bedarf (2020)

Typ: Landesprojekt / wissenschaftliche Begleitung · Stationäre Einrichtungen / spezifische Hochbedarfsgruppe

Beschreibt unzureichende Strukturen und empfiehlt Ausbau psychotherapeutischer sowie wohnortnaher ambulanter Hilfen.

Verwendbar für: Behinderte Kinder, Trauma, Übergänge

Aussagegrenze: Sehr spezifische stationäre Gruppe; nicht auf alle Kinder übertragbar. Quelle ↗

Bayerisches Sozialministerium — REDUGIA – psychiatrische Krisenversorgung bei Kindern/Jugendlichen mit Intelligenzminderung (2020)

Typ: Landesforschung · Spezifische Kinder-/Jugendpopulation

Identifiziert Kompetenz- und Strukturbedarf in Krisenversorgung, Trauma- und Verhaltenstherapie.

Verwendbar für: Krise, stationäre Versorgung, behinderte Kinder

Aussagegrenze: Nicht als Beleg allgemeiner Psychotherapiekapazität geeignet. Quelle ↗

WIdO / AOK — Autismusdiagnosen und Versorgung bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen (2015)

Typ: Krankenkassen-Routinedaten · AOK-Abrechnungsdaten; 14.749 Personen mit dokumentierter Diagnose

Zeigt dokumentierte Diagnosen und deren zeitliche Stabilität/Versorgungsmuster.

Verwendbar für: Diagnose- und Datenlogik

Aussagegrenze: Ältere Daten; nicht diagnostizierte Menschen fehlen; Diagnosekodierung ist kein Bedarf. Quelle ↗

Barr et al. — Work Capability Assessment and population mental health (2016)

Typ: Internationale Quasi-Experimentstudie · Ökologische Längsschnitt-/Policyanalyse

Mehr Reassessments waren mit zusätzlichen Suiziden, psychischer Belastung und Antidepressiva-Verordnungen assoziiert.

Verwendbar für: Plausibilität administrativer Belastung als Gesundheitsrisiko

Aussagegrenze: Nicht Deutschland; ökologisch; nicht direkt auf konkrete deutsche Frist übertragbar. Quelle ↗

Kingdon et al. — Executive function deficits in FASD and ADHD (2016)

Typ: Systematische Review/Metaanalyse · Metaanalyse

FASD und ADHS zeigen deutliche exekutive Defizite; bei FASD besonders Planung, Fluenz und Set-Shifting.

Verwendbar für: Funktionsbezug komplexer Verfahren

Aussagegrenze: Belegt Funktion, nicht tatsächlichen Leistungsverlust in deutschen Verfahren. Quelle ↗

HLS-GER 2 — Gesundheitskompetenz der Bevölkerung in Deutschland (2021)

Typ: Deutsche Gesundheitskompetenzstudie · Repräsentative Befragung

Navigation im Gesundheitssystem ist für einen sehr großen Bevölkerungsanteil schwierig.

Verwendbar für: Komplexität und digitale/organisatorische Barrieren

Aussagegrenze: Nicht behinderungsspezifisch; Selbstbericht. Quelle ↗

Weitere Quellen (1)

UKE / Verbundpartner — BASS-Teams (2026)

Typ: Laufende Interventionsstudie · Geplant 326 autistische Erwachsene; Messungen über 12 Monate

Prüft ein barriereärmeres integriertes Versorgungsmodell gegen Regelversorgung.

Verwendbar für: Zeigt anerkannten Forschungs- und Anpassungsbedarf

Aussagegrenze: Laufend; noch kein Ergebnisbeleg. Quelle ↗

Eigene Modelle & Dokumente — Lösungsebene, kein unabhängiger Beleg 13

Politisch-strategische Eigenentwicklungen. Sie ordnen und schlagen Lösungen vor; sie sind ausdrücklich kein unabhängiger empirischer Beleg.

LIORA · Strategie- und Koordinationsarchitektur

Verbindet die Einzelmodelle und formuliert den interministeriellen Auftrag.

Evidenzstatus: Eigener strategischer Rahmen · geeignet für: Lösungsebene nach Darstellung der unabhängigen Evidenz

KONVERA · Funktions- und Hypothesenmodell

Ordnet wiederkehrende funktionale Belastungen und mögliche Kaskaden.

Evidenzstatus: Eigene These/Synthese · geeignet für: Forschungsfragen, Strukturierung, Hypothesenbildung

MEDIRA · Krankenhaus-Positionspapier

Überträgt die Barrierenthese auf Krankenhausqualität und Patientensicherheit.

Evidenzstatus: Eigene These/Synthese · geeignet für: Lösungsvorschläge, Qualitätsindikatoren, Forschungsagenda

NEXUS · Governance-Modell

Ordnet Zuständigkeiten und ressortübergreifende Wechselwirkungen.

Evidenzstatus: Eigener Strukturrahmen · geeignet für: Koordinations- und Zuständigkeitsvorschlag

PRAEVIO · Präventions- und Lebensphasenmodell

Strukturiert Präventionsbedarfe über Lebensphasen und Kontaktpunkte.

Evidenzstatus: Eigener Handlungsrahmen · geeignet für: Präventionsagenda und Ableitung von Monitoringfragen

FEMORA · Intersektionales Positionspapier

Fokussiert Frauen und Mädchen mit nicht sichtbaren Behinderungen.

Evidenzstatus: Eigener Analyse- und Lösungsrahmen · geeignet für: Ergänzende Gleichstellungs- und Vollzugsperspektive

SORIA · Schul- und Sozialraumpapier

Überträgt die Schutz- und Barrierenfragen auf Schule und Kinder.

Evidenzstatus: Eigener bildungs-/sozialpolitischer Rahmen · geeignet für: Forderungen und Forschungsfragen zur Schule

INVERSIO · Rechts- und Symbolmodell

Entwickelt Legitimität, Sichtbarkeit und Nachteilsausgleiche als Lösungsansatz.

Evidenzstatus: Eigene rechtspolitische Argumentation · geeignet für: Reformvorschlag und normativer Diskussionsbeitrag

VALORA · Wirtschaftspolitisches Positionspapier

Ordnet mögliche Kosten, Arbeit und Präventionsrendite.

Evidenzstatus: Eigene wirtschaftspolitische Synthese · geeignet für: Forschungs- und Kostenagenda

DEFICIO · Governance-/Vollzugsmodell

Beschreibt institutionelle Korrektur- und Normierungslücken.

Evidenzstatus: Eigener Strukturrahmen · geeignet für: Vollzugsarchitektur und Lösungsoptionen

Normierungsagenda · Normierungs- und Umsetzungskatalog

Bündelt vorgeschlagene Standards und internationale Vorbilder.

Evidenzstatus: Eigener Forderungskatalog · geeignet für: Konkrete Umsetzungsvorschläge nach Evidenz- und Rechtsprüfung

NaSPro-AG NNV · Fachliche Stellungnahme

Literaturgestützte Stellungnahme zum Suizidpräventionsgesetz.

Evidenzstatus: Fachstellungnahme, keine Primärstudie · geeignet für: Politische Beteiligung, Literaturwegweiser, Forderungen

Gesetzesstellungnahmen · Rechtspolitische Stellungnahmen

Bewerten einzelne Reformen und formulieren Prüfbitten.

Evidenzstatus: Eigene rechtspolitische Bewertung · geeignet für: Dokumentation von Einwänden, Fragen und Beteiligung

Gesetze & Rechtsprechung

  • Art. 2 Abs. 2, Art. 3 Abs. 1 und Abs. 3 S. 2, Art. 6, Art. 20 GG · Art. 82 Abs. 1 GG (Ausfertigung)
  • BVerfG, 16.12.2021 – 1 BvR 1541/20 (Triage); BVerfGE 88, 203 (Begriff Untermaßverbot), 56, 54 / 77, 170 (Verletzungsformel); BVerfGE 56, 54 / 49, 89 (Nachbesserungspflicht); BVerfGE 125, 175 / 132, 134 / 152, 68 (Ermittlung/Bedarf, Analogie); BVerfGE 123, 186 / 159, 223 (kumulative Belastung, GKV-nah); BVerfGE 112, 304 / 141, 220 (additiver Eingriff im Überwachungsrecht – ferne Strukturparallele); BVerfG, 26.11.2024 – 1 BvL 1/24 (§ 1832 BGB, ausnahmsloser Krankenhausvorbehalt bei ärztlicher Zwangsbehandlung; Strukturvergleich: schützende Regel darf die zu Schützenden nicht selbst gefährden; Nachbesserungsfrist)
  • §§ 2a, 27, 51, 61, 62, 70, 87 Abs. 2c, 87a Abs. 3, 39 Abs. 1a SGB V; § 2 SGB IX; § 33c, § 17 Abs. 2 SGB I; §§ 4, 7, 9, 11 BGG; § 35a SGB VIII
  • UN-Behindertenrechtskonvention: Art. 5, 9, 19, 25, 26, 28, 31; General Comment Nr. 6 · UN-Fachausschuss CRPD/C/DEU/CO/2-3 (2023) · UN-Sozialpakt (ICESCR) Art. 12 mit General Comment 14 (Rückschrittsverbot)

Paragraphen-Fassungen beziehen sich auf die beschlossene Fassung (BGBl. 2026 I Nr. 228). Spur A bedeutet bibliografische Nachvollziehbarkeit, nicht vollständige inhaltliche Replikation.