LIORA – Statements zur Anerkennung von invisiblen Barrieren und einer interministeriellen Strategie

1. Statements

Folgende Absender:innen und Institutionen haben sich zum LIORA-Modell, zur Wichtigkeit invisibler Barrieren und zu einer interministeriellen Strategie positioniert:

Prof. Dr. Reinhard Lindner, Nationales Suizidpräventionsprogramm (NaSPro), Allgemeiner Behindertenverband in Deutschland e.V. (ABiD), Fabian Diekmann / Autismus Deutschland e.V., Vorstand des Berufsverbandes für Lerntherapeut:innen (BLT e.V.), Anika Tipp / Brains in Mind gUG (haftungsbeschränkt), Bundesverband FASD e.V., Deutsche DepressionsLiga e.V., Mirko Bastian / Deutsche Gesellschaft für Muskelkranke e.V. (DGM), Deutsche ILCO e.V., Gisela Michalowski / FASD Deutschland e.V., Lipödem Gesellschaft e.V., Tina Meffert / Mutmachleute e.V., Selbsthilfeverein Mutismus, Tourette Gesellschaft Deutschland e.V., Lena Thomas / Frauenbildungsnetz Mecklenburg-Vorpommern e.V. / Ko·Ko – Neurodiversität im Job, Nicole Kaiser / Frauenzentrum Erlangen e.V., Gritt Buggenhagen / Initiative #LiegendDemo, Frederick Groeger-Roth / Landespräventionsrat Niedersachsen / Community That Cares (CTC), Monika Gall / MCS-Atemluftinitiative Schleswig-Holstein, CSD Frankfurt / CSD Deutschland e.V., Molly Sue Horn, Dr. Mo Urban / Bremische Zentralstelle der Landesfrauenbeauftragten, Claudia Middendorf.

Sie können Ihr Statement mit dem Betreff „Statement“ an post@stille-stunde.com senden. 

1.1 Wissenschaft / bundesweite Fachperspektive

1.1.1 Nationales Suizidpräventionsprogramm (NaSPro)

Kurze Erläuterung:
Das Nationale Suizidpräventionsprogramm für Deutschland (NaSPro) ist ein wissenschaftlich fundiertes Expert:innen-Netzwerk zur Suizidprävention in Deutschland. Es arbeitet an der Entwicklung und Fortentwicklung suizidpräventiver Strategien und vernetzt fachliche Perspektiven aus verschiedenen Bereichen der Prävention.

„Die Verbindung von Diagnostik, invisiblen Barrieren und Suizidprävention in einem Modell zu denken, ist ein relevanter Schritt. Diese Verknüpfungen bei der Prävention im Blick zu halten muss Teil einer modernen Präventionsarbeit sein.“

Prof. Dr. Reinhard Lindner, Nationales Suizidpräventionsprogramm (NaSPro)


1.2 Bundesweite Organisationen / Fachverbände

1.2.1 Allgemeiner Behindertenverband in Deutschland e.V. (ABiD)

Kurze Erläuterung:
Der ABiD e. V. setzt sich für eine Gesellschaft ein, in der Inklusion selbstverständlich ist. Menschen mit Behinderungen sollen in allen Lebensbereichen gleichberechtigt mitbestimmen, teilhaben und ihre Potenziale entfalten können. Barrierefreiheit, moderne zugängliche Strukturen und die Stärkung der Selbstvertretung bilden die Grundlage dieser Vision. Solidarität, Gerechtigkeit und Menschenrechte sind dabei die Leitprinzipien.

„Nichts über uns ohne uns – für eine inklusive, barrierefreie und gerechte Gesellschaft, in der Menschen mit Behinderungen selbstbestimmt leben und gleichberechtigt teilhaben.

Der ABiD e. V. setzt sich für eine Gesellschaft ein, in der Inklusion selbstverständlich ist. Menschen mit Behinderungen sollen in allen Lebensbereichen gleichberechtigt mitbestimmen, teilhaben und ihre Potenziale entfalten können. Barrierefreiheit, moderne zugängliche Strukturen und die Stärkung der Selbstvertretung bilden die Grundlage dieser Vision. Solidarität, Gerechtigkeit und Menschenrechte sind dabei die Leitprinzipien.

Der überwiegende Teil der Behinderungen ist unsichtbar oder nicht sofort erkennbar. Dennoch wird Betroffenen aktuell leider noch nicht die Aufmerksamkeit entgegengebracht, die sie brauchen und auch verdienen. Barrierefreiheit und Teilhabe für Menschen mit unsichtbaren Behinderungen zu ermöglichen, ist dringend erforderlich und muss in allen Bereichen sichergestellt werden. Eine sehr gut durchdachte Grundlage dafür ist das Projekt LIORA, das auch wir selbstverständlich unterstützen.

Allgemeiner Behindertenverband in Deutschland e.V. (ABiD)


1.2.2 Autismus Deutschland e.V.

Kurze Erläuterung:
Autismus Deutschland e.V. ist ein bundesweiter Selbsthilfe- und Fachverband, der sich für die Rechte, Teilhabe und Unterstützung autistischer Menschen und ihrer Angehörigen einsetzt. Der Verband engagiert sich für Aufklärung, bessere Rahmenbedingungen und den Abbau struktureller Barrieren in allen Lebensbereichen.

„Barrierefreiheit/-Armut ist ein wesentlicher Weg im Zugang zu gesellschaftlicher Teilhabe, für sichtbare und unsichtbare Behinderungen. Sichtbarkeit für diese Herausforderungen zu schaffen, braucht Dialog und Innovation. Aus der Perspektive Autismus zeigt sich dies z.B. am Motto der Kampagne des Weltautismustages: „Not Invisible – Nicht unsichtbar“. Neben der Bedeutung der Teilhabe ist es insbesondere die Prävention von psychischen Belastungsfolgen und Stärkung der individuellen Resilienz, die mit der Reduktion von Barrieren in allen Lebensbereichen erzielt werden kann“

Fabian Diekmann, Autismus Deutschland e.V.


1.2.3 Berufsverband für Lerntherapeut**:innen**** (BLT e.V.)**

Kurze Erläuterung:
Der Berufsverband für Lerntherapeut:innen (BLT e.V.) vertritt die fachlichen und berufspolitischen Interessen von Lerntherapeut:innen. Er setzt sich für qualitätsgesicherte lerntherapeutische Unterstützung ein und bringt Praxiserfahrungen zu Bildungsbarrieren, Entwicklungsverläufen und Unterstützungsbedarfen in die fachliche Debatte ein.

„In der lerntherapeutischen Praxis erleben wir Menschen, die auch unter den von Ihnen beschriebenen gesellschaftlichen Barrieren – zum Teil erheblich – leiden.
Der Berufsverband für Lerntherapeut:innen (BLT e.V.) unterstützt alle Maßnahmen, die zum Abbau nicht sichtbarer Barrieren und zum Aufbau von Unterstützungsstrukturen für Menschen mit psychischen, chronischen und seltenen Erkrankungen führen. Dabei sind alle Ideen für die gesellschaftliche Sensibilierung und für konkrete Lösungsansätze gefragt. LIORA bietet dafür die richtige Plattform!“

Der Vorstand des Berufsverbandes für Lerntherapeut*:innen** (BLT e.V.)*


1.2.4 Brains in Mind gUG (haftungsbeschränkt)

Kurze Erläuterung:
Brains in Mind gUG (haftungsbeschränkt) ist eine gemeinnützige Unternehmergemeinschaft und Dach-Organisation der PDA Initiative. Sie stärkt digitale und regionale Selbsthilfe für neurodivergente Kinder, Jugendliche und ihre Familien, fördert Aufklärung über seelische bzw. unsichtbare Behinderungen und entwickelt Unterstützungsangebote für Teilhabe, Familienbildung und den Übergang Schule/Beruf.

„Wir unterstützen das Projekt LIORA und die damit verbundene Forderung, Barrierefreiheit für Menschen mit nicht sichtbaren Behinderungen in Deutschland verbindlich gesetzlich, normativ und praktisch zu verankern. Unsichtbare Barrieren müssen in öffentlichen, gesundheitlichen, schulischen, wirtschaftlichen und sozialen Strukturen systematisch berücksichtigt werden.
Aus unserer Perspektive zeigt sich jedoch auch, dass eine zentrale Grundlage dafür noch immer sehr viel mehr Aufmerksamkeit braucht: die gesellschaftliche Akzeptanz unsichtbarer Behinderungen selbst. Wir erleben immer wieder, dass Eltern neurodivergenter Kinder zunächst um die Anerkennung der Diagnosen ihrer Kinder kämpfen müssen – und damit auch darum, in ihrer Rolle als pflegende Eltern ernst genommen zu werden. Erst wenn diese Realität anerkannt wird, können auch unsichtbare Barrieren konsequent mitgedacht und abgebaut werden.“

Anika Tipp, Geschäftsführende Gesellschafterin, Brains in Mind gUG (haftungsbeschränkt)


1.2.5 Bundesverband FASD e.V.

Kurze Erläuterung:
Der Bundesverband FASD e.V. ist ein gemeinnütziger, bundesweit tätiger Zusammenschluss von Menschen mit FASD, Angehörigen, Fachkräften sowie Einrichtungen, Organisationen und weiteren Akteur:innen. Er fördert Austausch und Zusammenarbeit, bündelt Wissen und Bedarfe und vertritt die Interessen von Menschen mit Fetalen Alkoholspektrumstörungen gegenüber Politik und Gesellschaft.

„Das Modell LIORA zeigt eindrucksvoll, wie mit vergleichsweise einfachen, aber konsequentumgesetzten Anpassungen echte Teilhabe für neurodivergente Menschen ermöglicht werdenkann. Aus Sicht des Bundesverbands FASD e.V. sind solche reizärmeren Angebote einwichtiger Baustein, um Überforderung im Alltag zu reduzieren, Selbstbestimmung zu stärkenund die Umwelt an die Bedürfnisse von Menschen mit FASD anzupassen – und nichtumgekehrt. Besonders positiv hervorzuheben ist, dass hier praktische Erfahrungen, Aufklärungund politisches Bewusstsein zusammenkommen und damit ein Modell entsteht, das bundesweitSchule machen kann.

Der Bundesverband FASD e.V. unterstützt und befürwortet daher ausdrücklich das Anliegen, eineinterministerielle Sichtweise und Verantwortlichkeit zu initiieren.“

Bundesverband FASD e.V.


1.2.6 Deutsche DepressionsLiga e.V.

Kurze Erläuterung:
Die Deutsche DepressionsLiga e.V. ist eine bundesweite Betroffenenorganisation von Menschen mit Depressionen. Sie setzt sich für Aufklärung, Entstigmatisierung, gesellschaftliche Teilhabe und eine stärkere Berücksichtigung der Perspektiven Betroffener in Öffentlichkeit, Versorgung und Politik ein.

„Wir als Deutsche Depressionsliga – eine
Betroffenenorganisation – verstehen sehr gut, wie belastend ein Umfeld sein kann, das die Einschränkungen, die mit der Erkrankung eingehen, oft nicht sieht und berücksichtigt. Die strukturelle Benachteiligung im privaten wie beruflichen Umfeld sehen wir als große Herausforderung und unterstützen die Anerkennung nicht sichtbarer Behinderungen.“

Deutsche DepressionsLiga e.V.


1.2.7 Deutsche Gesellschaft für Muskelkranke e.V. (DGM)

Kurze Erläuterung:
Die Deutsche Gesellschaft für Muskelkranke e.V. (DGM) ist die größte Selbsthilfeorganisation für Menschen mit neuromuskulären Erkrankungen in Deutschland und setzt sich seit Jahrzehnten für Versorgung, Forschung und gesellschaftliche Teilhabe Betroffener ein.

„Auch bei neuromuskulären Erkrankungen gibt es Verläufe, in denen die Erkrankung von außen auf den ersten Blick nicht sichtbar ist — und gerade diese Menschen haben besondere Bedürfnisse, die gesellschaftliche Rücksichtnahme erfordern. Strukturelle Barrieren wirken exkludierend. Im Inklusionsprozess müssen wir MIT den Betroffenen sprechen, nicht ÜBER sie — sie sind die Expertinnen und Experten für ihre eigenen Lebenslagen.“

Mirko Bastian, Bundesgeschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für Muskelkranke e.V. (DGM)


1.2.8 Deutsche ILCO e.V.

Kurze Erläuterung:
Die Deutsche ILCO e.V. ist eine bundesweit tätige Selbsthilfevereinigung für Menschen mit einem künstlichen Darmausgang (auch nach Rückverlagerung) oder einer künstlichen Harnableitung und Darmkrebsbetroffene sowie deren Angehörige.

„Sind Sie schon einmal auf der Straße einem Menschen mit einem Stoma begegnet? Bestimmt, denn in Deutschland leben rund 150.000 Menschen mit einem künstlichen Darmausgang oder einer künstlichen Harnableitung. Doch wer das nicht weiß, sieht das von außen nicht. Ein Stoma oder auch andere „unsichtbare“ Einschränkungen sind beispielsweise der Grund, weshalb eine Person eine Behindertentoilette aufsuchen muss. Eine Rechtfertigung hierfür in der Öffentlichkeit kann äußerst unangenehm und belastend sein. Es braucht dringend mehr Verständnis der Gesellschaft für unsichtbare Erkrankungen und Abbau von invisiblen Barrieren, damit solche Einschränkungen mehr Normalität werden.“

Deutsche ILCO e.V.


1.2.9 FASD Deutschland e.V.

Kurze Erläuterung:
FASD Deutschland e.V. ist eine bundesweit tätige Selbsthilfe- und Interessenvertretung für Menschen mit Fetalen Alkoholspektrumstörungen und deren Angehörige. Der Verein setzt sich für Aufklärung, Anerkennung und gesellschaftliche Teilhabe einer Gruppe ein, deren Beeinträchtigungen im Alltag häufig unsichtbar bleiben.

„Unsichtbare Behinderungen erzeugen eine unsichtbare Überforderung — und genau das macht sie so gefährlich. Barrierefreiheit muss alle erreichen, auch die, deren Barrieren man nicht sieht.“

Gisela Michalowski, FASD Deutschland e.V.


1.2.10 Lipödem Gesellschaft e.V.

Kurze Erläuterung:
Die Lipödem Gesellschaft e.V. setzt sich für mehr Sichtbarkeit, weniger Stigmatisierung und eine bessere Unterstützung von Menschen mit Lipödem in Versorgung und Gesellschaft ein.

„Das Lipödem ist eine chronische, schmerzhafte Erkrankung, deren Belastungen im Alltag noch immer zu oft übersehen oder bagatellisiert werden. Es ist keine Frage von Disziplin oder Aussehen, sondern eine ernstzunehmende chronische Erkrankung. Wir unterstützen den gemeinsamen Strategieansatz von gemeinsam zusammen e.V. und fordern mehr Sichtbarkeit, weniger Stigmatisierung und bessere Unterstützung für Betroffene in Versorgung und Gesellschaft.“


1.2.11 Mutmachleute e.V.

Kurze Erläuterung:
Mutmachleute e.V. setzt sich dafür ein, Menschen mit psychischen Erkrankungen – deren Herausforderungen oft unsichtbar bleiben – eine Stimme zu geben und einen offenen Dialog über psychische Gesundheit zu fördern. Nur wenn wir strukturelle Hürden ernst nehmen, kann echte Barrierefreiheit entstehen.

„Viele psychische Erkrankungen sind für Außenstehende nicht sichtbar – ihre Auswirkungen im Alltag sind es aber sehr wohl. Als Mutmachleute e.V. erleben wir, wie Menschen mit psychischen Belastungen an strukturellen Hürden scheitern: an fehlendem Verständnis, an starren Systemen und an Barrieren, die ihre Bedürfnisse nicht mitdenken.

Deshalb ist es wichtig, psychische Erkrankungen stärker als Teil der Debatte um nicht sichtbare Behinderungen zu verstehen. Wenn wir strukturelle Barrieren abbauen, schaffen wir nicht nur mehr Teilhabe, sondern beugen auch Isolation, Überforderung und Krisen vor. Initiativen, die diese Zusammenhänge sichtbar machen und in politische Strukturen übersetzen wollen, sind ein wichtiger Schritt hin zu einer inklusiveren Gesellschaft.“

Tina Meffert, Vorstandsvertreterin


1.2.12 Selbsthilfeverein Mutismus

Kurze Erläuterung:
Der Selbsthilfeverein setzt sich seit vielen Jahren für ein besseres Verständnis für Mutismus ein. Dabei stehen die betroffenen Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen im Fokus. Die Sichtbarkeit der angstbesetzten und/oder psychischen Kommunikationsstörung in der Öffentlichkeit liegt uns sehr am Herzen.

„Kinder, Jugendliche und auch Erwachsene mit selektivem Mutismus leisten täglich enorme Überwindungsarbeit. Wenn Bildungssysteme jedoch mündliche Beteiligung oder Prüfungen zur Voraussetzung für Erfolg machen, scheitern viele nicht an ihren Fähigkeiten, sondern an strukturellen Barrieren. Mehr Sichtbarkeit ist deshalb entscheidend, damit Schule, Ausbildung und Beruf den tatsächlichen Fähigkeiten gerecht werden – statt dass Biografien durch Isolation, Angst und vermeidbare Belastungen geprägt werden.“

Selbsthilfeverein Mutismus


1.2.13 Tourette Gesellschaft Deutschland e.V.

Kurze Erläuterung:
Die Tourette Gesellschaft – Deutschland e.V. ist ein gemeinnütziger Verein, der sich für Menschen mit dem Tourette – Syndrom und deren Angehörigen einsetzt. Sie bietet Aufklärung, Beratung , Unterstützung im Alltag und fördern die Forschung zu Tourette.

„ Menschen mit Tourette bringen im Arbeitsalltag und in der Freizeit wie alle anderen Fähigkeiten und Stärken mit. Was sie oft ausbremst, sind nicht die Tics selbst, sondern Unsicherheit, Stigmatisierung und mangelnde oder falsche Aufklärung im Arbeitsumfeld/Freizeitbereich. Die ehrenamtliche Arbeit im Verein zielt gemäß dem Liora- Modell (LIORA – das Lichtblick-Leitmodell für Inklusion, Orientierung, Rechte und Anerkennung von Menschen mit invisiblen Barrieren mit interministerialem Auftrag) darauf ab, mehr Verständnis und Teilhabe in allen Lebensbereichen zu schaffen. Oft entstehen die größten Barrieren nur in unseren Gedanken. Menschen, die bisher keine Erfahrungen haben mit Neurodivergenz, sind dann häufig positiv überrascht und fragen sich danach, warum sie sich das vorher so schwer vorgestellt haben.

Tourette Gesellschaft Deutschland e.V.


1.3 Landes- und Regionalinitiativen

1.3.1 Frauenbildungsnetz Mecklenburg-Vorpommern e.V. / Ko·Ko – Neurodiversität im Job

Kurze Erläuterung:
Das Frauenbildungsnetz Mecklenburg-Vorpommern e.V. engagiert sich für Gleichstellung, Bildung und berufliche Teilhabe. Mit dem Projekt „Ko·Ko – Neurodiversität im Job“ macht der Verein insbesondere die Lebensrealitäten neurodivergenter Frauen im Arbeitskontext sichtbar und setzt sich für sensibilisierte, inklusivere Strukturen ein.

„Frauen mit unsichtbaren Behinderungen, wie Neurodivergenz, sind kein Trend auf Socialmedia oder die neue „Superkraft“ für Unternehmen – sie sind Menschen.

Das Sichtbarmachen ihrer Lebensrealitäten und Barrieren bietet die Chance, veraltete Strukturen umzudenken und Sätze wie „Das machen wir so, weil es schon immer so war!“ loszulassen.
Wir brauchen ein System, in dem Anpassungen nicht die „Extrawurst“, sondern legitim und notwendig sind. “

Lena Thomas, Projektleiterin des Projekts „Ko·Ko – Neurodiversität im Job“ vom Frauenbildungsnetz MV e.V.


1.3.2 Frauenzentrum Erlangen e.V.

Kurze Erläuterung:
Das Frauenzentrum Erlangen e.V. setzt sich für die Interessen, Sichtbarkeit und gesellschaftliche Teilhabe von Frauen und FLINTA*-Personen ein. Es thematisiert strukturelle Benachteiligungen, Care-Arbeit, Gesundheit und geschlechtsspezifische Ungleichheiten.

„FLINTA*-Personen leisten den Großteil unbezahlter Arbeit und sind gleichzeitig überdurchschnittlich häufig von unsichtbaren Behinderungen betroffen. Das können chronische oder psychische Erkrankungen sein oder auch Diagnosen wie Autismus und ADHS. Durch den mental load und die Care-Arbeit, die sie täglich leisten, wird der Leidensdruck größer. Es ist also umso wichtiger, nicht-sichtbare Behinderungen und Erkrankungen sichtbar zu machen! Außerdem geht die Medizin meist vom normtypischen cis-männlichen Körper aus und schadet damit erkrankten FLINTA*. Sichtbarkeit kann Leben retten und den Zugang so wie die Durchführung von und zu Diagnostik und medizinischer Versorgung erleichtern.“

Nicole Kaiser


1.3.3 Initiative #LiegendDemo

Kurze Erläuterung:
Die Initiative #LiegendDemo organisiert bundesweit Aktionen – insbesondere Liegend-Demonstrationen –, um auf die oft unsichtbare und schwer belastende Lebensrealität von Menschen mit ME/CFS aufmerksam zu machen und konkrete Verbesserungen in Medizin und Versorgung einzufordern.

„Menschen mit ME/CFS und anderen nicht sichtbaren Behinderungen stoßen täglich auf strukturelle Barrieren. Diese Probleme lassen sich nicht lösen, indem man einzelne Diagnosen isoliert betrachtet. Was wir brauchen, sind gesetzliche Rahmenbedingungen, die diese gemeinsamen Hürden endlich anerkennen und systematisch abbauen.“

Gritt Buggenhagen, Gründerin und Leiterin der Initiative #LiegendDemo


1.3.4 Landespräventionsrat Niedersachsen / Community That Cares (CTC)

Kurze Erläuterung:
Der Landespräventionsrat Niedersachsen ist das zentrale Präventionsgremium des Landes und unterstützt Kommunen und Fachpraxis bei der Entwicklung wirksamer Präventionsstrategien. Community That Cares (CTC) ist ein kommunales Präventionskonzept, das Risiken früh erkennt, Schutzfaktoren stärkt und Präventionsarbeit datenbasiert, ressortübergreifend und verbindlich organisiert.

„Es gibt gute Gründe anzunehmen, dass Menschen mit nicht sichtbaren Behinderungen von universellen Präventionsangeboten profitieren können — aber auch spezifische Barrieren, die dagegen sprechen. Was in Deutschland fehlt, ist nicht das Wissen. Was fehlt, ist strukturelle Verbindlichkeit, die Verantwortungsdiffusion überwindet.“

Frederick Groeger-Roth, Landespräventionsrat Niedersachsen


1.3.5 MCS-Atemluftinitiative Schleswig-Holstein

Kurze Erläuterung:
Die MCS-Atemluftinitiative-Holstein ist eine Initiative von und für Menschen mit Multipler Chemikaliensensitivität (MCS). MCS ist eine schwere neuroimmunologische Erkrankung mit Intoleranz gegenüber chemischen Stoffen. MCS ist gekennzeichnet durch zum Teil anhaltende Zustandsverschlechterungen nach geringfügigen Expositionen gegenüber alltäglichen Stoffen, insbesondere in der Atemluft, zum Beispiel durch Passivrauch oder Duftchemikalien.

„Eine Atemluft ohne chemische Barrieren ist für Menschen mit MCS eine grundlegende Voraussetzung für ihre Gesundheit. Aufgrund fehlender chemischer Barrierefreiheit erleben Betroffene täglich, wie sich ihr Zustand verschlechtert und ihre Erkrankung fortschreitet – allein dadurch, dass sie ihre Wohnung verlassen und etwa einkaufen gehen oder einen Arzttermin wahrnehmen.
Mit Fortschreiten der Erkrankung verschlechtert sich zudem ihre Versorgungssituation: Da auch Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen bislang keine chemisch barrierefreie Versorgung ermöglichen, bleiben Betroffene selbst dann auf sich gestellt, wenn sie dringend medizinische Hilfe oder Pflege benötigen.
Für viele Betroffene eröffnet sich durch das interministerielle Konzept von gemeinsam zusammen e.V. erstmals eine realistische Perspektive auf mehr Teilhabe, bessere Gesundheit und mehr Lebensqualität.“

Monika Gall, MCS-Atemluftinitiative Schleswig-Holstein


1.4 Kultur / Öffentlichkeit

1.4.1 CSD Deutschland e.V. / CSD-Bewegung

Kurze Erläuterung:
Der CSD Deutschland e.V. ist der Dachverband der Christopher Street Day-Veranstaltungen in Deutschland und Teil einer bundesweiten zivilgesellschaftlichen Bewegung für Gleichberechtigung, Sichtbarkeit und den Abbau von Diskriminierung gegenüber queeren Menschen. Die Bewegung setzt sich für gesellschaftliche Teilhabe, Diversität und strukturelle Veränderungen ein.

„Inklusion endet nicht bei der Rampe!
Wir vom CSD Frankfurt unterstützen die Initiative von @stille_stunde_com und fordern gemeinsam: Neuro-Legitimität – die gesetzliche Anerkennung unsichtbarer Barrieren.
Viel zu oft werden Menschen mit nicht sichtbaren Behinderungen vom System übersehen. Ob reizüberflutete Räume oder starre Abläufe – es ist Zeit für ein Umdenken in der gesamten Gesellschaft. Es geht nicht um individuelles Versagen, sondern um notwendiges Systemdesign, das alle Menschen mitdenkt.
Wir ziehen den Hut vor der Arbeit, die hier geleistet wurde, um dieses Thema endlich in die Politik zu bringen. Diskriminierung abbauen bedeutet, Barrieren für alle abzubauen!“

CSD Frankfurt / CSD Deutschland e.V.


1.4.2 Molly Sue Horn

Kurze Erläuterung:
Molly Sue Horn ist Sängerin, Songwriterin und ESC-Vorentscheid-Finalistin 2026. Sie verarbeitet in ihrer Musik das Leben mit unsichtbaren chronischen Erkrankungen und macht damit deren Auswirkungen im Alltag öffentlich sichtbar.

„Meine Erkrankungen sieht man mir nicht an — und genau das ist das Problem. Endometriose, EDS, chronischer Schmerz: unsichtbar für die Welt, aber allgegenwärtig in meinem Alltag. In meiner Musik verarbeite ich das — in der Hoffnung, Menschen zu erreichen, denen es ähnlich geht. Aber Musik allein reicht nicht. Wir brauchen mehr Sichtbarkeit: im Alltag, in der Schule, im Job, in der Kultur. Was nicht sichtbar ist, zählt trotzdem.“

Molly Sue Horn, Sängerin, Songwriterin und ESC-Vorentscheid-Finalistin 2026


1.5 Politik / Beauftragte

1.5.1 Bremische Zentralstelle der Landesfrauenbeauftragten

Kurze Erläuterung:
Die Bremische Zentralstelle der Landesfrauenbeauftragten setzt sich für Geschlechtergerechtigkeit, den Abbau struktureller Benachteiligungen und die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen* ein. Sie thematisiert insbesondere die Auswirkungen geschlechtsspezifischer Ungleichheiten in Politik, Gesellschaft und Gesundheit.

„Als Zentralstelle der Landesfrauenbeauftragten in Bremen setzen wir uns für die gleichberechtigte Teilhabe von Menschen ein. Frauen* mit nicht sichtbaren Behinderungen erleben bisher unter anderem im Gesundheitssystem vielfache Hürden und sie sind oft mehrfach benachteiligt: Eine wenig geschlechtersensible Medizin führt zu Unter- und Fehldiagnosen und geschlechtliche Stereotypen verstärken eine strukturelle Unsichtbarkeit von Barrieren. Neben den Erkrankungen und Behinderungen führen so zusätzlich die sozialen, kommunikativen und institutionellen Hürden zu Erschöpfung, Ausschluss und ungleicher Teilhabe. Mehr Sichtbarkeit ist daher ein erster Schritt, um diese strukturellen Ungleichheiten anzuerkennen und wirksam abzubauen.“

Dr. Mo Urban, Fachreferentin für Gesundheit bei der Bremischen Zentralstelle der Landesfrauenbeauftragten


1.5.2 Claudia Middendorf

Kurze Erläuterung:
Claudia Middendorf ist Sozialpädagogin und Beauftragte der Landesregierung für Menschen mit Behinderung sowie für Patientinnen und Patienten in Nordrhein-Westfalen.

„Es ist wichtig, dass wir die Menschen mit nicht sichtbaren Behinderungen nicht vergessen und daran arbeiten, die Barrieren für diesen Personenkreis abzubauen, weil ihre Herausforderungen oft übersehen oder missverstanden werden. Noch immer ist für Menschen mit unsichtbaren Einschränkungen wie Autismus, Angststörungen oder starker sensorischer Empfindlichkeit eine uneingeschränkte Teilhabe am Alltag nicht oder nur sehr schwierig möglich. Eine inklusive Gesellschaft muss diese unsichtbaren Bedürfnisse anerkennen und gleichberechtigte Bedingungen für alle schaffen.“

Claudia Middendorf, Beauftragte der Landesregierung für Menschen mit Behinderung sowie für Patientinnen und Patienten in Nordrhein-Westfalen


Ihr Statement bitte mit kurzer Beschreibung der Institution mit Betreff „Statement“ an post@stille-stunde.com.

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